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Wolfgang Herrndorf: Partyzone Berlin

 
       
     
       
   
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    Wolfgang Herrndorf in seiner eigenen Schreibe

     
       

    HERRNDORF, Wolfgang (2004): Diesseits des Van-Allen-Gürtels.
    Beitrag zum Bachmann-Preis 2004 in Klagenfurt

    HERRNDORF, Wolfgang (2004): Klagenfurt.
    Ein erfundener Erfahrungsbericht über das Ingeborg-Bachmann-Wettlesen am Wörthersee,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 17.07.

    Wolfgang HERRNDORF plaudert über seine Teilnahme in Klagenfurt: "Was wollte ich eigentlich in Klagenfurt? Man wurde das Gefühl nicht los, sich rechtfertigen zu müssen. Goetz hatte sich an Ort und Stelle selbst bestraft, Nadolny seinen Preis verschenkt, Georg Klein schrieb nur noch Fußballreportagen. Warum wollte ich dahin, wo keiner hinwollte? Lassen Sie es mich so formulieren.
    Martin Walser inszeniert zu jedem Buch einen eigenen Skandal und hat es in der Liste der reichsten Deutschen auf Platz 34 gebracht.
    (...).
    Eine andere Möglichkeit war, Tabus zu brechen wie ein Geisteskranker (...). Das letzte Tabu hatte meines Wissens
    Jana Hensel geknackt: Verniedlichung des Totalitarismus.
    (...).
    Eine dritte Strategie sah vor, gerichtsnotorisch zu werden (....).
    Biller, Herbst und Lentz hatten das vorgemacht, ich fand ihre Bücher fantastisch. aber auch dieser Weg war mir verbaut, man brauchte häßliche Ex-Freundinnen dazu.
    (...).
    Meine ganze Aufmerksamkeit im Vorfeld galt der Erlangung des
    Burkhard Spinnenschen Wohlwollens. In den Jahren zuvor hatte man erkennen können, daß, wer Juror Spinnen auf seiner Seite hatte, nicht unterging, jedenfalls nicht auf dramatische oder unelegante Weise."

     
       

    Wolfgang Herrndorf: Gespräche und Porträts

     
       

    FÖRSTER, Jochen (2007): Der neue Wilde.
    Wolfgang Herrndorf über Bücher,
    in: Welt v. 10.02.

    MORISSE, Jörn (2007): Wolfgang Herrndorf (Schriftsteller) - Es ist ja nicht so, dass man auf einer Kunsthochschule was lernt, in: Derselbe - Wovon lebst Du eigentlich? Vom Überleben in prekären Zeiten, München: Piper Verlag

    HERBOLD, Astrid  (2010): Das Ding im Kopf.
    Traurig, komisch: "Arbeit und Struktur", der Blog des schwerkranken Autors Wolfgang Herrndorf,
    in:
    Potsdamer Neueste Nachrichten v. 10.12.

    PASSIG, Kathrin (2011): Wann hat es "Tschick" gemacht, Herr Herrndorf?
    Erst war er bei der „Titanic“, dann schrieb er „In Plüschgewittern“ - und jetzt ist sein Roman „Tschick“ zum Bestseller geworden. Im Interview erklärt Wolfgang Herrndorf, warum schreiben kundenfreundlicher ist als malen,
    in: faz.net v. 31.01.

    HÖBEL, Wolfgang  (2011): Warum denn nicht ich?
    Der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf, dem mit dem Abenteuerroman "Tschick" ein Überraschungserfolg gelang, schildert in seinem Netz-Tagebuch seinen Kampf gegen den Krebs - komisch, traurig und poetisch. Ein Literaturereignis,
    in:
    Spiegel Nr.6 v. 07.02.

     
           
       

    Wolfgang Herrndorf in der Debatte

     
       

    BARTELS, Gerrit (2011): Die großen Grenzen.
    Literaturbetrieb: Was macht einen Schriftsteller eigentlich zum Schriftsteller? Und warum machen sie nie die Politik zum Thema ihrer Bücher? Oder schreiben so wenig gegenwartsnah? Von den Schwierigkeiten junger Autorinnen und Autoren,
    in:
    Tagesspiegel v. 20.11.

