| |
|
- HARPPRECHT, Klaus (2000): Von
zornigen Alten und braven Jungen.
Wer baut, rein geistig gesehen, das neue Berlin? Die Jungen wohl,
doch wohl nicht jene Stromliniengespülten, die derzeit zu den neuen
Eliten stossen. Brandrede eines Aufrechten,
in: Tages-Anzeiger v. 07.01.
- Inhalt:
HARRPRECHT u.a. über Tristesse Royale und die
Generation Berlin:
"In
einer amüsanten Reportage machten sich Henryk M. Broder und
Reinhard Mohr jüngst im »Spiegel«
über fünf junge Autoren lustig, die in der »Bar jeder Vernunft« in
Berlin ihr gemeinsames Werk
»Tristesse Royal« präsentierten: Es war, nach dem Urteil dieser
verlässlichen Zeugen, geradezu eine Orgie snobistisch drapierter
Banalität.
Darin ist nichts überraschend. Diese dritte Nachkriegsgeneration
weiss offensichtlich mit sich und der Welt wenig anzufangen, was die
Flamme öffentlichen Interesses aufflackern liesse. Doch eine
intelligente These machte uns kürzlich darauf aufmerksam, dass wir
es von nun an mit einer »Generation
Berlin« zu schaffen hätten. Wenn es sich so verhalten sollte:
Ist sie im Begriff die deutschen Verhältnisse nach ihrem Bilde zu
prägen? Zur Rebellion neigen die jungen Damen und Herren nicht. Sie
haben, soweit ihre Existenz medial wahrzunehmen ist, ordentliche
Abschlüsse ihrer Bildungswege vorzuweisen. Wäre es anders, hätten
sich ihnen die Tore zum Erfolg kaum geöffnet. Aussenseitern bietet
sich - anders als in den ersten Jahrzehnten nach der grossen
Katastrophe - nur selten eine Chance, nicht in der Politik, nicht in
der Publizistik, am ehesten wohl in der elektronischen Industrie.
(...).
Sie haben - zu ihrem Glück - kein Schicksal aufzuweisen, das sich
mit den Konventionen nicht deckte. Das unterscheidet sie von den
Alten. (...). Das Spiel mit Dekadenz und Snobismus, dem sie sich
manchmal so demonstrativ anheim geben, wirkt artifiziell, bemüht und
letztlich brav. Sie wollen die Normalität nicht wahrhaben, von der
sie geprägt sind. Das mag ihre einzige Gebrochenheit sein."
- HARPPRECHT, Klaus (2001): Hysterische
Medien in einer Schwätzer-Gesellschaft.
Provinziell, banal und sich tausendfach wiederholend - Klaus
Harpprecht rechnet mit den Maßstäben von Fernsehen und Presse ab,
in: Frankfurter Rundschau v. 30.11.
- Inhalt:
HARPPRECHT über die neue Klassengesellschaft:
"Nicht
anders als in Amerika entsteht, wenn ich mich nicht täusche, in
Europa eine neue Klassengesellschaft: eine schmale Bildungselite,
die bedeutende Felder der Macht kontrolliert, neben ihr eine
breitere technische Elite, die über ihre Managementfunktion in der
Wirtschaft, später wohl auch in der Politik, die gesellschaftlichen
Entwicklungen in wesentlichen Zügen bestimmt; darunter die breite
Mittelschicht, die sich außerhalb ihrer professionellen Pflichten
auf sinkendem Niveau fast nur noch unterhalten lässt; schließlich
ein Bodensatz von Analphabeten, deren Zahl in Deutschland wie in
Frankreich eher zu wachsen scheint.
Ich fürchte, die neue Klassengesellschaft könnte in vieler Hinsicht
grausamer und härter sein als die alte, die auf Besitz, auf Geld
oder Titel gründete, weil sie nicht nur die materielle, sondern die
geistige und psychische Lebensqualität bestimmt."
-
HARPPRECHT, Klaus (2002): Nylons
und Revolte.
Im Rückblick
stehen die Fünfziger keineswegs für Muckertum oder Muff - eine
Apologie unserer Gründerjahre
in: Die ZEIT Nr.33 v. 08.08.
- Kommentar:
Klaus HARPPRECHT-
ein
Angehöriger
der Flakhelfer-Generation - setzt
dem "deutschen Fräulein" der
50er Jahre im Namen der patriachalen
Autorität ein Denkmal.
Das
Denkmuster dazu hat er
Barbara BIERACHs
Buch "Das dämliche Geschlecht"
entnommen:
"Frauen (...) benutzen ihre
Familien, um sich zurückzuziehen, ohne
zugeben zu müssen, dass ihnen letztlich
ein Job in der City zu anstrengend war.
