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Ralf Bönt: Erwachsenwerden als Flucht aus der Provinz

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1963 geboren
    • Kfz-Lehre, Studium der Physik
    • 1999 Debütroman "Icks"
    • 2000 Roman "Gold"
    • lebt in Bielefeld und Berlin
 
       
     
       
   

Ralf Bönt in seiner eigenen Schreibe

 
   
  • BÖNT, Ralf (2001): Die Wrangler.
    Teil 27 der Serie "Das war die BRD",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 28.06.
  • BÖNT, Ralf (2002): Poppige Krawatten.
    Verluste auf beiden Seiten der Kompromisse. Die Grünen sind Exilanten im eigenen Land,
    in: Freitag Nr.,14 v. 18.03.
  • Neu:
    BÖNT, Ralf (2002): Was die Generationen verbindet.
    Vorschlag zur Güte: Kann man bitte über Rente und Generationengerechtigkeit reden, ohne auf jeden Prozentpunkt hinterm Komma zu achten? Jedenfalls sind die Zielvorgaben der heute Vierzigjährigen weniger materiell dominiert als die ihrer Eltern,
    in: TAZ v. 27.11.
    • Kommentar:
      Endlich einmal kein avanciertes Nörgeln! Ralf BÖNT vertritt stattdessen vehement die postmaterialistischen Werte der "78er-Generation" (in deren Prä-Reinhard-MOHR-Phase) und entwirft eine Vision vom besseren Leben
      der Family-Gentrifier in den urbanen Altbauten.

            
      Gleichzeitig handelt es sich um eine Absage an die Niedergangsszenarien der Suburbaniten.
            
      Wer die Nutzlosigkeit des Erwachsenwerdens produktiv verarbeitet hat, der ist endgültig verloren für jede "Revolution im Reihenhaus" (GASCHKE), der lässt sich auch nicht vom "Kampfbegriff Generationengerechtigkeit" beeindrucken.
            
      Die Kritik von Gustav SEIBT an den Babyboomern der 60er Jahre lässt BÖNT deshalb elegant ins Leere laufen. Für die 70jährigen Flakhelfer wählt er den Begriff "Marshallplan-Generation" und erwidert:
            
      "Die (...) fühllos Gescholtenen stehen einer Extrapolation der Rentenbeiträge für das Jahr 2040 oder 2050 aber nicht nur aus Gründen des anderen Empfindens von Zeitmaßstäben ganz teilnahmslos gegenüber. Sie kommen gar nicht auf die Idee ihrer Eltern, ihre Zeit isoliert auf sich zu beziehen. Oder hat man je Klage von ihnen gehört, dass die Gleichung des Marshallplans seit dem Ende des Sozialismus gar nicht mehr gilt? Dass ausgerechnet jetzt, wo man eigentlich selbst Kinder zu erziehen hätte, die deutsche Einheit zusammen mit den Schulden aus vierzig Jahren Aufbau abzuzahlen sei, vom Preis der Systemschwäche Überproduktivität zu schweigen? Oder darüber, dass die oberen Etagen der Kleinfamilienhäuser in Nürnberg, Augsburg und Oldenburg leer stehen, zum Erhalt der von niemandem benötigten Bausubstanz geheizt werden und die nächste Explosion der Mieten bevorsteht? Dass sie nicht nur in Berlin, dem größten Sanierungsgebiet Europas, mühselig Altbauten sanieren, in denen die Geschichte erzählbar wird, statt, was viel billiger wäre, abermals alles abzureißen, Neubauten hinzustellen und den Rest des Lebens mit einem Kater zu verbringen, weil keiner mehr weiß, was gestern war? Zum Glück nicht.
      Einerseits wäre es lächerlich.
      Andererseits sind gerade die Babyboomer weder mit jener Potenz zum Jammern ausgestattet, mit der ihre Eltern noch heute dauernd über sie herfallen, noch mit einer Bettelhand.
      Im Windschatten von 1968 ist es nicht nur die Sanierung von Altstädten und anderer Altlasten beider deutscher Nachkriegsstaaten, die sie trägt.
      Darüber hinaus füllt sie die kulturelle Lücke, in der sie aufwuchs, mit Leben, und das ist für die Zukunft des Landes von weit größerer Bedeutung als ein paar Ziffern vor oder hinter dem Komma des Rentenbeitrages."
 
