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Joachim Lottmann: Ein Single zuerst in Köln, dann im Berliner Vereinigungsrausch und dann ...

 
       
     
       
     
       
   

Joachim Lottmann in seiner eigenen Schreibe

 
   

LOTTMANN, Joachim (2003): Meine Abenteuer in der Wirklichkeit.
"Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sollten zufällige sein - ich lachte nicht schlecht": Joachim Lottmann lieferte 1987 mit "Mai, Juni, Juli" die Blaupause für die Popliteratur. Nun erscheint der lange vergriffene Roman neu. Der Autor erinnert sich,
in: TAZ v. 26.02.

LOTTMANN, Joachim (2003): Nichts als die Wahrheit.
Ob Goethe, Goetz oder Biller: Literatur ist am besten, wenn sie nah an der Wirklichkeit ist. Wenn sie aus Liebe entsteht oder aus Wut im Bauch. Ein Plädoyer für Maxim Billers verbotenen Roman "Esra",
in: TAZ v. 05.07.

Maxim Biller - Esra

LOTTMANN, Joachim (2003): Weil es Liebe ist.
Joachim Lottmann erfindet Blumfeld neu,
in: Jungle World Nr.36 v. 27.08.

LOTTMANN, Joachim (2003): Mein Leben mit Stuckrad-Barre.
Alle mal herhören. Letzte Durchsage: joachim lottmann erklärt die Popliteratur,
in: Jungle World Nr.30 v. 16.07.

"Warum erkennt man nicht, dass »Soloalbum« einer der zehn besten Romane der Bundesrepublik ist?", fragt sich Joachim LOTTMANN, um dann eine Hymne auf Benjamin von STUCKRAD-BARRE zu singen (Bereits Katharina RUTSCHKY im Merkur und die Spex im April 2003 haben ihn - jetzt nach dem Ende der Popliteratur - verteidigt!):

"Sein Ritt durch die Medien war gut durchdacht und genau so, wie ich es mir von einem politisch bewussten Menschen, ja, einem Marxisten immer gewünscht hatte. Er war nicht ein Opfer der Medien, also der Umstände, des Systems, des Kapitalismus et cetera, sondern ein Benutzer und bewusstseinsstiftender Entlarver desselben. Wo er hinkam, kannte er die ungeschriebenen Gesetze und setzte sie gnadenlos um. Woher er sie kannte? Durchs Hinschauen! Der Mann hat eben mit seinem Fernseher wirklich gearbeitet, anstatt sich berieseln zu lassen. Seine Mittel: Übertreibung, Beschleunigung, Ästhetisierung. Seine Lehrer: Schlingensief, Harald Schmidt, J.D. Salinger. Natürlich auch Kracht und Lottmann. Sein Busenfreund Rainald (»Irre«) hat ihn dagegen ästhetisch eher behindert. »Soloalbum« ist das eine und einzige Buch, das jeder Mensch schreiben kann und meiner Ansicht nach auch sollte (nach Baum pflanzen und Kind kriegen). Jeder trägt eben ein gutes Buch in sich. Danach erst beginnen die Second-Order-Erfahrungen, das Ausgedachte, die Literatur, also der Krampf."

LOTTMANN, Joachim (2004): 50 Jahre Rock 'n' Elend.
Ein halbes Jahrhundert Jugendkultur kann man feiern. Man kann damit aber auch nichts zu tun haben wollen. So wie joachim lottmann,
in: Jungle World Nr.19 v. 28.04.

LOTTMANN, Joachim (2004): Die Jugend von heute.
Auszüge aus dem gleichnamigen Roman, 
in: Jungle World Nr.40 v. 22.09.

LOTTMANN, Joachim (2004): Wege zum Sex.
FAS-Feuilleton-Spezial: Meine Familie, die FDP und der Münchner Harem,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 03.10.

