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Kolja Mensing: Die Provinz als Schicksal

 
       
     
       
   
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    Kolja Mensing  in seiner eigenen Schreibe

     
       

    MENSING, Kolja (2000): Generation P & C,
    in:
    TAZ Berlin v. 19.02.

    Rezension des Buchs Generation Golf von Florian ILLIES.

    MENSING, Kolja (2000): Seelandschaft mit Stuckrad-Barre,
    in:
    TAZ v. 05.04.

    Die Debatte um die Popliteraten im Anschluss an die Tutzinger Tagung

    MENSING, Kolja (2000): Warten auf die andere Party,
    in:
    TAZ v. 30.05.

    TAZ-Serie "Goldene Zeiten für Literatur"

    MENSING, Kolja (2001): Papa, was ist eine Revolution?
    Während sich Fischer und Trittin an Straßenkämpfe erinnern dürfen, müssen ihre Kinder eines Tages von Bonanza-Rädern und "Wetten, dass..." erzählen,
    in: TAZ v. 27.01.

    Kolja Mensing über die Generation Golf.

    MENSING, Kolja (2001): Tausend Schallplatten.
    Über Sex kann man (nicht) nur auf Japanisch wirklich schreiben: Über Haruki Murakamis Roman "Gefährliche Geliebte" und seine Übersetzung zerbrach letztes Jahr das Literarische Quartett. Jetzt erscheint sein Bestseller "Naokos Lächeln" auf Deutsch,
    in: TAZ v. 01.03.

    auch als:
    MENSING, Kolja (2001): Singles, die Miles Davis hören.
    Haruki Murakamis Roman "Gefährliche Geliebte" erzählt vom Sex,
    in: Literaturkritik.de
    Nr.4 v. 22.03.

    MENSING, Kolja (2001): Die Scham ist vorbei,
    Frauentag-Dossier,
    in:
    TAZ v. 08.03.

    Kolja MENSING beschäftigt sich nicht mit dem, was man hinter der Schlagzeile vermutet, sondern mit der Krise des Mannes und hat dazu die Männermagazine durchgeblättert.

    MENSING, Kolja (2002): Happy Birthday, Ikone.
    Zwischen Rauch und Nickelbrille: Hermann Hesse begeht seinen 125. Geburtstag unter anderem als Poster. Das Warhol-Porträt gehört heute zum klassischen Bildprogramm des Teenager-Zimmers,
    in: TAZ v. 02.07.

    MENSING, Kolja (2002): Hoffnung kann gebaut werden.
    Familienfreundliche Grundrisse und ökologisch korrekte Holzschutzmittel: Im Einfamilienhaus spiegelt sich seit eh und je der Wunsch nach einer besseren Gesellschaft. Jetzt hat das rot-grüne Reformprojekt sich der Eigenheimzulage angenommen,
    in:
    TAZ v. 02.11.

    Nach einem kurzem Abriss der Eigenheimutopien in der Nachkriegszeit beschreibt Kolja MENSING das aktuelle rot-grüne Projekt der Bevölkerungspolitik:

    "Angesichts der Tatsache, dass nur noch in einem guten Drittel der deutschen Haushalte Kinder leben, möchte die Koalition aus dem Einfamilienhaus offenbar eine Zuchtstätte machen. Die Wunschmaschine zum Kinderwunsch: Mit der Änderung des Gesetzes zur Eigenheimzulage stirbt das Einfamilienhaus nicht, sondern wird Teil des von Tag zu Tag sich deutlicher abzeichnenden rot-grünen Reformprojekts. Ab ins Nest. Brüten."

    MENSING, Kolja (2003): Generation Arbeitsamt.
    Und dabei hast du dir doch immer solche Mühe gegeben: Tine Wittlers Roman "Parallelwelt",
    in: TAZ v. 29.11.

    MENSING ordnet WITTLERs Roman in eine Reihe von Büchern ein, die das gegenwärtige Lebensgefühl der Generation Golf beschreiben:

    "»Parallelwelt« heißt dieser Roman von Tine Wittler, der im weitesten Sinne zu der zweiten Welle der so genannten Generationenbücher gehört, die in diesem Jahr die Buchhandlungen geflutet hat. Genau wie Florian Illies in »Generation Golf zwei«, Matthias Kalle in »Verzichten auf« oder Volker Marquardt in seiner Abhandlung über »Das Wissen der 35-Jährigen« beschreibt Tine Wittler in ihrem Roman einen Moment der Ernüchterung, der zwar nicht eine ganze Generation, sicherlich aber ein bestimmtes Milieu kennzeichnet. Es geht um diejenigen jungen und jüngeren Menschen, die schon mit Mitte zwanzig eine beachtliche Praktikantenkarriere und mehrere Auslandsaufenthalte hinter sich hatten, in Internet-Start-ups, Medienhäusern und Werbeagenturen als Grafikdesigner, Onlineredakteure oder Produktmanager jede Menge unbezahlte Überstunden gemacht haben, die sich »jung, elastisch und trendy« fühlten und jetzt, nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes und der allgemein schlechten Wirtschaftslage, plötzlich in der Wirklichkeit beziehungsweise auf dem Arbeitsamt im Büro ihres überforderten Sachbearbeiters angelangt sind."

