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- WACKWITZ, Stephan (1999): Popmusik,
Literatur und die Erzeugung schwerer Zeugen,
in: Merkur, H.1, Januar
- Kommentar:
WACKWITZ greift Diedrich DIEDERICHSENs
Unterscheidung von Hipstern und Hip-Intellektuellen im
Buch "Sexbeat"
auf, um sich dem
dialektischen Verhältnis von Pop und Antipop bzw. von Hochkultur und
Popkultur zu widmen:
"Die Umarbeitung des leichten
in das schwere Zeichen (...) ist eine parasitenhafte, eine
vampiristische Operation. Wo Spaß ist, soll Ernst werden, der
Schwachsinn darf nicht sein, was er ist; im
frühromantisch-ironischen Licht muß er als Tiefsinn erscheinen.
Sobald die Hochkultur ein Fenster geöffnet hat, muß sie daran
arbeiten es wieder zuzumauern (...). Die Wellen kunstvoller
Rebarbisierung (Punk, Grunge,
Techno),
von denen die Popmusik mit zwangsläufiger Periodizität heimgesucht
wird, sind auch Versuche, der Heimholung in die Hochkultur zu
entgehen, an der die Hip-Intellektuellen andererseits rastlos
arbeiten."
- WACKWITZ, Stephan (2000): Der
Aufsteifungsrappel,
in: TAZ v. 17.06.
- WACKWITZ, Stephan (2001): Es war was
faul im Staate Deutschland.
Gerd Koenens Buch "Das rote Jahrzehnt" - ein
mutiger, bewegender Akt des politischen Exorzismus der Jahre von
1967 bis 1977,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 28.05.
- WACKWITZ, Stephan (2001): Im
Zaubermantel der Verneinung.
Fünfzig Jahre "Minima Moralia", fünfzig Jahre
"Fänger im Roggen": Ein Plädoyer dafür, Adornos Kulturkritikbuch als
Zwilling von Salingers Roman zu begreifen. Zugleich ein Rückblick
auf die Siebzigerjahre, als das Ganze noch das Unwahre war
in: TAZ
v. 24.11.
- Kommentar:
WACKWITZ outet
sich als "zu dünner, tolpatschiger, pickliger und bebrillter
Erstsemester", der er Anfang der 70er Jahre war. Heute würde man
dies kurz als "nerdisch" (abgeleitet von
"Nerd")
bezeichnen.
Damals las WACKWITZ die
Bibel der moralischen Individualisten und kompensierte damit den
Frust, dass er bei einer uschiobermeierhaften (Angehörige der
Generation Golf können hier veronafeldbuschhaften einsetzen)
Kommilitonin nicht ankam.
Damals las er die
"Minima Moralia" von
ADORNO am
Germanistischen Seminar (Angehörige der Generation Golf setzen
hier das wirtschaftswissenschaftliche Institut und
"Elementarteilchen" von
Michel HOUELLEBECQ
ein). Für WACKWITZ ist Adorno der "J.
D. Salinger der Philosophie" und die Kommentarstimme der
"Minima Moralia" der "Holden Caulfield der Kritischen Theorie". Er
kritisiert beide als Verführer unglücklicher Jugendliche und
ärgert sich, dass er stattdessen keine Benimmbücher gelesen hat,
in dem ihm beigebracht worden wäre, wie er diese Angebetete
rumgekriegt hätte. Leben statt Politik ist seine jetzige
Devise und deshalb beneidet
er die Generation Golf:
"Und wenn ich viele junge
Leute des Jahres 2001 kennen lerne - ihre unbefangene
Zutraulichkeit, ihr entspannter Umgang mit gesellschaftlichen
Anforderungen, ihre Freundinnen und oft sogar schon Ehefrauen -,
dann bin ich einfach neidisch. Nicht nur, weil ich älter werde und
alle Älteren auf alle Jungen in gewisser Weise neidisch sind.
Sondern ich bewundere und neide ihnen ein bisschen eine Jugend
ohne unsere Vorbilder."
Dies ist zwar besser als die
Position jener, die sich hinter dem "Narzissmus-Vorwurf"
verschanzen, aber dann doch zu einfach, wenn politisches
Engagement auf den Ausdruck pubertären Unglücks verkürzt wird.
