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Sven Hillenkamp:
Das Ende der Liebe
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Kurzbiographie
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1971 geboren
-
Studium der Politik,
Soziologie, Geschichte, Philosophie und Islamwissenschaft
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2009 Buch
"Das Ende der Liebe"
-
lebt als freier Autor in
Berlin und Stockholm
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Aktuellster
Beitrag
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Sven Hillenkamp in
seiner eigenen Schreibe
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Ein Loblied auf den
Soziologen Ulrich BECK.
Der Kosmopolit aus der
68er-Generation
durfte seine Individualisierungsthese vor der russischen Duma
vortragen.
HILLENKAMP hält BECK
für jemanden, der die Chancen der Individualisierung hervorhebt.
Das scheint eher ein typisches Missverständnis zu sein. Die
Individualisierungsthese ist so dehnbar, dass sie jedem Zeitgeist
gerecht wird, denn nach BECK kann immer auch das Gegenteil wahr
sein. Je nach Situation lassen sich die Nachteile oder die
Vorteile der Individualisierung betonen. Die These ist also
genauso flexibel wie die Gesellschaft, für die sie gedacht ist! |
HILLENKAMP, Sven (2002): Ich will auch.
Haben wollen, was man nicht hat. Sein wollen, was man nicht ist.
Neid bestimmt unser Leben. Ein persönlicher Bericht über ein Gefühl,
das antreibt und zerstört,
in: Die ZEIT Nr.44 v. 24.10.
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Die einen gehen zum Psychotherapeuten, die
anderen schreiben ihre Neidbiografie.
Dadurch
erfährt der Leser, warum die
New
Economy und Nerds eine schlechte
Presse hatten, warum bei "Klassenkämpfern" die Neue Mitte mit der
Gesamtgesellschaft zusammenfällt und warum das Zusammentreffen mit
Ulrich BECK
aus einem Journalisten ("Neidberuf schlechthin") keinen besseren
Menschen macht.
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Zeit-Thema: Allein
oder einsam?
Viele Menschen fühlen sich
verlassen. Andere empfinden das Alleinsein als Befreiung. Tücken
und Chancen der modernen Einsamkeit. |
HILLENKAMP, Sven (2005): Einsamer nie?
Viele Menschen klagen darüber, allein zu sein. Dabei ist die
Einsamkeit der Moderne ein Mythos. Unser Unglück ist nicht größer
als früher. Wir haben nur gelernt, darüber zu reden,
in: Die ZEIT Nr.51 v. 15.12.
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Lange wurde in der Zeit nicht
mehr so sachlich über das Thema "Single-Gesellschaft" geschrieben.
Sven
HILLENKAMP entmythologisiert die "Single-Gesellschaft", die eng
verbunden ist mit einigen
Mythen der Einsamkeit.
Es gilt aber auch:
"Wenn
Hunger und Obdachlosigkeit die schlimmsten materiellen Übel sind,
so ist die Einsamkeit wohl das schlimmste der nicht- und
postmateriellen - seelische Unterernährung, soziale
Obdachlosigkeit".
Abgesehen
davon, ist unsere Gesellschaft jedoch keineswegs einsamer als
frühere Gemeinschaften.
HILLENKAMP räumt mit 3 Mythen auf:
1)
Die Großfamilie
Die Großfamilie war - wenn überhaupt - nur ein
Ideal, denn ihre Verbreitung scheitere an der geringen
Lebenserwartung der Menschen:
"Noch
um 1900 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 45 Jahren.
(...). Erst 1950 stieg die mittlere Lebenserwartung auf über 65
Jahre."
Wenn
jetzt also Ursula von der LEYEN und andere Romantiker
Mehrgenerationenhäuser als Fortsetzung der Großfamilie mit anderen
Mitteln propagieren, dann können sie sich auf keine vergangenen
Realitäten berufen, sondern sie konstruieren eine Vergangenheit,
die es so nie gab.
2)
Die Anonymität der Großstadt
Großstadtfeindlichkeit ist spätestens seit Beginn
der Industrialisierung ein Topos konservativer Romantiker.
Wilhelm Heinrich RIEHL steht für diese Richtung.
HILLENKAMP
entgegnet dem, dass nicht die Großstadt, sondern Umzüge "einsam
machen", solange keine neuen, befriedigenden Netzwerke geknüpft
sind. Wer
einsam ist, der erlebt seine Einsamkeit in der Großstadt noch
stärker. HILLENKAMP nennt mit RILKEs Malte Laurids Brigge eine
Romanfigur, die diesen Typus verkörpert.
3)
Wir leben in einer "Single-Gesellschaft"
HILLENKAMP zeigt auf, was auf single-generation.de
immer wieder gezeigt wurde, dass nämlich die Betrachtung der
Haushaltszahlen in die Irre führt.
Die
Anzahl der Einpersonenhaushalte ist kein ausreichender
Anhaltspunkt für das Alleinsein. Weder Partnerschaften,
noch familiäre Bindungen lassen sich damit erfassen.
