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Michael
Rutschky: Erfahrungshunger
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Michael Rutschky bei single-generation.de
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Klappentext
"Kaum schon Geschichte,
sind die siebziger Jahre doch ein Jahrzehnt,
das sich als eines der unruhigen Suche vieler
Menschen in unserer Republik begreifen
läßt.
Die in den
sechziger Jahren von einer Studentenbewegung
gemachten Erfahrungen mit
Gesellschaftstheorie und -kritik, die
zugleich politisch verbindliches Handeln
freisetzen sollten, mündeten in zwei
getrennte Bewältigungsversuche, der
Wirklichkeit in unserer Republik einen Sinn
abzugewinnen: In den Versuch durch 'neue
Innerlichkeit', die 'Innenwelt' des
Individuums von der 'Außenwelt' abzugrenzen
und in den Versuch einer politischen
Radikalisierung, den Terrorismus.
Michael Rutschky
macht mit seinem Buch 'Erfahrungshunger' auch
den Versuch einer Selbstfindung. Er selbst,
1943 geboren, erlebte die 'bleierne Zeit',
die Depression durch wachsenden Wohlstand und
die Unfähigkeit der älteren Generation zu
trauern. Galten nach 45 für die junge
Generation überkommene Zielsetzungen und
Lebensmodelle nicht mehr, so waren die
sechziger und die siebziger Jahre doch nicht
von der Suche nach Sinn, sondern in erster
Linie von einer solchen nach Erfahrung
geprägt. Auf dieser These basiert
'Erfahrungshunger'. Auch hinter dem Versuch
politischer Identitätsfindung steht
letztlich nicht die Einlösung eines wie auch
immer zu formulierenden Sinnanspruches,
sondern die Leidenschaft, Wirklichkeit als
Stoffülle, als Material von Erfahrung, durch
Ekstasen der Wahrnehmung sui generis wieder
begreifbar zu machen. Rutschky formuliert in
seinem Buch die Geschichten bekannter und
unbekannter Altersgenossen. Im Erzählen
dieser Geschichten versucht er den Kern von
Erfahrung bloßzulegen: 'Schrecken' und
'Schmerz' als elementare Erfahrungswerte
einer beileibe nicht nur politischen
Radikalisierung und die Wiederentdeckung der
Subjektivität als 'Innenwelt'. Die
individuellen Beispiele, an denen Rutschky
seine Thesen entwickelt, machen das Buch zu
einem Stück Alltagsgeschichte der
Bundesrepublik."
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Stimmen zum Buch
"Rutschkys Deutung der
Alltagsprosa der siebziger Jahre durchläuft die Stationen
kollektiven Erlebens, die Wahrzeichen dessen, was »wir«
sind, um über diesem gleichmäßigen Strom der Veränderung die
Gestalten der unruhigen, der suchenden, der umherirrenden
Individuen zu entwerfen, die noch »ich« zu sich sagen.
(...).
(...) noch indem sich die Individuen
gegensätzlich akzentuieren, verschiedene Interpretationen
des einen Zusammenhangs anbieten, lauscht Rutschky
ihnen das verborgene Bekenntnis eines Gemeinsamen ab, das
aus der durch uns vollzogenen »Umleitung« der
Protestbewegung in die mit Eile nachgetünchten Bauten der
Altstadtzentren entstanden ist.
So kann man erklären, warum dieses Buch die Geschichte
dreier Generationen entwirft: »skeptische« Generation,
Protestbewegung und alternativer Kehraus gruppieren sich in
verschiedener Weise als Zeichen dieser »Umleitung« und der
durch sie eingeleiteten Zeitverschiebung."
(Hanns-Josef Ortheil im Merkur,
September 1980)
"Das wichtigste
Buch über die Zeit nach 1968 war Michael Rutschkys »Erfahrungshunger - Ein Essay über
die siebziger Jahre« (1980). Alle heutigen
Versuche müssen sich an Rutschkys
Erzähllust und analytischer Schärfe messen
lassen."
(Gregor Dotzinger im
Tagesspiegel v. 24.02.2000)
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Das Buch in der Debatte
- DOTZAUER,
Gregor (2000): Intergenerationeller
Abgrenzungswahn.
Szenediagnosen haben
Konjunktur - kann man ihnen trauen?
Generation X, @ oder Golf: Die
Parzellierung der Jugend in immer
kleinere Gruppierungen schreitet ständig
weiter fort,
in:
Tagesspiegel v.
24.02.
-
Neu:
HAHN, Andreas (2003): Education sentimentale.
Die 80er, wie sei die Welt sahen: Zum Filmstart von
"Verschwende deine Jugend",
in: junge welt v. 02.07.
- Inhalt:
Andreas HAHN beschreibt anlässlich des
Films
"Verschwende deine Jugend"
Punk als Gegenkultur zu den Hippies:
"Fünf
Gründe, nicht mit einem Mädchen zu schlafen. In ihrem Zimmer
befindet sich ein Poster mit einer Friedenstaube. Im Zimmer
befinden sich Wellensittiche. Nebenan schläft ihre Mutter.
Ihre Plattensammlung ist grausam. Du weißt nicht, was das
für ein Schaum sein soll, mit dem sie ins Bad verschwindet –
das ist die Perspektive der nervösen jungen Männer, deren
Leben weiß, wo es langgeht. Alles hat seinen Ort, und die
Mädchen sind sein Preis: Der empfängnisverhütende Schaum der
Tage.
In dieser Szene ist die »Umwertung aller
Werte« enthalten, die Diedrich Diederichsen in seinem 1985
erschienenen und letztes Jahr symptomatisch
wiederveröffentlichten
Buch
»Sexbeat« beschrieb – die neue Haltung, die Punk
bedeutete. Weg von der »Wärme«, dem
»Erfahrungshunger« (Michael
Rutschky) der 70er Hippie-Gegenkultur; hin zu einer
»kalten« Distanz, dem Spiel der negativen bzw. subversiven
Affirmation, die in der Theorie schon zwei, drei Dekaden
früher in den Hegel-Lektüren von Georges Batailles und
Michel Foucault oder der Nietzsche-Lektüre von Gilles
Deleuze auftauchten und plötzlich Alltagspraxis von Leuten
wurde, die sich darin übten, »Nein« zu sagen, indem sie
McDonalds bejahten. Politisch konnte das nur eine deutliche
Absage an Pluralismus, sozialdemokratische Herrschaft, die
friedensbewegten Grünen etc. bedeuten."
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