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Heinz Bude: Der Namensgeber

 
       
     
       
     
       
   

Heinz Bude in seiner eigenen Schreibe

 
   

BUDE, Heinz (1994): So groß sind wir gar nicht.
Zwischen Nation und Gesellschaft: Wie die Bundesrepublik neu erfunden werden müßte,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.01.

BUDE, Heinz (1998): Die ironische Nation.
Am Ende einer deutschen Epoche der Selbstbezüglichkeit,
in: Frankfurter Rundschau v. 18.04.

BUDE, Heinz (1998): Generation Berlin.
In Vorbereitung auf die neue Republik,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.06.

BUDE, Heinz (1999): Was ist die Generation Berlin?
Gesucht wird eine Haltung jenseits von Formschwäche und Identitätswahn,
in: Die Berliner Republik
, Nr.1

BUDE, Heinz (2000): Generationen im 20. Jahrhundert.
Historische Einschnitte, ideologische Kehrtwendungen, innere Widersprüche,
in: Merkur, Heft 7, Juli

BUDE, Heinz (2000): Die biographische Relevanz der Generation,
in: Martin Kohli & Marc Szydlik (Hg.) Generationen in Familie und Gesellschaft, Opladen: Leske + Budrich, S.19-35

BUDE, Heinz (2001): Stadt der Füchse.
Berlin wird kein Zentrum, sondern Perspektive der "dritten Republik" sein.
Gekürzter Vorabdruck aus dem Ende dieser Woche im Berliner Merve Verlag erscheinenden Band: Heinz Bude, Generation Berlin,
in: Frankfurter Rundschau v. 21.03.

BUDE, Heinz (2001): Es regiert die Lust am Moment.
Was aber wäre, wenn der Kanzler Edmund Stoiber hieße? Ein Gedankenexperiment mit zwei Lebensläufen,
in: Tagesspiegel
v. 09.06.

BUDE, Heinz (2001): Das Ende der Gesellschaft.
Intellektuelle in der Ära des "Lebens",
in: Neue Zürcher Zeitung v. 15.12.

BUDE kritisiert hier eine spezielle Ausrichtung der Soziologie, die jedoch gerade für Singles mit Vorteilen verbunden ist. [ mehr zum Thema ]

BUDE, Heinz (2002): Die normative Kraft des Physischen.
Die Soziologie hat ausgedient. Sie taugt nicht mehr zur Erklärung des Gen- und Computerzeitalters. Fragen nach dem Anfang des Lebens und der Herkunft des Geistes können nur die Biowissenschaften beantworten,
in: Tagesspiegel v. 05.01.

Der Tagesspiegel hat den Text von der NZZ vom 15.12.2001 übernommen.

BUDE, Heinz (2002): An der roten Ampel.
Ausblick auf den Herbst: Die SPD nach Schröder,
in: Süddeutsche Zeitung v. 26.04.

BUDE, Heinz (2002): Land ohne Versprechen.
Versinken wir im Dämmerschlaf der Restauration?
in: Süddeutsche Zeitung v. 02.11.

BUDE, Heinz (2002): Ihr Helden und wir Leute.
Augstein und Unseld sind tot. Die Generation der heute 40-Jährigen trauert um sie - und auch ein wenig um sich selbst. Denn die Jungen bringen keine unverwechselbaren Biografien mehr hervor,
in: Tagesspiegel v. 20.11.

Neue Weinerlichkeit und Heroisierung kennzeichnen den Nachruf des Generation-Berlin-Frontkämpfers auf den Deutschen Herbst 2002. Der Selbstunternehmer Heinz BUDE bringt sich gegen die 68er-Generation in Stellung, indem er die Kriegsteilnehmer in gute Soldaten wie Helmut SCHMIDT, Rudolf AUGSTEIN, Siegfried UNSELD sowie Reinhard MOHN ( = Annahme der innerstaatlichen Kriegserklärung) und böse Flakhelfer wie Hans Magnus ENZENSBERGER, Hans-Dietrich GENSCHER, Niklas LUHMANN und Peter BÖNISCH ( = BRD als historisches Abbruchunternehmen) auseinanderdividiert. Dies gipfelt im Fluch der Schicksalslosigkeit, die er seiner Generation verordnet:

"Von niemandem von uns wird man sagen können: »Er war unser Held«. Wir haben unsere Positionen, pflegen unsere Aversionen und probieren unsere Sachen. Aber schon wird über uns gesagt, dass wir zwar smart, energisch und selbstkritisch sein könnten, aber dass man jeden einzelnen von uns auch wegdenken kann. Das ist die Grund der Trauer, die uns heute befällt: Was Augstein, Unseld und die anderen uns voraushaben, ist ein Schicksal, das man nicht beiseite schieben kann."

Sein Generationsgenosse Gustav SEIBT hat dagegen das Schicksal seiner Generation entdeckt, das der nun vaterlose BUDE nirgends erblicken kann.

BUDE, Heinz (2003): Koloss auf tönernen Füßen.
Der Sozialstaat lebt von der Solidaritätsbereitschaft der Mittelklassen. Wo sie verloren geht, schwindet die Legitimation. Doch noch ist keine Gruppierung in Sicht, die sozialmoralische Verpflichtungen in Deutschland neu begründen könnte,
in: Berliner Republik, H.5, S.23-26

BUDE, Heinz (2004): Die Lotsen gehen von Bord.
Berger, McKinsey und das Ende der Beratung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.02.

Heinz BUDE, ein Vordenker der "neuen Soziologie" zieht im allerletzten Moment die Notbremse, denn nicht nur das Ende der Beratung droht, sondern auch das Ende der "neuen Soziologie" wie BUDE sie versprach:

