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Günter
Grass in seiner eigenen Schreibe
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Günter
Grass im Gespräch
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- GRASS, Günter & Pierre BOURDIEU (1999): Alles
seitenverkehrt.
Zivilisiert endlich den
Kapitalismus! - Der Literaturnobelpreisträger
Günter Grass und der Soziologe Pierre Bourdieu
im Gespräch,
in: Die
ZEIT Nr.49
- SCHWEIZERHOF,
Barbara & Jörn KABISCH (2001): Wer hat sich
denn.
Günter
Grass über die 68er, das Kippen von links nach
rechts und eine Rhetorik, die Menschen keine
Veränderungen zugesteht,
in: Freitag
Nr.6 v. 02.02.
- ENSIKAT, David & Marius
MELLER (2003): "Helden? Ach was, die brauchen wir nicht".
Als die Plebejer den Aufstand probten: Thomas Brussig im
Gespräch mit Günter Grass. Ein literarisches Gipfeltreffen
zwischen Ost und West,
in: Tagesspiegel v. 15.06.
-
SCHIRRMACHER, Frank & Hubert SPIEGEL (2006): "Warum ich nach sechzig
Jahren mein Schweigen breche".
Günter Grass im Interview,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.08.
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DOTZAUER, Gregor (2006):
Örtlich betäubt.
Eine Beichte, ein Schock:
Günter Grass, das Gewissen der Nation, war Rekrut bei der Waffen-SS.
In seinem Erinnerungsbuch „Beim Häuten der Zwiebel“ schreibt er
erstmals darüber,
in: Tagesspiegel v. 12.08.
-
SPINNEN, Burkhard (2006): Bitte, seid behutsam. In jeder Beziehung.
Über Günter Grass, meinen
Vater und eine Generation, die Lehren aus ihrer Jugend zog,
in: Welt v. 14.08.
- Inhalt:
Burkhard SPINNEN verteidigt Günter
GRASS, indem er einen Vergleich mit der eigenen Vatersuche und
derjenigen von Ute SCHEUB ("Das
falsche Leben") zieht:
"Mein Vater, vor sieben Jahren gestorben, zählt zu jener Mehrheit der
Deutschen seiner Generation, die aus der gewaltigen und gewaltsamen
Enttäuschung ihrer Jugend die Lehre gezogen haben, sich zu verhalten, wie
Albert Speer es in seiner letzten Rundfunkansprache von den
Überlebenden forderte (...): »Fleißig unserer Arbeit nach- gehen«!
(...). Man - in diesem Falle: ich - konnte solche Väter
nach allerhand kleinem Streit ohne den letzten großen Bruch verlassen und Ausschau halten nach den wenigen, die sagten, was jenseits der
Abstinenz von großen Ideen und Bewegungen wartete. Wenn man ihnen nicht
persönlich begegnen konnte, las man ihre Bücher.
Etwa Grass' Roman »Örtlich betäubt«, wo ein junger Mann, um zum
Protest gegen den Vietnam-Krieg zu provozieren, seinen Dackel anzünden
will. Grass liest am 19. Juli 1969 auf dem Kirchentag in Stuttgart aus dem
Manuskript. Danach geht einer der 2000 Zuhörer ans Saalmikrophon, hält
eine wirre Rede und sagt: »Ich provoziere jetzt und grüße meine Kameraden
von der SS.« Unmittelbar anschließend nimmt er Zyankali. (...).
Es ist ein merkwürdiger Zufall. Über diesen Mann, den man seit Grass'
Wahlkampfbuch »Tagebuch einer Schnecke« als Figur daraus mit dem Namen
Manfred Augst kennt, hat seine Tochter Ute Scheub, so alt wie ich und
Mitbegründerin der »TAZ«, im Februar dieses Jahres ein Buch
veröffentlicht: »Das falsche Leben - Eine Vatersuche«. Die Szene
des Selbstmords steht darin begreiflicherweise im Mittelpunkt, und damit
auch die Anwesenheit des Schriftstellers Grass beim Tod eines ehemals
überzeugten Nazis, der an seiner wahrlich unbewältigten Vergangenheit
verzweifelte. Seine Tochter schreibt jetzt über ihren Vater: »Er ist -
buchstäblich - an seinem Schweigen erstickt.«
Von da bis jetzt sind es 37 Jahre, die Grass noch schwieg bis zum
Eingeständnis der Verirrung eines Halbwüchsigen. Man denke sich noch
einmal die Szene: "Ich provoziere jetzt und grüße meine Kameraden von der
SS." Grass, 42, intellektuelle Leitfigur der 68er Provos (...) muss sich,
(...) vom Selbstmörder gegrüßt fühlen!
