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Kolja Mensing:
Die Provinz als Schicksal
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Aktuellster
Beitrag
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Kolja Mensing in seiner eigenen Schreibe
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- MENSING, Kolja
(2000): Generation P & C,
in: TAZ Berlin
v. 19.02.
- MENSING, Kolja (2000): Seelandschaft
mit Stuckrad-Barre,
in: TAZ v. 05.04.
- MENSING,
Kolja (2000): Warten auf die andere Party,
in: TAZ v. 30.05.
- MENSING, Kolja
(2001): Papa, was ist eine Revolution?
Während sich
Fischer und Trittin an Straßenkämpfe
erinnern dürfen, müssen ihre Kinder
eines Tages von Bonanza-Rädern und
"Wetten, dass..." erzählen,
in: TAZ
v. 27.01.
- MENSING,
Kolja (2001): Tausend Schallplatten.
Über
Sex kann man (nicht) nur auf Japanisch
wirklich schreiben: Über Haruki
Murakamis Roman "Gefährliche
Geliebte" und seine Übersetzung
zerbrach letztes Jahr das Literarische
Quartett. Jetzt erscheint sein Bestseller
"Naokos Lächeln" auf Deutsch,
in: TAZ
v. 01.03.
-
MENSING, Kolja (2002): Hoffnung kann gebaut werden.
Familienfreundliche Grundrisse und ökologisch korrekte
Holzschutzmittel: Im Einfamilienhaus spiegelt sich seit eh und je der
Wunsch nach einer besseren Gesellschaft. Jetzt hat das rot-grüne
Reformprojekt sich der Eigenheimzulage angenommen,
in: TAZ
v. 02.11.
- Inhalt:
Nach einem kurzem Abriss der Eigenheimutopien in der
Nachkriegszeit beschreibt Kolja MENSING das aktuelle rot-grüne Projekt der
Bevölkerungspolitik:
"Angesichts der Tatsache, dass nur noch in
einem guten Drittel der deutschen Haushalte Kinder leben, möchte die
Koalition aus dem Einfamilienhaus offenbar eine Zuchtstätte machen.
Die Wunschmaschine zum Kinderwunsch: Mit der Änderung des Gesetzes zur
Eigenheimzulage stirbt das Einfamilienhaus nicht, sondern wird Teil
des von Tag zu Tag sich deutlicher abzeichnenden rot-grünen
Reformprojekts. Ab ins Nest. Brüten."
- Neu:
MENSING, Kolja (2003): Generation Arbeitsamt.
Und dabei hast du dir doch immer solche Mühe gegeben: Tine Wittlers
Roman "Parallelwelt",
in: TAZ v. 29.11.
- Inhalt:
MENSING ordnet WITTLERs Roman in eine Reihe von
Büchern ein, die das gegenwärtige Lebensgefühl der Generation Golf
beschreiben:
"»Parallelwelt«
heißt dieser Roman von Tine Wittler, der im weitesten Sinne zu der
zweiten Welle der so genannten Generationenbücher gehört, die in
diesem Jahr die Buchhandlungen geflutet hat. Genau wie Florian Illies
in »Generation Golf zwei«,
Matthias Kalle in »Verzichten
auf« oder Volker Marquardt in seiner Abhandlung über
»Das Wissen der 35-Jährigen«
beschreibt Tine Wittler in ihrem Roman einen Moment der Ernüchterung,
der zwar nicht eine ganze Generation, sicherlich aber ein bestimmtes
Milieu kennzeichnet. Es geht um diejenigen jungen und jüngeren
Menschen, die schon mit Mitte zwanzig eine beachtliche
Praktikantenkarriere und mehrere Auslandsaufenthalte hinter sich
hatten, in Internet-Start-ups, Medienhäusern und Werbeagenturen als
Grafikdesigner, Onlineredakteure oder Produktmanager jede Menge
unbezahlte Überstunden gemacht haben, die sich
»jung,
elastisch und trendy« fühlten und
jetzt,
nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes und der
allgemein
schlechten Wirtschaftslage, plötzlich in der Wirklichkeit
beziehungsweise auf dem Arbeitsamt im Büro ihres überforderten
Sachbearbeiters angelangt sind."