"was die globale Beratungsindustrie versprach, war nicht einfach nur Festigung einer sozialen Herrschaft oder Optimierung eines wirtschaftlichen Betriebs, sondern das Heil einer neuen Epoche von Wirtschaft und Gesellschaft. Die Berater gehören zum Geist der »roaring nineties« (Joseph Stieglitz), wo der Kapitalismus nach dem Epochenbruch von 1989 noch einmal seine ganze Kraft und seinen ganzen Glanz zu entfalten schien. Es ging nicht um den längst überfälligen Sieg über den Sozialismus, sondern um den Sieg über den Kapitalismus selbst. Man feierte die »schöpferische Zerstörung« (Joseph Schumpeter) der Wirtschaftsform, die in der Lage ist, sich immer wieder aus sich selbst zu erneuern.
Man wollte die Welt der zweiten industriellen Revolution hinter sich lassen, um in eine Epoche neuer Selbststeigerung auf der Basis neuer Produktivkräfte und veränderter gesellschaftlicher Verhältnisse einzusteigen. Dafür stand in Deutschland Roland Berger wie kein anderer. Im medialen Kontaktfeld mit Gerhard Schröder entwickelte er sich zum Leitbildverstärker eines neuen Deutschlands, das sich der Globalisierung nicht entgegenstellt, sondern mit ihr, in ihr und durch sie seine unentdeckten Potentiale entfaltet. Das Beratungsgeschäft diente der Weltveränderung.
Damit stand der deutsche Berater natürlich nicht allein. Im Gegenteil: Mit McKinsey und all den anderen bildete er die Vorhut einer weltweiten Beratungseuphorie in gesellschaftsrevolutionärer Absicht. Zu diesem Umfeld muss man auch die verschiedenen Versuche einer neuen Ökonomie, einer neuen Soziologie und einer neuen Philosophie rechnen. Es ging jedesmal um dasselbe: um die Vorstellung, dass wir in eine Welt neuen Wachstums, anderer Lebensformen und gewandelter Selbstverständnisse eintreten. Insofern saßen die Theoretiker der Globalisierung und die Berater der neuen Ökonomie in einem Boot. (...). Positive wie negative Versionen der Globalisierung waren sich aber darin einig, dass jetzt alles anders werden würde.
"

Der neueste Paradigmenwechsel hat einen Namen:

"Auf dieser Woge eines beratungsgeleiteten sozialen Wandels fühlten sich viele junge Unternehmer als Avantgardisten einer neuen Zeit, denen sich die traditionellen Zukunftsöffner wie Kunst und Wissenschaft geschlagen geben mussten. Vor diesem Hintergrund konnte sich der Berater als Geschichtsphilosoph einer gesellschaftlichen Modernisierung in Szene setzen.
Die Geschichte vom Aufstieg und Niedergang dieser großen Erzählung der neuen Zeit hat einen Namen: Das ist die Weltfirma Enron, wo sich ein lose gekoppeltes System unternehmerischer Stars mit einem Mal als mafiöse Organisation persönlicher Vorteilsgewinnung entpuppt. Plötzlich sah der neue Kapitalismus noch viel schlimmer aus als der alte.
"

Die Konsequenzen lässt BUDE jedoch offen, allein die Ernüchterung ist zu spüren:

"Die Enttäuschung darüber, dass sich die Welt nicht geändert hat, bringt einen zu der Welt zurück, wie sie immer schon war."

BUDE, Heinz (2004): Falsches Reformgerede.
Worin Köhler und Westerwelle sich irren,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.06.

Der Soziologe Heinz BUDE versucht sein Projekt  der Generation Berlin, das einen irreparablen Bruch zwischen der Bonner und der Berliner Republik herbeisehnt, gegen die restaurativen Reformversionen von Guido WESTERWELLE und Horst KÖHLER zu behaupten. BUDE wirft KÖHLER einen Globalisierungsimperativ vor, der die schöne neue Welt der Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft beschwört, aber einzig dem Niedriglohnsektor das Wort redet. BUDE setzt dem misanthropen, neoliberalen Untergangsdiskurs das Vorbild Deutschland (Detlef GÜRTLER) entgegen. Er betont die Stärken des industriellen Kerns (Werkzeugmaschinenbau und Automobilindustrie) und fordert eine

 "Ermöglichung einer starken Dienstleistungsökonomie jenseits von Backshops und Mediamärkten".

Der demografische Wandel und der High-Tech-Kapitalismus soll das gegenwärtige Arbeitsmarktproblem der hochqualifizierten Überflüssigen lösen:

"Nur da sind die Arbeitsplätze zu schaffen für jene, die, nachdem die Arbeitsmärkte aufgrund des Bevölkerungsschwunds leergefegt sein werden, keine Position in den Wachstumsbereichen unserer Wirtschaft finden können."

Man muss hier wohl von einer Agenda 2050 sprechen, denn die Hoffnung auf eine Entlastung der Arbeitsmärkte ist seit den 70er Jahren der beständigste Mythos unserer Arbeitsgesellschaft. Der Bevölkerungsschwund wird sich jedoch als Schimäre erweisen. Ein neuer Generationenkompromiss, der auf eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit hinausläuft, soll die zukünftige Hochproduktivität gewährleisten, denn die nächste Revolution soll wieder einmal in den Betrieben stattfinden,

"wo es zwischen Alten und Jungen zu einer Neubestimmung des Verhältnisses zwischen gewachsener Berufserfahrung und neuem Verwendungswissen kommt."

Die Abrechnung mit WESTERWELLE ist eigentlich eine Abrechnung mit dem Aufbauimperativ der Bonner Republik, dem gemäß BUDE in der Berliner Republik die motivationale Grundlage abhanden gekommen ist. Dazu bemüht BUDE sein Generationenmodell. Er unterscheidet zwischen den Desillusionierten der 50er Jahre mit ihrer postheroischen Flakhelfer-Lebensweise und den düpierten Muttersöhnchen der 90er Jahre, die in Zeiten der New Economy, den Mund ein wenig zu voll genommen haben und nun in der "Ideologie- und Utopielosigkeit" zu versinken drohen. BUDE erkennt einen Orientierungsbedarf, den die Reformideen von KÖHLER und WESTERWELLE nicht decken können. Die Folge ist politische und soziale Apathie. Ob BUDE mit seinen utopischen Vorschlägen einer Gesellschaft der Lebensunternehmer jedoch das Erfolgserlebnis verschaffen kann, das sich die neuen Desillusionierten ersehen, das bleibt fraglich. Eines ist jedoch sicher: Eine enttäuschte Generation Golf im Wartestand wartet mittlerweile sehnsüchtig auf den Führer...

BUDE, Heinz (2004): Schwarze Löcher.
Zum Thema des Soziologentags: Ungleichheit,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.10.

