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Volker
Weidermann: Lichtjahre
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Aktuellster
Beitrag
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Volker Weidermann in
seiner eigenen Schreibe
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- WEIDERMANN,
Volker (1999): Die Generation Z und das
Ende dieser Welt,
in: TAZ v. 13.10.
- WEIDERMANN, Volker (2000):
Die Starre vor dem Tod.
Philippe Harel hat Michel Houellebecqs
"Ausweitung der Kampfzone" (Panorama) als Deprimierungsmanifest
verfilmt,
in: TAZ
Berlin v. 11.02.
- WEIDERMANN,
Volker (2000): Ferien mit Michel,
in: TAZ
v. 20.12.
- WEIDERMANN, Volker (2000): Der
Moralist im schwarzen Golf,
in: TAZ v. 26.08.
- WEIDERMANN, Volker (2002):
Jahrgang Riefenstahl.
1902 wurden sie geboren, 1918
enttäuscht, 1933 in Versuchung geführt: Eine
Generation ohne Halt und Haltung,
in: Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung v. 18.08.
- Inhalt:
Volker
WEIDERMANN zeichnet anlässlich des 100.
Geburtstages von Leni RIEFENSTAHL - wie
bereits
Jan BRANDT in
der TAZ (03.08.) - den Jahrgang
1902 anhand von
Ernst
GLAESER (Bestsellerroman "Jahrgang
1902") und Ernst von SALOMON
("Die Geächteten") nach:
"Ein bis an
den Rand gefülltes, leeres Leben. Das
eint all die orientierungslosen
Beschwerdeführer, die aus ihrem
Geburtsjahr ein Schicksal formten, ein
Leben lang.
Eine von ihnen sieht man heute noch. Sie
lächelt. Sie zuck die Schultern und
sagt: 'Eigentlich bin ich unpolitisch.'
Und hat damit vollkommen recht."
-
WEIDERMANN, Volker (2002): Der Chef.
Ernst-Weilhelm Händler ist Unternehmer - und hat den
interessantesten Roman dieses Herbstes geschrieben: "Wenn wir
sterben",
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.10.
- Inhalt:
WEIDERMANN ist begeistert von dem Roman des
Regensburger Autors, in dem es um die Geschichte von vier
fünfundvierzigjährigen Frauen geht, "denen in den Übernahmekämpfen
der freien Wirtschaft zunächst ihre Persönlichkeit, ihre
persönlichen Beziehungen, ihr freies, nicht rein zielgerichtetes
Denken und schließlich auch noch die Macht abhanden kommen und die
zu ökonomisch gesteuerten, kalten, deformierten Monstern werden.
Einsam, zu keiner persönlichen Bindung mehr fähig, das Ende
erwartend, zerstört."
- WEIDERMANN, Volker (2003): die neue deutsche
Romantik.
Die deutschsprachige Gegenwartsliteratur zieht sich ins Private
zurück und feiert das Glück der Liebe,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.09.
-
WEIDERMANN, Volker (2005): Neues Deutschland.
Die Sehnsucht nach Pathos und heiligem Ernst: Der Schriftsteller
Uwe Tellkamp will keinen Spaß verstehen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.04.
-
WEIDERMANN, Volker (2005): Das letzte Tabu.
Michel Houellebecqs neuer Roman erzählt von Sex, Autos und Klonen
- vor allem aber vom Unglück des Älterwerdens,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.08.
- Kommentar:
Ist Volker WEIDERMANN
inzwischen Angestellter bei Daimler-Chrysler? Oder was soll die
penetrante Mercedes-Werbung in dieser Rezension?
WEIDERMANN
bedient neben der Autoindustrie noch die
Antifemmisten, die sich über
willige Frauen bei HOUELLEBECQ freuen dürfen (Feministinnen werden
sich entsprechend mokieren).
