"Vier alleinstehende Frauen - vier
Frauen ohne Partner - auf der Suche nach Liebe, Glück und
Geborgenheit. Geschieden, verwitwet, enttäuscht ziehen sie
sich zusammen in ein Bergsanatorium am Tegernsee zurück. Und
noch einmal lernen sie Männer kennen, von denen sie sich ein
bißchen von dem, was man Glück nennt, erhoffen."
Zitate aus der Taschenbuch-Ausgabe:
Das
Witwendasein im mittleren Lebensalter
"Seit sie
Witwe ist, seit zwei Jahren, meidet sie einsame Frauen. Aber
man kommt nicht drumherum, gerade diesen Frauen immer wieder
zu begegnen. Sie sitzen in Hotelhallen, Speisesälen, Cafés.
man trifft sie an Deck eines Schiffes genauso häufig wie in
einem Flugzeug. Man begegnet ihnen im Kino, im Theater, im
Konzertsaal - man entgeht ihnen einfach nicht.
Do Leonore hält sich von ihnen fern.
Sie gehört nicht zu den Frauen, die Frauenfreundschaften
pflegen. Sie sagen ihr nichts. Vertraulichkeiten mit ihren
Geschlechtsgenossinnen findet sie »degoutant«. Das hat ihr
die Einsamkeit nicht gerade erleichtert, hat ihr - völlig zu
Unrecht - bei ihren Bekannten den Ruf eingetragen,
»mannstoll zu sein.«
(...).
Ihre Figur ist die eines jungen Mädchen. Sie ist
einundvierzig Jahre alt, aber sie sieht aus wie Anfang
Dreißig. Die Frauen in ihrer Bekanntschaft nehmen ihr das
übel. Sie nehmen ihr eine ganze Menge übel: ihre
Zurückhaltung, ihre Natürlichkeit, ihre Weiblichkeit, ihren
Charme. Vor allem aber ihren Mangel an Bereitschaft, über
Männer herzuziehen.
»Ich mag Männer«, gesteht sie freimütig. »Ich finde ein
Leben ohne Männer langweilig und reizlos.«
Befragt, wie sie das mit ihrer Witwenschaft in Einklang
bringe, erwidert sie: »Ich hoffe, ich werde nicht für immer
allein bleiben.« Das sagt sie bereits ein halbes Jahr
nachdem sie ihren Mann verloren hat. Seitdem gilt sie in
ihrem Bekanntenkreis als herzlos." (S.5f.)
Der
Einsamkeit entgehen
"»(...).
Die wenigsten Gäste sind ernsthaft krank. Die meisten sind
einfach einsam.«
»Wie traurig«, sagt Leonore und denkt: Ich bin es auch.
(...). »Ich beneide Menschen, die allein sein können «, sagt
sie offen. »Ich kann es nicht - es fällt mir schwer. Ich
leide darunter. Ich spüre, wie ich daran kaputt gehe.«
(...). Frau Dr. Mittenwald lehnt sich zurück. Ihr Gesicht
entspannt sich. »(...). Sie werden immer wieder einen
Menschen finden, der Sie aus Ihrer Einsamkeit herausholt.
(...). Sie sind eine sehr anziehende Frau. Ich sage das
nicht, um Ihnen ein Kompliment zu machen. Es ist einfach so.
Sie ziehen Menschen an. Menschen, Männer ... das ist kein
Verdienst, es ist ein Geschenk. (...).«
(...). »(...). Viele Frauen hier wirken eher abstoßend. Oder
sie haben Kontaktschwierigkeiten oder sind ganz einfach
langweilig. Und solche Frauen haben es natürlich sehr viel
schwerer, der Einsamkeit zu entgehen, als Sie.« (..) »Sie
sind sehr gut in der Lage und auch willens, Veränderungen
herbeizuführen, wenn Sie einen Zustand als unerträglich
empfinden. Und das«, schließt Frau Dr. Mittenwald sachlich,
»können die wenigsten Frauen.«" (S.52f.)
Ledigsein in den 70er Jahren - Sex, Liebe und Heiraten
"»Ich
bin mit ihm mitgegangen. Ich bin einfach mit in sein Haus
gegangen, und wir haben uns geliebt.«
(...).
»Wir wollten es wirklich beide«, wiederholt sie
eindringlich. »Und mit Leichtsinn hat es überhaupt nichts zu
tun.«
(...).
