[ Autoren der Generation Golf ] [ News ] [ Suche ] [ Homepage ]

 
       
   

Sophie Dannenberg: Das bleiche Herz der Revolution

 
       
     
       
   
  • Aktuellster Beitrag
  •  
           
       

    Sophie Dannenberg in ihrer eigenen Schreibe

     
       
    • KUNKEL, Annegret (2002): Vom Verlust des Glaubens,
      in: Kompass. Sendung des DeutschlandRadio Berlin v. 20.11.
    • KUNKEL, Annegret (2004): Ein Kaktus für Tom, eine Mimose für Nadine.
      Wenn Menschen durch Blumen Gefühle ausdrücken,
      in: Kompass. Sendung des DeutschlandRadio Berlin v.
      21.05.
    • DANNENBERG, Sophie (2004): Manomann, diesmal sind die Alten dran!
      Mit dem Grips Theater sind viele aufgewachsen. Unsere Autorin kann die frühen Lieder noch heute singen. Ein persönlicher Blick zurück im Zorn,
      in: Tagesspiegel v. 11.12.
      • Kommentar:
        Was dabei herauskommt, wenn die Generation Golf den 68er-Konflikt zwischen SDS (zugespitzt von K-Gruppen und Marxisten-Leninisten in den 70er Jahren) und Kommune I (zugespitzt durch die Spontis in den 70er Jahren) als Farce aufführt, das kann man bei DANNENBERG ("Das bleiche Herz der Revolution") nachlesen.

              
          DANNENBERGs Perspektive verlängert das K-Gruppen und ML-Spießertum in die Gegenwart und zwar unter Beifall altbürgerlicher und neubürgerlicher Milieus (hier finden sich - wen wundert's? - viele der ehemaligen K-Gruppen-Mitglieder und Marxisten-Leninisten wieder!).
    • DANNENBERG, Sophie (2004): Das Heimchen am Herd.
      Kochende Männer. Oder: Der Wandel in der Familie,
      in: DeutschlandRadio Berlin v. 18.12.
      • Kommentar:
        DANNENBERG erzählt Anekdoten aus ihrem Bekanntenkreis und macht daraus gleich einen Trend:

              
          "Ob sein Essen gelingt oder nicht: ausgelacht wird er am Ende immer. Vorbild ist er längst nicht mehr, Familienoberhaupt schon gar nicht.
        Wenn ich meine Freundinnen, lauter kluge, attraktive, straighte Frauen Mitte dreißig, frage, ob sie kochen können, schütteln sie stolz den Kopf und erzählen selbstbewusst und fröhlich von angebrannten Tütensuppen und anderen Küchenkatastrophen. Fast scheint es, als wollten sie sich gegenseitig übertreffen. Nicht kochen zu können, ist eine Errungenschaft - für moderne Frauen. Für moderne Männer gehört das Kochen inzwischen zur Selbstdarstellung. Sie müssen nicht mehr jagen, Kriege gewinnen oder Unternehmen führen, sie müssen eine gute Mousse au chocolat machen können und eine echte Hollandaise, also ohne Mehl."

              
          Für Leute, die glauben, dass DANNENBERG mit Joachim BESSING identisch sei, bietet sich BESSINGs "Müllschlucker"-Tirade aus der SZ vom 17.07.04 als Vergleich. Vielleicht hat das DANNENBERG ja auch nur imitiert...
    • DANNENBERG, Sophie (2005): Fünf Finger sind kein Gesicht.
      Es gab einmal Kinderbücher, in denen die Zerstörung der Persönlichkeit verklärt wurde. Sie kamen nicht von rechts, sondern von links,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.01.
      • Kommentar:
        Eigenverantwortung ist der Schlüsselbegriff des katholischen Sozialstaats, der z. Z. restauriert wird.

              
          Nachdem DANNENBERG im Tagesspiegel das GRIPS-Theater als Brutstätte unverantwortlicher Sozialisation angegriffen hat, bietet nun die FAS der Autorin erneut die Gelegenheit, um gegen die "organisierte Unverantwortlichkeit" zu kämpfen:
              
          "Wo Freundschaft, Liebe und Verwandtschaft gezielt demontiert werden, bleibt als Bindemittel nur eine abstrakte Solidarität", kritisiert DANNENBERG die Zerstörung von Verantwortung und Liebe durch die Solidarität."
              
          Solidarität - auch Gewerkschaften und nicht nur 68er setzen darauf - wird hier als Gegenbegriff zur Eigenverantwortung konstruiert. Wo Solidarität ist, da kann Eigenverantwortung nicht sein, behauptet DANNENBERG.
              
          Es geht also nicht  primär gegen die 68er, sondern allgemein gegen gesellschaftliche Solidarisierung jenseits der eigenen Kleinfamilie. Damit gibt diese Polemik auch im Rahmen des Neokonservatismus Sinn.
              
          "Michael Ende, du hast mein Leben zerstört" sangen Tocotronic einst. DANNENBERG hat offensichtlich ungleich mehr vor...
    • Neu:
      DANNENBERG, Sophie (2005): Das Grinsen der Katze oder: Optimismus ohne Zukunft.
      Der Blick nach vorn - Deutschlands Zukunft denken (1),
      in: DeutschlandRadio v. 17.07.
      • Kommentar:
        Diese Wortmeldung war so sicher wie das Amen in der Kirche. Sophie DANNEBERG betet nach, was Gerd KOENEN in der Berliner Zeitung vom 06.07.2005 vorgebetet hat.

              
          Weil DANNENBERG jedoch nicht einmal das Erbe der 68er verdaut hat, bleibt ihr Blick in die Zukunft in der Nähe der "Großen Verweigerung" (MARCUSE):
              
          "Für die Konservativen und auch für die Revolutionäre galt als Maßstab der Politik einst der Ernstfall. Jetzt gilt für alle nur noch der Spaß, egal ob links oder rechts."
              
