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- MANGOLD, Ijoma (2003): Die Kurpfalz.
Deutsche Landschaften (26): Angeschmiegt an die Hügel des
Odenwalds,
in: Süddeutsche Zeitung v. 20.09.
- Inhalt:
Für MANGOLD ist die Romantik der Ausgangspunkt
des Erfolgs von Heidelberg:
"Der,
wenn man so will, ideologisch-weltanschauliche Erfolg Heidelbergs
setzte zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein, als die Romantiker die
Stadt für sich entdeckten. Für sie war Heidelberg eine Idealkulisse,
in der sich der Geist einer alten Universitätsstadt mit der
Lieblichkeit einer mittleren Landschaft verband, aus deren
fruchtbarem Grün sich das herrliche Schlosses als ein Stück
Spätmittelalter im Ruinenzustand erhob."
Er schwärmt von
Heidelberg als Inbegriff des geheimen Deutschland:
"Während
wir Deutschen sonst eher die herben Brüche unserer Geschichte
akzentuieren, repräsentiert Heidelberg von Eichendorff über Stefan
George, Friedrich Gundolf und Max Weber bis hin zu Hans-Georg
Gadamer eher einen kontinuierlichen Überlieferungszusammenhang, in
dem die Großzügigkeit des Denkens sympathetisch auf die Generosität
einer milden Natur antwortet. Wo, wenn nicht hier, könnte das
Zentrum des geheimen Deutschland sein?"
-
MANGOLD, Ijoma
(2003): Generation auf Posten.
Mit den Dreißigjährigen
- mäkeln ihre Kritiker und so sehen sie es selbst - geht es bergab.
Die landläufige Diagnose: fortschreitende Entpolitisierung. Der
"Generation Golf" gebricht es an der revolutionären Selbstgewissheit
der 68er, Gut-böse-Schemata sind ihr abhanden gekommen. Kennzeichen
eines Verfalls oder doch eines intellektuellen Fortschritts?
(gekürzter Vorabdruck eines Textes aus dem Kursbuch 154 - Die
Dreißigjährigen)
in: TAZ v.
29.11.2003
- MANGOLD,
Ijoma (2003): Graue Mäuse und abenteuerliche Herzen,
in:
Kursbuch H.154 Die
30jährigen, Dezember
- MANGOLD, Ijoma (2004): Märchenprinz
und Nebelfürst.
Zweifel an der Autorschaft des Bestsellers "Manieren",
in: Süddeutsche Zeitung v. 02.02.
- Kommentar:
"
Der
Fall
Asserate schien da ein weiterer Beleg für höchst
undurchsichtige Autor-Mystifikationen der Reihe zu sein. Doch das
ist ein Kurzschluss, denn die Fälle liegen sehr verschieden:
»Manieren« lesen wir, anders als die Anonyma, nicht als
erschütterndes historisches Dokument – bei diesem Buch ist die
Frage nach der Authentizität tatsächlich entscheidend. Die Frage
der Autorschaft der »Manieren« mag dagegen unterhaltsam sein,
erheblich ist sie nicht", meint MANGOLD.
Wäre
es dann nicht ehrlicher z.B. ganz auf Autorennamen zu verzichten?
Marketingkonzepte, die auf Identifizierung beruhen, wären dann
nutzlos und solche Debatten würden sich erübrigen.
- MANGOLD, Ijoma (2004): Nie wieder
Wendland!
Mit Hass-Schrittmacher: Sophie Dannenbergs Romanpamphlet "Das
bleiche Herz der Revolution",
in: Süddeutsche Zeitung v. 03.09.
- MANGOLD, Ijoma (2004): Sehnsucht nach
Nestwärme.
Angst vor dem kalten Wind der Globalisierung: Die Deutschen reden
über Leitkultur und Patriotismus,
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.12.
- MANGOLD, Ijoma
(2005): Das neue Subproletariat.
Inwieweit profitiert die NPD vom "White Trash"?
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.02.