BUDE hält eine verspätete Grabrede auf Ulrich BECKs Individualisierungsthese:

"Die Formel von heute kann man bei Max Weber finden: Während stabile und sichere Zeiten die ständische Gliederung verdecken, schieben Zeiten von Wechsel und Wandel die nackte Klassenlage in den Vordergrund. Wenn der Wohlstand gesichert ist und der Fahrstuhl sich für alle nach oben bewegt, dreht sich das gesellschaftliche Spiel um die »feinen Unterschiede« des Lebensstils. Wird aber der Wohlstand prekär (...), dann besinnen sich die Leute auf die basalen Instinkte der sozialen Abgrenzung."

An Pisa und Hartz IV demonstriert Heinz BUDE die veränderte Situation. Als neue Mitte definiert BUDE "die Gewinner der Bildungsreformen der sechziger und siebziger Jahre", die Statuspolitik als Sozialpolitik versteht und sich deshalb vom sozialstaatlichen Versprechen enttäuscht und vom Steuerstaat übervorteilt sieht. Den Schlüssel für eine Chancenpolitik sieht BUDE - im Einklang mit der neuen Mitte - in einer allgemeinen und hochwertigen Kinderbetreuung im Vorschulalter. Problematisch ist jedoch, dass in den alten Bundesländern eine familialistische Tradition und im Osten eine etatistische Tradition besteht. Nichtsdestotrotz gilt für BUDE:

"Am Ende geht es um das Verständnis der Familie als »Keimzelle« für die moralische Konstruktion unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit."

Mit HARTZ IV verbindet BUDE einen Paradigmenwechsel, nichts weniger als eine Abkehr vom Pluralismus der Bonner Republik:

"Nicht mehr der individuell erworbene Status, sondern die allgemeine Bedürftigkeit soll jetzt der Maßstab für den legitimen Anteil des einzelnen am Sozialeigentum aller sein. Damit steht plötzlich eine ganze plurale Welt (...) zur Disposition. Das Risiko des durchschnittlichen Abweichlers ist enorm gewachsen, weil er sich im Zweifelsfall in die Hände eines »Fallmanagers« begeben muss, der nach nirgendwo existierenden Normalitätsunterstellungen darüber befindet, ob man legitimer Bittsteller, ein unbesorgter Schmarotzer oder ein bedauernswerter Verlierer ist. Das könnte das wirkliche Ende der »nivellierten Mittelstandsgesellschaft« sein".

BUDE plädiert für eine neue Soziologie der Ungleichheit, die sich dem prekären Wohlstand und der biografischen Verwundbarkeit widmet.Eine solche Soziologie der neuen Mitte hat  Berthold VOGEL vor kurzem in BUDEs  Hauszeitschrift Mittelweg 36 vorgestellt. Für BUDE vollzieht sich gegenwärtig ein  Wandel von einer "Kultur der Wahl" wie sie von Ulrich BECK popularisiert wurde, zu einer "Kultur des Zufalls".

BUDE, Heinz (2005): Glück in der Politik.
Im Leben vieler Jugendlicher ist das Politische so wichtig wie lange nicht mehr – und spielt sich fast nur noch jenseits der Parteien ab,
in: Die ZEIT Nr.2 v. 05.01.

Heinz BUDE hofft - im Interesse seiner bislang farblos gebliebenen Generation Berlin - auf die Wiederkehr des Politischen, die er für die ZEIT schon einmal bei den stilbildenden Gruppen in Deutschland erblickt hat. "Gutgebildete, aber noch nicht Gutsituierte" sind seine Hoffnungsträger:

"Gemeinsam ist ihnen die Abkehr von der wattierten Empfindsamkeit der Generation Golf".

Drei Motive des politischen Engagements unterscheidet BUDE in seinem Beitrag: Zum einen die Politik der ersten Person, die durch die Spontis und die Alternativbewegung gesellschaftsfähig gemacht wurde und jetzt in der Tradition von ATTAC weiterlebt. Politik als Erlebnis motiviert den Spaßpolitiker dieses Typs. Den Karrierepolitiker neuen Typs hat BUDE bei den Nicht-Regierungsorganisationen entdeckt:

"Wer in den NGOs aktiv werden will, sollte in Oxford Außenpolitik, in Mannheim Finanzpolitik, in Paris Technikpolitik und in Florenz Rechtspolitik studieren."

BUDE setzt bei seiner neuen Ernsthaftigkeit aber weder auf den Spaßpolitiker, noch auf den Karrieristen, sondern auf die politische Werteelite. Im Zeichen eines Kampfes um gesellschaftliche Werte erhofft sich BUDE eine Repolitisierung. Mit dem amerikanischen Ironiker Richard RORTY, dem universalistischen Pathetiker HABERMAS und dem Kommunitaristen Michael WALZER nennt BUDE drei Protagonisten dieser Wertepolitik.

BUDE, Heinz (2005): Der Condottiere.
Endlich passiert etwas: Mit seinem Neuwahlen-Coup erweist sich Gerhard Schröder als Schüler Machiavellis - und als politischer Virtuose,
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.05.

Der Soziologe Heinz BUDE beschreibt, was bei ihm und seinesgleichen der Schröder-Coup ausgelöst hat:

"Der machiavellistische Moment bezeichnet den Spielraum des Möglichen in einer von Phantasmen des Niedergangs und der Zwangsläufigkeit geprägten Zeit. Das Land hat plötzlich die Wahl und allein schon dadurch wird Energie entbunden und Bewegung ermöglicht."

Nimmt man BUDEs Pessimismus aus seinem Buch Generation Berlin, dann scheint sich hier ein Stimmungshoch anzudeuten, aber was resultiert daraus? Neubeginn? Nein! BUDE fordert mehr Neokonservatismus à la Generation Berlin für die Zukunft:

"Abkehr von der Politik eines geistig-moralischen Projekts. Da ist nichts mehr zu verteidigen gegen einen drohenden konservativen Roll-back in Begriffen von Nation, Familie und Glaube.
      
  Das kulturelle und moralischen Kapital einer Kulturrevolution der sechziger und siebziger Jahre, das bei den großen gesellschaftlichen Fragen von Ehe und Familie, von Bildung und Erziehung und von Krieg und Frieden in der Vergangenheit der jetzigen Koalition erfolgreich eingesetzt worden ist, hat sich verbraucht."

BUDE, Heinz (2005): Träume der Gefühlslinken.
Die SPD hat sich selbst nicht begriffen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 22.09.

