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Reinhard Mohr: Die Zaungäste

 
       
     
       
     
       
   

Reinhard Mohr in seiner eigenen Schreibe

 
   

MOHR, Reinhard (1994): Das Ganze ist das Unklare.
Diedrich Diederichsens "Freiheit macht arm",
in: Frankfurter Rundschau v. 08.02.

Infos zu: Diedrich Diederichsen - Autor der Single-Generation

MOHR, Reinhard (1999): Von der Revolte zur Denkstarre.
Was heißt links sein heute? Zehn Jahre nach dem Fall der Mauer ist die deutsche Linke marginalisiert und hält sich immer noch an den Wegweisern von gestern fest - der Schlaf der Vernunft blockiert die eigene Zukunft,
in:
Spiegel Nr.48 v. 29.11.

BRODER, Hendryk M. & Reinhard MOHR (1999): Die faselnden Fünf,
in:
Spiegel Nr. 49 v. 06.12.

Tristesse Royale - Das Manifest des popkulturellen Quartetts

MOHR, Reinhard (2000): Entzauberung von rechts.
Sprachlos stehen die linken Intellektuellen vor der Selbstdemontage der CDU: Löst sich jetzt auch der ideologische Katechismus der Konservativen auf?
in:
Spiegel Nr.5 v. 31.01.

Das Ende der Spaßgesellschaft - Kulturkämpfe in der Popmoderne

MOHR, Reinhard (2000): Freiheit - kaum auszuhalten.
Der Single ist das höchst entwickelte Wesen der Geschichte. Zwischen Glanz und Elend: Sein Leben vereint alle Widersprüche des Seins. Ein Lagebericht,
in:
Spiegel
Nr. 10 v. 06.03.

Die Spiegel-Titelstory Zwischen Freiheit und Einsamkeit der Rosenmontags-Ausgabe ist den Alleinlebenden gewidmet. In der öffentlichen Debatte um das Single-Dasein bahnt sich ein Perspektivenwechsel an, der durch das Buch Elementarteilchen von MICHEL HOUELLEBECQ ausgelöst wurde. Der Spiegel nennt es das meist diskutierte Belletristikwerk des vergangenen Herbstes, das inzwischen über 50.000 mal in Deutschland verkauft wurde.

MOHR, Reinhard (2000): Der totale Spaß.
Ob "Big Brother" oder "Insel-Duell": Immer schriller gebärdet sich die neue deutsche Spaßkultur. Geht das Volk ohne Witz nun tabulos ins Lach-Millennium? Droht flächendeckender Schwachsinn, oder geht es um die Befreiung von alter Humorlosigkeit?
in: Spiegel Nr.23 v. 05.06

Das Ende der Spaßgesellschaft - Kulturkämpfe in der Popmoderne

MOHR, Reinhard (2001): Zorn auf die roten Jahre.
Die Polemik gegen die militante Vergangenheit von Joschka Fischer wird zum Strafgericht über eine ganze Generation: Die Revolte von 1968, so konservative Kritiker, war ein einziger monströser Irrtum. Wird dem Mythos vom berechtigten Aufruhr der Linken der Garaus gemacht?
in:
Spiegel
Nr.4 v. 22.01.

SCHNIBBEN, Cordt & Reinhard MOHR (2001): Vorwärts und nicht vergessen.
Der eine war Schüler in Bremen, der andere Student in Frankfurt. Zwei SPIEGEL-Redakteure beschreiben ihre Zeit in den politischen Gruppen der 68er-Revolte und deren Zerfall in den siebziger Jahren,
in:
Spiegel Nr.5 v. 29.01.

MOHR, Reinhard (2001): "Verdammt, ich will leben".
Der "Rote Kalender" von 1977 - ein persönlicher Bericht,
in:
Spiegel Nr.5 v. 29.01.