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Kolja Mensing im Gespräch
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Klappentext
"Du stehst an
einer Autobahnauffahrt irgendwo auf dem Land und
möchtest am liebsten alles hinter dir lassen: die
weißen Betonkübel in den Straßen der Neubausiedlung,
die Bushaltestelle, an der du nach der Schule mit
den anderen herumhängst, und das Kino, in dem nur
Filme laufen, die du nicht sehen willst. Du träumst
davon, der Kleinstadt an diesem Nachmittag den
Rücken zu kehren und nie wieder zurückzukommen. Erst
später erkennst du, was du wirklich zurückgelassen
hast: Die Provinz ist der Hintergrund, vor dem du
dein weiteres Leben entwirfst. Für den 16-Jährigen
war sie noch die ungeliebte Hülle, die er so schnell
wie möglich abstreifen möchte. Für den 26-Jährigen
steht sie bereits für einen ganzen Lebensentwurf,
von dem er sich verabschiedet hat: Ab jetzt geht es
nur noch vorwärts. Das ist der Vorteil derjenigen,
die in Westerstede, in Elsterwerda oder Mühlacker
geboren wurden und diese kleinen Städte verlassen
haben.
Sie wissen, wo sie herkommen, und sie wissen, wohin
sie nie wieder zurückwollen.
Mensing erzählt vom Aufwachsen fern der Großstadt
und skizziert eine Topologie und Soziologie der
Provinz. Denn »Provinz« braucht heute keinen Ort
mehr, sondern ist zu einem gesellschaftlichen
Phänomen geworden: Unsere Herkunft holt uns ein."
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Abdruck einiger
Kurzgeschichten in der TAZ
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MENSING, Kolja (2002): Wie komme ich hier raus?
Aufgewachsen in der Provinz. Jede Menge Erfahrungen aus
einer anderen Welt. Heimatliches vor winterlichen, ja
weihnachtlichen Tagen. ein mono.mag von Kolja Mensing (Text)
und Thomas Dashuber (Fotos),
in: TAZ v. 09.11.
- Inhalt:
Kurzgeschichten von Kolja MENSING aus der
Provinz über eine Heimfahrt an Weihnachten, das Leben in
einer Neubausiedlung, Provinzdiskos, Fußgängerzonen und die
Letzte Ausfahrt aus der Provinz. Alle Geschichten stammen
aus dem Buch "Wie komme ich hier raus?"
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Rezensionen
-
GRIESHOP, Herbert (2002): Schwer, sich in der Provinz zu
langweilen.
Kolja Mensing: Wie komme ich hier raus?,
in: Welt v. 28.12.
- Inhalt:
"In »Small
Town«, Lou Reeds ultimativer Hymne auf den
Kleinstadtflüchtling Andy Warhol, heißt es am Schluss: »There
is only one good use for a small town. You hate it and you
know you’ll have to leave.?« Der Hass auf die Provinz und
der Drang, sich aus der Enge der heimatlichen Herkunft zu
befreien, hat auch in der deutschsprachigen Literatur zu
eindrucksvollen Werken geführt, von Gottfried Kellers
»Grünem Heinrich« bis zu
Jochen Schimmangs
70er-Jahre Klassiker »Schöner Vogel Phönix«. Umso
überraschender, dass Kolja Mensing seine kurzweilige
Studie über die deutsche Provinz mit einem Songtext von
Tocotronic eröffnet, der seinem eigenen programmatischen
Titel »Wie komme ich hier raus?« offensichtlich
widerspricht: »Wir haben gehalten / In der langweiligsten
Landschaft der Welt. Wir haben uns unterhalten / und
festgestellt, dass es uns hier gefällt.«
Die Ambivalenz ist gewollt. Natürlich muss auch heute noch
jeder Jugendliche, der was erleben will, so schnell wie
möglich die ländliche Heimat verlassen, insbesondere wenn
er Kulturredakteur bei der »taz« werden will wie der Autor
des Buches. Aber, und das ist die überraschende Erkenntnis
hier, für die jetzt 30-Jährigen scheint die Provinz nicht
mehr so miefig zu sein wie für frühere Generationen",
meint GRIESHOP im Hinblick auf die Weltsicht der
Generation Golf.
- SCHIMMANG, Jochen (2003): Wer
fernsieht, braucht eigentlich gar nicht mehr raus.
Gartenzwerg, Eigenheim und Regionalexpress: Kolja Mensing
erzählt grandiose Geschichten vom Weltkulturerbe der
Provinz,
in: Frankfurter Rundschau v. 11.01.
- Inhalt:
Jochen
SCHIMMANG, der in dem
Bestseller
"Der schöne Vogel Phönix" (1979) die Flucht aus der
ostfriesischen Provinz ins Berlin des
roten Jahrzehnts zum
Thema gemacht hat, lobt
MENSINGs
Geschichten, die die Veränderungen seit jener Zeit
sichtbar machen:
"wohin?