Für Heinz BUDE führt an einem autoritären Staat, der mit Sanktionen einen Niedriglohnsektor für die Nicht-Eliten durchsetzt, kein Weg vorbei. Die Reduktion der Wählerschaft bis zum Machtverlust der Mitte lässt sich verhindern. BUDE verweist hier auf die Erfolge in Großbritannien und Schweden. Das Marketing - eine neu sozialdemokratische Erzählung - ist hierbei ausschlaggebend. Der Gefühlslinken von Andrea NAHLES bis zu GYSI/LAFONTAINE erteilt BUDE damit eine klare Absage.

BUDE, Heinz (2005): Keine Ausreden mehr.
Eine große Koalition zwänge zu klaren Positionen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 25.09.

BUDE, Heinz (2005): Die Gefahr ist unsere Rettung.
Den müden, larmoyanten Gesellschaften des Westens stehen harte Zeiten bevor. Noch haben sie die Wirklichkeit nicht richtig ins Auge gefasst, da zeigt Meinhard Miegel, wie sie aus ihrer Schwäche eine Stärke machen können. In seiner Diagnose unserer "Epochenwende" entpuppt sich der harte Realist des sozialen Wettbewerbs als Moralist einer menschlichen Gesellschaft,
in: Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung v. 18.10.

BUDE, Heinz (2005): Fuchs in der Falle.
Schröder muss den Willy Brandt machen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 02.11.

Der Soziologe Heinz BUDE sieht uns im

"Übergang von einer leer gewordenen Rede von Reformen und Modernisierung zu einem glaubhaften Denken über die europäische Moderne."

Dazu bedarf es für BUDE eines Gerhard SCHRÖDER als neuem Parteivorsitzenden und eines Friedrich MERZ im Kabinett MERKEL.

BUDE, Heinz (2006): Die Überlegenheit des Schülersoldaten.
Warum uns Günter Grass zeigt, wo wir herkommen - und deshalb ein würdiger Nobelpreisträger aus Deutschland ist,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.08.

Der Soziologe Heinz BUDE, Klassensprecher der Generation Berlin, der bereits im Jahr 1987 der Flakhelfer-Generation das Buch "Deutsche Karrieren" gewidmet hat, stellt die Einzigartigkeit der Generation Günter GRASS heraus, gegenüber der die Erfahrungs- und Erlebnisdefizite der nachfolgenden Generationen 68er ff. sichtbar werden. [mehr]

BUDE, Heinz (2006): Politik des Bauchs.
Wie das Biologische das Soziale unterwandert. Zum deutschen Soziologenkongress in Kassel,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.10.

Im Jahr 2004 hatte der Deutsche Soziologentag die Soziale Ungleichheit zum Thema. Obwohl damals die neue Klassengesellschaft in aller Munde war, blieb die Soziologie im Abseits. Ulrich BECK beklagte seitdem des Öfteren die fehlende gesellschaftliche Relevanz. Der Soziologe Heinz BUDE, einer der Mitveranstalter des am Montag beginnenden 33. Deutschen Soziologentags zum Thema Die Natur der Gesellschaft, möchte nun alles besser machen. BUDE konstatiert, dass die Soziologie bei der Erklärung sozialer Phänomene an Attraktivität eingebüßt hat, weil heute niemand mehr glaubt, dass die

"Probleme, die heute die Art und Weise unseres Zusammenlebens herausfordern, durch gesellschaftliche Maßnahmen gelöst werden können".

Die Lebenswissenschaften, zu denen er die Hirnphysiologie, die Entwicklungsbiologie und die Demographie zählt, haben der Soziologie den Rang abgelaufen. Als Beispiel nennt Heinz BUDE den so genannten "youth bulge", der in Deutschland zuerst von Gunnar HEINSOHN und in letzter Zeit von Frank SCHIRRMACHER und Peter SLOTERDIJK popularisiert wurde:

"Das hat natürlich mit sozialstrukturellen Platzierungsmechanismen und sozialökonomischen Chancenverteilungen zu tun, aber der Grund des Auftretens dieser neuen als gefährlich angesehenen Gruppe ist zunächst demographischer Natur. Sie erscheinen als viele, die stören."

Damit erkennt BUDE die Demographie als neue Leitwissenschaft an und weist der Soziologie die Nebenrolle zu. Als weiteres Beispiel führt BUDE das Problem der Zunahme von Übergewichtigen an, das auch im neuen Buch Kochende Leidenschaft des französischen Soziologen Jean-Claude KAUFMANN eine wichtige Rolle spielt. KAUFMANN stellt das Problem in den Zusammenhang mit dem Aufkommen des individuellen Essers. Sowohl BUDE als auch KAUFMANN deuten das Phänomen im Zusammenhang mit der Reproduktion sozialer Ungleichheit.  Als drittes Problem führt BUDE die Zunahme der Älteren an, die mit einer "Invasion der Gehilfen" einhergehe. Wer sich für das Thema Demografie aus soziologischer Sicht interessiert, der findet einige interessante Veranstaltungen. Aus der Sicht von single-generation.de sind die Veranstaltungen mit Karl Otto HONDRICH ("Der Fall der Geburtenrate – ein Fall für Darwin, Luhmann oder Frau Minister von der Leyen?" und "Wendebedarf? Die soziologische Theorieentwicklung zwischen 'Natural' und 'Cultural Turn") und Christian SCHMITT ("Fertilitätsentwicklung in Europa – die Rolle der Familien- und Sozialpolitik") empfehlenswert. Rechtzeitig vor Beginn des Soziologentags sind zwei interessante Bücher zum Thema erschienen: zum einen der von Stephan LESSENICH & Frank NULLMEIER herausgegebene Band Deutschland - eine gespaltene Gesellschaft und zum anderen ein von Peter A. BERGER & Heike KAHLERT herausgegebenes Buch mit dem Titel Der demographische Wandel.

BUDE, Heinz (2008): Helden der Bundesrepublik.
Die Lederjacke Rudi Dutschkes, die Augenklappe des Claus Schenk Graf von Stauffenberg - Symbole im kollektiven Gedächtnis: Sie erinnern an zwei Menschen, die handelten, weil sie handeln mussten. Ein Museumsrundgang,
in: TAZ v. 19.07.

BUDE, Heinz (2009): Die Maschine greift an.
Autoren verknüpfen Informationen zu Aussagen. So entstehen Leuchttürme des Wissens im Faktenmeer, das Google abfischt. Warnung vor dem Ansturm der Such-Roboter gegen das Urheberrecht,
in:
Welt v. v. 23.05.