MOHR, Reinhard (2001): Zimt-Ravioli in der Turboküche
Die neue Elite des Informationszeitalters hat sich etabliert: "Bourgeoise Bohemiens" nennt sie der amerikanische Autor David Brooks, eine aparte Lebensstil-Mixtur aus Protest und Karriere, Subkultur und Mainstream. Die "Bobos" sind überall - auch in Deutschland,
in:
Spiegel Nr.13 v. 26.03.

Infos zu: David Brooks - Bobos in Paradise

MOHR, Reinhard (2001): Süßer Wahn des Augenblicks.
War die Revolte von 1968 nur ein "Spukschloss"? In seiner Studie "Das rote Jahrzehnt", durch die Debatte um Joschka Fischers Vergangenheit hochaktuelle, zieht der Autor Gerd Koenen eine bittere Bilanz der Jahre 1967 bis 1977,
in:
Spiegel Nr.16 v. 14.04.

Infos zu: Gerd Koenen - Autor der 68er-Generation

MOHR, Reinhard (2002): Jenseits von Schkopau.
In ihrem Debüt "Zonenkinder" schreibt Jana Hensel die Biografie ihrer "zwittrigen" Generation - ein Höhepunkt in der Menge der Lebensbilder auf der Buchmesse,
in: Spiegel Nr.41 v. 07.10.

Reinhard MOHR beschäftigt sich mit den Generation @-Buch von Jana HENSEL und dem Generation Golf-Buch Aufgewacht. Mauer weg von Susanne LEINEMANN und stellt beide in die Nachfolge von Florian ILLIES' Bestseller Generation Golf. Diese Generation beschreibt er als jene

"Kinder von 1968, die in den vermeintlich coolen Achtzigern aufwuchsen und für Madonna schwärmten statt für Marcuse. Ihr Rudi Dutschke hieß Thomas Gotschalk, und ihr »Teach-in« war die »Saalwette« bei »Wetten, dass...?«"

Bei Susanne LEINEMANN missfällt MOHR der Versuch der Politisierung ihrer Generation:

"sie versucht (...) das historische Ereignis zu politisieren, neudeutsch, zu »branden«: »1989 könnte unser Label sein, unsere Marke, die uns als Generation unverwechselbar macht«".

Das Verhältnis der jüngeren HENSEL zur Generation Golf sieht MOHR im Schnittpunkt mehrer Linien:

"Sie gehört zur Generation der Mittzwanziger, die (...) den erbarmungslosen Markenkampf der etwas älteren »Generation Golf« (...) doppelt verpasst: Sie war zu jung und zu östlich.
            Doch es gibt eine verblüffende Parallele (...) der starke Hang (...) zur Warenästhetik und den feinen Unterschieden".

MOHR stimmt HENSELs Generationenbild zu: "Wir sind die ersten Wessis aus Ostdeutschland" und lobt ihr Buch:

"Jana HENSEL hat den Kindern der Zone, der ersten gesamtdeutschen Generation, schon jetzt ein kleines Denkmal gesetzt".

MOHR, Reinhard (2002): Also sprach Jedediah.
Mit seinem Buch über das "Elend der Ironie" erregt der junge amerikanische Autor Jedediah Purdy nun auch in Deutschland Aufsehen. Doch so treffend die Kritik am zynischen Kult der Oberfläche ist - zum politischen Diskurs steuert Purdy kaum mehr als guten Willen bei,
in:
Spiegel Nr.46 v. 11.11.

Der Spiegel glänzt mit Einfallslosigkeit und übernimmt einfach den Titel vom Harper's Magazine, um über PURDY zu spotten. MOHR beherrscht die Kunst des Zaungasts. Er bleibt von der Spassgesellschaft genauso weit entfernt wie von der Neuen Ernsthaftigkeit eines Jedediah PURDY. Ein Mann tut was ein Mann tun muss, er geht seinen dritten Weg!