LOTTMANN, Joachim (2004): Im Zoo mit dem Phantom.
"Sophie Dannenberg" ist die meistdiskutierte neue Schriftstellerin des Jahres. Ihr Roman "Das bleiche Herz der Revolution" hat die alten 68er empört und die Literaturkritik wachgerüttelt: Wer steckt hinter dem Pseudonym? Ist die Frau, die als Sophie Dannenberg auftritt, womöglich nur eine Schauspielerin? Ein Fall für ihren Kollegen Joachim Lottmann, Spzialist für den diffusen Bereich zwischen Dichtung und Wahrheit,
in: TAZ v. 13.11.

Wer spricht, wenn DANNENBERG zitiert wird? Und vor allem: Wer gehört überhaupt zu den 68ern?

"Alles was sie taten, war auf Zerstörung ausgerichtet. Auch auf die Zerstörung persönlicher Bindungen. Idealbild war die Gruppe. Alle persönlichen Differenzierungen wurden unterdrückt. Identität aber ist nichts anderes als Differenzierung. So waren die Alt-68er gegen jegliche Identität an sich! Das Ideal war der egalisierte, gleichgeschaltete Mensch, der nicht mehr denkt! Pflichtlektüre damals war Horst-Eberhard Richters Buch »Die Gruppe«. Bis heute ist dieser Mensch dafür nicht zur Rechenschaft gezogen worden! Er läuft noch immer frei herum, mitten unter uns, wie ein ganz normaler ehrenwerter Mitbürger!".

RICHTER gehört zur Kriegsgeneration, also eher in die Kategorie "Ersatzvater" der 68er-Generation. Die DANNENBERG-LOTTMANNsche 68er-Konstruktion ähnelt frappiert der NOLTEschen Generation Reform - keiner weiß so genau wer dazu gehört...

LOTTMANN, Joachim (2005): Der bessere Dylan.
Maxim Biller singt jetzt auch. Und siehe da: Der Mann ist ein Popgott,
in: Jungle World Nr.2 v. 12.01.

Infos zu: Maxim Biller - Autor der Single-Generation

LOTTMANN, Joachim (2005): "In former times, they have been lions".
Unser Gesellschaftsreporter Joachim Lottmann berichtet von der Jubiläumsveranstaltung "25 Jahre Grüne" in der Berliner Kulturbrauerei. Joschka Fischer fehlte, dafür waren andere Promis und jede Menge Graue Panther da: Die Grünen sind längst Teil des Methusalem-Komplotts,
in: TAZ v. 31.01.

Während die Grünen noch immer so tun, als ob sie nicht zum Establishment gehörten und ihre Klientel-Politik als Sache der sozialen Gerechtigkeit darstellen, kennt LOTTMANN keinerlei Zurückhaltung, sondern sagt was Sache ist:

"Ich gebe zu, auf keiner der vielen Foren, Rückblicke, Debatten, Empfänge und Partys gab es etwas Unerwartetes und Spontanes oder gar Lebendiges. Nicht einmal als eine Rednerin (Manuela Rottmann) etwas ungeschickt fragte: »Sollen wir etwa Politik für die neuen Familien am Kollwitzplatz machen, die Bioprodukte kaufen und ihre Kinder in die Waldorfschule schicken?!«, gab es kein lautes, kräftiges, vielstimmiges »Jaaa!«. Und doch ist es so: Für genau diese Leute sitzen die Grünen in der Regierung. Und das ist gut so."

LOTTMANN, Joachim (2005): Hartz IV in der Promi-Box.
Hurra, wir leben noch! - Marius Müller-Westernhagens neues Album "Nahaufnahme",
in: Süddeutsche Zeitung  v. 22.02.

Hier schreibt Joachim LOTTMANN und nicht das Alter Ego Onkel Jolo aus Die Jugend von heute, denn der hätte die Single Eins von MÜLLER-WESTERNHAGEN gelobt: "Ja, ich bin eins/Ich bin völlig eins mit mir//Lass uns runterfahrn ans Meer/Und uns dort am Strand vermehrn".

LOTTMANN, Joachim (2005): Bye-bye, Zombie Nation!
Was kommt nach Rot-Grün? (5): Deutschland wird wieder jung. Schluss mit der Politik, mit den Medien, mit dem Konsumismus. Dafür setzt sich eine neue Jugend durch, mit ihrem Humanismus,
in: TAZ v. 13.05.