BUDE, Heinz (2010): Wenn Sie meine Bücher mögen, dann werden Sie diese hier lieben.
Politische Bücher,
in: Welt am Sonntag v. 20.06.

BUDE, Heinz (2011): No future war gestern.
Jugendproteste: Weltweit gehen die Jungen auf die Straße. Aber erleben wir eine neue 68er-Bewegung?
in: Die ZEIT Nr.35 v. 25.08.

BUDE, Heinz (2011): Du musst dein Leben ändern.
Aber wie? So könnte das Neue in der Politik aussehen,
in: Die ZEIT Nr.40 v. 29.09.

Der Soziologe Heinz BUDE sieht in der Ökologie, der sozialen Ungleichheit und Europa die politischen Herausforderungen. BUDE betont die sozialen Spaltungen, zwischen jenen, die sich wie die Lohas einen ökologischen Lebensstil leisten können, und jenen, die als Geringverdiener und Prekariat ökonomischen Zwängen unterliegen:

"Wer prekär lebt, hat wenig Verständnis für eine Verteuerung seiner Wohnung, deren Miete am Ende mehr als die Hälfte seines Einkommens frisst. Diese Linie geht weiter, wenn es um Slow Food und Smart Travelling geht. Das Beängstigende an dieser Beobachtung besteht in der Erkenntnis, dass wir uns womöglich auf dem Weg von einem Jahrhundert der sozialen Integration in ein Jahrhundert der sozialen Desintegration befinden. Die USA geben dafür insofern den Takt vor, als sich die Anzeichen mehren, dass die amerikanische Gesellschaft dabei ist, ihre Mitte zu verlieren."

Reaktionen auf den drohenden Verlust der Mitte in Deutschland wurden auf single-generation.de unter dem Motto Die netten Jahre sind vorbei in 3 Beiträgen vorgestellt (Teil 1, Teil 2 und Teil 3).

BUDE, Heinz (2013): Die große Schuld der Alten.
Generationengerechtigkeit: Über die Unhaltbarkeit eines moralischen Begriffs,
in: S
üddeutsche Zeitung v. 23.01.

Der Soziologe Heinz BUDE hält neuerdings das Konzept der  "Generationengerechtigkeit", das sich auch hinter seinem Reformrechtfertigungskonzept der "Wohlstandsgenerationen" verbirgt, für unbrauchbar:

"Während im Jahr 2008 auf einen Rentner 3,5 Beitragszahler kamen, werden 2030 nur noch 2,3 Erwerbstätige einen Rentner finanzieren.
Mit solchen Argumenten wurde die Vorstellung eingeführt, Generationengerechtigkeit sei Renditegerechtigkeit. Die Generation der um 1940 geborenen Kriegskinder stellt sich als die große Gewinnerin des Nachkriegs dar, während sich die um 1960 Geborenen als die großen Verlierer der langen Friedenszeit begreifen müssen. Aber kann man das Zahlen von Rentenbeiträgen überhaupt mit einem Anspruch auf Rendite verbinden? Populär wurde der Gedanke, die Generationen sollten über Anlagestrategien jeweils für sich selber sorgen, in den Neunzigerjahren. Nach 2008 würde indessen keiner mehr so argumentieren. Denn gerade die Pensionsfonds wurden in den Strudel der Kapitalvernichtung gerissen. Was als kontinuierliche Entwicklung berechnet wurde, entpuppte sich plötzlich als ziemlich diskontinuierlicher Verlauf. (...). Generationengerechtigkeit stellt (...) lediglich ein Motiv, aber kein begründbares Kriterium und schon gar kein brauchbares Verfahren für die vergleichende Beurteilung von generationsspezifischen Lebenschancen dar. (...).
Das Prinzip der Generationengerechtigkeit beruht auf dem Glauben an eine lineare Entwicklung der Welt. Nur unter dieser Voraussetzung lässt sich ernsthaft annahmen, dass Lasten und Gewinne sich gleichmäßig entwickelten. Wenn jedoch die Sprünge, Kehrtwendungen und Auswüchse gewöhnlich sind, dann ist eine Gerechtigkeit zwischen Generationen undenkbar."

BUDE, Heinz (2013): Das prekäre Gut der Bildung,
in: Merkur, Nr.771, August

"Es ist ein soziales Gesetz, dass Familien erhebliche Anstrengungen unternehmen, um den erreichten sozialen Status in der Generationenfolge zu sichern. Hat man mehr als drei Kinder, kann man lockerer und fehlerfreundlicher an diese Aufgabe herangehen, als wenn lediglich ein oder zwei Kinder in der Familie existieren. Es war immer schon das Geheimnis von Familien aus der Oberklasse, die ähnlich wie Familien aus der Unterklasse viele Kinder haben, dass sie »schwarze Schafe« hinnehmen, die ins Kloster gehen oder Künstler werden.
In der Mitte freilich reduziert sich die Kinderzahl und steigt das Investitionsbewusstsein in Bezug auf das einzelne Kind. (...). Bildungsökonomie dieser Art passt so gesehen als Weltanschauung zu den Methoden der Lebensführung in der mittleren Komfortzone unserer Gesellschaft", erklärt uns der Oberlehrer der Generation Berlin.

 
       
   

Heinz Bude im Gespräch

 
   

BUDE, Heinz & Harry NUTT (1994): Falten, Glatze, Bauch.
Heinz Bude und Harry Nutt im Gespräch über "Lebensalter", Popkultur und die Geschichte der Bundesrepublik,
in: Frankfurter Rundschau v. 31.12.

MONATH, Hans (1998): Ab in die Berliner Republik!
Deutschland steckt tief im wirtschaftlichen und sozialen Wandel. Doch die Politik tut sich schwer mit neuen Antworten. Darum wird es Zeit, dass die Verantwortlichen in Bonn endlich ihre Siebensuchen packen,
in: Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt
Nr. 46 v. 13.11.

DÜRR, Tobias (1999): Von Machern und Halbstarken.
Die Bundesrepublik und ihre Generationen,
in: Die ZEIT Nr. 21 v. 21.05.

