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Katja Kullmann: Wir, die Generation Ally!

 
       
     
       
   
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    Katja Kullmann in ihrer eigenen Schreibe

     
       

    KULLMANN, Katja (2002): Generation Ally.
    Selbstbewusste Frauen um die 30 sind die Zielgruppe der US-Serie "Ally McBeal". Die Heldin ist erfolgreich im Job, doch glücklos in der Liebe. Mit den Wimpern klimpern, die Lippen schürzen - so soll der Mann fürs Leben her,
    in: Financial Times Deutschland v. 18.01.

    KULLMANN, Katja (2003): Zwischen Profit und Sehnsucht.
    Katja Kullmann begab sich für EMMA auf eine Reise durch die wundersame Welt von Botox: Die Ware, die Verkäufer, die Kundinnen,
    in: Emma, Januar-Februar

    KULLMANN, Katja (2006): Rodeo der Rollenbilder.
    Der Angriff auf die Emanzipation als Teil einer reaktionären Bewegung,
    in: Kölner Stadt-Anzeiger v. 29.04.

    Wer sich wie Katja KULLMANN über die immer lauter werdenden Rufe, dass Frauen gefälligst wieder an den Herd zurück sollen, aufregt, dann aber die nationalkonservativen Dramatisierungen des Geburtenrückgangs übernimmt, der muss sich vorhalten lassen, dass er längst Teil der reaktionären Bewegung geworden ist. KULLMANN schreibt:

    "Die Geburtenrate in Deutschland sinkt seit zwei Jahrzehnten, auf statistisch nunmehr 1,35 Kinder je Frau. Mindestens 2,2 Kinder müssten es sein, um die Sozialsysteme zu erhalten. Väter beteiligen sich nur zu 1,8 Prozent an der Elternzeit. Deutschland hinkt im europaweiten Vergleich beschämend hinterher, was die staatliche Kleinkinderbetreuung angeht. 40 Prozent der Akademikerinnen entscheiden sich auch aus diesem Grund von vorneherein gegen Kinder."

    Weder sinkt die Geburtenrate seit zwei Jahrzehnten, noch bleiben 40 % der Akademikerinnen kinderlos. Und der Erhalt der Sozialsysteme hängt in erster Linie nicht von der Geburtenrate ab, sondern vom Verhältnis der Beitragszahler zu den Rentenbeziehern. Dieses Verhältnis ist durch hohe Arbeitslosigkeit und rasante Zunahme sozialversicherungsfreier Jobs wesentlich stärker gefährdet als durch den demografischen Wandel. Aber im Grunde interessiert das Katja KULLMANN eigentlich alles gar nicht, denn seit Emanzipation zur Klassenfrage geworden ist, kämpfen besser verdienende Mütter und kinderlose Karrierefrauen Seite an Seite mit den Mittelschichtmännern gemeinsam gegen die Unterschicht:

    "Mauschelt und munkelt es nicht schon längst, in den Talk-Runden und an den Supermarktkassen, dass die »falschen« Frauen die »falschen« Kinder kriegen? Dass der Unterbau der Gesellschaft sich zwar vermehrt, die Elite aber degeneriert? Ist das nicht der eigentliche Schmerz, der unsere »Schöpfungs«-Gemeinschaft dieser Tage erschüttert, der uns den »Seelenfrieden« raubt?"

    Die entscheidende Frage der Zukunft lautet: auf welcher Seite sucht der Feminismus sein Heil? Die FAZ hat im Jahr 2005 einen Artikel von Stanley KURTZ veröffentlicht, in dem die Koalitionsmöglichkeiten der Feministinnen ( = kinderlose Karrierefrauen) in Zeiten des Bevölkerungsrückgangs analysiert werden. KURTZ - und mit ihm die Verfechter des neuen Patriarchats - geht davon aus, dass der Feminismus beseitigt werden muss. Was passiert also, wenn der Feminismus ums Überleben kämpfen muss? KURTZ geht davon aus, dass der Feminismus zur reaktionären Bewegung verkümmern wird. Das Beispiel Katja KULLMANN lässt befürchten, dass KURTZ Recht behält. Irgendwann zwischen Generation Ally und Fortschreitende Herzschmerzen hat die Geschichte der kinderlosen Karrierefrau eine ungute Wendung genommen...

