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Alina Bronsky: Die Abschaffung der Mutter

 
       
     
       
   
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    Alina Bronsky in ihrer eigenen Schreibe

     
           
       

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    Alina Bronsky: Gespräche und Porträts

     
           
       

    EBMEYER, Michael (2016): "Richtig sonnige Zeiten gab es für Mütter selten".
    Alina Bronsky schreibt Romane mit starken Frauenfiguren. In ihrem neuen Sachbuch mischt sie sich in die Elterndebatte ein,
    in: Freitag Nr.10 v. 10.03.

    Michael EBMEYER versucht den Eindruck zu zerstreuen, dass Alina BRONSKY ein reaktionäres Frauenbild vertritt, obwohl sie Positionen vertritt, die wie Forderung nach "Wahlfreiheit" gegen die staatliche Kinderbetreuung gerichtet sind und sie für ein Betreuungsgeld plädiert. Während sie der Regretting Motherhood-Debatte nichts abgewinnen kann, verficht sie die Position der Vereinbarkeitslüge. In Kontinuum der bevölkerungspolitischen Debatte steht BRONSKY damit eindeutig auf Seiten der nicht-berufstätigen Mütter, die abwertend auch als "Hausfrauen" beschimpft werden.

    BYLOW, Christina (2016): Kontrolliert, manipuliert, abkassiert.
    Für die Schriftstellerin Alina Bronsky fassen diese drei Begriffe den Umgang mit Müttern in Deutschland am treffendsten zusammen. In ihrem neuen Buch sieht sie Mütter regelrecht in ihrer Existenz bedroht. Darüber lässt sich streiten, findet die Schriftstellerin Tanja Dückers,
    in:
    Nido, April

    Die Schriftstellerinnen Tanja DÜCKERS und Alina BRONSKY, deren privilegierte Arbeitswelt nicht gerade typisch ist für die Mehrzahl der Mütter, diskutieren über Kitazwang, Familienarbeitszeit, Ehegattensplitting und die Rolle des Vaters. Während DÜCKERS dem Vater mehr Rechte zugestehen will, verteidigt BRONSKY die angestammten Rechte der Mutter.

     
           
           
       

    Die Abschaffung der Mutter (2016).
    Kontrolliert, manipuliert und abkassiert – warum es so nicht weitergehen darf
    (zusammen mit Denise Wilk)
    Deutsche Verlagsanstalt

     
       
         
     

    Klappentext

    "Was ist das Muttersein unserer Gesellschaft wert? Eine Schwangerschaftsvorsorge, die in Entmündigung gipfelt. Geburten, bei denen es vor allem um eines geht: (Kosten-)Effizienz. Ein Wochenbett, das seinen Namen nicht mehr verdient. Stillen nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit und keinesfalls zu lange. Väter, die versuchen, die bessere Mutter zu sein. Eine Politik, die alles dafür tut, Kinder so schnell wie möglich in die Krippe zu stecken. Die Verunsicherung von Müttern als Geschäftsmodell. Wertschätzung? Unterstützung? Fehlanzeige. Wer sich heute als Frau für ein Kind entscheidet, der muss verrückt sein, so könnte man meinen. Denn Mütter werden in unserer Gesellschaft zunehmend bevormundet, kleingehalten und überwacht. Jegliche Kompetenz mit dem eigenen Kind wird ihnen abgesprochen. Wer im Beruf ernstgenommen und von seinem Umfeld anerkannt werden möchte, der lässt seine Bedürfnisse als Mutter unter den Tisch fallen. Denn eines will man auf gar keinen Fall sein: eine Glucke."

    Inhaltsverzeichnis

    Vorwort

    Auf dem Weg zum Mutterersatz: Warum wir dieses Buch geschrieben haben

    1. Kinderwunsch: »Habt ihr sonst keine Hobbys?«
    2. Die verkaufte Mutter und die neue Fortpflanzungstechnologie
    3. Die Schwangere als größtes Risiko für ihr Kind
    4. Das Märchen von der unterstützten Geburt
    5. Das vergessene Wochenbett
    6. »Mach die Bluse zu!« Das hysterische Verhältnis zum Stillen
    7. Die Mutter in der Häschenschule
    8. Der Vater als bessere Mutter
    9. Kitapflicht für alle: Familiäre Erziehung als Auslaufmodell
    10. Die Lüge von der Vereinbarkeit: »Wann arbeitest du endlich wieder?«

    Unsere Utopie: Wie wir mit Kindern leben wollen

    Zitat:

    Die eigene Erfahrung als Ausgangspunkt

    "Mit unseren sechs beziehungsweise vier leiblichen Kindern, die Stiefkinder nicht mitgerechnet, haben wir die durchschnittliche Kinderzahl einer Frau in Deutschland (1,47) beide längst überschritten. Wir gehen nicht davon aus, dass uns das zu allwissenden oder auch nur besseren Müttern macht. Wohl aber sind wir der Meinung, dass wir Gelegenheit hatten, uns seit fast zwei Jahrzehnten ausgiebig mit der Mutterrolle zu beschäftigen. Wir zogen unsere Kinder groß und spürten nach, wie unser Umfeld uns beobachtete und sich dabei veränderte. Auch wir machten Entwicklungen durch. Ein Vorteil, wenn man gleichzeitig Kinder hat, die Abitur machen, und Kinder, die gerade laufen lernen – von den Altersstufen dazwischen gar nicht zu reden –, ist die Möglichkeit, zeitgeistbedingte Veränderungen zu vergleichen. Schließlich haben wir sie selbst erlebt."
    (2016, S.8)

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    TEUTSCH, Katharina (2016): Keine Spur mehr von Natürlichkeit.
    Im Fahrwasser von Dämonisierungen: Alina Bronsky und Denise Wilk sehen deutsche Mütter von allen Seiten bedroht,
    in:
    Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.04.

    Neu:
    BÖNT, Ralf (2016): Mutti ist die beste.
    Aber Mütter werden heute kontrolliert, manipuliert und abkassiert - das behaupten Alina Bronsky und Denise Wilk in einem Essay. Leider schauen sie nicht über den Rand des eigenen Nudelsuppentopfs hinaus,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 04.04.

     
           
       

    Das Buch in der Debatte

    SCHIPP, Anke (2016): Stillst du noch? Bereust du schon?
    Im Moment hat man das Gefühl, es gebe nur noch Mütter, die ihre Entscheidung am liebsten rückgängig machten. Die Debatte um "Regretting Motherhood" zeigt aber eher: Muttersein in Deutschland ist kein Privatvergnügen mehr,
    in:
    Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.03.

    CLAUß, Anna (2016): Sie ist wieder da.
    Gleichberechtigung: Die Hausfrau feiert als Lebensmodell junger Akademikerinnen ein Comeback. Ihnen stehen alle Türen offen, doch mit der Geburt der Kinder tauschen viele die Karriere gegen die Kittelschürze. Ist die Emanzipation am Ende?
    in:
    Spiegel Nr.11 v. 12.03.

    Um ein Comeback feiern zu können, müsste jemand erst einmal weg gewesen sein!

    "Der Trend ist spürbar, aber weil er vor allem eine Bildungselite betrifft, kaum statistisch messbar",

    behauptet Anna CLAUß und liefert deshalb auch keine Zahlen zu den Akademikerinnen, sondern nur für erwerbstätige Frauen, die 1994 im Gegensatz zu 2014 im mittleren Lebensalter eine höhere durchschnittliche Wochenarbeitszeit hatten. Wenn schon keine Zahlen geliefert werden können, dann müssen eben Einzelfälle her, die den "spürbaren Trend" sichtbar machen. CLAUß spricht abschätzig von "Hausfrau" statt z.B. von geringfügig beschäftigter Mutter, denn ihr erstes Beispiel arbeitet immerhin zwei Tage die Woche in einer Münchner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Das zweite Beispiel ist eine promovierte Mathematikerin, deren viertes Kind gerade mal 6 Wochen alt ist. Man muss fast zwei Seiten des Artikels lesen, um zum Kern des Artikels zu kommen:

    "Die meisten der neuen Hausfrauen möchten ungern so genannt werden. Aber im Schatten einer medial befeuerten Euphorie über wickelnde Väter und Mütter im Hosenanzug hat sich eine Gegenbewegung einiger Frauen gebildet, die ein Recht auf Rückzug ins Private offensiv einklagten. Es sind Mütter, die eine Art Emanzipation 2.0 fordern: die Befreiung der Frau aus dem Klauen des Turbokapitalismus. Ich arbeite nicht, also bin ich.
    Wortführerin der Bewegung ist die selbst ernannte »schreibende Hausfrau« Alina Bronsky, die sagt: »sich Hausfrau zu nennen hat heute etwas Revolutionäres.« Am Weltfrauentag erschien ihre Streitschrift »Die Abschaffung der Mutter«, die sie gemeinsam mit der Geburtsbegleiterin Denise Wilk verfasst hat."

    Neben diesem gerade erschienenen Buch zählt CLAUß auch die Bücher Feinbild Mutterglück (2014) von Antje SCHMELCHER, Die Alles-ist-möglich-Lüge (2014) von Susanne GARSOFFKY & Britta SEMBACH und Geht alles gar nicht (2015) von Heinrich WEFING & MARC BROST zum Trend.

