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Andreas Bernard: Die Geschichte des Fahrstuhls, Vorn und Kinder machen

 
       
     
       
   
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    Andreas Bernard in seiner eigenen Schreibe

     
       

    BERNARD, Andreas (2000): Alles Pop?,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 06.04.

    Die Debatte um die "Generation Golf". Ästhetische Stilbildung als generationenstiftendes Ereignis

    BERNARD, Andreas (2002): Die Stählung der Körper.
    Pop als Disziplinarmaschine: ein Streifzug durch deutsche Journale,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 15.02.

    BERNARD hat die "Abschaffung des Pop als Differenzsphäre zur Welt der Arbeit und Leistungsbereitschaft" entdeckt.

    BERNARD, Andreas (2002): Die Einflößung der Gegenwart in die Gegenwartsliteratur.
    Keine Scheu vor dem Gebrauch vorgefertigter Formulierungen: Moritz Baßlers Buch über den "deutschen Pop-Roman",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 14.06.

    BERNARD, Andreas (2006): Die Himmelfahrt der Bourgeoisie.
    Ohne den vor 150 Jahren erfundenen Fahrstuhl säßen die kleinen Leute hoch oben - und die oberen Zehntausend knapp überm Keller,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 21.10.

    BERNARD, Andreas (2007): Unwiderlegliche Beweise.
    Ist mein Kind mein Kind? Die Praxis der Vaterschaftstests führt zu Machtverschiebungen zwischen den Elternteilen. Zur Geschichte eines Zweifels,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 28.03.

    BERNARD, Andreas (2007): Pop-Literatur,
    in: SZ-Magazin v. 01.06.

    Der Popjournalist Andreas BERNARD erläutert das Grundprinzip der Pop-Literatur in Anlehnung an Hubert WINKELS, der zwischen Empathikern (Authentizität von Autor und Werk) und Gnostikern (Differenz von Autor und Werk) unterschied. Pop-Literaten verkörpern ihr Buch und nehmen damit die "Rolle einer Geschmacksinstanz im alltäglichen Leben" ein. Gibt es aber überhaupt noch ein Außen des Pop?

    "Das ermüdendste und mittlerweile unglaubwürdigste Kriterium ist zweifellos jenes, dass Pop-Autoren die wilde Antithese zum literarischen Kanon bilden würden. (...). Außenseiter ist als junger Lektor oder Redakteur inzwischen nicht, wer sich für Goetz oder Biller begeistert, sondern für Stifter, Mörike und Immermann."

    Anti-Pop lebt einzig aus der Differenz zu Pop und ist damit nichts anderes als Pop. Im gegenwärtigen Kulturklassenkampf um die Hegemonie im Kulturbetrieb spielen die feinen Unterschiede der Erlebnisklassen eine entscheidende Rolle. Wer nicht zur Unterschicht der Erlebnisgesellschaft gehören will, der muss sich inzwischen auf eine sinnige Weise zum Pop abgrenzen. Dass diese Abgrenzung mit den Mitteln des Pop geschieht ist der Unterschied zu den 1950er Jahren.

    Die Debatte um das Ende der Popliteratur

    SZ-Magazin-Titelgeschichte: Das grösste Geschenk

    BERNARD, Andreas (2007): Und wie nennen wir es jetzt?
    Früher sagte man »Familie«, und alles war klar. Aber die Erfindung der Reproduktionsmedizin hat diese simple Vorstellung ziemlich über den Haufen geworfen. Im Zeitalter von Samenbanken, Leihmüttern und anonymen Spenderlisten müssen wir uns neu orientieren. Ein Essay,
    in: SZ-Magazin Nr.51 v. 21.12.

