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Moritz von Uslar: Waldstein

 
       
     
       
   
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    Moritz von Uslar in seiner eigenen Schreibe

     
       
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    Moritz von Uslar im Gespräch

     
       
    • ENCKE, Julia (2006): Sex ist das Ende.
      Moritz von Uslar über seinen ersten Roman, über das Pop-Mißverständnis, Männerfreundschaften und Liebe,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.04.
    • MERKEL, Andreas (2006): Poetik der Runtergerocktheit.
      Chronist eines Lebens, von dem man irgendwann ab 30 nichts mehr wissen will, von dem man aber nicht loskommt: ein Treffen mit Moritz von Uslar anlässlich des Erscheinens seines Romans "Waldstein oder Der Tod des Walter Gieseking am 6. Juni 2005",
      in: TAZ v. 11.04.
    • KRON, Norbert (2005): Moritz von Uslars Abgesang auf den Pop.
      Der "100-Fragen-an"-Steller Moritz von Uslar hat einen neuen Roman geschrieben - sein Titel: "Waldstein oder Der Tod des Walter Gieseking am 6. Juni 2005",
      in: Stilbruch. Sendung des Radio Berlin-Brandenburg v. 27.04.
     
           
       

    Waldstein oder Der Tod des Walter Gieseking am 6. Juni 2005 (2006)
    Köln: Kiepenheuer & Witsch

     
       
     
     

    Klappentext

    "Walter Gieseking muss sich bewegen. Es geht um eine Form der Lebensbejahung. Zu irgendwas, am besten etwas Großem, Übergeordneten, muss er doch mal Ja sagen. Bisher hat er immer prima Nein sagen können. Das geht jetzt plötzlich nicht mehr. Aus damit. Vorbei.
    Walter Gieseking, dreißig Jahre, in Großstädten aufgewachsen, seit sechs oder sieben Jahren mit Ellen von Galgern zusammen, ist plötzlich wieder allein unterwegs und taumelt durch das halbe Jahr, das ihm vor der Ehe bleibt - auf die es mit seiner Ex-Freundin Ellen wohl doch hinauslaufen wird. Er verlässt den gemeinsamen Wochenendsitz Waldstein, ein Gutshaus in Oberfranken, und fädelt sich mühelos wieder ein in sein altes Leben in der müden Hauptstadt Berlin. Freundschaften werden erneuert oder laufen aus. Die Arbeit wird getan. Bankkonten laufen wie selbstverständlich leer. Das Problem ist nicht, dass das Leben so nicht funktioniert. Das Problem ist, dass es zu gut funktioniert. Alles geht einfach immer so weiter. Schleichender Niedergang. Gieseking bewegt sich, er fährt nach München, Ellens Heimatstadt, um Mädchenluft zu schnuppern. Am Ende kann Gieseking, seinem berühmten Namensvorbild folgend, plötzlich Klavier spielen (Beethovens Klaviersonate Opus 53) und er kehrt nach Waldstein, den Ort der Natur und der bürgerlichen Zweisamkeit, zurück.
    "

    Pressestimmen

    "»Die unendlichen Möglichkeiten, die es gibt, sind wie ein vorbei fliegender Schluck Wasser. Es gibt keine. Man hat die Möglichkeit, sich eine Frau zum Heiraten zu suchen, Künstler zu werden oder sich einer terroristischen Vereinigung anzuschließen«, heißt es im Roman. Der unbedeutende Mann mit dem bedeutenden Namen hängt am Ende die Wäsche auf. Das war's."
    (Julia Encke in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 27.02.2006)

     
     
     
           
