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Michel
Houellebecq: Die Möglichkeit
einer Insel
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Michel Houellebecq bei
single-generation.de
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Michel
Houellebecq im Gespräch
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- BOURMEAU, Sylvain (2005): Aufgetaucht
in Andalusien.
Michel Houellebecq ist wieder da. Nach drei Jahren spricht er
wieder: Über Mercedes-Fahren, das Ende der Religionen und seinen
neuen Roman,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 08.05.
- Inhalt:
BORMEAU schreibt u.a. über
Michel
HOUELLEBECQs neuen Roman "La possiblité d'une ile" (Die
Möglichkeit einer Insel), der im Herbst in Frankreich und fast
zeitgleich in Deutschland erscheint:
"Seit anderthalb Jahren wohnt er in
Spanien, in der Nähe von Almería. Vor wenigen Wochen hat er dort
seinen vierten Roman (...) fertiggeschrieben. Alle dachten immer,
er wohne an der Westküste Irlands (...). Aber in Wahrheit war er
am anderen Ende des Kontinents, in Andalusien, und blickte hinüber
nach Afrika."
-
JOCKS, Heinz-Norbert (2005): Die Gesetze der Gleichgültigkeit.
Der vierte Roman von
Frankreichs meist- diskutiertem Autor Michel Houellebecq sorgte
bereits vor Erscheinen für den erwarteten Skandal,
in: Der Standard v. 30.08.
Literaturen-Titelgeschichte:
Der Neue Mensch.
Klonen mit Michel Houellebecq |
- HARMS, Ingeborg (2005): Ein
übellauniger Prophet des Klon-Zeitalters.
Michel Houellebecqs neuer Roman ist eine Ausweitung der Kampfzone
von Sex und Konsum in eine schöne neue Retorten-Welt der Zukunft.
Bericht von einem hoffnungslos entgleisenden Zwiegespräch in Paris,
in:
Literaturen Nr.9, September
- Kommentar:
HARMS greift auf die bewährten Stilmittel des
New Journalismus zurück, um die Begegnung mit Michel HOUELLEBECQ in
den Griff zu bekommen:
"Einer
Kollegin von der »Times« erklärte er, er würde auf Fragen nur
unter der Bedingung antworten, dass sie mit ihm schlafe. Vor solchen
Avancen fühle ich mich sicher, denn ich bin über vierzig und war nie
der Nymphentyp, mit dem das Multitalent seine softpornografischen
Filme besetzt. Aber vielleicht führt gerade das zu Komplikationen?"
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Klappentext
"Der Mensch ist verschwunden. Und mit ihm
der Kult um Sex und Fun und ewige Jugend. Geblieben
ist nichts als Ekel, Einsamkeit und Langeweile. Der
Mensch ist für das Glück und dessen Voraussetzung,
die bedingungslose Liebe, nicht geschaffen.
Angesichts der unerträglich schmerzvollen Erfahrung
des Alters nimmt der Mensch freiwillig Abschied von
sich. Und nach der Klimakatastrophe bleiben vom
Menschengeschlecht nur archaisch lebende Wilde
zurück.
Nur der Neo-Mensch hat überlebt – geklont und
unsterblich. Aber alle menschlichen Regungen wie
Lachen und Weinen, Güte, Mitleid und Treue sind ihm
zu unergründlichen Geheimnissen geworden. Daniel24
ist ein Neo-Mensch der vierundzwanzigsten
Generation, der auf seinen genetischen Prototyp
Daniel1 und dessen Lebensbericht zurückblickt.
Dieser Daniel1 war ein Mensch unserer Gegenwart: Als
Komiker auf der Bühne, in Film und Fernsehshows trat
er als zynisch-scharfer Beobachter einer
Gesellschaft auf, die längst alle Tabus gebrochen
hatte. Aber sein Leben mit Isabelle, umgeben von
Glamour und Geld, vermochte das Altern nicht
aufzuheben. Der Bericht aus der Zeit seines
Prototyps ermöglicht es Daniel24, die
Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den
Zeiten, seiner, die in der Zukunft liegt, und
unserer selbstzerstörerischen Gegenwartsgesellschaft
zu begreifen. Für die war vor allem »der moralische
Schmerz des Alterns« unerträglich geworden. Ist der
Gesellschaftsentwurf dieses Neo-Menschen der alten
Gattung wirklich überlegen?
