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- WINKLER, Willi (1999): Männer ohne
Frauen,
in: Süddeutsche Zeitung v.
15.11.
- WINKLER, Willi (2001): Das
RAF-Fahndungsplakat.
Teil 21 der Serie "Das war die BRD",
in: Süddeutsche Zeitung
v. 09.05.
- WINKLER, Willi (2001):
Verblasste Mythen: Die Brunst,
in: Süddeutsche Zeitung v. 06.09.
- Inhalt:
WINKLER schreibt
über die Krankheit der Jugend. Er beginnt beim Sturm und Drang des
18.Jahrhundert und endet bei der ewig verlängerten Jugend der 68er.
- WINKLER, Willi (2001): Die neuen
Männchen.
Kaum haben uns die Frauen verweichlicht, sehnen
sie sich wieder nach echten Männern. Eine Streitschrift,
in: Süddeutsche Zeitung Magazin v. 21.09.
- WINKLER, Willi (2002): Sei gepriesen,
unglückliche Familie.
Jonathan Franzen lässt in seinem Erfolgsroman
"The Corrections" die Theologie wiederkehren,
in: Literaturen Nr.3, März
- WINKLER, Willi (2002): Früher war alles
besser!
Die Alten waren noch nie so rüstig wie heute. Leider wird das noch
böse enden...,
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.11.
- Kommentar:
Im Greisenblatt SZ klagen vergreisende Journalisten
über die Vergreisung. Das kann nur böse enden!
- WINKLER, Willi (2003): In Tirannos!
Über das inzwischen folgenlose Pathos der veröffentlichten Meinung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.01.
- Kommentar:
Willi WINKLER regt sich über das "ewige
Jaccusieren" der Leitartikler auf und kommt dabei nicht zufällig auf
BARING und die Feuilleton-Revoluzzer zu sprechen:
"Arnulf Baring, der seinen späten
Ruhm dem Fernsehen verdankt (ob es nicht doch blöd macht, das
Fernsehen?), rief mirabeauesk zum Ballhaus-Schwur auf.
»Bürger, auf
die Barrikaden!« forderte er und wies wenigstens zwei
Jahrhunderte oder doch drei Spalten in die Schranken. Vom Bürger
trompetete er, und meinte doch nur den unterdrückten und
ausgebeuteten Leihwagen-Nutzer.
Diese historische Reprise war nicht ohne Reiz, aber geradezu
Franzjosefs-Format gewann der chinaböllrige Aufstand, als die
Jammerei wg. erhöhter Dienstwagenbesteuerung usw. gar kein Ende mehr
nehmen wollte. Ganz wie im Greuelmärchen aus uralten Zeiten schrie
es Skandal! und Schweinerei! und Unrechtsstaat! Vom Zurückweichen
von den »Stränden der Zivilisation« wurde gemenefaselt, von
»Versteinerungsprozessen in vormodernen, gerontokratischen
Gesellschaften« geflennt, zu vergleichen doch nur mit der
»ägyptischen am Ausgang des Neuen Reiches«.
Wem da nicht die hellen Lachtränen in die Augen schießen, der hat
den Ernst der Lage noch immer nicht begriffen."
Als Nestbeschmutzer betätigt sich
WINKLER jedoch nicht, denn auch bei der SZ könnte man fündig werden.
- WINKLER, Willi (2003): Diederichsen,
halt den Sabbel!
Der größte Poptheoretiker der Welt sieht mal wieder das Ende des
Pop statt das Ende des größten Poptheoretikers der Welt. Wir verleihen
ihm jetzt mal den "Adorno des Monats",
in: Süddeutsche Zeitung v. 15.03.
- Inhalt:
Willi WINKLER macht sich über seinen
Jahrgangsgenossen DIEDERICHSEN und dessen Artikel in der TAZ vom
11.03.2003 lustig:
"Entschuldigung, liebe taz, aber
gibt es dafür Geld? Oder war
Diederichsen bloß so
was von betrunken?
Der beste Satz, den Adorno nie geschrieben hat, geht so: »Es gibt
kein richtiges Leben in Flaschen.«"
Da hinter der SZ nicht immer ein
kluger Kopf steckt, schickt WINKLER zum Verständnis voraus:
"Insbesondere
Theodor W.
Adorno verstand sich auf die manieriertesten Satzgebilde.