MONATH, Hans (1999): Hat sich die SPD durch ihren Erfolg überflüssig gemacht?
Heinz Bude hat den Generationenwechsel in Politik und Gesellschaft zu seinem Thema gemacht. Die Berliner Republik, so sagt der Soziologe voraus, werde anderen politischen Leitbildern folgen als die Bonner Republik, die ein 'Pufferstaat' zwischen dem Nationalsozialismus und dem Künftigen gewesen sein. Der Berliner Bude, der am Hamburger Institut für Sozialforschung arbeitet, wirkt auch in die Politik hinein: Eine Gruppe jüngerer SPD-Bundestagsabgeordneter nannte ihre kürzlich gegründete Zeitschrift 'Generation Berlin'. Heinz Bundes jüngstes Buch heißt 'Die ironische Nation',
in: Tagesspiegel v. 07.12.

MEDICUS, Thomas & Harry NUTT (2002): "Ein erschreckender Konformismus im Denken".
Der Soziologe Heinz Bude im Gespräch über eine neue Politik des Respekts und das Versagen der Intellektuellen,
in: Frankfurter Rundschau v. 14.06.

Die Angst der Modernisierungsgewinner vor dem sozialen Absturz wird nun auch zum Thema der Generation Berlin [ mehr zum Thema ]

AMEND, Christoph & Stephan LEBERT (2002): "Stoiber beraten? Klar, wenn's ums Land geht".
Heinz Bude, Vordenker der "Berliner Republik", glaubte an Gerhard Schröder. Und an diese Stadt. Jetzt ist er wieder einen Schritt weiter. Er sagt: Berlin muss wie Washington werden,
in: Tagesspiegel v. 01.09.

"Im Grunde ahnen alle nach 1960 Geborenen, dass es für sie nicht mehr hinhaut. Was ist also für uns Sicherheit? Ich glaube, dass die Familie das dritte, große Thema ist. Eltern machen doch längst die positive Erfahrung, dass sie ihren Lebensstandard nur halten können, wenn der Opa und die Oma ihnen etwas zusteckt, 1000 Euro mal so nebenbei, weil sie ja genug haben. Das ist wirklich etwas Stabilisierendes, darauf verlässt man sich – und nicht auf die Riester-Rente",

sagt Heinz BUDE im Interview. Damit knüpft er an die Erkenntnisse des Altersforschers Martin KOHLI an, der die innerfamilialen Transferzahlungen zwischen den Haushalten der Kinderlosen und den Familienhaushalten in einer groß angelegten Studie untersucht hat.

ILLIES, Florian & Inge KLOEPFER (2002): "Wir brauchen keine Stars".
Der Soziologe Heinz Bude über das Scheitern von Middelhoff, Sommer & Co. und warum der Wohlfahrtsstaat sich dramatisch verändert,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 22.12.

Katzenjammer in der Weltverbesserungsecke! Das bleibende Verdienst der Generation Golf sieht Heinz BUDE in der "Idee der Unschuld des Erfolgs." Eine Neidtheorie liefert BUDE ebenfalls:

"Wovon wir in Westdeutschland nach 1945 gelebt haben, das war das Wunder über die ausgebliebene Katastrophe". Aber dieses Gefühl ist nun hin und "deshalb bindet uns nichts mehr. Das ist der Gund dafür, daß jetzt der Neid ausbricht".

Die Tatsache, dass sich die mittleren Generationen NORMALERWEISE in der Familienphase befinden, möchte BUDE als "Rückbesinnung auf die Familie" und damit als DIE BESONDERE LEISTUNG der Generation Golf vermarkten! Der Abbau des Sozialstaats wird in diesem Zusammenhang dann noch zur heroischen Tat stilisiert. In der

"sich abzeichnenden Umstellung des sozialen Sicherungssystems von individuell zugerechnetem Transfereinkommen auf Institutionen für Kinderbetreuung und Familienstützung"

sieht BUDE deshalb eine Revolution. Da ist es dann auch nicht mehr weit zum Schulterschluss mit Friedrich MERZ und dessen Plädoyer für eine Leitkultur. In Wahrheit geht es hier nur um eine Leidkultur!

UNFRIED, Peter & Jan FEDDERSEN (2004): "Und dann wird Merkel Kanzlerin".
Die Krise von Rot-Grün ist offensichtlich, die Unterstützung für ihre Reformpolitik erodiert. Die Deutschen wollen ihre Ruhe. Erleben wir nun die Renaissance alter Familienwerte? Werden wir alle konservativ, wie Heinz Bude, Soziologe am Hamburger Institut für Sozialforschung, behauptet? Ein Gespräch über linke Horrorszenarien und die Nöte einer visionären Sozialpolitik,
in: TAZ v. 28.02.

Heinz BUDE, der in Zeiten der New Economy den  Lebensunternehmer als unternehmerischen Einzelnen zum Pionier der Berliner Republik stilisiert hat, macht nun eine 180 Grad Kehrtwende und propagiert einen neuen Familienfundamentalismus der Neuen Mitte. Konsequent wird dabei jedoch das ursprüngliche Projekt weiter verfolgt: Es geht um den Kampf der Eliten gegen die Nicht-Eliten. Der Sozialstaat soll zukünftig vor allem für die Besserverdienenden da sein. Kern dieser Umfunktionierung ist eine neue Sozialpolitik:

"Wollen wir, zum Beispiel, dass die berühmten staatlichen Transferzahlungen vor allem an Individuen gehen, oder wollen wir damit eine Ökologie von Institutionen schaffen, die die Familie unterstützen. Also: Kitas etwa oder Ganztagsschulen. Wenn man dies bejaht, hätte dies natürlich die Folge, dass die Sozialhilfe reduziert werden muss. Das ist überhaupt keine Frage: Wenn wir die Ökologie der Kinderbetreuung verbessern bei der gegenwärtigen staatlichen Finanzlage, führt das zwangsläufig zur Reduktion von Individualtransfers, das geht überhaupt nicht anders. Also unser Denken über die Bedeutung der Familie hat durchaus harte Konsequenzen."

Dies ist eine ernstzunehmende Kampfansage an alle Elternlosen, denen auch noch der letzte sozialstaatliche Rückhalt entzogen werden soll.

SCHLAK, Stephan & Alexander CAMMANN (2005): "Wie wollen wir leben?".
Zurück zur Ursprungsfrage: Der Soziologe Heinz Bude hat das politische Ironie-Programm satt,
in: Welt v. 13.09.

Heinz BUDE erzählt Stephan SCHLAK & Alexander CAMANN u.a. von seines K-Gruppen-Vergangenheit in den 70er Jahren:

"Die Welt: In den Siebzigern kommen Sie nach West-Berlin. Es war die hohe Zeit der Kapital-Schulungskurse und politischen Sekten. Unter welche Fahne haben Sie sich gestellt?
      