- Kommentar:
Ijoma MANGOLD erteilt dem Bild von
Deutschland als
nivellierter Mittelstandsgesellschaft
(SCHELSKY) eine klare Absage:
"Diese Zeit ist vorbei.
Deutschland ist eine Klassengesellschaft - wenn auch eine ohne
Bewusstheit für die sowohl feineren wie auch deutlich gröberen
Unterschiede."
Für MANGOLD hat sich ein
Subproletariat herausgebildet
"eine regelrechte Unterschicht, die
nicht einfach arm ist, weil sie wenig verdient, sondern die
insgesamt an der Dynamik, der Lebensweise und den Chancen der
Mehrheitsgesellschaft nicht partizipiert."
MANGOLD bezeichnet dieses neue
Subproletariat als "White Trash". Ihr Kennzeichen: "sie
verwahrlosen physisch, ihre Sozialformen sind überaus instabil,
sie sind unproduktiver Ballast".
MANGOLD geht jedoch noch
weiter. Er unterstellt eine Homogenität, die angeblich durch die
empirische Sozialforschung abgedeckt sei:
"Liest man die entsprechenden
Untersuchungen der empirischen Sozialforschung, stellt sich ein
eindeutiges Bild dar: Die neuen Unterschichten sind kinderreich,
aber sie kennen kaum mehr stabile Familienverhältnisse. Sie
schauen eklatant mehr Fernsehen als der Bundesdurchschnitt und sie
rauchen mehr (was durch die Tabaksteuer zu einer absurden
Umverteilung von unten nach oben führt). Sie ernähren sich
ungesund und das bevorzugt durch teures Fast Food" usw. usw. usw.
Was MANGOLD hier aufgezählt
hat, das kann man haargenau so bei dem neokonservativen Historiker
Paul NOLTE nachlesen.
Und geht man ins Jahr 1961, dann liest
man bei dem Bevölkerungswissenschaftler Hans W. JÜRGENS, dass es
sich bei der hier beschriebenen Lebensweise um
"Asozialität" handelt. MANGOLD beschreibt das Subproletariat
als Klasse der asozialen Großfamilien.
Diese Beschreibung dürfte eher
Ausdruck einer sozialpopulistischen Instrumentalisierung des
"White Trashs" durch die neue Mitte sein, als dass hier die neuen
Unterschichtsangehörigen wissenschaftlich ausreichend beschrieben
sind.
MANGOLDs Ausführungen sind Teil
der neuen bevölkerungspolitischen Ausrichtung.
Die Wiedereinführung der Asozialität
ist notwendig, weil nur dadurch
Fördermaßnahmen für die Eliten - wie das geplante Elterngeld -
rechtfertigbar sind.
-
MANGOLD, Ijoma (2005): Der kaltherzige Ernährer, die liebende
Verlassene.
Frauen und Männer: Neueste Ermittlungen im Krisengebiet (5).
Vater, Mutter, Kind - herrlich als Familie. Aber wehe den Männern,
wenn es zur Trennung kommt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.02.
- Kommentar:
Vom
abenteuerlichen Herzen eines Ernst JÜNGER zum Abenteurertum
des neuen Vaters ist es bei MANGOLD nicht weit.
Unter Rückgriff auf Charles PÉGUY,
einem französischen Vertreter des neuen Katholizismus, stilisiert
MANGOLD den Familienvater zum wahren Abenteurer.
Single-generation.de
hat auf diesen Argumentationsstrang bereits im Jahr 2002 im
Zusammenhang mit einer Rezension von
Jean-Claude GUILLEBAUDs "Tyrannei der Lust"
hingewiesen.
GUILLEBAUD ist ein später Nachfahre von PÉGUY.
Was
single-generation.de damals als die
Stilisierung von Familienmenschen zu
Widerstandskämpfern bezeichnet
hat, das kehrt bei MANGOLD als Abenteurertum wieder.