FRIEDRICH, Julia & Reinhard MOHR (2002): Aufstand vor dem Kühlschrank.
Depressive Unruhe sucht die krisengeplagte Schröder-Republik heim: Künstler und andere Intellektuelle Sympathisanten von Rot-Grün bekunden ihre Enttäuschung oder rufen gar zur Revolte auf. Sturm im Wasserglass oder Mobilisierung der Zivilgesellschaft?
in:
Spiegel Nr.48 v. 25.11.

FRIEDRICH & MOHR geben sich kämpferisch: "Neue Mitte strikes back!" ist ihr Motto, denn die Welle der Kritik der Feuilleton-Revoluzzer hat nach Meinung der Autoren "politisch wie intellektuell Substanz". Diese Substanz heißt Wolfgang KRAUSHAAR, Cora STEPHAN, Michael MIERSCH und Peter SCHNEIDER. Im Kern also die ehemalige Frankfurter Sponti-Clique, die früher Pflasterstrände phantasierte und es sich mittlerweile bobomäßig in der Neuen Mitte gemütlich gemacht hat.
Diese Bobokratie sieht inzwischen zu Recht ihren ruhigen Lebensabend gestört.

SPIEGEL-Titelgeschichte: Die neuen Werte.
Ordnung, Höflichkeit, Disziplin, Familie

MOHR, Reinhard u.a. (2003): Nobel statt Nabel.
In den Zeiten der Krise, des Pisa-Schocks und um sich greifender Verlotterung ist eine neue Bürgerlichkeit gefragt. Das Einhalten von Regeln, das Leben mit althergebrachten Tugenden und Ritualen wird wichtiger,
in: Spiegel Nr.28 v. 07.07.

MOHR, Reinhard (2003): Langer Lauf zur neuen Liebe.
Joschka Fischer ist nicht nur der beliebteste, sondern auch der scheidungsfreudigste Politiker Deutschlands - zeugt das von Verlotterung oder radikaler Romantik?
in: Spiegel Nr.39 v. 22.09.

Ex-Pflasterstrand-Autor und Frankfurter Kumpane Reinhard Mohr schreibt eine Hymne auf Joschka und die sexuelle Monogamie:

"von Chaos kann zumindest bei Fischer keine Rede sein. Bevor er eine neue Liebesbeziehung ernsthaft in Angriff nimmt, wird die alte erst einmal aufgeräumt. Die Wissenschaft nennt das »sequenzielle Monogamie«: eins nach dem anderen. Da ist er (Donau-)Schwabe, passionierter Nestbauer - und guter Katholik. Vor allem aber ist Fischer ein Romantiker, er es immer wieder versucht mit Glück und großen Gefühlen."

MOHRs Generationsgenosse Jürgen ELSÄSSER  sah das am 19.09. in der jungen Welt  ganz anders und nimmt dabei auch gleich noch die Generation Golf aufs Korn:

"Vier Ehen hat er bis dato hinter sich gebracht, und immer erfolgte der Partnerwechsel im Zuge einer vollständigen politischen und charakterlichen, teilweise sogar körperlichen Mutation: Der muskulöse Sponti der siebziger, der verfettende Grüne der achtziger, der heruntergehungerte Minister der späten neunziger Jahre hatte jeweils die passende Lebensabschnittsgefährtin und verkörperte den jeweiligen Zeitgeist".
(...)
Diese Prinzipienlosigkeit in Theorie und Praxis, diese »neue Unübersichtlichkeit« im Denken, dieses Patchwork aus Anarchismus und Neoliberalismus ist das Kennzeichen der Postmoderne. Sie prägt nicht nur die Politiker, sondern große Teile der Gesellschaft. Was waren das für schöne Zeiten, als es noch links und rechts gab (...). Tempi passati: Florian Illies’
»Generation Golf« will nicht zurück in die ideologischen Schützengräben der Siebziger. Sie lebt ganz im Hier und Jetzt, das heißt im Kapitalismus, sie will alles, und zwar sofort: Piercing und Ehering, 70-Stunden-Woche und Party-ohne-Ende, Fucking for Virginity und Fighting for Peace. Für diese ganze lügenhafte Melange steht Joseph Fischer wie kein Zweiter, und deshalb ist er der beliebteste Politiker dieses Landes."

