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Florian Illies: Ortsgespräch

 
       
     
       
   
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    Florian Illies im Gespräch

     
       

    KASSEL, Dieter (2006): "Für mich war er eine unglaubliche Nervensäge".
    Autor Florian Illies über Günter Grass,
    in: DeutschlandRadio v. 16.08.

    Der neue "Heimatdichter" Florian ILLIES stimmt Juli ZEHs Einschätzung bezüglich Günter GRASS zu. ILLIES meint gar, dass Tanten und Onkels den großen Intellektuellen als moralische Instanz ersetzen:

    "Kassel: (...). Hat man in Schlitz eigentlich, haben Sie in Schlitz eigentlich Günter Grass wahrgenommen? (...). Juli Zeh hat über Grass und die aktuelle SS-Affäre gesagt, für unsere Generation war der Mann nie eine moralische Instanz, also kann er jetzt auch nicht aufhören das zu sein. Sehen Sie das auch so?
              
     Illies: Für mich war er eine unglaubliche Nervensäge. (...). Aber ich glaube die moralische Instanz, die er war, das war er wirklich für seine Generation und nicht mehr für unsere Generation. Unsere Generation sucht sich ja nach diesen moralischen Instanzen, und vielleicht beschreibe ich auch deshalb in »Ortsgespräch« wie Personen in der Heimat, wie Tanten und Onkels tatsächlich solche moralischen Instanzen geworden sind, weil man sozusagen diese großen intellektuellen Köpfe, die die Vorgängergeneration hatte, nicht mehr zur Verfügung hatte. Deswegen wird Tante Do und Onkel Max zu einer Art Günter Grass der nächsten Generation."

    BOSSY, Franzisky (2006): Des Rasenmähers Bedürfnis nach Zärtlichkeit.
    Ein Gespräch mit Florian Illies über die Provinz,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.08.

    Florian ILLIES u. a. über den Buchtitel:

    "»Heimat« ist ein sehr vergleichbares Gefühl wie »Provinz«. Ich habe das Buch auch deshalb »Ortsgespräch« genannt, weil dieses Wort einen Raum beschreibt, den es heute kaum noch gibt, der sich aber in der alten Telefoneinheit des Ortsgespräches spiegelt. Wo man früher gesagt hat, da darf man ruhig anrufen, das ist nur ein »Ortsgespräch«, dreiundzwanzig Pfennig nach achtzehn Uhr. Ich finde es aufregend zu sehen, daß dieses Denken noch existent ist in den Köpfen, zumindest der Älteren - und zwar, wo immer man hinkommt auf dem Land."

    ...und über die Sehnsucht nach Entschleunigung:

    "Während des Schreibens habe ich das kluge Buch »Beschleunigung« des Jenaer Soziologen Hartmut Rosa gelesen. Rosa beschreibt, wie die Beschleunigung durch die technischen Möglichkeiten ein Wachstum erreicht hat, das exponentiell ist. Das kommt nicht explizit in »Ortsgespräch« vor, hat sich aber in mein Schreiben hineingesogen. Die Sehnsucht nach Entschleunigung und die gleichzeitige Sehnsucht nach Beschleunigung. Die Menschheit kann nicht gegen die Beschleunigung rebellieren. Das sei ein naiver Gedanke, sagt Rosa. Und so wird ein Gefühl immer stärker: die Sehnsucht nach der Entschleunigungsoase. Das kann das Wochenende auf dem Land sein, das kann auch der Raum außerhalb von Kommunikation oder abseits des Internetzugangs sein. Ich glaube, daß dieses Thema auch noch in den nächsten Jahren für jeden einzelnen lebensprägender werden wird. Denn natürlich gab es Provinz immer, und es gab auch eine Sehnsucht nach dem Land. Aber sie hatte nicht diese Dringlichkeit."

    EIDLHUBER, Mia (2006): Jedem seinen Heimatfilm.
    Erfolgsautor Florian Illies über Schnauzer, Vogelsberger Bauern, sein neues Heimatgefühl und sein neues Buch "Ortsgespräch",
    in: Der Standard v. 19.08.