Das
Fazit von WEIDERMANN zum
öden Zweitaufguss der "Elementarteilchen"
lautet:
"Roman
über das Unglück des Alterns. Neben allen Thesen vom Ende der
Religionen und dem Traum vom neuen Menschen, von Nietzsche und vom
Ende der Liebe ist es vor allem anderen dies: ein Buch der Angst.
In seinen Visionen wird in naher Zukunft eine Selbstmordwelle
durch die Welt gehen, der die meisten Frauen über vierzig und die
Männer über fünfzig zum Opfer fallen. Die Lücke zwischen dem
totalen Körperkult der Gesellschaft und der Unmöglichkeit der
Liebe ist für keinen mehr zu schließen."
-
WEIDERMANN, Volker (2006): Das
war Zyankali, mein Fräulein!
Er grüßte seine SS-Kameraden und tötete sich vor
Tausenden. Grass hat über ihn geschrieben. Und jetzt auch
seine Tochter,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
19.02.
-
WEIDERMANN, Volker (2006): Das Lesen ist schön.
Ja, Leidenschaft: Warum Literatur und Kritik lebendig sind,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.04.
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Volker Weidermann im
Gespräch
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Klappentext
"60 Jahre, 135 Autorinnen und Autoren:
Was für eine Zeit, was für eine Vielfalt! Mit
frischem Blick, Leselust und Meinungsfreude wird
hier die jüngste Epoche der deutschen Literatur
gemustert, erzählt und sortiert.
Volker Weidermann, Literaturredakteur der
Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, hat dort
angefangen, wo erstmal alles zu Ende war. Wie ging
es los nach dem Krieg, wer war schon da, wer kam
dazu, wer wollte zurück und was ist daraus geworden?
Exilanten und innere Emigranten, alte Eminenzen und
junge Wilde werden vorgestellt, mächtige Herren und
kämpferische Frauen – ein Panorama der deutschen
Literatur von der Stunde Null bis heute. Und ein
Bild von der ungeheuren Dynamik, mit der sich die
Literatur der Zeit entwickelt und verändert. Im
Westen wird die Gruppe 47 gegründet und wieder
zerlegt, im Osten der Sozialismus gefeiert und
bekämpft, im Westen verkünden sie Innerlichkeit und
Revolte, im Osten geht man den Bitterfelder Weg oder
verlässt das Land. Es geht um vergessene Könner und
vermessene Bekenner, große Erfolge und stille
Triumphe – und um viele, viele einzelne Schicksale.
Mit Leidenschaft, Humor und großem Wissen nimmt
Volker Weidermann den Leser mit auf einen schnellen
Streifzug durch die goldenen Jahre der deutschen
Literatur, schlägt große und kleine Bögen, skizziert
Einflüsse, Abhängigkeiten und Gegensätze und landet
mit Christian Kracht, Judith Hermann, Feridun
Zaimoglu, Daniel Kehlmann, Ingo Schulze u. v. a. m.
in unserer Gegenwart. Vor allem und immer wieder
zeigt er den einzelnen Autoren, der unbeirrt seinen
Weg weitergeht. Und plötzlich will man unbedingt
Gert Ledig lesen, oder Hubert Fichte, oder Max
Frisch mal wieder – ein Buch der Überraschungen!"
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Rezensionen
- BARTMANN, Christoph (2006):
Wilde Männer mitten im Leben.
Volker Weidermann hat eine sehr "Kurze Geschichte der
deutschen Literatur von 1945 bis heute" geschrieben,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.03.
- GREINER, Ulrich (2006):
Abglanz des Gelebten.
Volker Weidermann betreibt Biografismus als
Literaturgeschichte,
in: Die ZEIT Nr.14 v. 30.03.
- Kommentar:
Der 68er
Ulrich GREINER, von WINKELS als
Gnostiker bezeichnet, wird ganz Empathiker, wenn er
WEIDERMANNs Buch als "anregend - und ausgesprochen
ärgerlich" bezeichnet.