Denn 'Karriere' klingt glamourös, ist
aber in Wirklichkeit zuvörderst harte
Arbeit. Eine verantwortliche Position
wirklich auszufüllen, bedeutet in den
meisten Branchen 50 Stunden Arbeit die
Woche, jede Menge Ringkämpfe mit
Kollegen und Konkurrenten und massiven
Verzicht aufs Privatleben. Vielen Frauen
wird das spätestens mit Mitte 30 zu
anstrengend und zu politisch. Entnervt
von dem ständigen Ringkampf um
Positionen und Budgets ziehen sie sich in
Vorstädte zurück und werden
Mutter." (Wirtschaftswoche
v. 30.04.2002).
HARPPRECHT bezichtigt in ähnlicher Weise
die feministische Darstellung einer
Zurückdrängung der Frauen in die
Reviere Kirche, Küche, Kinder als
verzerrt:
"Die
Stereotype der späten sechziger Jahre
sagten manche Wahrheit - die ganze war es
nicht. In der Tat war es erstaunlich,
dass die Frauen ihre Verantwortung - und
damit eine gewisse Macht - so klaglos
preisgaben, als die Männer endlich
wiederkamen. Vielleicht waren sie nur
müde."
HARPPRECHT
sieht ansonsten in der Überwindung der
Errungenschaften der 60er und 70er Jahre
die Chance zur Rückkehr zu patriarchalen
Verhältnissen wie sie für die 50er
Jahre typisch waren.
- HARPPRECHT, Klaus (2002): Katerstimmung
und Alarmmeldungen.
Zäsur im deutschen Zeitungswesen - die Wirtschaftskrise macht
erstmals en gros Journalisten arbeitslos,
in: Frankfurter Rundschau v.
02.09.
- Kommentar:
Klaus HARPPRECHT - ein Angehöriger der
Flakhelfer-Generation - über seine Kollegen:
"Die
Medienmenschen zählten, kein Zweifel, bisher zu den verwöhntesten
Kindern der Republik, und manche warfen sich in die Brust, als seien
sie die neue Herrenrasse".
HARPPRECHT
sieht heutzutage die Kultur bedroht:
"Die
wichtigen Tageszeitungen und die bedeutenden Wochenblätter sind -
neben dem Buch, einigen kleinen Radio- und Fernsehprogrammen (à la
Arte und 3 Sat) - die letzten Bastionen der Kultur im
Mediendschungel".
Es
ist bezeichnend, dass das Internet in seinem Denken keine Rolle
spielt und deshalb die Überwindung der Krise in der Gründung einer
weiteren Tageszeitung gesehen wird:
"Denn
niemals zuvor waren so viele Talente verfügbar, junge und
unverbrauchte, alte und erfahrene, die sich mit einer
unvergleichlichen Motivierung ans Werk machen könnten: Sie schrieben
sozusagen um ihr Leben."
-
HARPPRECHT, Klaus (2003): Barrikadenstürmer im Salon,
in: Frankfurter Hefte/Neue Gesellschaft, Januar/Februar
-
HARPPRECHT, Klaus (2003): Ein Spieler war nicht vorgesehen.
Die Krise der "FAZ" findet auch in ihrer Redaktion statt,
in: TAZ v. 02.07.
-
HARPPRECHT, Klaus (2003): Gerechtigkeit anders herum.
Die Alten schulden den Jungen nichts. Die Jungen den Alten viel.
Denn sie haben nach 1945 die Fundamente des Sozialstaats gelegt und
die junge Demokratie stabilisiert,
in: TAZ v. 15.08.
- Kommentar:
Klaus HARPPRECHT - ein Angehöriger der
Flakhelfer-Generation -
greift in den
"Generationenkrieg"
zugunsten seiner Aufbaugeneration ein.
Mit
dem Satz "Die BfA war unsere Sparkasse" macht er sich zum Sprecher
der Angestellten-Klasse der alten Mitte.
Sein
Rundumschlag beginnt bei MIßFELDER und endet bei den 68ern. Die
Gewerkschaften als einstige Vertreter der Arbeiterklasse werden
gescholten.
Im
Grunde hält HARPPRECHT ein Plädoyer für die Verlängerung der
Arbeitszeiten ("nur Mehrarbeit schaffe Arbeitsplätze") und die
"Entwicklung einer Service-Industrie, die bei uns noch immer
zweit- oder drittrangig ist".
Angesichts
des geplanten Niedriglohnsektors muss wohl eher von einer
Dienstbotengesellschaft gesprochen werden.
Hans THIE hat dies auf den Punkt gebracht: "Neoliberalismus
und Neofeudalismus (sind) zwei Seiten einer Medaille".
- Neu:
HARPPRECHT, Klaus (2006): Der "Untergang des Abendlandes" findet
nicht statt - er hat sich längst vollzogen,
in: Frankfurter Hefte/Neue Gesellschaft, April
|
|