Der Erfolg von
Michel HOUELLEBECQ
bzw. von
Christian KRACHT
zeigt, dass WACKWITZ die heutige Jugend durch die rosarote Brille
des Alters sieht.
Wahrscheinlich gehörte er Ende
der 70er Jahre zu jenen, die
Jochen SCHIMMANGs "Der schöne Vogel Phönix"
verschlungen haben, denn die Bilanz ähnelt frappant jener von
SCHIMMANG.
Der von WACKWITZ genannte
"Meister RUTSCHKY"
hat nicht nur 1984 seine Leseerfahrung der "Minima Moralia"
niedergeschrieben, sondern auch in der Welt vom 17.11.2001 seine
neueste Bilanz veröffentlicht.
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WACKWITZ, Stephan (2003): Das Buch aus Sand.
Teddy, der Inkommensurable (1): Die "Dialektik der Aufklärung"
von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer als heiliger Text gelesen -
um tote Buchstaben mit lebendigem Geist zu erfüllen,
in: TAZ v. 11.01.
- Inhalt:
Stephan WACKWITZ eröffnet eine TAZ-Serie zum 100.
Geburtstag von
Theodor
W. ADORNO. Er erzählt (s)eine Geschichte pubertärer,
bildungsbürgerlich inspirierter Konsum- pardon! Literaturerfahrung
anhand der "Dialektik der Aufklärung". Oftmals spielt dabei das
andere Geschlecht die entscheidende Rolle, so auch hier:
"Im Frühling zuvor, 1970, war ich
als Zögling des Uracher »Evangelisch-Theologischen Seminars« ein
verlängertes Wochenende zu einem Informationsbesuch und
Probewohnen im Tübinger Stift eingeladen (...). Ich lernte an
diesem Wochenende (...) ein sehr blondes und meiner Erinnerung
nach bestrickend grünäugiges Mädchen kennen, deren unverhohlen
demonstriertem Interesse an mir ich trotz heftiger Sehnsucht und
Geschmeicheltheit erwartungsgemäß und wie damals üblich aufgrund
meiner entsetzlichen Scham, Selbstablehnung und Angst nur mit
ironisch-verklemmter Distanz begegnen konnte (...).
Dieses Mädchen (...) sagte damals, auf einer Böschungsmauer über
dem Neckar zwischen Hölderlinturm und Brücke sitzend,
wahrscheinlich, um mich zu beeindrucken, sie lese im
Deutschunterricht unter der Bank heimlich »Traditionelle und
Kritische Theorie« von Max Horkheimer. (...). Ich aber, der ich
mit neunzehn das himmelblaue Fischerbändchen mit Horkheimers
grundlegendem Aufsatz zwar schon verschiedentlich gesehen, aber
immer einen weiten Bogen um es gemacht hatte und mich darüber
jetzt plötzlich ganz unverhältnismäßig schämte, beschloss, ihr
nicht mehr unter die Augen zu treten, als bis ich nicht nur
»Traditionelle und Kritische Theorie« gelesen, sondern mir
überhaupt solidere Kenntnisse »in Theorie« verschafft haben würde.
(...).
Und obwohl die ganze schöne Überlegung sowieso nur eine
Unehrlichkeit und Lüge vor Gott und den Menschen und vor allem mir
selbst gewesen ist, die vergessen machen sollte, dass ich mich
nicht getraut und es in der Folge dann vor Verklemmtheit auch
wirklich nicht über mich gebracht habe, von der Adresse und
Telefonnummer, die sie mir bei unserem Abschied, bevor ich wieder
in die Klosterschule zurückfahren musste, in die Hand gedrückt
hat, den einzig vernünftigen Gebrauch zu machen und sie einmal
anzurufen. (...). Und der Kauf der »Dialektik der Aufklärung« war
somit auch der verzweifelt-ungeeignete Versuch, einen Moment auf
der Böschungsmauer über dem Neckar zwischen Hölderlinhaus und
Brücke wiederzubeleben. Ich hatte von Anfang an vor, den toten
Buchstaben mit lebendigem Geist zu erfüllen."
- WACKWITZ, Stephan
(2003): Der Messias ist nicht gekommen.