    "Die Verfahren der neuen Reproduktionsmedizin sind im Jahr 2007 keine Randerscheinungen mehr. Vierzig Jahre nach Gründung der ersten Samenbanken in den USA und ein gutes Vierteljahrhundert nach den ersten kommerziellen Leihmutter-Agenturen sowie der Geburt der ersten »Retortenbabys« haben diese Techniken jede Exotik verloren. Auch in Deutschland ist die assistierte Empfängnis mittlerweile medizinische Routine, auch wenn die rechtlichen Einschränkungen weitaus größer sind als in vielen anderen Ländern. Leihmutterschaft oder Eizellenspende sind kategorisch verboten; die Samenspende eines Dritten ist zulässig, wird aber in den Richtlinien der Bundesärztekammer weiterhin als rein therapeutische Behandlungsmethode für heterosexuelle Paare ausgewiesen",

    beschreibt Andreas BERNARD die aktuelle Situation der Reproduktionsmedizin in Deutschland, um sich danach der Frage zu widmen inwieweit die neuen technologischen Verfahren die ethnologischen Verwandtschaftstheorien außer Kraft setzen:

    "Wenn in den 1980er-Jahren gesellschaftliche Debatten über die »Patchwork-Familie« geführt wurden, kehren diese Fragen nun auf radikalere Weise, im Hinblick auf die Blutsverwandtschaft, wieder – assistierte Empfängnis bringt »genetisches Patchwork« hervor."

    Ausführlich geht BERNARD auf den Fall des "Baby M." ein.

    BERNARD, Andreas (2009): Schwanger.
    Heute wird man nicht mehr einfach nur im Privaten schwanger, sondern lässt sich im Fernsehen von einem Millionenpublikum dabei begleiten,
    in: SZ-Magazin Nr.39 v. 25.09.

    "Deutschland wird schwanger (lässt sich) auch als Reaktion des Fernsehens auf einen elementaren Wandel der Familienpolitik verstehen: Nach den hedonistischen und selbstbezogenen Neunzigerjahren wird das Zeugen von Kindern, das Bilden von Familien gerade wieder zur gesellschaftlichen Pflicht erhoben. Die Sendung befördert diese neue Politik der Reproduktion. Und die Auszeichnung der erfolgreichen Kandidatinnen, jene Viertelstunde Ruhm im Fernsehen, ist eine Art Mutterkreuz des Medienzeitalters", meint Andreas BERNARD.

    BERNARD, Andreas (2011): Schaum vorm Mund.
    Vor genau 15 Jahren kam ein harmloses italienisches Getränk nach Deutschland. Warum haben sich alle so darauf eingeschossen?
    in:
    SZ-Magazin Nr.44 v. 04.11.

    Andreas BERNARD skizziert nicht nur die 15jährige Erfolgsgeschichte des Latte Macchiato, sondern auch dessen Stigmatisierung durch die Gesellschafts- und Kulturkritik:

    "Heute gilt der Latte macchiato unter anderem als Metapher für die Gentrifizierung von Stadtteilen, für den Lebensstil freiberuflicher Akademiker, für die Struktur moderner Familien und für einen grundsätzlichen Hang zu Phlegma und Substanzlosigkeit."

    Zwischen Judith HERMANNs Erzählband Sommerhaus, später und Florian ILLIES' Generation Golf 2 verortet BERNARD den Siegeszug des Kaffeegetränks, der parallel zur Etablierung von Kaffeehausketten in deutschen Innenstädten und der Entstehung der digitalen Bohème als Inbegriff eines neuen Arbeits- und Freizeitstils stattfindet. Was bei BERNARD fehlt: die Geschichte der Family-Gentrifier in Berlin Prenzlauer Berg und in anderen Szenevierteln, die zur Entstehung des Begriffs "Latte macchiato-Mütter" führt.

    BERNARD, Andreas (2013): In weiter Ferne, so nah.
    Skype wird zehn Jahre alt. Seit es die kostenlosen Videotelefonate gibt, sind Fernbeziehungen nicht mehr dasselbe: Die Entfernungen scheinen zu schwinden, Paare teilen mehr Alltag. Verändert Skype vielleicht sogar unsere Gefühle?
    in:
    SZ-Magazin Nr.12 v. 22.03.