          Noch eine Anmerkung. Tilman KRAUSE hat in der Welt vom Samstag, seinen Bericht von der "Urlesung" von DANNENBERGs Roman revidiert.
              
          Alles Lüge, behauptet KRAUSE nun. Nur dumm: seine damalige Lügengeschichte scheint näher an der Wahrheit gewesen zu sein, als das jetzige, haarsträubende Dementi.
              
          Die Wortbeiträge von Alt-68ern ( von Götz ALY über  Gerd KOENEN bis Arno WIDMANN) zeigen, dass zwischen DANNENBERG und Teilen der Alt-68er eine große geistige Nähe besteht, wenn es um die Kritik von Lebensstilen geht, die dem Juste Milieu - gelinde gesagt - zuwider sind.
              
          Und damit sind keineswegs jene militanten Lebensstile (früher: Subkulturen) gemeint, die die Oberfläche der öffentlichen Debatte bestimmen.
              
          Sie sind lediglich Vorwand, um eine autoritäre Restauration zu rechtfertigen, die einen grundlegenden Gestaltwandel der Gesellschaft anzeigt. Der geplante Gestaltwandel ist Teil des Kampfes der Kulturen.
              
          Der islamistisch-fundamentalistischen Herausforderung soll mit einer wehrhaften, familienfundamentalistisch-westlichen Gesellschaft entgegen getreten werden. Mit dem Terminus Spassgesellschaft  wurde alles das verunglimpft, was diesem reaktionären Konzept entgegenläuft.
     
           
       

    Sophie Dannenberg: Porträts und Gespräche

     
       
    • KLAUHS, Harald (2004): Damit hören wir jetzt auf.
      "Es geht nicht darum, abzurechnen mit den 68ern, es geht darum, die Epoche neu zu verstehen": die deutsche Autorin Sophie Dannenberg im Gespräch über ihre 68er-Eltern, deren Sexualmoral und die Folgen,
      in: Die Presse v. 16.10.
      • Inhalt:
        Sophie DANNENBERG  beklagt die Zerstörung der Familie durch die 68er:

              
          "Meinen Sie, dass 68 also auch eine faschistische Bewegung war?
        Dannenberg: Jedenfalls ist die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus oberflächlich geblieben. Der Versuch, den Nazismus ideologiekritisch zu begreifen, ist zu kurz gekommen. Im Grunde genommen war es eine Abrechnung mit der Elterngeneration, aber kein Versuch, Geschichte zu verstehen. Das ist schade, denn es gab eine große Bereitschaft unter den Studenten damals, zu fragen, zu lesen, zu diskutieren. Und deshalb finde ich es so tragisch, dass 68 vor allem Fehlentwicklungen produziert hat, zum Beispiel die ideologische Zerstörung der Familie, die im »Kursbuch 17« propagiert wurde. Da ging es darum, die Bindung zwischen Eltern und Kindern zu kappen und die Familie als Keimzelle des autoritären Charakters zu entlarven. Das Ergebnis haben wir heute, wir haben die Patchwork-Familien, wir haben Kinder mit wechselnden Elternschaften, wir haben Schlüsselkinder, wir haben Eltern, die sich nicht mehr als Leitfiguren präsentieren, sondern nur noch als Kumpels - Eltern also, die selbst infantil geworden sind."
    • LOTTMANN, Joachim (2004): Im Zoo mit dem Phantom.
      "Sophie Dannenberg" ist die meistdiskutierte neue Schriftstellerin des Jahres. Ihr Roman "Das bleiche Herz der Revolution" hat die alten 68er empört und die Literaturkritik wachgerüttelt: Wer steckt hinter dem Pseudonym? Ist die Frau, die als Sophie Dannenberg auftritt, womöglich nur eine Schauspielerin? Ein Fall für ihren Kollegen Joachim Lottmann, Spzialist für den diffusen Bereich zwischen Dichtung und Wahrheit,
      in: TAZ v. 13.11.
      • Kommentar:
        Wer spricht, wenn DANNENBERG zitiert wird? Und vor allem: Wer gehört überhaupt zu den 68ern?

              
          "Alles was sie taten, war auf Zerstörung ausgerichtet. Auch auf die Zerstörung persönlicher Bindungen. Idealbild war die Gruppe. Alle persönlichen Differenzierungen wurden unterdrückt. Identität aber ist nichts anderes als Differenzierung. So waren die Alt-68er gegen jegliche Identität an sich! Das Ideal war der egalisierte, gleichgeschaltete Mensch, der nicht mehr denkt! Pflichtlektüre damals war Horst-Eberhard Richters Buch »Die Gruppe«. Bis heute ist dieser Mensch dafür nicht zur Rechenschaft gezogen worden! Er läuft noch immer frei herum, mitten unter uns, wie ein ganz normaler ehrenwerter Mitbürger!".
              
          RICHTER gehört zur Kriegsgeneration, also eher in die Kategorie "Ersatzvater" der 68er-Generation.
              
          Die DANNENBERG-LOTTMANNsche 68er-Konstruktion ähnelt frappiert der NOLTEschen "Generation Reform" - keiner weiß so genau wer dazu gehört...    
    • REIMANN, Anna (2004): "Ich habe nie geglaubt, dass die 68er Antifaschisten waren".
      In ihrem Roman "Das bleiche Herz der Revolution" rechnet Sophie Dannenberg schonungslos mit der Generation ihrer Eltern ab. Im Interview sprach die 33-Jährige über sexuelle Befreiung und Unterdrückung und die Auseinandersetzung der 68er mit dem Nationalsozialismus.
      in: Spiegel Online v. 18.11.
     