    Gerrit BARTELS verteidigt die Debütanten der Generation @ gegen Matthias POLITICKY, den Möchtegern-Großschriftsteller der Single-Generation, der in einem ZEIT-Aufsatz seine altbekannten Ansichten aufgefrischt hat:

    "Trost könnten junge Autoren und Autorinnen finden, wenn sie einen Roman wie Wolfgang Herrndorfs »Sand« lesen. Von Gegenwärtigkeit kann hier keine Rede sein, um einen relevanten Realismus, um »Leben« (auch so eine Kategorie) schert Herrndorf sich nicht die Bohne. Grenzen aber überschreitet er von der ersten bis zur letzten Zeile (und unterhaltsam ist er zudem). (...). Weshalb es für junge Autoren nur heißen kann: locker machen, weitermachen, an sich selbst glauben. Und vielleicht einmal die Bücher von Matthias Politycki studieren. Sonntagsreden sind nämlich das eine. Sie aber in die Tat, die eigene Prosa umzusetzen, das andere."

    AKRAP, Doris (2012): "Das muss man erst mal hinkriegen".
    Bestseller: Zur Buchmesse ein Gespräch mit Robert Koall, Freund des krebskranken Autors Wolfgang Herrndorf, über "Tschick", "Sand" und die deutsche Kritik,
    in:
    TAZ v. 15.03.

    SCHMIDT, Christopher  (2011): Wo Winnetou weiterlebt.
    Karl Mays Einfluss auf die Gegenwartsliteratur:
    Karl-May-Leser mögen weniger werden, doch das literarische Indianer-Spiel erlebt derzeit eine bemerkenswerte Wiederkehr. Es lebt weiter in den aktuellen Büchern von Christian Kracht oder Wolfgang Herrndorf - und in der Sehnsucht nach dem Paradies in wilden Schluchten,
    in:
    Süddeutsche Zeitung v. 30.03.

     
           
       

    Sand (2011)
    Berlin: Rowohlt Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "Während in München Palästinenser des »Schwarzen September« das Olympische Dorf überfallen, geschehen in der Sahara mysteriöse Dinge. In einer Hippie-Kommune werden vier Menschen ermordet, ein Geldkoffer verschwindet, und ein unterbelichteter Kommissar versucht sich an der Aufklärung des Falles. Ein verwirrter Atomspion, eine platinblonde Amerikanerin, ein Mann ohne Gedächtnis - Nordafrika 1972.

    Ein mitreißender Agententhriller - und noch viel mehr: ein literarisches Abenteuer, ein außerordentlicher Roman."

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    SEIDL, Claudius (2011): Die Form der Lärm und der Zorn.
    475 Seiten, fast so viele Figuren und ein Mann ohne Gedächtnis: "Sand", der neue Roman von Wolfgang Herrndorf, sprengt alle Grenzen. Vor allem die zwischen Autor und Leser,
    in:
    Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.11.

    KNIPPHALS, Dirk (2011): Wehe dem, der in der Wüste liegt.
    Identitätssuche: Wolfgang Herrndorf dreht ein Pathosthema der Moderne ins Trashige und erwischt seine Leser existenziell - "Sand",
    in:
    TAZ v. 15.11.

    BARTELS, Gerrit (2011): Der Wums der Wüste.
    Spasski gegen Moleskine: Wolfgang Herrndorfs großartiger Unterhaltungsroman "Sand",
    in:
    Tagesspiegel v. 17.11.

    HÜNNINGER, Andrea Hanna (2011): Die Wüste ist ein sinnloser Ort.
    Und "Sand", der neue Roman von Wolfgang Herrndorf, ebenso rätselhaft wie bewegend,
    in:
    Die ZEIT Nr.47 v. 17.11.

    SPEICHER, Stephan (2011): Mord und Schuld und CIA.
    Man ist begeistert: Wolfgang Herrndorf streut uns "Sand" in die Augen und wischt ihn wieder aus,
    in: Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung v. 06.12.

    FASTHUBER, Sebastian (2011): Die drei ??? und der Mord in einer Hippiekommune.
    Mit dem wahnwitzigen Agententhriller "Sand" legt der deutsche Schriftsteller Wolfgang Herrndorf ein Buch des Jahres vor,
    in: Falter Nr.49 v. 07.12.

    MORITZ, Rainer (2011): Wenn kein Sandkorn auf dem anderen bleibt.
    Nordafrika im Sommer des Jahres 1972, eine Altachtundsechziger-Kommune in der Einöde - und ein mörderischer Anschlag: Aus diesen Zutaten hat Wolfgang Herrndorf seinen Wüstenthriller "Sand" gestrickt,
    in: DeutschlandRadio v. 08.12.