»Er liebt mich. Er wird mich natürlich nicht gleich
heiraten, aber das ist ja auch nicht nötig (...).« (...).
»Heiraten ist völlig überflüssig. Wir sind schließlich
moderne Menschen.«
(...). Das ist alles sehr traurig, denkt sie. Da verliebt
sich so ein dummes, kleines Ding und ist gleich bereit Opfer
zu bringen und sich noch einzureden, das wäre zeitgemäß.
(...). Sie alle machen sich selbst etwas vor. Freie Liebe -
keine Rücksicht auf den anderen - jeder kann tun und lassen,
was ihm gefällt. Sie kennt das doch. Oft genug hat sie mit
anderen Leuten über dieses Thema diskutiert. Sie gaben sich
modern, ohne genau zu wissen, was das eigentlich war. So
modern, aufgeklärt und uneigennützig, daß sie jedes
Versprechen, jede kleinste Zusage bereits für einen Zwang
hielten. Und was kam dabei heraus? Neurosen und
Selbstmordversuche.
(...).
»Was ist das mit der Liebe? Wie kann so etwas geschehen? Ist
es nur, weil ich so allein war? Manchmal hab' ich gedacht -
ich dachte, ich bin gezeichnet. Wie eine Krankheit ...
verstehen Sei? Hautausschlag oder so. Die anderen wurden
geliebt. Ich nicht. Mich hat niemand gemocht. Ich hab'
gedacht, es wäre eine Krankheit.«
(...). »Ich mußte es einfach tun«, sagt sie. »Ich hab'
gedacht, wenn ich es nicht tue, dann ist alles wieder
vorbei. Ich wollte sein wie andere Mädchen.«" (S.84ff.)
Unfähigkeit zum Alleinleben - Die Attraktivität der Ehe
"»Mein
Mann - ich möchte zu ihm zurückkehren.«
(...).
»Sie waren zwei Jahre allein. Haben Sie das gefunden, was
Sei gesucht haben?«
»Nein.«
»Sie kehren also zurück, weil Sie mit der Freiheit nichts
anfangen konnten. Ist das so?«
(...) »Ich dachte immer, es passiert etwas. Es kommt etwas
auf mich zu - etwas Großes, Einmaliges. Es kam nichts. Ich
war nur allein.«
(...).
»Wenn Sie jetzt zu Ihrem Mann zurückkehren - seien Sie nicht
enttäuscht, wenn Sie das Leben an seiner Seite genauso
langweilig finden wie früher. Sie haben gelernt, daß die
Sensationen auch anderswo nicht zu finden sind. Versuchen
Sie etwas aus Ihrer Ehe zu machen. Zurückzugehen allein
genügt nicht. Sie müssen wiesen, daß eine Aufgabe auf Sie
wartet. Glück ist nichts, was Ihnen fix und fertig
präsentiert wird. Es ist ein Zustand, den Sie sich
erarbeiten müssen.«" (S.181ff.)
Mit
einem verheirateten Mann zusammenleben
"»Du
wirst mit mir leben - obwohl ich verheiratet bin?«
»Ja«, sagt sie, »und ich habe nicht einmal ein schlechtes
Gewissen dabei.«
(...).
»Ich kannte mal eine Frau, eine ehemalige Schulfreundin von
mir. Sie war verheiratet, aber ihr Mann liebte eine andere
und wollte sich scheiden lassen. Seine Frau hat das
verhindert. Mit dem billigsten und schäbigsten Trick, den
eine Frau anwenden kann: Sie hat einen Selbstmordversuch
gemacht. Aber sie ist dabei so geschickt vorgegangen, daß
man sei auf jeden Fall rechtzeitig finden mußte. Ihr Mann
war natürlich entsetzt. Er liebt sie nicht mehr, aber sie
tat ihm leid. Und aus Mitleid ist er schließlich bei ihr
geblieben. Jetzt gibt es nicht einen unglücklichen Menschen,
sondern drei: den Mann, die Ehefrau und die verlassene
Geliebte. - Und darum habe ich kein schlechtes Gewissen.«"
(...).
»Es wird nicht immer leicht sein.«
»Ich weiß.«
»Sie werden sich ganz schön das Maul über uns zerreißen.«"
(S.192)