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Anja Maier: Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter

 
       
     
       
   
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    Anja Maier in ihrer eigenen Schreibe

     
           
       

    MAIER, Anja (2008): Unten-rum-Fragen an den Sexpapst.
    Der Sexualaufklärer Oswalt Kolle hatte dereinst die bundesrepublikani- schen Schlafzimmer gründlich durchgelüftet - und zumindest den Männern ein Stück Freiheit geschenkt. Eine Begegnung zum 80. Geburtstag,
    in: TAZ v. 13.09.

    MAIER, Anja (2009): Im Sektorengebiet der Pilzkopfmutti.
    Das hier war mal meine Gegend. Jetzt regieren der Merlin, die Merlin-Eltern und Ihresgleichen,
    in: TAZ v. 28.10.

    MAIER, Anja (2010): Über Blagen.
    Wer bin ich, in diesem demografisch gebeutelten Land Kinder als störend zu empfinden? Mein Problem ist ein anderes,
    in:
    TAZ v. 12.04.

    MAIER, Anja (2010): Ich bin frei und du bist alt. So sieht's aus, Mutti.
    Rede an die nächste grau gelockte Mutter, die mich im Supermarkt achtlos mit ihrem Schubverband rammt,
    in: TAZ v. 10.05.

    Anja MAIER, Mutter aus dem "früh gebärenden Osten", klagt über späte Mütter auf dem Berliner Prenzlauer Berg:

    "Liebe späte Mutter! Wenn du meinst, du habest mit der Geburt deines einzigen Jetzt-wird's-aber-Zeit-Kindes auf der Skala der Menschengemeinschaft eine Art Schutzstatus erreicht, bist du schief gewickelt. Mag sein, dass es in deiner sozialen Gruppe opportun ist, sich mit über vierzig wie Nachbars Tochter zu kleiden. Mag sein, dass dich eine einmalige Niederkunft in dem Glauben wiegt, die Welt müsste sich von nun an deinen unangemessenen Bedürfnissen nach Platz, Rücksicht und Unterwerfung anpassen. Mag sein, du hältst dich für etwas Edleres, weil die postnatale Hormonausschüttung dir vorgaukelt, du seiest noch mal zwanzig.

    Aber bedenke bei dem, was du tust, dass andere schon eher für klare Verhältnisse gesorgt haben könnten. (...). Du sollst wissen, liebe Fortgepflanzte, dass es lange vor dir Frauen gab, die aus purer Unvernunft und ohne mannigfaltige monetäre Anreize seitens der Bundesregierung Babys (Plural!) geboren haben."

    Ein Beispiel für die Mütterkriege in dieser Republik, die Bettina WÜNDRICH, eine kinderlose Karrierefrau, in ihrem Buch Einsame Spitze? folgendermaßen skizziert:

    "Die Journalistin Nana Heymann, eine 33-jährige Mutter aus Berlin-Prenzlauer Berg, hat dieses Gefühl, nichts richtig, dafür aber alles falsch machen zu können, in ihrem Buch »Generation Wickeltasche« zum Thema gemacht. (...). Wegen ihrer zur Schau gestellten entspannten Mutter-Kind-Idylle nennt man die Mütter aus Prenzlberg auch gerne »Macchiato-Mtter« (...). Heymann versucht, um Verständnis für diese Frauen zu werben: Die Lässigkeit diene nur dazu, Unsicherheiten zu überspielen, verursacht durch Schwangerschaftsstreifen, chronischen Blähungen der Kleinen, intoleranten Ex-Kollegen, Ex-Chefs und kinderlosen Ex-Freundinnen. (...). Das Dumme ist, dass sie sich auch untereinander nicht grün sind und sich gegenseitig kritisch beäugen.
    Weit über die Hälfte der von rheingold befragten Mütter empfinden »ihre Kinder als Kostbarkeit, die wie eine Art Rohdiamant geschliffen werden muss«. Dieser selbstauferlegte Anspruch stresst natürlich. Was außerdem stresst, sind die anderen Mütter: »Es werden sogar regelrechte Feindbilder aufgebaut. Die alten Mütter mit Perfektionszwängen gegen die jungen, spontanen Mütter; die arbeitenden Mütter gegen die Vollzeitmamas. Die jeweils anderen Mütter werden mehr oder minder glaubhaft verurteilt, sie sehen sich in der Not, das eigene, selbstgewählte Bild stets verteidigen und rechtfertigen zu müssen.«" (2011, S.176f.)