       
    • Rezensionen

    • SCHÄFER, Andreas (2006): So endfertig wie sympathisch.
      Der Starjournalist Moritz von Uslar möchte in seinem ersten Roman "Waldstein" gern uncool sein, hat aber verlernt, wie das geht,
      in: Welt am Sonntag v. 19.02.
    • GRATON, Elise (2006): Heuschnupfen der Hipster.
      Moritz von Uslar erfindet einen Zeitgeist-Journalisten in Berlin-Mitte,
      in: Berliner Zeitung v. 27.04.
      • Inhalt:
        "
        Gieseking verkörpert die latent-depressive Stimmung einer Generation, der nichts neues geboten wird. Trotz bissiger Kritik scheitern aber seine Versuche, sich über seine Artgenossen zu erheben. Die Trennung zwischen »Coolen« und »Uncoolen« existiert nicht mehr. Wo fast jeder Techno-Musik und Drogen kennt, Originalität über die Bekleidung beweist und Kritik übt sowieso, läge Unkonventionalität in biederer Normalität. Aber das ist doch zu langweilig. Gieseking spiegelt den Zeitgeist, in dem er selber steckt, so scharf wieder, dass es schmerzt. Nur die Reflexionen darüber nerven", meint GRATON zum Roman "Waldstein" von Moritz von USLAR.
    • FUCHS, Oliver (2006): Tausendmal erlebt, doch es weigerte sich.
      Erwachsenwerden jenseits der Dreißíg: Moritz von Uslars erster Roman schaut verzweifelt liebend auf die Wirklichkeit,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 29.04.
      • Kommentar:
        Wenn ein Popjournalist einem Pop-Autor das Pop-Etikett nicht umhängen möchte, sondern verzweifelt um Kopf und Kragen rezensiert, dann ist das eine der Merkwürdigkeiten des neuen deutschen Adult-Pop.

                  
         Was Blumfelds Album "Verbotene Früchte" für die Musik ist, das ist Moritz von USLARs "Waldstein" für die Popliteratur: Die Wende zum Adult-Pop.
                  
         Das liest sich bei FUCHS dann so:
        "Am Ende kehrt Gieseking nach Waldstein zurück. Es ist der 5. Juni 205. Er staunt, wie grün alles ist. Wie die Vögel zwitschern und die Hasen hopsen. Jetzt fließen die Sätze ruhig dahin. Am nächsten Morgen hängt Gieseking gemeinsam mit Ellen Wäsche auf. Ist das eine Vision, wie sie Sterbende haben? Oder ist er schon tot? Nein, vermutlich ist Gieseking bloß erwachsen geworden, spät, aber hey! Da hat einer seine Sprache verloren und eine Art von Glück gefunden. Er ist frei."
    • DIEZ, Georg (2006): Die sexuelle Gegenrevolution.
      Skizzen der demografischen Krise: In ihren Romanen laufen Rabea Edel, Moritz von Uslar und Matthias Keidtel vor der Liebe davon,
      in: Die ZEIT Nr.20 v. 11.05.
      • Kommentar:
        Deutschland hat keine Kinderkrise, sondern eine Liebeskrise oder gar eine Sexkrise. Dies will der Empathiker Georg DIEZ aus 3 Romanen herausdestilliert haben. Passend zur demografischen Krise resümiert er deshalb:

                  
         "Es ist (...) nicht damit zu rechnen, dass diese Generation von Schriftstellern besonders viel für die Sicherung der Renten tun wird. Ihre Lebensentwürfe sind von Angst und Vorsicht geprägt und von einer Negativität, die nichts damit zu tun hat, dass der ganze wunderbare Irrsinn der Liebe durchaus eine große Jammernummer sein kann. Die Schnittmuster kommen alle aus jenen imaginären fünfziger Jahren, durch die wir seit einiger Zeit wanken. Und das ungeklärte Verhältnis ist, wie praktisch immer in Deutschland, das zu den eigenen Eltern."
                  
         Matthias KEIDTEL (Jahrgang 1967) und Moritz von USLAR (Jahrgang 1970) stehen ein für den deutschen Mann der Generation Golf. Der ist entweder ein heinzerhardthaftes Tantensöhnchen, Marke Nesthocker, oder ein frauenverachtender Männerbündler:
                  
         "Der symbolische Tod des Um-die-dreißig-Jährigen kommt an dem Tag, an dem er sich entscheidet, mit Kind und Wäscheklammern und all dem alt zu werden: Der Tag, an dem er sich für die Enge entscheidet, an der er leiden wird, weil er leiden will.
                  
         Das ist jedenfalls das Männerbild, das sich fügt, wenn man Matthias Keidtels Antihelden Holm dazu nimmt, der in vielem das Gegenstück zu Gieseking ist".
                  
         Nimmt man Felicitas von LOVENBERGs Kritik an Ulf POSCHARDTs Einsamkeitsfibel noch hinzu, dann hätte man die drei männlichen Prototypen komplett, die uns geradewegs in den demografischen Abgrund führen werden.
                  
         Was bleibt aber, wenn man diesen Authentizitätsschmarrn der Empathiker, die zwischen Leben und Roman einen direkten Zusammenhang konstruieren, durchdringt?
                  