    KULLMANN, Katja (2009): Paul P., 43, möchte gerne eine Frau haben. In: Friederike Girst (Hg.): Herrschaftszeiten. Vom Leben unter Männern, Köln: Dumont Verlag, S.78-83

    KULLMANN, Katja (2011): Ich war ein anderer, und ein anderer war ich.
    Facebook-Tod: Ein Fremder hat versucht, sich meine Online-Identität unter den Nagel zu reißen. Facebook glaubt dem Fremden, dass er ich ist, und hat mich rausgeworfen. Aber ich habe mich ins virtuelle Leben zurückgekämpft,
    in: faz.net v. 08.08.

    KULLMANN, Katja (2012): Taktik einer Mittelmutigen.
    Feige oder Clever: Viele Frauen beugen sich dem Alltagssexismus und setzen auf strategisches Schweigen. Aus Pragmatismus? Oder aus Angst um Status und Ansehen,
    in:
    TAZ v. 08.03.

    KULLMANN, Katja (2013): Adorno stand drauf.
    Mein Leid mit der Suche nach der verlorenen Zeit,
    in:
    junge Welt v. 14.03.

    "Die »Recherche du temps perdu« spielt - nach allem was man hört - im Großbürgertum. Ich aber gehöre zum Kleinbürgertum. Und schon in den 80er Jahren, im Deutschunterricht eines westdeutschen Kleinstadtgymnasiums, habe ich mich etwas gewundert, warum uns so viel Großbürgerliteratur zum Lernen aufgegeben wurde. (...). Spätestens mit 16 oder 17 Jahren begann das Seelenweh der gut und besser situierten Damen und Herren der so genannten Weltliteratur mich zu langweiligen. (...).
    Als ich Ende 20 war, kapierte ich, daß Marcel Proust als eine Art
    »Dandy« zu verstehen ist. Ich kam drauf, weil zur Zeit des Milleniumswechsels das »Dandy«-Ding kurz mal wieder en vogue war. (...). Ich weiß noch, wie ich mir den Proust damals dann doch fast besorgte.
    »Er konnte eine Stunde lang wie gebannt vor einem blühenden Rosenstrauch meditieren«, sagte der Schriftsteller Tilman Spengler einmal über Marcel Proust. Genau das ist der Grund, warum ich mich letztlich aber von ihm ferngehalten habe, bis heute. Ich bin die Sorte Mensch, die keine Zeit für Rosenmeditationen hat. Ich bin jemand, der sozusagen in einer Versicherungsfirma arbeitet und hinter einer Klinkerhausfassade wohnt, der Sonderangebote studiert und Preisrätsel löst, um eines Tages vielleicht mal von dort wegzukommen. (...) Wenn es mir gelungen ist, (...) dann, genau dann, packe ich den Proust an. Ich kann es kaum erwarten",

    schreibt Katja KULLMANN in der ausgefallenen Literaturbeilage der jungen Welt darüber, warum sie bisher Die Suche nach der verlorenen Zeit von Marcel PROUST nicht gelesen hat. Das ist allemal interessanter als die Literaturbeilage der ZEIT und das Naserümpfen eines Jens JESSEN über den Proletenkult (Außer man hat Distinktionsgewinne so dringend nötig wie das neue deutsche Fassadenbürgertum).

    KULLMANN, Katja (2013): Unser aller Reichtum.
    Fair: Die KSK ist nicht nur für Künstler existenziell wichtig. Ist sie gefährdet, steht eine ganze Zukunftsbranche auf dem Spiel,
    in: Freitag Nr.32 v. 08.08.

    Katja KULLMANN nimmt sich der Probleme der freien Künstler, "neudeutsch auch »Kreative« genannt, an. Die Künstler seien in der "postfordistischen Ära" ein wichtiger Standortfaktor. Deshalb sieht sie in der Künstlersozialkasse (KSK) kein Relikt der Vergangenheit, sondern ein Modell für die Zukunft, das auch auf andere Branchen mit prekären Beschäftigungsverhältnissen ausgeweitet werden sollte.

    KULLMANN, Katja (2013): Im kalten Nebel.
    Essay: Nach dem Wahlsieg von Angela Merkel denken viele, es gehe weiter wie bisher. Doch das ist falsch. Deutschland ist eine knallharte Klassengesellschaft geworden,
    in:
    Freitag Nr.41 v. 10.10.