       
   

Ralf Bönt im Gespräch

 
   
  • fehlt noch
 
       
   

Icks (1999).
München: Piper

 
   
 
 

Pressestimmen

"Jüngste Kreation der Generationenküche war die »Generation Berlin«, jene Truppe »undogmatischer Pragmatiker«, die die Hamburger ZEIT erfunden hat. In chicen amerikanischen Bagellokalen in der mondänen Berliner Mitte kauen sie der Berliner Republik tabulos die neuen intellektuellen Stichworte vor.
Man würde dem 1964 geborenen Schriftsteller Ralf Bönt Unrecht und schweres Leid antun, wenn man seinen klitzekleinen Debütroman Icks nun zum Antibild dieser Generation aufmotzen würde. Obwohl die Welt des arbeitslosen Akademikers mit Kind und Hang zur Bohème, die er darin beschreibt, der Realität der ominösen Generation Berlin vermutlich näher kommt als das Hamburger Lichtbild. Bei Bönt wabern keine Gründerzeitmythen. Zäh fließt der Teig der ereignislosen Perspektivlosigkeit. Aus der ostwestfälischen Provinz kommt sein Alter-Ego namens Icks in die angebliche Kulturmetropole, nachdem er, wie sein Erfinder Bönt, eine Karriere als Naturwissenschaftler hingeworfen hat. Hier tobt angeblich das Leben. Doch er mäandert nur zwischen Arbeitsamt, befristeten Stellen, nutzlosen Kontakten und vagen Projekten hin und her, haust in einer furchtbaren Wohnung, steht auf dem Weg ins Theater theatralisch auf zugigen U-Bahnhöfen und möchte endlich, endlich sein Leben verschwenden. Der ganz normale Alltag des intellektuellen Proletariats also. Kein Bagel, nirgends.
"
(Ingo Arend im Freitag vom 26.03.1999)

"Ralf Bönt hat (...) mit Icks einen Roman geschrieben, der von Berlin aus vor allem die westdeutsche Provinz im Blick hat, genauer gesagt, die ostwestfälische. »Dr.-Oetker-Stadt« Bielefeld. Hier ist Bönts Held Icks groß geworden (...) und hierhier kehrt er im Sommer 1996 zum ersten Mal nach zehn Jahren wieder zurück.
Eigentlich bildet sich Icks ein, »komplett abgeschlossen« zu haben mit dieser Stadt und seiner Geschichte zu ihr (...). So einfach aber (...) ist es dann doch nicht. Die Vergangenheit hört nie auf, die Provinz steckt weiter in Geist und Seele, selbst wenn man wie Icks schon 33 Jahre alt ist und in Berlin seine zweite Heimat gefunden hat.
Und so sitzt Icks in einem Flieger nach New York (...) und erzählt seinem Sitznachbarn wasserfallartig seine alten und neuen Lebensgeschichten. Von seinen Eltern in ihrem Reihenhäuschen, von ihrer Verständnislosigkeit (...). Dauernd betont er die Nutzlosigkeit des Erwachsenwerdens, den Überdruß am irgendwie überflüssigen Erfolgsstreben der eigenen Generation: Icks ist promovierter Physiker, versucht sich jetzt aber eher erfolglos als Theaterregisseur.
Ein später Slacker, ein Scheiterer, der seinen Haß weder loswird noch durchschaut. Der aber - er hat eine Frau und ein zweijähriges Kind - bald wieder einen Brotberuf annehmen und auch ein Haus bauen wird. Abstreifen kann man das eigene Selbst, den Schleim, dem man entstammt, eben doch nie, auch nicht in Berlin. Insofern hat Bönt eine Art Berlinroman geschrieben, schließlich sind es die vielen Ickse mit ihren unaufgeräumten Biografien, die am lautesten Großstadt schreien und die Metropole herbeischreiben.
"
(Gerrit Bartels in den Kieler Nachrichten vom 18.05.1999)

"Icks: Ein Name, der an Schluckauf denken läßt oder auch an Douglas Coplands "Generation X". Er ist promovierter Physiker · und arbeitslos. Statt zur Naturwissenschaft fühlt er sich zum Theater hingezogen. Regisseur, das wäre der richtige Beruf! Doch einstweilen schlägt er sich mit befristeten Stellen und vagen Projekten durch. Leitmotivisch spricht er vom "leeren Dickicht", das sein Leben ist.
(...)
Kommt hier das Lebensgefühl einer Generation zum Ausdruck, die man heute gerne als intellektuelles Proletariat bezeichnet · hochgebildet, aber ohne Arbeit und ohne Sicherheit und ohne Perspektive? Als treffendes Spiegelbild jener Mittdreißiger, an denen kein gesellschaftlicher Bedarf besteht und die umgekehrt sich auch nicht um gesellschaftliche Belange kümmern, wurde der Roman von einigen Kritikern bereits gefeiert.
"
(Wenzel Müller in der Wiener Zeitung vom 11.06.1999)

 
 
 
       
     
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 27. November 2002
Stand: 20. Dezember 2007
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