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Jana Hensel: Wir Wessis aus Ostdeutschland

 
       
     
       
   
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    Jana Hensel in ihrer eigenen Schreibe

     
       
    • HENSEL, Jana (2003): Krieger im Nebel.
      Da war nichts. Der Aufstand aus östlicher Sicht,
      in: Tagesspiegel v. 16.06.
    • HENSEL, Jana (2003): Proben für den großen Krach.
      Mit Demonstrationen und Streiks wehren sich Deutschlands Studenten gegen gekürzte Bildungsetats und geplante Studiengebühren - und werden dafür von Politikern und Öffentlichkeit belobigt. Bei vielen Protestierenden hat sich enormer Zorn angestaut,
      in: Spiegel Nr.51 v. 15.12.
    • BEYER, Susanne & HENSEL, Jana (2004): Die romantische Utopie.
      In einer von wirtschaftlichen Sorgen und Zukunftsangst geprägten Gegenwart arbeiten Werbung und Kulturindustrie emsig an der Rekonstruktion des Romantischen: Von Liebe redeten die Menschen lange nur ironisch - nun ist sie das Zauberwort der Stunde,
      in: Spiegel Nr.3 v. 12.01.
      • Kommentar:
        "Die postmoderne Kultur habe den Zusammenbruch von übergreifenden, lebenslangen, romantischen Liebesentwürfen bewirkt, so Illouz, »und sie in die kürzere und wiederholbare Form der Affäre komprimiert«" zitieren die Autorinnen aus "
        Der Konsum der Romantik".
              
          Was hier als postmoderne Kultur beschrieben wird, das hat der Soziologe Niklas LUHMANN in "Liebe als Passion" noch positiv als das französische Entlastungs-Modell der Ehe herausgearbeitet. Von Susanne GASCHKE wurde das dann als "Rebellion im Reihenhaus" für die Generation Berlin propagiert.
              
          Bei BEYER & HENSEL geht dagegen der Niedergang der Ehe mit der Affärenkultur einher. Das Konkurrenzmodell dazu nennt sich serielle Monogamie: wenn die Liebe endet, dann endet auch die Ehe oder die Paarbeziehung. Affären sind in diesem Modell - idealtypisch - nicht vorgesehen.
              
          Im SPIEGEL-Artikel werden diese unterschiedlichen Vorstellungen nicht deutlich, weswegen eine Ursachenanalyse scheitern muss.
              
          Stattdessen wird der Zeitgeist herbei geschrieben. 200 Jahre Romantik, da wird es doch wieder einmal Zeit für eine "Wiederverzauberung der entzauberten Welt" im Geiste von NOVALIS, TIECK und der Gebrüder SCHLEGEL. In Werbung und Kino finden die Autorinnen Anzeichen dafür.
              
          Die Sehnsucht nach Romantik wird auch mit veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erklärt:
              
          "Die Hoffnung auf die Verheißungen der Globalisierung ist häufig der konkreten Angst um den eigenen Arbeitsplatz gewichen; im Gebälk des lange Zeit so bequemen Sozialstaats knarzt es bedenklich, und die Träume der New Economy sind schnöde zerplatzt.
        Da ist Romantik (...) willkommener Seelenbalsam."

              
          Wenn dies stimmen sollte, dann hätte der SPIEGEL als Teil der Kulturindustrie jedoch einen gewissen Anteil an dieser "Rekonstruktion der Romantik".
    • HENSEL, Jana & Elisabeth RAETHER (2008): Warum wir gegen Buchhalter-Feminismus sind.
      Alice Schwarzer bekam den Ludwig-Börne-Preis - und warf in ihrer Dankesrede den "Neue deutsche Mädchen“-Autorinnen "Wellness-Feminismus“ vor. Auf sueddeutsche.de antworten die Attackierten,
      in: sueddeutsche.de v. 06.05.
      • Inhalt:
        "
        Wir schreiben über unsere Mütter und davon, dass wir Scheidungskinder sind, eines aus Ost und eines aus West. Wir sind mit dem Scheitern der Familie in ihrer herkömmlichen Bauart groß geworden. Wir suchen nach neuen, tauglichen Formen, und deshalb kann Frauenpolitik für uns nur Familienpolitik sein", meinen HENSEL & RAETHER.
     