    Katja KULLMANN nimmt Abschied von der nivellierten Mittelstandsgesellschaft, um sich umso besser in der neuen "Wohlfühl-Klassengesellschaft" einrichten zu können:

    "Deutschland (...) könnte (...) ein wegweisendes Modell für die postindustrielle Gesellschaft entwerfen. Als fortschrittlichste Klassengesellschaft des Planeten. (...). Zuerst müsste es sich von seiner Mitte-Rhetorik verabschieden, um dann eine Idee zu entwickeln, wie eine Gesellschaft unter den heutigen Bedingungen wieder etwas wie ein Mitte-Gefühl hinzubekommen."

    KULLMANN stellt die rhetorische Frage, wer drin und wer draußen ist. Eines steht jedoch fest: KULLMANN ist ganz klar drin.

    Wer es nicht schon spätestens 2003 begriffen hatte, der brauchte die Finanzkrise, um es zu begreifen. Willkommen bei der Generation Laminat!

    KULLMANN, Katja (2013): Engel in der Verweishölle.
    Theorie: Die Kultur des Narzissmus: Bücher von den Pop-Veteranen Susan Sontag, Thomas Meinecke und Detlef Kuhlbrodt,
    in:
    Freitag Nr.42 v. 17.10.

    Katja KULLMANN sinniert anhand dreier Bücher über Listen (Susan SONTAG), Kisten (Thomas MEINECKE) und Hippies (Detlef KUHLBRODT).

    KULLMANN, Katja (2014): Selbstbild mit Sessel.
    Einblicke: Auf einer Dating-Website präsentieren sich junge Singles mitsamt ihrer Wohnungseinrichtung. Was verrät uns dies?
    in: Freitag Nr.4 v. 23.01.

    Katja KULLMANN hat die Dating-Website Im Gegenteil besucht, wo sie "hübsch anzusehende Menschen zwischen 20 und 40" auf der Suche nach Liebe in Hamburg und Berlin gesehen hat, die ihren Habitus zur Schau stellen: die "unter- oder unbezahlte Praktikanten- und Freelancerklasse.

    KULLMANN, Katja (2014): Verehrte Maschine.
    Gefühle: Zehn Jahre blubbert Facebook schon vor sich hin. Allen Skandalen zum Trotz wird es mehr geliebt denn je,
    in: Freitag Nr.6 v. 06.02.

    KULLMANN, Katja (2014): Der Fluch der Coolness
    Underground: Diane di Prima war eine der einflussreichsten Frauen der Beatnik-Bewegung. An ihrem 80. Geburtstag ist sie leider so gut wie vergessen,
    in: Freitag Nr.31 v. 31.07.

    Neu:
    KULLMANN, Katja (2014): Willkommen in Ihrem neuen Zuhause.
    Report: Ein Investor kauft ein belebtes Mietshaus mitten in Berlin – um es abzureißen. Die Bewohner wehren sich, so gut sie können,
    in:
    Freitag Nr.52 v. 23.12.

     
           
       

    Katja Kullmann im Gespräch

     
       

    TEUFL, Cornelia (2002): Vielleicht haben wir ja doch was verpennt.
    Katja Kullmann hat ein kritisches Buch über die Generation der Dreißigjährigen geschrieben,
    in: Berliner Zeitung v. 23.03.

    Interview mit Katja KULLMANN, deren Buch Generation Ally vor kurzem erschienen ist und bereits unter den Top 10 der Bestsellerlisten von Focus und Spiegel zu finden ist.

    HEIMBACH, Ariane & Christine HOLCH (2002): Er kämpfte gegen das große Schweigen. Sie sehnt sich nach der Sexualität als Mysterium,
    in: Chrismon, Nr.10, Oktober

    KULLMANN diskutiert mit Oswald KOLLE über Liebe und Sex.

    DORN, Thea (2006): Katja Kullmann - Jahrgang 1970. Autorin,
    in: Die neue F-Klasse. Wie die Zukunft von Frauen gemacht wird, S.195-218

    LEWITAN, Louis (2011): "Ich habe wenig gegessen und Kontakte gepflegt".
    Die Autorin Katja Kullmann über ihre Zeit als Hartz-IV-Empfängerin,
    in: ZEITmagazin Nr.25 v. 16.06.

    WULFF, Matthias (2011): "Sicher kein Einzelschicksal".
    Der Verlag der Autorin Katja Kullmann ist pleite. Was nun?
    in: Welt Kompakt v. 20.06.

    FREUDENSCHUß, Ina (2011): "Ich sprech' inzwischen über Geld".
    Katja Kullmann über die Politikverdrossenheit ihrer Generation: "Woher soll ich wissen, was ich politisch will, wenn ich gar nicht weiß, wer ich selber bin, wo ich im sozialen Raum eigentlich stehe?",
    in: Der Standard v. 10.07.