LOTTMANN vermarktet LOTTMANN: "Deutschland wird wieder jung. Frank Schirrmacher muss sein »Das Methusalem-Komplott« umschreiben.
         Nach Rot-Grün kommt nicht die zombie nation, die hatten wir nämlich gerade, sondern ein neuer, maßgeblich von jungen Menschen getragener Humanismus, auch Spiritualismus, eine historisch bemerkenswerte Völkerverständigung. Die zu beschreiben, würde diesen Essay sprengen. Ich verweise auf mein Buch
»Die Jugend von heute«."

LOTTMANN, Joachim (2006): Wie ich auf einmal nicht mehr peinlich war.
Die Freuden des Comebacks: Dieser Kulturteil ist Künstlern gewidmet, die ihr Scheitern als Chance begriffen haben. So wie der Schriftsteller Joachim Lottmann. In den 80ern gefeiert, später vergessen und verlacht. Hier erzählt er, wie er den Bannfluch überstand und es wieder ganz nach oben schaffte,
in: Welt am Sonntag v. 22.01.

Feiert Onkel LOTTMANN, der selbsternannte Jugendversteher, ein Comeback oder ist er im Grunde nur ein verspäteter Newcomer? Seine Karriere als Popliterat, die sich einzig auf das Buch Mai, Juni, Juli (1987) gründet, das noch dazu erst rückwirkend im Jahr 2002 zum Kultbuch geadelt wurde, ist im Grunde nur Feuilletonfolklore. Damit gerät aber auch die Rede von der zweiten Chance zur Fiktion. Man sollte das als Selbstvermarktungsaktion im Zusammenhang mit dem Erscheinen seines neuen Buches Zombie Nation sehen...

Neu:
LOTTMANN, Joachim (2010): Warum ich Deutschland verlasse.
Exil: Es gibt viele Gründe, in die Schweiz zu gehen. Die Häuser, die Bahnhöfe, das heile Leben - vor allem aber natürlich die Frauen,
in: Freitag Nr.39 v. 30.09.

 
       
   

Joachim Lottmann: Porträts und Gespräche

 
   

LAGER, Sven (2003): "Ich wollte der neue Böll werden".
1987 schrieb Joachim Lottmann den Pop-Klassiker "Mai, Juni, Juli". Seinem Kollegen Sven Lager erzählt er, was seitdem geschah,
in: Tagesspiegel v. 06.05.

FÖRSTER, Jochen (2003): Dem Leben den Hintern zeigen.
Popliteratur ist gleich Jürgen Lottmann: gern wütend, oft vulgär, manchmal jämmerlich. Aber selten langweilig,
in: Welt v. 26.07.

Jochen FÖRSTER porträtiert natürlich nicht Jürgen, sondern Joachim LOTTMANN.

TITTEL, Cornelius (2004): Der Feldforscher.
Wie aus einem x-beliebigen Autor ein Joachim Lottmann wurde und warum man den echten Joachim Lottmann auch schon mal für einen tragikomischen Tom Kummer halten kann. Ein Treffen mit dem Wartburgfahrer und selbst ernannten Erfinder der Popliteratur im Berliner Stadtteil Friedrichshain,
in: TAZ v. 06.10.

WINKLER, Willi (2004): Der mysteriöse Onkel J-Lo.
Joachim Lottmann schreibt schon lange, und richtig lustig ist er obendrein. In seinem neuen Roman observiert er die Jugend - mit vollem Körpereinsatz,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.10.

LINDEMANN, Thomas (2004): Ein Nachtclub, der Deutschland heißt.
Auf der Suche nach der Jugend: Ein Abend mit Joachim Lottmann, dem Patenonkel und großen Außenseiter der deutschen Popliteratur,
in: Welt am Sonntag v. 24.10.

MICHAELSEN, Sven (2004): Joachim Lottmann.
"Für die ist Adenauer eine Seife!",
in: Stern.de v. 27.10.

