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Alexander Mitscherlich: Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft

 
       
     
       
     
       
   

Alexander Mitscherlich in seiner eigenen Schreibe

 
   
fehlt noch
 
       
   

Alexander Mitscherlich in der Debatte

 
   

REINECKE, Stefan (2008): Die Unfähigkeit zu würdigen.
Alexander Mitscherlich war eine der intellektuellen Gründungsfiguren der Bundesrepublik. Die werden derzeit historisiert. Bei einem Symposion in Jena drängt sich freilich der Eindruck auf: Es geht um einen kompletten Denkmalabriss,
in: TAZ v. 29.04.

REINECKE, Stefan (2008): "Nicht direkt gelogen".
Vorsicht vor moralischen Urteilen: ein Gespräch mit dem Historiker Martin Dehli über Alexander Mitscherlich,
in: TAZ v. 29.04.

BRUMLIK, Micha (2008): Ein Missverständnis,
in: Frankfurter Rundschau v. 20.09.

RUTSCHKY, Katharina (2008): Ein genialer Luftikus.
Heute wäre der Arzt und Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich 100 Jahre alt geworden. Er war ein Kind seiner Zeit, doch die ist schon lange vorbei,
in: Welt v. 20.09.

 
       
   

Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft (2003).
Ideen zur Sozialpsychologie
Weinheim: Beltz
(Originalausgabe 1963) 

 
   
     
 

Klappentext

"Dieses Buch hat den Ruhm des Psychoanalytikers Alexander Mitscherlich als Zeit- und Gesellschaftskritiker international begründet. Mitscherlich entwirft ein sozialpsychologisches Bild unserer Epoche, das seine Gültigkeit bis heute nicht verloren hat. Er zeigt auf wohin eine Gesellschaft steuert, die Abschied nimmt von symbolischen Vorbildern und Idealen. Insofern ist das Buch auch ein zutiefst pädagogischer Gesellschaftsentwurf.

Die »Hierarchie der Vaterrolle« zerfällt, die prägenden Vorbilder verblassen. Die daraus entstehenden Konflikte erzeugen neuartige neurotische Verhaltensweisen wie Indifferenz dem Mitmenschen gegenüber, Aggressivität, Destruktivität und Angst. Als einen der folgenreichsten Konflikte unserer Zeit bezeichnet Mitscherlich die paradoxe Entwicklung, dass der einzelne immer mehr »subjektive Autonomie« fordert und auch erlangt, zugleich sich aber den bürokratischen und anderen konformistischen Zwängen immer stärker unterordnen muss."

Stimmen zum Buch

"Daß aus den jungen Leuten nichts wird, hat schon immer die Sozialwissenschaftler besorgt. In seinem Buch »Auf dem Weg in die vaterlose Gesellschaft« drückte Alexander Mitscherlich bereits 1963 seinen Unmut darüber aus, daß sich die Jüngeren nicht mehr an den Älteren reiben. Die Vorbildrolle, an der man sich abarbeiten konnte und mußte, zerfällt, lautete seiner, nur als Warnung zu verstehende Diagnose.
Der Generationenkonflikt, der eine Konstante des Erwachsenwerdens ist, schien sich vor seinen Augen immer mehr zu verflüchtigen.
Mitscherlich befürchtete eine unheilige Allianz zwischen paternalistischer Autorität und Konsumismus. »In der unübersichtlichen Massengesellschaft«, schrieb er, »hat diese autoritäre Form der Eingewöhnung in das soziale Feld aber eine unerwartete Antwort gefunden, nämlich ein Stärkung der Abhängigkeitsbestrebungen und eine Bejahung der Unmündigkeit. Das faktische Gegenbild zu den für unsere Zeitläufte charakteristischen Helden der Massen sind die 'initiativarmen" Frühpensionäre, die in ihren Wohlfahrtsstaaten nie flügge werden wollen.«
Die Schlaffis der nachfolgenden Generation, die sich mit der »Nutzlosigkeit erwachsen zu werden«, herumplagen, fürchtet noch jede ältere Generation. Mitscherlich formulierte einige Jahre vor der Studentenbewegung ein Kritikschema, das die sogenannte Achtundsechzigergeneration auf alle Nachgeborenen übertrug: Die Vermutung, daß ihnen der Schwung fehlt, politische Veränderungen anzustrengen - also das Werk der Älteren fortzusetzen. Mit dem Blick auf die Folgegenerationen haben sich die Achtundsechziger so das Primat auf die Politik zu sichern versucht.
Dabei verhalten sie sich kaum anders als alle Generationen zuvor."
(Harry Nutt in der TAZ vom 10.01.1998)

 
     
 
       
   

Das Buch in der Debatte

NUTT, Harry (1998): Generation Golf.
Im Dresdner Hygiene-Museum zeigt die
Schau "Alt & Jung. Das Abenteuer der Generationen" Lebensentwürfe jenseits des Generationenschemas,
in: TAZ v. 10.01.