    MAIER, Anja (2010): Projektkinder der Edeleltern.
    Lebensentwürfe: Die Macchiato-Eltern tun alles für ihre Kinder und versäumen, ihnen etwas Wichtiges zu vermitteln: Scheitern ist nicht das Ende der Welt,
    in: TAZ v. 28.08.

    MAIER, Anja (2010): Wie viel Teilhabe verlangen Schwangerschaft und Geburt im Internetzeitalter?
    Blagen: Fragen einer Neunzigermutter,
    in: TAZ v. 30.08.

    MAIER, Anja (2010): Der Hund Andreas.
    Osten: Der Journalist Alexander Osang erzählt in seinem Roman "Königstorkinder" die Liebesgeschichte eines Komplett-Verlierers der deutschen Wiedervereinigung und einer Münchner Premiumfrau. Warum?
    in: TAZ v. 09.10.

    MAIER, Anja (2011): Die Tirade der Tanja D. oder Was die Kaffeehauschefin wirklich denkt.
    Prenzlauer Berg: taz-Redakteurin Anja Maier hat sich in ihre alte Heimat begeben, den Osten von Berlin. Hier lesen Sie eines der Protokolle aus ihrem Buch "Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter" über die neuen Bewohner von Prenzlauer Berg,
    in: TAZ Berlin v. 08.10.

    MAIER, Anja (2011): Nicht ohne meinen Schreikrampf.
    Wenn Eltern es zu gut meinen mit ihrem Nachwuchs, dann geraten nicht nur die Kleinen, sondern auch die Großen oft außer Kontrolle. Autorin Anja Maier hat in ihrem ehemaligen Kiez Prenzlauer Berg einige Grenzerfahrungen gemacht,
    in: Welt am Sonntag v. 23.10.

    MAIER, Anja (2011): Brüderchen und Schwesterchen.
    Schaudern: In ihrem Roman "Rücken an Rücken" lässt Julia Franck ihre Figuren stürzen und sinken. Und keiner hilft ihnen,
    in:
    TAZ v. 19.11.

    taz-Titelgeschichte: Merkels vergessene Schwestern.
    Ostdeutsche: Große Enttäuschung nach der Wende und bis heute schlechtere Bezahlung als im Westen. Das betrifft insbesondere ältere Frauen im Osten. Warum so viele wütend sind und vielleicht AfD wählen

    MAIER, Anja (2017): Die verpasste Integration.
    Frust: Im Westen stößt die Wut der Ostdeutschen auf Unverständnis. Die sächsische SPD-Frau Petra Köpping hört Wendeverlierern zu. Die erzählen von der Arroganz des Westens und ganz realer Benachteiligung - auch heute noch,
    in:
    TAZ v. 07.09.

    Anlässlich des Berichts der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit porträtiert die Ostfrau Anja MAIER die sächsische SPD-Ministerin Petra KÖPPING, die das Thema der ostdeutschen Wendeverlierer salonfähig gemacht hat. Seit letzten Herbst vermarktet KÖPPING dieses Thema als Alleinstellungsmerkmal und die Journalisten der Mainstreammedien hofieren sie landauf landab. KÖPPING gilt nun - so wie Didier ERIBON in Frankreich - als Erklärerin des Rechtspopulismus. Es gehe um die Anerkennung der Demütigungen, die durch die Fehler im Einigungsvertrag entstanden sind:

    "Insgesamt 18 Berufsgruppen kämpfen bis heute für Renten, die durch Fehler im Einigungsvertrag zu gering ausfallen. Lehrer, Bergleute, Tänzer - alles Wählerinnen und Wähler, samt ihren Familien, die meinen, diesem Land weniger als gar nichts zu schulden. Ihr weitererzählter Frust, das Jahrzehnte andauernde Nichtgehörtwerden, gilt als einer der Gründe, warum Pegida oder die AfD im Osten so stark werden konnten."

    Dass Angela MERKEL in "Bitterfeld, Finsterwalde, Dessau" auf Wahlveranstaltungen niedergebrüllt worden sei, ist nach dieser Interpretation Ausdruck fehlender Anerkennung. In Dessau gab es gar keinen Wahlkampfauftritt im jetzigen Bundestagswahlkampf. Während die AfD in erster Linie Männer wählen, werden uns von MAIER dagegen geschiedene Frauen als Opfer präsentiert:

    "In den 18 Jahren seit der Vereinsgründung hat die Politik keine Lösung für sie gefunden: mittlerweile leben von den einst 800.000 betroffenen Frauen nur noch 300.000. »Diese Regierung steuert auf eine biologische Lösung hin, das ist beschämend«, sagt eine der Damen",

    berichtet MAIER über ein Treffen mit 20 Wutbürgerinnen des 1999 gegründeten Vereins der in der DDR geschiedenen Frauen e.V.

