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LEHNARTZ, Sascha (2000): Cyber-Singles
Freie Auswahl für
Frauen im Internet.
in: Welt v. 25.05.
LEHNARTZ, Sascha
(2001): Sie machen Witze!
Die Spaßgesellschaft sei am
Ende, behaupten ihre Verächter. Und liefern
damit Stoff für neue Pointen,
in:
Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung
v. 07.10.
LEHNARTZ, Sascha (2002): Die
abservierte Elite.
Wenn die Entlassungswelle junge
Hochqualifizierte trifft,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
v. 21.07.
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LEHNARTZ denkt darüber nach, ob Douglas COUPLANDs Roman
Generation X
mit 10jähriger Verspätung nun auch in Deutschland Realität werden
könnte:
"Coupland
erzählte von drei Leuten um die Dreißig, die das Gefühl beschlich,
ihr Leben sei eigentlich schon vorbei. Die eben noch boomende
Börse war kräftig abgeschmiert, die Elterngeneration blockierte
die interessanten Jobs und saß zufrieden in abbezahlten
Eigenheimen. Dem Nachwuchs schwante, daß er den Wohlstand seiner
Erzeuger nie würde erreichen können. 'Overeducated and underpaid'
fühlte sich diese Generation X, der trotz Studium anscheinend nur
noch grenzdebile 'McJobs' in Kettenläden wie 'The Gap' oder 'Starbucks'
offenstanden. Die Protagonisten in dem Roman verzogen sich
angesichts dieser Perspektive an den Rand der kalifornischen Wüste
und erzählten sich dort krude Gutenachtgeschichten. Ihr Unbehagen
an der Konsumkultur - an der sie mangels ausreichender Deckung der
Kreditkarte nur unregelmäßig teilnehmen konnten - faßten sie in
griffig-ironische Kategorien, die ihr Dasein
WG-küchenphilosophisch auf den Begriff brachten."
Offenbar
haben die Yuppies bei der Frankfurter Allgemeinen bis zuletzt
geglaubt, dass sie nie von der Rezession betroffen sein würden:
"Wettbewerb
heißt für sie, daß man eher früher als später bekommt, was man
will, wenn man nur wirklich will und alles dafür einsetzt. Das
dachten sie jedenfalls bis jetzt.
Daß die Krise ausgerechnet sie erfassen könnte, stand nicht in
ihrem Karriereplan. Menschen, für die es immer nur aufwärtsgehen
sollte, stellen fest, daß es für ihren Traumjob keine Planstelle
mehr gibt. Oder - was erheblich deprimierender ist - sie verlieren
den Traumjob."
Angeblich
ist in Amerika alles besser. Vielleicht hat LEHNARTZ nur die
"Schönwetter-Literatur" gelesen.
Michael HARTMANN
hat empirisch nachgewiesen, dass selbst in Amerika die
Leistungsgesellschaft eher ein Mythos ist und Richard SENNETT hat
in seinem Buch
Der flexible Mensch den neoliberalen Typus und die
Konsequenzen seines Lebensstils beschrieben. |
LEHNARTZ, Sascha (2002): Aufgewacht - Wähler weg.
Nach der Wahl rätseln die Verlierer, warum junge Menschen in den
Städten sie nicht wählen. Susanne Leinemanns Buch könnte da
weiterhelfen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.10.
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Großer Katzenjammer im alten bürgerlichen Lager und vor allem beim
Poptheoretiker LEHNARTZ! Damit in 4 Jahren nicht das Gleiche passiert,
propagiert LEHNARTZ das Buch
Aufgewacht - Mauer
weg von Susanne LEINEMANN. Die
Angehörige der Generation Golf beschreibt die Motivationslage ihrer
"Skeptischen Generation" und fordert von ihren Generationsgenossen
die Umkehr. Als Erweckungserlebnis gilt ihr der Fall der Berliner
Mauer. Jetzt muss es nur noch jemand ins Bewusstsein ihrer Generation
hämmern. LEHNARTZ unterstützt sie dabei.
Das
Problem ist nur, dass der Wahldebakelforscher LEHNARTZ seine
Zielgruppe zwar als "jung" und "städtisch" definiert:
"Mit
'junge Menschen' sind alle unter 44 Jahren und mit 'großen Städten'
alle Metropolen gemein, die mindestens so groß wie Kaiserslautern
sind",
übersetzt
LEHNARTZ das Jägerlatein der Profis. Ansprechen möchte er jedoch nur die
Yuppies. Diese Gruppe ist zwar
in den Neue Mitte-Medien sehr präsent, aber bevölkerungsstatistisch
ist sie IRRELEVANT! Und
noch schlimmer: Sie schrumpft,
weil sie derzeit ausgemustert wird. Einige werden auf immer zu
den
Überflüssigen der Erwerbsarbeitsgesellschaft zählen. Andere wird
man in den Reihen des
"neuen Dienstleistungsproletariats" (Paul NOLTE) wieder finden.