           
       

    Sophie Dannenberg und die Diskussionsveranstaltung im Einstein-Forum (27.10.2004)

     
       
    • MÄRZ, Ursula (2004): Immer wieder Kinderläden.
      Die unendliche 68-Diskussion,
      in: Frankfurter Rundschau v. 29.10.
      • Inhalt:
        Ursula MÄRZ war im Potsdamer Einstein-Forum und hat sich dort die Debatte zwischen Sophie DANNENBERG, Heinz BUDE und dem Publikum angehört.

              
          Die Unruhe, die von 1968 ausgeht,  ist für MÄRZ kein Generationenkonflikt, sondern das Problem der Vermischung von Idealismus und Gewalt:
              
          "Mit dem Generationenkonflikt allein, dem Konflikt zwischen den heute über 60jährigen, die, von ihren Häusern in der Toskana abgesehen, höchste Staatsämter bekleiden und Professorenposten innehaben, und den 30 bis 40jährigen, die sich die Träume und Toskana und Professur abgeschminkt haben, ist die Unruhe nicht zu erklären. Die antiautoritären Kinderläden sind schon lange, wirklich lange passé. Aber als Geschichtskonflikt ist 68 nicht passé.
        Es symbolisiert die Anfälligkeit idealistischen Denkens für Formen der Destruktivität, der Grausamkeit, der Gewalt. Mit den Folgen von 68 wird die Gesellschaft fertig. Aber damit, 68, den Terrorismus oder die antisemitischen Impulse als Folge der Geschichte zu betrachten, ist sie offensichtlich noch lange nicht fertig.
        "
    • UCR (2004): Flammende Reden und kühle Konter.
      Wortgefechte mit Sophie Dannenberg, Heinz Bude und Publikum,
      in: Märkische Allgemeine v. 29.10.
    • LAU, Jörg (2004): Die kalte Pose begegnet dem Mythos.
      Potsdam, Einstein-Forum,
      in: Die ZEIT Nr.46 v. 04.11.
      • Inhalt:
        Jörg LAU skizziert den Debattenverlauf, indem er zuerst das Unverständnis der 68er vorführt:

              
          "Rührend, wie sehr die im Potsdamer Einstein-Forum versammelten 68er von der 33-jährigen Sophie Dannenberg anerkannt, ja geliebt werden wollen. Sie können sich einfach nicht vorstellen, dass irgendwer unter ihren Errungenschaften gelitten hat."
              
          Danach konfrontiert LAU den Tunnelblick von DANNENBERG mit BUDEs Einwand:
              
          "Es blieb Dannenbergs Podiumspartner, dem Soziologen Heinz Bude, vorbehalten, zart darauf hinzuweisen, dass die Autorin mit dieser Brandrede dem hybriden Selbstbild verpflichtet bleibt, das die Helden der Bewegung und ihre Renegaten verbindet: Während die einen sich die Zivilisierung und gar die »zweite Gründung« der Bundesrepublik zugute halten, wollen die anderen an ihrem Verfall schuld sein. In beiden Fällen bleibt die alte Allmachtsfantasie der Bewegung erhalten, der auch Sophie Dannenberg ex negativo verpflichtet ist."
              
          LAU weist auf die Zwanghaftigkeiten in DANNENBERGs Argumentationsmustern hin und fragt abschließend, ob es nicht peinlich sei, zu einer Generation zu gehören, die sich - bis in die Midlife-Crisis hinein - nur in Abgrenzung zur Elterngeneration definiere.
     
           
       

    Das bleiche Herz der Revolution (2004)
    Deutsche Verlagsanstalt

     
       
     
     

    Klappentext

    "Eine Auseinandersetzung mit den 68ern aus der Sicht Ihrer Kinder. Dies ist der erste Roman über 68 aus diesem Blickwinkel. All die großen Projekte wie antiautoritäre Erziehung, Emanzipation, freie Sexualität werden von Grund auf in Zweifel gezogen.
    Im Mittelpunkt steht Kitty Caspari, Tochter eines 68er Paares der ersten Stunde. Was als freiheitliche Erziehung gedacht war, entwickelt sich zur seelischen Demütigung des heranwachsenden Mädchens. Doch Kitty geht ihren Weg. Zweite Hauptfigur ist Hieronymus Arber, auf dem Höhepunkt der Revolte Assistent am Frankfurter Institut. Um ihn arrangiert sich eine akademische Intrige und ein weltberühmter Mord. Auch die Kriegsgeneration nimmt der Roman in den Blick und fragt nach den historischen Gründen für den Aufruhr in den 60er Jahren. Das bleiche Herz der Revolution betrachtet 68 von innen: es stellt sich auf die Seite der Schwachen und demontiert Autoritäten, nur daß in diesem Fall die Autoritäten die 68er sind."