Gegrüßt, betroffen auch, (...) aber, und zu Recht, nicht
gemeint!
Deshalb meine dringende Bitte nach Behutsamkeit. Ute Scheubs Vatersuche
vollzieht sich nicht behutsam. Ihr Vater, bei Kriegsende 32, war Täter
aus Überzeugung, vielleicht bewahrte ihn nur seine Kurzsichtigkeit davor,
ein Massenmörder zu werden. Grass und mein Vater waren Jungs, denen man
die Köpfe verdreht hatte, bevor sie auch nur die Chance gehabt hatten,
sich ein Rückgrat wachsen zu lassen. Sie wurden in einer vernagelten,
braunen Kiste groß. Wir, ihre Kinder, Kinder der Freiheit und des
Informationszeitalters und dennoch nicht vollkommen gefeit gegen den
Opportunismus, tun gut daran, ihnen nicht vorzuwerfen, dass sie im Sturm
umgefallen sind, solange noch nicht feststeht, ob wir auch nur dem Wind
standhalten können."
-
BALZER, Vladimir (2006): Das Ende moralischer Instanzen.
Schriftstellerin Juli Zeh
nennt Grass-Diskussion einen "sekundären Medienstreit",
in: DeutschlandRadio v. 15.08.
- Inhalt:
Für Juli ZEH, eine Angehörige der
Generation Golf, ist
Günter GRASS schon längst keine moralische Instanz mehr, die man nun
demontieren könnte. [mehr]
-
KASSEL, Dieter
(2006): "Für mich war er eine unglaubliche Nervensäge".
Autor Florian Illies über Günter Grass,
in: DeutschlandRadio v. 16.08.
- Inhalt:
Der neue "Heimatdichter" Florian ILLIES stimmt
Juli ZEHs Einschätzung bezüglich Günter GRASS zu. ILLIES meint gar,
dass Tanten und Onkels den großen Intellektuellen als moralische
Instanz ersetzen. [mehr]
-
BUDE, Heinz (2006): Die Überlegenheit des Schülersoldaten.
Warum uns Günter Grass zeigt, wo wir herkommen - und deshalb ein
würdiger Nobelpreisträger aus Deutschland ist,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.08.
- Inhalt:
Der Soziologe
Heinz BUDE, Klassensprecher der
Generation
Berlin, der bereits im Jahr 1987 der
Flakhelfer-Generation das Buch
"Deutsche Karrieren" gewidmet hat,
stellt die Einzigartigkeit der Generation Günter GRASS heraus,
gegenüber der die Erfahrungs- und Erlebnisdefizite der nachfolgenden
Generationen 68er ff. sichtbar werden:
"Welche
biografische Information hätten denn ein
Peter Schneider oder ein Wolf
Wondratscheck, ein Rainald Goetz
oder ein Matthias Politycki zu
bieten? Die einen könnten vielleicht über ihr Spiel mit dem
Terrorismus berichten, die anderen müssen schon auf Spezialitäten
ihrer sexuellen Vorlieben zurückgreifen. Aber wen interessiert das,
und was sagt das über uns und die Verfassung unserer Gesellschaft?
Es
gibt eine besondere Disposition bei den Angehörigen der
Flakhelfer-Generation, die ihnen bis auf den heutigen Tag einen
ungeheuren Deutungsvorteil vor den nachgeborenen Generationen
sichert. Er verdankt sich ihrer Erfahrung des Systemwechsels."
-
BAHNERS, Patrick (2006): Die Flucht nach vorne.
Aus dem Wahrheitsbegriff von Günter Grass spricht die Erfahrung der
Flakhelfer-Generation,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.08.
- Inhalt:
BAHNERS befragt u.a. die Studie
"Deutsche Karrieren" des
Soziologen Heinz BUDE, um dem Fall GRASS auf die Spur zu kommen.