Wie GUILLEBAUD beklagt MANGOLD die vaterlose
Gesellschaft. Die Heroisierung der allein erziehenden Mutter sieht
er deshalb als eine Fehlentwicklung:
"Fast wie eine Pieta wird die Mutter
(...) imaginiert. Sie beweist Stärke und Beständigkeit im
Verlassensein. Es ist die ins moderne Kostüm gekleidete
Kriegerwitwe, die noch einmal aufscheint.
(...).
Dass Frauen möglicherweise alleinerziehende Mütter sind, weil sie
es so und nicht anders wollen, kommt in diesem Denkhorizont nicht
vor. Noch viel weniger, dass sie es möglicherweise sind, weil sie
sich im Kampf ums Sorgerecht gerichtlich durchgesetzt haben. Ganz
zu schweigen von der zugegeben zünftig-konservativen Überlegung,
dass der Verbleib in der Institution Familie vielleicht die
heroischere Leistung wäre".
- MANGOLD, Ijoma (2005): Gemischte
Besetzung.
Ein humorfreies Urteil zu Texten aus den schrecklichen
Siebzigern,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.03.
- Kommentar:
Ijoma MANGOLD empfindet die 70er Jahre als ein
"besonders widerliches, verächtliches und abstoßendes Jahrzehnt".
In dieser Meinung sieht er sich durch
Franz M. SONNERs Buch "Werktätiger
sucht üppige Partnerin" mit Kleinanzeigen aus dem Münchner
Sponti-Stadtmagazin Blatt bestätigt.
Die darin zum Ausdruck kommende
"infantile Bedürfnisbefriedigungsregression" kann er nur als
andere Seite des RAF-Terrorismus sehen.
Dies übersieht völlig, dass der
heutige
Terror der Individualisierungsthese
ein direkter Abkömmling des 70er Jahre Spontiismus ist.
Sowohl die Gegner der
Individualisierung (von
Meinhard MIEGEL bis
Herwig BIRG) als auch die
Befürworter (HORX)
sind im gleichen totalitären Denksystem gefangen.
Solange die Debatten in dieser
Endlosschleife der festgefahrenen Denkmuster stecken, sind die
70er Jahre nicht vergangen, sondern bestimmen die Gegenwart.
Und ist der Begriff "Frust" nicht
immer noch der heimliche Leitbegriff der elitären Krisendiskurse
in den Feuilletons der Mitte-Presse? Ständig ist man dort vom
Bürger enttäuscht, weil er partout nicht will, was er soll...
- MANGOLD, Ijoma
(2005): Nie wieder Kaltakquise!
Wie man die Bundesrepublik auf eine heiße Herdplatte setzt: Uwe
Tellkampfs großartiger Roman "Der Eisvogel",
in: Süddeutsche Zeitung v. 17.03.
- Inhalt:
Unterschied
Thomas ASSHEUER vor kurzem die
bundesrepublikanischen Weltsichten in jene der Melancholiker und
der Tragiker, so scheiden sich bei Ijoma MANGOLD die Geister
daran, ob es gegenwärtig bei den Reformen ein Erkenntnis- oder ein
Umsetzungsproblem gibt.
Die Akteure der Organisation
"Wiedergeburt" in TELLKAMPs Roman
"Der
Eisvogel" neigen jedenfalls zu letzterer Sicht.
MANGOLD ist der Ansicht, dass -
falls parlamentarische Reformen keinen Erfolg bringen -
Radikalkuren irrsinniger ausfallen könnten. In TELLKAMPs
Gesellschaftspanorama sieht MANGOLD deshalb ein realistisches
Szenario:
"Es hat das alles etwas von einem auf
den Hund gekommenen Geheimen Deutschland, klingt ein bisschen nach
Stefan George, ein bisschen nach Carl Schmitt. Ein Kasten- und
Ständestaat schwebt den Mitgliedern der Organisation vor. Aber sie
sind weder Alt- noch Neonazis. Ihre historische Orientierungsgröße
scheinen viel eher die Männer und Frauen des 20. Juli zu sein, bei
denen sich auch Vaterlandsliebe, ein hoher Moralkodex, deutsche
Kunstreligion und eine Neigung zu autoritären Staatsentwürfen
verbunden hatten.