    Neu:
    MAAR, Michael (2012): "Er hat's mir gestanden".
    Überlegungen zu Wolfgang Herrndorfs "Sand",
    in:
    Merkur Nr. 755, April

     
           
       

    Tschick (2010)
    Berlin: Rowohlt Verlag

     
       
         
     

    Klappentext

    "»Ich muss dir ein Geheimnis verraten«, sagte ich. »Ich bin der größte Feigling unter der Sonne. Der größte Langweiler und der größte Feigling, und jetzt können wir zu Fuß weiter. Auf einem Feldweg würd ich's vielleicht versuchen mit dem Wagen. Aber nicht auf der Autobahn.« Zwei Jungs. Ein geknackter Lada. Eine Reise voller Umwege durch ein unbekanntes Deutschland.".

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    FASTHUBER, Sebastian (2010): Der schönste Sommer meines Lebens,
    in: Falter Nr.39 v. 29.09.

    MAGENAU, Jörg (2010): Abenteuer aus dem rätselhaften deutschen Osten,
    in: DeutschlandRadio v. 30.09.

    SEIBT, Gustav (2004): Zauberisch und superporno.
    Maik, wohlstandsverwahrlost, und Tschick, hochbegabt, asozial, werden nicht zu Tatjanas 14. Geburtstag eingeladen. Sie drehen ein anderes Ding. Ein Buch wie ein Roadmovie - nur besser,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 13.10.

    BARTELS, Gerrit (2010): Endkomischer Roadroman.
    "Tschick" von Wolfgang Herrndorf setzt genau das um, was der Autor vom Schreiben erwartet. "Es muss einen packen", meint er,
    in: Tagesspiegel v. 14.10.

    LOVENBERG, Felicitas von (2010): Wenn man all die Mühe sieht, kann man sich die Liebe denken.
    Tom Sawyer und Huck Finn kreuzen im geklauten Lada durch den wilden Osten: Wolfgang Herrndorf ist in seinem neuen Roman "Tschick" ganz groß in Fahrt,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.10.

    HAMANN, René (2010): Schmeiß das Handy weg.
    Jugend: Wolfgang Herrndorfs "Tschick" ist ein schönes Roadmovie in Romanform über die Reise zweier junger Männer ins Ungewisse,
    in: TAZ v. 27.10.

    SEIDLER, Ulrich (2010): Mist bauen im großen Stil.
    Eine wilde, zarte Reise durch die Pubertät: "Tschick" von Wolfgang Herrndorf,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 28.10.

    RÜDENAUER, Ulrich (2010): Abenteuerreise ins eigene Leben.
    Zwei Vierzehnjährige und ein Sommer: Wolfgang Herrndorfs großartiger Roman "Tschick",
    in: Frankfurter Rundschau v. 13.11.

    MELLER, Marius (2010): Road-Novel im Jugendstil,
    in: DeutschlandRadio v. 19.11.

    BLUM, Thomas (2010): Gar nicht schräg,
    in: Jungle World Nr.47 v. 25.11.

    SCHACHINGER, Christian (2010): Durch den wilden Osten.
    Wolfgang Herrndorf schickt zwei Berliner Jugendliche hinaus in die dunkel-wildromantische Landschaft der Walachei und deren Bewohner,
    in: Der Standard v. 22.12.

    PAVLIDOU, Eleni (2011): Flimmernde Sterne, galoppierende Schweine.
    Wolfgang Herrndorf: Eine Irrfahrt durch die ostdeutsche Pampa,
    in: Neues Deutschland v. 13.01.

    WIRTHENSOHN, Andreas (2011): Das Prinzip Lebensfreude.
    Überraschungserfolg: "Tschick" von Wolfgang Herrndorf,
    in: Wiener Zeitung v. 15.01.

    SAAGER, Michael (2011): Die Welt ist schlecht, oder etwa nicht?
    Viel zu selten werden solche Romane geschrieben, Romane wie Herrndorfs "Tschick" – hinreißend, lustig, spannend, klug und wahrhaftig. Besser als die Wirklichkeit?,
    in: Fluter v. 21.01.