MOHR, Reinhard (2005): Adieu Rot-Grün!
Sie hatten sieben Jahre Zeit, den Reformstau aufzulösen. Es ging um Innovation und Gerechtigkeit, aber geblieben sind vor allem Desorientierung und Ratlosigkeit. Eine Generation tritt ab, der Zeitgeist dreht sich,
in: Stern Nr.23 v. 02.06.

MOHR, Reinhard (2005): Vorher Klagen, nachher Klagen.
Der deutsche Wähler ist grundsätzlich enttäuscht - natürlich besonders von Politikern. Ein Psychogramm,
in: Welt v. 15.09.

Neu:
MOHR, Reinhard (2007): Als Vati über Mutti rollte.
Verführt Feminismus Frauen zur Kinderlosigkeit? Ignoriert er die nackten Tatsachen der Biologie? Ist er ungeil und männerfeindlich? Das "F-Wort", eine neue Essay-Sammlung, gibt Antworten. Reinhard Mohr erinnert sich wie es war, als Männergewalt plötzlich beim Gucken anfing,
in: Spiegel Online v. 08.05.

Moderne Männergeschichten der Single-Generation beginnen heute mit dem Bekenntnis: Als ich einmal Softie war...

"Ich war eher schüchtern als djangohaft, und keineswegs reduzierte ich blonde Frauen auf ihre äußere Erscheinung. Schon auf dem Kinderspielplatz hatte ich Freundinnen, mit denen man tolle Sandburgen bauen konnte. Die Gender-Mainstreaming-Experten von heute wären stolz auf mich gewesen",

klopft sich MOHR selber auf die Schulter. Verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre, lautete dagegen Mitte der 80er die Diagnose, die fälschlicherweise gerne dem Soziologen Ulrich BECK zugeschrieben wird. Der Weg vom geläuterten Softie zum Individualisierungsoptimisten Reinhard MOHR vollzog sich seit den 80er Jahren, also irgendwo zwischen Zaungast und Generation Z:

"Wie Schneider gehörte auch ich (ohne Flusenpulli) zeitweise zu diesen tragikomischen Frauenverstehern, und ich erinnere mich noch, dass es mir irgendwann zu dämmern begann:
             Beziehungsdiskussionen, Selbstkritik und argumentative Vernunft, so wichtig sie sind, bestimmen das Leben nicht alleine. Schon gar nicht das Verhältnis zwischen Männern und Frauen, das jahrelang unter dem verkrampft pseudosoziologischen Begriff der »Verkehrsformen« abgehandelt wurde.
             Und so begannen in den achtziger Jahren die Mühen der Ebene, die Entfaltung der Dialektik der Emanzipation.
             (...).
Bei mir jedenfalls hat sich die feministische Zumutung, die mich vor dreißig Jahren durchaus noch irritiert und verunsichert hat, in ein, wie es aussieht, lebenslanges Laboratorium verwandelt, dessen Ergebnisse ich, versteht sich, natürlich ganz alleine ausbaden muss."

 
       
   

Reinhard Mohr im Gespräch

 
   

HOYER, Lutz (1993): Zaungäste - die Generation danach.
Der Autor Reinhard Mohr beschäftigt sich mit den zehn Jahre Jüngeren,
in: Berliner Zeitung v. 08.04.

