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Joachim
Lottmann in seiner eigenen Schreibe
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LOTTMANN, Joachim (2003): Meine Abenteuer in der Wirklichkeit.
"Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sollten zufällige sein - ich
lachte nicht schlecht": Joachim Lottmann lieferte 1987 mit "Mai,
Juni, Juli" die Blaupause für die Popliteratur. Nun erscheint der
lange vergriffene Roman neu. Der Autor erinnert sich,
in: TAZ v. 26.02.
- Inhalt:
Joachim
LOTTMANN beherrscht die hohe Kunst der Selbstvermarktung:
"Als später
Christian
Kracht mit einer Kopie von »Mai, Juni, Juli« triumphal als
Begründer der deutschen Popliteratur gefeiert wurde, rief er mich
mit belegter Stimme an; ich glaube, er hatte geweint. Worin also
bestand die Wirkung?
Von Anfang an bestand der Trick darin, sich so extrem eng und
hyperreal an die Wirklichkeit zu halten, dass jeder dachte, es sei
einfach nicht wahr. Dieses beschriebene Leben war zu gut, zu
aufregend, zu sexy, als dass es wahr sein konnte. Die Leser selbst
lebten in öde ausgehandelten »Zweierbeziehungen« und vertaten ihre
Zeit mit den Praktikabilitäten des Alltags. Sie holten für ihre
Freundin ein Schrankeinlege-Set von Ikea ab, bis der Tag vertan
war.
Doch dann lasen sie »Mai, Juni, Juli« und rissen die Augen auf:
Dort stand ihr Ikea-Besuch, aber als funkensprühender LSD-Trip.
Alles stimmte, auch das allerkleinste Detail, das machte die Leute
fast fertig. »Sehen lernen«, sagte der damals noch junge Bazon
Brock dazu. »Hören lernen«, fügte ich hinzu".
-
LOTTMANN, Joachim (2003): Nichts als die Wahrheit.
Ob Goethe, Goetz oder Biller: Literatur ist am besten, wenn sie
nah an der Wirklichkeit ist. Wenn sie aus Liebe entsteht oder aus
Wut im Bauch. Ein Plädoyer für Maxim Billers verbotenen Roman
"Esra",
in: TAZ v. 05.07.
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LOTTMANN, Joachim (2003): Weil es Liebe ist.
Joachim Lottmann erfindet Blumfeld neu,
in: Jungle World Nr.36 v. 27.08.
- Kommentar:
LOTTMANN erzählt von Blumfeld, wie üblich
spielt auch hier LOTTMANN selber die einzige Hauptrolle:
"Ich
hatte Blumfeld-Gründer
Jochen Distelmeyer zusammen mit
Bernd Begemann 1984 in Bad
Salzuflen kennengelernt und war mit ihm seitdem befreundet. Die
meisten Songtexte hatte er selbst geschrieben, nur
›Testament der
Angst‹, der Titelsong einer gleichnamigen CD, stammte von mir."
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LOTTMANN, Joachim (2003): Mein Leben mit Stuckrad-Barre.
Alle mal herhören. Letzte Durchsage: joachim lottmann erklärt die
Popliteratur,
in: Jungle World Nr.30 v. 16.07.
- Kommentar:
"Warum erkennt man nicht, dass »Soloalbum«
einer der zehn besten Romane der Bundesrepublik ist?",
fragt sich Joachim LOTTMANN, um dann eine Hymne auf Benjamin von
STUCKRAD-BARRE zu singen (Bereits
Katharina RUTSCHKY im MERKUR
und die SPEX im April 2003 haben ihn - jetzt nach dem
Ende der Popliteratur
- verteidigt!):
"Sein Ritt durch die Medien war gut
durchdacht und genau so, wie ich es mir von einem politisch
bewussten Menschen, ja, einem Marxisten immer gewünscht hatte. Er
war nicht ein Opfer der Medien, also der Umstände, des Systems,
des Kapitalismus et cetera, sondern ein Benutzer und
bewusstseinsstiftender Entlarver desselben. Wo er hinkam, kannte
er die ungeschriebenen Gesetze und setzte sie gnadenlos um. Woher
er sie kannte? Durchs Hinschauen! Der Mann hat eben mit seinem
Fernseher wirklich gearbeitet, anstatt sich berieseln zu lassen.