     
           
       

    Diesseits des Van-Allen-Gürtels (2004).
    Beitrag zum Bachmann Preis 2004 in Klagenfurt

     
       
         
     

    Stimmen zur Kurzgeschichte

    "short story von Wolfgang Herrndorf, die kühl von einer höchst unwahrscheinlichen Annäherung eines bindungsunfähigen, depressiven Mannes und eines pubertierenden Jungen erzählte"
    (Richard Kämmerlings in der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 28.0.2004)

    "Leer ist die Welt in dieser eher wenig wagenden Literatur häufig, leer geräumt, bevölkert von Monadenwesen, Einsamen, die sich und Reste von Nähe eher zufällig finden, auf der Spitze eines Berges aus Vergangenheit stehen. "
    (Elmar Krekeler in der Welt vom 28.06.2004)

     
         
     
           
       

    Der Beitrag in der Debatte

    LOTTMANN, Joachim (2004): Ohren zu und durch!
    Das Wettlesen beim Bachmann-Preis in Klagenfurt, vom Fernseher aus gesehen,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 27.06.

    Joachim LOTTMANN charakterisiert zuerst einmal - Deutsche Einheit-mäßig - den typischen Wettbewerbs-Literaten, dessen hervorstechendsten Merkmale sein Dresscode und seine Meinungslosigkeit sind. Davon hebt er dann die Ausnahmen ab:

    "Zwischen ihnen und den neuen ernsten Gutaussehkandidaten sitzt aber immer die eine Ausnahme, die sich Klagenfurt jedes Jahr leistet, den einen Inhaltisten, den einen Pop-Autor, den einen, der etwas erlebt hat (...), dieses Jahr Wolfgang Herrndorf."

    Ein bisschen Rebellion muss dann auch noch sein:

    "Lichtblick: In den kleinen Filmchen, in denen jeder Autor vor seinem Lese-Akt gedankenschwer schweigend vorgestellt wird (...) fehlte eines: Wolfgang Herrndorf hatte sich geweigert, sich dergestalt dämlich aufnehmen zu lassen. Eine Sende-Leerminute entstand, peinlich irre und aufregend. Es war die einzige Minute im Fernsehen, die mir wirklich literarisch vorkam."

    BARTELS, Gerrit (2004): Zeitlos groß in Klagenfurt.
    Bei aller gebotenen literarischen Qualität: Auf den 28. Tagen der deutschsprachigen Literatur zu Ehren Ingeborg Bachmanns in Klagenfurt wurde offenbar, dass sich die deutsche Gegenwartsliteratur erstaunlich wenig für die Gegenwart interessiert,
    in: TAZ v. 28.06.

    JANDL, Paul (2004): Trambahn nach Dresden.
    Der Ingeborg-Bachmann-Preis 2004,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 28.06.

    "Eine transzendentale Obdachlosigkeit, die unterm nächtlichen Firmament nicht minder erbarmungslos ist als in tristen Hinterhofwohnungen, führte der in Berlin lebende Wolfgang Herrndorf vor. Das präzise Kammerspiel von der Hoffnungslosigkeit des Lebens wurde von der Jury eindeutig unterschätzt, bekam aber den diesjährigen Publikumspreis", merkt Paul JANDL an.

    KÄMMERLINGS, Richard (2004): Was zählt, ist auf dem Blatt.
    Unter Wert verkauft: Der 28. Klagenfurter Bachmann-Preis,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.06.

    Richard KÄMMERLINGS vermisste zwar eine Grundsatzdebatte über das, was Literatur heute sein sollte, kritisierte also vorwiegend die Jury, war aber ansonsten ganz zufrieden mit dem Wettbewerb.

    "Die Jury ließ sich begeistern. Etwa gleich am ersten Morgen, bei der short story von Wolfgang Herrndorf, die kühl von einer höchst unwahrscheinlichen Annäherung eines bindungsunfähigen, depressiven Mannes und eines pubertierenden Jungen erzählte, in dessen Träumen vom Kosmonautenleben der Ältere die eigenen, im täglichen Daseinskampf längst versickerten Sehnsüchte erkennt. Mit kunstvoll verknappten Dialogen wurde hier eine Romantik im Endstadium heraufbeschworen, Caspar David Friedrichs Mond als trübes Restleuchten im trostlos-schwarzen Hinterhof der Gegenwart",

    beschreibt KÄMMERLINGS ausführlich die Story von HERRNDORF.