Mit diesem so großartig halluzinierten
wie glaubwürdig gezeichneten Gesellschaftspanorama hat (...) Uwe
Tellkampf (...) eine geistige Topographie entworfen, die nicht
mehr die der alten Bundesrepublik ist."
- MANGOLD, Ijoma (2005): Mein
Mitmensch ist kein Trottel.
Eine Einladung zur Aussöhnung mit der BRD: Hans Pleschinskis
"Leichtes Licht",
in: Süddeutsche Zeitung v. 01.04.
- Inhalt:
MANGOLD sieht im Massentourismus das
Paradigma moderner Gesellschaften schlechthin. Es gefällt ihm,
dass PLESCHINSKI in dem Roman
"Leichtes Licht"
nicht "im Bild des Pauschalreisenden den hässlichen Deutschen zu
entlarven" versucht. Die Protagonistin, eine allein lebende
Karrierefrau im mittleren Lebensalter, entdeckt stattdessen die
Anmut und Demut. MANGOLD sieht in der Demut eine hilfreiche
Haltung für massentouristische Normal-Situationen.
- MANGOLD, Ijoma (2005):
Körper der Bundesrepublik.
Urbane Weltläufigkeit und Anmut der Neuen Mitte: Abschied vom
regierenden rot-grünen Phänotyp,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.06.
- Inhalt:
Für Ijoma MANGOLD ist die Neue Mitte in
erster Linie eine ästhetische Kategorie:
"1998 nahm die Neue Mitte Gestalt an.
Und es war klar, dass diese und weniger ein sozial-ökologisches
Reformmilieu das moderne Deutschland ausmachte."
Für den Herbst prognostiziert
MANGOLD, dass die Neue Mitte sich für die Besitzstandswahrung
entscheidet:
"Die neue Mitte wird sich eine
neue Heimat suchen. Und dabei werden möglicherweise nicht wenige
lernen, dass ihre materiellen Interessen durch den, in dem sie
sich ästhetisch nicht wiedererkennen, sogar wirkungsvoller
wahrgenommen werden."
- MANGOLD, Ijoma (2005):
Ohne Pulverdampf kein Abenteuer.
Ran an die Jugend: Birgit Vanderbekes oberspießiger
Rebellionsroman,
in: Süddeutsche Zeitung v. 20.07.
- Inhalt:
"Es gibt ein weitverbreitetes Unbehagen an dem, was
man Entpolitisierung nennt. Und es gibt eine neue Faszination für
den Straßenkampf und den Aktionismus. Die Romane von Christoph
Hein, Uwe Tellkamp und Andreas Maier aus diesem Frühjahr sind -
auf je sehr verschiedene Art - Ausdruck dieses Unbehagens. Jetzt
hat die Erfolgsschriftstellerin Birgit Vanderbeke dieses Thema
aufgegriffen."
Mit dieser Feststellung hat
Ijoma MANGOLD seine lange Einleitung beendet - inklusive einem
Exkurs über das Jugendbewegungsgefühl der 70er, die wutlose Jugend
der 00er und einer Kurzzusammenfassung des Films
"Die fetten Jahre sind vorbei".
Der Erläuterung des Plots von
VANDERBEKEs Roman
"Sweet Sixteen" widmet sich
MANGOLD nur missmutig, denn ihm fehlt hier das Ernst-JÜNGER-mäßige.
"So jedenfalls kriegen wir die
Kids nicht auf die Barrikaden",
bemängelt MANGOLD.
-
MANGOLD, Ijoma (2005): Alles verdampft.
Union, Frau Merkel, und die Unmöglichkeit, konservativ zu sein,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.07.
- Inhalt:
Anlässlich des
Tagesspiegel-Artikels
von Moritz RINKE, beschäftigt sich Ijoma MANGOLD damit,
was heutzutage noch konservativ sein könnte.