Seine Mittel: Übertreibung, Beschleunigung, Ästhetisierung. Seine
Lehrer: Schlingensief, Harald Schmidt,
J.D. Salinger.
Natürlich auch Kracht und Lottmann. Sein Busenfreund
Rainald (»Irre«) hat
ihn dagegen ästhetisch eher behindert. »Soloalbum« ist das eine
und einzige Buch, das jeder Mensch schreiben kann und meiner
Ansicht nach auch sollte (nach Baum pflanzen und Kind kriegen).
Jeder trägt eben ein gutes Buch in sich. Danach erst beginnen die
Second-Order-Erfahrungen, das Ausgedachte, die Literatur, also
der Krampf."
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LOTTMANN, Joachim (2004): 50 Jahre Rock 'n' Elend.
Ein halbes Jahrhundert Jugendkultur kann man feiern. Man kann
damit aber auch nichts zu tun haben wollen. So wie joachim lottmann,
in: Jungle World Nr.19 v. 28.04.
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LOTTMANN, Joachim (2004): Die Jugend von heute.
Auszüge aus dem gleichnamigen Roman,
in: Jungle World Nr.40 v. 22.09.
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LOTTMANN, Joachim (2004): Im Zoo mit dem Phantom.
"Sophie Dannenberg" ist die meistdiskutierte neue
Schriftstellerin des Jahres. Ihr Roman "Das bleiche Herz der
Revolution" hat die alten 68er empört und die Literaturkritik
wachgerüttelt: Wer steckt hinter dem Pseudonym? Ist die Frau, die
als Sophie Dannenberg auftritt, womöglich nur eine Schauspielerin?
Ein Fall für ihren Kollegen Joachim Lottmann, Spzialist für den
diffusen Bereich zwischen Dichtung und Wahrheit,
in: TAZ v. 13.11.
- Kommentar:
Wer spricht, wenn DANNENBERG zitiert wird? Und
vor allem: Wer gehört überhaupt zu den 68ern?
"Alles was sie taten, war auf
Zerstörung ausgerichtet. Auch auf die Zerstörung persönlicher
Bindungen. Idealbild war die Gruppe. Alle persönlichen
Differenzierungen wurden unterdrückt. Identität aber ist nichts
anderes als Differenzierung. So waren die Alt-68er gegen jegliche
Identität an sich! Das Ideal war der egalisierte, gleichgeschaltete
Mensch, der nicht mehr denkt! Pflichtlektüre damals war
Horst-Eberhard
Richters Buch »Die Gruppe«. Bis heute ist dieser Mensch dafür
nicht zur Rechenschaft gezogen worden! Er läuft noch immer frei
herum, mitten unter uns, wie ein ganz normaler ehrenwerter
Mitbürger!".
RICHTER gehört zur
Kriegsgeneration, also eher in die Kategorie "Ersatzvater" der
68er-Generation.
Die
DANNENBERG-LOTTMANNsche 68er-Konstruktion ähnelt frappiert der
NOLTEschen
"Generation Reform" - keiner weiß
so genau wer dazu gehört...
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LOTTMANN, Joachim (2005): Der bessere Dylan.
Maxim Biller singt jetzt auch. Und siehe da: Der Mann ist ein
Popgott,
in: Jungle World Nr.2 v. 12.01.
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LOTTMANN, Joachim (2005): "In former times, they have been lions".
Unser Gesellschaftsreporter
Joachim Lottmann berichtet von der Jubiläumsveranstaltung "25 Jahre
Grüne" in der Berliner Kulturbrauerei. Joschka Fischer fehlte, dafür
waren andere Promis und jede Menge Graue Panther da: Die Grünen sind
längst Teil des Methusalem-Komplotts,
in: TAZ v. 31.01.
- Kommentar:
Während die
Grünen noch immer so tun, als ob
sie nicht zum Establishment gehörten und ihre Klientel-Politik als
Sache der sozialen Gerechtigkeit darstellen, kennt LOTTMANN
keinerlei Zurückhaltung, sondern sagt was Sache ist:
"Ich
gebe zu, auf keiner der vielen Foren, Rückblicke, Debatten,
Empfänge und Partys gab es etwas Unerwartetes und Spontanes oder
gar Lebendiges. Nicht einmal als eine Rednerin (Manuela Rottmann)
etwas ungeschickt fragte: »Sollen wir etwa
Politik für
die neuen Familien am Kollwitzplatz machen, die Bioprodukte
kaufen und ihre Kinder in die Waldorfschule schicken?!«, gab es
kein lautes, kräftiges, vielstimmiges »Jaaa!«. Und doch ist es so:
Für genau diese Leute sitzen die Grünen in der Regierung. Und das
ist gut so."
