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Maxim Biller: Der Punk-Intellektuelle

 
       
     
       
     
       
   

Maxim Biller in seiner eigenen Schreibe

 
   

BILLER, Maxim (1991): Soviel Sinnlichkeit wie der Stadtplan von Kiel,
in: Weltwoche v. 25.07.

Maxim BILLER behauptet zuerst einmal den Niedergang der deutschen Gegenwartsliteratur:

"Es gibt keine Literatur mehr. Das, was heute in Deutschland so heißt, wird von niemandem gekauft und gelesen, außer von Lektoren und Rezensenten, den Autoren selbst und einigen letzten, versprengten Bildungsbürgern. Die deutsche Literatur dieser Jahre und Tage ist eine Literatur der peinlichen, aber allessagenden Minimalauflagen (...) Es ist eine Literatur, (...) die nur mehr auf den Seiten der Feuilletons und Kulturspalten stattfindet."

Die Ursachen beschreibt BILLER als Folge der Erfahrungsarmut des Lebens der 78er-Generation:

"Noch nie gab es eine Schriftstellergeneration, die (...) ein derart ereignis- und konfliktloses Dasein geführt hätte wie die unsere. Noch nie waren die Probleme eines Jahrgangs so belanglos und entrückt von allem wahrhaft Existentiellen. Uns bewegen doch höchstens mal ein paar Liebesprobleme oder eine völlig abstruse, abstrakte Angst (...). Aus diesem Stoff lassen sich keine Epochenromane und Gesellschaftsepen basteln."

Zuletzt bietet sich BILLER mit seiner Ausnahmebiografie als Vorbild für eine, am Realismus des Journalismus geschulte, deutsche Literatur jenseits der "Akademikerprosa" an:

"Es hat nichts mit Selbstüberschätzung zu tun, (...) wenn ich sage, daß ich selbst es (...) etwas besser gehabt habe. Meine Familie stammt aus Rusßland und aus der Tschechoslowakei, (...) und ich hatte das stoffspendende Grlück, daß wir nach dem Prager Frühling nach Deutschland emigrierten. Wieviel mehr biographisches Material kann ein Autor verlangen in einer Zeit, in der seine Kollegen mit sechzehn ein bißchen Haschisch rauchen, mit achtzehn Abitur machen, für ein Jahr nach Paris gehen, dann in Heidelberg oder München Germanistik studieren und schließlich einen »Prosatext« schreiben, der nur aus Zitaten von Lacan und Baudrillard besteht und dessen schwer auszumachender Held mit sechzehn ein bißchen Haschisch raucht, mit achtzehn Abitur macht und dann für ein Jahr nach Paris geht."

Der Artikel wurde 1998 in dem Band Maulhelden und Königskinder nachgedruckt.

BILLER, Maxim (2000): Feige das Land, schlapp die Literatur.
Über die Schwierigkeit beim Sagen der Wahrheit,
in: Die ZEIT Nr.16 v. 13.04.

Tagung in Tutzing "Freiheit für die deutsche Literatur"  

BILLER, Maxim (2001): Der Joint.
SZ-Serie: Das war die BRD (23),
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.05.

Wie BILLER im Hamburg der 70er Jahre zum Punk-Intellektuellen wurde (vergleiche hierzu Svende MERIAN Der Tod des Märchenprinzen) und lernte "Coolness" lächerlich zu finden (siehe auch Ulf POSCHARDT Cool).

Puppies - Halb Punks, halb Hippies: Die Popdialektik in der Nachfolge der 68er

BILLER, Maxim (2003): Roman kommt von Romantik.
Wie bekommt man die Literatur so wahr und scharf, daß sie realistischer wirkt als die Tagesschau? Man sucht sich beim Schreiben das richtige Thema. Früher war das der Pop. Noch früher war es die Politik. Und heute ist es - die Liebe. Sagt ein Schriftsteller, der es wissen muß. Hier sein Plädoyer für eine neue Literatur des Herzens,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.09.

Maxim BILLER, dessen Roman Esra mittlerweile verboten wurde, darf ein verspätetes Plädoyer für eine Literatur des Herzens halten. Verspätet deswegen, weil dies Norbert KRON bereits im August 2002 mit seinem "Plädoyer für den Liebestod" getan hat. KRON musste damals noch keine demografiepolitischen Argumente verwenden wie:

"Romantische Liebe ist Widerstand. Wer sich ihr so fanatisch hingibt, der wehrt sich gegen eine Welt, in der alle nur noch von Sex reden und ihn auch kriegen und Familien ein ähnlich kurzes Verfallsdatum haben wie Magerquark"

Wow! Max WINGEN, der mit seiner "bevölkerungsbewussten Familienpolitik" (mittlerweile auch im Repertoire von Familienministerin SCHMIDT) forciert Bevölkerungspolitik durchsetzen möchte, hätte das nicht so flott formulieren können. Dichter ran also! 