Für
MANGOLD kann Konservatismus heute nicht mehr Orientierung in
Fragen der privaten Lebensführung sein, da selbst die
Familie nicht mehr das letzte Bollwerk gegen
den Kapitalismus ist:
"Konservativismus,
das war einmal das Versprechen von verlässlicher Orientierung
gerade in Fragen der Lebensführung
– und zwar unter der impliziten Prämisse, dass es dabei ein
Richtig und ein Falsch gibt. Es war Sinnstiftung gegen das
anything goes und ein Verbindlichkeitsangebot im Kleinen, um mit
diesem Rückhalt die nicht bestrittene Wandlungsdynamik im Großen
zu bestehen.
Vielleicht
vor allem dieser Spagat gehört der Vergangenheit an: Dass man als
moderne Wirtschaftsnation an der Dynamik des technologischen und
ökonomischen Fortschritts aus voller Kraft partizipieren und
zugleich auf der Ebene der privaten Lebensführung, der
Häuslichkeit und der familiären Reproduktion bestimmte Werte,
Normen und Gepflogenheiten stabil halten könne. Denn dieses eben
macht den expansiven Charakter des Kapitalismus aus: Dass er nicht
nur ein wirtschaftliches Prinzip ist, sondern alle Bereiche des
sozialen wie des kulturellen Lebens sich anverwandelt und
umgestaltet. Seine Dynamik ist nicht auf den Arbeitsplatz
einzuhegen."
Nicht
mehr der Kommunismus/Sozialismus mit seinen Visionen vom neuen
Menschen ist gemäß MANGOLD das konservative Feindbild, sondern der
expansive Kapitalismus.
Konservatismus
gerät unter den Bedingungen der Globalisierung in die Defensive:
"Konservativismus
(...) bezieht seinen Schwung deshalb gerade nicht aus seiner
Verbindlichkeit, sondern umgekehrt aus dem Bewusstsein der
Bedrohtheit – und hat stets etwas Angestrengtes und Verschwitztes.
Es ist ein Konservativismus der Defensive, der Abwehr und der
Verunsicherung, keiner der Stärke und des Selbstbewusstseins."
Prototypisch
für einen solchen defensiven Konservatismus ist für MANGOLD der
Theologe
Peter HAHNE:
"Die
kongeniale Galionsfigur dieser düsteren Tendenzwende ist der
Fernsehmoderator Peter Hahne mit seinem Nummer-eins-Bestseller
»Schluss mit lustig!«
Da ist der Konservativismus plötzlich mit dem Spießbürgerlichen
identisch geworden."
Daneben
existiert der Konservatismus als Formbewusstsein, wie er in der
neuen Lust am Ritual oder bei den neuen Dandys zum Ausdruck kommt.
Die
RATZINGER-Variante beschreibt MANGOLD dagegen als "Weg in die
Katakomben".
Sein
Fazit:
"Das
Konservative wird deshalb eher überleben als ästhetische Attitüde
und kulturelles Bewusstsein der Wenigen, als ein exzentrisches
Dandytum vielleicht auch, aber nicht als politische
Sammlungsbewegung. Namentlich für die Deutschland AG gilt: Was ihr
fehlt, ist wieder Mut und Lust an der produktiven Zerstörung,
damit sie den Wandel nicht nur als Verlust von Lebensglück,
sondern auch als dessen Steigerung wahrnimmt."
- MANGOLD, Ijoma (2005): Die müde Haut
Alteuropas.
Matthias Polityckis Sehnsucht nach barbarischer Vitalität,
in: Süddeutsche Zeitung v. 03.09.
- Kommentar:
Droht irgendwo der Untergang des Abendlandes,
da ist Ijoma MANGOLD nicht weit.
Matthias POLITYCKI
wird von MANGOLD ausgiebig gewürdigt:
"Mit
»Weißer Mann - was nun?« hat Matthias Politycki einen ultimativen
Abgesang auf das Abendland geschrieben, auf die schleichende
Apokalypse des Westens in Dekadenz und Kraftlosigkeit", lobt
MANGOLD, dem sonst zumeist der Rauch und Pulverdampf fehlt.
