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Thomas Mann: Tonio Kröger

 
       
     
       
     
       
   

Tonio Kröger/Mario und der Zauberer  (1973)
Frankfurt a/M: Fischer Verlag

 
   
 
 

Klappentext

"»Tonio Kröger«, eine »Prosa-Ballade« aus dem Jahr 1903, die die »intellektuelle und radikale Jugend, die den Radikalismus damals freilich noch nicht politisch meinte «, als »ihrgemäß ergriff«"

Unerwiderte Liebe

"Es kam der Tag, wo er berühmt war, wo alles gedruckt wurde, was er schrieb, und dann würde man sehen, ob es nicht Eindruck auf Inge Holm machen würde... Es würde keinen Eindruck machen, nein, das war es ja. Auf Magdalena Vermehren, die immer hinfiel, ja, auf die. Aber niemals auf Inge Holm, niemals auf die blauäugige, lustige Inge. Und war es also nicht vergebens?...
Tonio Krögers Herz zog sich schmerzlich zusammen bei diesem Gedanken. Zu fühlen, wie wunderbare spielende und schwermütige Kräfte sich in dir regen, und dabei zu wissen, daß diejenigen, zu denen du dich hinübersehnst, ihnen in heiterer Unzugänglichkeit gegenüberstehen, das tut sehr weh. Aber obgleich er einsam, ausgeschlossen und ohne Hoffnung vor einer geschlossenen Jalousie stand und in seinem Kummer tat, als könne er hindurchblicken, so war er dennoch glücklich.
(...).
Mehr als einmal kränkte es ihn, daß er mit Magdalena Vermehren, die immer hinfiel, sprechen konnte, daß sie ihn verstand und mit ihm lachte und ernst war, während die blonde Inge, saß er auch neben ihr, ihm fern und fremd und befremdet erschien, denn seine Sprache war nicht ihre Sprache; und dennoch war er glücklich. Denn das Glück, sagte er sich, ist nicht, geliebt zu werden; das ist eine mit Ekel gemischte Genugtuung für die Eitelkeit. Das Glück ist, zu lieben und vielleicht kleine, trügerische Annäherungen an den geliebten Gegenstand zu erhaschen. Und er schrieb diesen Gedanken innerlich auf, dachte ihn völlig aus und empfand ihn bis auf den Grund."

Unzugehörigkeit

"Ich stehe zwischen zwei Welten, bin in keiner daheim und habe es infolgedessen ein wenig schwer. Ihr Künstler nennt mich einen Bürger, und die Bürger sind versucht, mich zu verhaften... ich weiß nicht, was von beiden mich bitterer kränkt. Die Bürger sind dumm; ihr Anbeter der Schönheit aber, die ihr mich phlegmatisch und ohne Sehnsucht heißt, solltet bedenken, daß es ein Künstlertum gibt, so tief, so von Anbeginn und Schicksals wegen, daß keine Sehnsucht ihm süßer und empfindenswerter erscheint als die nach den Wonnen der Gewöhnlichkeit." 

Stimmen zu Tonio Kröger

"Von allen Gestalten, seien es literarische Gestalten oder Literaten selbst, deren Schicksal daraus bestand, daß sie gerne eine Frau gehabt hätten, aber keine hatten, daß sie immer gerne im Leben gewesen wären und doch außerhalb des Lebens standen, war mir immer die Gestalt des Tonio Kröger am meisten aufgefallen; ja, man kann sagen, daß mich der Held dieser trübsinnigen Novelle von Thomas Mann seit meiner Mittelschulzeit ununterbrochen begleitet hatte. Auch diese Figur stand nicht richtig im Leben und war immer deprimiert; auch diese Figur hatte mit dem »Höheren« zu tun und mußte darum auf die »Wonnen der Gewöhnlichkeit« verzichten. Tonio Kröger war eben ein Künstler, und als solcher war es seine Aufgabe, das Leben nicht zu erleben, sondern nur zu beschreiben."
(aus: Fritz Zorn "Mars", 1977, S.93)

 
 
 
       
     
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 12. Mai 2003
Stand: 23. Oktober 2013