Schließlich macht sich Marie23, angestoßen durch die
Berichte von Marie1, auf den Weg, um auf einer Insel
eine neue Gesellschaftsform zu suchen, wo sich
jenseits von altem Menschsein und Neo-Menschsein die
Individuen in Liebe, Fürsorge und Geborgenheit
begegnen. Wohin führt ihre verheißungsvolle Suche?"
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Michel Houellebecq über
den Roman
"Es geht wieder um normale Leute, um zwei
Männer, einen sechzig und einen dreißig Jahre alten. Ich bin
meinem Thema treu geblieben: die durchschnittlichen
Menschen".
(Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
vom 08.05.2005)
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Auszüge aus dem Buch
- MAX (2005): Michel Houellebecq, das
gnadenlose Genie.
Kein Autor seziert so unbarmherzig den ewigen Machtkampf um Sex
und Glück wie der französische Starautor Michel Houellebecq. Seine
Bücher sind literarische Meilensteine, die weltweit gefeiert werden.
MAX bringt exklusiv Auszüge aus Houellebecqs neuem Roman "Die
Möglichkeit einer Insel",
in: Max, September
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Rezensionen
-
NICKEL, Eckhart (2005): Die Hölle ist die Einsamkeit zu
zweit.
Ein Schrei nach Romantik und Liebe: Der neue Roman von
Michel Houellebecq, in dem eine neue Gattung von gefühllosen
Menschen in die Vergangenheit zurückblickt, ist ein Märchen
aus dem Jahr 4005 und eine zutiefst traurige Utopie von
heute,
in: Welt am Sonntag v. 21.08.
-
WEIDERMANN, Volker (2005): Das letzte Tabu.
Michel Houellebecqs neuer Roman erzählt von Sex, Autos
und Klonen - vor allem aber vom Unglück des Älterwerdens,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.08.
- Kommentar:
Ist
Volker WEIDERMANN inzwischen
Angestellter bei Daimler-Chrysler? Oder was soll die
penetrante Mercedes-Werbung in dieser Rezension?
WEIDERMANN
bedient neben der Autoindustrie noch die
Antifemmisten, die sich
über willige Frauen bei HOUELLEBECQ freuen dürfen
(Feministinnen werden sich entsprechend mokieren).
Das
Fazit von WEIDERMANN zum öden Zweitaufguss der
"Elementarteilchen" lautet:
"Roman
über das Unglück des Alterns. Neben allen Thesen vom Ende
der Religionen und dem Traum vom neuen Menschen, von
Nietzsche und vom Ende der Liebe ist es vor allem anderen
dies: ein Buch der Angst. In seinen Visionen wird in naher
Zukunft eine Selbstmordwelle durch die Welt gehen, der die
meisten Frauen über vierzig und die Männer über fünfzig
zum Opfer fallen. Die Lücke zwischen dem totalen
Körperkult der Gesellschaft und der Unmöglichkeit der Liebe
ist für keinen mehr zu schließen."
-
LEICK, Romain (2005): Harry Potter für Erwachsene,
in: Spiegel Nr.34 v. 22.08.
- Kommentar:
Der Spiegel bedankt sich für
eines der wenigen Vorausexemplare des Buches mit einer
wohlwollenden Kritik:
"Seine
Kritiker - in Wahrheit meist neidvolle, hasserfüllte
Verfolger - erliegen einem konsternierenden
Missverständnis: Nur weil Houellebecq mit aufreizender
Flachheit eine flache, sich zu Grunde richtende Welt
beschreibt, ist das Ergebnis nicht selbst flach und hohl.
Sein Sujet ist der moderne Trash, der alle Lebensbereiche
der Spaßgesellschaft durchdringt; aber der Roman ist
deswegen nicht auch Trash.
»Die
Möglichkeit einer Insel« ist die Begegnung von
Naturalismus und Science-Fiction."
-
STEINFELD, Thomas (2005): Der Narr verlässt die Kampfzone.
Am Ende: Michel Houellebecq und sein Roman "Die
Möglichkeit einer Insel",
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.08.
- Kommentar:
HOUELLEBECQs deutscher
Imagedesigner, Thomas
STEINFELD, erklärt uns zuerst, dass zur Authentizität des
Clowns das Scheitern gehört, und dann verhilft er ihm zum
Scheitern:
"Die
große Schwäche dieses Romans: er ist ein Lamento, ein
einziges großes Dokument der Wehleidigkeit (...). Diesem
Lamento ist der wüste Zorn gewichen, der Michel
Houellebecqs frühe Romane auszeichnete, der Wille zum
Skandal, der wütende Aufstand gegen die Normalität, das
Korrekte und den radikalen Individualismus, der in der
sexuellen Freizügigkeit den letzten Rest individueller
Würde der freien Marktwirtschaft überantwortete.