Versuch über die Befreiung,
in: Merkur, Februar
- Inhalt:
WACKWITZ arbeitet sich weiter an seinem
70er-Jahre-Trauma ab:
"»Und über die Wasser weht's kalt.« Der Schrecken
des selbstverschuldeten Alleinseins in Eichendorffs Zeile, die das
biblische Bild vom Geist Gottes über den Wassern in eine
trostlose, von allen guten Geistern endgültig verlassene
Naturschilderung umgestaltet, hat mich seit 1975, als ich meine
erkünstelte fortschrittliche Kleinbürgerexistenz an der Seite der
Arbeiterklasse zum ersten Mal zu verlassen und aufzugeben
versuchte, durch mein Leben begleitet, wobei es mir in dessen
Verlauf nach und nach gelungen ist, gleichsam immer größere
Quanten seiner Angstenergie (...) in Sinnbilder überwundener
Schmerzen, fast in etwas Schönes und mich jedenfalls nicht mehr
rettungslos Überwältigendes umzuarbeiten - eine Arbeit, in der
ich, je älter ich mittlerweile geworden bin, den eigentlichen Sinn
meines Daseins zu erkennen glaube".
Wie immer fehlt auch dieses Mal
Theodor
W. ADORNO nicht.
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WACKWITZ, Stephan (2003): Geheime Signale kindlicher Gesten.
Das Innenleben eines Gründervaters unserer Republik: Die
Tagebücher Rudi Dutschkes sind ein berührendes Dokument. Sie sind as
Arbeitsjournal eines unermüdlich lesenden Intellektuellen. Rudi
erweist sich zudem als Genie der Freundschaft,
in: TAZ v. 09.04.
- Kommentar:
Stephan WACKWITZ wandelt auf den Spuren von
Michael RUTSCHKY ("Lebensromane")
und beschreibt die Passung zwischen der vaterlosen 68er-Generation
und dem Studentenführer Rudi DUTSCHKE:
"Es ist (...) kein Zufall, dass
Rudi
Dutschke - die charismatischste und sympathischste Führergestalt
der von diesem Familienroman bewegten Studenten - vor allem durch
die kindlichen Züge in seiner medialen Selbstdarstellung und
autobiografischen Selbststilisierung gewirkt hat und heute noch
wirkt. Der bubenhafte Vorname; die rebellenhaft herausgewachsene
Konfirmandenfrisur; der Ringelpullover. Man muss in der nun
erschienenen (...) Ausgabe von Rudi Dutschkes Tagebüchern und
autobiografischen Aufzeichnungen noch einmal die Bilder
betrachten, um zu wissen, auf welche Weise, aber auch in welchen
emotionalen Tiefen dieser Mann seine Generation gerührt hat: das
Kinderglück im Gesicht des Studentenführers, wie er auf dem
legendären Vietnamkongress im Februar 1968 neben seinem Freund
Gaston Salvatore (unglaublich gut aussehende junge Männer der eine
wie der andere) lachend die Fäuste hochhebt, als habe die E-Jugend
des FC Luckenwalde gerade ein Tor geschossen".
Stephan WACKWITZ schwärmt Zeile für Zeile von der "authentischen,
nie kitschig oder
phony
wirkenden, vielleicht wirklich fast jesuanischen oder
franziskanischen Kindlichkeit, Unschuld und Vertrauensseligkeit
Rudi Dutschkes".
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WACKWITZ, Stephan (2003): Diskursrock? Ich bin dafür.
Anmerkungen eines älteren Junggesellen zur neuen Blumfeld-CD,
in: Die ZEIT Nr.36 v. 28.08.
- Inhalt:
Stephan
WACKWITZ überwindet seine Vorurteile:
"Jenseits
von Jedem ist, ich muss es gestehen, mein erstes
Blumfeld-Album. Was mich vor diesem Rezensionsauftrag immer davon
abgehalten hat, eine Platte von Blumfeld intensiver anzuhören, war
deren Image als Popband für den denkenden Menschen mit Abitur,
Anspruch und Diskurshoheit, eine Planstelle, die in meiner
Generation für die nächsten 250 Jahre legitimerweise nun einmal
einzig von den für diesen Job immerhin ausreichend
selbstironischen, lustigen und krawallschachtelmäßigen Klassikern
Pete Townsend und The Who besetzt ist".
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WACKWITZ, Stephan (2005): Attraktivere ältere Herren.
Womit haben sexuell aktive Junggesellen eigentlich die schlechte
Presse verdient?
in: Welt v. 02.02.
