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Stephan Schlak: Das deutsche Geschichtsgefühl

 
       
     
       
   
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    Stephan Schlak in seiner eigenen Schreibe

     
       
    • SCHLAK, Stephan (2002): Die Schläfer.
      Generation Golf auf der Suche nach Haltung,
      in: Ästhetik & Kommunikation H.118, Herbst
      • Kommentar:
        Stephan SCHLAK hat eine Aufgabe für die Generation Golf parat:

              
           "die freie Gesellschaft gegen ihre terroristischen Spaßverächter zu verteidigen", statt sich weiterhin der "Ausweitung der Spielzone" zu widmen.
              
           Er gemeindet Heinz BUDE als "theoretische Ikone" der Generation Golf ein, obwohl BUDE für sich selbst die Generation Berlin ausgedacht hat.
              
           Nur Puristen wie Susanne GASCHKE sehen da einen großen Unterschied. Single-dasein.de sieht dagegen eher die Gemeinsamkeit: beide Generationseinheiten sind Teil der Neuen Mitte.
              
           Der einzige Unterschied liegt in der Selbstdarstellung.
        GASCHKE lästert lieber über die Putzfrauen der Generation Golf, während die Putzfrauen der Generation Berlin stillschweigend beschäftigt werden, um die Distanz zur eigenen putzfrauenlosen Wählerschaft nicht offensichtlich werden zu lassen. Die Generation Golf kennt dagegen keine solche Hemmungen, man ist schließlich unter sich.
    • SCHLAK, Stephan (2003): Die Krise des Grafikers im märkischen Badesee.
      Wonnige Wehmut: Larissa Boehnings Kuschelmelancholie "Schwalbensommer",
      in: Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung v. 06.10.
    • SCHLAK, Stephan (2003): Je älter, desto zorniger.
      Zum Tod des Soziologen Erwin K. Scheuch, des Kämpfers gegen den Klüngel,
      in: Berliner Zeitung v. 15.10.
      • Inhalt:
        Stephan SCHLAK beschreibt Erwin K. SCHEUCH als einen Angehörigen der Flakhelfer-Generation, der sich im Alter des Gestus der ehemaligen Gegenspieler bedient hat:

                  "Scheuch, 1928 geboren, zählt zu jener Bonner Gründergeneration, die sein konservativer Kollege Helmut Schelsky als "skeptische Generation" beschrieben hat. Scheuchs erste Aufstiegsschritte vom Flakhelfer über den Schwarzhändler verbinden ihn mit seinen Generationsgenossen Enzensberger und Kohl. Die Skeptiker waren gebrannte Kinder des Krieges; von allen hochtrabenden Visionen ernüchtert, leisteten sie in den Nachkriegsjahren Flankenschutz für den pragmatischen Wiederaufbau der Nation. Da konnte der Streit mit der nachwachsenden Studentengeneration nicht ausbleiben, die radikal noch einmal alles ganz anders machen wollte.
        Es ist eine seltsame bundesrepublikanische Pointe, dass Scheuch zuletzt die aggressive Pose des zivilen Ungehorsams besetzte, die er bei den 68ern immer vehement politisch bekämpfte. Erinnern einen nicht die vielen Bürgerkonvente und politischen Protest- und Sektierergrüppchen abseits des etablierten Parteienspektrums, denen Scheuch zuletzt seine Stimme schenkte, an die diversen K-Grüppchen und den Mickey-Maus-Stalinismus der Siebziger?
        Wie Arnulf Baring bunkerte sich auch Erwin K. Scheuch zuletzt immer mehr in der Polemik gegen die korrupte Republik ein.
        "
    • SCHLAK, Stephan (2003): Die Bedingten und die Unbedingten. Die Politik der Dreißigjährigen, in: Kursbuch Nr.154 Die 30jährigen, Dezember
      • Inhalt:
        Stephan SCHLAK vergleicht die geschichtsgefühlte Pose der Generation Golf mit der Kriegsjugendgeneration der Unbedingten (Michael WILDT):

