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Klappentext
"»Der
Fernsehgast«, das ist eine Art Heimat- und
Dorfroman, die etwas andere »Beschreibung eines
Dorfes« um 1960: Ein Junge im Alter von acht, neun
Jahren erlebt den Einbruch des Fernsehens in die
fast noch archaische, ganz bäuerlich-handwerkliche
Welt seines Fleckens. Er, dem das Fernsehen von den
Eltern streng verboten ist, muß sich, um trotzdem in
den schwarz-weißen Genuß zu kommen, heimlich Zutritt
zu den weit verstreuten »Fernsehhäusern« des Dorfes
verschaffen. Und wie sich dieser altkluge, beherzte,
neugierige, aber auch ganz und gar naive Junge,
dieser Bildhausierer, nun hineinmogelt,
hineinschwadroniert in die ersten
»Fernsehgastgeberzimmer«, hin vor die Apparate der
Nachbarschaft, was er nun an Eindrücken und
Erlebnissen mitbringt von seinen Streifzügen auf der
Spur der Antennen, was sich in seiner jungen, noch
»unverbildeten« Seele bewegt: das alles zusammen
gibt ein faszinierendes Muster, ein starkes, auch
witziges Beispiel kindlicher Weltaneignung und
Welterfahrung. Andererseits aber entsteht in dieser
»Dorfweltgeschichte« auch das bewegende Bild einer
»menschelnden« Gesellschaft, die den Fortschritt so
ersehnt wie fürchtet …"
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Pressestimmen
"Das Fernsehen wird bei Oesterle zum Sinnbild
eines einschneidenden Wandels. Der Junge wohnt nämlich in
einem Dorf, wo es im Gegensatz zum Fernsehprogramm höchst
behäbig zugeht. Geradezu archaisch. Sein Vater ist Schreiner
und Sargmacher mit Werkstatt im Haus. Zusammen mit der
Mutter und den Großeltern wohnt man unter einem Dach.
Stille, fromme Leute sind das, die ihre Tage nach dem
Gebimmel der Kirchenglocken ausrichten. Die stets ein
Abendgebet sprechen. Und die natürlich keinen Fernsehgerät
besitzen. Auch kein Telefon. Noch nicht einmal ein
Badezimmer. Das Zimmer des Jungen heißt hier noch
»Bubenkammer«. Über seinem Bett hängt ein Jesus mit
Dornenkrone. Und mit dem Fernsehen bricht nun die große in
die kleine Welt ein. Entsprechend bestimmen Antagonismen den
Plot. Tradition versus Fortschritt, Bilderflut gegen
Bilderarmut. Wenn man nicht wüsste, dass es sich tatsächlich
um eine autobiographische Geschichte handelt, könnte man
schon den Eindruck gewinnen, Oesterle habe sie klar auf
Kontraste hin konstruiert."
(Gisa Funck im DeutschlandRadio vom
21.08.2002)
"Das
Wahrhaftigste über die deutsche, die im speziellen
schwäbische Provinz Anfang der sechziger Jahre hat Kurt
Oesterle geschrieben. Sein 2002 erschienener Roman »Der
Fernsehgast oder Wie ich lernte die Welt zu sehen« erzählt
die Geschichte eines Jungen, der durch sein Dorf streunt und
bei unterschiedlichen Menschen fernsieht. Seine Eltern
besitzen keinen Fernseher. Sie glauben, gefesselt von einer
besonderen Art der protestantischen Bilderangst (meine
Großmutter mißtraute dem Schwarzweißfernsehen auf Grund
ebendiesen Gefahrenphantasma: Der Fernseher fresse die Seele
auf), daß er, der Ich-Erzähler, dem Verderben anheimfalle,
wenn er Fliegerfilme schaue oder anderes Teufelswerk.
Oesterles Buch über ein nächtens sich ängstigendes, tagsüber
weltneugieriges Kind aus einer Schreinerfamilie ist das
Taktvollste, was ich seit langem las."
(Jürgen Roth in der jungen welt vom 13.02.2003)
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Rezensionen
- HAGE, Volker (2002): Die
ersten Bilder aus dem Dunkel.
In seinem Buch "Der Fernsehgast" überrascht der Autor
Kurt Oesterle mit einer sehr lebendigen Skizze aus den
frühen Jahren der Republik,
in: Spiegel Nr.21 v. 18.05.
-
FUNCK, Gisa (2002): Kurt Oesterle: Der Fernsehgast,
in: Büchermarkt. Sendung des DeutschlandRadio v.
21.08.
- Neu:
ROTH, Jürgen (2003):
Heiliges Dahinbrüten.
Heimat ist da, wo ein funktionierender Fernseher steht:
über literarische Betrachtungsweisen der Provinz,
in:
Junge Welt v. 13.02.
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