 
       
   

Generation Z (2003).
oder Von der Zumutung älter zu werden
Berlin: Argon

 
   
     
 

Klappentext

"Sie waren zu jung für die Revolte von 1968 und zu alt für die Gründung von Internet-Cafés - die so genannten 78er - die Generation der »Zaungäste« -, kleine Brüder und Schwestern der berühmten 68er. Dafür hatten die 78er etwas, was keine Generation zuvor für sich in Anspruch nahm: die ewige Jugendlichkeit: Forever young war ihr Motto. Ob in der Uni oder in der Wohngemeinschaft - es wurde endlos diskutiert, herumexperimentiert und vom glücklichen Leben geträumt. Irgendwann wurden sie dennoch Chefredakteure, Staatsminister und Starjuristen...
Nun aber droht den erfolgreichen Berufsjugendlichen von einst der existenzielle Schock - das dramatische Herausfallen aus der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Stets verdrängt, kommt es nun mit irritierender Macht: das Älterwerden zwischen Prostata-Vorsorge und Rentenloch. Ein neues Lebensgefühl. Eine Unverschämtheit. Eine Zumutung!"

Inhaltsverzeichnis

Generation Z oder Von der Zumutung, älter zu werden.
Vorwort

1. Sind das etwa meine Hände? Menetekel des Älterwerdens
2. Der Bikini des Begehrens: Vom Geschlechterkampf nach vierzig
3. Der Single: Die 1-Mann-Kommune der Generation Z
4. Ein ganz neues Zeitgefühl: Zukunft war gestern
5. Das Leben frisst alle Theorie. Autobiographie als Philosophie der frühreifen Altersweisheit
6. Von der Revolte ins Rentenloch: Die 78er als Augenzeugen der Zeitgeschichte

Wir, Gott und die Welt: Wer nun, was nun?
Ein Nachwort

Zitate:

Die Generation Z als Motor der Individualisierung

"Gerade die 78er, die lebenskulturellen Kriegsgewinnler der Revolte von 1968, haben unter dem ideologischen Deckmantel der »Politik in der ersten Person« den Prozess der Individualisierung derart vorangetrieben, dass ihnen die spontane Freiheit des Willens hier und da zu Kopf gestiegen ist." (S.63).

Bekenntnis eines modernen Hagestolz

Ich kann da nur für mich sprechen, aber ich versuche, beklagenswerterweise, immer noch, dem allerletzten Ernst der Lage auszuweichen, so lange es geht. Bis auf den heutigen Tag bin ich meiner Verantwortung gegenüber der Schöpfung, der Gesellschaft und der gesetzlichen Rentenversicherung nicht ausreichend nachgekommen. Ich habe immer noch kein Kind gezeugt, kein Haus gebaut, und auch die Ehe habe ich gemieden wie der Teufel das Weihwasser - selbst dann noch, als sie, irgendwann in den frühen neunziger Jahren, auch in jenen Kreisen als cooles Abenteuer wieder entdeckt wurde, die sie vorher als spießige Achse des Bösen verächtlich gemacht hatten.
Möglichkeiten zum bürgerlichen Sündenfall hatte es gegeben, doch immer war es entweder zu früh oder zu spät, passte etwas hier oder dort nicht zusammen, waren die Zweifel zu groß und die Liebe zu klein. Die Angst vor der bedrohlichen Endgültigkeit der eigenen Wünsche war immer wieder stärker als die Sehnsucht nach ihrer Erfüllung". (S.63f.)

Die Frauen der Generation Z und das Elend der Männer

"Gerade die Geschlechtsgenossinnen der Generation Z (..) möchten das Niveau ihrer gewonnenen Ansprüche und Freiheiten ungern aufgeben. Da wird die eigene Biographie schon mal zum akuten Hindernis bei der Partnersuche.
(...).
Gerade die Generation Z, deren Leitmotiv die offene und emotionale Diskussion über alles und jedes war, hat es sich in den vollends aufgeklärten Schützengräben des Geschlechterkampfes bequem gemacht und betreibt in Liebesdingen weithin eine subtile Präventionsstrategie aus aktiver Gefahrenabwehr und vorbeugender Risikominimierung.
Ein aparter Stellungskrieg. Wer sich zuerst bewegt, so lautet die unausgesprochene Regel, hat schon verloren. Eine organisierte Kampfansage ans ungeplante Unglück."