-
ADAM, Konrad (2006): Erbarmungslose Moralisten.
Der Fall Grass hat Methode:
Die 68er unterschieden Täter und Opfer stets nach politischem
Standpunkt. Es ging um Macht über die geschlagenen Väter,
in: Welt v. 17.08.
- Anmerkung:
"Die
skeptische Generation der
Flakhelfer hatte der kritischen Generation Platz gemacht, und
damit änderten sich die Spielregeln",
schreibt Konrad ADAM. Der Satz zeigt das ganze Dilemma der
schwammigen Generationendebatte.
"Die
skeptische Generation" nannte der Soziologe Helmut SCHELSKY die
1945 - 1955 Geborenen, also die späteren 68er bzw. 78er. Die
skeptische wurde im Laufe der Nachkriegszeit zur kritischen
Generation. Die Gegensätze, die ADAM konstruiert, sind retrospektiv
Gewordene, die wenig mit der Vergangenheit, aber viel mit der
Gegenwart zu tun haben.
-
KISTER, Kurt (2006): Generation Ich.
Nach dem Grass-Geständnis streiten Alte, Junge und 68er,
in: Süddeutsche Zeitung v. 18.08.
- Inhalt:
Da die gebräuchlichen Generationen-Etiketten
nicht passen, macht KISTER sie kurzerhand für die Grass-Debatte
passend, was groteske Ergebnisse zeitigt:
"Nach den heftigen
Aufwallungen um die Person Grass und dessen individuelles Verhalten
ist die Debatte nun allerdings in die nächste Phase eingetreten -
den Konflikt der Generationen. Kriegsteilnehmer hierbei sind:
1) die Generation
Grass. Das sind die, die vor 1930 geboren wurden und als Flakhelfer,
Arbeitsmaiden, Ausgebombte oder Jungsoldaten das Ende des Krieges
erlebten;
2) die Generation
Fischer, Joschka. Sie wurden Mitte bis Ende der sechziger Jahre
volljährig, wenn auch nicht in jedem Fall vernünftig. Sie sind die
68er und standen entweder auf der Seite derer, die gegen das
Establishment rebellierten (Fischer) oder definierten sich im
Widerstreit zu diesen Rebellen (Stoiber);
3) die so genannten
Jungen. Als jung, zumindest im intellektuellen Sinne, betrachten
sich all jene, die es für ein politisches, im schlimmeren Fall gar
für ein künstlerisches Statement halten, wenn sie sagen: »Mir gehen
die 68er auf die Nerven.« So gesehen können auch Leute, die, wie zum
Beispiel Konrad Adam, ex-FAZ, jetzt Welt, 1942
geboren sind, genauso jung sein wie der 1971 geborene Florian
Illies, ex-FAZ, jetzt Weiß-nicht-so-genau."
Das
Fazit ist dann geradezu banal:
"Während die Alten,
die 68er und auch die alten Jungen heftig übereinander herfallen und
untereinander keifen, haben die Jungen keinen Bock darauf"
- MANGOLD, Ijoma (2006): Seht, wie meine
Augen tränen.
Günter Grass häutet seine Zwiebel, findet darin aber nur Metaphern:
Eine Rezension seines Erinnerungsbuchs,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.08.
- Inhalt:
Ijoma MANGOLD, ein
junger Junger (Kurt KISTER), hat
sich selten von einer Zwiebel so genervt gefühlt. Er findet Eitles
und Selbstbzogenes in dem "moralischen Drama".
[mehr]
-
CORSTEN, Volker (2006): "Es hätte Anlässe gegeben".
Der Schriftsteller Uwe Timm hat die Geschichte seines Bruders
aufgeschrieben. Karl Heinz Timm meldete sich freiwillig zur SS, starb
im Krieg - aber sein Schicksal lastete über Jahrzehnte wie ein
Schatten auf der Familie. Ein Gespräch über Scham, Verdrängung und den
Versuch, Günter Grass' Schweigen zu verstehen
in: Welt am Sonntag v. 20.08.
-
POSENER, Alan (2006): Als die Studenten mit Brecht den Aufstand
probten, trat ihnen der Plebejer entgegen.