MANGOLD
war in der ersten Reihe gesessen als der sympathische POLITYCKI
seinen neuen Roman im schicken Münchner Glockenbachviertel
vorstellte.
Da
der ernst-jüngernde MANGOLD auf seinem Felde keinerlei Konkurrenz
duldet, wird POLITYCKI am Ende hart attackiert:
"So
hat man in Europa schon einmal gesprochen - in jener Dekadenzperiode
um die vorletzte Jahrhundertwende, als man im Namen Nietzsches die
Rückkehr des Barbarischen beschwor, um sich von seinem Ennui
abzulenken. Thomas Mann hat diesem Milieu mit dem »Kridwiß'schen
Kreis« im »Doktor Faustus« ein Denkmal gesetzt, wo Herren, denen die
»Schwindsucht au fen Wangen glüht«, einem Immoralismus der Stärke
frönen und für »schöne Ruchlosigkeit und italienische Giftmorde«
schwärmen."
MANGOLD
empfiehlt jedenfalls Viagra, statt sinnstiftender,
ersatzreligiöser Politikentwürfe.
-
MANGOLD, Ijoma (2005): Stadt gegen Land.
Der große Graben (7). Parasiten im Speckgürtel: Warum wir die
City brauchen
Gigantische Pendlerströme fallen Tag für Tag in die Großstädte ein.
Doch bislang wollten immer weniger Menschen in den Metropolen
wohnen. Jetzt feiert die Stadt Renaissance,
in: Süddeutsche Zeitung v. 08.09.
- Kommentar:
Man muss sich fragen, warum die
Suburbanisierung lange Zeit KEIN
Thema der Stadtforschung war.
Warum
befassten sich die selbstgefälligen Stadtforscher mit den
innenstadtnahen Wohngebieten, während zur gleichen Zeit die
Vorstädte explodierten und das Reihenhaus zur Norm der
Mittelschichten wurde?
Der
Einzige und sein Eigenheim war bis um die Jahrtausendwende der
blinde Fleck einer Stadtforschung, die yuppiefixiert war.
Nun,
da Yuppies sich Kinder als Statussymbol bzw. zur
Selbstverwirklichung angeschafft haben und als
Family Gentrifier (Monika ALISCH) die Städte entdecken,
richtet sich der Blick auf die Suburbanisierung.
Ijoma
MANGOLD befasst sich nicht mit dieser
Geschichte der Stadtforschung und ihren
Fehldeutungen, sondern gänzlich
unhistorisch wird dem Optionalismus gefrönt:
"In
der Wirklichkeit ist der Stadt/Land-Gegensatz heute gerade keiner
hermetisch getrennter Welten mehr. Durch vielfache mobile
Ausnutzungs- und Parasitärbeziehungen sind beide eng miteinander
verflochten. Und ob einer in der Stadt oder auf dem Land wohnt,
ist kein lebenslanges Schicksal mehr, sondern eine Frage der
Optionen. Urbanität und
Provinzialität sind bewegliche Lebensformen geworden, die man
von einer biografischen Etappe zur nächsten wechseln kann."
Die
Renaissance der Städte wird seit einiger Zeit ausgerufen. Ob sich
die Entwicklungen aber an Manifeste oder politische Gutachten wie
jene über den demografischen Wandel halten, das wird die Zukunft
zeigen müssen...
-
MANGOLD, Ijoma (2006): Der Gott auf Reisen.
Stadtwanderungen: Für das Geheime Deutschland war Heidelberg die
Hauptstadt - und Stefan George der einzige legitime Herrscher. Er
regierte seinen Dichterstaat vor einer ehrwürdigen Theaterkulisse,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.01.
- Inhalt:
Ijoma MANGOLD hat sich in Heidelberg auf die
Spurensuche nach Stefan GEORGE gemacht und dazu den Schriftsteller
Michael BUSELMEIER und Jakob KÖLLHOFER, den Direktor
des Deutsch-Amerikanischen Instituts, befragt.