    KREKELER, Elmar (2004): das Ritual mit Leben gefüllt.
    Ingeborg-Bachmann-Preis: In Klagenfurt trafen in diesem Jahr gute Texte auf Kritiker in Hochform,
    in: Welt v. 28.06.

    MANGOLD, Ijoma (2004): Kuss auf die Wange.
    Alles anders: Der 28. Literaturwettbewerb in Klagenfurt,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 28.06.

    Ijoma MANGOLD lobt die Vielfalt und Abwechslung an Genres und Formaten beim Wettbewerb.

    MELLER, Marius (2004): In Schokoladengewittern.
    Kritik ist die schönste Drecksarbeit der Welt – beim Wettbewerb um den Bachmann-Preis in Klagenfurt fand sie würdige Gegner,
    in: Tagesspiegel v. 28.06.

    Marius MELLER hält die Kurzgeschichte von HERRNDORF für unterbewertet: "Herrndorf bekam (...) nur den Publikums-Preis, der per E-mail ermittelt wird. Nur ein Trostpflästerchen – denn sein Text »Diesseits des Van-Allen-Gürtels« hätte unter Normalbedingungen mindestens einen bis anderthalb Bachmannpreise verdient. In einer leisen, unprätentiösen, lakonischen, intensiven Sprache schildert er den Spätnachmittag eines Melancholikers um die Dreißig auf dem Balkon der leer geräumten Nachbarswohnung. Ein pubertierender Rüpel aus dem Viertel gesellt sich dazu. Es wird getrunken und geraucht. Man beobachtet den Mond. Der Dreißigjährige dekonstruiert grausam das Weltbild des Jungen. Aber er bringt ihn zum Weiterdenken, so wie Samuel Becketts Moran seinen Sohn, den er aus Erkenntnisgründen lehrt, an die Höllenqualen zu glauben. Auf ihre Weise erleben beide Figuren einen Moment transzendenter Erhabenheit. Und das Ganze funktioniert, ohne im Geringsten kitschig zu wirken.
    Herrndorf, Jahrgang 1965, war die eigentliche Entdeckung des Wettbewerbs. Sein Schreiben erweckt den Eindruck, es sei ganz dicht an der Gegenwart, was immer das heißen mag, und trotzdem angeschlossen an die Literaturgeschichte: an Kafka, Beckett, Carver und die deutsche Popliteratur."

    SCHRÖDER, Christoph (2004): Aus der germanistischen Wundertüte.
    Uwe Tellkamp gewinnt bei den 28. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt,
    in: Frankfurter Rundschau v. 28.06.

    "Mit Wolfgang Herrndorf (...) gewann ein Autor den via Internet vergebenen Publikumspreis, der gleich am ersten Tag mit einer sich banal anlassenden Geschichte, die bekannte Berliner-Hinterhof-Altbau-Schlunzigkeit inszenierend, um sich dann urplötzlich zu transzendieren und in eine Reflexion über das Universum zu münden, ein starkes Zeichen setzte und dann in den Mühlen der Preisvergabe leer auszugehen drohte", merkt Christoph SCHRÖDER an.

     
           
       

    In Plüschgewittern (2002)
    Frankfurt: Zweitausendeins

     
       
         
     

    Klappentext

    "Dieser Roman ist eine hellsichtige Deutschlanddiagnose aus der Sicht eines Beobachters mit überscharfer Wahrnehmung und merkwürdigen Angewohnheiten, der bei seinen pointierten Analysen immer wieder auch den Blick auf das eigene Leben riskiert:
    »Im Rückblick kommen mir die Höhepunkte meines Lebens vor wie eine Reihe von Zufallsbildern. Fußballübertragungen, Tapetenmuster, Werbemelodien, und eine kleine Entzündung auf der Oberlippe des Gegenübers erweist sich als haltbarer und beständiger als alle Liebesschwüre oder Daseinskatastrophen«.
    Die Einladung seines Freundes Desmond nach Berlin reißt ihn aus dem Strom seiner Gedanken, und hier, in der Metropole, taucht er ab ins anarchische Szeneleben."