           
       

    Jana Hensel: Porträts und Gespräche

     
         
           
       

    Achtung Zone (2009)
    Warum wir Ostdeutschen anders bleiben sollten
    München: Piper

     
       
     
     

    Klappentext

    "In diesem Jahr wird allüberall der Geist der Einheit beschworen. Das Land müsse endlich wirklich eins werden, und das heißt vor allem: gleich. Das ist falsch, hält Jana Hensel dagegen: Ostdeutsche und Westdeutsche sind nicht gleich. Sie beschreibt die Ostdeutschen nicht als defizitäre Westdeutsche, als diejenigen, die es noch nicht auf den Standard der übrigen Bundesrepublik geschafft haben. Vielmehr sagt sie: Die Ostdeutschen haben nicht nur vor 1989, sondern auch danach anders gelebt, haben andere Erfahrungen gemacht, eine andere Geschichte gehabt. Daraus haben sie eine eigene Identität gewonnen. Diese Identität gilt es zu beschreiben. Sie ist keine Gefahr für die Einheit, sondern eine Bereicherung Deutschlands"

     
     
     
           
       
    • Rezensionen

      • SCHÄDLICH, Susanne (2009): Der alte Sound.
        Jana Hensel rechnet mit der Wende ab,
        in: Die ZEIT Nr.41 v. 01.10.
      • BALZER, Vladimir (2009): Gefühltes Wissen.
        Die Autorin Jana Hensel versucht in einer Fortsetzung der "Zonenkinder" zu erklären, warum die Ostdeutschen erst nach der friedlichen Revolution zu sich selbst fanden. Sie scheitert grandios,
        in: DeutschlandRadio v. 06.10.
      • BÖKER, Carmen (2009): Wenn das Papier nur so tut.
        Warum sollen Ostdeutsche denn anders bleiben? Jana Hensel hat in "Achtung Zone" jedenfalls keine Antwort darauf zu bieten,
        in: Berliner Zeitung v. 14.10.
      • MEINHOF, Renate (2009): Unter Trübsalsklößen.
        Jana Hensel will, dass die Ossis bleiben, wie sie scheinen,
        in: Süddeutsche Zeitung v. 24.10.
      • Neu:
        LAY, Conrad (2009): Doppelter Utopieverlust,
        in: DeutschlandRadio v. 09.11.
     
           
       

    Neue deutsche Mädchen (2008)
    (zusammen mit Elisabeth Raether)
    Reinbek: Rowohlt

     
       
     
     

    Klappentext

    "Zwei Frauen um die 30 ärgern sich über die Selbstinszenierung des »Emma«-Feminismus, der so alt ist wie sie. Und sie beginnen, über ihr eigenes Leben Auskunft zu geben. Über ihren Aufbruch von Ost und West in die Großstadt, über ihre Herkunft, über Freundschaft, Liebe, Sex und Affären, über Jobs, Geld und Karrieren, über alte und neue deutsche Männer.

    Selten war eine Generation der 30-Jährigen so frei, sich selbst neu zu erfinden, wie in der Nachwendezeit - was Lust und Last zugleich bedeutet. Wer sind sie also, die neuen deutschen Mädchen, was ist ihnen wichtig und was egal? Wovon träumen sie? Woher nehmen sie ihren Mut und ihre Vitalität, und wie sollen ihre Männer sein? Jana Hensel und Elisabeth Raether erzählen davon mit radikaler Offenheit - in einem Buch für junge Frauen, junge Männer und auch deren Eltern."

     
     
     
           
         
           
       

    Tom Kraushaar (Herausgeber):
    Die Zonenkinder und wir (2004)
    Die Geschichte eines Phänomens
    Reinbek: Rowohlt

     
       
     
     

    Klappentext

    "Jana Hensels Buch »Zonenkinder«: Ist es die Wiederentdeckung einer vergessenen Jugend und eines verlorenen Landes? Oder ist es ein Dokument skrupelloser West-Anpassung? Verklärender Ostalgie? Kritiker, Leser und die Autorin selbst äußern sich zum Phänomen »Zonenkinder« und zu einer neuen Generation zwischen Ost und West.