BILLER, Maxim (2004): Der Übersetzer, seine Kinder und seine Frau.
FAS-Feuilleton-Spezial: Es ist nicht leicht, ein Schriftsteller zu sein, wenn auch die Schwester und die Mutter schreiben können,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 03.10.

BILLER, Maxim (2005): Hamburg, fremde Stadt,
in: Cicero, Nr.3, März

Maxim BILLER erinnert sich an seine Hamburger Zeit: "In keiner Stadt, die ich kenne, ist es so leicht, sich einsam zu fühlen, wie in Hamburg. Ich habe mich zehn Jahre lang in Hamburg einsam gefühlt, obwohl ich hier zur Schule gegangen bin. Ich habe Judo gemacht und Handball gespielt, ich war ein paar Jahre jede Nacht aus, ich habe Drogen genommen und Sex gehabt, ich war oft verliebt, hatte eine Band, und in zwei Theaterstücken bei uns an der Schule habe ich auch mitgespielt. Ich war trotzdem allein, und es kann doch nicht sein, dass ich nur deshalb allein war, weil ich schwarze Haare, eine Woody-Allen-Brille und eine Weile einen komischen Akzent in meinem Deutsch hatte?"

BILLER, Maxim (2007): Sieben Versuche zu lieben.
Eine Short Story von Maxim Biller,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.03.

BILLER, Maxim (2009): Deutsche deprimierende Republik.
Die BRD war cool, die DDR war grau. Zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer ist die ganze Republik ossifiziert. Wie können wir wieder zu den vernünftigen Leuten werden, die wir waren?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 22.03.

 
       
   

Maxim Biller: Porträts und Gespräche

 
   

BIELMEIER, Josef (1999): Schriftsteller im Gespräche - Maxim Biller,
in: Alpha-Forum. Sendung des Bayerischen Fernsehens v. 11.10.

BAX, Daniel (2001): "Man darf auch mich beleidigen".
Hart, aber ungerecht: Der Schriftsteller und Kolumnist Maxim Biller über Alltagsethnologie und Polemik, den Unterschied zwischen Snobismus und Zivilisation, über Juden, Türken und Deutsche sowie die Literatur des Fremden in der Fremde,
in: TAZ v. 16.06.

KRUMBHOLZ, Martin (2002): Reden wir über Ästhetik.
Ein Besuch bei dem Schriftsteller Maxim Biller,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 15.01.

ZAIMOGLU, Feridun (2002): Gerechtigkeit für Maxim Biller.
Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu porträtiert den begabtesten Polemiker Deutschlands,
in: Welt v. 16.02.

Infos zu: Feridun Zaimoglu - Autor der Single-Generation

LAPPIN, Elena (2002): Mein Bruder, der Biller.
Der Autor Maxim Biller ist eine Reizfigur. Kaum jemand versteht ihn so gut wie seine Schwester. Ein Erklärungsversuch,
in: Die ZEIT Nr.41 v. 02.10.

MICHALZIK, Peter (2004): Rada, Elena und Maxim: Neues aus Billerbü.
Dichtung statt Wahrheit - Reden und Schweigen in einer Schriftstellerfamilie,
in: Frankfurter Rundschau v. 26.02.

Infos zu: Peter Michalzik - Autor der Single-Generation

RUTSCHKY, Michael (2004): Bruder Geduldig.
Von den "Tempojahren" zu den "Bernsteintagen": Portrait des Schriftstellers Maxim Biller als nicht mehr so zorniger Mann
in: Tagesspiegel v. 07.06.