    KOGELBOOM, Esther & Ulf LIPPITZ (2006): "Ich habe keine Lust mehr zu spötteln.
    Wenn er gefragt wird, woher er kommt, antwortet Florian Illies: aus Berlin. Das stimmt nicht ganz. Denn er hat noch einen Koffer im hessischen Schlitz,
    in: Tagesspiegel v. 20.08.

    Florian ILLIES versteht sich nicht als Theoretiker der Provinz: "Sie sind nicht der Einzige, der sich mit der Provinz beschäftigt: Sven Regener hat »Neue Vahr Süd« geschrieben, David Wagner »Meine nachtblaue Hose«, Ingo Schulze »Simple Storys«. Außerdem beschäftigt sich seit Jahren ein Heer von Kulturwissenschaftlern wie Hermann Bausinger mit dem Heimatbegriff.
              
     Mir geht es nicht darum, noch eine Debatte über den Heimatbegriff loszutreten oder die aktuelle um einen persönlichen Beitrag zu ergänzen. (...). Ich würde mir wünschen, dass »Ortsgespräch« beim Leser persönliche Erinnerungsfilme anlaufen läßt, und dass diese Erinnerungen abseits und unbehelligt von all diesen Diskussionen existieren dürfen. Es geht mir nicht um eine Theorie der Provinz. Wir kommen alle irgendwo her, allein darum geht es, um dieses Gefühl. Und wie man es in Worte fassen kann, die den Leser zum Lachen zu bringen. Zumindest das gelingt den Kulturwissenschaftlern doch eher selten."

    KREITLING, Holger (2006): Zwischen Hörgenau und Bösgesäß.
    In seinem neuen Buch beschreibt Florian Illies seine Heimatstadt Schlitz als Idylle. Eine Begegnung unter Hessen,
    in: Welt v. 21.08.

     
           
       

    Ortsgespräch (2003)
    München: Blessing Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Hat Florian Illies in GENERATION GOLF seiner Generation einen Namen gegeben, so gibt er in ORTSGESPRÄCH unserer Heimat ein Gesicht. Mit scharfsichtigem Blick voller Neugier, Humor und Empathie enthüllt er die liebenswürdigen Skurrilitäten der deutschen Provinz. Ziel seiner Reise ist das Städtchen Schlitz, das sich mit urwüchsiger Hartnäckigkeit erst dem Kaiser, dann den Russen und schließlich auch der neuen Zeit widersetzte eine Reise in die Heimat, von der wir nicht aufhören können zu träumen. Eingebettet in die bewaldeten Hügel und sattgrünen Wiesen des Fuldatals liegt ein schmuckes kleines Städtchen. Es hat einen stillgelegten Bahnhof, eine Post, ein Heimatmuseum und die größte Kerze der Welt. Die Kirche ist aus dem Jahre 812 und die Pizzeria von 1985. Dieser Ort heißt Schlitz. Er steht exemplarisch für den schönsten aller Orte: Heimat. Jenen Ort, gegen den wir uns oft wehren wollen, aber nicht wehren können. Unsere Verbindung wird gehalten. ORTSGESPRÄCH erzählt von der Liebe zum Landleben und zu dem sagenhaften Zwischenreich der deutschen Provinz, von der Erinnerung an Schwimmbadwiese und Karnevalssitzung, an den Schreibwarenladen um die Ecke und die Apfelernte im Herbst. Aber natürlich geht es nicht nur um die Traumbilder der Vergangenheit, sondern auch um die Veränderungen der Gegenwart. Um unheimliche Klassentreffen und »Total Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe«. Darum, wie Heimat dem Selektionsdruck im global village manchmal standhält und ihm manchmal umso hoffnungsloser ausgeliefert ist. Hat er in seinen letzten Büchern die vergangenen Melodien und Marken seiner Generation beschrieben und bewahrt, so bündelt Illies nun die Schrullen und die Lebensweisheiten, die Landeier und die Helden seines Heimatlands zu einer mitreißenden Telenovela. In ORTSGESPRÄCH macht er sich auf den Weg, um eine Welt fern der City-Tarife und der Starbucks-Kultur für uns zu erforschen und ein landauf, landab diskutiertes Thema zu erfassen: die Heimat im Wandel. Ein nostalgischer, aber nicht verklärter, ein ironiefunkelnder, aber nicht spöttischer Reisebericht".