    Pressestimmen

    "Was für ein herrliches und wichtiges Buch hätte der Roman Sophie Dannenbergs werden können. Die Welt von '68 beschrieben aus der Perspektive ihrer Kinder. Eine Abrechnung. Eine neue Geschichte. Leider ist es ganz und gar mißlungen. Weil sie die Welt, gegen die sie kämpft, als lächerlichen Popanz aufbaut. Weil sie grotesk und in satirischer Absicht überzeichnet, was sie später mit heiligem Ernst niederrenen will. 1968 - Eine Dummheitsgeschichte. So wird das nichts mit der Bewältigung."
    (Volker Weidermann in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 15.08.2004)

    "Der Roman von Sophie Dannenberg, »Das bleiche Herz der Revolution«, steht quer zu einer Aussöhnung mit '68. Während die Öffentlichkeit heute der Meinung ist, dass die Studentenbewegung die Republik liberalisiert, ihr den fälligen Modernisierungsschub verpasst habe, erzählt Dannenberg den antiautoritären Affektsturm als den Einbruch von Barbarei.
    '68 war nicht die fröhliche Anarchie, das produktive Chaos, sondern Zerstörung. Die Schlachtfelder in ihrem Buch sind Bildung und Familie, Zentren bürgerlicher Mitte."
    (Horst Domdey im DeutschlandRadio Berlin vom 20.08.2004)

    "Die Revolte der Achtundsechziger und die nachfolgenden Protestbewegungen haben nicht nur viele Konventionen zerstört, die Orientierung an Autoritäten diskreditiert und tradierte Werte ungeachtet ihrer Bedeutung diffamiert: Sie sind auch bei der Etablierung neuer Formen und Inhalte weitgehend gescheitert. Nicht nur in der Provokation, sondern auch in der Destruktion haben sie Beträchtliches geleistet. Die Protestbewegungen waren nicht auf Demokratisierung und Modernisierung des Systems gerichtet - dies mögen unbeabsichtigte Folgen gewesen sein -, sie waren vielmehr eine Auflehnung gegen die westliche Gesellschaft und ihre Individualisierungstendenz. Und sie waren dabei - wie der lesenswerte Roman deutlich macht - auch zum Zivilisationsbruch bereit."
    (Klaus Schröder in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 22. August 2004)

    "Der Roman ist eine schonungslose Abrechnung mit der 68er Generation. Dass es auch eine Teilberechtigung zur Revolte gab, wird vollkommen totgeschwiegen. Stattdessen bügelt Dannenberg alles platt, will vernichten. Dabei macht sie dieselben Fehler wie die Aufbegehrer: Sie denkt schwarz-weiß."
    (Alexander Kohnen im Rheinischen Merkur vom 26.08.2004)

    "Statt nach dem Wallfahrtsort des Protestes hätte sie sich besser nach Heinz G. Konsalik benennen sollen, als dessen würdige geistige Enkelin sich erweist: Wie beim erzkonservativen Altmeister des zeitgeschichtlich grundierten Trivialromans (Der Arzt von Stalingrad) ist hier reißerische Kolportage in Reinform zu besichtigen."
    (Katrin Hillgruber in der Frankfurter Rundschau vom 01.09.2004)

    "Kitty ist (...) ein 68er-Opfer. Sie ist ein sogenanntes Kursbuch 17-Kind, an dem also alle revolutionären Erziehungsmethoden und Menschheitsneuschaffungsphantasien der Bewegung sich erbarmungslos ausgetobt haben. Kitty ist das alter Ego der Autorin, und wir glauben gern, dass eine solche antiautoritäre Kindheit in Lüchow-Dannenberg ein abgründiges Menschenexperiment gewesen sein muss. Bei Sophie Dannenberg bleiben davon aber nur alberne Popanze übrig, Karikaturen von solcher Schlichtheit, dass man sie auch als Feind nicht mehr ernst nehmen kann."
    (Ijoma Mangold in der Süddeutschen Zeitung vom 03.09.2004)

    "Die alte Welt aus K-Gruppen- und Ganzkornbrot-Esoterik hat diese Karikatur verdient, und die Autorin rettet sich in eine Erzählung, die unserer deutschen Geschichte einen Sinn verleiht.
    (...). Opfer des Krieges reichen Opfern der Studentenrevolte die Hände - und der Roman schlägt um sich, meist unkontrolliert. (...). Es lässt sich also viel gegen das Buch sagen. Andererseits ist es von einem Zorn, der staunen macht. Es versprüht auf grandiose Weise Hass, mit grellem Mut und der Ästhetik der Verzweiflung."
    (Robin Detje in Literaturen, Dezember 2004)

     
     
     
           
       
    • Rezensionen

    • BESSING, Joachim (2004): "Zeig doch mal" oder: So unfrei war die freie Liebe.
      Wie die Autorin Sophie Dannenberg in ihrem Debütroman die deutsche Generation Woodstock demaskiert,
      in: Welt am Sonntag v. 15.08.
    • Inhalt:
      "Die Zeit nach 1968 als Farce der Zeit nach 1933: So lässt sich die These fassen, die diesem Roman zu Grunde liegt", lobt Joachim BESSING.
    • WEIDERMANN, Volker (2004): Der Kampf, die Liebe und die Müdigkeit.
      Vier neue Bücher, vier Erinnerungen an jene Jahre vom langen heißen Sommer 1968 zum deutschen Herbst,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 15.08.
    • DOMDEY, Horst (2004): Sophie Dannenberg: Das bleiche Herz der Revolution,
      in: Das Politische Buch. Sendung des DeutschlandRadio Berlin v. 20.08.
    • Kommentar:
      Das bisherige Besprechungsmantra zum Roman lautet: provokativ, provokativ, provokativ! Nur, keiner fühlt sich bisher provoziert, eher breitet sich gähnende Langweile aus...
    • KOHNEN, Alexander (2004): Traurige Kindheit.
      Sophie Dannenberg. Eine wütende Tochter rechnet gnadenlos mit ihren Eltern ab, linken Alt-68ern,
      in: Rheinischer Merkur, Nr.35 v. 26.08.
    • HARMS, Wolfgang (2004): Mit Pickeln in die Revolution.
      Sophie Dannenberg erzählt in «Das bleiche Herz der Revolution» die Geschichte der 68er als Schwarz-Weiß-Gemälde,
      in: Neue Frankfurter Presse v. 26.08.
    • HILLGRUBER, Katrin (2004): Ein Kommunist braucht kein Deodorant.
      Anti-68er-Kettensägenmassaker: Sophie Dannenbergs Debüt "Das bleiche Herz der Revolution" gefällt sich in moralischem Ekel
      in:
      Frankfurter Rundschau v. 01.09.
    • HARPPRECHT, Klaus (2004): Sophie Dannenberg entführt uns in den brodelnden Wahnsinn von 1968,
      in: Die ZEIT Nr.37 v. 02.09.
      • Inhalt:
        Klaus HARPPRECHT, ein Angehöriger der Flakhelfer-Generation, hebt bei seiner Rezension des Buches "Das bleiche Herz der Revolution" von Sophie DANNENBERG zweierlei hervor.

