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Alexander von
Schönburg: Die Kunst des
stilvollen Verarmens
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Aktuellster
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Alexander von Schönburg
in seiner eigenen Schreibe
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- SCHÖNBURG, Alexander von (2003):
Glanz ist in der kleinsten Hütte.
Deutschland muss lernen, in Anmut zu sinken und mit Stil zu
verarmen. Hier hilft das Nabokov-Prinzip,
in: Süddeutsche Zeitung v. 08.03.
- Kommentar:
Adel verpflichtet! Bei der SZ nimmt man sich
an der BUNTE ein Vorbild. Statt Frauentag ist heute Adelstag!
Der Artikel hätte natürlich nicht in
der Bunte erscheinen können, weil es hier um eine Kritik am
Kündigungsschutz in Deutschland geht:
"Auch wenn ich es in meinem
persönlichen Fall natürlich bedauere, muss ich dennoch einsehen,
dass mein ehemaliger Arbeitgeber richtig gehandelt hat. Es ist
nicht ganz von der Hand zu weisen, dass sich ein Unternehmen in
Zeiten wie diesen keine neuen Mitarbeiter leisten kann, wenn es
ihm durch
das Gesetz praktisch unmöglich gemacht wird, sie je wieder
loszuwerden".
Ansonsten droht die SZ an, dass
nun SCHÖNBURG wöchentlich das
stilvolle Verarmen predigen darf,
denn:
"Der Vorteil von Familien wie
meiner ist nun, dass wir jahrhundertelang Erfahrung mit dem
stetigen sozialen Abstieg machen konnten und daher eine gewisse
Übung darin haben".
Durch das "Ein Herz für den
Adel"-Engagement der SZ gibt es wenigstens einen Generation
Golf-Arbeitslosen in Deutschland weniger. Für den Rest seiner
Sozialstaats-Generation hat SCHÖNBURG nur Verachtung übrig:
"Angeblich laufen alleine in
Berlin zehntausend arbeitslose Journalisten herum. Wenn man jene
hinzuzählt, die es bereits beim Platzen der New-Economy-Blase
erwischt hat (...), hat Berlin endlich wieder die Chance, eine Art
Bohème zu entwickeln. Allerdings sieht man in dieser Stadt keine
fröhlichen, sondern nur abgerissene Gestalten, die in
Kaffeehäusern Ideen entwickeln.
Oder mies gelaunte, bestenfalls melancholische ehemalige Kollegen.
Sie beklagen ihren Zustand und sind so damit beschäftigt, von der
Künstlersozialkasse in kunstvoll formulierten Briefen Geld zu
fordern sowie Formulare für Ich-AGs auszufüllen, dass sie keine
Zeit haben, ins Kaffeehaus zu gehen. Für die 600 Euro monatlich,
die man als Gründer einer Ich-AG vom Staat erhält, hätte Nabokov
im viel beschworenen Berlin der zwanziger Jahre hunderte Stunden
Nachhilfeunterricht (in Englisch, Französisch, Versmaß, Tennis und
Boxen) geben müssen. Das Verarmen wird einem heute durch den Staat
einerseits schwerer gemacht. Andererseits muss es wohl früher sehr
viel leichter gewesen sein, würdevoll arm zu sein – es gab noch
keinen Konsumterror".
Diedrich DIEDERICHSEN hat in
"Freiheit macht arm" (1993) beschrieben, dass es auch einmal ganz
anders ging.
Dort beschreibt er, wie im Paris
um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Umwertung der Subversion
begann, damals als sich
"zum ersten Mal herabgesunkene
Adlige, die in der bürgerlichen Aufklärung nur den Ruin schon
erlebter oder besessener Feinheiten ausmachen konnten, und von
unten nicht zur bürgerlichen Kommunikationswelt zugelassene
Schonnichtmehrproletarier in den gleichen Lokalen trafen (...). In
diesen Lokalen fiel nämlich der ästhetische und der politische
Abstand zur sich institutierenden Kommunikationsidee zusammen. Die
ästhetische Differenz zum bürgerlichen Geschmack, seiner
Warenförmigkeit, empfand sich als politisch und, umgekehrt, die
politische als ästhetisch."
-
SCHÖNBURG, Alexander von (2005): Weniger ist mehr.
Arm zu sein, ist eleganter
als reich zu sein. Das scheint sich nur noch nicht herumgesprochen
zu haben,
in: Welt am Sonntag v. 13.03.