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Joachim
Lottmann: Porträts und Gespräche
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- LAGER, Sven (2003): "Ich wollte der
neue Böll werden".
1987 schrieb Joachim Lottmann den Pop-Klassiker "Mai, Juni, Juli".
Seinem Kollegen Sven Lager erzählt er, was seitdem geschah,
in: Tagesspiegel v. 06.05.
-
FÖRSTER, Jochen (2003): Dem Leben den Hintern zeigen.
Popliteratur ist gleich Jürgen Lottmann: gern wütend, oft vulgär,
manchmal jämmerlich. Aber selten langweilig,
in: Welt v. 26.07.
- Kommentar:
Jochen FÖRSTER porträtiert natürlich nicht Jürgen,
sondern
Joachim LOTTMANN.
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TITTEL, Cornelius (2004): Der Feldforscher.
Wie aus einem x-beliebigen Autor ein Joachim Lottmann wurde und
warum man den echten Joachim Lottmann auch schon mal für einen
tragikomischen Tom Kummer halten kann. Ein Treffen mit dem
Wartburgfahrer und selbst ernannten Erfinder der Popliteratur im
Berliner Stadtteil Friedrichshain,
in: TAZ v. 06.10.
- WINKLER,
Willi (2004): Der mysteriöse Onkel J-Lo.
Joachim Lottmann schreibt schon lange, und richtig lustig ist er
obendrein. In seinem neuen Roman observiert er die Jugend - mit vollem
Körpereinsatz,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.10.
-
LINDEMANN, Thomas (2004): Ein Nachtclub, der Deutschland heißt.
Auf der Suche nach der Jugend: Ein Abend mit Joachim Lottmann, dem
Patenonkel und großen Außenseiter der deutschen Popliteratur,
in: Welt am Sonntag v. 24.10.
-
MICHAELSEN, Sven (2004): Joachim Lottmann.
"Für die ist Adenauer eine Seife!",
in: Stern.de v. 27.10.
- ZIEGLER, Helmut (2004): Der Planet Lottmann.
Begegnung mit dem Vater der deutschen Pop-Literatur,
in: Magazin der Berliner Zeitung v. 04.12.
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GASPER, Regina (2005): "Erzähl ich denen von Adenauer, sagen die: 'Ist
ja kraß, Alter!'",
in: Wochenendmagazin des Hamburger Abendblatt v. 29.01.
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Joachim
Lottmann: Die letzte lange Nacht der Popliteratur im Berliner
"Kurvenstar"
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Klappentext
"Schon Sokrates klagte über die
Jugend in Athen, sie sei auch nicht mehr das, was
sie früher einmal gewesen war. Derlei rentnerhaftes
Genörgel ist Joachim Lottmanns Sache nicht. Onkel
Lojo, der Ich-Erzähler seines Romans, feiert das
Neue: Gestern ist doof, heute ist klasse, morgen ist
Ecstasy. Das gilt auch für die jungen Leute um
seinen Neffen Severin, eben die Jugend von heute.
Als erster Erwachsener lebt der Erzähler unter
ihnen, und damit im Herz unserer Kultur, die eine
Jugendkultur ist. Er erforscht ihre Rituale,
vergleicht diese neueste deutsche Jugend mit ihren
Vorgängern, hört ihre Musik, besucht ihre Partys,
nimmt ihre Drogen, schwärmt für ihre Frauen und
versucht unter Einsatz seines Lebens, diese
Herrscher von morgen zu verstehen.
»Mai, Juni, Juli« war der Roman der ausgehenden 80er
Jahre: eine wütende und großkotzige Abrechnung mit
der nicht enden wollenden deutschen
Nachkriegsliteratur (...).
»Die Jugend von heute« ist der Roman des beginnenden
21. Jahrhunderts: ein Dokument der Zeit nach dem
Börsen-Boom, der Medienblase, der Spaßgesellschaft
und so, dazu eine Achterbahnfahrt der Gefühle und
das Protokoll eines hemmungslosen Höllentrips."