              
         "Der Dreißigjährige von heute ist maßlos im Persönlichen und auch in seinen Projektionen. Unlängst hat er entdeckt, daß ihn in seinem momentanen flexiblen Leiden etwas mit der unbedingten Kriegsjugendgeneration von einst verbindet. Angesichts des durchgeschüttelten Dreißigjährigen aus der Endphase der Weimarer, der von der Hochstimmung der zwanziger Jahre, als er mit seinen fixen Begabungen das schnelle Geld machen konnte, in die kapitalistische Depression fiel, fragt der Dreißigjährige von heute sich: Bin das nicht ich? Und gleich hat er das passende Buch ausgegraben: Ernst Glaesers 1928 erschienenen Generationenroman Jahrgang 1902, der die emotionale Achterbahnfahrt der Kriegsjugendgeneration festhält: »Das Leben des Ernst Glaeser: Aufgewachsen in einer Euphorie, der eine gewaltige Krise folgte«, schreibt der Journalist Christoph Amend, Jahrgang 1974 in seinem Buch Die Jungen, die Alten und der Krieg. »Wenn man den politischen Hintergrund einmal beiseite läßt, steht meine Generation heute vor einer ähnlichen Situation.« Schön zeigt dieser beliebige Satz, daß der Dreißigjährige keine eigene Geschichte hat, sondern eine geschichtsgefühlte Pose immer nur bedient. Auch wenn er sich seinen unbedingten Großvätern vampirisch nähert, macht der Dreißigjährige das nur bedingt. Immer läßt er »den politischen Hintergrund beiseite«, um seine aktuellen Befindlichkeitsnöte und Karriereknicks bei den Alten zu entsorgen. Dagegen führt die historische Allegorie nicht groß weiter. Die Republik muß sich wohl kaum große Sorgen machen, daß wir Dreißigjährigen uns wie die erste Kriegsjugendgeneration politisch radikalisieren könnten."
    • SCHLAK, Stephan (2004): Die 29er.
      Der deutsche Nachkriegsgeist wird 75 - kurzer Rückblick auf eine ausdauernde Generation,
      in: Berliner Zeitung v. 23.01.
      • Kommentar:
        SCHLAK feiert die Flakhelfer-Generation, speziell den Jahrgang 1929:

              
           "Anders als die Vorgänger-Jugend des Ersten Weltkrieges, jener durch Ernst Glaesers zeitgenössischen Bestseller berühmt gewordene »Jahrgang 1902«, der im Trubel der Zwischenkriegszeit verloren ging, hat der »Jahrgang 1929« die Chance, die im Zusammenbruch lag, ergriffen. "
    • SCHLAK, Stephan (2004): Nie wieder postmodern.
      Die SPD möchte sich an alten Tugenden der Aufrichtigkeit laben,
      in: Frankfurter Rundschau v. 20.02.
      • Kommentar:
        Stephan SCHLAK, Jahrgang 1974, gilt der Soziologe Niklas LUHMANN als Erlöser von der kleinbürgerlichen Identitätsenge.

              
           Das von ihm beschworene Konzept SCHRÖDER und das Konzept MÜNTEFERING stehen bei ihm für den Gegensatz von Elite und Masse.
              
           Der Soziologe LEPSIUS hat bereits vor einiger Zeit die Generationenrhetorik auf ihren elitären Kern, d.h. auf den Kulturkampf der Elite, zurückgeführt. SCHLAK ist das beste Beispiel für diese Sichtweise.
              
           Während die Massen der Kleinbürger immer noch dem traditionalen, substantiellen Identitätstypus von Glaubwürdigkeit und Aufrichtigkeit verhaftet sind, tendiert die Elite zum überlegenen, postmodernen Identitätstypus.
              
           In LUHMANNscher Sicht findet Politik nur noch im politischen System statt. Der Politiker wird damit auf den Politikerdarsteller reduziert, dessen zentrale Aufgabe in der Herstellung von Zustimmung liegt.
              
           Die Generation Golf - wie ihre Interpreten sie sehen - beurteilt Darstellungen primär nach ästhetischen Kriterien. Konsequenterweise vergibt SCHLAK deshalb nur Stilnoten.
              
           Der kleinbürgerliche Habitus von KOHL oder MÜNTEFERING kann in dieser Sicht nicht punkten.
    • SCHLAK, Stephan (2005): Der Nicht-Anschlussfähige.
      Erkundungen für die Präzisierung der Gefühle rund um einen Aufstand (5): Ach, Gewaltvorwurf! Wogegen man Rudi Dutschke wirklich verteidigen muss, das ist die repressive Ironie der Nach-68er. Er bleibt ein Stachel im Bewusstsein derjenigen, die ihren Frieden mit der Bundesrepublik gemacht haben,
      in: TAZ v. 30.03.
      • Inhalt:
        Stephan SCHLAK attackiert die konvertierten 68er und die "repressive Ironie" der taz:

              
          "Dutschke erinnert daran, dass die Linke auch einmal eine unromantische Seite hatte.
              