ZIEGLER, Helmut (2004): Der Planet Lottmann.
Begegnung mit dem Vater der deutschen Pop-Literatur,
in: Magazin der Berliner Zeitung v. 04.12.

GASPER, Regina (2005): "Erzähl ich denen von Adenauer, sagen die: 'Ist ja kraß, Alter!'",
in: Wochenendmagazin des Hamburger Abendblatt v. 29.01.

 
       
   

Joachim Lottmann: Die letzte lange Nacht der Popliteratur im Berliner "Kurvenstar"

 
   

BARTELS, Gerrit (2003): Die Lachnummer im Hinterzimmer.
Trommeln und lügen: Joachim Lottmann verabschiedete sich im Berliner Kurvenstar feierlich von der Popliteratur,
in: TAZ v. 21.07.

HAHN, Andreas (2003): Wer zahlt?
Joachim Lottmann verabschiedet die Popliteratur,
in: junge Welt v. 22.07.

 
       
   

Die Jugend von heute (2004)
Köln: Kiepenheuer & Witsch

 
   
     
 

Klappentext

"Schon Sokrates klagte über die Jugend in Athen, sie sei auch nicht mehr das, was sie früher einmal gewesen war. Derlei rentnerhaftes Genörgel ist Joachim Lottmanns Sache nicht. Onkel Lojo, der Ich-Erzähler seines Romans, feiert das Neue: Gestern ist doof, heute ist klasse, morgen ist Ecstasy. Das gilt auch für die jungen Leute um seinen Neffen Severin, eben die Jugend von heute. Als erster Erwachsener lebt der Erzähler unter ihnen, und damit im Herz unserer Kultur, die eine Jugendkultur ist. Er erforscht ihre Rituale, vergleicht diese neueste deutsche Jugend mit ihren Vorgängern, hört ihre Musik, besucht ihre Partys, nimmt ihre Drogen, schwärmt für ihre Frauen und versucht unter Einsatz seines Lebens, diese Herrscher von morgen zu verstehen.

»Mai, Juni, Juli« war der Roman der ausgehenden 80er Jahre: eine wütende und großkotzige Abrechnung mit der nicht enden wollenden deutschen Nachkriegsliteratur (...).
»Die Jugend von heute« ist der Roman des beginnenden 21. Jahrhunderts: ein Dokument der Zeit nach dem Börsen-Boom, der Medienblase, der Spaßgesellschaft und so, dazu eine Achterbahnfahrt der Gefühle und das Protokoll eines hemmungslosen Höllentrips."

Pressestimmen

"Wenn es ein Pendant zu Houellebecq in Deutschland gibt, ohne dessen gesamten Weltekel gleich mitzuschultern, dann ist es Lottmann. Dabei ist sein Roman ein schwereloser Tanz durch die Luft. Eine Warterei in der Disco, auf den Dealer, aufs Leben, darauf, dass etwas passiert. Ein wundervolles Buch über das Nichts."
(Matthias Matussek im Spiegel vom 04.10.2004)

"Immer wieder bekämpft der Protagonist den »Antisexismus« des Neffen, der endlich eine Freundin finden und erwachsen werden soll: »So wie er war seine ganze verdammte Generation.«"
(Thomas Lindemann in der Welt am Sonntag vom 24.10.2004)"

"Hier ist die unbekümmerte Spaßgesellschaft noch unverbrüchlich am Werk – mit von der prinzipiellen Perspektivlosigkeit ihres Tuns natürlich schon verschatteter Stimmung. Und einem Problem: (...). Eine Jugend (...), die gar nicht richtig Jugend ist, metrosexuell durch ihre endlose Party stolpert, und vor allem: niemals endet. Eine Horrorvorstellung."
(Ulrich Rüdenauer im Tagesspiegel vom 23.11.2004)

 
     
 
       
   

Das Buch in der Debatte

Joachim Lottmann - Die Jugend von heute. Oder die neue deutsche Onkelliteratur: Die Kreuzzügler des Pop
 
   

Rezensionen

MATUSSEK, Matthias (2004): Lotse für den Onkel.
Popliterat Joachim Lottmann lässt sich in das Horrorszenario des Berliner Nachtlebens fallen,
in: Spiegel Nr.41 v. 04.10.