- MORITZ, Rainer (2006):
Leuchtschwertschläge.
Volker Weidermanns kühne Literaturgeschichte,
in: Tagesspiegel v. 02.04.
- Inhalt:
Rainer
MORITZ bescheinigt Volker WEIDERMANN Mut zur Meinung.
Während ihm die Popliteratur zu viel Raum einnimmt, fehlen
ihm wichtige Klassiker. Die Einseitigkeiten der
Literaturgeschichte führt MORITZ auf die Tatsache der
Zweitverwertung zurück.
-
HARTWIG, Ina (2006): Ich und der
Dichter.
Achtung, Achtung: Die Ganzkörperliteraturkritik übernimmt,
in: Frankfurter Rundschau v. 04.04.
- Inhalt:
Ina HARTWIG macht
unmissverständlich klar:
"Ulrich
Greiner hat Weidermann in der Zeit »Biographismus«
vorgeworfen. Ist, was Weidermann über Celan schreibt, nicht
vielmehr biographische Suggestion? Oder wenn Ingeborg
Bachmanns Lebensende bedichtet wird mit den Worten: »Der Tod
kam nachts. Sie hatte Beruhigungsmittel genommen. Legte sich
ins Bett. Allein. Mit einer brennnenden Zigarette. Das Bett
fing Feuer. Das Nachthemd fing Feuer. Ingeborg Bachmann ist
verbrannt.« Nein, das ist nicht biographisch, auch nicht
biographistisch, sondern
schlicht
Tratsch. Man könnte auch sagen:
Schriftstellerlebensgeschichtskitsch, und zwar auf Kosten
von Lebenden, Toten und auf Kosten der seriösen
Literaturkritik."
-
KRAUSE, Tilman (2006): Der Literaturhistoriker als Flaneur.
Volker Weidermanns
weniger gelehrte als anregend gesellige Geschichte der
deutschen Literatur seit 1945,
in: Welt v. 08.04.
- KRUMBHOLZ, Martin (2006):
Kleine Erregung.
Ein Streit um
Volker Weidermanns «Geschichte der deutschen Literatur»,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 11.04.
- Inhalt:
"Weidermanns Begeisterungsbuch wendet sich spürbar an
ein jüngeres, eher ahnungsloses Publikum, das die Nachkriegsliteratur
um mehr als zwei Wochen verpasst hat und nun von einem Gleichgesinnten
erfahren will: Welche Lektüre sollte ich nachholen? Das ginge an, käme
es dabei nicht zu grotesken Klitterungen. Über
Genazino befindet der Verfasser
allen Ernstes, er habe «die gute Laune in das Schreiben
zurückgebracht». Nicht dass bestimmte (wichtige) Autoren fehlen, ist
das Problem - sondern eher, dass Weidermann sich nicht rigoros zu
seinem beklemmenden Gute-Laune-Ansatz bekennt und sich von der Idee
der Geschichtsschreibung nicht konsequent verabschiedet", meint
KRUMBHOLZ.
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Das Buch in der Debatte
-
WINKELS, Hubert (2006): Emphatiker und Gnostiker.
Über eine Spaltung
im deutschen Literaturbetrieb – und wozu sie gut ist,
in: Die ZEIT Nr.14 v. 30.03.
- Inhalt:
Hubert WINKELS, Mitbegründer der
KiWi-Kultur, arbeitet an der
literaturbetriebshistorischen Legendenbildung.
Anlass ist
die Buchvorstellung "Lichtjahre"
von Volker WEIDERMANN, bei der sich eine Kluft offenbarte:
"Die
einen suchen das wahre Leben, die anderen die wahre
Literatur
Die Emphatiker
des Literaturbetriebs, die Leidenschaftssimulanten und
Lebensbeschwörer ertragen es nicht länger, dass immer noch
einige darauf bestehen, dass Literatur zuallererst das
sprachliche Kunstwerk meint
(...).