    "Wenn ein Liebespaar noch vor zehn, fünfzehn Jahren getrennt voneinander lebte, waren die Minuten, in denen die Stimme des abwesenden Menschen erklang, kostbar und hochkomprimiert. (...) Im Zeitalter von Skype sind die Paare genau von dieser Notwendigkeit entbunden. Alle, die heute eine Fernbeziehung führen, erzählen vielmehr, dass sie das kostenlose Videotelefon gerade in aller Beiläufigkeit nutzen. Skypen heißt nicht nur, über Bildschirm und Mikrofon vertraut miteinander zu reden; der andere begleitet auch über Stunden hinweg den eigenen Alltag, bleibt zugeschaltet, wenn man kocht, die Wohnung aufräumt oder seine Mails checkt. Die Temperatur des Mediengebrauchs hat sich unter Liebespaaren also radikal abgekühlt: von den »glühenden Drähten« der seltenen und teuren Telefonate hin zum ständig verfügbaren Videotelefon, das auf Zimmerwärme mitläuft. Die täglichen Begegnungen zwischen Madrid und Konstanz, San Francisco und Berlin, Paris und München sind nichts Besonderes, sagen die Nutzer, sie sollen gerade auch nichts Besonderes sein. Denn anders als die vor Bedeutung stockenden Ferngespräche vergangener Zeiten stellt Skype keine Ausnahmesituationen her, sondern verhilft einer Liebesbeziehung über Hunderte und Tausende Kilometer hinweg zu einer Art Tagesnormalität", meint Andreas BERNARD.

    Fernbeziehungen - Wie der veränderte Arbeitsmarkt unsere Liebesbeziehungen prägt

    BERNARD, Andreas (2014): Die Frau, die Leben schenkte.
    Sie hat in 30 Jahren 10 000 Kinder in der Petrischale gezeugt. Aber eigene Kinder wollte sie nie. Die Embryologin Helena Angermaier über die Geheimnisse ihrer Arbeit - und über die Gefahren,
    in:
    SZ-Magazin Nr.10 v. 07.03.

    Social Freezing wird in den Mitte-Zeitungen landauf, landab als Methode für spät gebärende Akademikerinnen gepriesen. Helena ANGERMAIER hält dies für unseriös:

    "Meines Erachtens ist das bislang kein verlässliches Verfahren. Im Moment wird es eher von IVF-Zentren ins Spiel gebracht, die damit einfach Geld scheffeln wollen: Frauen wird vermittelt, sie könnten durch Hormonstimulation eine Vielzahl von Eizellen produzieren und dann nach 15 oder 20 Jahren wiederkommen, um ein Kind zu bekommen. Es ist aber überhaupt nicht gesagt, dass der Konservierungsprozess so lange funktioniert."

    BERNARD, Andreas (2014): Seid fruchtbar, aber später!
    Ist "Social Freezing", das Einfrieren der Eizellen, der nächste Schritt in die kontrollierte Gesellschaft?
    in:
    Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.10.

    "Mit dem Einfrieren unbefruchteter Eizellen ohne akuten Anlass, jenem vieldiskutierten »Social Freezing«, beginnt eine neue Epoche in der Geschichte der Reproduktionsmedizin: Zum ersten Mal sind es nicht mehr behandlungsbedürftige Patientinnen, die sich der mühevollen Prozedur von Hormoninjektionen und Eizellentnahmen unter Vollnarkose aussetzen, sondern gesunde, fruchtbare, vergleichsweise junge Frauen. Kein Defizit des Körpers steht am Anfang der Behandlung (...), sondern ein Defizit der Zeit: der Zweifel, ob die Menge und Qualität der eigenen Eizellen zum Zeitpunkt der gewünschten Schwangerschaft, in fünf, fünfzehn oder zwanzig Jahren, noch ausreichend sein würden, um auf natürliche Weise ein Kind zu bekommen.
    Diese Verschiebung markiert (...) eine entscheidende Zäsur: Das Verfahren überführt die Therapieangebote der assistierten Empfängnis ins Stadium der Vorsorge. Eingriffe der Fortpflanzungsmedizin arbeiten nun an jenem Aufschubversprechen mit, das unter dem Namen »Familienplanung« bislang den Verhütungsmitteln vorbehalten war
    ",

    meint Andreas BERNARD, für den damit die ungewollte Kinderlosigkeit den Status eines selbstverschuldeten Makels erhalten könnte. Seit ca. 5 Jahren ist für BERNARD das Verfahren prinzipiell ausgereift. Es enthält zudem ein emanzipatorisches Potenzial, indem es die geschlechtsspezifische Ungerechtigkeit bei der Fruchtbarkeit verringert.