WINKLER, Willi (2004): Der mysteriöse Onkel J-Lo.
Joachim Lottmann schreibt schon lange, und richtig lustig ist er obendrein. In seinem neuen Roman observiert er die Jugend - mit vollem Körpereinsatz,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.10.

SEIDL, Claudius (2004): Jugend ohne Sex.
Ein Manifest gegen die Wirklichkeit: Joachim Lottmanns Roman "Die Jugend von heute",
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 17.10.

LINDEMANN, Thomas (2004): Ein Nachtclub, der Deutschland heißt.
Auf der Suche nach der Jugend: Ein Abend mit Joachim Lottmann, dem Patenonkel und großen Außenseiter der deutschen Popliteratur,
in: Welt am Sonntag v. 24.10.

KRAFT, Thomas (2004): In der Kuschelecke,
in: Rheinischer Merkur Nr.45 v. 04.11.

KRAFT, Thomas (2004): Die Jugend vom Alter aus gesehen.
Joachim Lottmanns "endkrasser" Romanversuch,
in: Financial Times Deutschland v. 05.11.

RÜDENAUER, Ulrich (2004): Endkrass.
Warum man Berlin nicht entkommt: Joachim Lottmann huldigt in seinem Roman der „Jugend von heute“,
in: Tagesspiegel v. 23.11.

SCHÄFER, Frank (2004): Die ewigen Nächte.
Joachim Lottmann ist der Jugend von heute hart auf den Fersen,
in: junge Welt v. 29.11.

DUSINI, Matthias (2004): Joachim Lottmann: Die Jugend von heute,
in: Falter Nr.51 v. 15.12.

SPIEGEL, Hubert (2004): Die letzten Teenager.
Was Joachim Lottmann und Sophie Dannenberg verbindet,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.12.

SPIEGEL listet erst einmal die Generationenlabels auf, die in den letzten Jahren ins Rennen um die Nachfolge der 68er geworfen worden sind. Sein Fazit:

"Zur Zeit ist das Generationenschlachtfeld des Literaturbetriebs wie leergefegt. Nur an den Rändern lungern noch der Achtundsechziger und der Popliterat herum".

Beide werden sich nach Meinung von SPIEGEL immer ähnlicher, wobei der 68er den Vorteil hätte, dass ihn die Renegaten immer wieder ins Gespräch bringen würden, während die Popliteratur sich höchstens auf die Väter der Popliteratur zurückbesinnen könnten. Voilà, damit ist SPIEGEL endlich bei Joachim LOTTMANN angelangt. Dessen Buch Die Jugend von heute ist für SPIEGEL ein Indiz für die drohende "Veronkelung" der Popliteratur:

"Man muß nicht nach Entenhausen blicken, um zu wissen, daß der Onkel in der Literatur oft eine eher lächerliche Figur abgibt.
      
  Wo Machtfülle und Patriarchenwürde des Vaters Vernichtungswünsche und Tötungsphantasien der Nachgeborenen auslösen, wird der Onkel in der Regel als tendenziell gleichrangig betrachtet."

Onkel Jolo, das Alter Ego des Autors LOTTMANN im Roman um die Jugend von heute, treibt zum einen ein ethnologisches Interesse in die Clubs von Berlin und München und andererseits die Sorge um seinen Neffen Elias, der nicht zum Sex, sondern nur zum Kuscheln vordringt (hier kehrt der Softie, d.h. ein typisches 78er-Produkt, als Vorwurf an die nachfolgende Generation wider!). Elias steht jedoch nur stellvertretend für die Krankheit der Jugend von heute, oder wie es Jolo ausdrückt:

"Definierte man die Jugend als die Zeit nach der Kindheit und vor der Berufstätigkeit, so gab es seit den 90er Jahren gar keine Jugend mehr. keiner erreichte mehr die postpubertäre Reife, ich war der letzte lebende Teenager."

