Klappentext
"Hans Frick »einer von vielen, einer von
1,5 Millionen Trinkern«, notiert 181 Tage lang, von Mai bis
November 1970, wie es sich ohne Alkohol lebt. Plötzlich,
nach einem der unvermeidlichen Zusammenbrüche, verbietet er
sich den nächsten Schluck und bleibt nüchtern. Die Folgen
sind anfangs entsetzlich, sein »Zustand ist schlimmer, als
es die Nachwirkungen widerlichster Saufereien sind«. Der
Organismus, an Alkohol gewöhnt, wehrt sich gegen die
Entziehung mit Anfällen von Panik, Angstträumen,
Halluzinationen, Schmerzen von Kopf bis Fuß; das Bedürfnis,
zu trinken, ist wie Gift im Blut. Nur langsam begreift der
Autor, daß er krank ist und im Begriff war, alle sozialen
Beziehungen zu zerstören. Die Frage, warum trinkst du,
wartet auf Antwort. Auch in diesem Fall ist sie in der
Vergangenheit versteckt: »Ich habe getrunken, weil ich
meiner Angst entfliehen wollte und weil diese Fluchtversuche
im Zustand beginnender Trunkenheit manchmal möglich
schienen.« Die Angst: das ist hier der Vater, der gelbe
Stern, die Kindheit im Krieg, der erbärmliche Tod der
Mutter; das ist Henri, zehn Jahre alt, der 1968 von einem
Auto zu Tode gefahren wurde. Fricks Tagebuch einer
Entziehung ist mehr als ein Stück Autobiographie. Die
Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, mit einem
ungewöhnlichen Lebenslauf wird mit Härte und Erbitterung
geführt, wie sie kaum je ein Tagebuchschreiber gegen sich
selbst aufgebracht hat. Obwohl Frick über Frick schreibt,
hält er sich die Person, die er beobachtet und prüft, vom
Leib, als fürchte er eine Nähe, die blind macht; die
Besessenheit, mit der er sich ausfragt, schließt jedes
Selbstmitleid aus. gerade weil er seinen Lebenslauf als Teil
einer Leidensgeschichte begreift, die nicht allein seine
Geschichte ist, sind seine Aufzeichnungen beispielhaft."
Zitate
"Dachte an Karins Vorwürfe, ich lebte nur
noch in der Vergangenheit. Ich ahnte, daß ich eines Tages
zustimmen, die Berechtigung des Vorwurfs anerkennen würde.
Wer schon kann sich vorstellen, daß allein das Weiterleben
des Jungen mich fähiger gemacht hätte, zu leben. Ich wäre
übertragbar gewesen. Die Fragwürdigkeit eines solchen
Egoismus liegt auf der Hand."
"Gespräch mit einem alten Mann, der auf seinen
Tod wartet. Er haust seit zwanzig Jahren, seit dem Tod
seiner Frau, allein in einer Mansarde. Er sagte: Ich will
sterben, ich weiß schon lange nicht mehr, warum ich lebe.
Ich esse, trinke und schlafe wie ein Tier. Ich liege fast
nur noch im Bett. Ich brache eine halbe Stunde, um die
Treppen hochzusteigen. Ich habe nur den einen Wunsch, daß
unser Herrgott mich bald holt."