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Georg Heinzen & Uwe Koch: Die "deutsche Generation X"

 
       
   

Kurzbiographie von Georg Heinzen

  • 1953 in Düsseldorf geboren
  • Lehre als Maschinenschlosser
  • Germanistik- und Geschichtsstudium
  • 1982 Buch "Heimat Stadt"
  • 1985 Roman "Von der Nutzlosigkeit erwachsen zu werden"
  • 2012 Roman "Von der Nutzlosigkeit älter zu werden"
 
     
       
     
       
   

Georg Heinzen & Uwe Koch im Gespräch

 
   

Neu:
FRITZEN, Florentine (2009): "Wir waren die kleinen Brüder der 68er".

Die Autoren Uwe Koch und Georg Heinzen über Männergruppen, Cordhosen und den Triumph der Angepassten,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.04.

 
       
   

Von der Nutzlosigkeit erwachsen zu werden (1985).
Reinbek: Rowohlt

 
   
     
 

Klappentext

"Zwischen den Apo-Opas und der »No-future«-Generation stehen die heute 30jährigen. Es sind diejenigen, die voller Pläne und Bildung - es einmal besser haben sollten, aber am Ende feststellen müssen, daß die Gesellschaft gerade für Pläne und Bildung am wenigsten Verwendung zu haben scheint. Mathias ist einer von ihnen. Er erzählt seine Geschichte - und damit die Geschichte seiner Generation."

Pressestimmen

"Mathias Grewe ist Produkt der 68er-Bewegung, ist Produkt der Ölkrise, ist Produkt der Sinnkrise, ist Produkt der Bildungskrise, ist Produkt der Autoren Georg Heinzen und Uwe Koch, das unter dem Titel »Von der Nutzlosigkeit, erwachsen zu werden« bei Rowohlt erschienen ist und verspricht, ein Renner zu werden.
Zu Recht und aus gutem Grund. Dieses Buch ist peinlich: peinlich genau und peinigend, die bis in die Sprache perfekte Rekonstruktion des Bodensatzes der Rebellion der 60er Jahre und ihrer Folgebewegungen."
(Cora Stephan im Spiegel vom 11.11.1985)

Askese in der Überflußgesellschaft und ihre Entwertung durch Alternativlosigkeit - Fluchtpunkt Genuss

"Jobs wurden immer wichtiger für mich, nicht nur als Kompensation der Zwecklosigkeit meines Studiums, sondern auch, um die materielle Genügsamkeit meines Lebensstils auszugleichen, die immer als Opposition zur Überflußgesellschaft gedacht gewesen war, aber in Wirklichkeit nur die Verarmung vorwegnahm. Nun hatte ich genug von dieser ganzen sozialen Bescheidenheit und dachte, daß ich zu asketisch gelebt hatte. Vielleicht hatte ich den Konsumverzicht nur so lange ertragen, wie mir ein späteres Leben in großzügigeren Verhältnissen sicher schien. Seit ich daran zweifelte, ob jemals etwas daraus werden würde, wollte ich das Genießen lernen." (S.83)

Die neoliberale Neidmechanik

"Alle mittelständischen Unternehmer schimpfen auf den Staat. Meine früheren Chefs, mein Zahnarzt und Onkel Heiner teilen stets aller Welt mit, daß ihre Arbeit zu geringen Ertrag abwirft.
(...).
Natürlich haben auch Arbeiter und Angestellte das Gefühl, weniger zu erhalten, als ihnen zusteht, aber im Gegensatz zu Onkel Heiner würde Vater sich wohl nie bei einer Geburtstagsfeier darüber auslassen. Für Onkel Heiner liegt die Schuld beim Staat. (...). »Leistung wird bei uns bestraft«, ist eine beliebte Parole von ihm. Für Vater liegt die Schuld bei ihm selbst, weil er es nicht zu mehr gebracht hat. (...). Auf Unternehmer zu schimpfen, ist die unfeine Art der Erfolglosen. Das machen fanatische Gewerkschafter, Kommunisten und ewig zu kurz Gekommen wie ich, die immer noch einen Klassenstandpunkt haben wollen in einer Welt von unternehmenden Mitbürgern und Arbeitsplatzbesitzern. Aber auf den Staat zu schimpfen, ist das Einverständnis der Erfolgreichen." (S.163f.)

Wider die Entwertung der Biografie

"Erst dachte ich, meine hoffnungsvolle Vorgeschichte sei dieser Irrtum, weil ich vor lauter Erwartungen an das Leben, das ich mir erträumte, untauglich wurde für das Leben, wie es wirklich ist. Aber ich halte daran fest, daß die Vorgeschichte, die mich dazu verleitet hat, etwas vom Leben zu verlangen, ein Irrtum ist. Die Umstände, die meine Vorgeschichte so schrecklich nutzlos werden ließen, sie sind der Irrtum."  (S.183)