Wenn man die
literarische Landschaft zurzeit verstehen will, ist eine
Zweiteilung hilfreich: die Unterscheidung zwischen
Emphatikern und Gnostikern. Die Emphatiker sind die mit
dem unbedingten Hunger nach Leben und Liebe; Gnostiker
sind die, denen ohne Begreifen dessen, was sie ergreift,
auch keine Lust kommt".
Diese Kluft ist keineswegs besonders neu.
Single-dasein.de hat sich damit bereits im November
2000 befasst. Es stellte sich damals die
Frage nach dem deutschen HOUELLEBECQ.
Diese Frage hat sich noch nicht erledigt, denn sonst gäbe
es den Artikel von WINKELS gar nicht.
Was
WINKELS als Empathiker beschreibt, das wurde hier bereits
vor langer Zeit als
Imagedesigner
beschrieben.
Popliteraten sind inzwischen selbst
von der Soziologie zu "Seismografen"
geadelt worden, die sozialstrukturelle
Verschiebungen vorwegnehmen. Gerade deswegen ist eine
literaturwissenschaftliche Herangehensweise - wie sie
WINKELS hier explizit fordert - dem Phänomen längst nicht
mehr angemessen. WINKELS Argumentation führt deshalb auch
konsequent ins Gesellschaftspolitische:
"Schirrmacher,
als pseudowissenschaftlicher Alarmist selbst
Emphatiker, hat für die wachsende Emphatikerwelle die
Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung geschaffen,
die sich um Stadionberichte aus dem literarischen Leben
bemüht. Hier ist auch eine der Mündungen eines Stroms aus
den achtziger Jahren, der
über Wiener und Tempo die subjektive
Schreibweise propagierte, mit Tom Wolfe und Hunter S.
Thompson als amerikanischen Paten.
Maxim Biller,
Moritz von Uslar,
Christian
Kracht kommen daher. Der Tempo-Macher Markus
Peichl ist heute Redaktionsleiter bei Beckmann und lässt
gelegentlich Pop-Autoren passieren, wenn sie
Drogenprobleme haben oder Nummer-eins-Bestseller sind.
Auftritte in Talkshows wiederum gehören zu den wichtigsten
Zielen jener Buchverlage, die mit Auflagen ab 50000
rechnen. Dagegen sind Rezensionen in den fünf klassischen
überregionalen Zeitungen ökonomisch relativ unbedeutend.
Schon diese ganz
einfache Ableitung macht klar, wie gut sich der einstmals
subversiv gedachte affirmative Charme der Anti-Hippies und
Anti-Achtundsechziger mit der dynamisierten Warenwelt
verträgt."
-
BARTELS, Gerrit (2006): Abreibungskunst.
Das Haltbarkeitsfeuilleton
schlägt zurück: Ein Kultur- und Richtungsstreit in der
Literaturkritik, ausgelöst durch Volker Weidermanns Buch "Lichtjahre",
in: TAZ v. 31.03.
- Inhalt:
Gerrit BARTELS, Fan des FAS-Lässigkeitsjournalismus,
verteidigt den Ex-tazler Volker WEIDERMANN gegen das
Haltbarkeitsfeuilleton:
"Offensichtlich
war bei dieser »Buchvorstellung«,
dass hier drei ältere Literaturkritiker, zwei Fünfzigerjahrgänge,
ein Vierzigerjahrgang, dem 1969 geborenen Weidermann eine Abreibung
verpassen wollten
(...).
Dieser Kulturstreit
ist einer zwischen dem Haltbarkeitsfeuilleton, also dem von
Greiner/Bartmann, und dem Feuilleton neueren Typs, einem Pop-
oder Unterhaltungsfeuilleton, wenn man böse sein will auch:
Trommelfeuilleton, für das Weidermann, die FAS und
neuerdings auch der Kulturteil des Spiegels unter
Matthias Matussek und
Joachim Lottmann stehen. Dazu erkennt man immer noch Spuren des
Unbehagens an der eigentlich für tot erklärten Popliteratur, einen Kampf der
Verfechter und Verehrer von Literatur, die noch in 30 Jahren was
hermacht, gegen die Popschnelldreher, die nur für den Augenblick
geschrieben sind".