    Nichtsdestotrotz bleiben für BERNARD Zweifel über den Zeitraum, den Eizellen nach dem Einfrieren unbeschadet überstehen können, denn bislang werden Eizellen meist nur kurzzeitig eingefroren. Und ergeben sich durch das Einfrieren im Rahmen der Unternehmenskultur nicht Probleme sozialer Kontrolle. Und nicht zuletzt: Welche Folgen hat das Social Freezing für die Identität von Kindern?

     
           
       

    Andreas Bernard im Gespräch

     
       

    KULLMANN, Kerstin & Rafaela von BREDOW (2014): "Genetisches Patchwork".
    Künstliche Befruchtung, Eizellspende, Leihmütter - Ärzte können heute vielen Paaren zum Kind verhelfen. Der Kulturwissenschaftler Andreas Bernard erklärt, wie die Reproduktionsmedizin das alte Bild von Vater-Mutter-Kind verändert hat,
    in: Spiegel, Nr.12
    v. 17.03.

    Andreas BERNARD, Autor des Buchs Kinder machen - Neue Reproduktionstechnologien und die Ordnung der Familie, sieht durch die Reproduktionsmedizin einen Bedeutungszuwachs der sozialen gegenüber der biologischen Familie. Außerdem habe sich der Umgang mit der ungewollten Kinderlosigkeit verändert, die heutzutage nicht mehr so akzeptiert wird:

    "Aus dem Kinderkriegen ist eine Sache des Willens und des Engagements geworden."

    BERNARD macht es sich jedoch zu leicht, wenn er dies allein der Reproduktionsmedizin anlastet. Der Rechtfertigungsdruck auf Kinderlose erwächst in erster Linie durch den angeblichen Sachzwang "demografischer Wandel", den die Politik über den angeblich notwendigen Umbau des Sozialstaats aufgrund des Geburtenrückgangs auf die Bevölkerung ausübt. Dabei hat sie die Bevölkerungswissenschaft mit angeblich langfristig voraussagbarer Bevölkerungsentwicklung und die Profitinteressen von Reproduktionsmedizin und Finanzbranche auf ihrer Seite.

    MAYR, Peter (2014): "Eine Samenspende ist fast ein Vergnügen".
    Kulturwissenschafter Andreas Bernard über die Reproduktionsmedizin und ihre Gefahren, das Diktat der Fruchtbarkeit, ungewollte Kinderlosigkeit und die bösen Stiefmütter,
    in: Der Standard v. 12.04.

    WALLNER, Anna-Maria (2014): "Künstliche Fortpflanzung bedroht die Familie nicht".
    Der deutsche Journalist Andreas Bernard hat eine packende Historie der Reproduktionsmedizin verfasst. Den "Ferticheck" sieht er kritisch,
    in:
    Die Presse v. 20.07.

    Für Andreas BERNARD hat der Meinungsumschwung in Sachen Reproduktionsmedizin gegen Mitte der 1990er Jahre stattgefunden. Seit damals sei das "Drama der Unfruchtbarkeit" in den Vordergrund getreten und habe die bis dahin vorherrschende Skepsis überwogen.

    Neu:
    PFAFF, Jan (2014): "Die Kultur der Vorsorge hat auch eine Kehrseite".
    Im Gespräch: Die neuen Reproduktionstechniken stärken die Idee der Familie, sagt Kulturwissenschaftler Andreas Bernard,
    in:
    Freitag Nr.25 v. 06.11.

