"Jüngste
Kreation der Generationenküche war die »Generation Berlin«,
jene Truppe »undogmatischer Pragmatiker«, die die Hamburger
ZEIT erfunden hat. In chicen amerikanischen Bagellokalen in
der mondänen Berliner Mitte kauen sie der Berliner Republik
tabulos die neuen intellektuellen Stichworte vor.
Man würde dem 1964 geborenen Schriftsteller Ralf Bönt
Unrecht und schweres Leid antun, wenn man seinen
klitzekleinen Debütroman Icks nun zum Antibild dieser
Generation aufmotzen würde. Obwohl die Welt des arbeitslosen
Akademikers mit Kind und Hang zur Bohème, die er darin
beschreibt, der Realität der ominösen Generation Berlin
vermutlich näher kommt als das Hamburger Lichtbild. Bei Bönt
wabern keine Gründerzeitmythen. Zäh fließt der Teig der
ereignislosen Perspektivlosigkeit. Aus der ostwestfälischen
Provinz kommt sein Alter-Ego namens Icks in die angebliche
Kulturmetropole, nachdem er, wie sein Erfinder Bönt, eine
Karriere als Naturwissenschaftler hingeworfen hat. Hier tobt
angeblich das Leben. Doch er mäandert nur zwischen
Arbeitsamt, befristeten Stellen, nutzlosen Kontakten und
vagen Projekten hin und her, haust in einer furchtbaren
Wohnung, steht auf dem Weg ins Theater theatralisch auf
zugigen U-Bahnhöfen und möchte endlich, endlich sein Leben
verschwenden. Der ganz normale Alltag des intellektuellen
Proletariats also. Kein Bagel, nirgends."
(Ingo Arend im Freitag vom 26.03.1999)
"Ralf
Bönt hat (...) mit Icks einen Roman geschrieben, der
von Berlin aus vor allem die westdeutsche Provinz im Blick
hat, genauer gesagt, die ostwestfälische. »Dr.-Oetker-Stadt«
Bielefeld. Hier ist Bönts Held Icks groß geworden (...) und
hierhier kehrt er im Sommer 1996 zum ersten Mal nach zehn
Jahren wieder zurück.
Eigentlich bildet sich Icks ein, »komplett abgeschlossen« zu
haben mit dieser Stadt und seiner Geschichte zu ihr (...).
So einfach aber (...) ist es dann doch nicht. Die
Vergangenheit hört nie auf, die Provinz steckt weiter in
Geist und Seele, selbst wenn man wie Icks schon 33 Jahre alt
ist und in Berlin seine zweite Heimat gefunden hat.
Und so sitzt Icks in einem Flieger nach New York (...) und
erzählt seinem Sitznachbarn wasserfallartig seine alten und
neuen Lebensgeschichten. Von seinen Eltern in ihrem
Reihenhäuschen, von ihrer Verständnislosigkeit (...).
Dauernd betont er die Nutzlosigkeit des Erwachsenwerdens,
den Überdruß am irgendwie überflüssigen Erfolgsstreben der
eigenen Generation: Icks ist promovierter Physiker, versucht
sich jetzt aber eher erfolglos als Theaterregisseur.
Ein später Slacker, ein Scheiterer, der seinen Haß weder
loswird noch durchschaut. Der aber - er hat eine Frau und
ein zweijähriges Kind - bald wieder einen Brotberuf annehmen
und auch ein Haus bauen wird. Abstreifen kann man das eigene
Selbst, den Schleim, dem man entstammt, eben doch nie, auch
nicht in Berlin. Insofern hat Bönt eine Art Berlinroman
geschrieben, schließlich sind es die vielen Ickse mit ihren
unaufgeräumten Biografien, die am lautesten Großstadt
schreien und die Metropole herbeischreiben."
(Gerrit Bartels in den Kieler
Nachrichten vom 18.05.1999)
"Icks:
Ein Name, der an Schluckauf denken läßt oder auch an Douglas
Coplands "Generation X". Er ist promovierter Physiker · und
arbeitslos. Statt zur Naturwissenschaft fühlt er sich zum
Theater hingezogen. Regisseur, das wäre der richtige Beruf!
Doch einstweilen schlägt er sich mit befristeten Stellen und
vagen Projekten durch. Leitmotivisch spricht er vom "leeren
Dickicht", das sein Leben ist.
(...)
Kommt hier das Lebensgefühl einer Generation zum Ausdruck,
die man heute gerne als intellektuelles Proletariat
bezeichnet · hochgebildet, aber ohne Arbeit und ohne
Sicherheit und ohne Perspektive? Als treffendes Spiegelbild
jener Mittdreißiger, an denen kein gesellschaftlicher Bedarf
besteht und die umgekehrt sich auch nicht um
gesellschaftliche Belange kümmern, wurde der Roman von
einigen Kritikern bereits gefeiert."
(Wenzel Müller in der Wiener Zeitung
vom 11.06.1999)