- Inhalt:
"Den
Drang nach Prestige, nach Anerkennung wird es solange geben, wie es
Menschen gibt. Nur befinden sich die Dinge, die diese Anerkennung
verschaffen, interessanterweise im Wandel.
Denn - ja, ist ja gut -
die
fetten Jahre sind vorbei. Aber was bedeutet das eigentlich?
Für uns? Es
bedeutet zum Beispiel (Sozialkundelehrer
bitte mitschreiben!), daß nach dem Sozialismus noch eine zweite
große Utopie gescheitert ist: Ludwig Erhards »Wohlstand für
alle«-Ideologie.
Die Gründungsväter der Bundesrepublik bauten dieses Land auf dem
Mythos auf, daß wir alle gleichzeitig reich werden können. Der
damaligen Staatsräson entsprach es, das ganze Land mit einer
dickflüssigen Vanillesauce aus staatlichen Transferleistungen zu
überziehen, das sämtliche soziale Unebenheiten unter sich bedecken
sollte. Es darf, so träumten unsere Alten, kein Reich und kein Arm
in diesem Land geben.
Dieser Traum ist nun ausgeträumt",
doziert SCHÖNBURG.
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Alexander von Schönburg in
der Debatte
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JÜRGS, Michael (2005): Des Kaisers neue Kleider.
Im Herzen der Magazine.
Eine subjektive Nabelschau unter aufstrebenden
deutschen Zeitgeistlern und Zeitgeistlern,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.04.
- Kommentar:
JÜRGS droht ein neues Magazin von Gruner +
Jahr an, dessen Chefredakteur sich bislang im stilvollen Verarmen
geübt hat.
Auf diese neue Bescheidenheit
haben wir gerade nicht gewartet (siehe hierzu auch
KORTMANN und
ENCKE
in der SZ).
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Das Buch in der Debatte
-
LANG, Susanne (2005): Herr von Schönburg, wir müssen reden!
Der soziale Abstieg ist kein Beinbruch, wenn er stilvoll über die
Bühne geht - erklärt uns ein Held der Armut,
in: TAZ v. 11.04.
-
ENCKE, Julia (2005): Es herrenmenschelt.
Junge deutsche Autoren
flirten mit einem abgestandenen Konservatismus, der vor allem eines
will: die Distanz zum Pöbel und den Nutzern des öffentlichen
Nahverkehrs. Also zu uns,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.04.
- Inhalt:
Julia ENCKE stellt Alexander von SCHÖNBURGs
"Stilvolles Verarmen", Asfa-Wossen ASSERATEs
"Manieren", Christian KRACHTs
Magazin
Der Freund,
Ulf
POSCHARDTs Leidartikel in der WamS und den Roman
"Der
Eisvogel" von Uwe TELLKAMP in den Zusammenhangs einer
Wiedergeburt des
Dandys aus dem Geiste der
ökonomischen Krise. Ihr Fazit:
"Der
Schnösel ist also zurück. Sein Rettungsanker: die Krawatte. Zum
Lachen ist das schon, dass in Krisenzeiten der deutschen
Halbjugend der Sinn recht grundsätzlich nach Stehkragen und
Reaktion steht. Aber die Bübchen, die vom großen Aufräumen träumen
und die verlotterte Mittelmaßrepublik von rechts aufrollen wollen,
werden sicher keine neokonservative Revolution anzetteln. Macht
euch lieber mal wieder locker, Jungs!"
-
KORTMANN, Christian (2005): Der schicke Flirt mit dem
Existenzminimum.
Auch ein
verblasster Mythos: Die Armut. Während vor hundert Jahren
Menschen im tiefsten Elend verhungerten, frönt man heute
einer Luxus-Bedürftigkeit nach dem Motto: Halb soviel
shoppen, doppelte Freude. Da macht die Rolex wieder Spaß,
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.04.
-
TEWINKEL, Christiane (2005): Spar dich glücklich.
Konsumverzicht als Kulturkritik: Vom stilvollen Verarmen und
anderen erfolgreichen Rezessionsclownerien,
in: TAZ v. 04.05.
- Neu:
STUHR, Mathias (2005): Wasserträger.
Linksbündig. Die Debatte um Armut trägt nur bis zum nächsten
Lidl,
in: Freitag Nr.18 v. 06.05.
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