In der Diskussion um den politischen Polemiker Günter Grass wird
der Schriftsteller oft den 68ern zugeschlagen. Zu Unrecht,
in: Welt am Sonntag v. 20.08.
- Neu:
SCHEUB, Ute (2006): Schuld & Scham.
Günter Grass und sein spätes
Geständnis: Warum die aktuelle Debatte das Wichtigste ausblendet,
in: Tagesspiegel v. 27.08.
- Ute SCHEUB nimmt nun
selber Stellung zum Fall GRASS. Burkhard SPINNEN hatte bereits
zu Beginn der Debatte um
GRASS auf die historische Verquickungen zwischen SCHEUB und
GRASS hingewiesen.
Kannten
sich GRASS und ihr Vater also bereits seit Kriegstagen und nicht erst
seit dem denkwürdigen Ereignis auf dem Stuttgarter Kirchentag im Jahr
1969? [mehr]
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Klappentext
"Der
Journalist, der hier in fremdem Auftrag schreibt, hat wenig
Lust, die alte, fast vergessene Geschichte von der
Schiffskatastrophe auszugraben, die sich 1945 in einer
eisigen Januarnacht in der Ostsee abspielte. Er hat die
Story, die unabweisbar Teil seiner Lebensgeschichte ist,
hundertmal aus dem Mund seiner Mutter gehört. Jetzt, fünfzig
Jahre später, beim Recherchieren im Internet, macht er die
erschreckende Entdeckung, daß sie eine ihn unmittelbar
betreffende Fortsetzung hat.
Angefangen hat
alles lange vor seiner Zeit, als am 4. Februar 1936 vier
gezielte Schüsse den in der Schweiz für die NSDAP werbenden
Wilhelm Gustloff töten. David Frankfurter, ein jüdischer
Medizinstudent, will mit seiner Tat zum Widerstand aufrufen.
Die Partei stilisiert den Ermordeten zum »Blutzeugen der
Bewegung«. Ein Jahr später wird in Hamburg ein Schiff auf
den Namen Wilhelm Gustloff getauft, ein weißes »Kraft durch
Freude«-Schiff, auf dem »Volksgenossen« Ferienreisen in die
norwegischen Fjorde machen. Im Zweiten Weltkrieg, zum
Lazarettschiff umgerüstet, später zum Kasernenschiff, liegt
die Gustloff in der Danziger Bucht, bis sie am 30. Januar
1945, mit Verwundeten, Marinehelferinnen und Tausenden von
Flüchtlingen überladen, von Gotenhafen ausläuft und in
derselben Nacht von dem sowjetischen U-Boot-Kommandanten
Alexander Marinesko versenkt wird.
Im Krebsgang, im beharrlichen Hin und Her zwischen Einst und
Jetzt zeichnet der Erzähler die historischen Ereignisse
nach, die mit unheimlicher Folgerichtigkeit zum größten
Schiffsunglück aller Zeiten führten und nun, verdreht,
verzerrt, einen irrsinnigen Mord auslösend, in der Gegenwart
und im Leben seines verstaubten Mythen anhängenden Sohnes
fortwirken."
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Rezensionen
- HAGE,
Volker (2002): "Das tausendmalige
Sterben".
In seiner neuen
Novelle "Im Krebsgang" erzählt
Günter Grass von der Tragödie der
Versenkung des Flüchtlingsschiffs
"Wilhelm Gustloff" 1945 - und
schildert packend einen von der deutschen
Literatur lange gemiedenen Stoff: die
blutige Geschichte der Flucht aus dem
Osten,
in: Spiegel
Nr.6 v. 04.02.
- Kommentar:
Der
Literaturnobelpreisträger
Günter GRASS - wie
Martin
WALSER
ein Angehöriger der
Flakhelfer-Generation -
übt angeblich Selbstkritik.
In
Wirklichkeit rechnet er mit der 68er-Generation
und der Generation
@
ab. Das Buch ist der letzte
verzweifelte Versuch, die
Deutungshoheit über
gesellschaftliche Themen
zurückzugewinnen.