    Zitate:

    Die Generation X als Medienphänomen

    "Im Stern gab es mal dieses Foto, Anfang der 90er Jahre, glaube ich, eine Reportage über die Generation X. Generation X, das war so ein Begriff, der damals aufkam, und das sollten Jugendliche sein, die sich der Gesellschaft verweigern, ohne gegen sie zu protestieren. Oder so ähnlich jedenfalls. Ich hab es nicht genau verstanden.
    Natürlich gab es das auch gar nicht, und da hat dann der Fotograf vom Stern eben so Leute wie Erika in eine unordentliche Umgebung gesetzt, und im Text hieß es dann, Erika, 22, sei wahnsinnig selbstbewußt und intelligent, würde aber nur als Kellnerin jobben, und das auch nur, wenn sie gerade Geld brauchte, und mit Freunden würde sie durch die Straßen ziehen, billige Drogen konsumieren und die Spießer verhöhnen und nachts im Bett Turgenjew lesen.
    Es war ein klasse Foto, wie sei da auf der Bettkante hockte und überhaupt nicht lächelte mit ihren riesigen Schneidezähnen, und Erika hat sich furchtbar darüber aufgeregt. Bei Turgenjew, der aufgeschlagen auf ihrem Nachttisch lag, war sie über die ersten dreißig Seiten nie hinausgekommen, und das hatte sie dem Mann vom Stern auch gesagt. Aber der wollte von Terry Pratchett wiederum nichts wissen. Und daß der Rest auch nicht stimmte und daß es die Generation X gar nicht gab - all das hat Erika aufgeregt. Allerdings zu Unrecht. Denn es dauerte nicht lang, und dann gab es das wirklich, und die Leute liefen so herum, und das war auch kein Wunder. Selbst mich überkam beim Anblick des Mädchens, das auf der Bettkante hockte, billige Drogen konsumierte, die Spießer verhöhnte und nachts im Bett Turgenjew las, ein unbestimmtes Sehnsuchtsgefühl. So ein Foto war das." (S.13f.)

    Von Kneipe zu Kneipe:
    Oder das Elend des 21. Jahrhunderts

    "Ich lasse alles, was nach Szenelokal aussieht, links liegen und gehe nur in Kneipen mit Holzvertäfelung und Sportpokalen über der Theke und Namen wie Eck-Kartause oder Pilsner Stüberl. Und das Schöne daran ist, da stehen dann so Frauen mit Perückenfrisuren hinter der Theke, die gar nicht warten, bis man den Mund auftut, sondern gleich: »Ein Bier?« rufen und schon die Hand am Zapfhahn haben, egal, ob man diese Schultheiss-Brühe wirklich will oder nicht. Das ist schon erfreulich, daß es das noch gibt, mitten in dieser riesigen Stadt.

    Nach sechs oder sieben Kneipen lande ich im Kaffee Burger in der Torstraße, einem völlig heruntergekommenen 70er-Jahre-Wohnzimmer mit speckigen Häkelvorhängen und Ostdevotionalien an der Wand, und ich merke zu spät, daß das Ganze keine Stüberl-Kneipe mehr ist. Und zwar merke ich das daran, daß die Musik, die da läuft, nicht wirklich scheiße ist und überall nur ganz, ganz junge Leute in Trainingsjacken rumstehen. Sie sind alle noch schlechter angezogen als ich, das heißt also besser, denn die Masse hat ja irgendwie immer recht. Ich versuche ein Bier zu bestellen, und es dauert eine Dreiviertelstunde, bis die Bedienung reagiert. Daß man nicht bedient wird, gehört in solchen Clubs ja dazu. Keine Bedienung, Hosen ohne Form und grauenvoll bedruckte T-Shirts. Ich fühle mich da immer ein bißchen ausgegrenzt.
    Das Komische daran ist, wenn man Marzahn rausfährt oder in andere Elendsquartiere, sind die Leute genauso gekleidet. Da sitzen die Kinder vor den Supermärkten auch noch mit Stoffhosen und blauer Adidas-Trainingsjacke, genau wie hier. Außer daß die hier Achttausendmarksjobs machen und Kommunikationsbrillen aufhaben. Das haben die in Marzahn natürlich nicht. Da ist das noch 70er-Jahre-Elend, während das hier 21. Jahrhundert ist. Wenn man von hier nach Marzahn läuft, kann man wahrscheinlich sogar eine kontinuierliche Zeitreise unternehmen durch alle Moden und Haltungen der letzten dreißig Jahre. Die 90er in Friedrichshain, die 80er in Lichtenberg, die 70er in Marzahn." (S.166f.)