Hieß es bei Günter FRANZEN "Vor den Müttern sterben die Söhne", so heißt es bei SPIEGEL nun "Vor den Onkeln sterben die Neffen". Damit wären wir endlich bei dem derzeit beliebtesten Sujet: der vaterlosen Gesellschaft. SPIEGEL spitzt das Romanthema außerdem feuilletondebattengerecht zu, wenn er erstens Homosexualität (Metrosexualität) als abweichendes Verhalten problematisiert und zweitens den türkischen Macho einerseits als sexuell zielstrebiger, aber brutal beschreibt.

Opfer in dieser  ungleichen Männerkonkurrenz (der Deutsche steht angesichts des türkischen Barbaren von vorneherein auf verlorenem Posten) ist die postfeministische Frau der Generation Ally, die SPIEGEL bei LOTTMANN mit der Figur "Hase" identifiziert. Onkel Jolo würde Hase gerne mit Elias verkuppeln, aber da ist deren Erziehung vor. SPIEGEL zieht hier eine Verbindung zur Kommune I des Rainer LANGHANS, womit wir bei DANNENBERGs Roman Das bleiche Herz der Revolution sind, für den sich SPIEGEL zwar nicht begeistern kann, der aber die Folie für das Grundproblem der Jugend im Zeitalter der Demografiepolitik abgibt. Hase ist für SPIEGEL identisch mit Kitty, die Protagonistin und das Alter Ego von Sophie DANNENBERG. Damit ist auch der Zusammenhang zwischen LOTTMANN und DANNENBERG hergestellt. SPIEGEL unkt zum Schluss:

"Wenn Lottmann, angeblich Jahrgang 1956, und Dannenberg, angeblich 1971, identisch sind, dann hat die Generation, der sie beide angehören, zwar noch keinen Namen, aber vermutlich ein Problem. Nicht nur, was den Nachwuchs betrifft."

SYDOW, Sandra (2005): Joachim Lottmann - Die Jugend von heute,
in: de:bug.de v. 04.01.

CONRADS, Martin (2005): Onkel forscht.
Joachim Lottmann: Die Jugend von heute,
in: fluter.de v. 13.02.

CONRADS geht näher auf den Blumfeld-Song Die Jugend von heute aus dem Album Jenseits von Jedem ein.

STOCK, Ulrich (2005): Der letzte lebende Teenager.
Was lässt sich sagen über die Jugend von heute?
Joachim Lottmann begibt sich unterhaltsam auf literarische Spurensuche,
in: Die ZEIT Nr.8 v. 17.02.

 
   

Das Buch in der Debatte

WULFF, Matthias (2004): Wer braucht coole Manager?
Der supermotivierte Manager könne sich noch so sehr mit seinen Zwölfstundentagen abstrampeln, es nütze ihm nichts mehr - sagt Popliterat Joachim Lottmann,
in: Welt am Sonntag v. 07.11.

 
       
   

Mai, Juni, Juli (2003).
(Erstveröffentlichung 1987)

Köln: Kiepenheuer & Witsch

 
   
     
 

Klappentext

"Soll er eher etwas Autobiographisches schreiben oder doch lieber einen DDR-Roman? Der namenlose Ich-Erzähler aus »Mai, Juni, Juli« streift durch eine deutsche Metropole, es ist Mitte der 80er Jahre und alle reden von Pop, Sex und Seele. Er will ein »großer Schriftsteller« werden, aber noch kommt er schlecht aus dem Bett und leidet an Depressionen. Es vergehen Wochen, Monate, und schon wieder ist ein Tag verloren, weil er kein Schreibmaschinenpapier zur Hand hat. Doch immerhin weiß er, was alles nicht vorkommen darf: keine verdammt gute Literatur, keine Monomanie, keine Exzesse, kein Tiefgang, keine geschmäcklerische Yuppie-Schreibe."

 
     
 
       
   

Rezensionen

WEIDERMANN, Volker (2002): Joachim Lottmann: Mai, Juni, Juli.
1987 - Ein Buch rennt nach draußen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 17.03.