Michael RUTSCHKY fängt bei den Tempojahren an, um Maxim BILLER vorzustellen: "Wenn man sich umhört, findet man einige, die ihn nicht leiden mögen. Das hängt mit den »Tempo»-Jahren zusammen, seiner journalistischen Arbeit für diese Zeitgeistzeitschrift der Achtziger, vor allem mit der Hasskolumne (...).
Wer die »Tempojahre« nachliest, findet den Autor oft ganz ohne Hass und mit sorgsamen Beobachtungen und Einschätzungen beschäftigt (...). Der Schriftsteller präsentierte sich überzeugend als Journalist – ein amerikanisches Modell, das der deutschen Literaturgeschichte unvertraut war – und anhaltend erstrebenswert erscheint: Eben starteten wieder einmal mehrere einheimische Versionen des vorbildlichen »New Yorker«.
Lustig ist beim Nachlesen der
»Tempojahre«, wie Maxim Biller bei seinen scharfen Urteilen Treffer neben Luschen setzt. So erkennt er gleich richtig, dass der kommende Hollywood-Star Mickey Rourke ein rechter Fatzke ist, was dessen weitere Karriere bekräftigte; bei Harald Schmidt dagegen lag Maxim Biller völlig daneben. Das ist halt das Risiko des Journalisten, dass er jetzt, im Augenblick behaupten muss, er kenne die ganze Geschichte. Die sich aber morgen ganz anders entwickelt haben wird.
"

ADORJAN, Johanna (2007): "Wer über uns spricht, redet über sich selbst".
Juden haben Humor, Israelis nicht. Da sind sich die jüdischen Schriftsteller Maxim Biller (Deutschland) und Etgar Keret (Israel) einig. Ein Gespräch über bewaffnete Frauen, Machos und das Bild von Israel in der Welt,
in: NEON, März

WILDERMANN, Patrick (2008): "Ich langweile mich zu Tode in diesem Land".
Maxim Biller im Gespräch,
in: Galore Nr.38, April

 
       
   

Maxim Biller in der Debatte

 
   

SCHÖNFELD (2000): Schlappschwänze und Feiglinge.
In Tutzing kamen junge Dichter der Pop-Fraktion zusammen, um sich vom Hass-Experten Maxim Biller beschimpfen zu lassen,
in: Stern
Nr.15 v. 06.04.

LANGE, Wolfgang (2001): Der Amok-Mann.
Maxim Biller tobt wider die Deutschen,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 12.07.

Für Wolfgang LANGE ist Maxim BILLER "ein Punk (...) der den Rabbi gibt, oder ein Rabbi, der auf Punk macht", aber das ist nur die halbe Wahrheit. BILLER gehört - wie Michel HOUELLEBECQ - zur neuen Kulturelite der Popmoderne, denn die PUPPIES beherrschen sowohl das Hippie- als auch das Punk-Prinzip.

MAYER, Verena (2003): Im Hassen wie im Lieben groß.
Er sei nur seiner inneren Stimme gefolgt, sagt er, er habe "ein schönes und trauriges Lied singen" wollen. Das Lied ist Maxim Billers neuer Roman. Der darf nicht erscheinen, hat nun ein Gericht entschieden. Weil der Schriftsteller das Leben seiner einstigen Geliebten darin öffentlich macht,
in: Tagesspiegel v. 25.04.

MAYER erzählt BILLERs Lieblingstrauma: Wie die 1980er Jahre mich aus den Fängen der 1970er Jahre befreiten. Michael RUTSCHKY könnte man als den Ersatzvater dieser "Erfahrungshunger"-Geschädigten bezeichnen. Von Jochen SCHIMMANG bis Stephan WACKWITZ reicht das Spektrum dieser Lebensromane. Während letztere im Merkur ihre Heimat gefunden haben, gehörte BILLER zu den Tempo-Machern. Auf den ersten Blick mag man zwischen diesen beiden Zeitschriften keinen Zusammenhang sehen, aber immerhin durfte Katharina RUTSCHKY im Merkur vor nicht allzu langer Zeit die Popliteratur (und damit den Popjournalismus) verteidigen. Der Anti-Pop des Puppie BILLER wäre ohne diesen Pop gar nicht denkbar.

Neu:
MÜLLER, Lothar (2009): Die neuen Leiden der Jammer-Wessis.
Ein Schlappschwanz klagt an: Maxim Biller predigt gegen Ossis,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 24.03.