  Bude: Ich habe in Berlin dieses ganze Kapital-Kurs-Wesen mitgemacht. In Tübingen war ich der Gruppe internationaler Trotzkisten beigetreten. Und die Trotzkisten waren ja immer schon die FDP der Linken, von wo aus sich das Spektrum gut sortieren ließ. DKPisten rieche ich bis heute auf zehn Meter - wovon es gerade in der publizistischen Welt Westdeutschlands verdammt viele gibt. Die waren schon damals indiskutabel: Leute, die mit glühenden Augen Pablo Neruda lasen oder Peter Weiss' »Ästhetik des Widerstandes«. Um Himmels Willen! Wenn Weiss, dann das Auschwitz-Stück oder die frühen Sachen, aber doch nicht die Ästhetik des Widerstandes und diese linke Erbauungsliteratur. Bei den Maoisten waren die Mädchen zwar immer sehr nett - aber insgesamt waren die mir wegen ihres pietistischen Eifers ebenfalls suspekt."

Bei Frank SCHIRRMACHER sieht BUDE Gemeinsamkeiten:

"Die Welt: Falls 1990 das linke Lafontaine-Achtundsechziger-Projekt an die Macht gekommen wäre, hätte es dann den heute vielfach beschriebenen Generationenkampf - ältere Achtundsechziger versus jüngere Bürgerliche - nicht viel früher und dann in viel schärferer Form gegeben?
        
Bude: Das glaube ich so nicht. Der Generationenstreit ist ja nicht ausgefallen. Es gibt einige Gemeinsamkeiten zwischen mir und der ganzen Entwicklung, für die etwa Frank Schirrmacher steht. Ihn würde ich in gewisser Weise auch für meine Generation in Anspruch nehmen, obwohl er etwas jünger ist. Ich habe mich in vielem mit ihm durchaus auf einer Linie gefühlt, und es gab ja auch Kontakte. Das Gemeinsame bestand in einer gewissen Haltung des Mißtrauens gegenüber den 68ern, die einerseits einen überzogenen Universalismus verinnerlicht hatten, der unfähig war, zu realisieren, was passiert; andererseits einen Kritizismus pflegten, der zu nichts nutze ist."

SCHRÖDER, Christian (2009): "Merkels Unsicherheit ist ihre Stärke".
Was der Retro-Wahlkampf über Deutschland verrät: der Soziologe Heinz Bude über Krisenängste und symbolische Dramen,
in: Tagesspiegel v. 26.09.

GUPTA, Oliver Das (2009): "Schröder trägt keine Schuld".
Soziologe: Heinz Bude über Gründe des SPD-Fiaskos, den unbewältigten Erfolg der Schröder-Ära und die Chancen einer Renaissance der Sozialdemokratie,
in: sueddeutsche.de v. 01.10.

MANGOLD, Ijoma (2009): Wie klug ist die FDP?
Wieso fällt es so schwer, ein Gefühl für Schwarz-Gelb zu entwickeln? Warum reden wir nur über Hartz IV? Ein Gespräch mit Heinz Bude,
in: Die ZEIT Nr.42 v. 08.10.

NUTT, Harry (2010): Sehnsucht nach dem Prinzip Freiheit.
Bundespräsidentenwahl: Zwischen Wulff und Gauck gibt es einen "Modellunterschied", sagt Soziologe Bude im Interview: Der eine verkörpert das Bedürfnis nach Freiheit, der andere Pragmatismus. Aber haben die Menschen davon nicht ohnehin schon genug in ihrem Alltag?
in: Frankfurter Rundschau v. 30.06.

KARKOWSKY, Stephan (2013): "Die Verbundenheit muss stimmen".
Soziologe: Viele Nichtwähler fühlen sich von keiner Partei angesprochen und verzichten bewusst auf ihr Votum. Gespräch mit Heinz Bude,
in:
DeutschlandRadio v. 22.08.

WELT-Thema: Keine Angst vor der Zukunft

Neu:
KAMANN, Matthias (2013): "Wir müssen Fantasie für andere haben."
Der Soziologe Heinz Bude findet bei den Deutschen viel Gelassenheit, aber auch einen Mangel an visionärem Denken,
in: Welt v. 06.09.

Der Soziologe Heinz BUDE, einst Vordenker der neuen Klassengesellschaft, findet, dass sich die Deutschen mit dieser "Risikogesellschaft" endlich abgefunden haben. Für die Working Poor lehnt BUDE einen Mindestlohn ab, stattdessen soll es - à la SLOTERDIJK - mehr Trinkgelder für unterbezahlte Dienstleister geben. Die Babyboomer, definiert als in den 1960er Jahren geboren, lobt BUDE, weil sie sich "ohne großes Murren" in ihr Schicksal gefügt haben. Zielgruppe von BUDEs Sonntagsrede sind die Doppel-Karriere-Familien der akademischen Erbengeneration:

"Vielen Deutschen geht es besser, einfach weil da zwei hoch qualifizierte Partner, die jeweils einen anspruchsvollen Beruf mit gutem Gehalt ausüben, miteinander verheiratet sind und dazu noch mit einer netten Erbschaft von ihren »Wirtschaftswunder«-Eltern versehen sind".

 
       
   

Heinz Bude in der Debatte

 
   

CHARIM, Isolde (2005): Abwehr der Gefühlslinken.
Ist die Mehrheit links der Mitte nur ein Phantasma? Dagegen wird jedenfalls der "Sachverstand" in Stellung gebracht,
in: TAZ v. 04.10.

CHARIM beschäftigt sich mit dem Terminus "Gefühlslinke".

REINECKE, Stefan (2006): Weniger Demokratie wagen.
In der Berliner Humboldt-Uni wünschen sich Heinz Bude und Herfried Münkler mehr Normalität - und entwickeln ein gewöhnungsbedürftiges Szenario der Berliner Republik,
in: TAZ v. 10.10.