              
          Zum einen beklagt er die HABERMAS-Darstellung:
              
          "Die Grenze des Erträglichen aber durchbricht die Denunziation des Adorno-Erben Habermas (der unter dem Namen Heinz Mueller-Skripski auftritt). Man mag den gelehrten Exmarxisten schätzen oder auch nicht: An der schieren Gemeinheit erstickt jede Komik, und die Karikatur büßt durch den Mangel an Ähnlichkeit jeglichen Witz ein."
              
          Die ADORNO-Parodien findet HARPPRECHT dagegen meisterlich und spekuliert deshalb darüber wer für sie verantwortlich ist:
              
          "Auf einer der letzten Seiten des Buches klärt uns ein diskreter Hinweis darüber auf, dass »Alexander Oronzov … die Vorträge von Aaron Wiesent, Hyronimus Arber und Heinz Mueller-Skripski sowie die Gedichte für diesen Roman geschrieben« habe. – Who’s he? Die Sachkennerschaft und die stilistische Akrobatik traute man Tilman Spengler zu, auch Christian Semmler. Nur würde sich keiner der beiden bereit finden, Jürgen Habermas mit solch brutaler Verlogenheit zu meucheln. Oder begegnen wir in Wahrheit der Sprachartistik konservativ durchwirkter Damen? Mirjam Lau zum Beispiel, die der Welt, den Neokons und dem unsäglichen Bush junior nicht alle Sensibilitäten geopfert hat, oder Cora Stephan, die gern ihr Hühnchen mit den 68ern rupfte, oder Katharina Rutschky, die es zuwege brächte, die Absurditäten der »sexuellen Befreiung von Kindern« mit der abgefeimten Drastik vorzuführen, die uns in diesem seltsamen Buch begegnen"
    • MANGOLD, Ijoma (2004): Nie wieder Wendland!
      Mit Hass-Schrittmacher: Sophie Dannenbergs Romanpamphlet "Das bleiche Herz der Revolution",
      in: Süddeutsche Zeitung v. 03.09.
    • MAGENAU, Jörg (2004): Knalltüten zu Popanzen.
      Überzeugt von der eigenen Ideologiefreiheit: Sophie Dannenbergs "Das bleiche Herz der Revolution" ist eine spätpubertäre, eher private und tragisch dumme Abrechnung mit der Generation der 68er,
      in: TAZ v. 07.09.
    • FUHR, Eckhard (2004): Eine böse Moritat in Prosa.
      Mehr als eine Abrechnung mit den Achtundsechzigern: Sophie Dannenbergs "Das bleiche Herz der Revolution"
      in: Welt v. 15.09.
      • Kommentar:
        FUHR hat sich Zeit gelassen mit der Rezension des Buchs "Das bleiche Herz der Revolution" von Sophie DANNENBERG, um uns nun die Reaktionen der schnelleren Rezensenten zu erklären und ihre Beiträge in seinem Sinne umzudeuten.

              
          "Wer auf die Suche geht, wird zu Ascheklumpen verbrannte Professoren und sexuelle Grundwiderspruchs-Kalauer, er wird das ganze grelle, überzeichnete, comicartig reduzierte Dannenberg-Personal im Ozean der subkulturellen Achtundsechziger-Überlieferung und ihres Fortwirkens finden, von den »Drei Tornados« seligen Angedenkens bis zur »Titanic«. Die »linke Öffentlichkeit« selbst hat die Stereotypen hervorgebracht, mit denen Sophie Dannenberg spielt", belehrt uns FUHR.
              
          Wir fragen uns jedoch, wen das interessiert? Offenbar nur Ewiggestrige auf beiden Seiten der 68er-Front...
    • KRETSCHMER, Winfried (2004): Die Pepsi-Generation.
      Die 68er sind die wahren Lifestyle-Helden. Anmerkungen zu den neuen Büchern von Sophie Dannenberg und Rafael Chirbes,
      in: changeX.de v. 17.09.
    • Inhalt:
      KRETSCHMER kritisiert Sophie DANNENBERGs Buch "Das bleiche Herz der Revolution" und Rafael CHIRBES' Buch "Alte Freunde" als "Ausdruck des gesellschaftlichen Mainstreams im Umgang mit dem Phänomen 68".