Erleichtert konnte man gelegentlich einen ganz schlichten Satz
mitnehmen, einen Satz wie diesen: »Es gibt kein richtiges Leben im
Falschen.«"
- WINKLER, Willi (2003): Die menschliche
Suppe.
Die neue Doku-Soap "Wir machen ein Baby" oder wie Paare ihre
Bestimmung im Schnuller finden,
in: Süddeutsche Zeitung v. 06.06.
- Inhalt:
Willi WINKLER über die
bevölkerungspolitisch wertvolle
Inszenierung des Familienglücks im neuen Agenda-TV:
"Acht
Paare, eine allein erziehende Mutter und ein Prominenten-Doppel
zeigen Glück,
Glück und noch mal Glück. Warum nicht, es ist ein freies Land.
(...). Bäuche schwellen, immer kuhiger schauen die Frauen, die, wie
sollte man es anders verstehen, endlich ihre eigentliche Bestimmung
als Reproduktionsanlage entdeckt haben. (...).
Die ausgewählten Paare spielen eifrig mit, denn es soll ja möglichst
unrealistisch sein. Nur ganz selten dringt die Wirklichkeit durch,
schreit und flennt und jammert".
- WINKLER, Willi (2003): Wir Angestellten.
Geistig obdachlos, fremdbestimmt, bald wegrationalisiert - ein
zeitgemäßes Sittenbild,
in: Süddeutsche Zeitung v. 12.07.
- Kommentar:
Single-dasein.de hat im Mai anhand der
Romanfigur Abschaffel von Wilhelm GENAZINO
Singles und ihre Ängste behandelt,
nun greift Willi WINKLER das Thema auf, legt jedoch den Schwerpunkt
nicht auf das Single-Sein, sondern auf das Angestellten-Dasein:
"Wilhelm
Genazinos Held, der Angestellte Abschaffel, hat keinen Vornamen
und diesen lächerlichen Zunamen, der sein weiteres Schicksal
ankündigt. Er wird abgebaut werden, irgendwann wird er
wegrationalisiert, ausgesteuert, eingespart, gefeuert, vom
Stellenplan genommen, sozialverträglich entsorgt, ein – und tschüß!
– Arbeitsloser mehr. Dreißig ist Abschaffel, dann 31, lebt allein,
arbeitet seit zwölf, dreizehn Jahren in einer Spedition, überprüft
Frachtbriefe, schäkert mit den Kolleginnen, rivalisiert ein bisschen
mit den Kollegen und beschäftigt sich, um nicht ganz an der Welt,
also an sich zu verzweifeln, mit der Beobachtung von allem. In
seiner Freizeit wenigstens will er den Bohemien zelebrieren, aber er
bleibt, was er ist: »Angestellter und Alleinwohner«.
Der Single war 1977 noch nicht erfunden, doch lebt ihn Abschaffel
bereits mustergültig vor: hektisches Einkaufen nach Feierabend,
bescheidene Vergnügungsgelüste über den Rand des eigenen Körpers
hinaus, häufig wechselnde, flüchtige Geschlechtskontakte, ein
berufstypisch eher voyeuristisches als tätiges Dasein, also eine
unendlich sinnlose Existenz."
- WINKLER, Willi (2003): Unter Schafen.
Der Chronist Wiglaf Droste verleiht dem Horror deutscher
Alltäglichkeit entsprechend angemessene Worte,
in: Süddeutsche Zeitung v. 23.08.
- Inhalt:
Anlässlich
der Verleihung des Ben-Witter-Preis am 19. September porträtiert
WINKLER das Multitalent DROSTE:
"Manchmal
versinkt Wiglaf Droste aus heiterem Himmel in die tiefste
Depression. Draußen herrscht jahreszeitentypisch
SommerSonneHeiterkeit, aber drin sieht’s finster aus,
rabenrabenschwarz sieht es da aus.
Draußen, wo’s doch nur Kännchen gibt, ist es gleich noch viel
schlimmer: vertrocknete Bäume am Landwehrkanal, entkleidete
Mitmenschen, die Gehsteige voll mit »Muttiregistertonnen«.
Und da soll Deutschland
aussterben?"
- WINKLER, Willi (2003): Der letzte
Rebell aus Nashville.
Im Alter von 71 Jahren ist Johnny Cash gestorben,
in: SonntagsZeitung v. 14.09.
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WINKLER, Willi (2004): Busen, Bier und Pomes.