 
       
   

Bernsteintage (2004)
Köln: Kiepenheuer & Witsch

 
   
     
 

Klappentext

"Unsere Kindheit ist das Paradies, das wir alle eines Tages verlassen müssen. Mit großer Zärtlichkeit und Wehmut erzählt Maxim Biller von diesem Ort, an dem alles begann und an den wir nie zurückkehren werden.
Sehnsucht durchweht diese schönen, zarten Geschichten – aber auch von verlorenen Illusionen ist in ihnen die Rede und von Hoffnungen, die nie vergehen.
Da ist der achtjährige David, der den Einmarsch der russischen Panzer in seine tschechische Heimat als große, betörende Show erlebt; da ist Henry, der sich als Sohn eines jüdischen Gangsters in München seine heile Jugend erst erfinden muss; da ist Jossi, dessen Bruder als halbes Kind freiwillig in den Yom-Kippur-Krieg zieht und im Feuer der eigenen Leute stirbt. Sie alle wissen, dass die Zeit, die hinter ihnen liegt, für immer vorbei ist, und trotzdem können sie nicht aufhören, in ihr zu leben.
"

     
 
       
   

Rezensionen

BARTELS, Gerrit (2004): Frühling in Prag.
Es gibt ein Leben nach "Esra": Maxim Biller beweist sich mit seinem neuen Erzählband "Bernsteintage" als echter Meister der literarischen Kurzform
in: TAZ v. 28.02.

ISENSCHMID, Andreas (2004): Luzienbader Elegie.
Ein fast neuer Maxim Biller,
in: Die ZEIT Nr.12 v. 11.03.

APEL, Friedmar (2004): Mit etwas Glück kann die Seele den Leib ertragen.
Das Insekt im Bernstein: Maxim Billers Erzählungen von einer jüdischen Kindheit in Prag,
in: Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung v. 24.03.

 
       
   

Esra (2003)
Köln: Kiepenheuer & Witsch

 
   
     
 

Klappentext

"Maxim Biller hat einen Liebesroman geschrieben, wie es ihn lange nicht mehr gegeben hat – den Roman von Adam und Esra, die zusammen das Glück suchen, es fast finden und ihre Liebe auch dann nicht verraten, als sie ihnen für immer zu entgleiten droht.
Warum lieben die Menschen von heute so sehr die Liebe? Ist sie die letzte Utopie, die wir noch haben? Adam, der junge Schriftsteller, kann sich ein Leben ohne Esra nicht mehr vorstellen. Doch Esra zögert, und je mehr sie zögert, desto größer wird seine Leidenschaft für sie. Ohne Esra, denkt Adam, ist mein Leben verloren und der Boden, auf dem ich stehe, trägt mich nicht mehr. Aber was denkt Esra?
In einer einfachen, virtuosen Sprache nimmt uns Maxim Biller in eine Welt mit, in der Gefühle wieder so wichtig sind wie Gedanken, in der Zuneigung und Vertrauen zu einem Geliebten etwas ersetzen sollen, woran viele zu lange und zu blind geglaubt haben: Die Glücklichmachung des Menschen durch die richtige politische und gesellschaftliche Ideologie. Dieses Buch ist kein Zufall, in ihm klingt der Herzschlag unserer Zeit.
"

     
 
       
   

Rezensionen

SOJITRAWALLA, Shirin (2003): Maxim Biller: Esra
in: Büchermarkt. Sendung des DeutschlandRadio v. 23.02.

Shirin SOJITRAWALLA stellt den neuen Roman Esra von Maxim BILLER vor. Darin spielen auch die Nachkommen von Sabbatai Zwi eine Rolle. Stephan WACKWITZ hat vor kurzem im Merkur einen Zusammenhang zwischen diesem messianischen Sabbatai-Kult und der Studentenbewegung der 1970er Jahre gezogen. Beides ist für Stephan WACKWITZ Ausdruck eines "kollektiven Jugendirreseins", das vom Urchristentum bis zur Studentenbewegung reicht. WACKWITZ fühlt sich als Opfer des Jugendirreseins und kommt deshalb zu einer wenig schmeichelhaften Einschätzung auch der Popkultur:

"Sabbatais Psychose wurde weder geheilt noch verdrängt, sondern zum sichtbaren Zeichen der Auserwähltheit, Gesalbtheit und Erlösungskraft umgearbeitet. Das Verhältnis zwischen Nathan und seinem Heiland erinnert an die Dialektik von Hipster und Hip-Intellektuellen in den Popbands der siebziger Jahre, und vor allem eben an die Heiligsprechung des Jugendirreseins durch Herbert Marcuse".

Was hätte aus WACKWITZ alles werden können, wenn er nicht Opfer des Jugendirreseins geworden wäre:

Daß ich als Sohn einer in den fünfziger Jahren nicht ganz unbekannten Modezeichnerin naturgemäß die modisch bewußten, ästhetisch einfallsreichen und stilistisch avancierten meiner Generationsgenossinnen bewunderte und infolgedessen gerade ihnen, mit denen ich vielleicht hätte glücklich werden können, besonders aggressiv, theoriebewehrt und schüchtern aus dem Weg ging, nehme ich dem Kulturindustrie-Kapitel der Dialektik der Aufklärung heute noch besonders übel".