          Dagegen haben die 68er sich mit der Zeit immer mehr auf die ironische, romantische Linie geschlagen. Theoretisch konkret gesprochen: Sie haben erst den Frieden mit dem System und dann mit der Theorie des Systems gemacht. In Hundertschaften sind sie in den Achtzigern zu Niklas Luhmanns Systemtheorie übergelaufen, wo ihr Zauberwort der »Anschlussfähigkeit« ja auch die eigentlich wahre theoretische Heimstätte hat.
              
          Dabei hat Luhmann mit den 68ern nie viel anfangen können. 20 Jahre nach der Revolte reduzierte der Meister in dieser Zeitung die Revolte. »Zufällige Vorfälle, der Schuss auf Benno Ohnesorg zum Beispiel, schossen die Studenten aus der Gesellschaft hinaus - und von da ab konnte man über den Rasen laufen.« Aber weil so viel Kontingenz natürlich biografisch wenig hergibt, hat der bekehrte 68er sich eine ganz eigene Systemtheorie zusammengebastelt. Vor allem mit Luhmanns Supercodes »Gut/Böse« und »Inklusion/Exklusion« ließ sich unter Wegfall aller anderen Theorieunterscheidungen vorzüglich die altlinken Abgrenzungsrituale - Wer gehört dazu? - und Diskriminierungen weitertreiben.
              
          Dass 68 nicht in der Theorie eines Bielefelder Verwaltungsjuristen aufgeht, dass die rebellischen Jahre sich nicht einfach zivilisatorisch mit der satten Bundesrepublik verrechnen lassen - das ist das einzige Versprechen der Revolte, das sich noch nicht restlos verbraucht hat. Und so vertrauen wir einfach darauf, dass Rudi auch von der repressiven Ironie der taz nicht liberal integriert werden kann. Was an Dutschke heute fasziniert, ist nicht das bundesrepublikanisch Anschlussfähige, sondern das Unzeitgemäße, das angestrengt Ideologische - der rebellische Charme des Authentischen."
    • Neu:
      SCHLAK, Stephan (2006): Ein aufgetauter Kälte-Panzer.
      50 Jahre nach seinem Tod feiert Gottfried Benn ein "Comeback": Helmut Lethen, Joachim Dyck, Gunnar Decker und andere schreiben sein Leben neu. Heute scheint der Dichter im Poesiealbum der Bundesrepublik angekommen,
      in: Literaturen, Juli/August
      • Inhalt:
        Stephan SCHLAK beschäftigt sich u.a. mit Gottfried BENN als Sehnsuchtsautor der 68er:

                  
         "Die originellsten kulturwissenschaftlichen Köpfe dieser Generation, Klaus Theweleit, Friedrich Kittler und nun Helmut Lethen - alle drei auch »alte Männer« im bundesrepublikanischen Schutt ihrer früheren Träume und Phantasien - hatten ihre Affäre mit Benn.
                  
         (...).
        Es wäre eine spannende geistespolitische Aufgabe, einmal der Frage nachzugehen, wie Benn zu einem solchen »Durchkreuzungsphänomen« für die Achtundsechziger-Generation werden konnte: Waren es seine politischen und libidinösen Seitensprünge, in denen die Nachfolge-Generation die eigenen frivolen Taten wiedererkannte? Oder beglaubigte Benns gelungene Resozialisierung in die »verschwommenen Grenzen« (Lethen) der Lebenswelt die Abkehr der Achtundsechziger von der verpanzerten ideologischen Formenwelt ihres roten Jahrzehnts, ihr eigenes verspätetes Ankommen in der Bundesrepublik?

                  
         Sein Resümee:.
        Heute scheint Benn ganz im Poesiealbum der Bundesrepublik angekommen zu sein. Tatsächlich aber ist es nicht der kalte Dichter der Zwischenkriegszeit, sondern der sentimentale, von Kitsch nicht freie Sänger der späten Jahre, der heute von allen Seiten fast bedingungslos geliebt wird."
     
           
       

    Stephan Schlak im Gespräch

     
       
    • fehlt noch
     
           
       

    Geschichtsgefühl
    Heft 122/123 der Zeitschrift "Ästhetik und Kommunikation", Winter 2003/2004

     
       
     
     

    Pressestimmen

    "Einer der Befunde aus der Lektüre dieses vielstimmigen und wahrnehmungsstarken Doppelheftes ist der, dass zu den ausgesparten Zonen der hier artikulierten Suchbewegung die sogenannte Provinz gehört, die die Depressionslasten des Zusammenbruchs der Industriegesellschaft zu tragen hat."
    (Barbara von Reibnitz in der Neuen Zürcher Zeitung vom 24.02.2004)

     
     
     
           
       
    • Beiträge des Sammelbands (unvollständig)