            
        Mit Thomas FRANK und Mathias STUHR ("Popökonomie") argumentiert KRETSCHMER stattdessen, dass die Gegenkultur zum Vorreiter des Lifestyle-Konsum geworden ist und dadurch die "Expansion des Kapitalismus in die Tiefe der Gesellschaft hinein erst möglich machte. Voraussetzung für diese gesellschaftliche Wirkung war allerdings ihr politisches Scheitern."
    • HALTER, Martin (2004): High sein! Frei sein!
      Hass und Verklärung: Autobiographische 68er-Romane von Sophie Dannenberg und Gerhard Seyfried,
      in: Magazin der Badischen Zeitung v. 25.09.
    • KETTNER, Fabian (2004): Weder Herz noch Revolution.
      Über Sophie Dannenbergs Romandebüt "Das bleiche Herz der Revolution",
      in: Literaturkritik.de, Nr.10, Oktober
    • VILLACHICA, Jeannette (2004): Dannenberg: Das bleiche Herz der Revolution.
      Der Irrsinn revolutionären Lebens,
      in: Wiener Zeitung v. 01.10.
    • BREITENFELLNER, Kirstin (2004): Sophie Dannenberg: Das bleiche Herz der Revolution,
      in: Falter Nr.41 v. 06.10.
    • SCHRÖDER, Christoph (2004): Stinkende Schwätzer.
      Ein Roman entglorifiziert die deutsche Revolutionshelden. Leider auf platte Art und Weise,
      in: Journal Frankfurt Nr.21 v. 08.10.
    • SCHNEIDER, Kerstin (2004): Terror und Ideale.
      Wie sei wurden, was sie sind: Drei Autoren erzählen von der 68er-Bewegung und den Folgen,
      in: Handelsblatt v. 15.10.
    • MOCEK, Ingo (2004): "Dannenberg will zerstörten!"
      Selten hat ein Roman seiner Autorin so viel Kritik eingebracht wie "Das bleiche Herz der Revolution". Lustig ist er allemal,
      in: Neon, November
    • SEPPELFRICKE, Oliver (2004): Das Scheitern von '68.
      Sophie Dannenberg: "Das bleiche Herz der Revolution",
      in: Büchermarkt. Sendung des DeutschlandRadio v. 17.11.
    • GÄRTNER, Barbara (2004): Spießig sind immer die anderen.
      Sophie Dannenberg rechnet im Roman "Das bleiche Herz der Revolution" mit den 68ern ab,
      in: Stuttgarter Nachrichten v. 25.11.

    • DETJE, Robin (2004): Sophie Dannenberg: Das kalte Herz der Revolution,
      in: Literaturen Nr.12, Dezember
    • Kommentar:
      Auf der Homepage von
      Robin DETJE ist die ungekürzte Version der Rezension unter dem Titel "Der Teufel trug Birkenstock" unter www.robindetje.de nachzulesen. Sie endet mit der Einschätzung:

            
        "In den USA wird die Abrechnung mit den liberalen Werten der Siebzigerjahre in einem ausgewachsenen Kulturkampf betrieben, bitterernst und fundamental religiös. Auch bei uns tobt gelegentlich schon ein Stürmchen aus dieser Richtung. »Das bleiche Herz der Revolution« gehört zu den Vorgewittern einer Debatte, die in den kommenden Monaten und Jahren anschwellen wird. Ob wir zurückkehren wollen zu Gott und Erbarmen, oder ob wir die Aufklärung um den narzisstischen Schutt und Schrott der schwer von sich begeisterten Studentenbewegung bereinigen wollen, werden wir selbst entscheiden können."
    • KEUL, Thomas (2004): Fickt den Grundwiderspruch!
      In ihrem wüsten Debüt "Das bleiche Herz der Revolution" nimmt Sophie Dannenberg die 68er aufs Korn,
      in: Volltext Nr.6, Dezember/Januar
    • SPIEGEL, Hubert (2004): Die letzten Teenager.
      Was Joachim Lottmann und Sophie Dannenberg verbindet,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.12.
    • Inhalt:
      SPIEGEL listet erst einmal die Generationenlabels auf, die in den letzten Jahren ins Rennen um die Nachfolge der 68er geworfen worden sind. Sein Fazit:

            
        "Zur Zeit ist das Generationenschlachtfeld des Literaturbetriebs wie leergefegt. Nur an den Rändern lungern noch der Achtundsechziger und der Popliterat herum".
            
        Beide werden sich nach Meinung von SPIEGEL immer ähnlicher, wobei der 68er den Vorteil hätte, dass ihn die Renegaten immer wieder ins Gespräch bringen würden, während die Popliteratur sich höchstens auf die Väter der Popliteratur zurückbesinnen könnten.
            
        Voilà, damit ist SPIEGEL endlich bei Joachim LOTTMANN angelangt. Dessen Buch "Die Jugend von heute" ist für SPIEGEL ein Indiz für die drohende "Veronkelung" der Popliteratur:
            
        "Man muß nicht nach Entenhausen blicken, um zu wissen, daß der Onkel in der Literatur oft eine eher lächerliche Figur abgibt.
            
        Wo Machtfülle und Patriarchenwürde des Vaters Vernichtungswünsche und Tötungsphantasien der Nachgeborenen auslösen, wird der Onkel in der Regel als tendenziell gleichrangig betrachtet."
            
        Onkel Jolo, das Alter Ego des Autors LOTTMANN im Roman um die Jugend von heute, treibt zum einen ein ethnologisches Interesse in die Clubs von Berlin und München und andererseits die Sorge um seinen Neffen Elias, der nicht zum Sex, sondern nur zum Kuscheln vordringt (hier kehrt der Softie, d.h. ein typisches 78er-Produkt, als Vorwurf an die nachfolgende Generation wider!).
            
        Elias steht jedoch nur stellvertretend für die Krankheit der Jugend von heute, oder wie es Jolo ausdrückt:
            
        "Definierte man die Jugend als die Zeit nach der Kindheit und vor der Berufstätigkeit, so gab es seit den 90er Jahren gar keine Jugend mehr. keiner erreichte mehr die postpubertäre Reife, ich war der letzte lebende Teenager."
            
        Hieß es bei Günter FRANZEN "Vor den Müttern sterben die Söhne", so heißt es bei SPIEGEL nun "Vor den Onkeln sterben die Neffen". Damit wären wir endlich bei dem derzeit beliebtesten Sujet: der vaterlosen Gesellschaft.
            
