Thomas SAUM-ALDEHOFF stellt zuerst klar, dass Alleinsein und Einsamkeit zwei verschiedene Dinge sind. Danach referiert er verschiedene Aspekte der Einsamkeit und Zusammenhänge mit anderen Phänomenen wie Alleinsein, Depression, Zurückweisung und soziale Bindungen. Zur Entstehung von Einsamkeit können unterschiedliche Faktoren beitragen wie kritische Lebensereignisse, Vermeidungsverhalten, sozialer Rückzug usw. Danach referiert SAUM-ALDEHOFF Untersuchungen zu den schädlichen Wirkungen von Einsamkeit, um dann die zeitdiagnostisch lapidare Aussage zu treffen, dass Einsamkeit ein Phänomen unserer Zeit sei:

"Laut dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung wohnen heute in Deutschland 16 Millionen Menschen solo - vor 20 Jahren waren es nur knapp 12 Millionen. Das liegt nicht vorrangig an der Alterung der Bevölkerung und dem höheren Anteil an Verwitweten. Vielmehr ist der Anteil von Singlehaushalten vor allem bei jungen Menschen im Alter von 20 bis 35 Jahren gestiegen."

Während zu Beginn des Artikels die Unterschiede zwischen Alleinsein und Einsamkeit betont werden, werden im Rahmen der Zeitdiagnostik diese Unterschiede ignoriert bzw. der statistische Sachverhalt des Alleinlebens mit Alleinsein gleichgesetzt, obwohl zu den Alleinlebenden auch Zusammenwohnende gehören, die nur nicht zusammenwirtschaften bzw. Menschen, die in Wohngemeinschaften leben. Eine Seite zuvor heißt es dagegen bei SAUM-ALDEHOFF:

"Nicht in jungen, wohl aber in mittleren Lebensjahren leiden einsame Menschen (...) unter Stressoren, die ihren sozialen Rückzug noch verstärken: mehr Scheidungen, mehr Nachbarschaftsstreit, mehr Konflikte am Arbeitsplatz, mehr Entfremdung."

Dies aber würde dafür sprechen, dass nicht die Zunahme der Singlehaushalte im Alter von 20 - 35 Jahren, sondern die geringe Anzahl von Singlehaushalten bei den 35-45 Jährigen zur Einsamkeit beiträgt. Darunter befinden sich die Problemgruppen der männlichen Scheidungssingles sowie der unfreiwillig Partnerlosen.

Der Zusammenhang zwischen Alleinleben und Einsamkeit wird von SAUM-ALDEHOFF zu undifferenziert gesehen. Zu den Gefahren sozialer Netzwerke wird einzig das Buch Verloren unter 100 Freunden von Sherry TURKLE referiert.

Der wichtige Aspekt der modernen Arbeitswelt mit seinen Mobilitätsanforderungen wird dagegen nur kurz und sehr oberflächlich abgehandelt.

Zum Abschluss des Artikels stellt SAUM-ALDEHOFF das Gegenmittel vor:

"Das Gegenmittel gegen Einsamkeit ist nicht bei anderen eingeforderte Zuwendung - das bringt allenfalls Mitleid, häufiger aber bewirkt es erst recht den Rückzug der solcherart Bedrängten. Nicht Aufmerksamkeit fordern ist also die Arznei, sondern: Aufmerksamkeit schenken."

Im Anschluss an John T. CACIOPPO werden 4 Strategien vorgeschlagen: 1. Den Radius erweitern (darunter wird das Üben von Small Talk abgehandelt); 2. In Aktion treten, d.h. ehrenamtliche Tätigkeiten übernehmen, die einem nicht überfordern; 3. Selektieren, d.h. Gleichgesinnte für Geselligkeiten suchen; 4. Das Beste erwarten, d.h. "anderen gegenüber Wärme und guten Willen" zeigen.

Man könnte auch sagen, dass heutzutage ein neues Ethos der Einsamen erforderlich ist, denn die Vereinbarkeit von Beruf und  Alleinleben/Zusammenleben stellt neue Herausforderungen dar. Einsamkeit kann in dieser Sicht auch als Regulationsmodus verstanden werden.