Infos zu: Volker Weidermann - Autor der Generation Golf

NEDO, Kito (2003): Zurück zu den 80ern.
Joachim Lottmann: Mai, Juni, Juli,
in: Fluter, April

KARNIK, Olaf (2003): Diedrich Diederichsen - Sexbeat & Joachim Lottmann - Mai, Juni, Juli,
in: Büchermarkt. Sendung des DeutschlandRadio v. 23.05.

Olaf KARNIK bespricht ausführlich die Wiederveröffentlichungen von Diedrich DIEDERICHSENs Sexbeat und Jochen LOTTMANNs Mai, Juni, Juli, die er in einen Zusammenhang mit dem erfolgreichen Doku-Roman Verschwende deine Jugend von Jürgen TEIPEL bringt. KARNIK konfrontiert LOTTMANNs Aussagen im taz-Interview und eine Lobeshymne in der FAS mit Aussagen der damaligen Spex-Redakteurin Clara DRECHSLER:

"Also, als revolutionär habe ich das damals eigentlich nicht empfunden. Neu war an diesem Roman eigentlich nur – Lottmann war das Neue. Und dass man Lottmann noch ertragen konnte. So gesehen hatte er da eine gewisse Rückendeckung von uns aus, natürlich auch gegen die Leute, denen dann plötzlich aufgefallen ist, dass es überhaupt keine richtige Literatur ist und so weiter. Das heißt, er hat sich kurzzeitig die richtigen Feinde gemacht, gegen die man ihn dann verteidigen musste – an und für sich hätte sich sonst wahrscheinlich nie jemand die Mühe gemacht."

Die Gemeinsamkeit und den Unterschied von DIEDERICHSEN und LOTTMANN beschreibt KARNIK folgendermaßen:

"Joachim Lottmann und Diedrich Diederichsen haben den damals durch Bohèmia wehenden Zeitgeist auf den Begriff gebracht - Diederichsen eher kritisch, analytisch, historisierend; Lottmann eher affirmativ, erzählerisch, protokollierend."

SCHNEIDER, Markus (2003): Vom Zeitgeist genervt.
Erinnerungen an Pop: Joachim Lottmanns "Mai, Juni, Juli" aus dem Jahr 1987,
in: Berliner Zeitung v. 14.07.

 
       
   

Deutsche Einheit (1999).
Ein historischer Roman aus dem Jahr 1995
Zürich: Haffmans
(Diana-Taschenbuchausgabe:
Heyne Verlag, 2001)

 
   
     
 

Klappentext

"Nach zehn Jahren deutscher Einheit endlich der Schlüsselroman dazu! In einem Berlin, das vor Aufbruchstimmung birst, trifft unser Erzähler auf viele bekannte und unbekannte Helden der Gegenwart. »Die Literatur ist tot, aber wir leben«, sagt uns der Autor im Vorwort. Und »Am Anfang war das Wort. Am Ende dieses Buch.«"

 
     
 
       
   

Rezensionen

FELDMANN, Joachim (1999): Auf der Suche nach einer Handlung.
Mit dem Gestus der Uneigentlichkeit. Joachim Lottmann erzählt von der Deutschen Einheit,
in: Freitag Nr.45 v. 05.11.

FRIEBE, Holm (1999): German Psycho.
Die 78er gibt es eigentlich nicht, aber mitunter schreiben sie noch Romane wie "Deutsche Einheit" oder "Alle oder keiner",
in: Jungle World Nr.48 v. 24.11.

GUETG, Marco (1999): Süffige Sottisen eines Flaneurs.
Joachim Lottmann hat mit «Deutsche Einheit» einen witzigen Wiedervereinigungs-Roman geschrieben,
in: SonntagsZeitung v. 19.12.

 
   

Das Buch in der Debatte

DRÜGH, Heinz J. (2001): Verhandlungen mit der Massenkultur - Die neueste Literatur(-wissenschaft) und die soziale Realität,
in:
Internationales Archiv für Sozialgeschichte der Deutschen Literatur, 26. Band, 2. Heft, S.173-200

Moritz Baßler - Popliteratur für die Neue Mitte
 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 26. Juni 2002
Stand: 08. Juli 2015