Vom WG-Sponti zum Single-Bobo

"Nach der Abspaltung utopischer Ambitionen und revolutionärer Energien avancierte ein vitaler Perfektionismus zur neuen Ersatzreligion. Nun sollte es einem ganz einfach nur noch gut gehen.
(...).
Die Erfahrungen mit dem Leben zwischen Hochbett, Uni-VV und Flokati-Teppich waren äußerst nützlich für diese neue Lebensphase, denn ein Großteil der Generation Z begab sich auf den Weg der »bourgeoisen Bohemiens« - jener »Bobos«, wie sie der amerikanische David Brooks porträtiert hat: »Genies der Lebensläufe«, die aus alten, unüberbrückbar scheinenden Widersprüchen neue Wirklichkeiten fabrizieren." (S.103)

Das Single-Dasein als Schönwetter-Lebensform

"Der kranke Alleinleidende lebt exterritorial, er ist ein doppelt Vertriebener. Denn sein Reich, das bunte Beziehungsgeflecht der unbegrenzten Freiheit, existiert nur jenseits von Viren und Bakterien. Schon dauerhaft schlechte Laune schränkt den üblichen Bewegungsspielraum empfindlich ein. Dem Single geht es nur gut, wenn es ihm gut geht. Der Pflegefall ist ausgeschlossen." (S.108)

Pressestimmen

"Liest sich (...) wie die Kontaktanzeige des deutschen Muster-Schwiegersohns auf einer Heiratsmarkt-Website. Und irgendwann merkt der geneigte Leser, dass dieses Buch letztlich insgesamt ein Bewerbungsschreiben an die besten Töchter des Landes ist. Seht her, ein Mohr: Geläuterter Hippie, längst zu Hause in den urbanen Dschungeln der Stadtmitten, Multitasking-Experte, Freigeist und Konfigurator des guten Lebens. Auf den Schlag weg zu heiraten."
(Peter Felixberger in change X vom 20.08.2003)

"In Stil und Verarbeitung erinnert das Mohrsche Produkt insgesamt eher an einen Opel Astra. Und in dem will man nun wirklich nicht gesehen werden."
(Hanna Leitgeb in den Literaturen vom September 2003)

"Extremist ist der Ich-Erzähler nur noch in der Beurteilung von Roger Willemsen und schlechtem Wein. Intensiver essen, bewußter genießen, lautet der Imperativ."
(Gustav Falke in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung v. 08.09.)       

 
     
 
       
   
  • Beitrag von single-generation.de zum Thema

Das neue Ethos der Einsamen - Teil 1+2: Gesellschaftlicher Wandel und das neue Bild der Einsamkeit

Das neue Ethos der Einsamen - Teil 3+4: Leistungen und Grenzen der neuen Ratgeberliteratur

 
   

Rezensionen

FELIXBERGER, Peter (2003): Zorro statt Zero!
Generation Z - das neue Buch von Reinhard Mohr,
in: change X v. 20.08.

Peter FELIXBERGER - 5 Jahre jünger und kein Single - sieht Parallelen zu MOHR, aber auch Differenzen:

"Die Ich-, Wir- und Weltfindung ist gerade zu einer neuen Mission aufgebrochen. Leider ist sie riskant, gefährlich und bisweilen existenzbedrohlich.
Kurzum: Anstatt wie Mohr die »nächsten 30 Jahre das Leben zu genießen, Weisheit zu verbreiten und Glück zu teilen« wird ein anderer Teil der Generation Z das Leben herausfordern, Weisheit zertrümmern und Unglück ausbalancieren. Das klingt unverbesserlich, ist aber die einzige »Lebensoptimierungsstrategie« in der anbrechenden
Angst-Ära des Überall-immer-Weniger.
"

KORBES, Karl (2003): Keine Macht dem Altern.
Gesellschaftsporträt. Die Nach-68er kommen in die Jahre. Und wollen es nicht wahrhaben. Die 78er Generation wollte kaum mehr als nur "forever young" sein. Nun spart sie für die Riester-Rente. Kommt jetzt der späte Katzenjammer?
in: Rheinischer Merkur Nr.36 v. 28.08.