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Lottmann über
Lottmann
"Ich bin ein soziophober Autist, der nur mit Hilfe
eines Mediums kommunizieren kann - und mein Medium
sind Frauen. Außerdem nimmt mir Heiraten die
Verlustangst. Ich denke beim kleinsten Streit:
»Jetzt ist die Beziehung zu Ende!« In der Ehe kann
man mit Messern aufeinander losgehen und bleibt
trotzdem verheiratet".
(Stern Online, 27.10.2004)
Pressestimmen
"Wenn es ein Pendant zu Houellebecq in Deutschland
gibt, ohne dessen gesamten Weltekel gleich
mitzuschultern, dann ist es Lottmann. Dabei ist sein
Roman ein schwereloser Tanz durch die Luft. Eine
Warterei in der Disco, auf den Dealer, aufs Leben,
darauf, dass etwas passiert. Ein wundervolles Buch
über das Nichts."
(Matthias Matussek im Spiegel vom
04.10.2004)
"Immer wieder bekämpft der Protagonist den
»Antisexismus« des Neffen, der endlich eine Freundin
finden und erwachsen werden soll: »So wie er war
seine ganze verdammte Generation.«
(Thomas Lindemann in der Welt am
Sonntag vom 24.10.2004)"
"Hier ist die unbekümmerte Spaßgesellschaft noch
unverbrüchlich am Werk – mit von der prinzipiellen
Perspektivlosigkeit ihres Tuns natürlich schon
verschatteter Stimmung. Und einem Problem: »Die von
mir so bewunderte und engagierte Jugend von heute
war vollkommen krank. Und zwar in einem Ausmaß, das
noch keiner vor mir erkannt hatte. Mehr noch:
Definierte man Jugend als die Zeit nach der Kindheit
und vor der Berufstätigkeit, so gab es seit den 90er
Jahren gar keine Jugend mehr. Keiner erreichte mehr
postpubertäre Reife. Ich war der letzte lebende
Teenager.« Und ein bisschen prägnanter: »Unsere
Kultur, also die Jugendkultur, war erkenntnisimmun.
Alle Körper waren knackig, und alle Gesichter waren
die von Kindern.« Eine Jugend also, die gar nicht
richtig Jugend ist, metrosexuell durch ihre endlose
Party stolpert, und vor allem: niemals endet. Eine
Horrorvorstellung."
(Ulrich Rüdenauer im Tagesspiegel
vom 23.11.2004)
"Jolo kann nicht verstehen, warum die 13- bis
19-jährigen Scheidungskinder der vaterlosen
Gesellschaft den ganzen Tag pornografische
HipHop-Videos und die MTV-Sexvermittlungssendung »Dismissed«
schauen, dann aber lieber die ganze Nacht »schwul
herumlabern« statt zu bohnern. Der im Gedankengut
der 68er sozialisierte Icherzähler beobachtet
besorgt, dass sich der Exzess der Jungmenschen auf
einen fast kindlichen Hedonismus beschränkt. Sein
Blick an der nicht mehr geilen Jugend schrammt
haarscharf am Altherrenvoyeurismus vorbei, der sich
den Ritualen der beobachteten Jugend staunend und
mit großer Sympathie nähert."
(Matthias Dusini im Falter vom
15.12.2004)
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Rezensionen
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MATUSSEK, Matthias (2004):
Lotse für den Onkel.
Popliterat Joachim
Lottmann lässt sich in das Horrorszenario des Berliner
Nachtlebens fallen,
in: Spiegel Nr.41 v. 04.10.
-
SEIDL, Claudius (2004): Jugend ohne Sex.
Ein Manifest gegen die Wirklichkeit: Joachim Lottmanns
Roman "Die Jungend von heute",
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
17.10.
- KRAFT, Thomas (2004): In der
Kuschelecke,
in: Rheinischer Merkur Nr.45 v. 04.11.
- KRAFT, Thomas (2004): Die
Jugend vom Alter aus gesehen.
Joachim Lottmanns "endkrasser" Romanversuch,
in: Financial Times Deutschland v. 05.11.
- RÜDENAUER, Ulrich (2004):
Endkrass.