Während
für ersteren der elitäre Zirkel um GEORGE eine reaktionärer Kult
war, weist letzterer auf die Ergänzung des Aristokratischen durch
das Bäuerliche hin.
MANGOLD
fasziniert am elitären GEORGE-Zirkel dagegen die Ironiefreiheit:
"Sie
lebten ihre Kunstreligion ohne jede ironische Brechung. In diesem
Ernst liegt die ungebrochene Faszination des George-Kreises bis in
die Gegenwart".
- MANGOLD,
Ijoma (2006): Heute schon geweint?
Die Sehnsucht nach dem Leben in der Literaturkritik,
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.03.
- Kommentar:
Ijoma MANGOLD liefert eine weitere
Nacherzählung der Ereignisse um die
Buchvorstellung von Volker WEIDERMANN.
Man darf
MANGOLD wohl eher den Empathikern zuordnen, wenn er schreibt:
"Was meint der
Literaturkritiker eigentlich wirklich, wenn er das eine Werk gut
und das andere schlecht nennt? Ist am Grunde des Urteils nicht
stets ein Wille zur Macht erkennbar, die eben darin besteht, über
die Wahrheit des Lebens Aussagen treffen zu dürfen? Woher sonst
die Erregungspotentiale?"
Für
MANGOLD ist die Überführung von Wahrheits- in Coolnessfragen die
logische Konsequenz der Unentscheidbarkeit letzter Fragen. Wer hat
den besseren Sex, feiert die besseren Partys oder erzeugt den
größten Pulverdampf, das ist dann der Sinn des
Literaturwettkampfs.
Die
Gnostiker spielen darin lediglich die Rolle der Spielverderber:
"Die Empathiker
neigen dazu, so zu schreiben, als hätten sie den besseren Sex. Die
Gnostiker werden ihnen das nicht durchgehen lassen."
- MANGOLD, Ijoma
(2006): Seht, wie meine Augen tränen.
Günter Grass häutet seine Zwiebel, findet darin aber nur
Metaphern: Eine Rezension seines Erinnerungsbuchs,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.08.
- Inhalt:
Ijoma MANGOLD, ein
junger
Junger (Kurt KISTER), hat sich selten von einer Zwiebel
so genervt gefühlt. Er findet Eitles und Selbstbezogenes in dem
"moralischen Drama".
Dennoch
macht sich MANGOLD die Mühe, die autobiografische Literatur ins
Werk von Grass einzuordnen. Die Zwiebel steht dann in einer Reihe
von prägnanten Dingsymbolen von der Schnecke bis zum Krebs.
Sein
Fazit zum Buch und zur
Debatte ist ernüchternd:
"Die Lektüre
dieser poetischen Essenz ist nur dem Lutschen von Brühwürfeln
vergleichbar.
Günter Grass
vorzuwerfen, dass er als Jüngling an das Dritte Reich geglaubt
hat, ist absurd. Über sein langes Schweigen aufschreien mag, wer
ihn zuvor zur moralischen Ikone erhöht hat - es hat aber etwas
Tantenhaftes. Die Rückgabe des Nobelpreises zu verlangen ist
lächerlich. Und wer jetzt auch das bisherige literarische Werk
demoliert sieht, der möge bitte über seinen Literaturbegriff
Auskunft geben. Eines aber kann man sagen: Die literarische Form,
die Grass für sein Eingeständnis bemüht hat, enthält entschieden
zu viele Metaphern. Und solche erhellen die Abgründe des Lebens
meistens nicht."
-
MANGOLD, Ijoma (2007): Auf den Mund gefallen.
Die Deutschen im Spiegel ihrer Redewendungen - ein Glossar,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 18.08.
-
MANGOLD, Ijoma (2008): Das Leise und das Laute.
Vom Bürgerschreck zum Kulturkonservativen: Schriftsteller Feridun
Zaimoglu spaziert über den türkischen Pavillon der Buchmesse - und
beklagt die Überpräsenz der aufgeklärt-säkularen Türkei,
in: Süddeutsche Zeitung v. 20.10.
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