Paare ohne gemeinsamen Haushalt,
Hausgemeinschaften und die
multilokale Mehrgenerationenfamilie sind heutzutage weit
verbreitetet. Die
amtliche Statistik trübt den Blick, weil sie nur Momentaufnahmen
liefert.
Es wird Dauerhaftigkeit vorgetäuscht, wo
Mobilität ist.
Das
Single-Dasein ist bei unter 65Jährigen meist eine kurze
Lebensphase, die sich mit Paar- und Familienphasen abwechselt.
Dies liegt an einem neuen Liebesideal und an der neuen Sicherheit
der Lebenszeit. Die
Kehrseite ist aber, dass zumindest bei den jetzigen Alten das
Single-Dasein aufgrund der längeren Lebenserwartung und früheren
Normen der Partnerwahl ausgedehnter denn je ist. Dies ist aber
nicht identisch mit Einsamkeit, sondern "Intimität auf Distanz"
kennzeichnet diese Lebensphase.
Am
Ende verfällt HILLENKAMP jedoch dem
Individualisierungsoptimismus,
der diejenigen kennzeichnet, die das nötige soziale und kulturelle
Kapital in erster Linie ihrer sozialen Herkunft zu verdanken
haben:
"Es
sind nicht mehr Menschen einsam, aber mehr sind selbst schuld,
wenn sie es werden".
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HILLENKAMP, Sven (2007): Zurück auf Los.
Ein Mann entkam der Armut und machte Karriere. Dann wurde er
arbeitslos und stieg wieder ab. Eine persönliche Geschichte, die
auch ein Entwicklungsroman des Landes ist,
in: Magazin der Berliner
Zeitung v. 21.04.
HILLENKAMP, Sven (2009): Wir sind so frei.
Die Liebe stirbt: Sex ist kein Tabu mehr, Partner gibt’s im
Internet, und die Suche nach dem Glück findet kein Ende... Ein
Essay,
in: Tagesspiegel v. 06.09.
HILLENKAMP, Sven (2010): Müde geworden vor der Zeit.
Die unendlichen Sex-, Drogen- und Erfolgsmöglichkeiten machen den
freien Menschen unfrei,
in: Süddeutsche Zeitung v. 22.02.
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In seinem Porträt von Helene HEGEMANN,
schreibt Georg DIEZ über ihr Buch
"Axolotl Roadkill",
dass es sich dabei um einen Nachruf auf die Berliner Bohème handele und
HEGEMANN "eine Stimme des wahrhaft rebellierenden Teils ihrer
Generation" sei. Der Untertitel des Artikels bringt das auf den
Punkt: "Es erzählt von einer Generation, für die das Wort Freiheit
bedrohlich klingt".
Bedrohlich
klingt das Wort Freiheit jedoch insbesondere für die
Anhänger der Individualisierungsprosa à la
Ulrich BECK, jene Prediger der Wende zum Weniger, die
wie Sven HILLENKAMP der Wahlfreiheit das Wort reden, als ob wir
nicht längst in einer
neuen Klassengesellschaft leben
würden, in der
Wahlfreiheit für viele Menschen eher nicht
das Problem ist. HILLENKAMP spricht für die
Elite der Erbengeneration, für
die die Ehe keine Sache der Romantik, sondern der Vernunft -
sprich der Verteidigung des Besitzstandes - ist.
Da
für die Individualisierungsprediger die Freiheit als grenzenlose
Möglichkeit erscheint - soziale Strukturen quasi außen vor lässt -
wird der Freiheitsbegriff ins Absurde geführt, denn: "Alle
Zusammenhänge, in die der Mensch sich begeben kann, drohen
permanent mit Kündigung". Abhängigkeiten werden sozusagen durch
die Hintertür wieder eingeführt. Freiheit ist letztlich keine
Freiheit, sondern eine Fata Morgana. Schön, dass wir darüber
geschrieben haben! |
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Sven Hillenkamp
im
Gespräch
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Neu:
FINGER,
Evelyn & Ijoma MANGOLD (2010): Hat die Liebe noch eine Chance?
Nein, sagen die Realisten. Doch, sagen die Romantiker. Ein
Sommer-Gespräch über Treue, Sex und Seitensprung in der modernen
Optionsgesellschaft,
in: Die ZEIT Nr.34 v. 19.08.
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Klappentext
"Alles ist möglich - nur die Liebe
nicht mehr!
Was geschieht,
wenn Menschen unbegrenzte Möglichkeiten haben? Eine
unendliche Auswahl an Partnern, Wohnorten, Berufen,
Sex, Liebe ... Was geschieht mit den Gefühlen, wenn
Menschen einer unendlichen Freiheit ausgesetzt sind?
Was geschieht mit der Liebe? In seinem einfühlsamen
und unsentimentalen Essay beobachtet Sven Hillenkamp
die ritualisierte Sprache der Nicht-Liebe. Die Liebe
ist bald nur noch Geschichte. Das Zeitalter der
Nicht-Liebe hat begonnen.