Warum man Berlin
nicht entkommt: Joachim Lottmann huldigt in seinem Roman der
„Jugend von heute“,
in: Tagesspiegel v. 23.11.
-
SCHÄFER, Frank (2004): Die ewigen Nächte.
Joachim Lottmann ist der Jugend von heute hart auf den
Fersen,
in: junge Welt v. 29.11.
-
DUSINI, Matthias (2004): Joachim Lottmann: Die Jugend von
heute,
in: Falter Nr.51 v. 15.12.
-
SPIEGEL, Hubert (2004): Die letzten Teenager.
Was Joachim Lottmann und Sophie Dannenberg verbindet,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.12.
- Inhalt:
SPIEGEL listet erst einmal die
Generationenlabels auf, die in den letzten Jahren ins
Rennen um die Nachfolge der 68er geworfen worden
sind. Sein Fazit:
"Zur Zeit ist das
Generationenschlachtfeld des Literaturbetriebs wie
leergefegt. Nur an den Rändern lungern noch der
Achtundsechziger und der Popliterat herum".
Beide werden sich nach Meinung
von SPIEGEL immer ähnlicher, wobei der 68er den Vorteil
hätte, dass ihn die Renegaten immer wieder ins Gespräch
bringen würden, während die Popliteratur sich höchstens auf
die Väter der Popliteratur zurückbesinnen könnten.
Voilà, damit ist SPIEGEL
endlich bei Joachim LOTTMANN angelangt. Dessen Buch
"Die Jugend von heute" ist für
SPIEGEL ein Indiz für die drohende "Veronkelung" der
Popliteratur:
"Man muß nicht nach Entenhausen
blicken, um zu wissen, daß der Onkel in der Literatur oft
eine eher lächerliche Figur abgibt.
Wo Machtfülle und
Patriarchenwürde des Vaters Vernichtungswünsche und
Tötungsphantasien der Nachgeborenen auslösen, wird der Onkel
in der Regel als tendenziell gleichrangig betrachtet."
Onkel Jolo, das Alter Ego
des Autors LOTTMANN im Roman um die Jugend von heute, treibt
zum einen ein ethnologisches Interesse in die Clubs von
Berlin und München und andererseits die Sorge um seinen
Neffen Elias, der nicht zum Sex, sondern nur zum Kuscheln
vordringt (hier kehrt der Softie, d.h. ein typisches
78er-Produkt, als Vorwurf an die nachfolgende
Generation wider!).
Elias steht jedoch nur stellvertretend
für die Krankheit der Jugend von heute, oder wie es Jolo
ausdrückt:
"Definierte man die Jugend als
die Zeit nach der Kindheit und vor der Berufstätigkeit, so
gab es seit den 90er Jahren gar keine Jugend mehr. keiner
erreichte mehr die postpubertäre Reife, ich war der letzte
lebende Teenager."
Hieß es bei
Günter FRANZEN
"Vor den Müttern sterben die Söhne", so heißt es bei SPIEGEL
nun "Vor den Onkeln sterben die Neffen". Damit wären wir
endlich bei dem derzeit beliebtesten Sujet: der
vaterlosen
Gesellschaft.
SPIEGEL spitzt das Romanthema
außerdem feuilletondebattengerecht zu, wenn er erstens
Homosexualität (Metrosexualität) als abweichendes Verhalten
problematisiert und zweitens den türkischen Macho einerseits
als sexuell zielstrebiger, aber brutal beschreibt.
Opfer in dieser
ungleichen Männerkonkurrenz (der Deutsche steht angesichts
des türkischen Barbaren von vorneherein auf verlorenem
Posten) ist die postfeministische Frau der
Generation Ally, die SPIEGEL bei LOTTMANN mit der
Figur "Hase" identifiziert.
Onkel Jolo würde Hase gerne mit
Elias verkuppeln, aber da ist deren Erziehung vor. SPIEGEL
zieht hier eine Verbindung zur
Kommune I des Rainer
LANGHANS, womit wir bei DANNENBERGs Roman
"Das bleiche
Herz der Revolution" sind, für den sich SPIEGEL zwar
nicht begeistern kann, der aber die Folie für das
Grundproblem der Jugend im Zeitalter der Demografiepolitik
abgibt.