        SPIEGEL spitzt das Romanthema außerdem feuilletondebattengerecht zu, wenn er erstens Homosexualität (Metrosexualität) als abweichendes Verhalten problematisiert und zweitens den türkischen Macho einerseits als sexuell zielstrebiger, aber brutal beschreibt.
            
        Opfer in dieser  ungleichen Männerkonkurrenz (der Deutsche steht angesichts des türkischen Barbaren von vorneherein auf verlorenem Posten) ist die postfeministische Frau der Generation Ally, die SPIEGEL bei LOTTMANN mit der Figur "Hase" identifiziert.
            
        Onkel Jolo würde Hase gerne mit Elias verkuppeln, aber da ist deren Erziehung vor. SPIEGEL zieht hier eine Verbindung zur Kommune I des Rainer LANGHANS, womit wir bei DANNENBERGs Roman "Das bleiche Herz der Revolution" sind, für den sich SPIEGEL zwar nicht begeistern kann, der aber die Folie für das Grundproblem der Jugend im Zeitalter der Demografiepolitik abgibt.
            
        Hase ist für SPIEGEL identisch mit Kitty, die Protagonistin und das Alter Ego von Sophie DANNENBERG.
            
        Damit ist auch der Zusammenhang zwischen LOTTMANN und DANNENBERG hergestellt. SPIEGEL unkt zum Schluss:
            
        "Wenn Lottmann, angeblich Jahrgang 1956, und Dannenberg, angeblich 1971, identisch sind, dann hat die Generation, der sie beide angehören, zwar noch keinen Namen, aber vermutlich ein Problem. Nicht nur, was den Nachwuchs betrifft."
     
       
    • Das Buch in der Debatte

    • KRAUSE, Tilman (2004): Und wieder die 68er,
      in: Welt v. 14.08.
      • Kommentar:
        Bildungsbürger KRAUSE versucht sich zu erklären, warum Sophie DANNENBERGs Abrechnung mit den 68ern unter dem Titel "Das bleiche Herz der Revolution" bei einer Lesung von 68er-Veteranen begeistert aufgenommen worden ist.
              
          Die naheliegendste Antwort wird jedoch wohlweislich verschwiegen, denn sie passt nicht zum Feindbild: die 68er-Bewegung war keine einheitliche Bewegung, sondern ein Konglomerat aus unterschiedlichen Grüppchen mit durchaus gegensätzlichen Vorstellungen.
              
          Bei Klaus HARTUNG (1984) kann man z.B. die Grabenkämpfe zwischen den SDS-Strategen und den Kommunarden wie Rainer LANGHANS nachlesen.
    • SCHROEDER, Klaus (2004): Ganz und gar gnadenlos.
      Die Achtundsechziger waren nicht modern, sondern verantwortungslos. Daran gemahnt eindrücklich ein Roman von Sophie Dannenberg,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 22.08.
     
       
    • Sophie Dannenberg in der Debatte

    • NIERMANN, Ingo (2004): Joachim Bessing ist Sophie Dannenberg,
      in: minusvisionen.de v. 16.09.
    • MARTENSTEIN, Harald (2004): Lehrstück.
      Harald Martenstein wird anti-antiautoritär,
      in: Die ZEIT Nr.52 v. 16.12.
    • REISNER, Stefan (2004): Vom andern Stern.
      Anti oder autoritär? Wie das Grips-Theater Kinder, Eltern, Lehrer und Hausmeister prägte,
      in: Tagesspiegel v. 18.12.
      • Inhalt:
        REISNER, ehemaliger Stücke-Schreiber für das Grips-Theater und jetziger Direktor eines Botanischen Gartens auf Bali, schreibt eine Erwiderung auf Sophie DANNENBERGs Vorwürfe:

              
          "Grips hat diese Zeit nicht erfunden. Es hat ihre Theorien aufgenommen und in Form gebracht, was Eltern, Erzieher und Kinderladen-Funktionäre bewegte. Die ganze 68er-Bewegung endete kurioserweise ja in den Windeln der Kinderläden. Was die Erwachsenen nicht schafften, sollten die Kleinen lernen zu vollenden. Es war nicht allein das Grips, das den Kindern diese Last aufdrückte, sondern eine ganze Generation von Erwachsenen.
        (...). Die vom Grips gesetzten Standards, Theater für Kinder professionell zu machen, sind heute Norm. Dabei waren wir in den linken Auen nicht minder umstritten als in den rechten Sümpfen.

              
          Grips galt nämlich als hoffnungslos revisionistisch, sozusagen viel zu realsozialistisch, schon weil die Vorstellungen pünktlich um acht Uhr früh anfangen mussten (wegen der Lehrer!)."
              
          Warum REISNER und nicht Volker LUDWIG antwortet, das hat Harald MARTENSTEIN in der ZEIT ausposaunt.
    • TEICKE, Friedhelm (2005): "Womit könnte ich denn drohen?".
      Grips-Theater-Prinzipal Volker Ludwig über ein ungezogenes Grips-Theaterkind und verletzte Gefühle,
      in: Zitty Nr.2 v. 06.01.
      • Inhalt:
        Volker LUDWIG wurde von Sophie DANNENBERG in einem TAGESSPIEGEL-Artikel angegriffen und hat daraufhin dem TAGESSPIEGEL ein Interview verweigert, was wiederum Harald MARTENSTEIN in der ZEIT hinausposaunt hat. Nun also die Erwiderung von LUDWIG im Berliner Stadtmagazin Zitty:

