"Vierzig Prozent aller Bundesbürger leben in Einpersonenhaushalten",

lügt uns Ursula MÄRZ an. Online führt ein Link zu einem Bericht, in dem dann nur noch von ca. 20 Prozent Alleinlebenden die Rede ist. Print-Leser bleiben dagegen unwissend. MÄRZ verwechselt wie viele ihrer Kolleginnen Haushalts- und Individualebene. Weshalb sie auch hysterisch die "Vereinsamungsgesellschaft" beschwört.

Die Story ist dann auch eher mager: 4 Fallbeispiele und ein Selbstversuch bei parship.de, einer Online-Partnervermittlung, die wie die ZEIT dem selben Besitzer gehört.

In Zeiten, in denen das Matching-Verfahren in die Kritik geraten ist, darf natürlich das Paar mit 109 Matching-Punkten nicht glücklicher sein als jenes mit 62 Punkten ("Unterkante erwartbarer Übereinstimmung").

Ansonsten wenig überraschend: zu hohe Ansprüche oder alternativ zu viel Wahlfreiheit sind das Problem der Erfolglosen. Zu hohe Ansprüche, das heißt bei Männern überfixiert auf den weiblichen Körper, und bei Frauen, überfixiert auf Bildung bzw. Status:

"Es gibt zwei Gruppen, die in der Verkupplungsmaschinerie schleppend vorankommen: jüngere Männer mit eher niedrigem Bildungsniveau und Frauen im fortgeschrittenen Alter mit hohem Bildungsniveau. Der Krankenpfleger Mitte dreißig also und die Stationsärztin Mitte fünfzig. Täten die beiden Gruppen sich zusammen, sähe es in der deutschen Paarstatistik schlagartig besser aus. Dass sie es nicht tun, liegt vor allem an den Frauen."

Ursula MÄRZ verortet ihren eigenen Standpunkt zwischen "philosophischen Kulturkritikern" und "Positivisten":

"Hat man bei philosophischen Kulturkritikern den Eindruck, dass sie die Partnersuche im Internet ein wenig dämonisieren, so hat man im Gespräch mit den Positivisten den Eindruck einer gewissen Verharmlosung."

Mit Positivisten sind offensichtlich jene gemeint, die quantitative Sozialforschung wie Hans-Peter BLOSSFELD betreiben. Dabei könnte etwas mehr Beschäftigung mit der Datenlage vor allzu viel Hysterie bewahren!