Sven Hillenkamp erzählt von den Möglichkeiten der
Liebe, des Sex, der Partnerwahl, der Ausbildung, der
beruflichen und seelischen Selbstentwicklung, der
Körpermanipulation, des Erfolgs, der Berühmtheit. Er
erzählt von einer Welt, in der die Menschen sich
permanent sehnen müssen, weil sie meinen, dass sie
immer noch etwas Besseres erreichen könnten.
Dies ist kein Sachbuch, denn es bleibt nicht
sachlich. Es ist ein Buch, das maßlos übertreibt -
über eine Wirklichkeit, die maßlos übertreibt. Es
ist das expressionistische Gemälde einer Welt, die
aus den Fugen geraten ist, die keine Grenzen mehr
kennt, in der unendliche Freiheit umkippt in Zwang,
unbegrenzte Möglichkeiten in die große Unmöglichkeit
der Liebe. Am Ende steht, so der überraschende
Befund, die Rückkehr zur Vernunftehe."
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Beitrag von
single-generation.de zum Thema
Der Code des
Herzens - Die Renaissance der Romantik durch die Pragmatiker der
Liebe
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FRICKER, Christophe (2009): Höllenkreis der Suchmaschine.
Sven Hillenkamp schreibt über die Verwüstungen auf dem
Schlachtfeld der elektronischen Liebesversuche,
in: Welt v. 22.08.
KLAUE, Magnus (2009): Das Kapital in
uns.
Emotionen sind wieder groß im Kommen. Ein Überblick über das neue
Gefühlssortiment der Sachbuchverlage,
in: Literatur konkret Nr.34. Heft im Heft, konkret,
Oktober
KIEFER, Sebastian (2009): Vom limbischen System zum Ende der Liebe.
Gefühle: beliebt bei Populärliteratur und Forschung. Ein
essayistischer Streifzug durch die Neuerscheinungen,
in: Falter Nr.42 v. 14.10.
KLEIN, Georg (2009): Nackt im
Kreuzfeuer der Möglichkeiten.
Sven Hillenkamp zeigt, warum die besten Bedingungen, die Liebe je
hatte, ihr zum Verhängnis werden,
in: Süddeutsche Zeitung v. 15.10.
MICHEL,
Gabriele (2009): Wie viel Vernunft braucht die Ehe?
Arnold Retzer und Sven Hillenkamp fordern mehr Realismus in der
Liebe,
in: Psychologie Heute, Dezember
NEUHAUS,
Stefan (2010):
Die Liebe ist tot, es lebe der Sex.
Sven Hillenkamp reitet auf der Zeitgeistwelle, auch wenn er
durchaus etwas zu sagen hat,
in: Literaturkritik, Januar
REICK, Robert (2010):
Love sucks - Die Liebe in der Krise.
Wie geht es in Zukunft mit der Liebe weiter? Sven Hillenkamp hat
ein Buch darüber geschrieben, das ein wenig Angst macht,
in: Fluter v. 30.03.
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POSENER, Alan (2009): Deutschland im Herbst: Kein Thema, nirgends.
Die Langeweile der Verlagsprospekte verweist auf ein alterndes
Land. Wenn aufgebrochen wird, dann in den Tod,
in: Welt am Sonntag v. 12.07.
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Alan POSENER u.a. über das Buch
"Das Ende der Liebe" von Sven HILLENKAMP:
"Unendliche
Freiheit? Anschnallpflicht und Rauchverbot, mehr arbeiten für
weniger Geld, Steuern und Sozialabgeben bis zum Abwinken,
Aids-Gefahr, Handy-Ortungsgeräte und schreibende Mönche: Wo bitte
schön findet man unendliche Freiheit? Aber Hillekamp meint es gar
nicht so. Das ganze Gemälde dient ihm nur, um eine verkaufsträchtige
Botschaft an die Kohorte der erschlaffenden ehemaligen Helden der
sexuellen Revolution zu richten: »Am Ende steht, so der
überraschende Befund, die Rückkehr zur Vernunftehe.« Na, dann gute
Nacht."
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SACHSE, Katrin (2009): So bleibt es Liebe!
Eine glückliche Partnerschaft erfordert keine Wunder.
Realistische Erwartungen, etwas Vernunft und ein gutes
Konfliktmanagement genügen als Basis,
in: Focus Nr.33 v. 10.08.
SCHMID, Birgit (2009): Zieh mich aus!
Schluss mit der Vernunft. Wir brauchen alle mehr Sex, Drama,
Leidenschaft,
in: Das Magazin des Tages-Anzeiger Nr.36 v. 05.09.
BESSING, Joachim (2010): Die ewige Suche nach dem Seitensprung.
Hinter dem Kult um Iris Robinson, untreue Ehefrau des
nordirischen Ministerpräsidenten, steckt mehr als nur
Schadenfreude. Die pikante Affäre erinnert viele an ihre eigene
Rastlosigkeit in der Liebe. Zu groß ist vor allem heute die
Vielfalt der Möglichkeiten, sich ein Leben mit diesem oder jenem
auszumalen,
in: Welt Online v. 19.01.
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