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Max von der Grün: Am Tresen gehn die Lichter aus

 
       
     
       
   

Nachrufe zum Tod von Max von der Grün

 
   
  • JAF (2005): Stolz, ein echter Prolet gewesen zu sein.
    Man nannte ihn Arbeiterschriftsteller: Max von der Grün ("Irrlicht und Feuer") starb gestern 78-jährig in Dortmund,
    in: TAZ v. 08.04.
  • ARNOLD, Heinz Ludwig (2005): Mann in mehrfacher Nacht.
    Der erste Arbeiterschriftsteller der alten Bundesrepublik: Zum Tode von Max von der Grün,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.04.
  • FEDDERSEN, Jan (2005): Das Heldentum der Arbeiterklasse.
    Max von der Grün war einer der erfolgreichsten Schriftsteller der Nachkriegszeit. Mit seinen Büchern wurde er zum Chronisten einer versunkenen Kultur - der des deutschen Proletariats. Vorgestern ist er in Dortmund im Alter von 78 Jahren gestorben,
    in: TAZ v. 09.04.
    • Inhalt:
      FEDDERSEN beschreibt den gesellschaftlichen Kontext, in dem sich die Literatur von Max von der GRÜN bewegte:

            
        "Das Ruhrgebiet bot eine perfekte Topografie, um Träumen wie seinen Stoff zu geben: Eine Region, in der die proletarischen Traditionen der Arbeiterbildungsvereine noch lebten; in der viele bei Stalins Tod Anfang der Fünfziger weinten und man alles Bürgerliche für dekadent, korrupt, ausbeuterisch - und verräterhaft hielt. Eine Parallelgesellschaft im Wirtschaftswunderland, die zugleich durch immer höhere Produktivität sich selbst abzuschaffen begann: Das Ruhrgebiet stand damals quasi Sekunden vor seiner Zerstörung als Proletensoziotop - und seiner Renaissance als Dienstleistungs- und also Angestelltenparadies."
            
        FEDDERSEN vermisst angesichts der fünf Millionen Arbeitslosen in Deutschland einen Schriftsteller wie Max von der GRÜN, der "über das Leben unterhalb der Caffè-latte-Schaumkrone" erzählten könnte.
  • MÄRZ, Ursula (2005): Heimlicher Aristokrat.
    Zum Tod Max von der Grüns,
    in: Frankfurter Rundschau v. 09.04.
  • PLATH, Jörg (2005): Der Arbeiter.
    Zum Tod des Schriftstellers Max von der Grün,
    in: Tagesspiegel v. 09.04.
  • WITTSTOCK, Uwe (2005): Schreiben von Arbeit und Arbeitern.
    Max von der Grün ist gestorben,
    in: Welt v. 09.04.
 
       
   

Am Tresen gehn die Lichter aus (1972)
Düsseldorf: Eremiten Presse
(1974 als Rowohlt-Taschenbuch erschienen; vergriffen)

 
   
 
 

Klappentext

"Der ehemalige Kumpel Max von der Grün (...) entdeckt in seinen packenden Erzählungen die deutsche Landschaft der Stammkneipen, Autostraßen und Arbeitersiedlungen. Wirklichkeitsnah und unverblümt erzählt er vom Alltag und von schicksalhaften Erlebnissen namenloser Zeitgenossen."

Zitate aus der Rowohlt-Ausgabe:

Die 50er Jahre - Das Ledigenheim

"Vor zwanzig Jahren, 1951, verschlug es uns in dieses Dorf. Fritz erlag der Werbung für den Ruhrbergbau in Schleswig-Holstein, ich erlag der Werbung für den goldenen Westen - wie das Ruhrgebiet Anfang der fünfziger Jahre scherzhaft genannt wurde - in Franken.
(...).
Wir jungen Leute wurden in einem Ledigenheim untergebracht - in Baracken und Notunterkünften wie heute die ausländischen Arbeiter - vier Mann auf einer Stube. Dort lebten wir mehr oder minder einträchtig drei Jahre, bis wir eine Wohnung bezogen. Fritz ging in Miete, ich bewarb mich um ein Eigenheim." (S.7)

"Als ich, mit dreihundert anderen, in den ersten Jahren in einem Ledigenheim wohnte, setzte er (Anm.: der Bürgermeister) sich dafür ein, daß den Verheirateten schnellstens eine Wohnung zugewiesen wurde. Das ist doch kein Leben, sagte er manchmal, die Frau irgendwo und der Mann hier unter einer Horde. Das geht nicht. Den Ledigen redete er zu, ein Mädchen aus dem Dorf zu nehmen, dann würden auch sie innerhalb eines Jahres eine Wohnung haben. Dafür sorge ich schon, ich, der Bürgermeister." (S.14)

Die 60er Jahre - Der Strukturwandel im Ruhrgebiet und die Wochenendpendler

"Die jungen Männer, die nicht durch die Arbeit auf der Zeche an die Wohnung gebunden waren, wie ihre Väter es heute noch weitgehend sind, haben schon vor Jahren, bei Ausbruch der Kohlenkrise, die Zeche verlassen, obwohl die Zechenverwaltungen hohe Summen für ihre Ausbildung ausgaben. Das ist denen ihr Risiko, sagen die jungen Leute. Die jungen Leute kehrten ohne Groll von der Zeche ab, denn ihnen war, im Gegensatz zu ihren Vätern und Großvätern, die Zeche niemals Heimat, nur notwendiges Übel (...).
Sie fahren jetzt in die Nachbarstädte im eigenen Auto, nach Unna, Hamm oder Dortmund, viele zu Opel nach Bochum, und nicht wenige haben bei Bayer Leverkusen Arbeit gefunden. Sie kommen am Freitagabend zu ihren Familien in ihre Siedlungen zurück und fahren am Montagmorgen, wenn die Kinder noch schlafen, nach Leverkusen wieder zur Arbeit. Sie stehen am Samstag am Tresen in der Kneipe und erzählen denen, die noch auf der Zeche bis zum bitteren Ende ausharren oder aushalten müssen, weil die betriebsgebundene Wohnung wie ein Mühlstein an ihrem Hals hängt, wie gut sie es haben, und bedauern, daß sie nicht schon früher den Sprung wagten." (S.11f)

 
 
 
       
   

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