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Michel
Houellebecq: Der Essayist
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Michel Houellebecq bei
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Rezensionen
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Neu:
FEDERMAIR,
Leopold (2006): Den Schmerz zurückgeben.
Michel Houellebecq, die Sprache des Ressentiments und der
Stil eines stillosen Autors,
in:
Volltext Nr.2, April/Mai
- Inhalt:
Leopold FEDERMAIR, Übersetzer
des Buches "Die Ausweitung der Kampfzone", bespricht das Buch
"Lebendig bleiben", das der DuMont Verlag 15 Jahre nach seiner
Erstveröffentlichung heraus bringt:
"»Die
Welt ist ein entfaltetes Leiden.« Mit diesem Satz beginnt
Houellebecqs Lebendig bleiben, ein poetisches Manifest
aus der frühen Schaffenszeit des Autors, erstmals 1991
veröffentlicht. (...).
Das Houellebecq'sche Leiden hat unüberwindlichen Charakter, es
gehört zu condition humaine - ein Grund, weshalb man
Houellebecq mit Recht in die Nähe der existentialistischen
Autoren gerückt hat. (...) Houellebecqs Ausdrucksform
suggeriert, dass das metaphysische Unbehagen des Menschen aufs
engste mit seinen physischen, also biologischen
Voraussetzungen verbunden ist. Das wichtigste Scharnier
zwischen beiden Bereichen ist die Sexualität und die mit ihr
verbundene Zwischenmenschlichkeit, im Glücksfall: die Liebe."
FEDERMAIR
sieht auch Verbindungen zu den deutschen Frühromantikern:
"Setzt
man voraus, dass es ihm um Heilung zu tun ist und nicht um
Zerstörung und Selbstzerstörung, dann besteht Houellebecqs
Methode aus einer Serie von Schocks, die den ganzen Körper -
den individuellen und den Gesellschaftskörper - erschüttern
sollen. Die Gesamtheit dieser Erschütterungen ergäbe eine
Revolution, eine Religion oder Mythologie für (post)moderne
Zeiten, wie sie schon die deutschen Frühromantiker suchten."
Des
Weiteren sieht FEDERMAIR den Poeten HOUELLEBECQ als Rächer:
"Michel
Houellebecq gibt den Schmerz, den er als Kind und Jugendlicher
erfahren hat, an die Gesellschaft - an ihre mächtigen
Vertreter, nicht an die Schwachen - zurück. Das kann man als
Rache bezeichnen."
Zum
Schluss geht FEDERMAIR noch auf das Erfolgsprinzip der
Simplicity und den
Messianismus ein:
"Könnte
Houellebecq nicht als Messias einspringen? Ein
whiskytrinkender, kettenrauchender, Snoopy-Sätze absondernder
Erlöser? Ein bisschen kokettiert er mit dieser Rolle, die ihm
die Ironie seiner Intelligenz verwehrt."
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Rezensionen
- KALKA, Joachim (2002): Liebeserklärung an
den klassischen Schund.
Wie Houellebecq in der Huldigung an einen Horror-Star nur sich
selbst bespiegelt,
in: Literaturen Nr.10, Oktober
- Inhalt:
Der DuMont Verlag hat HOUELLEBECQs erstes Buch "H.P.
Lovecraft. Contre le monde, contre la vie" (deutsch: Gegen die Welt,
gegen das Leben) nachgereicht.
KALKA
wirft
HOUELLEBECQ vor, dass dieser ein Bild von LOVECRAFT entwirft,
das zwar nicht LOVECRAFT gerecht wird, aber zu HOUELLEBECQs
Strategie der Realismuskritik passt:
"Der
von Lovecraft in seinen Briefen obsessiv attackierte «Realismus» im
Amerika jener Jahre war eigentlich eine moderat avantgardistische
Strömung, deren Vertreter gegen das epigonale Kunstgewerbe des
neoromantischen Erzählens und gegen den Feine-Leute-Ton standen.