Was übrig bleibt, damit beschäftigt sich der Poptheoretiker. LEHNARTZ
erzählt die Popmythen vom situationistischen Wechselwähler. Tatsächlich sind Wähler viel weniger durch momentane
Stimmungen zu beeinflussen. Die Meinungsforschungsinstitute sind
keine neutralen Beobachter, sondern Teil des
Politik-Medien-Verbundes. Ihre Ergebnisse sind deshalb wenig
aussagekräftig. Und
LEHNARTZ glaubt offenbar selbst nicht an seine These, denn er geht
von einem milieuspezifischen "Hang zu Romantizismen in
gesellschaftspolitischen Fragen" aus. Vaterlandsinteressen
statt Coolness, vor diese Alternativen stellt LEHNARTZ die Leser.
Sein Feindbild ist der "Wohlfühl-Wähler" der Spaßgesellschaft, der
die Bürgerlichen aufgrund ihres "Coolness-Defizits" nicht gewählt
hat. Wie Jedediah PURDY verkündet er das
Elend der Ironie und preist den
"unternehmerischen Einzelnen"
(Heinz BUDE). Ärgerlich
nur für LEHNARTZ, dass Rot-Grün eine Sprache gefunden hat, die
"nichts sagt, aber seltener nervt und gelegentlich das Gefühl
trifft".
Friedrich MERZ (kennt den noch jemand?) spricht er dagegen
den Sex-Appeal eines vormaligen Straßenkämpfers ab:
"Es
nützt nichts, als Halbstarker in Brilon mit einem fast geklauten
Mofa um die Pommesbude herumzubrausen, wenn man zum Zeitpunkt der
Tat bereits Mitglied der Jungen Union war".
Schluss
mit Typen wie
Herr Lehmann
(Sven REGENER) fordert LEHNARTZ, stattdessen
propagiert er das Motto "Grow up - get real" von Susanne LEINEMANN.
Die Haltung schreibt er im Stil der Popliteraten nicht vor, aber der
Artikel hat klargemacht, was er erwartet. Der Titel ist falsch
gewählt. Nicht "Aufgewacht - Wähler weg" droht in Zukunft, sondern:
Aufgewacht - Neue Mitte weg! |
LEHNARTZ, Sascha (2002):
Freundlicher Aufruf zur Revolte.
Finden Sie, daß es so weitergehen kann? Wollen Sie nicht mitmachen
beim Systemwechsel? Ein Terminvorschlag,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 17.11.
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Der Feuilleton-Revoluzzer LEHNARTZ ruft zur
Revolte vor dem Kanzleramt am 23.11.2002 auf. Seine
Bibel ist das "Zwanzig-Punkte-Programm für Beschäftigung und
Wachstum", das die neoliberale Expertenrunde, die umständlich
Sachverständigenrat zur
Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bezeichnet
wird, im Volksmund nur als "fünf Weise" bekannt. Dem Kanzler
attestiert er eine "déformation professionelle", die bereits KOHL
kennzeichnete. Für die Zukunft sieht LEHNARTZ
schwarz, denn er kennt die falschen Leute:
"Fragt man einige Leute, was ihrer
Meinung nach mit Deutschland in 100 Jahren sein wird, antworten die
Pessimisten: Es wird dieses Deutschland so nicht mehr geben,
weil nicht wir, sondern die Migranten die Kinder bekommen haben. Die
Optimisten antworten: Es wird uns nicht mehr geben, weil wir uns in
Europa integriert haben. Beide Visionen beschreiben eine
Auflösung der Gemeinschaft. Von einem Volk aber, das sich
vorstellt, es löse sich in Zukunft auf, kann man nicht ernsthaft
erwarten, daß es sich in irgendeiner Form für diese Zukunft
engagiert."
Das größte Erfolgshindernis für eine
Revolte sieht LEHNARTZ in der Bahnpreisreform ("kundenverachtende
Tarif- und Reservierungssystem"), weswegen er noch kurz vor der
Reform zur Revolte aufruft... |
LEHNARTZ, Sascha (2004): Im Land der geistigen Eierwerfer.
Im Osten wird die Systemfrage wieder etwas lauter gestellt. Daran
ist der Westen nicht ganz unschuldig,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.09.
LEHNARTZ, Sascha (2004): Aschenputtel in Autobahn-Therapie.
Renée Zellweger ist "Bridget Jones". Die hat den Oscar
gewonnen und einen coolen Rocker als Freund. Aber sie
vermißt den Himmel über Texas,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 28.11.
LEHNARTZ, Sascha (2005):
Ernst ist der neue Spaß.
Der ZDF-Mann Peter Hahne profiliert sich als
Stammtisch-Theologe und Buchautor. Mit einem dumpfen Traktat
wider die Moderne,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
20.02.
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Sascha LEHNARTZ stimmt
in seiner Rezension des Buches
Schluss mit lustig mit HAHNE überein,
dass wir in einer Spaßgesellschaft leben.