    SCHOLZ, Nina (2011): Wir nennen es nicht Armut.
    Die Journalistin Katja Kullmann erzählt in ihrem autobiographischen Buch »Echtleben« von ihrer eigenen prekären Existenz als Kulturschaffende,
    in: Jungle World Nr.31 v. 04.08.

    MISSY Magazine-Titelgeschichte: Generation Gehetzt.
    Warum Coolsein keine Lösung ist

    KRÖVER, Chris & Stefanie LOHAUS (2011): "Uns geht's nicht gut."
    Nina Pauer (28) und Katja Kullmann (41) haben beide ein Buch über die Auswirkungen der Flexibilisierung auf ihre je eigene Generation geschrieben. Sie vermitteln vor allem eins: So kann es nicht weitergehen. Aber wie dann? Zeit für ein (Generationen-)Gespräch,
    in: Missy Magazine
    , Heft 3

     
           
       

    Echtleben (2011).
    Warum es heute so kompliziert ist, eine Haltung zu haben
    Frankfurt:
    Eichborn

     
       
         
     

    Klappentext

    "Es geht um Werte, Baby! Klug und unerschrocken seziert Katja Kullmann den emotionalen Klimawandel bei den über 30-Jährigen. Sie zeigt, warum Vertrauen, Verbindlichkeit und Zusammenhalt immer wichtiger werden. Vor zehn Jahren hat uns Katja Kullmann die Generation Ally erklärt. Inzwischen hat sich die Welt mehrmals überschlagen: In der Gesellschaft geben Wirtschaftskrisen, Flexibilisierung, Erosion der Mittelschicht den Takt vor. Auf der persönlichen Ebene stellen sich die Fragen konkret: Bin ich noch bereit, meine Ideale zu verraten, um meinen sozialen Status zu halten? Was ist der Ausweg, wenn mein individualisiertes Lebenskonzept in die Sackgasse führt? - Da helfen Coolness, Ironie oder Flucht in Lifestyle-Marotten nicht weiter. Scharfsichtig und unterhaltsam zeichnet Katja Kullmann den emotionalen Klimawandel innerhalb ihrer Generation nach. Und sie zeigt, wie vermeintlich alte Werte mit neuem Leben gefüllt und..."

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    MINKMAR, Nils (2011): Es lohnt sich nicht, fleißig und gebildet zu sein.
    Das Ideenland Deutschland braucht die kreativen Köpfe - bezahlt sie aber zu schlecht: Katja Kullmanns Buch "Echtleben" widerlegt die schöne Propaganda,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.06.

    MÄRZ, Ursula (2011): Ein-Euro-Philosoph.
    Zwei Bücher über den Typus des gebildeten Hartz-IV-Empfängers,
    in: Die ZEIT Nr.26 v. 25.06.

    FÜCHTJOHANN, Jan (2011): Traurige Tagelöhner.
    Hier spricht das Kreativprekariat: Katja Kullmanns "Echtleben",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 02.07.

    Der Unternehmensberater FÜCHTJOHANN, der sich vor einem Jahr in der SZ bereits das Hamburger Kreativproletariat vorgeknöpft hat, nimmt sich nun das "Indie-Popmädchen" Katja KULLMANN vor:

    "Beschwerde einer Boheme, die am Ende eben doch nicht alles haben konnte: Das freie Leben von Künstlern, die Gewinnmöglichkeiten von Unternehmern und die Sicherheit von Postbeamten. Bis heute hört man Kullmann das Unverständnis darüber an, wenn sie feststellt: »Es ist ein Prinzip, das viele jetzt verfolgen: Gezielt einer entfremdeten Arbeit nachgehen, einem 'Brotjob', und das, was man eigentlich tun möchte und eigentlich auch am besten kann, unbezahlt weiter machen.«"

    FÜCHTJOHANN vermisst bei KULLMANN eine "Perspektive jenseits der Berliner Nabelschau". Nils MINKMARs Bewertung, dass es ein "wichtiges soziologisches, politisches Buch" sei, mag er nicht zustimmen:

    "Dafür wirken die angeführten Zahlen zu nachträglich ergoogelt, um vorher längst fertige Meinung zu erhärten".