Die
Protagonisten des Romans sind
Tulla Prokriefke, deren Sohn Paul
- ein 68er - das
Flüchtlingsschicksal der
Muttergeneration aufschreiben
soll, aber lieber sein eigenes
Leben lebt. Pauls vaterloser Sohn
wiederum - ein Angehöriger der Netzgeneration -
gerät in Neonazikreise. Am
Anfang steht also die
Verdrängung und am Ende die
Misere der vaterlosen
Gesellschaft (Alexander
MITSCHERLICH) mit der
dazugehörigen Erziehungskatastrophe
(Susanne GASCHKE).
Was an dieser Sicht neu sein
soll, das weiss nur das
GRASS-freundliche Feuilleton!
Ursula
MÄRZ hat deswegen GRASS bereits
vorsorglich in der Frankfurter
Rundschau vom 02.02.2002
("Abschied vom
Phantom")
gegen die Kritiker aus den
Nachfolgegenerationen in Schutz
genommen. Ihre Befürchtung, dass
dieser
"Anti-Grass-Verein" das
neue Werk ablehnen könnte, sind
nur zu berechtigt.
- HALTER,
Martin (2002): Rückwärts krebsen, um
voran zu kommen.
Günter Grass hebt
in seiner heute erscheinenden Novelle
"Im Krebsgang" ein Stück
versunkener deutscher Geschichte,
in: Saarbrücker
Zeitung v. 05.02.
- JÄHNER,
Harald (2002): Tulla, unerlöst und
heimatvertrieben.
Im
neuen Buch von Günter Grass kämpft
seine Heldin von einst um Gehör und
findet es bei Neonazis,
in: Berliner
Zeitung v. 05.02.
- KARASEK,
Hellmuth (2002): Der Taucher.
Günter Grass hat
sein bestes Buch seit langem geschrieben:
"Im Krebsgang" erinnert an den
Untergang der "Wilhelm
Gustloff" im Jahr 1945,
in: Tagesspiegel
v. 05.02.
- RAULFF,
Ulrich (2002): Untergang mit Maus und
Muse.
Günter Grass will
den Leidschatz der Vertreibung aus der
Ostsee heben: Heute erscheint seine
Novelle "Im Krebsgang",
in: Süddeutsche
Zeitung v. 05.02.
- SCHNEIDER,
Rolf (2002): Der beste Grass seit Jahren.
Die Novelle "Im
Krebsgang": Eine notwendige
Erinnerung an das Schicksal der
Vertriebenen,
in: Welt
v. 05.02.
- FRANZEN,
Günter (2002): Der alte Mann und sein
Meer.
Günter Grass
verarbeitet ein Kapitel deutscher
Vertreibung: den Untergang der
"Wilhelm Gustloff",
in: Die
ZEIT Nr.7 v. 07.02.
- AREND,
Ingo (2002): Kraft durch Wahrheit.
Das Böse, das Raus
muss,
in: Freitag
Nr.7 v. 08.02.
- BUCHELI,
Roman (2002): Die verspätete Erinnerung.
Günter Grass'
Novelle "Im Krebsgang",
in: Neue
Zürcher Zeitung v.
09.02.
- FRANZEN,
Günter (2002): Der alte Mann und sein
Meer.
Das Ende der
intellektuellen Einfalt: Günter Grass
und die Vertriebenen,
in: Welt
v. 09.02.
- Kommentar:
Der FAZ ist
erst zur Donnerstagausgabe vom
14.02. aufgefallen, dass FRANZEN
seine Rezension in zwei
überregionalen Zeitungen
platzieren konnte und fand das
sogar einen Kommentar wert.
- MELLER,
Marius (2002): "Das musste
aufschraibn, biste ons schuldig".
Über die
Aktualität moralischer Literatur,
Günter Grass und seine neue Novelle
"Im Krebsgang",
in: Frankfurter
Rundschau v. 09.02.
- SPIEGEL,
Hubert (2002): Das mußte aufschraiben!
Die verspätete
Erinnerung: Günter Grass beschreibt in
seiner Novelle "Im Krebsgang"
den Untergang der "Wilhelm
Gustloff" und das Leid deutscher
Kriegsflüchtlinge,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung
v. 09.02.
- KNIPPHALS,
Dirk (2002): Schiffskatastrophen und
andere Untergänge.
Ziemlich
viel von dem, was Sie immer schon von der
Versenkung der "Wilhelm
Gustloff" wissen wollten:
märchenhafte Verkaufszahlen, Jubel und
Trubel rund um den neuen Günter Grass.