    Tine Wittler - Parallelwelt

    MENSING, Kolja (2004): Familiäres Kapital.
    Hauptsache, geordnete Verhältnisse: Die Nach-Achtundsechziger Joachim Bessing und Adriano Sack denken über Familien nach,
    in: TAZ v. 05.06.

    "»Elternabend« und »Rettet die Familie!« (sind) vor allem Ausdruck einer neuen, spießbürgerlichen Sehnsucht nach geordneten Verhältnissen. Und natürlich dürfen auch die entsprechenden Schreckensszenarien nicht fehlen", vermerkt MENSING zu den Büchern der Generation Golf-Autoren Adriano SACK und Joachim BESSING, die sich beide mit den Familienverhältnissen der 68er und deren gesellschaftlichen Folgen auseinandergesetzt haben.

    MENSING, Kolja (2004): "Sparen Sie bloß nicht!"
    13. Stock (1): Ingrid Galla wohnt seit 1971 in der Bremer Neubausiedlung Grohner Düne. Nun müssen die Gallas ausziehen. Die Sozialwohnung ist einfach zu teuer für ihre Rente,
    in: TAZ v. 10.08.

    "Ingrid Galla hat ihr Leben lang zur Miete gewohnt, 30 Jahre davon in der Grohner Düne. Jetzt muss sie ausziehen. 1.000 Euro Rente bekommt ihr Mann, der früher gleich nebenan in der Vulkan-Werft gearbeitet hat, 400 Euro werden es bei ihr sein, wenn sie in ein oder zwei Jahren nicht mehr in der Küche vom Kindergarten arbeitet. Die gut 700 Euro Miete für ihre Wohnung können sie sich dann nicht mehr leisten. Sozialwohnungen sind teuer, wenn sie nicht vom Sozialamt bezahlt werden. - Und wenn sie sich in der Grohner Düne eine kleinere Wohnung sucht? - Zwei Zimmer sind kaum noch zu bekommen: »Zu viele Singles.«",

    heißt es politisch korrekt bei Kolja MENSING. Fakt ist jedoch: Die stetig steigende Zunahme an Wohnraum bei den Einpersonenhaushalten ist Folge der alternden Gesellschaft. Nicht junge Singles, sondern allein lebende Witwen, die nach dem Tod des Ehemanns und dem Auszug der Kinder alleine in der Wohnung übrig bleiben, sorgen für einen Großteil des - als Explosion der Wohnansprüche ausgegebenen - Wohnflächenverbrauchs.

    Sind Singles schuld an der Wohnungsnot in Deutschland?

    Neu:
    MENSING, Kolja (2007): Zum Stillstand kommen. Zwei Seiten für ein ganzes Leben.
    Protokolle - Zeitgeist,
    in: berlinergazette.de v. 18.07.

    Kolja MENSING schreibt über den Einfluss der journalistischen auf die schriftstellerische Arbeitsweise:

    "Nun bin ich nicht nur Journalist und Kritiker, sondern auch Schriftsteller. Gut moeglich, dass sich das rigide Kosten-Nutzen-Modell meiner journalistischen Arbeit auf die formalen und inhaltlichen Aspekte meiner literarischen Produktion ausgewirkt hat. Zumindest ist keine der Geschichten in meinem Erzaehlband >Minibar< laenger als vier oder fuenf Seiten. Vielleicht steckt hinter dem Bemuehen um eine extrem verknappte Form tatsaechlich der Wunsch nach groesstmoeglicher Sinnproduktion auf kleinstem Raum. Zwei Seiten fuer ein ganzes Leben zwischen Alkohol und Wahnsinn. Das Scheitern einer Liebe auf achttausend Zeichen. Results only, auch hier zaehlen nur die Ergebnisse". 

     
           
       

    Kolja Mensing im Gespräch

     
       
    • SORRENTO, Aureliana (2003): Wir schlagen keine tiefen Wurzeln.
      Die Schriftsteller Kolja Mensing und Tobias Hülswitt über Provinzler, Öko-Eiferer, Heimatgefühl und das Leben in der Großstadt,
      in: Berliner Zeitung v. 19.07.