Hase ist für SPIEGEL identisch
mit Kitty, die Protagonistin und das Alter Ego von Sophie
DANNENBERG.
Damit ist auch der Zusammenhang
zwischen LOTTMANN und DANNENBERG hergestellt. SPIEGEL unkt
zum Schluss:
"Wenn Lottmann, angeblich
Jahrgang 1956, und Dannenberg, angeblich 1971, identisch
sind, dann hat die Generation, der sie beide angehören, zwar
noch keinen Namen, aber vermutlich ein Problem. Nicht nur,
was den Nachwuchs betrifft."
-
SYDOW, Sandra (2005): Joachim Lottmann - Die Jugend von
heute,
in: de:bug.de v. 04.01.
-
CONRADS, Martin (2005): Onkel forscht.
Joachim Lottmann: Die Jugend von heute,
in: fluter.de v. 13.02.
- Inhalt:
CONRADS geht näher auf den Blumfeld-Song "Die
Jugend von heute" aus dem Album
"Jenseits
von Jedem" ein.
-
Neu:
STOCK, Ulrich (2005): Der letzte lebende Teenager.
Was lässt sich sagen über die Jugend von heute?
Joachim Lottmann begibt sich unterhaltsam auf literarische
Spurensuche,
in: Die ZEIT Nr.8 v. 17.02.
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Klappentext
"Soll er eher
etwas Autobiographisches schreiben oder doch lieber
einen DDR-Roman? Der namenlose Ich-Erzähler aus
»Mai, Juni, Juli« streift durch eine deutsche
Metropole, es ist Mitte der 80er Jahre und alle
reden von Pop, Sex und Seele. Er will ein »großer
Schriftsteller« werden, aber noch kommt er schlecht
aus dem Bett und leidet an Depressionen. Es vergehen
Wochen, Monate, und schon wieder ist ein Tag
verloren, weil er kein Schreibmaschinenpapier zur
Hand hat. Doch immerhin weiß er, was alles nicht
vorkommen darf: keine verdammt gute Literatur, keine
Monomanie, keine Exzesse, kein Tiefgang, keine
geschmäcklerische Yuppie-Schreibe."
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Pressestimmen
"Dieser Roman war der Anfang, der Anfang
von vielem, großem, schönem, lebensgenauem, was in den
neunziger Jahren zu erleben und zu lesen war, war der Anfang
von einer Zeit, in der »Schriftsteller grade bei der des Barbarentums verdächtigten Generation um die dreißig wieder
als erstrebenswerter Beruf galt«, wie Willi Winkler einmal
schrieb. War der Anfang vom neuen, schönen, großen
Lebensschreiben."
(Volker Weidermann in der FAS vom
17.03.2002)
"Die Momentaufnahme trifft recht genau die
Zeit, in der in Deutschland im Umfeld von Zeitschriften wie
Elaste, Tempo und vor allem der Kölner Spex das Schreiben
über und mit Pop geprobt wurde. Die Texte zeigen, was
geschieht, wenn sich Erfahrung in die zweite Bedeutungsebene
verzieht. Es herrschen Oberflächenreize statt Sinnsuche, und
dem hohen Ton der moralischen 60er und friedensbewegten 70er
begegnet Lottmann mit unbeschwerten Unkorrektheiten und
Provokationen. Offenbar hat man das damals für baren Inhalt
genommen, statt als genervte Reaktion auf die gut gefühlten
Mainstreamdiskurse und faulen Zeichenverbote der Zeit
interpretiert."
(Markus Schneider in der Berliner Zeitung vom
14.07.2002)
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Rezensionen
- WEIDERMANN,
Volker (2002): Joachim Lottmann: Mai, Juni, Juli.
1987 - Ein Buch rennt nach draußen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
17.03.
-
NEDO, Kito (2003): Zurück zu den 80ern.
Joachim Lottmann: Mai, Juni, Juli,
in: Fluter, April
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KARNIK, Olaf (2003): Diedrich Diederichsen - Sexbeat & Joachim
Lottmann - Mai, Juni, Juli,
in: Büchermarkt. Sendung des DeutschlandRadio v. 23.05.
- Inhalt:
Olaf KARNIK bespricht ausführlich die Wiederveröffentlichungen von
Diedrich
DIEDERICHSENs "Sexbeat" und Jochen LOTTMANNs "Mai, Juni, Juli",
die er in einen Zusammenhang mit dem erfolgreichen
Doku-Roman "Verschwende
deine Jugend" von Jürgen TEIPEL bringt.