     
           
       

    Kinder machen (2014).
    Neue Reproduktionstechnologien und die Ordnung der Familie
    Frankfurt a/M: Fischer Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Immer mehr Babys werden mit medizinischer Unterstützung gezeugt. Diese Kinder, Samenspender und Leihmütter sind die neuen Akteure der Reproduktionsmedizin doch was bedeutet das für unser Verständnis von Familie? Was passiert, wenn biologische Elternschaft sich von sozialer entfernt? Von der Ukraine über Deutschland bis nach Kalifornien hat Andreas Bernard die maßgeblichen Orte, u.a. Samenbanken und Labore, aufgesucht, Eltern, Spender und Mediziner nach ihren Motiven befragt, die Schicksale der Kinder recherchiert. Gleichzeitig hat er die Geschichte des Wissens um die Reproduktion aufgearbeitet und Erstaunliches zutage gefördert. In Verbindung aus Reportage und Wissenschaftsgeschichte gelingt ihm eine glänzend erzählte Bestandsaufnahme aller Aspekte der künstlichen Zeugung von Menschen und was das für die Ordnung der Familie bedeutet."

     
     
     

    Zitat:

    Die In-vitro-Fertilisation als häufigstes Verfahren der Reproduktionsmedizin

    "Die erste Geburt nach In-vitro-Fertilisation im Jahr 1978 ist in der Geschichte der Reproduktionsmedizin ein spätes, aber dennoch ihr berühmtestes Datum. Das Ereignis findet rund vierzig Jahre nach der Etablierung der Samenspende in den USA und zwei Jahre nach dem Bekanntwerden der ersten Leihmutter-Arrangements statt. Diese beiden Verfahren der assistierten Empfängnis kamen noch ohne Befruchtung außerhalb es Körpers aus (...). Die späteren Methoden der Tragemutterschaft und Eizellspende jedoch wären ohne die Erkenntnisse von Edwards' und Steptoes nicht möglich gewesen; und überdies setzt sich die In-vitro-Fertilisation als Behandlungstechnik in den 1980er Jahren rasch in einem Maße durch, das die Häufigkeit von Samenspenden und Leihmutterschaften um ein Vielfaches übersteigt."
    (2014, S.374)  

     
     
           
       

    Rezension von single-generation.de

    Kinder machen
    Andreas Bernard beschreibt die Reproduktionsmedizin als Stütze der bürgerlichen Kleinfamilie. Aber sein Blick bleibt individualisierend und vernachlässigt dadurch den aktuellen Trend zur Demografisierung gesellschaftlicher Probleme

     
       

    Rezensionen

    THADDEN, Elisabeth von (2014): Man kann da was tun.
    "Kinder machen": Andreas Bernard hat ein ausgezeichnetes Buch über Reproduktionsmedizin und die moderne Familie verfasst?
    in:
    Die ZEIT Nr. 14 v. 27.03.

    "Die meisten Frauen, die ein Kind wollen, sind um die 40, bei vielen sind die fruchtbaren Jahre vorbei, vor lauter Arbeit und Warten auf den richtigen Zeitpunkt ist er verstrichen",

    schwafelt die Adelsfrau, die ihr eigenes Milieu für den Nabel Deutschlands hält und deshalb keine empirische, sondern eine normative Aussage macht. Dahinter steckt die Idee qualitativer Bevölkerungspolitik, wonach sich nur erfolgreiche Akademikerinnen (und die Oberschicht sowieso) fortpflanzen sollen. Denn ansonsten müsste es heißen, dass die meisten Frauen ihre Kinder vor dem 35. Lebensjahr bekommen wollen. Lediglich in der Wissenschaft und in männerdominierten, akademischen Berufsfeldern bekommen westdeutsche Frauen erst um die 40 ein erstes Kind.

    "Und wie so oft in der Medizin, wo die beste Arznei eine ist, die man nicht braucht, stellt sich die Frage, ob die Biografien so verlaufen müssen, dass viele Kinder erst mit medizintechnischer Hilfe entstehen. Warum kann eine reiche Gesellschaft nicht so gebaut sein, dass Menschen, bevor sie zu alt sind, Kinder bekommen?

    fragt sich die Adlige. Vielleicht weil wir keine reiche, sondern eine gespaltene Gesellschaft sind?   