Karl KORBES schreibt aus der Perspektive der Generation Z, da kommt keinerlei Widerspruch auf, sondern alles wird abgenickt und sogar noch verdoppelt:

"»Was wollten wir doch hoch hinaus«, meinte neulich ein Zwölfender-Prachtexemplar, Kaliber 78, in einer unterkühlten Kreuzberger Szenekneipe im 90er Technostil nach dem elften Jägermeister zu seiner jungen Freundin: »Wir waren das Gipfelkreuz. Nur der Berg hat leider dazu gefehlt.«"

MIERSCH, Michael (2003): Trost für alte Kämpfer.
Was macht ein männlicher, heterosexueller Metropolensingle mit linksradikaler Sozialisation und Szenelebenslauf, wenn die Schläfen grau, die Lesebrille fällig und der Bauchansatz unübersehbar werden? Reinhard Mohr hat versucht, diese Frage ehrlich zu beantworten. In "Generation Z" beschreibt er das Dilemma einer ganzen Generation, die vom Altern kalt erwischt wurde,
in: Weltwoche Nr.35 v. 28.08.

Michael MIERSCH hat gerade selbst eine Lebensbeichte abgelegt, in der er sich über die Karrierelinke mokiert hat. Also ist Trost nötiger denn je...

STEIN, Hannes (2003): Die Sanduhr läuft.
Reinhard Mohr ist auf der schattigen Seite der 40 angekommen,
in: Welt v. 30.08.

Aus dem Jahr 3003 kommt Hannes STEIN Generation Z wie ein "schriftliches Zeugnis aus der späten Single-Epoche" vor.

LEITGEB, Hanna (2003): Reinhard Mohr: Generation Z,
in: Literaturen, Nr.9, September

FALKE, Gustav (2003): Mein Hühnercurry Nr.133.
Triebhaft: Reinhard Mohr sieht einer Generation beim Altern zu,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.09.

RIEDEL, Annette (2003): Reinhard Mohr. Generation Z,
in: Buch Tipp. Sendung des DeutschlandRadio Berlin v. 21.09.

WENZEL, Uwe Justus (2003): Der Zungenschlag des Zaungastes.
Reinhard Mohr über die "Generation Z",
in: Neue Zürcher Zeitung v. 30.09.

Uwe Justus WENZEL enttarnt Rheinhard MOHRs Generationenbild der Generation Z: "Reinhard Mohr beschreibt keine Generation mehr, er beschreibt ein Milieu, das seines eigenen Selbst".

BECKHARDT, Lorenz (2003): Midlife-Blues.
Wer früher jung war, ist heute alt - aber nicht weinen!
in: Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung  v. 01.12.

Lorenz BECKHARDT meint, der halbe MOHR wäre mehr gewesen: "Genau jene Teile seines Buchs, in denen Mohr seinen tristen Alltag als alternder Single beschreibt, in denen er den Erfahrungsbericht über seine Probleme mit Frauen und der leeren Wohnung präsentiert, hätte er dem gelangweilten Leser gut und gern ersparen können.
Umso unterhaltsamer die Passagen, die von Vergleichen zwischen 1978 und 2003 leben, von Erfahrungen, die eine Generation treffend beschreiben."