Literarische Einwände scheinen bei der
Novelle "Im Krebsgang" nicht zu
zählen - dabei sind sie gewichtig,
in: TAZ
v. 20.02.
-
SUNDERMEIER,
Jörg (2002): Es hört nicht auf.
Großes Leid,
deutsches Leid. Ein Passionsweg in zehn
Stationen durch Günter Grass' neues Buch
"Im Krebsgang",
in: Jungle
World Nr.9 v.
20.02.
- Kommentar:
Jörg SUNDERMEIER
kritisiert u.a. GRASS'
medienkritische
Atomisierungsthese:
"Eine tragende Rolle im
»Krebsgang« spielt das
Internet, es ist das
Kommunikationsmittel der ganz
Jungen.
Die Generation der Großeltern,
verkörpert in der Mutter des
Ich-Erzählers, pflegt vor allem
den persönlichen Kontakt. Sie
redet - für Grass immer ein
Zeichen von Zuhause - gern im
Dialekt. Der Erzähler ist
Journalist. Er und Seinesgleichen
verständigen sich mittels
Büchern und Zeitungen, direkter
Kontakt liegt ihnen fern. Die
Vertreter dieser Generation sind
geschieden, sie arbeiten zu lange
und sie wissen wenig voneinander.
Ihre Kinder schließlich haben
kaum noch persönlichen Kontakt.
Der kleine Pokriefke, seine
Freundin, der vermeintliche
»Judenjunge« - sie alle sind
Einzelgänger, trinken nicht,
haben nicht einmal Sex. Sie sind
Gefangene ihrer Bildschirme. Das
Internet ist ihnen ein
Kommunikations- und Liebesersatz.
Im Internet findet der Nazi wie
sein Gegenspieler den einzigen
Freund."
Die medienkritische
Atomisierungsthese hatte bereits
in den 50er Jahren
Hochkonjunktur. Damals wurde der
Fernseher für den Zerfall der
Familie verantwortlich gemacht
und heutzutage ist es das
Internet.
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Das Buch
in der Debatte
- MÄRZ, Ursula
(2002): Abschied vom Phantom.
Vor der Novelle:
Grass und der Anti-Grass-Verein,
in: Frankfurter
Rundschau v. 02.02.
- SACK,
Adriano (2002): "Nie hört das
auf".
Günter Grass
jagt Täter und Opfer durchs Internet,
in: Welt
am Sonntag v.
03.02.
- WEIDERMANN,
Volker (2002): Aus dem Tagebuch eines
Schreckens.
"Daß ich über
die deutsche Vertreibung geschwiegen
habe, das ist meine große Schuld":
Günter Grass blickt in seiner neuen
Novelle zurück,
in: Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung
v. 03.02.
- SPIEGEL-Coverstory
"Die deutsche Titanic".
Der neue Grass:
Die verdrängte Tragödie des
Flüchtlingschiffes "Wilhlem
Gustloff",
in: Spiegel
Nr.6 v. 04.02.
-
AUGSTEIN,
Rudolf (2002): Rückwärts
krebsen, um voranzukommen,
in: Spiegel
Nr.6 v. 04.02.
- Kommentar:
Der
Literaturnobelpreisträger Günter
GRASS -
wie
Martin
WALSER
ein Angehöriger der
Flakhelfer-Generation -
übt angeblich Selbstkritik.
In
Wirklichkeit rechnet er mit der
68er-Generation
und der
Generation
@
ab. Das Buch ist der letzte
verzweifelte Versuch, die
Deutungshoheit über
gesellschaftliche Themen
zurück zu gewinnen.
Die
Protagonisten des Romans sind
Tulla Prokriefke, deren Sohn Paul
- ein 68er - das
Flüchtlingsschicksal der
Muttergeneration aufschreiben
soll, aber lieber sein eigenes
Leben lebt. Pauls vaterloser Sohn
wiederum - ein Angehöriger der
Netzgeneration -
gerät in Neonazikreise. Am
Anfang steht also die
Verdrängung und am Ende die
Misere der vaterlosen
Gesellschaft (Alexander
MITSCHERLICH) mit der
dazugehörigen
Erziehungskatastrophe
(Susanne GASCHKE).
