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- JESSEN,
Jens (2002): Revolution als Mode.
Das
Bunte, das Laute, die Siebziger und ihre
Gewaltfantasien. Rückblick auf ein Jahrzehnt,
das keine Erwachsenen duldete
in: Die ZEIT Nr.4 v. 17.01.
- Kommentar:
"Das Runde muss
ins Eckige", das ist der Buchtitel
von
Helmut
SCHÜMANNs Bundesligageschichte und es ist
gleichzeitig das Motto von Jens JESSEN,
der sich als Anwalt des Eckigen darum
bemüht das Runde zu parieren.
Das Runde
sind die 70er Jahre - nach Meinung von Jens JESSEN ein Jahrzehnt des Schreckens. Dem
möchte er die goldenen 50er Jahre
entgegensetzen. Seit
Gerd KOENEN die 70er
Jahre recyclet hat, ist das Bild dieses
Jahrzehnts festgeschrieben.
JESSEN
spitzt die 70er Jahre nun auf die
Kontroverse "Familien contra
Singles" zu und bringt dies in
Zusammenhang mit dem Terrorismus. Er
spricht zwar vom Jugendwahn und den
"Erwachsenen als marginalisiertes
Volk". Er umkreist damit das Thema
nur, ohne es zu nennen. Jugendlichkeit
ist für JESSEN jedoch gleichbedeutend
mit Kinderlosigkeit und Single-Dasein,
während das Erwachsensein die Gründung
des eigenen "Familienhaushalts"
voraussetzt:
"Wer
seinen Topschnitt in RCDS-Versammlungen
trug und bei Muttern wohnte, konnte alle
Hoffnung auf Geschlechtsverkehr begraben.
Die frühen siebziger Jahre waren die
ersten, die einen Außenseiterhass
züchteten, wie ihn Houellebecq
beschrieben hat."
HOUELLEBECQ ist
unverzichtbares Zitierzeug für
Kulturpessimisten wie JESSEN und dann
kommt er doch noch zum Kern, wenn er
Selbstverwirklichung mit "Freiheit
von den natürlichen
Reproduktionszusammenhängen"
gleichsetzt:
"Die
Frau, die sich nicht runden durfte, war
die Frau, die nicht schwanger und nicht
Mutter, also niemals erwachsen werden
sollte."
JESSEN
übersieht jedoch, dass es ohne die 70er
Jahre heute keine als Familienpolitik
umschriebene Bevölkerungspolitik geben
könnte.
In jenem
Jahrzehnt wurde die Bevölkerungspolitik
der BRD institutionalisiert. 1973 wurde
das Institut für Bevölkerungsforschung
gegründet und 1975 erschien die erste
Ausgabe der "Zeitschrift für
Bevölkerungswissenschaft". Offenbar
waren damals nicht die regressiven Kinder
an der Macht, um ihre Kinderrepublik zu
errichten.
JESSEN
übernimmt mit seiner Kritik an den 70er
Jahren das
Selbstverständnis der
68er-Generation. Diese
68er-Generation hat die
Single-Gesellschaft genauso bekämpft wie
JESSEN heutzutage. Sein Vordenker könnte
sehr gut der 68er Jörg FAUSER sein, der
über seine Generation schreibt:
"vergiß
nicht: wir sind eine Generation von
Trümmerkindern, erst später hat man uns
Computersilos und Zuckerfassaden auf die
Trümmer gestellt, aber wir vergessen sie
nicht. Und wenn wir am Ufer des Babylon
im Schatten des Molochs sitzen, wir
brauchen nur über den Fluß zu blicken,
dort rauchen noch immer die Trümmer.
Manche werden von solcher Sehnsucht nach
ihnen erfaßt, daß sie bei Nacht und
Nebel über den Fluß gehen (...). So
groß kann unsere Liebe zu dieser Welt,
die man uns vorgesetzt hat, niemals sein,
daß wir uns nicht alle nach den alten
Trümmern sehnen".
Dieser Text
ist nicht im Anschluss an den 11.
September entstanden, sondern im Jahr
1979 erschienen. In diesem Roman, der
"Alles wird gut" heisst,
beschreibt FAUSER - ein Denker des
Eckigen - die eigene Wurzellosigkeit und
projiziert sie auf die Großstadt
München. Seine aus den Trümmern des
Nachkriegsdeutschland entwachsene
Weltsicht kumuliert in einem Satz:
"Es
ist die Berührungsangst, die
Zärtlichkeitsangst, die Lebensangst, die
wie ein endloser Winter durch dieses Land
wandert; ihrer Kälte entkommst auch du
nicht".
JESSEN
kämpft noch immer die alten Kämpfe der
68er Trümmerkinder und kann nicht
akzeptieren, dass
Familie und
Single-Dasein keine Gegensätze sind,
sondern normale Phasen im Lebenslauf.
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JESSEN, Jens (2002): Der große Jammer.
Ein Meister
und sein Epigone: Joris-Karl Huysmans und Michel Houellebecq. Aus
Anlass des Romans "Plattform"
in: Die ZEIT
Nr.7 v. 07.02.
- Kommentar:
Jens JESSEN hat eine äußerst lesenswerte Rezension zu
"Plattform" verfasst.
Er sieht HOUELLEBECQ - das
"Trüffelschwein für
Verletzungspotenziale" - in der
französischen Tradition des
Antimodernisten Joris-Karl HUYSMANS.
Dieser war "der erste moderne Feind
der Moderne" des Fin de Siècle.
HUYSMANS "beerdigte" damals den
Naturalismus und begründete "die
literarische Décadence".
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JESSEN, Jens (2002): Grenzschützer des Westens.
Der 11. September hat eine hysterische Fahndung nach Feinden der
Freiheit in Gang gesetzt. Kritiker der Gesellschaft und
Kulturkonservative geraten unter denselben Verdacht. Anmerkungen zu
einer deutschen Ideologie,
in: Die ZEIT Nr.40 v.26.09.
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JESSEN, Jens (2002): Ein Hass, der zum Kummer wird.
In Feridun Zaimoglus neuem Roman sind die Menschen
erbarmenswürdige Kreaturen,
in: Die ZEIT Nr.47 v. 14.11.
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JESSEN, Jens (2005): Angst vor dem Verrat.
Vaterschaftstest: Warum ist die biologische Herkunft so wichtig?
Eine Kulturgeschichte der Familienforschung,
in: Die ZEIT Nr.4 v. 20.01.
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