         Es ist ja kein Zufall, dass Moritz von USLAR und die Popliteraten der Generation Golf Journalisten und Schriftsteller in Personalunion sind. Von daher gibt es zuallererst einen Zusammenhang zwischen dem Popjournalismus der urbanen Feuilletons und den Romanen, der sich am offensichtlichsten beim "Urvater" Joachim LOTTMANN kundtut.
                  
         Nicht zwischen demografischem Wandel und Roman besteht also ein Zusammenhang, sondern zwischen der Debatte um den demografischen Wandel und dem Roman.
                  
         Der Versuch von DIEZ aus dem Verhalten von Romanfiguren die deutsche Rentenkrise abzuleiten, mag für Empathiker und ihre Fangemeinde einleuchtend sein, nur mit der Realität hat das eben nichts zu tun.
    • OBERLÄNDER, Jan (2006): Lasst uns froh und tapfer sein.
      Moritz von Uslar wird erwachsen,
      in: Tagesspiegel v. 04.06.
      • Inhalt:
        Für OBERLÄNDER markiert der Roman "Waldstein" von Moritz von USLAR einen Wendepunkt der Popliteratur:

                  
         "Uslar, Jahrgang 1970, ist kein Theoriefreak wie Thomas Meinecke und kein Großkünstler wie Rainald Goetz, die beide für unterschiedliche Spielarten von Popliteratur stehen, und doch aktualisiert sein Romandebüt das Genre. Sein Schnappschuss deutscher Gegenwart erinnert an Christian Krachts »Faserland« (1995), mit dem Unterschied, dass Walter Gieseking sich im Vergleich zu Krachts snobistischem Erzähler auch mal ganz grundsätzlich Gedanken macht. Man wird eben nicht jünger."
    • MORITZ, Rainer (2006): Frauen, die an Flüssen leben.
      Paul Ingendaay, Hans-Peter Kunisch, Moritz von Uslar: Drei Literaturkritiker gehen unter die Romanciers,
      in: Welt v. 24.06.
    • SCHNEIDER, Wolfgang (2006): Mit teuren Schuhen lebt sich's besser.
      Moritz von Uslar erprobt seine Interviewtechnik im Roman,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 28.09.
     
       
    • Lesungen

    • ENCKE, Julia (2006): Rhythmus statt Pop.
      Waldsteinsonatenhauptsatzform: Moritz von Uslar liest,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 27.02.
     
       
    • Das Buch in der Debatte

    • NARHOLZ, Christoph (2006): Nach Bernhard.
      Über Thomas Bernhard, seine Kopisten und die Kopisten seiner Kopisten. Ein Vortrag samt Vorwort,
      in: Jungle World Nr.29 v. 19.07.
      • Inhalt:
        NARHOLZ begibt sich zuerst auf die Spuren von Thomas BERNHARD, um dann die popliterarischen Epigonen von Rainald GOETZ bis Moritz von USLAR vorzustellen:

                  
         "Nickels Buch ist neben Krachts »Faserland« und Stuckrad-Barres »Soloalbum« (...) das heimliche dritte Gründungsdokument der damals so genannten »neuen«, irgendwie adeligen, boulevardesken, jungskrawalligen deutschen Popliteratur geworden, die sich einen dandyistisch zurechtgeschnöselten Gutsherrenbernhard natürlich gerne zum Vorbild genommen hat.
                  
         Moritz von Uslar schließlich hat es zuletzt sogar geschafft, Bernhard aus der Bernhardkopie von Rainald Goetz weiterzukopieren. Sein Roman »Waldstein oder Der Tod des Walter Gieseking am 6. Juni 2005« stimmt ein besonders extralässig abgehangenes Weltanschauungsgerede an, das im Betriebsklima unterschwellig aber trotzdem ungesund überhitzt, weil Bernhards fröhliche Totalisierungslust, besänftigt zwar durch die mildernde Intervention von Goetz, als herausfordernder Übertreibungsdruck weiter auf dem weichen Text lastet und ihn dazu treibt, glotzäugig einerseits wirklich jeden Mist ganz besonders beflissen hoch kompliziert intensiv toll zu finden, und auf der anderen Seite genauso hingegeben in eine banale Trübsal versenkt."
    • Neu:
      WEHDEKING, Volker (2007): Lifestyle-Archive und das Wissen um die Leere: Judith Hermann und Moritz von Uslar. In: Derselbe: Generationenwechsel: Intermedialität in der deutschen Gegenwartsliteratur, Berlin: Erich Schmidt Verlag
     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 05. März 2006
    Update: 20. Juni 2010