Der Schriftsteller Jörg Fauser wäre heute 60 Jahre alt und
vergessen - wenn er noch lebte. Stattdessen avanciert er nun zum
Helden des jungen Feuilletons,
in: Süddeutsche Zeitung v. 10.07.
- Kommentar:
Willi WINKLER klassifiziert
Jörg
FAUSERs Schriften abwertend als
Junggesellenliteratur:
"Männer ohne Frauen, aber
voll der Sehnsucht nach ihnen und dem, logisch, besseren Leben."
Jörg FAUSER wird als "männliche Christiane F." charakterisiert.
In diesem Zusammenhang darf natürlich ein Seitenhieb auf
Benjamin Stuckrad-Barre nicht fehlen.
Als bessere
Alternativen zu Jörg FAUSER preist WINKLER die
"Abschaffel"-Trilogie von Wilhelm GENAZINO und
"Mars"
von Fritz ZORN an.
Ersteren weil er seine "Abschaffel"-Episode
erfolgreich überlebte und letzteren, weil er dem Zorn adäquater
zum Ausdruck verhalf:
"Zorn ist keine
literarische Kategorie, aber manchmal unentbehrlich. Ein Zürcher
Lehrer gab sich sogar diesen Namen, »Fritz Zorn«, als er über
sein verpfuschtes Leben schrieb, das ihn von der Goldküste
direkt in den Krebstod führte, und es ist eins der wenigen
bleibenden deutschen Bücher."
- WINKLER, Willi
(2004): Der E-Punkt.
In Wien fragt die Ausstellung "Go Johnny Go" nach Kunst, Mythos und
Sex der E-Gitarre,
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.10.
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WINKLER, Willi (2007): Auf Knien vor Elvis' Grab.
Der erste Urlaub allein (8): Naiv stolperte unser Autor dereinst
durch die USA. Doch die Gewissheit, dass er alles schaffen kann, gab
ihm das Bairisch von Franz Beckenbauer,
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.09.
- Neu:
WINKLER, Willi (2009): Was vom Manne übrigblieb.
Der moderne Kerl ist stets gebrochen und in Gefahr, zum Lächerling
zu werden. Wie konnte das passieren? Eine (natürlich wehleidige)
Heldendämmerung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.04.
- Anmerkungen:
Nach diesem Artikel weiß man,
warum die Männer der 78er-Generation
niemals Vorbilder für die nachwachsende Generation werden können.
Angeblich gibt es ja keine Helden mehr, und wenn, dann sind es keine
Männer, meint Willi WINKLER.
Generationsgenosse Norbert BOLZ nannte sein Buch
"Die Helden der Familie"
(2006) und meinte damit nur sich selbst und Gleichgesinnte, alle
anderen sind dagegen Weicheier. Der Philosoph Dieter THOMÄ - auch er
ein Generationsgenosse - nennt sein Väter-Buch "Eine moderne
Heldengeschichte" (2009). So viel Heldenbücher dieser Generation,
das deutet allemal auf eine Krise hin. WINKLER liegt mit seiner
Jammerarie also voll im Trend seiner Generationsgenossen.
"Ich hatte einmal das
rare Glück, mit Männern allein im Wald das Mannsein zu erleben. Das
begab sich weit weg im Westen der USA, wo der Pazifik für eine
tiefgrüne Flora sorgt".
So kitschig
klingt Mannsein bei WINKLER. Bedauerlicherweise können sich Männer
nicht mehr in Schlachten tummeln. Stattdessen verständnisvolle
Pädagogen. So ziemlich das Übelste was einem Junge widerfahren
kann.
Da steigt die Sehnsucht bei WINKLER nach einem katholischen
Romantiker wie EICHENDORF. Und die
Jugend von heute ist sowieso nicht
mehr zu retten, denn die treffen sich lieber auf LAN-Partys, statt
"nach dem großbrüstigen Mädchen in der Nachbarklasse
(...)(zu) lechzen".
Schließlich
ist der Mann mehr als einfach strukturiert:
"Das, was sie können,
sich wehren, um sich schlagen, erobern, vor allem aber sich (und
damit die Art) fortzupflanzen, das ist doch immer weniger gefragt.
In jeder Hochzivilisation sinkt die Geburtenrate, wozu braucht es
also das aufwendige Anbahnungs- und Zeugungsgeschäft?"
Fragt man sich
also nur noch: Wo war Willi WINKLER als ihn die nachwachsende
Generation gebraucht hätte? Offenbar war er da gerade als Waldmensch
unterwegs...
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