Pressestimmen
"»Später, Baby« ist interessant, weil der
Roman zeigt, dass auch die Eroberung von Ehemann und Kind -
normalerweise der erlösende Endpunkt in der Frauenliteratur
- den Heldinnen nur zeitweise Linderung verschafft. Nach
einer Weile geht alles wieder von vorn los. Als Mann denkt
man: Der Dämon, der diese Romanheldinnen so unbehaust macht,
ist womöglich gar nicht die Männerlosigkeit, sondern ihr
Narzissmus. Die lieben sich selbst mit so viel Leidenschaft,
wo soll denn da in ihrer Seele ein Plätzchen für mich sein?"
(Harald Martenstein im KulturSpiegel,
August 2004)
"»Alle Frauen wollen 'Carrie' sein und alle
Männer 'Mr. Big'«, schreibt Kristin Rübesamen einmal über
Manhattan, und dieser Satz gilt (...) für Artus, der Big aus
»Sex and the City« sehr ähnelt. Doch vielleicht ist dieser
Typ Mann ja derzeit einfach nur das Ideal gebildeter Singles
von Mitte Dreißig und der Magazine, für die sie schreiben,
und die Autorin hat das gewußt und ihn deshalb gleich im
Namen zum Ritter geschlagen. Die Krise jedenfalls, in die
Betty fällt, als sie bemerkt, daß er sie aus seinem Leben
entfernt, ist jedenfalls heartfelt, wie Betty sagen würde,
und nicht larger than life wie Artus der Große.
»Du willst irgendwohin gehen, irgendwas tun, mit
irgendjemandem reden, aber es ist erst halb zwölf am Morgen
und alle anderen auf der Welt haben einen Job.» Schreibt Jay
McInerney in »Bright Lights, Big City», einem anderen
Generationenbuch, dessen Hauptfigur ebenfalls seine Stelle
bei einem Magazin verliert und mit gebrochenem Herzen durch
Manhattan stolpert. Weswegen der Satz auch gut zu »Später,
Baby» paßte. Betty stolpert erst durch München, dann in ein
Yoga-Seminar, das ihr der Verlag als Abfindung geschenkt
hat, schließlich durch ein Berlin, das so abgestanden wirkt,
wie es nur Leute empfinden können, die lange genug in
München gelebt haben. Oder sonstwo, wo die Mieten großer
Altbauten nicht spottbillig sind und die Menschen noch echte
Berufe haben. Betty hat keinen mehr.
Im Hotel in Heiligendamm, wo sie Artus trifft, fragt eine
Barbekanntschaft: »Medien, oder?« Und als Betty nickt, sagt
er noch: »Da wartet ein neues Lumpenproletariat auf uns.«
Ein bitterer, kurzer Dialog, in dem aber aufscheint, was die
Stärke dieses Buchs ist: Nicht das Heimweh oder das Herzweh,
sondern das Hartzweh"
(Tobias Rüther in der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung vom 15.08.2004)