Wenn Lovecraft aber «Realismus» sagt, meint er wahllos (...)
Autoren, die ihm unsympathisch sind wegen ihres Interesses an
Sexualität, Alltäglichkeit und an den konkreten Verwicklungen
unseres komischen und erbärmlichen Lebens."
Gemeinsamkeiten
zwischen LOVECRAFT und HOUELLEBECQ sieht KALKA in ihrer gemeinsamen
Verachtung der Psychoanalyse und einer trotzigen Überschreiung der
"Traumatisierung inniger Liebe zum Leben".
-
JÄGER, Lorenz (2002): Fanfare für den Schund der steilsten
Sorte.
Michel Houellebecq über H. P. Lovecraft,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.10.
-
HANDKE, Sebastian (2002): Greifbare Feindseligkeit.
"Gegen die Welt, gegen das Leben": Michel Houellebecq hat
bereits Anfang der Neunzigerjahre eine Liebeserklärung an H.
P. Lovecraft verfasst. Der biografische Essay ist nun auf
Deutsch erschienen,
in: TAZ v. 29.10.
-
KUNISCH, Hans-Peter (2002): Wir ertragen keine zusätzliche
Minute Realismus mehr.
Michel Houellebecqs erstes Buch ist eine Biografie, ein
Manifest und fast ein Roman: In "Gegen die Welt, gegen das
Leben" bekennt er sich zu H. P. Lovecraft,
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.10.
- Inhalt:
KUNISCH weist darauf hin, dass sich
HOUELLBECQ zwar als Kämpfer gegen den Realismus sieht,
andererseits aber seinerseits zum Protagonist eines "neuen
Realismus" in der europäischen Literatur geworden ist:
"Norbert
Niemann hat ihn einmal von
Michael Kumpfmüllers
Realismus der vorgefundenen Medienbilder wie von
Stuckrad- Barres
Life-Style-Realismus abgegrenzt und Houellebecq zu Recht den
Part eines »Realismus der Entzauberung« zugedacht.
Tatsächlich gibt ja gerade Houellebecqs literarischer
Bestseller
»Elementarteilchen«, strukturell eine Weiterentwicklung
des romantischen Reflexionsromans, das Beispiel eines
mitleidlos-nüchternen, »realistischen« Blicks auf
Gefühlswelt wie Lebensverhältnisse seiner Hauptfiguren, ihre
Sex-Verfallenheit, ihre Unfähigkeit zur Liebe."
In
der Neuauflage des Realismus sieht KUNISCH einen
"Beitrag zur »Erkenntnis der Welt«", der den
"innerlichkeits- und gedankenverliebten Literaturen
Frankreichs und Deutschlands schon einigen frischen Wind
zugeführt" hat.
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Rezensionen
- RUTHNER,
Clemens (1999): Sexuelle
Konterrevolution,
in: Der Standard v.
25.09.
- GILZMER,
Mechtild (1999): Der Sieg der Materie
über den Geist,
in: Freitag Nr. 41 v. 08.10.
- FESSMANN,
Meike (1999): Die Quantentheorie der
Liebe und des Hasses,
in: Der Tagesspiegel v. 13.10.
- KUNISCH,
Hans-Peter (1999): Die erwünschte
Emotion,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 28.10.
- JÄHNER,
Harald (1999): Das Ich als Bankier der
Sexualität,
in: Berliner Zeitung v. 27.11.
- MODICK, Klaus
(2001): Medien, Spielleiter und anderes
Allzumenschliches,
in: TAZ
v. 30.01.
- ORTHEIL,
Hanns-Josef (2001): Amerikanische
Polaroids - Die Welt als Supermarkt.
Warum
Michel Houellebecq als der etwas ältere
und klügere Bruder von Douglas Coupland
gelten kann,
in: Welt
v. 10.02.
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