    Weil sich die neuen Hausfrauen ihren Lebensstil jenseits der angeblichen Spaßarbeit leisten können, droht der Artikel den neuen Hausfrauen dann auch mit Scheidungsrisiken und Wegfall des Unterhalts durch den Ex. Die Ex-Familienministerin Renate SCHMIDT und die Finanzfrau Helma SICK haben mit dem Buch Der Mann ist keine Altersvorsorge ein Abrechnung mit den neuen Hausfrauen geschrieben. Auch die feministische Sicht, dass Akademikerinnen der Volkswirtschaft mit ihrem Hausfrauendasein schaden wird wieder herausgekramt. Weil das alles offenbar wenig imponiert, wird zum Schluss das Modell der Familienarbeitszeit propagiert, das als Umverteilung von Arbeitszeit zwischen Männern und Frauen gepriesen wird. Wie ein solches Modell in unserer High Profit-Arbeitswelt funktionieren soll, wird jedoch nicht erklärt. Als Beispiel muss deshalb ein Freiberufler-Paar herhalten.

    Der Artikel ist Ausdruck des Mütterkrieges in unserer Gesellschaft, der nur vor dem Hintergrund unvereinbarer politischer Interessen zu verstehen ist: da ist das bevölkerungspolitische Interesse, das nach mehr kinderreichen Familien verlangt; da ist der Sozialstaat, der immer mehr allein von den sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern finanziert werden soll; da ist das postfeministische Interesse nach besserer Vereinbarkeit von Familie und Karriere; da ist das feministische Interesse nach mehr Frauen in Führungspositionen und nicht zuletzt das Interesse der Wirtschaft nach billigen Arbeitskräften und damit einer großen Reservearmee - ob aus Zuwanderern oder Frauen. In diesem politischen Interessenvieleck spielen sich diese Mütterkriege um soziale Anerkennung ab.

    Der Trend zur neuen Hausfrau ist zudem nicht neu, sondern ein immer wieder kehrender Topos der bevölkerungspolitischen Debatte in Deutschland. Mitte der 1980er Jahre wurde über die "neue Mütterlichkeit" geklagt. Ulrich BECK schrieb von "refeudalisierter Hausfrauenfamilie" als einem von drei Szenarien der Gesellschaftsentwicklung. Populär wurde das Szenario aber erst in den 1990er Jahren durch den Bestseller Das ganz normale Chaos der Liebe. Im Zuge der Wiedervereinigung waren Frauen - vor allem in Ostdeutschland - auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr gefragt und sollte gefälligst ins Heim zurückkehren. Nun also der umgekehrte Fall: Angesichts des vom Spiegel ausgerufenen Fachkräftemangel soll es neben der Zuwanderung die Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit richten.

    DÜCKERS, Tanja (2016): Freiheit für Mütter.
    #regrettingmotherhood und die Folgen. Vier Bücher diskutieren, was es heißt, heute Mutter zu sein,
    in:
    Tagesspiegel v. 16.03.

    BÄR, Julia (2016): Raus mit der Muttersprache.
    Früher wurden Mütter verehrt, heute können sie nichts mehr richtig machen. Zwei gegensätzliche Bewegungen wehren sich gegen gesellschaftliche Erwartungen – nehmen sie aber gegensätzlich wahr,
    in:
    Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.03.

    Julia BÄR betrachtet die Debatten um Regretting Motherhood und die Verteidigung der Hausfrau (Aliny BRONSKY & Denise WILK) als Ausdruck zweier Milieus und ihrer spezifischen Erwartungen an die Mutterschaft: Die Abschaffung der Mutter sei eine Kritik an den Erwartungen in Großstadtvierteln wie Prenzlauer Berg in Berlin, während die Regretting Motherhood-Debatte um die frühe Mutterschaft auf dem Lande kreist. Nur in dieser Hinsicht sieht BÄR die Debatten berechtigt.

    Hierzu wäre anzumerken, dass es mehr als nur diese zwei Milieus gibt, weil aufgrund der Wohnungs- und Lebenssituation nicht jede Mutter dort wohnen kann, wo sie gerne möchte und frühe Mutterschaft gibt es nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Stadt sowie umgekehrt. Möglicherweise ist gerade die Abweichung von der medial inszenierten und sozialisierten Wohnnorm das Hauptproblem der Unzufriedenheit. Davon abgesehen verursacht auch nicht nur der Erwartungsaspekt Unzufriedenheit, sondern auch die realen, ganz konkreten Umweltbedingungen. Der Versuch von BÄR die Debatten engzuführen, ist der falsche Weg.

    Gegenüber der Kritik von Edo REENTS und den Autorinnen wendet sie ein, dass die Rolle der Vaterschaft als Entlastungsmöglichkeit ignoriert bzw. zu wenig beachtet wird. Die harsche Debatte, in der jeweils nur das eigene Mutterbild als einzig Wahres vertreten wird, sieht BÄR als Ausdruck der Rollenunsicherheit. Ihr Ratschlag:

    "Die Frage ist, wie man den Erwartungen begegnet. Wahrscheinlich am besten mit der Überzeugung, dass glückliche Mütter die besten Mütter sind - jede auf ihre eigene Art."

     
           
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 06. März 2016
    Update: 13. August 2018