Rückblickend
betrachtet, ist diese verzweifelte Wut Stück für Stück,
Buch für Buch aus dem
Werk von Michel Houellebecq verschwunden (...). Das
Aufbegehren gegen eine gigantische, so politische wie
soziale Zumutung ist fort, und damit die Dringlichkeit,
das Fahrige, Disparate und doch unglaublich Insistierende,
das (...) Ausdruck einer Gemeinsamkeit war zwischen dem,
was er als Schicksal empfand, und dem, was diese
Gesellschaft als ihr Los erkannte."
Selbstreferenziell,
fasst STEINFELD nochmals das Dilemma zusammen:
"An
die Stelle des Aufbegehrens ist in »Die Möglichkeit einer
Insel« die Science-Fiction getreten. Das ist
problematisch, denn der Leser spürt die Absicht in diesem
Gestus von »eines Tages werden wir auf diese Welt als auf
eine einzige Katastrophe zurückblicken«."
-
DOTZAUER, Gregor (2005): Sag niemals Nietzsche.
Nachrichten aus der geklonten Zukunft: Michel
Houellebecqs Roman "Die Möglichkeit einer Insel",
in:
Tagesspiegel v. 25.08.
- Inhalt:
"Wer etwas mitzuteilen hat, soll Leitartikel
schreiben, Manifeste an Türen nageln, oder, wenn es sein
muss, eine Partei gründen. Aber er braucht nicht Romane zu
schreiben, mit Figuren, die nur Hüllen von Meinungen sind.
Er soll lieber gleich Essays verfassen, wie Houellebecq
selbst es glänzend versteht. (...) Was das Literarische an
seinen Büchern ausmacht, bleibt offen. Und was dessen
Anschein erweckt, ist eine öde, unrhythmische, aus den
Schlacken des 19. Jahrhunderts bestehende
Beschreibungsprosa", kritisiert
Gregor DOTZAUER.
-
MEISTER, Martina (2005): Der dreiundzwanzigste Klon.
Vom Olymp direkt in die Abendnachrichten: Michel
Houellebecqs neuer Roman "Die Möglichkeit einer Insel",
in:
Frankfurter Rundschau v. 25.08.
- Inhalt:
Martina MEISTER kennt keine Gnade:
"Es
geht, kurz gesagt, um die Abschaffung der Menschheit. Um
einen Roman, getaucht abwechselnd in das grelle Licht
Spaniens, das fahle der Endzeit, bevölkert von Clowns und
Klonen, von Neomenschen und Neandertalern, ein Buch, das von
der Unmöglichkeit der Liebe handelt, von Sex und Sekten,
eine moderne Version der biblischen Apokalypse des Buches
Daniel, an das schon die Kapitelüberschriften erinnern,
angesiedelt irgendwo auf der Grenze zwischen Science Fiction,
philosophischer Erzählung und porno chic. Was Houellebecq
vorab als sein wichtigstes Buch angekündigt hat, ist sein
schwächstes. Ein erneuter Aufguss seiner Themen,
zusammengequirlt nicht unter dem Druck des Leids, sondern
unter dem eines bereits eingestrichenen Honorars."
- Kommentar:
Was MEISTER nicht erwähnt: Houellebecq ist nicht nur kinderfeindlich,
sondern kinderlosenfeindlich.
-
KRAUSE, Tilman (2005): Bald ist alles vorbei.
Der französische Autor Michel Houellebecq gibt sich in seinem neuen
Roman grenzenlos pessimistisch,
in: Welt v. 26.08.
- Inhalt:
Für KRAUSE sind Autor Michel Houellebecq und Romanfigur
Daniel1-25 identisch:
"Unumwunden
kann sich Michel Houellebecq jetzt zu erkennen geben als das, was er
ist und wohl von Anfang an auch war: ein frustrierter Sexmaniac, der
seinen Selbstekel in Kulturkritik ummünzt.
(...).
»Ich war unerlöst« lautet sein letztes Wort. Das ist die Absage an
all jene Hoffnungen, auf welche die Helden in Houellebecqs früheren
Büchern noch blickten. Was bleibt, sind Leere und Einsamkeit, will
uns der Dichter sagen. Nichts, aber auch gar nichts in diesem Buch
verleitet uns dazu, diesen Befund auf irgend jemand anderen zu
beziehen als auf ihn selbst."