    Diesen Vorwurf könnte man wohl den meisten Journalisten machen. Tatsächlich zitiert KULLMANN oftmals Angelesenes. Ihre Technik der Typisierung kennt man bereits seit den 1980er Jahre-Beststellern von Matthias HORX, die Charaktere entstammen vorwiegend dem individualisierten Milieu, das Claudius SEIDL bereits 2005 im Buch schöne junge Welt beschrieben hat. Aber KULLMANN geht über die Berliner oder Münchner Nabelschau - wenngleich auch nur zaghaft - hinaus, z. B. wenn sie einen elitären Journalisten auf einer Party mit einer Autohaus-Sekretärin ("Freak von Normalfall") zusammenprallen lässt. Im Vergleich zu Claudius SEIDL schwingt darin eine Außensicht mit, die der Nabelschau des individualisierten Medienmilieus im Allgemeinen völlig fehlt. Normalos sind für diese lediglich Teil der belächelten oder gar verhassten Masse.

    Es handelt sich bei der Sicht von KULLMANN auch nicht, wie FÜCHTJOHANN meint, um "Berliner Nabelschau", sondern vielmehr um eine Frankfurter Weltsicht ("Mainhattan Kuscheltown"), denn dort hat sie ihre prägenden Jahre verbracht.

    MALE, Eva (2011): Katja Kullmann: "Ein Auf und Ab wie im Film".
    In ihrem neuen Buch "Echtleben" erzählt die Soziologin, Journalistin und Schriftstellerin Katja Kullmann nicht nur ihr eigenes Leben, sondern spiegelt die Nöte einer ganzen Generation "neuer Erwachsener" wider,
    in: Die Presse v. 03.07.

    BRAND, Jobst-Ulrich (2011): Gegen Bier zurück am Rechner.
    Von wegen fröhliche Subkultur: Die Autorin Katja Kullmann erzählt vom geplatzten Traum der "digitalen Bohème". Statt selbstbestimmt zu arbeiten, beutet sie sich aus,
    in: Focus Online v. 05.07.

    SCHIMMELBUSCH, Alexander (2011): Filmst du mich, dann film ich dich.
    Die Economy-Class der Bohème: Katja Kullmann entlarvt in "Echtleben" den Selbstbetrug des neuen Kreativprekariats,
    in: Welt 13.07.

    EIKMANN, Julia (2011): Ein Weckruf an das Kreativ-Prekariat,
    in: DeutschlandRadio v. 20.07.

    SUCHSLAND, Rüdiger (2011): Gegen die Diktatur der Best-Ager.
    Vom echten Leben im falschen: Katja Kullmann erhebt ihre Stimme gegen junge Alte und alte Junge,
    in: Telepolis v. 21.07.

    LÖHR, Julia (2011): Die Berliner Republik.
    Über die finanziellen Nöte der kreativen Klasse,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.08.

    MÜLLER, Wolfgang (2011): Das echte Leben im Falschen.
    Die Tödliche Doris liest (28): Die Kinder der Berliner Seiten schreiben um ihre Existenz – Katja Kullmanns Buch über das neue Prekariat,
    in: Junge Welt v. 06.08.

     
           
       

    Fortschreitende Herzschmerzen bei milden 18 Grad (2004)
    Köln:
    Kiepenheuer & Witsch

     
       
         
     

    Klappentext

    "Ein großartiger Neuanfang soll es sein: Simone kommt aus dem Dorf in die Stadt, mit kleinem Gepäck, großen Hoffnungen und ein paar Erinnerungen, die sie dringend loswerden will. Bloß keine Schinkenbrote mehr essen und nicht mehr »Fräulein« genannt werden.
    Die bunte Illustriertenwelt ist die Vorlage für ihren Traum. Sie hat sich ihren Dialekt abtrainiert, kennt sich aus mit Glitzerkleidern und weiß genau, was Schönheit kostet. Aber Simone landet in den Katakomben der Stadt, im Studio de la Beauté. Der Arbeitskittel kratzt, die Kolleginnen bleiben ihr fremd, alles riecht nach künstlicher Vanille. Und nach einer großen Enttäuschung. Dann erscheint ein neuer Kunde. Jung, gebildet und gewandt, umschmeichelt er sie mit verführerischen Wortspielen, und je länger sie ihm zuhört, desto mehr wird er ihr zum Rätsel. Mit gewohntem Fleiß setzt sie alles daran, dieses Rätsel zu lösen – doch er ist nur 45 Minuten pro Woche bei ihr.
    Mit eingängiger Sprache und raffinierter Dialogführung erzählt Katja Kullmann ein Drama des Alltags, das hoffnungsvoll beginnt und tragisch zu enden droht. Die Geschichte von Simone zeigt auf komische und anrührende Weise, wozu es führt, wenn jemand alles richtig machen will und trotzdem nicht überall mitspielen darf."