    LENZEN-SCHULTE, Martina (2014): Die Petrischale schützt vor Spießern nicht.
    Retortenkinder: Sibylle Lewitscharoffs Rede über Kinder aus der Retorte hat gezeigt, wie umstritten die Reproduktionsmedizin ist. Andreas Bernards Buch "Kinder machen" gibt sich abgeklärt. Ist das mehr als eine Pose?
    in:
    Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.03.

    PRASCHL, Peter (2014): Alle Kinder, alle.
    Pflichtlektüre für Sibylle Lewitscharoff: Andreas Bernard erzählt die erstaunliche Erfolgsgeschichte der künstlichen Empfängnis,
    in:
    Welt v. 29.03.

    MINKMAR, Nils (2014): Habt keine Angst!
    Wer sie erhalten will, muss sie radikal verändern - Andreas Bernards kluges Buch über die Familie im Zeitalter ihrer Reproduzierbarkeit,
    in:
    Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 30.03.

    Mit Minimum griff der FAZ-Herausgeber Frank SCHIRRMACHER alle an, die sich an der Biologie der Familie versündigen. Neuerdings polemisierte die Schriftstellerin Sibylle LEWITSCHAROFF gegen Retortenkinder. Vor diesem Hintergrund fragt Nils MINKMAR:

    "Eine kurze, aber ungemein einflussreiche kulturelle Tradition hat all diese neuen Verfahren, überhaupt alle Vorstellungen von der Öffnung der Familie durch Stiefeltern, Stiefgeschwister und Adoptionen, mit großen Ängsten befrachtet. Bringen die neuen Technologien der Reproduktion also den Untergang der herkömmlichen Familie?"

    MINKMAR lobt deshalb BERNARDs Buch als

    "optimistische, dabei fundierte Kulturanthropologie der Gegenwart. Was für eine freudige Überraschung in einer verzagten Zeit." 

    LANGE, Michael (2014): Einfühlsame Einblicke.
    Beim Thema Reproduktionsmedizin gibt es schnell hitzige Gemüter. Der Kulturwissenschaftler Andreas Bernhard stellt sein Urteil zurück. Er lässt Leihmütter, Samenspender und vaterlose Kinder zu Wort kommen. Das Ergebnis ist eines der besten Sachbücher dieses Frühjahrs,
    in: DeutschlandRadio v. 06.04.

     
       

    Die Reproduktionsmedizin in der Debatte

    HAARHOFF, Heike (2014): Der Professor und das Babyglück.
    Kinderwunsch: Ein österreichischer Arzt befruchtet Eizellen mit umstrittenen Methoden - und macht deutschen Medizinern Konkurrenz. Die sind empört. Der Streit beschäftigt die Justiz. Es geht vor allem um viel Geld,
    in: TAZ v. 11.01.

    BMFSFJ (2014): Förderung für ungewollt kinderlose Paare wird aufgestockt. Minister Bischoff dankt dem Bund für Unterstützung,
    in: Pressemitteilung Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend v. 10.02.

    SPIEGEL, Hubert (2014): Darf ich nicht sagen, was ich denke?
    Die Büchnerpreisträgerin Sibylle Lewitscharoff hat die Reproduktionsmedizin in einer Rede für "abartig" erklärt und bezeichnet Retortenkinder als "Halbwesen". Wir haben nachgefragt, wie sie das genau meint,
    in:
    Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.03.

    Wie pervers ist unser Literaturbetrieb? Im Vorfeld des Krimi-Debüts einer "Qualitätsliteratin", die nun ins populäre Krimigenre "hinabsteigt", inszeniert das Feuilleton eine Aufmerksamkeitskampagne à la Thomas STEINFELD. Statt die Mechanismen des Literaturbetriebs offen zu legen, macht man sich durch dümmliche Interviews, offene Briefe und kontextloses Interpretieren zum Gehilfen eines perfiden Marketings, das den Kult des scheinbaren Tabubruchs zelebriert. Nachdem mit Michel HOUELLBECQ vor der Jahrtausendwende diese Art des rechtspopulistischen Marketings zum Erfolg wurde, zieht sich eine Spur der "Tabubrecher" durchs deutsche "Qualitätsfeuilleton", das aufgrund der Zeitungskrise jeglichen aufklärerischen Impuls über Bord geworfen hat und seine Gehilfenrolle des Marketings fleißig mitspielt.

