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Sarah Diehl: Die Uhr, die nicht tickt

 
       
     
       
   
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    Sarah Diehl in ihrer eigenen Schreibe

     
       
    konkret literatur: Mehr Demographie wagen?
    Die deutsche Familie schlägt zurück

    DIEHL, Sarah (2006): Ausgeblutet,
    in:
    konkret literatur Nr.31, Oktober

    DIEHL, Sarah (2006): Sauber bleiben,
    in:
    konkret literatur Nr.31, Oktober

    Rezension des Buches Die ganze Welt zu Hause von Maria S. RERRICH.

    DIEHL, Sarah (2008): Luc Boltanski - Soziologie der Abtreibung,
    in:
    konkret literatur
    , März

    DIEHL, Sarah (2008): Privileg Pop.
    In der Diskussion über Popfeminismus wird deutlich: Es fehlen die Allianzen. Und das noch nicht mal aus Ignoranz, sondern aus dem Wunsch nach Distinktion und aus Angst vor dem eigenen Abstieg,
    in: Jungle World Nr.17 v. 24.04.

    DIEHL, Sarah (2009): Das eugenische Argument.
    Spätabtreibung: Wie ähnlich AbtreibungsgegnerInnen argumentieren und sich geschickt linke Diskurse aneignen, zeigt ein Blick in die USA,
    in: TAZ v. 14.05.

    DIEHL, Sarah (2014): Schlachtfeld Frauenkörper.
    In der Debatte über Leihmutterschaft ­finden sich Parallelen zur Debatte über Sex- und Hausarbeit. Es geht um die patriarchale Regulierung des weiblichen Körpers, den es zu "schützen" gilt
    ,
    in:
    Jungle World Nr.35 v. 28.08.

    BRIGITTE-Dossier: Warum wir keine Kinder wollen.
    Es gibt viele Frauen, die nicht Mutter werden wollen und ein Leben ohne Nachwuchs auch nicht als Mangel empfinden. Dafür müssen sie sich erstaunlich oft rechtfertigen. Warum eigentlich?

    DIEHL, Sarah (2014): "Bin ich denn ein Freak?"
    Wenn Frauen ihr Leben ohne Kinder prima finden, so wie es ist, und auch keine biologische Uhr ticken hören, sind ihnen Nachfragen sicher. Die Autorin fragt sich, was für ein Bild von Weiblichkeit dahintersteckt,
    in: Brigitte
    Nr.23 v. 22.10.

    Sarah DIEHL befasst sich mit dem, was gemeinhin als "gewollte" Kinderlosigkeit bezeichnet wird, im Grunde aber eher die Ambivalenz heutiger Kinderwünsche bezeichnen sollte. Da das Ziel ihres Buches die Beseitigung von Zweifeln an der eigenen Gewolltheit der Kinderlosigkeit ist, ist die Sichtweise genauso einseitig wie derjenigen, die von "ungewollter" Kinderlosigkeit reden, weil die grundlegende Ambivalenz heutiger Lebensverhältnisse unberücksichtigt bleibt.

    Kinderlosigkeit wird einerseits als Selbstschutz gegen eine imaginierte Überforderung durch die Mutterschaft dargestellt, andererseits wird aber in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie keine Alternative gesehen. Tatsächlich gibt es durchaus gute Gründe, kinderlos bleiben zu wollen, da ganz offensichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie Grenzen gesetzt sind bzw. die Ansprüche an die Kindererziehung so hoch sind, dass Frauen sich diesen nicht gewachsen fühlen. Da hilft ein Journalismus wenig, der das lediglich als unberechtigte Jammerei abtut. Die Kindstötung ist dann nur der Extremfall einer solch falsch verstandenen Mutterschaft.

    Berechtigte Kritik übt DIEHL an den gesellschaftlichen Stereotypen:

    "Die kinderlose Frau (...) gilt als tragisch und einsam oder als Opfer der Emanzipation, das seine natürlichen Bedürfnisse einfach nicht mehr sehen kann.
    Für kinderlose Frauen gibt es gesellschaftlich gesehen keine positiven Role-Models. Als Gegenmodell zur Mutter gibt es nur die verhärmte, gefühlskalte Karrierefrau (was natürlich lächerlich ist, schon allein wenn man bedenkt, wie wenig Frauen es immer noch in Führungspositionen gibt)".