     
     
     
           
       
    • Rezensionen

      • SELG, Olaf (2004): Ostzonenerinnerungsbrockentunmanchmalweh.
        Jana Hensel hat den Versuch gewagt, ihre Ost-West-Sozialisation in verständliche Worte zu fassen. Dies hat eine kontroverse Diskussion ausgelöst, deren wesentliche Stimmen von Tom Kraushaar in einem Begleitbuch herausgegeben wurden. Beide Bücher erhellen sich gegenseitig,
        in: Satt.org v. 12.07.
     
           
       

    Zonenkinder (2002)
    Reinbek: Rowohlt

     
       
     
     

    Klappentext

    "Jana Hensel war dreizehn, als die Mauer fiel. Von einem Tag auf den anderen war ihre Kindheit zu Ende. Timurtrupp, Milchgeldkassierer, Korbine Früchtchen oder die »Trommel«: Die vertrauten Dinge des DDR-Alltags verschwanden gleichsam über Nacht - und ein Abenteuer begann. Plötzlich war überall Westen, die Grenze offen, die Geschichte auch. Von der Freiheit erwischt, machte sich eine ganze Generation daran, das veränderte Land neu zu erkunden"

    Pressestimmen

    "Jana Hensel hat den Kindern der Zone, der ersten gesamtdeutschen Generation, schon jetzt ein kleines Denkmal gesetzt"
    (Reinhard Mohr im Spiegel vom 07.10.2002)

     
     
     
           
       
    • Rezensionen

      • BISKY, Jens (2002): Traumbilder vom Osten in den Farben des Westens.
        Die Jahre, die Ihr nicht kennt, im Land, das Ihr zu kennen meint: Jana Hensel und Wolfgang Engler versuchen, das Leben der Ostdeutschen zu beschreiben,
        in: Süddeutsche Zeitung v. 09.10.
      • SCHRÖDER, Martin Z. (2002): Die DDR war gar nicht lustig.
        Eine Gesellschaft verpasst ihren Generationenkonflikt und könnte doch die Avantgarde sein,
        in: Literaturen Nr.11, November
      • RICHTER, Peter (2002): Die armen kleinen Gehirne.
        Was Kinder in der DDR so alles erdulden mußten, will Jana Hensel wissen,
        in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.11.
      • LÜHE, Marion (2002): Oden auf den Goldbroiler.
        Mag auch die DDR historisch erledigt sein, in den Herzen mancher Jungliteraten ist sie wieder auferstanden,
        in: Rheinischer Merkur Nr.45 v. 07.11.
      • AREND, Ingo (2002): Der Setzkasten der Erinnerung.
        Fetischcharakter. Jana Hensel hat Sehnsucht nach dem Warenparadies DDR,
        in: Freitag Nr.46 v. 08.11.
      • BRANDT, Jan (2002): Mit der Krise steigt die Sehnsucht.
        Die ostdeutsche Bestsellerautorin Jana Hensel hat sich auf die Suche nach einer real existierenden Kindheit gemacht. Ihr Buch "Zonenkinder" erfindet keine Generation Trabbi, sondern markiert die kulturelle Angleichung zwischen Ost und West,
        in: TAZ v. 26.11.
      • FREUNDEL, Natascha (2004): Wir gehen ins Museum.
        Jana Hensel trommelt die Zonenkinder zusammen,
        in: Berliner Zeitung v. 02.12.
      • GEER, Nadja (2002): DDR-Safari.
        Jana Hensel schwärmt vom braven Osten,
        in: Die ZEIT Nr.51 Literaturbeilage v. 12.12.
        • Inhalt:
          GEER findet das Buch lapidar nur etwas beunruhigt sie:

                   "Dass es »Rolli«, »Flitzi« und »Schnapp« nicht mehr gibt, kann man nicht ernsthaft bedauern. Aber dass eine Tochter ihre fortysomething-Eltern für pflegebedürftig erklärt, weil sich das Weltbild zwischenzeitlich um 180 Grad gedreht hat, ist ein Problem."
      • SCHÄFER, Frank (2003): Leben und Leiden am Rand.
        Anmerkungen zur Beziehung zwischen Pop und Provinz,
        in: Neue Zürcher Zeitung v. 23.01.
        • Inhalt:
          Frank SCHÄFER vermeldet einen Sieg:

                   "So jedenfalls könnte man den sich beinahe zu einer literarischen Mode auswachsenden Erfolg der «Zonenkinder» deuten. Jana Hensel, die das hübsche Etikett mit ihrem gleichnamigen Erinnerungsbuch geprägt hat, aber auch die hart an der eigenen Biographie entlang schreibenden Autoren Jakob Hein, André Kubiczek, Jochen Schmidt, Falko Hennig, Andreas Gläser oder Jana Simon sind Abkömmlinge der einstigen Grossprovinz DDR. Und es entbehrt nicht einer gewissen Ironie bzw. beweist einmal mehr die Dialektik der Geschichte, dass ausgerechnet diese Ostprovinzler sich an die Spitze der sich eine Zeit lang doch sehr weltmännisch-mondän gerierenden, mittlerweile etwas abgewirtschafteten Popliteratur setzten."
                   Ansonsten geht es um das Buch "Wie komme ich hier raus?" von Kolja MENSING und "Lovers Club" von HOLLAND-MORITZ
      • SOMMER, Gerlinde (2003): "Zonenkinder": Eine Abrechnung zwischen Aufbruch und Verlust,
        in: Thüringische Landeszeitung v. 08.02.
        • Kommentar:
          Gerlinde SOMMER ärgert den Spiegel und lobt Jana HENSEL:

                      "»Zonenkinder« ist lesenswert. Und die Frage, ob das Buch in die Kategorie »Generation Golf« gehört, beantwortet sich von selbst."
      • BÖTTIGER, Helmut (2003): Spiel doch mit den Zonenkindern,
        in: Tagesspiegel v. 23.02.
        • Inhalt:
          Helmut BÖTTIGER beschreibt die anschwellende Zonenkinder-Literatur:

                   "Thomas Brussigs »Helden wie wir« hatte bei allem Klamauk durchaus auch noch satirische Züge. Spätestens Leander Haußmanns »Sonnenallee«-Verfilmung machte dann jedoch das allgemeine Menschenrecht auf eine unbeschwerte Jugend kenntlich. Der Osten war nicht nur rot, er war vor allem auch immer jung. Und diese Erkenntnis brach sich in den letzten zwei Jahren literarisch breitflächig Bahn. Viele von denen, die 1989 mitten in der Pubertät erwischt wurden, führen jetzt in ihren Debüts und frühen Schriften die DDR als bunte Spielwiese vor. Die Materialsammlung »Zonenkinder« von Jana Hensel hat die Marktlücke am effektivsten besetzt: Good-Bye, Lenin!"
      • HOLTZ, Melanie (2003): Generation Trabi.
        Jana Hensel über die Aufstiegskinder aus dem Nirgendwo,
        in: Literaturkritik.de, Nr.11, November
      • JUNG, Thomas (2003): Phantomschmerz beim Ausverkauf der Erinnerung.
        Jana Hensels "Zonenkinder" und der rasche Abschied von der Vergangenheit,
        in: die horen, H.3,
     
       
    • Das Buch in der Debatte

      • Inhalt:
        Reinhard MOHR, der in den 90er Jahren selbst ein Generationenporträt entwarf, beschäftigt sich mit den Generation @-Buch von Jana HENSEL und dem Generation Golf-Buch "Aufgewacht. Mauer weg" von Susanne LEINEMANN und stellt beide in die Nachfolge von Florian ILLIES' Bestseller "Generation Golf". Diese Generation beschreibt er als jene

                 "Kinder von 1968, die in den vermeintlich coolen Achtzigern aufwuchsen und für Madonna schwärmten statt für Marcuse. Ihr Rudi Dutschke hieß Thomas Gottschalk, und ihr »Teach-in« war die »Saalwette« bei »Wetten, dass...?«"
                 Bei Susanne LEINEMANN missfällt MOHR der Versuch der Politisierung ihrer Generation:
                 "sie versucht (...) das historische Ereignis zu politisieren, neudeutsch, zu »branden«: »1989 könnte unser Label sein, unsere Marke, die uns als Generation unverwechselbar macht«".
                 Das Verhältnis der jüngeren HENSEL zur Generation Golf sieht MOHR im Schnittpunkt mehrer Linien:
                 "Sie gehört zur Generation der Mittzwanziger, die (...) den erbarmungslosen Markenkampf der etwas älteren »Generation Golf« (...) doppelt verpasst: Sie war zu jung und zu östlich.
        Doch es gibt eine verblüffende Parallele (...) der starke Hang (...) zur Warenästhetik und den feinen Unterschieden".
        MOHR stimmt HENSELs Generationenbild zu: "Wir sind die ersten Wessis aus Ostdeutschland" und lobt ihr Buch:

                 "Jana HENSEL hat den Kindern der Zone, der ersten gesamtdeutschen Generation, schon jetzt ein kleines Denkmal gesetzt".
      • MESSMER, Susanne (2002): Unsere schönen Projektionen.
        Warum tanzen viele junge ostdeutsche Autoren vor uns Westdeutschen plötzlich herum wie die Indianer beim Powwow-Tanz? Und warum finden wir sie dabei auch noch so exotisch? Über die Möglichkeit, selbst vorgeführt zu werden in unserem seltsamen Begehren nach dem Osten als dem ganz Anderen,
        in: TAZ v. 07.12.
      • LANGELÜDDECKE, Ines (2003): Gehen und bleiben,
        in: Merkur, Januar
        • Inhalt:
          LANGELÜDDECKE, Jahrgang 1976, auf der Suche nach der richtigen Zugehörigkeit:

                   "Bin ich Ossi, Wessi, Wossi - oder etwa ein Ost-West-Zwitter wie Jana Hensel in ihrem Buch Zonenkinder schreibt? (Gern wäre ich natürlich Avantgarde, wie Wolfgang Engler behauptet, der anscheinend große Hoffnungen auf die Bewohner meines Landstriches setzt.)
      • HACKER, Doja (2003): "Ich bin aber nicht traurig".
        Im Westen umschwärmt, im Osten beschimpft: Die junge Leipzigerin Jana Hensel hat mit ihren Kindheitserinnerungen "Zonenkinder" einen Riesenerfolg - und überraschende Schwierigkeiten,
        in: Spiegel Nr.2 v. 06.01.
        • Kommentar:
          Am 07.10.2002 hat Reinhard MOHR hier Jana Hensels  "Zonenkinder" gelobt.

                   Jetzt berichtet HACKER über die zwiespältige Aufnahme des Buches bei den Ossis und den Wessis. HACKER geht auf die Verrisse von Jens BISKY (SZ), Martin Z. SCHRÖDER (Literaturen), Ingo AREND (Freitag) und Peter RICHTER (FAZ) ein. Rahmenhandlung ist ein Porträt von Kai BIERMANN, das in der Stuttgarter Zeitung erscheinen soll.
                   Im Mittelpunkt steht das kollektive WIR, das Jana HENSEL zum Vorwurf gemacht wird: "So schnell (...) hat noch kein Hippie seinem Gegenüber das Du aufgedrängt wie dieses Buch dem Leser das Wir" zitiert HACKER den FAZ-Kritiker.
                   Erklärt werden soll das von Alexander FESTs These, dass sich der individualisierte Westen über Gemeinsamkeiten freue, während der Osten -  vom Kollektivieren gebrandmarkt - Verallgemeinerungen ablehne.
                   Ausgerechnet das Buch "Generation Golf" von Florian ILLIES soll diese These stützen. Offenbar vergisst das Feuilleton schnell, denn das WIR von ILLIES wurde von den westdeutschen Kritikern keineswegs einhellig begrüßt und Katja KULLMANNs "Generation Ally" wurde ihr WIR ebenfalls um die Ohren gehauen. Aber das interessierte niemand, nicht einmal den SPIEGEL, der nun Jana HENSEL, die sich als Fan von Fernbeziehungen outet, unter seine schützenden Fittiche nimmt.
      • BIERMANN, Kai (2003): Herzlich willkommen bei der Generation Wartburg.
        Ein Kind der Zone, kokett, aber nicht hilflos: wie die Schriftstellerin Jana Hensel nach den Resten ihrer ostdeutschen Identität sucht,
        in: Stuttgarter Zeitung v. 08.01.
        • Kommentar:
          Der SPIEGEL hat kräftig Werbung für Kai BIERMANN gemacht.
      • HODONYI, Robert (2003): Unbehagen mit dem Wir.
        Jana Hensel las aus "Zonenkinder" - und in Dresden prallten die Wahrnehmungen der Wendezeit aufeinander,
        in: TAZ v. 04.02.
        • Kommentar:
          HODONYI greift in seinem Artikel das SPIEGEL-Theorem von Doja HACKER auf.