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    MARTENSTEIN, Harald (2004): Er liebt mich, er liebt mich nicht.
    Frauenbücher sind Frauensache. Was passiert, wenn ein Mann sie liest? Ein Selbstversuch,
    in: KulturSpiegel Nr.8, August

    Harald MARTENSTEIN lobt die Erzählung. Für ihn ist das Thema der Erzählung Lonely on the Top, also die einsame Karrierefrau:

    "Reich, erfolgreich, sexy und einsam, ist das die deutsche Frau? Katja Kullmann (...) hat über ihresgleichen das Buch »Generation Ally« geschrieben, sozusagen die weibliche Antwort auf »Generation Golf«. Das Problem der »Generation Ally« besteht darin, dass zwar Frauen häufig bereit sind, sich in männliche Macho-Karriere-Lifestyle-Monster zu verlieben, diese Bereitschaft umgekehrt bei Männern aber weit weniger vorhanden ist. Wir Männer dulden keine Karrieremonster neben uns. Darüber könnte man auch mal ein ernstes Buch schreiben.
    Genau das hat Katja Kullmann jetzt gemacht. Die Erzählung »Fortschreitende Herzschmerzen bei milden 18 Grad« ist (...) besser als die übliche Frauenliteratur, weil nicht nur Klischees darin vorkommen, sondern richtige Gefühle.
    "

    COSMO, Claudia (2004): Ohne Traumprinz.
    Katja Kullmann: "Fortschreitende Herzschmerzen bei milden 18 Grad",
    in: Büchermarkt. Sendung vom DeutschlandRadio v. 14.09.

    Hatte die Generation Ally-KULLMANN  verachtend auf Ramona, die Unterschichtfrau, herabgeblickt, so wird in dem literarischen Debüt von Katja KULLMANN die Generation Golf aus der Perspektive der Unterschichtfrau Simone beschrieben. Simone möchte gerne dazugehören und mitspielen beim Distinktionsspiel der Mittelklasse. Verliebt in einen - na ja - Feuilletonisten, entwickelt sich die Frauenzeitschriften-Leserin in eine versierte Feuilleton-Leserin und Kennerin. Ihr Angebeteter - offenbar vom Typus Matthias HEINE - lässt sie jedoch seine Verachtung spüren. KULLMANN merkt dazu an:

    "Eine Sache, die mich gekitzelt hat und die ganz in der Ursprungsinspiration dieser Geschichte liegt, ist, dass mir aufgefallen ist, dass die Feuilletons, diese Anzug tragenden, flotten, mehrsprachig aufgewachsenen Männer, die heute die Seiten voll schreiben, immer wieder- ich habe die Artikel dazu gesammelt! - sich in ihren Berlin-Texten mokieren über die schwäbisch sprechenden Verkäuferinnen, die die Frechheit hatten, nach Berlin zu ziehen und den Hauptstadtruf zu versauen. Die gibt es ja real, die werden dann immer »gedissed«. Da formiert sich die bürgerliche Klasse neu. In meinem Buch sagt ja Simone auch mehrfach: Die Unterschiede kehren zurück. Das ist genau das, was wir haben: Unterschicht und Mittelschicht unterscheiden sich neu."

    Dies könnte spannend sein und die Rezensentin findet den Roman auch für Männer interessant. KULLMANN macht aber nichts daraus, denn sie schreibt nicht aus der "Klassen"-Perspektive, sondern aus der Sicht des Gleichheitsfeminismus. Es ist jedoch fraglich, ob die Substitution der  individualistischen Distinktionsstrategie durch feministische Strategien der richtige Weg ist, um die Rückkehr der neuen Klassengesellschaft zu verhindern oder zumindest abzufedern. KULLMANN setzt dagegen auf einen Eliten-Feminismus. Ramona oder Simone kommen darin nicht wirklich vor.

    BERLINER ZEITUNG (2004): Eine Frau wie ein Ibiza-Flitzer,
    in: Berliner Zeitung v. 16.09.

    KRUMBHOLZ, Martin (2004): Narziss und Psyche.
    Katja Kullmann erzählt von "fortschreitenden Herzschmerzen",
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 22.09.