              
          "Die Frage ist (...), warum der »Tagesspiegel« eine ganze Seite solcher Schweinereien druckt. Erstens hat Frau Sophie Dannenberg das Grips-Theater wahrscheinlich noch nie betreten. Die Stücke, die sie erwähnt, kann sie nur vor ihrer Geburt oder als Säugling gesehen haben. Sie bezieht sich ausschließlich auf Stücke, die damals gekürzt auf Schallplatte erschienen sind. Sie schreibt dauern vom Grips im Präsens, doch das letzte Stück, das sie erwähnt, ist Banana aus dem Jahre 1976, für Menschen ab zehn, da war sie fünf. Es lohnt sich doch nicht, sich mit jemandem auseinander zu setzen, der nicht die geringste Ahnung von Theater hat. Frau Dannenberg hat eher ein ungelöstes Problem mit ihren Eltern, weshalb Klaus Wagenbach in seinem Leserbrief (...) konstatiert, dass sie ständig Volker Ludwig mit ihrem Vater verwechselt."
    • WULF, Jan-Hendrik (2005): Eine neue Verzagtheit.
      Schriften zu Zeitschriften: Die Zeitschrift "Vorgänge" erklärt die Protestmüdigkeit bei Hartz IV, Mariam Lau geißelt im "Merkur" die larmoyante Stimmung der gegenwärtigen 68er-Kritik,
      in: TAZ v. 11.01.
      • Inhalt:
        WULF bespricht die Kritik von Mariam LAU an Sophie DANNENBERG in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Merkur.

              
          LAU erblickt in dem Buch "Das bleiche Herz der Revolution" den Mief der 50er Jahre, möchte aber lieber die 70er Jahre ins Visier nehmen.
    • ÖHLER, Andreas (2005): Eine peinliche Affäre.
      Die Schimpfkanonade auf das berühmte Grips-Theater erweist sich als Rohrkrepierer,
      in: Rheinischer Merkur Nr.2 v. 13.01.
      • Inhalt:
        ÖHLER berichtet über den TAGESSPIEGEL-Intrigantenstadel um Harald MARTENSTEIN,
        Sophie DANNENBERG und das Grips-Theater:
              
          "Volker Ludwig ist der meistgespielte deutsche Bühnenautor im Ausland, er steht damit weit vor Brecht. (...).
        Geistig ist deshalb nicht nachvollziehbar, dass vom Berliner »Tagesspiegel« (...) ohne aktuellen Anlass eine Rufmordaktion ihren Ausgang nahm, die Volker Ludwig treffen sollte, die für die Autorin und den zuständigen Redakteur jedoch nach hinten losging. Frei nach dem Motto »Wer im Dunkeln rumballert, trifft immer ins Schwarze« bestellte Harald Martenstein bei Sophie Dannenberg (Pseudonym) einen Text, in dem die 1971 geborene Autorin die psychischen Folgeschäden ihrer Besuche im Grips-Theater auflistete.
        (...).
        Es war alles schön ausgedacht vom Redakteur Martenstein (...). Doch Volker Ludwig spielte (...) nicht mit. (...) Dies wiederum brachte Harald Martenstein (...) auf die Palme. In der Hamburger Wochenzeitung bezichtigte er (...), Volker Ludwig habe dem „Tagesspiegel“ mit Abo-Kündigungen gedroht und massiv versucht, den Artikel von Sophie Dannenberg zu unterdrücken. (...).
        Dem »Tagesspiegel« hat Martensteins Flucht nach vorn nicht viel genützt. Abo-Kündigungen und empörte Leserbriefzuschriften gegen Dannenbergs Artikel führten dazu, dass in der Redaktion des Berliner Blattes nun der Haussegen schief hängt. Die zuständigen Feuilletonredakteure, an denen Martenstein den Dannenberg-Artikel vorbeigeschleust hatte, fühlten sich überrumpelt und solidarisierten sich nun mit dem Grips-Theater.
        Volker Ludwig erklärte jetzt in der Berliner Stadtzeitung »Zitty« in einem Interview seinen Standpunkt zu dieser leidigen Affäre, nachdem auch dieses Blatt zunächst Dannenbergs Thesen kritiklos kolportierte.
        Verwirrungen und Irrungen an allen Fronten.
    • KNIPPHALS, Dirk (2005): Gut gelüftetes Pseudonym.
      Hinter der rätselhaften Autorin Sophie Dannenberg verbirgt sich die Radiojournalistin Annegret Kunkel,
      in: TAZ v. 17.01.
      • Kommentar:
        KNIPPHALS lüftet das Pseudonym der Autorin Sophie DANNENBERG, die das harmlose Pamphlet "Das bleiche Herz der Revolution" geschrieben hat.

              
          KNIPPHALS stilisiert das Buch zur "harschen Abrechnung mit den 68ern". Tatsächlich hat DANNENBERG keinen einzigen ernstzunehmenden 68er angegriffen, denn diese haben längst wichtige Positionen im Medienbetrieb besetzt.
              
          Stattdessen passt die Kritik von DANNENBERG ideal zum linksneoliberalen Zeitgeist und zur Restauration des katholischen Sozialstaat.
              
          Annegret KUNKEL alias DANNENBERG ist Radiomoderatorin und war beim DeutschlandRadio Berlin für Sendungen wie "Vom  Verlust des Glaubens" oder "Ein Kaktus für Tom, eine Mimose für Nadine" verantwortlich gewesen. Auf einer Tagung der Akademie Tutzing referierte sie über "Askese: zur existentiellen Definition des Wesentlichen".
              
          Wahrlich keine Themen, die zur Revolte gegen das 68er-Establishment prädestinieren, eher schon zu einem "Generationenkampf" à la Reimer GRONEMEYER.
     
       

    Weiterführende Links

     
         
       
     
       

    Bitte beachten Sie:
    single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

     
       
     
         
       
     
       
    © 2002-2006
    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 17. August 2004
    Update: 14. Mai 2006
    Counter Zugriffe seit
    dem 03.Juni 2002