-
SCHNEIDER, Wolfgang (2005): Klon-Roman.
Michel Houellebecq: "Die Möglichkeit einer Insel",
in: DeutschlandRadio v. 26.08.
- Inhalt:
SCHNEIDER macht darauf aufmerksam,
dass HOUELLEBECQs Protagonist im neuen Roman kein
unbedeutender Angestellter mehr ist, sondern zur Medienelite
gehört:
"Hauptfigur
Daniel 1 leidet am Leben und am Sexmangel wie bisher noch
jeder Protagonist dieses Autors. Allerdings handelt es sich
bei ihm nicht um einen kleinen Angestellten und gebeutelten
Durchschnittsmenschen, wie es die Antihelden von
»Ausweitung der
Kampfzone« und
»Elementarteilchen« waren, jener beiden Romane, mit
denen Houellebecq zum Skandal umwittersten Autor Europas
wurde.
Daniel
1 ist, wie inzwischen Houellebecq selbst, ein bestbezahlter
Star"
SCHNEIDER
sieht HOUELLEBECQ in der Tradition eines
BALZAC:
"Die
intelligente Durchdringung gesellschaftlicher
Erosionsphänomene macht Houellebecq zum Balzac einer
verkommenen Gegenwart."
-
BARTELS, Gerrit (2005): Der Hofnarr zweifelt wieder.
Kein Kampf mehr, kein Aufbegehren, keine Erektion, alles
Biologie: Aus den katastrophischen Auswirkungen des Alters
wird in Michel Houellebecqs neuem Roman "Die Möglichkeit
einer Insel" wieder die ganz große Abrechnung. Übertroffen
nur von der Heftigkeit seiner Kritiker in Frankreich,
in: TAZ v. 27.08.
-
ENCKE, Julia (2005): Im Lolita-Universum.
Sehnsucht als Provokation: Michel Houellebecqs neuer Roman,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 27.08.
- Inhalt:
ENKE findet den leidenschaftlichen Romantiker
HOUELLEBECQ anrührend. Ihr Resümee:
"Daniel
(erkennt), zwei Frauen geliebt zu haben, von denen die eine nichts
für Lust, die andere nichts für Liebe übrig gehabt hatte, zwei
getrennte Wesen. Beides zusammen wäre Leben gewesen. Doch ist es
dafür zu spät."
-
LAUX, Thomas (2005): Der verbesserte Affe und die leere
Zukunft.
Michel Houellebecqs Klon-Roman "Die Möglichkeit einer
Insel"
in: Neue Zürcher Zeitung v. 27.08.2005
- Kommentar:
LAUX stellt HOUELLEBECQs Ausführungen zu den "childfree
zones" in einen anderen Zusammenhang wie
SIMON, was Rückschlüsse auf die
unterschiedlichen Zielgruppen der Zeitungen zulässt:
"Warum
sich noch vermehren? Daniel 1 empfindet Ekel angesichts aller
Kreatürlichkeit - deutlich ein Houellebecqscher Topos - und
beklatscht die Einführung von «child-free zones» für alle, die
Babygeschrei, Gesabber und den Anblick schmutziger Windeln satt
haben. Stattdessen verschafft er sich via Internet den sexuellen
Kommunikationsersatz mit Frauen, die ihm all das zeigen, was er
sehen will. Willkommen also in der selbstreferenziellen Single-
Masturbationsgesellschaft. Gewiss: Über diese wird heute bereits
geklagt; aber hier erscheint alles doch noch einen perversen Kick
antisozialer und solipsistischer."
-
RADISCH, Iris (2005): Der geklonte Roman.
Michel Houellebecq
will sich mit seinem Opus magnum zum Untergang des
Abendlandes selbst überbieten und scheitert gründlich,
in: Die ZEIT Nr.36 v. 01.09.
- Inhalt:
Iris RADISCH rechnet mit Michel
HOUELLEBECQs Roman "Die Möglichkeit einer Insel" ab:
"Der
neue Roman (...) lässt keine Missverständnisse aufkommen.