    Für KRUMBHOLZ ist die Story von Katja KULLMANN zu vorhersehbar: "Solange die Geschichte in der Schwebe ist und das Paar eine Chance zu haben scheint, macht die Erzählung Spass. Mona ist in ihrer Liebesunbedingtheit eine sympathische Figur, aber ihre Naivität wird ihr von der Autorin nicht verziehen. (...). Letztlich verbündet die Autorin sich nicht mit der schwärmenden Heldin, sondern mit dem Mann, mit dem Stärkeren."

     
           
       

    Generation Ally (2002)
    Frankfurt:
    Eichborn

     
       
         
     

    Klappentext

    "Warum es heute so kompliziert ist, eine Frau zu sein.
    Sie sind erfolgreich im Job, kennen sich aus in Sachen Karriere, Lifestyle und Sex. Und Ally McBeal, die neurotische Anwältin aus der gleichnamigen Kult-Fernsehserie, ist ihre Heldin. Denn sie trifft genau das Lebensgefühl der Frauen um die 30.
    Die Generation Ally weiß vor allem, was sie nicht will: weder Karrieremonster sein, noch eine Backpflaumenexistenz, und schon gar kein Boxenluder. Sie will raus aus der Entweder-Oder-Falle, sich nicht entscheiden müssen zwischen Kind und Karriere, Kopf und Körper, und wartet deshalb in vielen Fragen erst einmal ab - manchmal zu lange.
    Doch wie kann sie aussehen, die souveräne, unangestrengte Weiblichkeit? Katja Kullmann zeigt, warum die Rollenbilder in unserer Gesellschaft an ihre Grenzen stoßen - und wie eine ganze Frauengeneration ein neues Selbstverständnis entwickelt.
    Was Generation Golf für die Männer war, ist Generation Ally für die Frauen, die in den Achtzigern großwurden
    ."

     
         
     
           
       

    Beitrag von single-generation.de zum Thema

    Die Emanzipationsfalle
     
       

    Rezensionen

    OEHMIGEN, Karin (2002): Alles Ally oder was?
    Sie können alles, dürfen alles und wollen alles. Genau das macht es den Frauen der Generation Ally so schwer,
    in: SonntagsZeitung v. 03.02.

    KOERNER, Swantje-Britt (2002): Die unglücklichen Frauen der "Generation Ally"
    in:
    Frankfurter Allgemeine Zeitung Online v. 04.02.

    HANSSEN, Frederik (2002): Was bin ich?
    Katja Kullmann analysiert die "Generation Ally",
    in: Tagesspiegel v. 12.02.

    KLOTZ, Almut (2002): Immer wieder wir.
    Von der Unmöglichkeit, eine coole Karrierefrau zu sein, ohne schnell alt auszusehen: Katja Kullmann las bei Kiepert aus ihrer "Generation Ally",
    in: TAZ Berlin v. 14.02.

    BARTHELEMY, Andrea (2002): Kühn, klug, cool und kreuzunglücklich.
    «Generation Ally» hat Katja Kullmann weibliche «Thirty Somethings» genannt, die zwischen 1965 und 1975 geboren sind,
    in:
    Der Landbote v. 25.02.

    GASCHKE, Susanne (2002): Sterbenslangweilig.
    Frauen um die 35,
    in: Die ZEIT Nr.12 v. 14.03.

    Susanne GASCHKE spricht gerne im WIR-Modus, deshalb ist sie gekränkt, wenn andere ebenfalls im WIR-Modus schreiben. Ausnahme: sie tun es aus der Perspektive der Generation Berlin, aber diesen Gefallen tut Katja KULLMANN mit "Generation Ally" der ZEIT-Rezensentin nicht, weswegen der Verriss kaum jemand erstaunen wird.

    DREISBACH, Martina (2002): Die Frauenversteherin,
    in:
    Frankfurter Neue Presse v. 15.03.

    LORENTZ, Frank (2002): So schwierig ist es, Frau zu sein.
    Und daher hat die Kölnerin Katja Kullmann das Buch "Generation Ally" geschrieben. Aber gibt es die deshalb wirklich?
    in: Welt am Sonntag v. 17.03.

    TOEPFER, Nina (2002): Das Herz ist ein leerer Basar.
    Die "Generation Ally" und ihre exzentrischen Erzählungen,
    in: Neue Zürcher Zeitung am Sonntag v. 17.03.

    KEGEL, Sandra (2002): Drei Sekunden Sympathie.
    Katja Kullmann leidet wie Ally McBeal,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.03.