    Was wäre eigentlich passiert, wenn irgendjemand sich die Rede von LEWITSCHAROFF tatsächlich GANZ angehört hätte, statt nur ein, zwei Passagen aus der Rede herauszugreifen, die sich für eine Medienkampagne hervorragend ausschlachten lassen? Aber wen würde eine richtige Analyse interessieren? Da ist es doch viel kostensparender sich zum Marketinggehilfen degradieren zu lassen als hohe Recherchekosten auf sich zu nehmen. Aufmerksamkeit statt Recherche ist die Währung einer Boulevardisierung der Qualitätszeitungen.

    RBL/UJW (2014): Ist künstliche Befruchtung gegen die Natur?
    Grenzen der Selbstermächtigung,
    in:
    Neue Zürcher Zeitung v. 14.03.

    Die NZZ nutzt die Hysterie um die Schriftstellering Sibylle LEWITSCHAROFF zur Debatte um die künstliche Befruchtung. Die Medizinethikerin Bettina SCHÖNE-SEIFERT, die Philosophen Robert SPAEMANN und der Agenda-Philosoph Otfried HÖFFE nutzen die Gelegenheit zur Positionierung während Sibylle LEWITSCHAROFF Kinderlosen die Adoption als bessere Alternative zum Designer-Baby empfiehlt:

    "Mir ist der alte Weg der Adoption sympathisch. Er ist schwierig, denn man muss dabei auf die Eigensucht verzichten, dem Kind das eigene biologische Potenzial mitzugeben. Ich ziehe meinen Hut vor Menschen, die solches gewagt und ein bereits vorhandenes Kind aus entsetzlicher Not gerettet haben."

    Das Designer-Baby ist aber nichts anderes als die technologische Weiterentwicklung des Wunschkindes. Letztlich wäre also ein Verbot von Verhütung und Abtreibung die einzige logische Konsequenz einer solchen Argumentation, denn nur dann wäre dem LEWITSCHAROFFschen Reinheitsgebot ("Selbstlosigkeit") Genüge getan. Alles andere ist nun mal "eigensüchtiges" Verhalten, das der "Natur" ins Handwerk pfuscht und nicht Schicksal.

    Wollen wir also mit LEWITSCHAROFF zurück in die Vormoderne?

    WEIGUNY, Bettina (2014): Wo kommen all die Babys her?
    Mehr als 10 000 Kinder werden Jahr für Jahr im Labor gezeugt - allein in Deutschland. Und eine ganze Branche verdient prächtig,
    in:
    Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.03.

    SCHMIDBAUER, Wolfgang (2014): Auch Retortenbabys sind Kinder der Liebe.
    Fertilitätsmedizin belastet Paare - Kinderlosigkeit aber noch mehr. Die Lewitscharoff-Debatte aus Sicht des Paartherapeuten,
    in: Neues Deutschland
    v. 25.03.

    WALLNER, Anna-Maria (2014): Ein Crashtest für die Fruchtbarkeit.
    Ein Wiener Kinderwunschzentrum will die Öffentlichkeit auf die sinkende Fertilität von Frauen ab 40 aufmerksam machen. Mit dem "Ferticheck" könnten Frauen schon in jungen Jahren ihre Fruchtbarkeit abklären,
    in:
    Die Presse v. 20.07.

     
           
       

    Vorn (2010).
    Berlin: Aufbau Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Aus dem Labor einer Generation

    Mitte der neunziger Jahre: Tobias Lehnert gelingt der Sprung in die Redaktion einer großen deutschen Zeitung. Hier glaubt er das eine, richtige Leben zu finden. Bis er erkennt, wie ihm seine Freundin Emily immer mehr entgleitet."