Er fügt dem bekannten provokativen Themenbausatz der
bisherigen – Einsamkeit, Sexbesessenheit, vergebliche
Suche nach Liebe,
Kinderhass, Altenhass, Menschenpark-Fantasien – nichts
mehr hinzu. Er perpetuiert auch den bekannten, extrem
entspannten, anspruchslosen, irgendwie abwaschbaren
Berichtsstil, der hier allerdings in den so genannten
obszönen Passagen merkwürdig onkelhafte Töne anschlägt
(»geile Miezen« haben »tolle Kurven«). Er mäht die schönen
Frauen, wie gehabt, beizeiten nieder und quatscht traurig
weiter –
Elisabeth Bronfen würde sagen: »nur über ihre Leiche«.
Er heischt wieder dezent nach Mitleid für seinen Helden
und verteidigt desperadohaft dessen pornografisch
inspiriertes Weltbild (»Es ließ sich nur noch schwer
verheimlichen, dass das eigentliche Ziel der Menschen
ausschließlich sexueller Natur war«). Mit anderen Worten:
Ihn schmerzt wie üblich die Verödung der Welt, die zu
nicht geringen Teilen ein Ergebnis seiner eigenen öden
biologistischen Ansichten ist. Weit und breit nichts als
Koketterie mit intellektueller Pornografie und dem Leid an
ihr. Alles beim Alten. Der neue Roman ist ein Klon seiner
Vorgänger."
- RITZENHOFEN, Medard (2005):
Die Klone des Clowns.
Lizenz zum Seichten
und Obszönen: Frankreichs Skandalautor Michel Houellebecq
veranstaltet einen weiteren Medienrummel,
in: Rheinischer Merkur Nr.35 v. 01.09.
- Neu:
GOETZ, Rainald (2005): Michel Houellebecq - Das Elend der
Liebe.
Die Zeit sprach von "fundamentalistischem Phallokratismus",
die FAZ von „aufdringlicher Schamlosigkeit". Der neue Roman
von Michel Houellebecq, "Die Möglichkeit einer Insel",
polarisiert. Auch der Schriftsteller Rainald Goetz hat ihn
gelesen – enthusiasmiert,
in: Cicero Nr.10, Oktober
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Das Buch und der
Literaturbetrieb in der Debatte
-
BARTELS, Gerrit (2005): Bessere Stapel klingt gut.
Michel Houellebecq, Philip Roth, J. M. Coetzee, Jonathan
Safran Foer und viele andere große Namen mehr: Im Juli
beginnt der Bücherherbst, und der diesjährige verspricht ein
hochwertiger zu werden,
in: TAZ v. 02.07.
- Inhalt:
BARTELS hat das Herbstprogramm der
Verlage studiert und gibt einen kleinen Vorgeschmack:
"Zu
nennen wären da etwa Michel Houellebecqs neuer
Roman »Die Möglichkeit einer Insel«, der Ende
August erscheint und laut Verlag »eine
radikale Abrechnung mit unserer heutigen Gesellschaft«
sein soll und genauso »radikal
unsere Zukunft entwirft«. Das ist
schönste Verlagsprogrammprosa, doch deuten diese Sätze auf
Houellebecqs Topthemen hin: Individualisierungs- und
Globalisierungstristesse, die Mär vom neuen Menschen und
der Abschaffung des Alten, das Elend der spät- und
neoliberalen Welt etc. pp. Die hat man zwar in ihrem
ganzen provokanten Türeneinrennenwollen schon hinreichend
diskutiert, sie werden aber erneut ihre Wirkung zumindest
in den Feuilletons haben."
-
WIDMER, Thomas (2005): Bonjour Happiness.
Bei Michel Houellebecq reimt sich Buch auf rotes Tuch.
Diesen Franzosen zu schmähen, ist einfacher, als vom
Barhocker zu fallen. In der nächsten Woche kommt sein neuer
Roman heraus – und hier: neun Gründe, die für den Mann und
sein Werk sprechen,
in:
Weltwoche
Nr.33 v. 18.08.
- Kommentar:
Nicht kostenlos zu lesen ist der Artikel
von WIDMER, denn von HOUELLEBECQ, dessen neuer Roman
"Möglichkeit einer Insel" demnächst erscheint, erwartet
man sich immer noch viel...
-
PORNSCHLEGEL, Clemens (2005): Ausweidung der Krampfzone.
Der neue Roman von Houellebecq ist noch gar nicht
erschienen und wird trotzdem in Frankreich schon grandios
verrissen,
in: Süddeutsche Zeitung Online v. 22.08.
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SIMON, Anne-Catherine (2005): Zurück in der Kampfzone.
Literatur und Erregung. Michel Houellebecqs neuer Roman
"Die Möglichkeit einer Insel" erscheint am 31. August
in: Die Presse v. 24.08.