     
           
       

    Wie komme ich hier raus? (2002)
    Aufwachsen in der Provinz
    Köln:
    Kiepenheuer & Witsch

     
       
         
     

    Klappentext

    "Du stehst an einer Autobahnauffahrt irgendwo auf dem Land und möchtest am liebsten alles hinter dir lassen: die weißen Betonkübel in den Straßen der Neubausiedlung, die Bushaltestelle, an der du nach der Schule mit den anderen herumhängst, und das Kino, in dem nur Filme laufen, die du nicht sehen willst. Du träumst davon, der Kleinstadt an diesem Nachmittag den Rücken zu kehren und nie wieder zurückzukommen. Erst später erkennst du, was du wirklich zurückgelassen hast: Die Provinz ist der Hintergrund, vor dem du dein weiteres Leben entwirfst. Für den 16-Jährigen war sie noch die ungeliebte Hülle, die er so schnell wie möglich abstreifen möchte. Für den 26-Jährigen steht sie bereits für einen ganzen Lebensentwurf, von dem er sich verabschiedet hat: Ab jetzt geht es nur noch vorwärts. Das ist der Vorteil derjenigen, die in Westerstede, in Elsterwerda oder Mühlacker geboren wurden und diese kleinen Städte verlassen haben.
    Sie wissen, wo sie herkommen, und sie wissen, wohin sie nie wieder zurückwollen.
    Mensing erzählt vom Aufwachsen fern der Großstadt und skizziert eine Topologie und Soziologie der Provinz. Denn »Provinz« braucht heute keinen Ort mehr, sondern ist zu einem gesellschaftlichen Phänomen geworden: Unsere Herkunft holt uns ein.
    "

     
         
     
           
       

    Abdruck einiger Kurzgeschichten aus dem Buch

    MENSING, Kolja (2002): Wie komme ich hier raus?
    Aufgewachsen in der Provinz. Jede Menge Erfahrungen aus einer anderen Welt. Heimatliches vor winterlichen, ja weihnachtlichen Tagen. ein mono.mag von Kolja Mensing (Text) und Thomas Dashuber (Fotos),
    in: TAZ v. 09.11.

    Kurzgeschichten von Kolja MENSING aus der Provinz über eine Heimfahrt an Weihnachten, das Leben in einer Neubausiedlung, Provinzdiskos, Fußgängerzonen und die Letzte Ausfahrt aus der Provinz.
     
       

    Rezensionen

    GRIESHOP, Herbert (2002): Schwer, sich in der Provinz zu langweilen.
    Kolja Mensing: Wie komme ich hier raus?,
    in: Welt v. 28.12.

    "In »Small Town«, Lou Reeds ultimativer Hymne auf den Kleinstadtflüchtling Andy Warhol, heißt es am Schluss: »There is only one good use for a small town. You hate it and you know you’ll have to leave.?« Der Hass auf die Provinz und der Drang, sich aus der Enge der heimatlichen Herkunft zu befreien, hat auch in der deutschsprachigen Literatur zu eindrucksvollen Werken geführt, von Gottfried Kellers »Grünem Heinrich« bis zu Jochen Schimmangs 70er-Jahre Klassiker »Schöner Vogel Phönix«. Umso überraschender, dass Kolja Mensing seine kurzweilige Studie über die deutsche Provinz mit einem Songtext von Tocotronic eröffnet, der seinem eigenen programmatischen Titel »Wie komme ich hier raus?« offensichtlich widerspricht: »Wir haben gehalten / In der langweiligsten Landschaft der Welt. Wir haben uns unterhalten / und festgestellt, dass es uns hier gefällt.«
    Die Ambivalenz ist gewollt. Natürlich muss auch heute noch jeder Jugendliche, der was erleben will, so schnell wie möglich die ländliche Heimat verlassen, insbesondere wenn er Kulturredakteur bei der »taz« werden will wie der Autor des Buches. Aber, und das ist die überraschende Erkenntnis hier, für die jetzt 30-Jährigen scheint die Provinz nicht mehr so miefig zu sein wie für frühere Generationen", meint GRIESHOP im Hinblick auf die Weltsicht der Generation Golf.
  • SCHIMMANG, Jochen (2003): Wer fernsieht, braucht eigentlich gar nicht mehr raus.
    Gartenzwerg, Eigenheim und Regionalexpress: Kolja Mensing erzählt grandiose Geschichten vom Weltkulturerbe der Provinz,
    in: Frankfurter Rundschau v. 11.01.