Was an dieser Sicht neu sein
soll, das weis nur das
GRASS-freundliche Feuilleton!
Ursula
MÄRZ hat deswegen GRASS bereits
vorsorglich in der Frankfurter
Rundschau vom 02.02.2002
("Abschied vom
Phantom") gegen die Kritiker
aus den Nachfolgegenerationen in
Schutz genommen. Ihre
Befürchtung, dass dieser
"Anti-Grass-Verein" das
neue Werk ablehnen könnte, sind
nur zu berechtigt.
- SEIDL,
Claudius (2002): Die Härte der späten
Geburt.
Widerspruch zu
Günter Grass: Die Kinder und Enkel der
Vertriebenen sind ganz anders,
in: Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung
v. 10.02.
- Inhalt:
Claudius
SEIDEL, ein Angehöriger der "Single-Generation",
verteidigt die
nicht-organisierten
Vertriebenenkinder gegen GRASS:
"als Vertriebenenkind
möchte man ihm nur noch zurufen:
Nein, alter Mann, das ist nicht
wahr! Man soll nicht auf die
Enkel projizieren, womit man
selber nicht fertig wird."
- BARTETZKO,
Dieter (2002): Nacht fiel auch über die
Debatte.
Vor vierzig Jahren
wurde das Thema Vertreibung zum ersten
Mal populär - und wieder vergessen,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung
v. 14.02.
- Inhalt:
Dieter
BARTETZKO
stimmt mit GRASS' Tabu-These
überein und klagt die
68er-Generation
an:
"Zum
ersten Mal nach dem alle
Erinnerung verwischenden
Wirtschaftswunder und dem Tabu,
mit dem Schuldkomplexe die Greuel
der Vertreibung und des
gnadenlosen Endkampfs belegt
hatten, schaute die Republik
zurück. (...). Weil man die
ganze Wahrheit wollte, wurde 1959
Günter Grass' »Blechtrommel«
sofort zum populären Roman:
(...) Gelesen wurde Realismus,
Danziger Wahrheit, und so wuchs
dem allgemeinen Bewußtsein eine
Stadt wieder auf, die ihm eben
noch ein von den Deutschen
verspieltes Vineta gewesen war.
Zu mehr (...) war die Majorität
aber nicht in der Lage. Als 1961
mit dem Prozeß gegen Eichmann
und 1963 in Frankfurt am Main mit
dem Auschwitz-Prozeß das Leben
statt der Kunst täglich mit den
Naziverbrechen konfrontierte,
wurde aus der Mehrheit wieder die
sprichwörtlich schweigende. Die
»Schwabinger Krawalle« von
1962, Vorbeben der Jugendrevolte,
verhärteten Seelen und Gehirne.
Die Jungen der Elterngeneration
stopften jene ersten zagen Worte
der Reue wieder in den Mund
zurück. Für die
wahrheitsfanatischen Rebellen
gehörte es, wie Antje Vollmer
kürzlich sagte, zum guten Ton,
keinen Ton über die deutschen
Opfer der letzten Kriegsmonate zu
verlieren."
- SCHMIDT,
Thomas E. (2002): Ostpreußischer
Totentanz.
In seinem neuen Buch
erzählt Günter Grass vom Untergang der
"Wilhelm Gustloff" im Januar
1945 - Tausende Flüchtlinge ertranken.
Wem dient heute die Erinnerung an das
Kriegsleid der deutschen
Zivilbevölkerung? Grass führt ein
Lehrstück zur Politik der Geschichte
auf,
in: Die
ZEIT Nr.8 v. 14.02.
- Inhalt:
Thomas E.
SCHMIDT, ein Angehöriger der "Single-Generation",
sieht in GRASS'
Selbstbezichtigung und Anklage,
die
68er-Generation
hätte vor der Geschichte
versagt, eine
Selbstüberschätzung des
Linksintellektuellen:
"Wie
mächtig muss er sich gefühlt
haben, wenn er meint, das rechte
Denken verhindert haben zu
können, wie mächtig fühlt er
sich noch immer, wenn er hofft,
durch Umerzählen potenzieller
rechter Mythen das öffentliche
Klima noch einmal
abzukühlen."
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