- MANGOLD, Ijoma (2006): Heute
schon geweint?
Die Sehnsucht nach dem Leben in der Literaturkritik,
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.03.
- Kommentar:
Ijoma MANGOLD liefert
eine weitere Nacherzählung der Ereignisse um die
Buchvorstellung
von Volker WEIDERMANN.
Man darf
MANGOLD wohl eher den Empathikern zuordnen, wenn er
schreibt:
"Was meint der
Literaturkritiker eigentlich wirklich, wenn er das eine
Werk gut und das andere schlecht nennt? Ist am Grunde des
Urteils nicht stets ein Wille zur Macht erkennbar, die
eben darin besteht, über die Wahrheit des Lebens Aussagen
treffen zu dürfen? Woher sonst die Erregungspotentiale?"
Für
MANGOLD ist die Überführung von Wahrheits- in
Coolnessfragen die logische Konsequenz der
Unentscheidbarkeit letzter Fragen. Wer hat den besseren
Sex, feiert die besseren Partys oder erzeugt den größten
Pulverdampf, das ist dann der Sinn des
Literaturwettkampfs.
Die
Gnostiker spielen darin lediglich die Rolle der
Spielverderber:
"Die Empathiker
neigen dazu, so zu schreiben, als hätten sie den besseren
Sex. Die Gnostiker werden ihnen das nicht durchgehen
lassen."
-
HAMMELEHLE, Sebastian (2006): Tod einiger Kritiker.
"Die Zeit" ist
erzürnt, Wolf Biermann verläßt seinen Verlag: Wie eine
kleine Literaturgeschichte eine große Debatte entfacht,
in: Welt am Sonntag v. 02.04.
- Kommentar:
HAMMELEHLE sieht die Gnostiker bereits von
den Empathikern geschlagen. Da es sich hier nach Meinung
des Autors um einen Generationenkonflikt handelt, ist
diese Aussage letztlich überflüssig. Die Alten müssen
immer abtreten...
- FAS (2006): Aus gegebenem
Anlaß: Soll die Gnosis in Zukunft eine größere Rolle
spielen?
- Kommentar:
KÖRTE und SEIDL machen die Gnostiker für
das Aussterben der Deutschen verantwortlich. Sie beziehen
sich dabei auf
Hubert
WINKELS, der seinerseits die alarmistischen Empathiker
gescholten hat. Außerdem wird vermeldet, dass Wolf
BIERMANN (siehe WamS) den KiWi-Verlag wegen WEIDERMANN
verlässt. Er sollte WEIDERMANN danken, das hätte sonst
sowieso niemand interessiert...
- KÖRTE, Peter (2006): Pro -
Um Gottes willen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
02.04.
-
SEIDL, Claudius (2006): Contra - Mehr Gnocci wagen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
02.04.
-
FEDDERSEN, Jan (2006): Die Debatte ist schön!
Feuilletonstreit um ein
Literaturlexikon: Der FAS-Redakteur Volker Weidermann antwortet
öffentlich,
in: TAZ v. 04.04.
-
HEIDENREICH, Elke (2006): Lesen.
Volker Weidermann - Lichtjahre,
in: ZDF v. 04.04.
-
WITTSTOCK, Uwe (2006): Neuer Deutscher Skandalismus.
Die jüngste
Literaturdebatte offenbart den Konflikt zwischen zwei
Kritikergenerationen,
in: Welt v. 04.04.
-
DIEZ, Georg (2006): Wir Empathiker.
Gibt es eine
Spaltung im deutschen Literaturbetrieb? Eine Antwort auf
Hubert Winkels,
in: Die ZEIT Nr.15 v. 06.04.