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    ZEHRER, Klaus Cäsar (2002): Wie geht's uns denn heute?
    Wie "in Plüschgewittern" - wie das ist, erzählt Wolfgang Herrndorfs Roman,
    in: Berliner Zeitung v. 21.10.

    REENTS, Edo (2002): Geboren im Sternzeichen Krokodil.
    Wolfgang Herrndorfs trinkfestes Romandebüt,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.11.

    BARTELS, Gerrit (2003): Berlin, 2001,
    in: TAZ v. 15.01.

    SEIBT, Gustav (2003): Nicht ohne meine Kommunkationsbrille.
    Halb sarkastisch, halb romantisch: Wolfgang Herrndorfs kleiner Berlin-Roman "In Plüschgewittern",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 29.01.

    Der generationengerechte Gustav SEIBT schwingt sich zum Vormund der Flutkatastrophenopfer auf. Als deren selbsternannter Fürsprecher führt er seinen Kreuzzug gegen die Spaßgesellschaft, genauer: gegen die "Partyzonen wie »Mitte« oder »Friedrichshain«. Als Anlass dient ihm dieses Mal die Rezension von Wolfgang HERRNDORFs "In Plüschgewittern", die nebenbei zum Rundumschlag gerät gegen alles worunter SEIBT Pop versteht. Das beginnt bei Sven REGENERs SO36-Roman "Herr Lehmann", geht weiter zu David WAGNERs "Meine nachtblaue Hose" und endet bei den derzeit erfolgreichen ostdeutschen Schriftstellern wie Thomas BRUSSIG, Jakob HEIN ("Formen menschlichen Zusammenlebens") und dem Reinhard MOHR-Hätschelkind Jana HENSEL. Das Hätschelkind von SEIBT heißt dagegen Martin Z. SCHRÖDER, der "ein wenig vom Ich absieht". Im Gegensatz zu SEIBT selbst, der erst vor kurzem ICH-Sagen gelernt hat. Ina HARTWIG hat ihm dafür eine "gewisse Steifheit der Selbstdarstellung" (FR 05.09.2002) bescheinigt. An HERRNDORFs Roman gefällt SEIBT in erster Linie dessen kritischer Blick auf den Berliner "Kaffee Burger", den HERRNDORF als völlig heruntergekommenes "70er-Jahre-Wohnzimmer mit speckigen Häkelvorhängen und Ostdevotionalien an der Wand" beschreibt (Detlef KUHLBRODT sieht das ganz anders). Geiz-ist-nicht-geil-Oberlehrer SEIBT fügt dem hinzu:

    "Diese jungen Menschen tragen zwar dasselbe wie die Kinder vor Supermärkten in Marzahn, mit dem Unterschied allerdings, »dass die hier Achttausendmarkjobs machen und Kommunikationsbrillen aufhaben«. Damit ist der Regelkreis der Neidgesellschaft geschlossen."

    Aber vielleicht ist alles auch ganz anders? So schreibt Harald MARTENSTEIN (ZEIT v. 30.01.2003) zu den Gesetzen der Szenemode:

    "Das, was bei der gesellschaftlich tonangebenden Altersgruppe als besonders geschmacklos gilt, wird von der nachwachsenen Generation immer zur Szenemode ernannt".

    Als Beispiel nennt MARTENSTEIN die Clubgänger von Berlin-Mitte, die heute so aussähen wie Bauarbeiter von 1980<-

    "Also wie die Antithese zu den aktuellen (...) Opinion-Leaders".

    Daraus lässt sich folgern: Die Partygänger der Spaßgesellschaft wollen unter keinen Umständen mit Typen wie Gustav SEIBT verwechselt werden. Was SEIBT kritisiert ist also nichts anderes als die Kehrseite seines eigenen Generationenstils.

    Das Ende der Spaßgesellschaft - Kulturkämpfe in der Popmoderne

    REICHELT, Matthias (2004): Modellbau Deutschland.
    Wenn alles in Ordnung ist, ist nichts in Ordnung: Mit seinem Romandebüt »In Plüschgewittern« beschreibt Wolfgang Herrndorf die unsexy BRD-Bürgerlichkeit,
    in: junge Welt v. 07.02.

     
       

    Wolfgang Herrndorf im WWW

    www.wolfgang-herrndorf.de

     
       

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    webmaster@single-generation.de Erstellt: 06. Februar 2003
    Update: 20. Juni 2015