Mode & Verzweiflung eben...

HACKER, Doja (2003): 200 Seiten Zärtlichkeit.
Maxim Biller schildert in seinem neuen Roman das Protokoll einer scheiternden Beziehung - und kokettiert mit dem autobiografischen Gehalt des Buchs,
in: Spiegel Nr.10 v. 01.03.

KÄMMERLINGS, Richard (2003): Halbe Hemden, frisch gestärkt.
Mit offener Brust dem Stier entgegen: Maxim Billers neuer Roman "Esra" packt die Liebe bei den Hörnern,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.03.

"Billers düsteres, schmerzhaftes, doch radikal aufrichtiges Buch Esra zeigt unsere Gegenwart mit ihren Viertelbeziehungen und Halbfamilien als erlösungsbedürftige Welt, in der die Liebe manchmal aus dem jensetis kommt und allzuoft dahin zurückkehrt", lobt Richard KÄMMERLINGS.

WITTSTOCK, Uwe (2003): Wir müssen draußen bleiben.
Maxim Biller schreibt mit "Esra" einen altmeisterlichen und doch zeitgenössischen Liebesroman,
in: Welt v. 01.03.

BAX, Daniel & Kolja MENSING (2003): Ein Schriftsteller wird privat.
Maxim Billers neuer Roman "Esra" darf vom Verlag nicht weiter ausgeliefert werden,
in: TAZ v. 07.03.

GOGOS, Manuel (2003): Das Ende der Blutsbande.
Meine Tochter, deine Mutter - und unsere gemeinsamen Probleme: Maxim Billers neuer Roman "Esra" erzählt von der neuen Unordnung der Liebe,
in: TAZ v. 07.03.

MICHALZIK, Peter (2003): die Freiheit (zu) verletzen.
Maxim Billers bewegender Roman "Esra" handelt von der Liebe und deren Vergeblichkeit - und musste jetzt vom Markt genommen werden,
in: Frankfurter Rundschau v. 08.03.

BARTMANN, Christoph (2003): Partisan des Unglücks.
Das Buch "Esra" kokettiert mit dem Wahren,
in: Süddeutsche Zeitung v. 13.03.

DIECKMANN, Dorothea (2003): Schlüssellochroman.
Maxim Biller besichtigt das wahre Leben,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 19.03.

KUNISCH, Hans-Peter (2003): Midlife-Liebe.
"Esra", der neue Roman von Maxim Biller, ist ein Reihenhaus aus Beziehungskisten. Der quasselselige Habitus, in den Menschen um die vierzig in Sachen Liebe oft geraten, ist sein Thema,
in: Weltwoche Nr.12 v. 20.03.

 
   

Das Buch in der Debatte

DOTZAUER, Gregor (2003): Liebe und Verrat.
Einstweilige Verfügung einer Titelfigur: Maxim Billers neuer Roman "Esra" wird zum juristischen Streitfall,
in: Tagesspiegel v. 07.03.

JÄHNER, Harald (2003): Liebe vor Gericht,
in: Berliner Zeitung v. 07.03.

JESSEN, Jens (2003): Schlüssel ohne Roman,
in: Die ZEIT Nr.12 v. 13.03.

Infos zu: Jens Jessen - Autor der Single-Generation

BODROZIC, Marica (2003): Die Freiheit macht den Leser.
Liebeserklärung für Maxim Billers "Esra",
in: Süddeutsche Zeitung v. 12.04.

KÄMMERLINGS, Richard (2003): Kunstperson.
Schlüsselfrage: Was den Fall Maxim Biller kompliziert macht,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.04.

FREUND, Wieland (2003): Zweierlei Unglück,
in: Welt v. 23.04.

MÜHLBAUER, Peter (2003): Das Literaturgericht.
Maxim Billers Skandalroman "Esra" bleibt bis auf weiteres ein Sammlerstück,
in: Telepolis v. 24.04.

MICHALZIK, Peter (2003): Fälle, Fallen.
Zum Verbot von "Esra",
in: Frankfurter Rundschau v. 25.04.