    Und es gibt seit längerem einen Trend im Journalismus, der darauf hinausläuft, dass in den so genannten "Qualitätsmedien" fast nur noch einsame Karrierefrauen zu Wort kommen. Oder wie es DIEHL ausdrückt:

    "Unsere Gesellschaft, so scheint es mir, lauert fast spöttisch auf das späte Bedauern der Kinderlosen: »Du wirst das später mal bereuen.« Diesen Satz hören Frauen wie ich so häufig, explizit und implizit, dass es schwer ist, ihn nicht zu verinnerlichen und sich zu fragen, ob vielleicht tatsächlich etwas nicht stimmt."

    Das Beispiel einer Frau, die wegen einer Krankheit keine Kinder bekommen konnte und aufgrund der Diskriminierung unverheirateter Paare bei Adoptionen auch kein Kind adoptieren wollte, zeigt, dass "gewollte" Kinderlosigkeit keine Frage individueller Entscheidungen ist, sondern von den individuellen Lebensumständen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht zu trennen ist.

    Nicht zuletzt kritisiert DIEHL den Trend zur Demografisierung gesellschaftlicher Probleme. Politische Alternativen zum Allheilmittel einer Geburtensteigerung sieht DIEHL durch die

    "Erleichterung der Zuwanderung, das Erweitern des Familienbegriffs, mehr Geld für Pflegearbeit und Kinderbetreuung."

    DIEHL weist außerdem darauf hin, dass Kinderlose - im Gegensatz zu Eltern, die sich in die Privatheit der Familie zurückziehen, vermehrt gesellschaftspolitisch engagieren:

    "statt sich in die Familie zurückzuziehen, schaffen viele Kinderlose neue Formen des solidarischen Zusammenlebens, die unsere alternde Gesellschaft dringend braucht. Viele meiner Interviewpartnerinnen basteln an Wohnprojekten, Mehrgenerationenhäusern und Landkommunen; und sie versuchen, Themen wie drohende Altersarmut und Pflege darin zu integrieren.
    Sie machen so auch die Unzufriedenheit über die herkömmlichen Familienkonzepte und Geschlechterverhältnisse nach außen hin deutlich, denn sie schaffen Alternativen abseits der gewohnten Kleinfamilie, die dann auch wieder das Zusammenleben mit Kindern ermöglichen - es müssen ja nicht immer zwingend die biologisch eigenen sein."

    DIEHL, Sarah (2014): Natürliches Gebären ist auch nicht so toll.
    Die Vorbehalte gegen das Social Freezing spiegeln ein romantisiertes Naturbild wider, dessen Verfechtern die wachsende Autonomie der Frau an sich suspekt ist. Social Freezing erlaubt Frauen mehr Lässigkeit bei der Lebensplanung. Warum also dieser Aufschrei? Ein Plädoyer für mehr Entspannung,
    in:
    Berliner Zeitung v. 27.10.

    DIEHL, Sarah (2014): Die Angst vor der kühlen Weiblichkeit.
    Das Einfrieren von Eizellen kann Frauen entspannter leben lassen,
    in: Jungle World Nr.45 v. 06.11.

     
           
       

    Sarah Diehl im Gespräch

     
       
    zitty BERLIN-Titelgeschichte: Glücklich ohne Kind.
    Schluss mit der Hysterie! Vom zufriedenen Leben abseits der Kleinfamilie

    BRAKEBUSCH, Lydia (2014): "Mutter-Vater-Kind ist nicht das einzig Wahre".
    Die Berliner Autorin und Dokumentarfilmerin Sarah Diehl, 36, wollte nie Kinder und hat aus ihrer Wut über das Kinderlosen-Bashing ein Buch gemacht,
    in:
    zitty Berlin Nr.24 v. 13.11.

    Die Titelgeschichte über Kinderlose wird von Zahlen garniert, die weniger über die Kinderlosigkeit in Berlin aussagen als suggeriert wird. Mehr hier.

    GOTTSCHALK, Katrin (2014): "Die Frau als Wärmequell der Gesellschaft".
    Sie sind liebevoll, fürsorglich und von Natur aus gebärfreudig: Das Frauenbild könnte im 21. Jahrhundert nicht klassischer sein. Besonders deutlich ist das derzeit in dem Buch "Die Uhr, die nicht tickt" der Berliner Autorin Sarah Diehl nachzulesen. Ein Gespräch über kinderlose Frauen,
    in:
    Frankfurter Rundschau v. 10.12.