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    BAYER, Felix (2010): Zerrissen zwischen Jetzt-Magazin und Post-Hardcore: auch so waren die Neunziger,
    in: Musikexpress,
    März

    ASAMER, Florian (2010): "Oasis oder Blur" als Fahnenfrage.
    Von seinem Leben als Magazinjournalist in den 90er-Jahren erzählt Andreas Bernard im Debütroman "Vorn". Und vom aussichtslosen Spagat zwischen unvereinbaren Welten,
    in: Die Presse v. 28.02.

    HAIBACH, Philipp (2010): Jetzt noch schnell ins "Schumann's".
    Andreas Bernard über das Lebensgefühl junger Journalisten im München der 90er,
    in: Welt v. 03.04.

    KERSCHBAUMER, Sandra (2010): Stilles Wasser marsch!
    Stilpolizei: Der Journalist und Autor Andreas Bernard rockt sich in die Krise,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.03.

    GROMBACHER, Welf (2010): Nachrichten aus einer Parallelwelt,
    in: Hamburger Abendblatt v. 12.03.

     
           
       

    Die Geschichte des Fahrstuhls (2006).
    Über einen beweglichen Ort der Moderne
    Frankfurt a/M: Fischer Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Seine Geschichte beginnt vor ziemlich genau 150 Jahren, im New York der 1850er Jahre. In amerikanischen Hotels der Ostsküste sind Fahrstühle bereits zehn Jahre später die Regel, in Europa verläuft die Ausbreitung etwas langsamer. Doch einige Jahrzehnte später ist er hier wie dort eine urbane Selbstverständlichkeit. So unscheinbar sich diese Neuerung auf den ersten Blick ausnimmt: Sie hatte mannigfache Auswirkungen, von der Umstrukturierung der Häuser bis zur literarischen Imagination, die sich mit diesem beweglichen Ort verband. Andreas Bernard verbindet in seiner Darstellung dieser Geschichte auf elegante und anregende Weise Technikgeschichte, Architektur, Prozesse der Modernisierung und Urbanisierung, Alltagsphänomene und Literatur- und Filmanalyse."

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    WEFING, Heinrich (2006): Welcher Stock, bitte?
    Katastrophenverhüter: Andreas Bernard sieht im Fahrstuhl den eigentlichen Ort der Moderne,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.12.

    WEFING referiert den Kerngedanken des Werkes, die symbolische Umkehrung der Hierarchie durch den Fahrstuhl:

    "Jahrhundertelang war das erste Stockwerk eines Hauses, die »Bel Etage«, der Ort der Wohlhabenden. (...). Unter dem Dach, wohin man nur über Stiegen und Gänge gelangte, hausten die Dienstboten und die lausigsten Pensionsgäste. Ein, zwei Generationen später haben sich die Dinge auf den Kopf gestellt, mit unterschiedlicher Geschwindigkeit auf beiden Seiten des Atlantiks. Schon im Jahr 1897 kann ein amerikanischer Artikel jauchzen, es gebe einen neuen Typus von Geschäftsleuten, die »Hoch-Lebenden« (»High livers«), die ihr Büro oben haben (...). Fortan, bis heute, bildet sich das soziale Prestige in der räumlichen Lage ab: Wer oben angekommen ist, wohnt und arbeitet auch oben, die »Chefetage« liegt im höchsten Stockwerk, und das »Penthouse« ist geradezu Synonym für Luxus und Ausschweifung geworden. Eine Entwicklung, die ohne Fahrstuhl nicht vorstellbar wäre."

    PLATH, Jörg (2006): Ein Symbol für Urbanisierung, Platzangst und Hysterie,
    In. DeutschlandRadio v. 21.12.

    POLT-HEINZL, Evelyne (2006): Zug nach oben.
    Über die Rolle des Lifts in Literatur, Film und Architektur – Zur Kulturgeschichte des Fahrstuhls,
    in: Wiener Zeitung v. 29.12.

    GUTZEIT, Angela (2007): Hinauf in die Moderne.
    Andreas Bernards Geschichte des Fahrstuhls,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 21.03.

     
       

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    Update: 02. Mai 2016