     
         
     
           
       
    • Vorabdruck

    ILLIES, Florian (2006): Heimat mit Hindernissen.
    Der Eissalon heißt "Venezia", der Friseur "Salon für die Dame", und wenn um 12 Uhr die Sirene der Feuerwehr heult, gehen alle nach Hause und essen Linsensuppe: Der Autor des Bestsellers "Generation Golf" hat ein neues Buch geschrieben und ist dafür an den Ort zurückgekehrt, an dem unsere Erinnerungen weiterleben,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 13.08.

     
       
    • Rezensionen

    RUTSCHKY, Michael (2006): Schau heimwärts, Junge!
    O, welche Sehnsucht: Florian Illies erinnert sich an Schlitz/Oberhessen,
    in: Tagesspiegel v. 13.08.

    Michael RUTSCHKY ordnet das Buch Ortsgespräch von Florian ILLIES dem literarischen Genre der Suche nach der verlorenen Zeit zu, das er von Marcel PROUST über Thomas WOLFE bis zu David WAGNERs Die nachtblaue Hose absteckt. Selbst im Vergleich mit seinem Altersgenossen schneidet ILLIES schlecht ab:

    "Florian Illies erfüllt kein erkennbares Heimweh nach seiner kleinen Stadt – Kindheit und Jugend sind bei einem Mann von Mitte 30 halt noch nicht richtig vergangen. Und Illies kann oder will aus dem Einschnitt der Wiedervereinigung anders als David Wagner nichts machen, obwohl Schlitz damit aus der Zonenrandlage hinaus ins mittlere Deutschland geriet."

    RUTSCHKY bescheinigt ILLIES stattdessen einen

    "leicht herablassenden, snobistischen Tonfall – heilfroh, dass er diese kleine Welt verlassen hat und jetzt in der Metropole nach Glück, Macht und Ruhm jagen darf."

    Aber auch einer theoretischen Durchdringung des Stoffes mangelt es ILLIES:

    "Was die Kindheits- und Jugenderinnerungen zu evozieren versäumen, ersetzen keine soziologischen oder historischen Reflexionen. Zwar fällt einmal der Name Max Webers und ein andermal derjenige Georg Simmels, und mehrfach möchte Illies den Unterschied zwischen Stadt und Land, Metropole und Provinz als den zwischen Moderne und Vormoderne, zeitlicher Dynamik und konservativem Verharren ins Spiel bringen. Aber auch dies nur zögernd, witzelnd, ohne argumentative Spannkraft.
              
     Kolja Mensing (ebenfalls Jahrgang 1971) hat 2002 in »Wie komme ich hier raus?« beschrieben, wie eine Jugend im westlichen Deutschland aussah, das praktisch nur aus Provinz bestand."

    Zum Schluss greift RUTSCHKY noch auf seinen eigenen oberhessischen Erfahrungsschatz zurück, um aufzuzeigen, wie man es hätte besser machen können.

    WAGNER, David (2006): Verdammt zum ewigen Klassentreffen,
    Ein Fest für sentimentale Menschen und eine verwirrende Erfahrung für alle anderen: Florian Illies wünscht sich in seinem neuen Buch "Ortsgespräch" in seine oberhessische Heimat Schlitz zurück, in das Land seiner Tanten und seiner Jugend,
    in: Welt am Sonntag v. 13.08.

    David WAGNER kann dem Heimatbuch von Florian ILLIES wenig abgewinnen:

    "Der irritierte Leser fragt sich (...), wenn wieder vom »aufsteigenden Heimatgefühl« die Rede ist, wie alt der Mensch, der da schreibt, sich fühlen mag. Sind das die Erinnerungen von Martin Walser?
              
     (...).
    Hallo, Florian Illies, du bist erst 35! Du bist im besten Mozartalter und musst dich noch nicht an deinem »Nachsommer« versuchen. Parke deinen Golf doch bitte vor deiner Berliner Haustür. Da ist die Gegenwart. Schreib dein nächstes Buch bitte wieder für uns, nicht für die Lesegruppe der Generation Pflegeheim und deine Tanten, auch wenn sie noch so bezaubernde Namen tragen. Schreib für uns arme Mittdreißiger, die verloren durch die Großstadt zappeln.
    "

    LOTTMANN, Joachim (2006): Fulda ist besser.
    Nahaufnahme: Florian Illies hat das Porträt seiner Heimatstadt geschrieben - eine romantische Verklärung der deutschen Provinz,
    in: Spiegel Nr.33 v. 14.08.