  • Jochen SCHIMMANG, der in dem Bestseller Der schöne Vogel Phönix (1979) die Flucht aus der ostfriesischen Provinz ins Berlin des roten Jahrzehnts zum Thema gemacht hat, lobt MENSINGs Geschichten, die die Veränderungen seit jener Zeit sichtbar machen:

    "wohin? In die Metropole natürlich, ins neue Berlin, wo Kolja Mensing in der Kochstraße den Literaturteil der taz redigiert und wo alle sich furchtbar Mühe geben, das Metropolengefühl herzustellen und der von Heinz Bude diagnostizierten »Generation Berlin« anzugehören. Dass die ökonomische Potenz keineswegs in Berlin konzentriert und die kulturelle Deutungsmacht nach wie vor auf viele Submetropolen verteilt ist, ficht den Neometropolitaner nicht an. Und der ist es schließlich, der das neue Berlin mangels einer alten Hauptstadtpopulation überhaupt erst schafft, denn unablässig strömt er aus Schwaben, aus dem Ruhrgebiet, aus Westerstede oder aus Franken dorthin. Und deshalb kommt Mensing zu dem so melancholischen wie zutreffenden Resümee, dass der Siegeszug Berlins in Wahrheit der der Provinz ist, und fragt: »Einst ging man in die Stadt, um der Provinz zu entkommen. Aber wohin soll man gehen, wenn überall Provinz ist?«
              
     Die Frage lässt sich schwer beantworten. Dagegen kann man mit gutem Gewissen sagen, dass dies das Klügste ist, was seit sehr langer Zeit über die Provinz in Deutschland geschrieben worden ist."

  • SCHÄFER, Frank (2003): Bloß weg hier!
    Heute Übach-Palenberg, morgen die ganze Welt. Zwei neue Bücher verhandeln die eigentümliche Beziehung zwischen Pop und Provinz,
    in: Jungle World Nr.5 v. 22.01.

  • Der Berlin-Hype ist vorbei, die Provinzler der Generation Berlin wandern aus Berlin ab und damit hat auch wieder das Nachdenken über das Verhältnis von Provinz und Metropole Konjunktur. Frank SCHÄFER erwähnt das Buch Wie komme ich hier raus? von Kolja MENSING eher nebenbei.

    Im Zentrum steht das Buch Lovers Club von HOLLAND-MORITZ. SCHÄFER stellt bei seiner Betrachtung die Mentalität der Provinzler in den Vordergrund:

    "Ein Defizit schafft Verlangen, ist somit Motivation für außergewöhnliche Leistungsfähigkeit. Vielleicht lässt sich das in dieser gerade noch zulässigen Verallgemeinerung übertragen auf die Provinz als solche. Ihr eingeschrieben ist schließlich allemal eine Defiziterfahrung und also auch der Wunsch, diese marginalisierte, gering geschätzte Region um jeden Preis zu verlassen. Diesen Mangel an Herkunft wettzumachen durch Flexibilität, gesteigerte Assimilationsbereitschaft, Durchsetzungskraft und Pragmatismus, mit anderen Worten durch die Übererfüllung des Solls an primär urbanen Tugenden, wird dem Provinzler eingebläut."

    Diedrich DIEDERICHSEN hat in Sexbeat ebenfalls eine Variante dieser Provinz-Metropolen-Beziehung ausgeführt, in der dem Hip-Intellektuellen eine zentrale Rolle zugeschrieben wird:

    "Der Hip-Intellektuelle bringt aus seinem angeborenen, eingeborenen Exil die Fähigkeit und unüberwindbare Neigung zur Projektion und Überhöhung mit sich, er ist der bürgerliche In-die-Tasche-Lügner par excellence, aber der großartigste. Denn nicht nur ist sein Ziel das Ehrenwerteste, die Quelle seines Projektionstriebs ist (...) der Geschlechtstrieb selbst. So entsteht der Hip-Intellektuelle. Intellektuell ist er von Haus aus, im Laufe der Pubertät geworden oder just by accident. Aber er weiß, wie alle klugen Menschen, daß die schönsten und beten Leute, vor allem Mädchen, in der Stadt sind, und zwar nicht irgendwo in der Stadt, sondern in den Revieren von Bohemia. Er weiß, daß er dahin will. Aber er ist nicht aus der Stadt. Er ist kein Hipster, wie wir den nach Bohemia hineingeborenen Leichtfuß, der von Haus aus Zugang zu den geheimen Revieren hat, nennen. Er ist der natürliche Konkurrent des Hipster.
              
     (...).
    Der Hip-Intellektuelle, der Bohemia Wort und Selbstverständnis gab und gibt, sowie er seit Urzeiten aus der Provinz in ihren Zentren auftaucht, ist gleichzeitig Agent provocateur, der bestimmte Praktiken erst erfindet oder benennt" (S.64f.).

     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 11. Oktober 2002
    Update: 27. August 2015