Peter MICHALZIK spekuliert über die Gründe für das Verbot des Romans:

"Das Münchner Landgericht will nur den Ernst sehen. Eine Begründung (...) liegt noch nicht vor. Aber in der Verhandlung hat sich das Gericht der Meinung von Jens Jessen angeschlossen, die er (...) in der Zeit vertreten hat".

Weiter malt er die Konsequenzen der Argumentation aus:

"Merkwürdig an der Entscheidung ist nicht nur, dass das Gericht Esra unterstellt, kein Roman zu sein; das allein könnte ein Verbot nicht begründen. Dazu muss eine schwerwiegende Persönlichkeitsverletzung kommen, die das Gericht durch Intimszenen gegeben sieht. Diese Szenen müssten aber tatsächlich so stattgefunden haben. Wie man sich hier die Beweisführung vorstellt, wie man verhindern will, dass sie die Intimsphäre aller Beteiligten verletzten würde, ist schleierhaft. Man würde auch noch das Gerichtsverfahren unweigerlich zu einem der TV-Formate machen, die den Richtern (und Feuilletonisten) die Sinne verwirrt haben und die sie Biller als Vorlage unterstellen".

LOTTMANN, Joachim (2003): Nichts als die Wahrheit.
Ob Goethe, Goetz oder Biller: Literatur ist am besten, wenn sie nah an der Wirklichkeit ist. Wenn sie aus Liebe entsteht oder aus Wut im Bauch. Ein Plädoyer für Maxim Billers verbotenen Roman "Esra",
in: TAZ v. 05.07.

Joachim LOTTMANN verteidigt Maxim BILLERs Roman Esra u. a. mit dem Text Subito von Rainald GOETZ:

"Der berühmteste Bachmanntext aller Zeiten ist »Subito« von Rainald Goetz. Es geht dort um Diedrich Diederichsen, der da »Neger Negersen« heißt und in der Hamburger NDW-Bar Subito verkehrt, die auch im Text so heißt. Goetz schneidet sich beim Lesen die Stirn auf. Das dürfte er auch heute noch ungestraft tun. Den Text dürfte er nicht mehr vortragen"

OSWALD, Georg M. (2003): Wie man Romane verbietet.
Maxim Billers "Esra" erneut vor Gericht,
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.07.

BAX, Daniel (2003): Eine verhängnisvolle Affäre.
Bücher vor Gericht: Heute wird in München über das weitere Verbot von Maxim Billers Roman "Esra" entschieden,
in: TAZ v. 23.07.

KÄMMERLINGS, Richard (2003): Angeschwärzt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.07.

MANGOLD, Ijoma (2003): Schwabing wird geschwärzt.
Im Verfügungsverfahren gegen Maxim Billers Roman "Esra" gibt es ein sibyllinisches Urteil,
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.07.

GÜNTNER, Joachim (2003): Überraschendes Urteil.
Verfügung gegen "Esra" aufgehoben,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 24.07.

Joachim GÜNTNER ist überrascht: "Nicht nur, dass der realismusfreudige Biller, ein bekennender Feind aller «Schlappschwanzliteratur», mit «Esra» eine Textsorte vorgelegt hat, die schon von ihrer literarischen Konstruktion her viel mehr nach Schlüsselroman riecht (...). Ihm fehlte auch der geschlossene Rückhalt der Rezensenten, von denen einige ihm eine «sehr private» (Gregor Dotzauer im Berliner «Tagesspiegel»), «voller Vorwürfe» steckende (Harald Jähner in der «Berliner Zeitung») oder rundweg «kleinkarierte» (Dorothea Dieckmann, NZZ 19. 3. 03) Abrechnung mit der ehemaligen Geliebten und ihrer Familie vorwarfen. Und dennoch jetzt diese richterliche Freigabe des Buches".

KNIPPHALS, Dirk (2003): Literatur ohne Liebe.
Maxim Biller verboten,
in: TAZ v. 16.10.

BAX, Daniel (2003): Die Heimtücke im Detail.
Nichts Neues in München: Maxim Billers Roman "Esra" bleibt verboten. Und die Branche rätselt über die Konsequenzen. Denn inzwischen hat das Verbot über den Einzelfall hinaus Bedeutung erlangt,
in: TAZ v. 16.10.

ENCKE, Julia (2003): Zu nah am Leben.
Immer öfter werden Bücher wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten verboten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.10.

MANGOLD, Ijoma (2003): Aufsehen erregen.
Verleger im Zwiespalt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.10.