-
LOVENBERG,Felicitas
von (2006): In der Zauberhöhle.
Drei erfüllte Wünsche: Das Glück der Kritikerin,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.04.
- HAGE, Volker (2006):
Lichtjahre auseinander.
Eine originelle Sammlung von Dichterporträts löst in der
Zunft einen heftigen Positionsstreit über die Vermittlung
von Literatur aus,
in: Spiegel Nr.15 v. 10.04.
-
DOTZAUER, Gregor (2006): Angriff der
Gegenwart.
Literaturkritik als
Kulturkampf: Warum über Volker Weidermanns Buch „Lichtjahre“ so heftig
gestritten wird,
in: Tagesspiegel v. 12.04.
- Inhalt:
"Zerstreuungswut,
Populismus, die ewige Schlacht zwischen Geist und Geld – all das mag
es geben. Doch es rüttelt, mitten im deutschen Subventions- und
Bücherparadies, noch etwas Grundsätzlicheres am humanistischen
Selbstverständnis: eine Unfähigkeit, der eigenen Tradition über das
Zitieren hinaus Sinn zu verleihen",
meint Gregor DOTZAUER zum Streit zwischen Empathikern und Gnostikern.
- KALLE, Matthias (2006): Die
Arschloch-Debatte.
Die deutsche Literaturkritik teilt sich. Das wurde aber
auch Zeit,
in: zitty v. 13.04.
- Infos zu:
Matthias Kalle - Autor der
Generation Golf
-
SEILER, Sascha (2006): One Nation
under a Groove.
Volker Weidermann: Lichtjahre,
in: Intro Nr.140, Juli
- Inhalt:
SEILER beschreibt das Buch als
"Literaturgeschichte für die Spaß- und Konsumgesellschaft"
mit "einem recht aufdringlichen Kumpelfaktor" das jedoch
spannend zu lesen ist. Besonders angetan hat es SEILER der
österreichische Schriftsteller Thomas BERNHARD, dessen
Bedeutung für Dirk
von LOWTZOW (Tocotronic) in einer Marginalie explizit
gewürdigt wird. Eine andere Marginalie über
Elfriede
JELINIK ist der Differenz zwischen Leben und Roman
gewidmet, die das Problem der Empathiker verdeutlicht.
- Neu:
MELLER, Marius (2006): Gnosis und
Emphase,
in: Merkur Nr.688, August
- Inhalt:
MELLER rekapituliert noch einmal die
ganze Debatte, um dann 3 Konfliktpunkte zu benennen.
Zum einen
sieht MELLER die Kritik an WEIDERMANN "von der Sorge
getragen, daß die Nachkriegsliteraturkritik - zumindest im
Rückblick gesehen - als Monotheismus um Marcel Reich-Ranicki
erscheint und daß dieser Monotheismus irgendwie auf den
Jungkritiker Weidermann transformiert werden könnte". Dem
hält er entgegen, dass die Zeit des kritischen Monotheismus
endgültig vorbei sei.
Zweitens
sieht MELLER in der Diagnose eines Generationenkonfliktes
einen hilflosen Versuch, die Tatsache zu ignorieren, dass "Postachtundsechziger
in der Literaturkritik allmählich die Redakteursposten
besetzen. Weidermann hat die Aufgabe übernommen, der erste
dieser Generation zu sein, der mit einer prägnanten
Buchveröffentlichung an die Öffentlichkeit tritt. Und zudem
schreibt er für ein Medium, in dem die zentrale Gattung
naturgemäß nicht die Rezension, sondern die Reportage und
das Porträt ist."
Drittens
sieht MELLER hinter der Dichotomie Gnostiker-Emphatiker das
Ressentiment des Bürgertums gegen die Unterhaltungskultur
wirken (was angesichts der
Punk-Vergangenheit von Hubert WINKELS doch etwas
verwegen erscheint).
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