    • REIBNITZ, Barbara von (2004): Wie fühlt sich Geschichte an?
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 24.02.
    • DRAESNER, Ulrik - coventry
    • SCHIVELBUSCH, Wolfgang - "mit plötzlicher allmählichkeit gestört durch die fliegerangriffe". Tagebuchnotizen
    • NOLTE, Paul - Jürgen Habermas und das bundesrepublikanische Geschichtsgefühl
    • SCHLAK, Stephan - Hans-Ulrich Wehler und das verlorene Charisma
    • Ä & K-Gespräch - "Dem Ideologiehistoriker wird es an Arbeit nicht fehlen". Ein Gespräch mit Ernst Nolte
      • SACK, Hilmar - Gebt Hitler nie Eure Handynummer
        Eine Rückschau auf die Ausstellung "Holocaust"
      • LEO, Per - Fußballtugend aus der Not
        Ein Plädoyer für die Arbeit am Mythos des 4. Juli 1954
      • FELSCH, Philipp - Die Nervensäge. Hundert Jahre Alltag
      • KIRNER, Guido O. - "Krise ohne Alternative".
        Das Geschichtsgefühl der Res moderna amissa
      • Ä & K-Gespräch - "Ich bin ein Weigerungsverweigerer". Ein Gespräch mit Odo Marquard
      • HACKE, Jens - Bob Dylan und die Authentizitätsanstrengungen der Gegenwart 
      • PATEL, Kiran Klaus - Nach dem Ende der Geschichte. Robert Kagan und das amerikanische Geschichtsgefühl
      • KITTSTEINER, Heinz Dieter - Carl Schmitt in der heroischen Moderne. Für Helmut Lethen
      • LUCKE, Albrecht von - Die Putztruppen des Westens
      • BEHRENDT, Eva - Phantom Ost
      • CAMMAN, Alexander - 1989 – die ignorierte Revolution 
      • ENGLER, Wolfgang - Dämonendämmerung und Aasgeruch. DDR-Vergangenheit zwischen literarischer Archäologie und medialem Schlußverkauf
      • SCHWESKA, Marc - Judith Hermanns Glücksgefühle 
      • MAYE, Harun - Living in a Magazine. Spex sozialdemokratisiert den Pop 
      • KUBICZEK, André - FER. Aus den Pazifischen Jahrbüchern (1995-1997)
     
       
    • Das Heft in der Debatte

    • REIBNITZ, Barbara von (2004): Wie fühlt sich Geschichte an?
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 24.02.
    • REINECKE, Stefan (2004): Glanzvolle Tücke.
      Schriften zu Zeitschriften: Die Zeitschrift "Ästhetik & Kommunikation" beschäftigt sich mit dem Geschichtsgefühl. Zu vermelden gibt es dabei einen Generationskampf von Thirtysomething-Intellektuellen mit der vergangenheitsversessenen Linken
      in: TAZ v. 06.03.
      • Kommentar:
        REINECKE rechnet u.a. mit dem neokonservativen Historiker Paul NOLTE ab, der - wenn es dem Sozialstaatsabbau dient - auch für die Regierungs-TAZ schreiben darf:

              
           "Wenn man diesem Heft der Zeitschrift Ästhetik & Kommunikation glaubt, schlägt erst mal die Stunde der Abrechnung und eines etwas virtuell anmutenden Generationskampfes. Der konservative intellektuelle Jungstar Paul Nolte nimmt sich »Jürgen Habermas und das bundesrepublikanische Geschichtsgefühl« vor und entwirft eine Kritik der Linken (die allerdings nicht so neu ist, wie der Autor zu glauben scheint). Die Linke hat sich, so Nolte, nachdem sie ihres 68er-Fortschrittsglaubens beraubt war, auf die Vergangenheitspolitik gestürzt wie ein Ertrinkender auf das Floß.
        Das Ergebnis ist, laut Nolte, eine satte, vergangenheitsversessene Linke, der zu den wirklichen Fragen, wie Renten- und Gesundheitsreform, vor lauter Nation und Geschichte längst nichts mehr einfällt. Das klingt forsch und ausreichend respektlos. Anderseits fragt sich, ob uns eine Brandrede von Günter Grass gegen die Praxisgebühr oder ein Essay von Enzensberger über die Rentenformel wirklich weiterhelfen würde."
    • KRAUSE, Andreas (2004): Wir sind kein Volk.
      Gefühlte Geschichte: Seit es Ostalgie gibt, haben Ost und West endlich ihre Mauer wieder,
      in: Berliner Zeitung v. 11.03.
     
       

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    © 2002-2007
    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 13. März 2004
    Update: 17. Dezember 2007
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