"Wenige Monate nach »Gilgi« erscheint
Keuns zweiter Roman »Das kunstseidene Mädchen«, mit
dem sie endgültig berühmt wird. Das Buch erreicht
Rekordauflagen und wird in mehrere Sprachen
übersetzt. Filme und Schlager der frühen 30er Jahre
bestimmen das Leben der Sekretärin Doris, die aus
ihrem kleinen Angestellten-Dasein ausbrechen und
Schauspielerin werden will. »Ich will ein Glanz
werden«, sagt sie, fasziniert vom Film und der schon
damals mächtigen Traumfabrik Hollywood"
(Matthias Kußmann im
DeutschlandRadio vom 04.02.2005)
"Für die Nazis galt »Das
kunstseidene Mädchen« als die abscheulichste,
nämlich weibliche Variante der Asphaltliteratur.
»Das kunstseidene Mädchen« ist immer wieder als
authentische Darstellung der »Neuen Frau« bezeichnet
worden. So ist es auch, aber nur, wenn man alles
Weltläufige, Sportliche, Selbstständige wegstreicht,
das den Typus der »Neuen Frau« der Zwanziger Jahre
ausmacht. Die kunstseidene Doris ist viel ärmer"
(Harald Jähner in der Berliner
Zeitung vom 04.02.2005)
"Geplant unter dem Arbeitstitel
»Mädchen ohne Bleibe«, entfaltet sich diese
fingierte Autobiographie als eine moderne
Picara-Geschichte. Quer durch die gesellschaftlichen
Sphären vagabundiert die Heldin, durch das Berlin
der Saalschlachten und der Tanzlokale, der einsamen
Herren, der Hakenkreuzler und Kommunisten.
Neugierig, amoralisch und mit dem unbestechlichen
Blick der kindlichen Außenseiterin beobachtet sie
die Funktionsmechanismen einer Republik, die nicht
mehr zu retten ist."
(Heinrich Detering in der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 05.02.2004)