    Fazit: MAIER verkauft uns die DDR-Frauen als Wendeverliererinnen, während die AfD eine Partei der männlichen Wendeverlierer ist. Wenn es "krasse Ergebnisse für die AfD" im Osten gibt, dann ganz bestimmt nicht wegen der Frauen, die uns MAIER als Opfer präsentiert. Die AfD wird hier lediglich im Interesse von Gleichstellungspolitik instrumentalisiert. Aufklärung sieht anders aus!

     
           
       

    Anja Maier im Gespräch

     
           
         
           
           
       

    Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter (2011).
    Von Edel-Eltern und ihren Bestimmerkindern
    Bastei Lübbe Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Was ist nur mit den Eltern los? Kaum haben sie ihr »Jetzt wird’s aber Zeit«-Kind, wird es zum sinnstiftenden Projekt. Egal, ob bei der Wahl von Kita und Schule, beim Kauf von Kleidung oder der richtigen Wohnung – das Beste scheint gerade gut genug. Das Kind wird zum Statussymbol.

    Aber muss wirklich alle Welt Rücksicht nehmen, nur weil Eltern mit ihrer Fortpflanzung das Land vor der Vergreisung retten? Wächst eine Generation kleiner Egoisten heran? Anja Maier hat Familien im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg beobachtet und feststellen müssen, dass aus dem Szeneviertel eine kuschelige Kleinstadt geworden ist. Ihre Geschichten sind vor allem eines: erschreckend wahr, manchmal tragisch – und vor allem urkomisch."

     
         
     
           
       

    Leseprobe

    MAIER, Anja (2011): Statussymbol Kind.
    Sie sind dreißig oder auch schon vierzig, gut ausgebildet, kultiviert, bevorzugen die Großstadt und haben irgendwie auch immer genug Geld. Doch ihr Lebenssinn kreist erschreckend eindimensional vor allem um den eigenen Nachwuchs,
    in: Das Magazin. Heft 11, November

     
           
       

    Das Buch in der Debatte

    HOLM, Andrej (2011): Berlin: Macchiato-Mütter und Phantom-Schwaben,
    in: Freitag Online v. 13.10.

    Anlässlich der hitzigen Debatte um einen Textauszug aus Anja MAIERs Buch geht der Stadtsoziologe Andrej HOLM der Frage nach, inwiefern das Bild vom schwäbischen Gentrifier überhaupt zutrifft:

    "Zumindest im Fall der Mütter gibt es keine empirische Basis für die Annahme, damit könne der ganze Prenzlauer Berg gemeint sein. Selbst im kinderreichsten Quartier, dem Bötzowviertel, weisen die Daten gerade einmal 694 Kinder unter 6 Jahren aus. Unter der Annahme, dass sich auch in Prenzlauer Berg die meisten Kinder mit zwei Jahren auf eigenen Füßen bewegen können, sind das also maximal 250 Kinder im Kinderwagenalter. Bei knapp über 6.000 Einwohner/innen kann der Macchiato-Mütter-Anteil demnach bei maximal 4 Prozent liegen. Da gibt es mehr Hartz-IV-Empfänger/innen (6 Prozent) und Ausländer/innen (12 Prozent)"

    Warum stehen dann aber die Prenzlauer Berg-Mütter im Brennpunkt des medialen Interesses? Das dürfte auch daran liegen, dass es sich hier um eine Debatte um das Familienbild handelt, das hier am prominenten Beispiel der Prenzlauer Berg-Mütter mitten ins Herz der bevölkerungspolitisch motivierten Debatte um den demografischen Wandel trifft. Solche identitätspolitischen Debatten, bei denen es neben der Anerkennung eines Lebensstils immer auch um materielle Aspekte des Sozialstaates geht, sind in Deutschland traditionell stärker emotional aufgeladen als andere Debatten.

    DÜCKERS, Tanja (2011): Was ist nur so schlimm an Café Latte?
    Ich bin nicht Stillerin: Anja Maier rechnet mit den Prenzlauer-Berg-Eltern ab,
    in: Welt v. 14.12.

     
           
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 08. Oktober 2011
    Update: 29. Mai 2018