Im Gegensatz zu HAHNE
ist er aber nicht vom
Ende der Spaßgesellschaft
überzeugt. Er hält HAHNEs Buch sogar für ein typisches
Produkt von Spaßgesellschaften.
Dissens gibt es vor
allem in der unterschiedlichen familienpolischen Sicht:
"Frauen, die eventuell Beruf
und Familie vereinbaren wollen, kommen in seinem
tugendhaften Gesellschaftsentwurf nicht vor. Ausdrücklich
lobt er den kinderreichen Landkreis Cloppenburg: »Dort ist
nur eine geringe Zahl von Frauen berufstätig.«.
Zur Sanierung unserer spaßgesellschaftlichen Verkommenheit
empfiehlt er schlichte Rezepte: Rückkehr zur Kernfamilie,
Abschaffung der Selbstverwirklichung, Autorität der Lehrer
wiederherstellen, Schluß mit Multikulti, zuviel »Tolleranz«
(mit pfiffigem Doppel-L), Kuschelgesellschaft".
LEHNARTZ hält die von
HAHNE favorisierte religiös geprägte
Disziplinargesellschaft für zurzeit nicht durchsetzbar,
aber grundsätzlich stimmt er damit überein, dass es der
Spaßgesellschaft zu viel ist:
"Hahne übersieht
geflissentlich, daß in demokratisch ausdifferenzierten,
modernen Gesellschaften allgemeingültige Tugendlehren ihre
Wirkungsmacht unrettbar verloren haben und nur um den
Preis politischer Restauration wieder einzuführen wären.
Das heißt keineswegs, daß diese Gesellschaft nicht
stellenweise ein wenig mehr an Religion, gründlichere
Bildung,
Besinnung auf Herkunft und christliche Wert vertragen
könnte. Auch kann man sich trefflich darüber streiten, wie
eine moderne Variante verbindlicher Moralvorstellungen zu
gestalten wäre."
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LEHNARTZ, Sascha (2005): Geld oder Liebe?
Die Mitglieder der ehemaligen "Neuen Mitte" hätten genug gute
Gründe, zu Wechselwählern zu werden. Aber schon der Gedanke daran
verdirbt vielen die Laune,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 03.07.
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| LEHNARTZ mag keine Wechselstimmung "im
linksmittig schäumenden Latte-macchiato-Milieu" wie 1998 erkennen. Diese Erkenntnis legen die Artikel
von Jörg LAU in der ZEIT v. 30.06.2005, von CORDT-SCHNIPPEN
("Der röhrende Hirsch" im Spiegel vom 13.06.2005) sowie
Kurt KISTER im SZ Magazin, nahe. LEHNARTZ hat deshalb den
Politikwissenschaftler
Markus KLEIN gefragt, der bereits
vor längerem einen
Wertewandel bei der Generation Golf
festgestellt hat. Das hält er auch Robert MISIK
entgegen, der in seinem Buch
Genial
dagegen behauptet, dass Linkssein wieder hip sei. Zum Schluss versucht LEHNARTZ die
Kulturlinke zu überzeugen, dass mit einem homosexuellen
WESTERWELLE und einer kinderlosen Angela MERKEL "Werte wie
Toleranz gegenüber differierenden Lebensentwürfen, die eigentlich
dem rot-grünen Lager zugeschrieben wurden", auch bei den
Konservativen etabliert seien.
Single-generation.de sieht das anders. |
Neu:
LEHNARTZ,
Sascha (2005): Lebensentwürfe aus dem Handgepäck.
Die Globalisierung und der Pop sorgen dafür, daß kaum noch jemand
richtig erwachsen wird. Und ein bißchen sind wir natürlich selber
schuld,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.10.
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LEHNARTZ hat das erste Kapitel seines Buches
Global Players
für den FAS-Abdruck überarbeitet. In
dem Buch von LEHNARTZ werden die trendigsten Feuilleton-Thesen
aufgenommen und mit ein paar Hintergrundinfos aus Büchern wie
Claudius SEIDLs schöne junge welt, David BROOKs
Bobos in Paradies, Thomas FRANKs
The Conquest of the
Cool, John LELANDs
Hip - the history und
The Rebell sell von
Joseph HEATH & Andrew POTTER angereichert. Heraus
kommt eine elitäre Hipster-Theorie, die sich eher an
Ulf POSCHARDT als an
Diedrich
DIEDERICHSEN orientiert. Nach
LEHNARTZ haben nicht die 68er die Gesellschaft liberalisiert,
sondern die Konsumindustrie war immer schon vorher da. Die
Gegenkultur wird als Marsch durch die Illusionen beschrieben. Im
Gegensatz zu
Claudius SEIDLs schwammiger Erwachsenendefinition, redet
LEHNARTZ Klartext: Orientierungspunkt der Prosa ist die
traditionelle Familie. It's hip to be square! Das Buch breitet die
Gedankenwelt eines Neocons aus, den die
Jobkrise
zum Neustart gezwungen hat. |
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