Ein Manifest

"Ich träume von einer besseren Zukunft, weil ich mir eingestehen kann, in einer unglücklichen Gegenwart zu leben. Ich halte die Entzweiung aus und kann zugeben, Ziele nicht erreicht und Wünsche nicht verwirklicht zu haben. Ich fühle mich nicht mehr als Verlierer.
Ich werde niemals sagen, daß die Arbeit schön ist, zu der ich gezwungen bin. Und ich werde niemals sagen: »Man gewöhnt sich an alles«. Ich werde mich nicht gewöhnen. Und ich werde meine Ziele nicht widerrufen, nur weil sie sich nicht erreichen lassen.
Ich entziehe mich dem Alltag, von dem ich ahne, wie schrecklich er ist. Ich halte mich heraus aus dem schäbigen Teil der Wirklichkeit und halte deshalb nicht Prügel für ab und zu notwendig, Unternehmer für erfinderisch und Luftverschmutzung für unvermeidlich. Ich weiß Ostern noch nicht, auf welche Wochentage Weihnachten fällt.
Auf mich kann sich keine Behörde verlassen. Auch als Verbraucher bin ich unberechenbar.
(...).
Einverständnis ist von mir nicht zu erwarten. Solange es keinen richtigen Beruf für mich gibt, verdiene ich meinen Lebensunterhalt. Ich mache meine Arbeit, aber ich mache sie unversöhnt.
Ich werde keine Geschichten mehr von damals erzählen. Ich werde auch nicht sagen »Früher war alles besser«, auch wenn ich das manchmal denke. Mein falscher Plan vom Leben hatte auch sein Gutes. Ich bin nicht mehr zu vereinnahmen. Ich hoffe nicht mehr auf Angebote. Ich glaube an keinen lieben Gott und keinen freien Markt. Ich werde mich niemals genug langweilen, um mir einen Hund zuzulegen."
(...).
Ich bin, der ich bin. Ein freundlicher junger Mann, der in die Jahre gekommen ist. (...). Der höflich ist, aber nicht gutwillig. Ein Arbeiter im monotonen Getriebe, der einmal höher hinaus wollte und jetzt, ganz ohne Gesellenbrief, bei denen gelandet ist, für die er sich in seiner Freizeit einsetzen wollte. (...). Der es ertragen kann, die Verhältnisse unerträglich zu finden (...). Der sich nicht mehr darüber beklagt, betrogen worden zu sein, der lieber oppositionell als verbittert ist." (S.188ff.)

 
     
 
       
   

Rezensionen

STEPHAN, Cora (1985): Die Generation der verpaßten Gelegenheiten.
Georg Heinzen/Uwe Koch: "Von der Nutzlosigkeit, erwachsen zu werden",
in: Spiegel Nr.46 v. 11.11.

Cora STEPHAN ordnet Mathias Grewe, Jahrgang 1955, den Protagonisten des Romans, einer Zwischengeneration zu, die in der Geschichte der Bundesrepublik keine Spuren hinterlassen hat und deren Schicksal es ist, zu spät zu kommen.

"»Wir« als Selbstbezeichnung der jüngeren Generationen, aller also, (...) ist passé",

schreibt STEPHAN angesichts der Regierungsbeteiligung der Grünen, mit einem ersten grünen Minister, Joschka FISCHER, in Hessen. Drei Generationen gilt es seitdem zu unterscheiden:

"die Protagonisten der radikalen Einmischung; die Fraktion des »Sie oder wir«, die die ersteren dem Schweinesystem, also »ihnen«, zuordnen, und Mathias Grewe, der Vertreter der Zwischengeneration, der weder die alte noch die neue Radikalität besitzt, nicht die Lust an der Einmischung, nicht die an der Zerstörung kennt, weder dem hoffnungsvollen Aufbruchs- noch dem verzweifelten Abbruchunternehmen zugehört."

Sieben Jahre später wird dieser Generation von Reinhard MOHR das Etikett Zaungäste verpasst.

 
   

Das Buch in der Debatte

STEGERS, Rudolf (1993): Wir Achtundsiebziger oder Aus guter alter Zeit, 
in: Der Alltag, Heft 62, Februar

"Auch das Porträt der Achtundsiebziger hat ein Vorbild. Bei den Insidern steht der Bestseller Von der Nutzlosigkeit, erwachsen zu werden seit 1985 auf dem Ikea-Regal. Damals trösteten Georg Heinzen und Uwe Koch - deren sanftes Ich mit Reinhard Mohr das Geburtsjahr 1955 teilt - ihre so stolze wie bange Leserschaft durch das Einvernehmen der Ausweglosigkeit. Bloß die Umschlagzeichnung eines Gummibärchens vor dem Platzen seiner Puppe ließ hoffen. Mittlerweile haben die Achtundsiebziger sich entlarvt: als passionierte Zyniker, die Mühe haben, das Hier und Jetzt ihres Daseins vor Aggression und Depression zu schützen",

meint STEGERS zum Buch Zaungäste von Reinhard MOHR.

DOTZAUER, Gregor (2000): Intergenerationeller Abgrenzungswahn.
Szenediagnosen haben Konjunktur - kann man ihnen trauen? Generation X, @ oder Golf: Die Parzellierung der Jugend in immer kleinere Gruppierungen schreitet ständig weiter fort,
in: Tagesspiegel v. 24.02.

Infos zu: Gregor Dotzauer - Autor der Single-Generation
 
   

weiterführende Links

 
     
   
 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 18. Februar 2001
Stand: 27. Oktober 2013