MANGOLD, Ijoma (2003): "Romane erzählen erfundene Geschichten".
Der Verleger Helge Malchow sieht durch das "Esra"-Ureil seine Arbeit gefährdet,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.10.

MANGOLD, Ijoma (2003): "In das lebende Fleisch schneiden".
Der Anwalt Wolfgang von Nostitz wirft Maxim Biller die Verletzung von Menschenrechten vor,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.10.

ZIELCKE, Andreas (2003): Der öffentliche Akt.
Was das Verbot von Maxim Billers "Esra" verrät,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.10.

LUFT, Hans (2004): Wem gehört der Text?
Und wieso ist Mischen jetzt strengstens verboten? Die neuen Schwierigkeiten des Lebens mit der Literatur,
in: Frankfurter Rundschau v. 26.02.

SZ (2006): Freiheit, die wir meinen.
Ein Aufruf von Schriftstellern für Billers "Esra",
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.07.

Die Liste der unterzeichnenden Autoren: "Herbert Achternbusch, Adriana Altaras, Christian Ankowitsch, Jakob Arjouni, Heinz-Ludwig Arnold, Jakob Augstein, Imran Ayata, Stefan Bachmann, Rufus Beck, Iris Berben, Sibylle Berg, Senta Berger, Marcel Beyer, Günter Blamberger, Marica Bodrozic, Luc Bondy, Jörg Bong, Henryk M. Broder, Micha Brumlik, Jörg Bundschuh, Else Buschheuer, Neco Celik, Peter Demetz, Eva Demski, Helmut Dietl, Jutta Ditfurth, Christian Döring, Dieter Dorn, Freimut Duve, Jenny Erpenbeck, Michael Farin, Wolfgang Ferchl, Michel Friedman, Werner Fritsch, Peter Glaser, Günter Grass, Axel Hacke, Nikolaus Hansen, Miklos Haraszti,· Jakob Hein, Felicitas Hoppe, Elfriede Jelinek, Michael Jürgs, Barbara Kalender, Wladimir Kaminer, Daniel Keel, Gina Kehayoff, Daniel Kehlmann, Birgit Kempker, Armin Kratzert, Helmut Krausser, Andrian Kreye, Michael Krüger, Michael Kumpfmüller, Shermin Langhoff, Elena Lappin, Georg Lentz, Dani Levy, Charles Lewinsky, Joachim Lottmann, Bernd F. Lunkewitz, Thomas Meinecke, Eva Menasse, Robert Menasse, Klaus Modick, Ivan Nagel, Albert Ostermaier, Thomas Ostermeier, Georg M. Oswald, Volker Panzer, Armin Petras, Elisabeth Plessen, Minka Pradelski, Fritz J. Raddatz, llma Rakusa, Elisabeth Ruge, Rüdiger Safranski, Frank Schätzing, Denis Scheck, Roland Schimmelpfennig, Robert Schindel, Christoph Schlingensief,· Eckhart Schmidt, Ingo Schulze, Jörg Schröder, Susanne Schüssler, Tilman Spengler, Benjamin v. Stuckrad-Barre, Uwe Timm, Helge Timmerberg, Anne Tismer, Idil Üner, Joachim Unseld, Moritz von Uslar, Günter Wallraff, Rainer Weiss, Joseph von Westphalen, Alexander Wewerka, Michael Wolffsohn, Peter Zadek, Feridun Zaimoglu, Juli Zeh."

SPIEGEL, Hubert (2006): Gebt uns Freiheit,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.07.

KEHLMANN, Daniel (2006): Ein Autor wird vernichtet,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.07.

BARTELS, Gerrit (2006): Gegen den Ruin der Literatur,
in: TAZ v. 24.07.

VOGEL, Sabine (2006): Schadensersatz für Esra,
in: Berliner Zeitung v. 25.07.

HARTWIG, Ina (2006): Solidarität mit Maxim Biller.
Wessen Schmerz?
in: Frankfurter Rundschau v. 25.07.

KÄMMERLINGS, Richard (2007): Der Rechtsstreit um Billers "Esra".
Kann Dichtung dem Leben schaden?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.01.

SPIEGEL, Hubert (2007): Das "Esra"-Verbot.
Kunst gegen Leben,
in: faz.net v. 12.10.

RATH, Christian (2008): Der Preis der Authentizität.
Tiefschlag für Maxim Biller: Wegen seines Romans "Esra" muss der Schriftsteller jetzt 50.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Gleichzeitig betont das Verfassungsgericht aber die Freiheit der Literatur,
in: TAZ v. 14.02.

