"Sabine
verheiratet! Sie war doch erst einundzwanzig! Außerdem
benahm sie sich ziemlich ledig. (...).
Sie erklärte mir, daß der Grund für diese Untat irgendwie
mit der Bundeswehr zusammenhing. Er hatte verweigert, und
als Verheirateten, noch dazu in Berlin, konnten sie ihn
nicht so leicht kassieren oder so ähnlich." (S.110)
Eva und die Kinderfrage
"Heike
zeigte mir ihr Brautkleid. Weiße Spitze, recht elegant. Wir
verbrachten einen harmonischen Abend zu dritt. Einigermaßen
schockiert war ich, daß sich die Gespräche der beiden
bereits um Kinder, jawohl, Plural, »Kinder!«, drehten, die
sie sich alsbald zulegen wollten. Der Gedanke an Geburt und
Säuglingsaufzucht hatte für mich etwas Bedrohliches. (...).
Heike, der Inbegriff der Karrierefrau, die sie für mich
immer gewesen war, sollte zum lebenden Brutkasten degradiert
werden. Tragisches Opfer eines eitlen Vermehrungstriebes.
Meine Welt geriet zusehens aus den Fugen. "(177f.)
Eva und die ideale
Liebesbeziehung
"Liebe
und Freundschaft zugleich, Harmonie des Geistes, Sex
natürlich auch, aber jedem seinen Freiraum. Liebe und
Freiheit, das war's." (187)
Eva und die Kehrseite des
Single-Daseins
"Die
Wochenenden zu überleben kann in meiner Situation eine
knallharte Sache sein. Liebespaare und Familien laufen einem
allenthalben über den Weg, bis man sich gar nicht mehr
allein aus dem Haus wagt." (8)
"Samstags
holen meistens die Männer die Brötchen.
Heikes Gegenwart bedeutete einen Aufschub von ein paar
Stunden. Sie lauerten schon in den Zimmerecken, ich konnte
sie genau spüren, die Dämonen des Selbstmitleids und der
Verzweiflung.
»Komm du nur allein nach Hause«, schienen sie zu flüstern.
Sie würden früher oder später erbarmungslos über mich
herfallen, das war klar." (51)
"Die
vergangenen zwei Wochen war ich so viel mit mir allein
gewesen wie sonst in zwei Jahren nicht. Das war ungewohnt,
manchmal fühlte ich mich wie ein entwurzelter Baum. Hier war
ich plötzlich ein Nichts, ein Niemand, namenlos, ein Gesicht
unter Millionen unbekannten Gesichtern auf den Straßen
Berlins." (79)
"Es tat
gut, ihr ein bißchen was erzählen zu können. Der
Gebührenzähler klickte erbarmungslos vor sich hin. Ich
verabschiedete mich, nur wenige Einheiten von meinem
endgültigen finanziellen Ruin entfernt.
Nachdem ich aufgelegt hatte, erschien mir mein großes,
gelbes Zimmer richtig trostlos und einsam." (89)
"Ach ja,
apropos Sex, da fiel mir ein, wo war denn eigentlich das
echte, wilde Großstadtleben geblieben, dem ich nachgelaufen
war? Ein paar lange Nächte in der Disco, das kann es doch
nicht gewesen sein? Seitdem ich hier war, lebte ich solider
als jeder buddhistische Mönch." (118)
"Über
Weihnachten fuhr ich zu meiner Familie. Meine Eltern wären
sicher über die Maßen erzürnt gewesen, wenn ich mich nicht
hätte blicken lassen. Und im geheimen freute ich mich sogar
auf das Fest, es war trotz des vorhergehenden Rummels noch
immer etwas Besonderes." (144)
"Manchmal
ertappte ich mich, wie ich intensiv die Kontaktanzeigen in
der zitty und im tip studierte. Sogar die
WW! Wenn ich an einem Fotoatelier vorbeikam, guckte ich
mir die Bilder der Frischvermählten an. Alles höchst
bedenkliche Alarmsignale". (189f)
Das Single-Dasein im
mittleren Lebensalter als Problem
"Zu
meiner Erleichterung gab es ein paar wenige Frauen im reifen
Alter von Fünfundzwanzig und darüber, so kam ich mir nicht
mehr gar so sehr vor wie die Sitzengebliebene in einem
Erstkläßlerhaufen." (71)
"Ein
Spruch, »Männer sind wie Klos, entweder besetzt oder
beschissen«, blieb mir im Gedächtnis haften. Ein Körnchen
Wahrheit steckte da schon drin. Aber noch hatte ich die
Hoffnung nicht ganz aufgegeben. Womöglich war ich nur gerade
in einem ungünstigen Alter. Wenn ich ein paar Jährchen
wartete, bis dahin wären bestimmt die ersten »Besetzten«
schon wieder geschieden... Die Statistik gab mir immerhin
recht, in Berlin wurde sogar jede zweite Ehe geschieden, das
hatte ich neulich gelesen. Da mußte doch mal einer frei
werden, der nicht gar so beschissen war! Also cool bleiben
und abwarten, befahl ich mir aufmunternd". (80)
"Ein
Gedanke fing an mich zu quälen wie eine lästige Stechmücke,
die einem ständig um die Ohren surrt: Und wer ist für mich
da, wer versteht mich?