KARNIK konfrontiert LOTTMANNs Aussagen im
TAZ-Interview und eine Lobeshymne in der FAS mit Aussagen der
damaligen SPEX-Redakteurin Clara DRECHSLER:
"Also, als revolutionär habe ich das
damals eigentlich nicht empfunden. Neu war an diesem Roman eigentlich
nur – Lottmann war das Neue. Und dass man Lottmann noch ertragen
konnte. So gesehen hatte er da eine gewisse Rückendeckung von uns aus,
natürlich auch gegen die Leute, denen dann plötzlich aufgefallen ist,
dass es überhaupt keine richtige Literatur ist und so weiter. Das
heißt, er hat sich kurzzeitig die richtigen Feinde gemacht, gegen die
man ihn dann verteidigen musste – an und für sich hätte sich sonst
wahrscheinlich nie jemand die Mühe gemacht."
Die Gemeinsamkeit und den Unterschied von
DIEDERICHSEN und LOTTMANN beschreibt KARNIK folgendermaßen:
"Joachim Lottmann und Diedrich
Diederichsen haben den damals durch Bohèmia wehenden Zeitgeist auf den
Begriff gebracht - Diederichsen eher kritisch, analytisch,
historisierend; Lottmann eher affirmativ, erzählerisch,
protokollierend."
-
SCHNEIDER, Markus (2003): Vom Zeitgeist genervt.
Erinnerungen an Pop: Joachim Lottmanns "Mai, Juni, Juli"
aus dem Jahr 1987,
in: Berliner Zeitung v. 14.07.
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Deutsche
Einheit (1999).
Ein
historischer Roman aus dem Jahr 1995
Zürich:
Haffmans
(Diana-Taschenbuchausgabe: Heyne Verlag, 2001)
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Klappentext
"Nach zehn Jahren
deutscher Einheit endlich der
Schlüsselroman dazu! In einem
Berlin, das vor Aufbruchstimmung
birst, trifft unser Erzähler auf
viele bekannte und unbekannte Helden
der Gegenwart. »Die Literatur ist
tot, aber wir leben«, sagt uns der
Autor im Vorwort. Und »Am Anfang war
das Wort. Am Ende dieses
Buch.«"
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Pressestimmen
"Im Jahre 1995 zieht ein
nicht mehr ganz junger Mann nach Berlin. Dort
soll er für eine Zeitung arbeiten. Doch
bevor er auch nur einen Artikel für die
immerhin 2000 Mark Vorschuss abgeliefert hat,
ist der Roman zu Ende. Joachim Lottmann
nämlich, der hier eben nicht nur als Autor,
sondern auch als Held und Ich-Erzähler
fungiert, ist in erster Linie daran
interessiert, Berlin an sich auszuprobieren.
Die Ergebnisse dieses Selbstversuchs werden
dem Leser chronologisch mitgeteilt"
(Joachim Feldmann in Freitag
vom 05.11.1999)
"Lottmann, respektive
»Lottmann«. Ausgerüstet mit einem
Stipendium, das ihm Freunde zugeschanzt
haben, ist er nach Berlin gekommen (...).
Als literarischer Hasardeur und
intellektueller Stuntman stürzt er sich in
die Berliner Kulturszene, mit dem festen
Vorsatz, aufzumischen und anzuecken. Den
unausgesprochenen Generationenvertrag der
78er hat er zur erklärten Kampfansage
gewendet. Stattdessen macht er sich an
jüngere Jahrgänge heran, die in seinen
Augen sexuell - die Kellnerin Maren Born aus
Marzahn - und literarisch - Christian Kracht!
Douglas Coupland!! Bret Easton Ellis!!! -
mehr zu bieten haben."
(Holm Friebe in der Jungle
World vom 24.11.1999)
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Das Buch in der Debatte
- DRÜGH, Heinz J.
(2001): Verhandlungen mit der
Massenkultur - Die neueste
Literatur(-wissenschaft) und die soziale
Realität,
in: Internationales
Archiv für Sozialgeschichte der
Deutschen Literatur,
26. Band, 2. Heft, S.173-200
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weiterführende
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