- Kommentar:
SIMON widmet sich dem Topos, der HOUELLEBECQ
die Sympathie der
Familienfundamentalisten einbringen
könnte:
"Der
Traum vom Filmemachen verfolgt Houellebecq seit den Siebzigerjahren.
Auch sein neuer Romanheld Daniel1 schreibt ein Drehbuch: »In der
ersten Viertelstunde des Films sah man, wie Babyschädel durch
Schüsse unentwegt explodierten.« Die Täter: »ein straff
organisiertes Netz von Kindermördern, die sich von Thesen aus der
Szene der Fundamentalökologisten anregen ließen«. Daniels
Filmprojekt wird abgelehnt, der Grund dafür »konnte nur darin
liegen, dass es noch gewisse Tabus gab (in diesem Fall den
Kindermord). Wenn es ein Tabu gab, konnte das nur bedeuten, dass
tatsächlich ein Problem bestand.«
Worin
es sich zeigt, erfährt man auch: »Im Laufe jener Jahre waren in
Florida die ersten childfree zones eingeführt worden, luxuriöse
Anwesen für Menschen um die Dreißig ohne Komplexe. Zum ersten Mal
erklärten junge Leute öffentlich, dass sie nicht den Wunsch hatten,
den Ärger und die Last, die mit dem Großziehen von Sprößlingen
verbunden war, zu ertragen.« Houellebecq ist überzeugt, dass die
Entwicklungen, die er beschreibt, tatsächlich stattfinden werden.
»Also muss man darüber sprechen.«".
Gleichzeitig
zeigt das Beispiel HOUELLEBECQs Dilemma: er ist auf seinem
katholischen Auge blind.
Statt
nach Florida, sollte nach Rom geschaut werden. Dort existiert die
erste kinderfreie Weltmacht...
-
ZITZMANN, Marc (2005): Der Betrieb frisst die Literatur.
So viel Houellebecq war noch nie - Reaktionen aus Frankreich,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 27.08.2005
- Inhalt:
ZITZMANN beschäftigt sich mit dem Wirbel um
HOUELLEBECQ.
In
Frankreich sind im Vorfeld der Romanveröffentlichung gleich 3 Bücher
und ein Sonderheft zu HOUELLEBECQ erschienen.
Eric
NAULLEAU ("Au secours, Houellebecq revient!"), Fernando ARRABAL
("Houellebecq") und
Denis DEMONPION ("Houellebecq, enquête (non
autorisée) sur un phénomène") und das Sonderheft des Pariser
Wochenmagazins Le Inrockuptibles, von ZITZMANN als "Bibel der
Pariser Zeitgeistlichkeit" bezeichnet, werden erwähnt.
-
PATERNO, Wolfgang & Robert TREICHLER (2005): Schöner neuer
Weltuntergang.
Der Schriftsteller Michel Houellebecq sorgt mit jedem neuen Roman
zuverlässig für Aufregung, auch mit seinem jüngsten, „Die Möglichkeit
einer Insel“. Warum verstört der Franzose Kritik und Leser so
nachhaltig?
in: Profil
Nr.35 v. 29.08.
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Houellebecq und das Buch in der
französischen Debatte
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DUFAY, François (2005): Edition: Opération Houellebecq.
Le 31 août, « La possibilité d'une île », de Michel Houellebecq,
sera mis en vente (éd. Fayard). La parution d'un livre de l'auteur
des « Particules élémentaires » et de « Plateforme » est toujours
l'objet d'un plan médiatique hors du commun. Démonstration,
in: Le Point v. 18.08.
-
MARTIN, Daniel (2005): Houellebecq malgré lui,
in: Express v. 22.08.
- Inhalt:
Das Express-Dossier berichtet über die nicht
autorisierte Biografie von Denis DEMONPION, der Michel HOUELLEBECQ
u.a. die Fälschung seines Geburtsdatums vorwirft.
Der
Express veröffentlicht unter der Überschrift
"Bonnes feuilles" Auszüge aus der Biografie.
Bereits
in der Woche zuvor hat Olivier Le NAIR über HOUELLEBECQ und das
neue Buch ("Houellebecq
fait so clone") berichtet.
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NOUVEL OBSERVATEUR (2005) Le choc Houellebecq.
Très attendu, le roman de l’écrivain à succès et à scandale, «la
Possibilité d’une île» (sortie le 31 août), est l’événement de la
rentrée littéraire,
in: Nouvel Observateur Nr.2129 v. 25.08.
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