Kein Schwein, antwortete ich mir selber. Meine beste
Freundin heiratet, bald wird man kein vernünftiges Wort mehr
mit ihr wechseln können, ich bin ganz allein auf der Welt.
Was ist das überhaupt für ein Leben, das ich inzwischen
führe? Gelegentliche one-night stands mit Typen, die mir
nichts bedeuten, dubiose Aushilfsjobs, obwohl ich doch ein
Studium habe (...). Ist das ein spannendes, sinnvolles Leben
als Individualistin, wie ich es immer führen wollte? Was ist
daran spannend? Und was ist individuell?
(...)
Gibt es denn nur noch Verheiratete, Chaoten oder Langweiler
für mich?" (179f.)
Freundschaften
"Irgendwie hatten die Feministinnen in den Frauenbüchern
schon recht, unter uns Frauen herrschte einfach viel zu
wenig Solidarität. Hatte ich mich nicht selber auch so
angepaßt verhalten oder womöglich noch schlimmer? Beschämt
gestand ich mir ein, wie oft ich Max, Micha, Heike, wen auch
immer, mit oberfaulen Ausreden abgespeist hatte. Reihenweise
Verabredungen hatte ich kaltlächelnd platzen lassen, wenn
mein Herr Liebhaber ganz überraschend Zeit für seine
Mätresse erübrigen konnte.
Warum bloß benehmen wir Frauen uns so bescheuert, fragte ich
mich. Vernachlässigen die Männer etwa ihre Freund und
Hobbys, wenn eine Frau in ihr Leben tritt? Nicht die Bohne!
(...). Bloß wir sind blöd genug, alles sausenzulassen, damit
wir dem Typen uneingeschränkt zur Verfügung stehen." (117)
Coole Single-Sprüche
"Wenn mir
nach einer intelligenten Unterhaltung zumute ist, führe ich
Selbstgespräche" (176)
"Jetzt
reichte es mir langsam. »Hör mal, du kannst hier gerne
warten, aber ich muß jetzt gehen. Hab ein wichtiges Date«.
Das war glatt gelogen, aber notfalls würde ich mich lieber
in der nächstbesten Eckkneipe herumdrücken, als hier noch
länger den Mülleimer zu spielen." (226)
Eva und die Konfrontation
mit den Stereotypen des Single-Daseins
"Mir fiel
eine Zeile aus Rilkes »Herbsttag« ein, wir hatten das
Gedicht in der Schule lernen müssen:
Wer jetzt
kein Haus hat baut sich keines mehr,
wer jetzt allein ist wird es lange bleiben.
Vielleicht ist der Herbst eine schlechte Zeit für einen
Neubeginn, grübelte ich, aber wer kann sich das schon immer
aussuchen?" (66)
Eva und die Bindungsangst
"War ich
wirklich bindungsunfähig? Es sah fast danach aus. Jetzt, wo
ich sie beide haben konnte, sah ich sie auf einmal ganz
nüchtern. Schon war's aus mit dem Liebeszauber.
Waren es diese Zukunftsaussichten wert, meine
Selbständigkeit aufzugeben und ein Leben als dekadentes
Luxusweibchen zu führen, abzudriften in das, was man als
»Mittelmäßigkeit« bezeichnete? Wollte ich so leben? Ich, die
ich mich immer für etwas Besonderes gehalten hatte?" (245)
Berlin liebt Dich
"Ah, es
war herrlich, wieder hier in Berlin zu sein. Die Luft roch
nach Abenteuer, dazu diese rund um die Uhr belebten Straßen,
die zahllosen Kneipen, die Leute in ihren abgefahrenden
Klamotten, all das genoß ich jedesmal wie am ersten Tag. Wie
hatte ich nur so lange in der Provinz leben können? Ich
mußte endgültig raus aus der versnobten Kleinstadt, raus aus
dem aufgeräumten Bayern mit seiner Geranien- und
Jägerzaunromantik." (19)
"Sobald
etwas in meinem Leben schiefläuft, verschwinde ich. (...).
Soll ich ewig so weitermachen? Ich habe Freunde gefunden, es
gefällt mir doch hier, warum alles aufgeben? Weil ich
momentan verzweifelt bin? Ich muß endlich aufhören
wegzulaufen, sonst werde ich mein Leben lang vor etwas
weglaufen.
Aufgebracht durchmaß ich immer wieder die Wohnung.
Ich werde bleiben. Ich muß bleiben. Ich glaube, ich liebe
Berlin, trotz alledem."