In die Metropole natürlich, ins neue Berlin, wo Kolja
Mensing in der Kochstraße den Literaturteil der taz
redigiert und wo alle sich furchtbar Mühe geben, das
Metropolengefühl herzustellen und der von
Heinz Bude diagnostizierten
»Generation Berlin«
anzugehören. Dass die ökonomische Potenz keineswegs in
Berlin konzentriert und die kulturelle Deutungsmacht nach
wie vor auf viele Submetropolen verteilt ist, ficht den
Neometropolitaner nicht an. Und der ist es schließlich,
der das neue Berlin mangels einer alten
Hauptstadtpopulation überhaupt erst schafft, denn
unablässig strömt er aus Schwaben,
aus dem Ruhrgebiet, aus
Westerstede oder aus Franken dorthin. Und deshalb kommt
Mensing zu dem so melancholischen wie zutreffenden
Resümee, dass der Siegeszug Berlins in Wahrheit der der
Provinz ist, und fragt: »Einst ging man in die Stadt, um
der Provinz zu entkommen. Aber wohin soll man gehen, wenn
überall Provinz ist?«
Die Frage lässt sich schwer beantworten. Dagegen kann man
mit gutem Gewissen sagen, dass dies das Klügste ist, was
seit sehr langer Zeit über die Provinz in Deutschland
geschrieben worden ist."
-
SCHÄFER, Frank (2003): Bloß weg hier!
Heute Übach-Palenberg, morgen die ganze Welt. Zwei neue
Bücher verhandeln die eigentümliche Beziehung zwischen Pop
und Provinz,
in: Jungle World Nr.5 v. 22.01.
- Kommentar:
Der Berlin-Hype ist vorbei, die
Provinzler der Generation Berlin wandern aus Berlin ab und
damit hat auch wieder das Nachdenken über das Verhältnis
von Provinz und Metropole Konjunktur.
Frank SCHÄFER
erwähnt das Buch "Wie komme ich hier raus?" von Kolja
MENSING eher nebenbei.
Im Zentrum steht das
Buch "Lovers
Club" von HOLLAND-MORITZ. SCHÄFER stellt bei seiner
Betrachtung die Mentalität der Provinzler in den
Vordergrund:
"Ein Defizit schafft
Verlangen, ist somit Motivation für außergewöhnliche
Leistungsfähigkeit. Vielleicht lässt sich das in dieser
gerade noch zulässigen Verallgemeinerung übertragen auf
die Provinz als solche. Ihr eingeschrieben ist schließlich
allemal eine Defiziterfahrung und also auch der Wunsch,
diese marginalisierte, gering geschätzte Region um jeden
Preis zu verlassen. Diesen Mangel an Herkunft wettzumachen
durch Flexibilität, gesteigerte Assimilationsbereitschaft,
Durchsetzungskraft und Pragmatismus, mit anderen Worten
durch die Übererfüllung des Solls an primär urbanen
Tugenden, wird dem Provinzler eingebläut."
Diedrich DIEDERICHSEN hat in
"Sexbeat"
ebenfalls eine Variante dieser
Provinz-Metropolen-Beziehung ausgeführt, in der dem
Hip-Intellektuellen eine zentrale Rolle zugeschrieben
wird:
"Der
Hip-Intellektuelle bringt aus seinem angeborenen,
eingeborenen Exil die Fähigkeit und unüberwindbare Neigung
zur Projektion und Überhöhung mit sich, er ist der
bürgerliche In-die-Tasche-Lügner par excellence, aber der
großartigste. Denn nicht nur ist sein Ziel das
Ehrenwerteste, die Quelle seines Projektionstriebs ist
(...) der Geschlechtstrieb selbst. So entsteht der
Hip-Intellektuelle. Intellektuell ist er von Haus aus, im
Laufe der Pubertät geworden oder just by accident. Aber er
weiß, wie alle klugen Menschen, daß die schönsten und
beten Leute, vor allem Mädchen, in der Stadt sind, und
zwar nicht irgendwo in der Stadt, sondern in den Revieren
von Bohemia. Er weiß, daß er dahin will. Aber er ist nicht
aus der Stadt. Er ist kein Hipster, wie wir den nach
Bohemia hineingeborenen Leichtfuß, der von Haus aus Zugang
zu den geheimen Revieren hat, nennen. Er ist der
natürliche Konkurrent des Hipster.
(...).
Der Hip-Intellektuelle, der Bohemia Wort und
Selbstverständnis gab und gibt, sowie er seit Urzeiten aus
der Provinz in ihren Zentren auftaucht, ist gleichzeitig
Agent provocateur, der bestimmte Praktiken erst erfindet
oder benennt" (S.64f.).
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