 
       
   

Zaungäste (1992).
Die Generation, die nach der Revolte kam
Frankfurt a/M: Fischer

 
   
     
 

Klappentext

"Sie ist unübersehbar, aber man kennt sie nicht: die Generation derer, die heute ca. 33 bis 39 Lebensjahre zählen. In der öffentlichen Meinung ist sie merkwürdig profillos geblieben. Und doch hat sie einen eigenen Charakter. Auch wenn der Zeitgeist die Generation der »78er« behandelt, als sei sie durch den Rost der Geschichte gefallen - im Jahr 2000 wird sie die Geschicke der Bundesrepublik entscheidend mitgestalten"

Inhaltsverzeichnis

Prolog

1. Von der befreienden Gewalt zur zivilen Gesellschaft

2. Das Individuum löst sich vom Kollektiv

3. Vom Teach-In zur Talkshow

4. Häutungen: Geschlechterverhältnisse

5. Von der Utopie zur Karriere

6. Wie die Ökologie zur Großmacht wurde

7. Von der Kulturindustrie zur simulierten Welt

8. Die Zyniker: Im Zirkel der Selbstrechtfertigung

Epilog

 
     
 
       
   

Rezensionen

ULRICH, Bernd (1992): Wie das warme Messer durch die Butter.
Reinhard Mohr entlarvt in seinem jüngsten Essay die Generation der 78er, eine Generation mit zu vielen Eigenschaften und zu wenigen Erfahrungen,
in: TAZ v. 01.09.

"Wenn man sich für die Potentiale der Generation interessiert, die, wenn die Geschichte sie nicht einfach überspringt, die Republik ins neue Jahrtausend führen wird, muß man mehr leisten als die Kritik des Futons am Hochbett. Keine angemessene Würdigung finden bei Mohr zwei Sieger der 78er, die die Gesellschaft heute teuer zu stehen kommen.
            
Zum einen der Triumph der Abzockermentalität. (...). Sie waren die erste Generation, die aufgrund virulenter Staatsfeindlichkeit keine Hemmungen beim Abzocken des sozialliberal expandierenden Wohlfahrtsstaates hatte (...). Sie lassen sich vom Staat alimentieren und bilden die zähe Masse bei vielen Alternativprojekten, von der taz bis zu den Grünen. (...).
            
Zum anderen das Singletum. Die 78er sind die ersten, bei denen das »strukturell« verschwenderische Singleleben massenweise von der Lebensphase zur Lebensform wurde. Die Hälfte der Haushalte in den Großstädten sind Single-Haushalte. Der gesellschaftlich prägendste Teil davon sind die 78er. Sie üben - sozial und räumlich flexibel, wie sie sind - einen enormen Konkurrenzdruck auf dem Arbeitsmarkt aus und fühlen sich dabei immer als potentielle Opfer, weil sie ja allein sind", kritisiert Bernd ULRICH.

ZAHLMANN, Christel (1992): Lauter arme Schweine.
Reinhard Mohr über seine Generation: "Zaungäste",
in: Frankfurter Rundschau v. 30.09.

STEGERS, Rudolf (1993): Wir Achtundsiebziger oder Aus guter alter Zeit, 
in: Der Alltag, Heft 62, Februar

"Auch das Porträt der Achtundsiebziger hat ein Vorbild. Bei den Insidern steht der Bestseller Von der Nutzlosigkeit, erwachsen zu werden seit 1985 auf dem Ikea-Regal. Damals trösteten Georg Heinzen und Uwe Koch - deren sanftes Ich mit Reinhard Mohr das Geburtsjahr 1955 teilt - ihre so stolze wie bange Leserschaft durch das Einvernehmen der Ausweglosigkeit. Bloß die Umschlagzeichnung eines Gummibärchens vor dem Platzen seiner Puppe ließ hoffen. Mittlerweile haben die Achtundsiebziger sich entlarvt: als passionierte Zyniker, die Mühe haben, das Hier und Jetzt ihres Daseins vor Aggression und Depression zu schützen", meint Rudolf STEGERS zum Buch Zaungäste von Reinhard MOHR.

 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 02. Februar 2001
Stand: 05. Juli 2015