BAX, Daniel (2008): Der Preis der Borderline-Literatur.
Maxim Biller muss seiner Exfreundin ein Schmerzensgeld zahlen,
in: TAZ v. 14.02.

KÄMMERLINGS, Richard (2008): Schmerzensgeld für "Esra".
Ein beängstigendes Urteil mit beruhigendem Detail,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.02.

ZIELCKE, Andreas (2008): Ein naheliegendes Fehlurteil.
Dass der Autor und der Verleger des Romans "Esra" 50 000 Euro Schmerzensgeld an Maxim Billers Ex-Freundin zahlen sollen, ist absolut unangemessen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 14.02.

BARTELS, Gerrit (2008): Gespalten.
Bundesgerichtshof lehnt neue Klage gegen „Esra“ ab,
in: Tagesspiegel v. 11.06.

 
       
   

Deutschbuch (2001)
München: Deutscher Taschenbuchverlag

 
       
   

Rezensionen

HAGESTEDT, Lutz (2001): Ich bin alles Mögliche.
Maxim Billers Selbstportrait in Kolumnen
in: Literaturkritik.de
Nr.7, Juli

SCHALLENBERG, Jörg (2001): Der deutsche Deutsche in Deutschland.
Eine nervige Lektüre: Der neue Sammelband "Deutschbuch" von Maxim Biller strotzt vor Klischees - und stellt doch die richtigen Fragen. Manchmal zumindest...,
in: Spiegel Online
v. 11.07.

LANGE, Wolfgang (2001): Der Amok-Mann.
Maxim Biller tobt wider die Deutschen,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 12.07.

 
       
   

Die Tempojahre (1991)
München: Deutscher Taschenbuchverlag

 
   
     
 

Zitate aus "Die Tempojahre"

"wir haben im vergangenen Jahrzehnt unsere Kräfte damit vergeudet, uns auf die vorherige Jugendgeneration einzuschießen, auf die Hippies und dogmatischen K-Grüppler und Sozialarbeiter, und haben auf diese Weise den alten Idioten (...) das Terrain der entscheidenden, großen Debatten kampflos überlassen."
(aus: Maxim Biller "Alte Idioten, junge Idioten", S.85)

"Der Popintellektuelle weiß nichts und er erlebt nichts, nicht einmal demonstrieren tut er: Er hört nur Musik. Und hier schließt sich der Kreis zu den Hipstern, die (...) etwas für die damalige Zeit Neues und Rebellisches fanden (...). Wandten sich die Beats gegen die »squares«, die Spießer, so sind ihre Schüler, Nachfolger und Enkel heute selbst nichts anderes als »squares« (...) - sie reproduzieren lediglich alte Verhaltensweisen, die einst rebellisch und ein bißchen weise waren, heute aber nichts anderes als bequem, gewöhnlich und stereotyp sind - spießig eben. Und also wurden sie Werbetexter."
(aus: Maxim Biller "Die Beat-Story", S.96f.)

"Es sind keine existentiellen Dinge, die uns bewegen. Nicht Diktatoren unterdrücken uns, sondern Liberale. Jede Generation führt die Revolutionen, die sie verdient. Hipstertum hat mit Umsturzgedanken nichts zu tun, sondern ausschließlich mit Langeweile."
(aus: Maxim Biller "Der letzte Hipster", S.176)

"Ich hielt mich abseits, kein Angreifer, kein Verteidiger. Doch ich wußte, wen ich haßte: Diese 70er-Jahre-Apo-Klonen"
(aus: Maxim Biller "Mein »68«", S.207)

"67 fing es an, heute ist es noch immer genauso: Pop bildet das geistige, seelische und vor allem kulturelle Epizentrum des modernen Teen Twens (...). Das Problem sind nicht die Führer - das Problem sind die Folgsamen. Die nicht nur den Idolen nacheifern, sondern darüber hinaus (...) nichts zulassen außer dem, was die Stars der Szene ihnen vorschreiben.
Das also ist Pop, und daß Pop soweit kam, ist die Schuld der Hippies. Viel lächerlicher ist aber noch ein weiteres Hippie-Erbe: Die Revolte gegen die vorangegangene Jugend-Generation (...).
Wer uninspiriert ablehnt, ablehnt, ablehnt, ist ein Bourgeois, ein Hippie eben"
(aus: Maxim Biller "Der ewige Hippie", S.227f.)

 
     
 
       
   

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Stand: 22. August 2015