                      Während dort jedoch der Ost-West-Konflikt in den Vordergrund gerückt wurde, ist HODONYI dem innerostdeutschen Generationenkonflikt nachgegangen.
      • SCHNEIDER, Carsten (2003): Wir Zonenkinder.
        "Zonenkinder", geschrieben von Jana Hensel, ist ein Buch über die Erfahrungen und Gefühle einer besonderen Generation, die mit dem Ende der DDR 1989 entstand,
        in: Thüringer Allgemeine v. 07.02.
     
       
    • Die Zonenkinder-Generation in der Debatte

      • WEDEL, Judith (2002): Ick wär' so gern ein Zonenkind.
        Verwöhnte Westgören (2),
        in: Freitag Nr.1 v. 27.12.
      • ALEXANDER, Robin (2003): Die vergoldete Zonenjugend.
        Sie sind jung. Sie sind erfolgreich. Sie treffen sich in einem Schwimmbad ohne Wasser: Die Generation 89 ist da. Na ja,
        in: TAZ v. 31.10.
      • BARTSCH, Michael (2004): "Im Osten entsteht vielleicht eine radikale Jugendbewegung", sagt. Lutz Niethammer.
        Die "Zonenkinder" waren zu jung, um das Ende der DDR als Befreiung zu erleben. Nun suchen sie nach Orientierung,
        in: TAZ v. 10.01.
        • Inhalt:
          Der Historiker und Soziologe Lutz NIETHAMMER sieht mit den um 1980 Geborenen, der - nach Jana HENSELs Bestseller benannten "Zonenkinder" -Generation - , eine Generation mit radikalem Potenzial heranwachsen:

                
            "Jene, die noch in ihrer Pubertät alle Repressionen und Mängel der DDR erlebt haben und beim Mauerfall mindestens 15 Jahre alt waren, haben in aller Regel ja die Wende genossen und die neuen Möglichkeiten genutzt. Es geht um die Jüngeren, die keinen reifen Systemvergleich anstellen können. Sie haben eine geschützte Kindheitswelt verloren und sind in eine Welt von lauter Zumutungen hineingeworfen worden. Ihre Eltern konnten nicht mehr richtig Eltern sein, weil sie selber überlastet waren mit Verlustprozessen in der neuen Freiheit. Wenn sie nun verstärkt die Sinnfrage stellen, erscheint der Westen als unbefriedigend und ohne Tiefgang."
                
            NIETHAMMER unterscheidet drei generationsspezifische Typen:
                
            "Sinnsucher, Ordnungssucher und Gemeinschaftssucher. Die Sinnsucher wollen nicht erwachsen werden. Sie wohnen lange zu Hause, fahren nicht nach dem Westen, sondern nach Rumänien, experimentieren mit fernöstlichen Religionen, machen Projekte in Kuba, nehmen nur zögernd oder ziellos eine Ausbildung auf. Sie glauben nicht an einen Ordnungssinn. Der Sinn muss dagegen entwickelt werden und wird oft nur in der Nische gefunden. Die Ordnungssucher haben wir bisher hauptsächlich bei jungen Männern gefunden. Sie gehen im Grunde auch von einer Verwilderungserfahrung aus, insbesondere, wenn sie eine behütete Kindheit in der DDR hatten. Sie finden nun z. B. in ihrer Bundeswehrzeit eine neue Ganzheitsmaschine, die ihnen institutionellen Schutz gibt und wo sie als Ostdeutsche nicht diskriminiert werden. Auch die rechte Szene, um die es nur scheinbar stiller geworden ist, bietet ein Potenzial für die Ordnungssucher. Die Gemeinschaftssucher liegen irgendwo dazwischen."
     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 08. Oktober 2002
    Update: 16. November 2009