 
       
   

Generation Berlin (2001)
Berlin:
Merve

 
   
     
 

Klappentext

"In der Generation Berlin sieht Heinz Bude eine neue intellektuelle Haltung verkörpert, die ein Gefühl von Jetztzeit vermittelt. Nach der Kälte der Weimarer, der Skepsis der Flakhelfer- und der Kritik der Achtundsechziger-Generation, schickt sie sich an, ein Ideal des 'unternehmerischen einzelnen' zu definieren. Während die Achtundsechziger in Gestalt von Rot/Grün auf der Vorderbühne ihre zweite Chance wahrnehmen, halten sich auf der Hinterbühne die Agenten der Generation Berlin bereit. Ihre Nüchternheit kennt keine Position außerhalb des Spiels von Macht, Wissen und Geld.
Noch ist nicht ausgemacht, ob sie diesem Spiel neue Regeln geben wird, um eine experimentelle Politik gemischter Zuständigkeiten und vorläufiger Versuche durchzusetzen. Jedenfalls 'probiert sie schon jetzt eine Haltung jenseits von Formschwäche und Identitätswahn'
."

 
     
 
       
   
  • Rezensionen

GASCHKE, Susanne (2001): Kommt jetzt die „Generation Kassel“?
Der Soziologe Heinz Bude ist nett. Aber verdrossen. Die von ihm erfundene „Generation Berlin“ entwickelt sich nicht zu seiner Zufriedenheit,
in: Berliner Republik
Nr.3

NOLTE, Paul (2001): Heinz Bude: Generation Berlin,
in:
Literaturen Nr.6, Juni

Paul NOLTE sieht im Buch "Generation Berlin" von Heinz BUDE den Auftrag zur Reform an sich und seine Generation:

"»Generation Berlin«: mit diesem Schlagwort bezeichnet Bude die um 1960/1965 Georenen, die letzten Kinder der alten Bundesrepublik. (...). Von ihnen, von ihrem intellektuellen Gestus der Nüchternheit hält Bude viel; sie sollen zu den eigentlichen Gestaltern der Berliner Republik werden. (...).
        
Gesellschaftsveränderung stünde nicht mehr auf der Agenda? Wieder falsch, denn wir sind inzwischen  mitten in einer längst überfälligen Renaissance der Gesellschaftspolitik, und es sind die 30- bis 40-Jährigen, die sagen »Reformen -  ja, bitte!« Die Anstöße, die Heinz Bude gibt, müssen deshalb weitergedacht werden."

LUETZOW, Gunnar (2001): "Generation Berlin".
Frische Munition für die Faulheitsdebatte,
in: Spiegel Online v. 14.06.

 
       
   

Das Altern einer Generation. Die Jahrgänge 1938 - 1948 (1995)
Frankfurt a/M: Suhrkamp

 
   
     
 

Klappentext

"Was ist übriggeblieben von der westdeutschen Studentenbewegung der späten sechziger Jahre? Heinz Bude nimmt ein Vierteljahrhundert später die Generation in den Blick, der der gesellschaftliche Aufbruch jener Zeit zugeschrieben wird. 1968 waren die Jahrgänge 1938 bis 1948 zwischen zwanzig und dreißig Jahre alt. Heute befinden sich die Fünfzigjährigen in der Prominenzphase ihres Lebenslaufs. Nach dem Abtritt der 'skeptischen Generation' hat die 68er Generation im Verhältnis der Generationen die Führungsrolle übernommen. Die einstigen Rebellinnen und Rebellen der Wohlstandsgesellschaft verkörpern heute die Autorität und den Charme der neuen Bundesrepublik. Von welchen Einsichten und Überzeugungen lassen sie sich leiten? In welchen Lebensmodellen drücken sich ihre Erfahrungsbilanzen aus? Welche Praktiken der Freiheit sind aus jenen Prozessen der Befreiung hervorgegangen? Im Zentrum der Untersuchung stehen sechs Porträts von Angehörigen der 68er Generation: drei Frauen und drei Männer, alle Stichwortgeber ihrer Generation. Ein Verleger und eine prominente Feministin, ein individualisierter Bewegungsunternehmer und eine Fernsehredakteurin, ein Professor für Gesellschaftstheorie und eine Politikerin der Grünen liefern Stoff für das Gesamtbild einer Generation, die zur Erfolgsgeschichte der alten Bundesrepublik gehört."

 
     
 
       
   
  • Rezensionen

LAU, Jörg (1995): Ein hermeneutischer Wegelagerer.
Der Bildungsroman einer Generation, die wie keine andere mit der Macht der Eltern beschäftigt war - der Berliner Soziologe Heinz Bude legt seine psychohistorischen Untersuchungen über das Altern der Achtundsechziger vor,
in: TAZ v. 27.05.

DIRSCHAUER, Johannes (1995): Sprung aus der biologischen Dunkelhaft.
So klug wie aggressiv: Heinz Budes Buch von den Mitgliedern der 68er Generation,
in: Süddeutsche Zeitung v. 17.06.

NEVERMANN, Knut (1995): Porträts vor fehlendem Hintergrund.
Psychohistorisches Patchwork: Heinz Bude über das Altern der 68er Generation,
in: Frankfurter Rundschau v. 02.09.

 
       
   

Deutsche Karrieren. Lebenskonstruktionen sozialer Aufsteiger aus der Flakhelfer-Generation (1987)
Frankfurt a/M: Edition Suhrkamp

 
   
     
 

Klappentext

"Noch sind die Flakhelfer an der Macht. Die zwischen 1926 und 1930 Geborenen waren die 'letzten Helden des Führers'. Als Jugendliche haben sie erlebt, wie Deutschland zusammenbrach und der Faschismus besiegt wurde. Heute sind viele gesellschaftliche Führungspositionen in der Bundesrepublik von Angehörigen dieser Generation besetzt. Die Untersuchung von Heinz Bude konzentriert sich auf die sozialen Aufsteiger aus der Flakhelfer-Generation. In ihrem Leben verdichtet sich persönliche und gesellschaftliche Geschichte: Sie haben mit dem kollektiven Aufbau der Bundesrepublik nach Krieg und Faschismus einen persönlichen Aufstieg vollzogen. Sie bilden die Spitze der Generation derer, die das 'Modell Deutschland' nach 1945 mitaufgebaut haben. Gefragt wird nach den Lebenskonstruktionen des Aufstiegs. Welche Spuren hat der Riß von 1945 in ihrem Leben hinterlassen? Wie haben sie den Wiederaufstieg der Bundesrepublik erlebt und wie haben sie sich daran beteiligt? Wie verstehen sie sich nun als normative Repräsentanten dieser Gesellschaft?"

 
     
 
       
     
   

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Stand: 11. März 2016