    "»Ortsgespräch« wird in ganz Deutschland gelesen werden und zu einer romantischen Rückbesinnung auf Natur und Heimat führen", prophezeit Poponkel Joachim LOTTMANN.

    MENSING, Kolja (2006): Blühende Wiesen und Kittelschürzen.
    Florian Illies unternimmt eine wenig originelle Reise in die deutsche Provinz,
    in: DeutschlandRadio v. 17.08.

    "Florian Illies geht es weniger um eine objektive Erkundung der ländlichen Lebenswelten, als darum, die Provinz (...) zum letzten Rückzugsgebiet (...) zu stilisieren. Angesicht der Allgegenwart von Email, SMS und Coffee-to-go glaubt er »eine Sehnsucht nach Entschleunigungsoasen« zu spüren (...).
              
     Vor dem Hintergrund dieser nicht allzu originellen Überlegungen zu einem neuen Heimatgefühl zeichnet Illies auf gut zweihundert Seiten das Porträt einer geradezu grotesk heilen Welt",

    meint Kolja MENSING, der mit Wie komme ich hier raus? bereits vor 4 Jahren die Provinz erkundete. Sein ernüchterndes Resümee des Werks von Florian ILLIES:

    "Die leichte Ironie, die in »Anleitung zum Unschuldigsein« (2001) zu spüren war, ist genauso verflogen wie die zarte Melancholie in »Generation Golf«. »Ortsgespräch« ist einfach nur Neokonservativismus für Arme. Mehr nicht."

    MENSING, Kolja (2006): Generation Heimatfront.
    Blühende Wiesen und Kittelschürzen: In seinem neuen Buch "Ortsgespräch" unternimmt der Bestsellerautor Florian Illies eine sentimentale Reise in die deutsche Provinz,
    in: TAZ v. 23.08.

    MANGOLD, Ijoma (2006): Machst du das zu Hause auch?
    "Ortsgespräch": Florian Illies, der Erheischer des Kopfnickens, malt die Idylle seiner ländlichen Heimat,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 24.08.

    "Die Vorstellung, dass irgendetwas am eigenen Leben individuell sei und nicht typisch, wird man sich nach der Lektüre getrost abschminken" ,

    meint Ijoma MANGOLD. Das Prinzip des Erfolgs der Bücher von ILLIES erklärt er sich folgendermaßen:

    "Noch weit unterhalb jener Ebene, auf der es um Ansichten, Meinungen, zustimmende oder abweichende, gehen könnte, rufen seine Bücher ein undramatisches, dafür kontinuierliches Kopfnicken hervor. Es sind Bücher, die gewissermaßen die Wahrheitsfrage und den konfliktuösen Ernstfall so grundsätzlich ausschalten, dass so etwas wie Widerspruch schlechterdings nicht möglich ist. Man kann auf diese Zustimmungsgeneratoren, wenn man ein Bedürfnis nach Abgrenzung verspürt, nicht mit »Das ist falsch!« reagieren, sondern nur mit »Das interessiert mich nicht«."

    MANGOLD bescheinigt ILLIES, dass er ein "Idylliker von Format" sei, der wild entschlossen sei, Heimat nicht als Ort der Enge, Zurückgebliebenheit und neurotischen Sozialkontrolle zu beschreiben, sondern als Oase der Entschleunigung. Zum Schluss fragt sich MANGOLD jedoch, ob der Aufwand an Witz, Beobachtungsgabe und sprachlicher Intelligenz, den ILLIES zur Erzeugung eines Wohlgefühls geteilter Erinnerung betreibt - nicht ein bisschen Ressourcenverschwendung sei.

    Neu:
    KLOTZEK, Timm (2006): Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!
    Nanu, wer schert da aus? Florian Illies, Vorfahrer der Generation Golf, biegt plötzlich ab in den Feldweg und schreibt eine buchfüllende Ode auf das Provinzleben seiner Kindheit,
    in: Neon, September

     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 30. Januar 2004
    Update: 08. April 2015