    CORINO, Eva (2002): Verzweifelter Spott.
    Katja Kullmann macht sich auf die Suche nach einer halben Generation,
    in: Berliner Zeitung v. 02.04.

    GASCHKE, Susanne (2002): Generation Schlumpfine.
    Endlich der Illies für Mädchen: In ihrem Buch Generation Ally will Katja Kullmann erklären, "warum es heute so kompliziert ist, eine Frau zu sein" - und schreibt doch wieder nur über Esprit-Sweatshirts und Caipirinhas. Soll das wirklich alles sein?,
    in: Berliner Republik Heft 2

    Was ist der Unterschied zwischen KULLMANN und Susanne GASCHKE?
         
    [ mehr zum Thema ]

    MALCOMESS, Hilde (2002): Alles Zicken?
    Katja Kullmann rechnet mit der Frauengeneration um die 30 ab,
    in: Rheinischer Merkur Nr.18 v. 02.05.

    OESTREICH, Heide (2002): Achtung, Frau am Steuer!
    Mit ihrem Buch "Generation Ally" wurde Katja Kullmann bislang lediglich als Trittbrettfahrerin kritisiert. Dabei überbrückt ihr Bestseller erfolgreich die Kluft zwischen den Frauengenerationen
    in: TAZ
    v. 03.06.

    Heide OESTREICH rechnet mit Susanne GASCHKE (ZEIT vom 14.03.2002) und der Generation Berlin ab, indem sie KULLMANNs Bestseller verteidigt:

    "Seine Position sowohl im Generationendiskurs als auch im feministischen Diskurs könnte sogar markant sein, würde es in diesen Gefilden nicht als tendenziell 'seichter Bestseller' gelabelt und entsprechend ignoriert."

    OESTREICH geht sogar noch weiter:

    "Das Buch füllt das kommunikative Loch, das zwischen Alice Schwarzer und Verona Feldbusch klafft - auf eine Weise, die in der nichtfeministischen Öffentlichkeit angekommen ist. Aus der heilen Welt der Frauenzeitschriften guckt ein unglückliches Gesicht. Es zu zeigen ist heute ein geradezu politischer Akt."

    Der Glücksanspruch des neoliberalen Ich-Feminismus, der von KULLMANN aus der Innenansicht beschrieben wird, gerät mit der Kinderfrage an seine Grenzen:

    "Wo die gesellschaftlichen Wellen der alten Frauenbewegung sie nicht mehr tragen, versagt diese Gruppe. 'Dann mache ich es doch lieber selber', seufzt Kullmann über den liegen gebliebenen Haushalt - genau wie ihre siebtelemanzipierte Mutter, die ihre Selbstverwirklichung in den Volkshochschulkurs verlagert hat. Die Karriere reicht genau bis zum biologischen Scheitelpunkt, an dem sich die Kinderfrage stellt. Entscheidet man sich für Kinder, ist sie mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit beendet. Und plötzlich sieht das Rollenangebot gar nicht mehr so attraktiv aus: Luder mit Geschäftssinn, Karrierefrau ohne Familie oder Mama mit Halbtagsjob."

     
       

    Die Generation Ally in der Debatte

    BENDA, Andrea (2002): Rechthaberische Frauen.
    Ally McBeal macht Schule: Deutsche Produktionen zeigen, wie schön und schwierig das Leben vor Gericht ist,
    in: Welt am Sonntag v. 03.02.

    Das deutsche Fernsehen hat die kaufkräftige Zielgruppe Generation Golf entdeckt. Das Interesse gilt jetzt speziell dem weiblichen Part: der Generation Ally. Wie BENDA den AllyMcBealismus sieht:

    "Ally McBeal (betrat) den fiktionalen Gerichtssaal und seitdem wissen wir es besser. Die neurotische Anwältin mit den Schmoll-Lippen und dem Rehblick vollführte das Kunststück, kurze Röcke tragen zu können, ohne ihren Intellekt gleich mit zu mindern. Fortan war klar: Jura ist sexy. Gleichzeitig verriet Ally alle Ideale der Frauenbewegung, indem sie vorführte, dass auch die toughe Karriere-Singlefrau noch den viktorianischen Drang nach Romantik und der einzig wahren Liebe in sich verspürt. Das Dilemma der modernen Frau: Karriere ja, Familie auch, und dabei noch so gut wie möglich aussehen."

    "Edel und Starck" sowie "Alicia" sollen das deutsche Generation Golf-Publikum nach Ally Mc Beal-Art befriedigen.

     
       

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    Update: 04. Oktober 2015