Neu:
GODDEMEIER, Christof (2008): Spaß am Krach.
Ein Aufstörer: Am 20. September wäre der Arzt und Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich 100 Jahre alt geworden,
in: Freitag Nr.38 v. 19.09.

"Mit Der Weg in die vaterlose Gesellschaft gelingt Mitscherlich 1963 ein großer Wurf. Neben Helmut Schelskys skeptischer Generation (1957) wird die »vaterlose Gesellschaft« das entscheidende Stichwort in der Selbstbeschreibung der Bundesrepublik", meint Christof GODDEMEIER.

 
   

Die vaterlose Gesellschaft in der Debatte

MATUSSEK, Matthias - Die vaterlose Gesellschaft

RUTSCHKY, Michael (2001): V wie vaterlose Gesellschaft.
StZ-Serie: Das Alphabet der 70er Jahre,
in: Stuttgarter Zeitung v. 03.03.

Michael RUTSCHKY schreibt zum Thema "vaterlose Gesellschaft" folgendes:

"Alexander Mitscherlichs »Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft. Ideen zur Sozialpsychologie«, 1963 zuerst erschienen, und ich habe es, wie die Anstreichungen zeigen, nie völlig geschafft: Auf Seite 318 (von insgesamt 484) gab ich auf.
            Denn es handelt sich um ein merkwürdig pointenloses, um nicht zu sagen: konfuses Buch. In einer Art unabschließbarem Selbstgespräch versichert sich Alexander Mitscherlich seiner psychoanalytischen Überzeugungen und (...) verzichtet (...) auf deutliche Begriffsbildungen und Argumentationen und verharrt bei freundlich-unentschlossenen Erwägungen.
            (...) Der Sound geht so: Es gibt irgendwie Zusammenhänge zwischen persönlichen Charaktereigenschaften, Erziehungspraktiken und gesellschaftlichen Entwicklungsstufen, und man kann darüber im psychoanalytischen und im soziologischen Vokabular reden. - Insgesamt ging Alexander Mitscherlich ja als Repräsentant von Sigmund Freuds Lehren in die Kulturgeschichte der BRD ein.
          
 Oder war es doch nur die Formel von der »vaterlosen Gesellschaft«, die sich einprägte? (...)
            Gewiss lieferte Mitscherlichs Formel von der »vaterlosen Gesellschaft« der antiautoritären Revolte der späten Sechziger eine Parole. Und in den Siebzigern kehrte in der konservativen Kulturkritik als »Mut zur Erziehung« (ein Kongress von 1978) noch einmal der Autoritarismus zurück, den Helmut Kohl 1982 in einer geistig-moralischen Wende zur Richtlinie der Politik machen wollte. Aber dann kam der ganze Zusammenhang - trotz allem - aus der Mode."

Obwohl (oder gerade weil?) der ganze Zusammenhang aus der Mode gekommen ist, scheint die Formel von der "vaterlosen Gesellschaft" aktueller denn je. Die unhinterfragte Plausibilität des Topos reicht aus, um die Debatte um die "neuen Väter" zu bestreiten.

 
       
   

Die Unwirtlichkeit unserer Städte (1965).
Anstiftung zum Unfrieden
Frankfurt a/M: Suhrkamp (vergriffen)

 
   
     
 
Heidelberg - Emmertsgrund

Klappentext

"Die in diesem Band gedruckten Arbeiten untersuchen herrschenden Programme und Formen der Städteplanung und kritisieren deren irrationalen Charakter. Der Autor weist nach, daß ohne einen zureichenden Begriff von den gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen geplant wird, und ohne eine Neuordnung des Grund- und Bodenbesitzes Planung nicht möglich ist."

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

Die Unwirtlichkeit unserer Städte

Anstiftungen zum Unfrieden

Konfession zur Nahwelt

Großstadt und Neurose

Stimmen zum Buch

"Nachdem Alexander Mitscherlich 1965 in seinem Buch »Die Unwirtlichkeit unserer Städte« über die »Einfamilienhausweiden« und ihre »Bimsblock-Tristesse« hergefallen war, erkannten auch die kritischen Geister der Bundesreplik zuletzt die revolutionäre Komponente eines Bausparvertrags. Das Einfamilienhaus sollte der Rahmen für eine freie Kindererziehung sein, und Elisabeth Dessais Buch »Wohnen und Spielen mit Kindern« propagierte 1976 allerhand »Alternativen zur familienfeindlichen Architektur«."
(Kolja Mensing in der TAZ vom 02.11.2002)

 
     
 
       
   

Das Buch in der Debatte

MENSING, Kolja (2002): Hoffnung kann gebaut werden.
Familienfreundliche Grundrisse und ökologisch korrekte Holzschutzmittel: Im Einfamilienhaus spiegelt sich seit eh und je der Wunsch nach einer besseren Gesellschaft. Jetzt hat das rot-grüne Reformprojekt sich der Eigenheimzulage angenommen,
in: TAZ v. 02.11.

Infos zu: Kolja Mensing - Autor der Generation Golf

 
   

Weiterführende Links

 
     
   
 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 03. Januar 2005
Update: 27. August 2015