    Sarah DIEHL kritisiert einerseits "Natürlichkeit", wenn es um die Biologie der Frau geht, andererseits beruft sie sich dann selber auf "Natürlichkeit", wenn sie einen Ökologischen Demographismus verficht.

    Bedenkenswert ist jedoch die Forderung von DIEHL nach Aufwertung der sozialen Elternschaft, indem sie Kinderbetreuung nicht als kleinfamiliale, sondern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe betrachtet. In Deutschland haben wir nicht nur ein Problem negativer Mütterstereotypen à la Rabenmütter versus Heimchen am Herd, wie uns die nationalkonservative Bevölkerungspolitik gerne erzählt, sondern das viel größere Problem, dass Kinderlose und Eltern gegeneinander ausgespielt werden, statt ihre unterschiedlichen Potenziale zu würdigen. Sozialfiguren wie Onkel und Tante könnten dann wieder eine größere gesellschaftliche Rolle spielen, bzw. neuartige Organisationen wie die Berliner Initiative Big Friends for Youngsters e.V.

    MAYR, Lisa (2014): "Die Frauen wollen nicht so leben wie ihre Mütter".
    Sarah Diehl hat ein Buch über freiwillige Kinderlosigkeit geschrieben und berichtet über die Motive der Frauen: Um die Karriere geht es den wenigsten,
    in: Der Standard Online v. 11.12.
      

     
           
       

    Die Uhr, die nicht tickt (2014).
    Kinderlos glücklich. Eine Streitschrift
    Arche Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Unverrückbar steht die Front zwischen Müttern und Nicht-Müttern: »Man muss wahnsinnig sein, heute noch Kinder zu kriegen«, hieß es im Januar 2014 in der FAS. Kurz darauf kam die Antwort: »Ruhe, ihr Jammerfrauen! Eure Ausreden zum Kinderkriegen sind narzisstisch und absurd.« Dabei kann eine Frau heute frei zwischen verschiedenen Lebensmodellen wählen. Dennoch dominiert in unserer Gesellschaft noch immer die Vorstellung, dass potentiell alle Frauen den Kinderwunsch in sich tragen. Kein Kind zu wollen, gilt als unnatürlich, egoistisch oder feige. Sarah Diehl, Mitte 30 und selbst kinderlos, hat Frauen interviewt, die freiwillig keine Mütter sind. Sie hat erfahren, dass die Gründe vielfältig sind, Egoismus oder Narzissmus gehören nicht dazu. Ihr Buch ist das überfällige Plädoyer für eine vorurteilsfreie und zeitgemäße Einstellung zu Mutterschaft und weiblicher Identität."

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    Neu:
    HAUSBICHLER, Beate (2014): Das Ende der Erklärungsnot.
    Kinderlose Frauen: Warum müssen sich Frauen laufend erklären, wenn sie keine Kinder wollen? Sarah Diehl gibt in ihrem Buch "Die Uhr, die nicht tickt" Antworten,
    in: Der Standard Online v. 11.12.

    Das Ende der Erklärungsnot? Davon kann keine Rede sein! Die nationalkonservative Bevölkerungspolitik, repräsentiert z.B. von Jürgen DORBRITZ, behauptet, dass Kinderlosigkeit breite Akzeptanz in Deutschland findet. Davon kann jedoch keine Rede sein, solange ernsthafte Debatten um Kinderlosigkeit, die nicht lediglich bevölkerungspolitisch verkürzt sind, lediglich im Internet stattfinden, statt in den Mainstreammedien, d.h. auf den Printseiten der Zeitungen zu Wort kommen.

     
       

    Das Buch in der Debatte

    DÜCKERS, Tanja (2014): Die kinderlose Frau ist an allem schuld.
    Familie: Kinder haben ist hip geworden. Frauen, die keine Kinder wollen, werden hingegen für neurotisch erklärt oder bemitleidet. Ein Plädoyer für mehr Toleranz?
    in: ZEIT Online v. 04.12.

    FISCHER DE SANTI, Katja (2014): Ohne Kind - und glücklich damit.
    Frausein ist bis heute eng mit Mutterschaft verbunden. Kinderlose Frauen gelten als Fehler im System, sie werden bemitleidet und müssen sich dauernd rechtfertigen. Trotzdem wächst die Zahl der gewollt Kinderlosen stetig,
    in:
    St. Galler Tagblatt v. 05.12.

     
       

    Weiterführende Links

     
         
       
     
       

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    © 2002-2016
    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 27. Oktober 2014
    Update: 02. Mai 2016