- Inhalt:
Der Schriftsteller Stephan WACKWITZ,
sporadisch Autor für das
antifeministische Kampfblatt MERKUR,
verteidigt den
Hagestolz gegen seine Verächter:
"Jenseits
der 35 dagegen hat der unverheiratete Mann entweder schwul zu sein
(noch besser: impotent) oder sich zu verstecken, wenn er der (hier
plötzlich ganz ungebremsten, von politisch korrekten Skrupeln
nicht angekränkelten) Diskrimination durch einen längst zum
Mainstream, zur politischen Folklore und einer Art theoretischer
Airport Art gewordenen Feminismus entgehen will. Viel
Gedankenloses und Grausames ist da im Spiel, viel Neid übrigens,
wie erwähnt, zum Teil leider auch. Der ältere Mann ist dem
populärfeministischen Mainstream zufolge entweder Ehemann oder
Loser. Er hat die
Wahl zwischen den Rollenfächern Pantoffelheld, vereinsamt und
verwahrlost vor sich hinmuffelnder Sonderling oder demütiges
Scheidungsopfer, das selber schuld dran ist und in entwürdigenden
Fernsehshows um seine Frau »kämpft«."
WACKWITZ plädiert,
ermutigt von der erstarkenden
antifeministischen Bewegung, für die Rehabilitation des
älteren Junggesellen:
"Eine
zukünftige Bachelor-Pride-Bewegung, als deren Grand Old Sack ich
mich mit dieser kleinen Polemik hiermit schon mal perspektivisch
bewerben und ins Gespräch bringen möchte, sollte zunächst
vielleicht nicht mehr tun, als vom frühen Feminismus zu lernen"
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Neu:
WACKWITZ, Stephan (2005): Alles über meine Mutter.
Der Schriftsteller Stephan Wackwitz taucht ganz tief in die
Geschichte seiner Familie ein,
in: Welt v. 16.04.
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Klappentext
"Der
Familienroman von Stephan Wackwitz, ist auf der
Suche nach den Erinnerungen an eine lange vergangene
Zeit, von der man nichts oder doch nur wenig weiß,
und die einen - manchmal befürchtet man das eher,
als dass man es gerne bemerkt - viel mehr
beeinflusst haben, als man glaubt. Sie haben in der
Familiengeschichte und im eigenen Leben ihre Spuren
hinterlassen - und was ist es für ein Glück, wenn
man dieses ferne, unerschlossene Land plötzlich, für
einen kurzen Moment nur, aufleuchten sieht. Wackwitz'
Vater bekommt Post von einem seltsamen Amt, das ihm
die Kamera seines Vaters schickt, in der sich ein
belichteter, aber noch nicht entwickelter Film
befindet. Die Kamera war von den Engländern
konfisziert worden, die das deutsche Schiff, auf dem
der Großvater Ende der 30er Jahre nach Deutschland
zurück reisen wollte, vor Afrika aufgebracht hatten.
Er selbst geriet in Gefangenschaft, was ihm den
Krieg erspart hat. Jahre später hat dieser Großvater
einen Lebensbericht für seine Enkel geschrieben, der
in Schlesien beginnt und in der Bundesrepublik
endet. Die Frage für den Nachkommen ist: Was kann
ein Nachkomme aus dieser Vergangenheit für das
eigene Leben lernen? Was erfährt er von sich, in
dieser Vor-Geschichte seiner Familie? Was sieht er
auf den Fotos in der Kamera, die vielleicht die
lange vergangene Zeit in sich verbirgt?"
Michael Rutschky
über den Familienroman
"Im Jahr 1909 hat Professor Freud einen kurzen
Aufsatz veröffentlicht, der den »Familienroman der
Neurotiker« wie er es nennt, darlegt und analysiert.
Dieser »Familienroman« ist eigentlich der Inbegriff
dessen, was wir einen Lebensroman nennen wollen. Er
verlangt nicht nach der Niederschrift, er verbietet
sie sogar; denn er will in den Phantasien,
Empfindungen und Handlungen seines Helden und Autors
festhängen. Seine Tagträume zu erzählen, fällt
außerdem jedem Tagträumer außerordentlich schwer;
und sie anzuhören von jemand anderem, weckt das
heftigste Gefühl der Peinlichkeit."
(aus: Michael Rutschky
"Lebensromane", 1998, S.12)
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