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Klappentext
"Mit dem Aufbau alternativer
Projektmodelle (Werkstätten, Buchläden, Druckereien,
Landkommunen etc.), der Radikalisierung des eigenen
Lebenszusammenhangs, der Entfaltung eines Systems der
Gegenökonomie, letztendlich mit der
»Politik der ersten Person«, stellen sich für eine Bewegung
die Probleme von Widerstand, Kampf und Antizipation nicht
länger mehr unter den Bedingungen der Klassengesellschaft,
sondern nur noch im Medium subjektiver Erfahrung und
konkreter Alltagspraxis. Spätestens seit dem Tunix-Treffen
in Berlin hat das - was etwas pauschal als
Alternativbewegung bezeichnet wird - ein öffentliches
Interesse gefunden, das selbst über den
Kommunikationszusammenhang der Linken hinausreicht. Indem
für sie nicht mehr die soziale Wirksamkeit eines
Klassenkampfkonzeptes, sondern der Entwicklungsgrad
positiver Lebensentwürfe das Erfolgskriterium für ihre
Arbeit darstellt, versucht die Alternativbewegung in einer
existentiellen Krise der Neuen Linken eine Antwort auf
Integration und Repression zu finden.
Jedoch
ist die Frage zu stellen, ob sich tatsächlich die »Große
Verweigerung« positiv in die Organisierung des eigenen
Lebenszusammenhanges umkehren läßt, ob das Ende des langen
Marsches durch die staatlichen mit dem Aufbau eigener
Institutionen, die vollständige politische Isolation mit der
Kehrtwendung in eine Autonomie-Position der Stärke
beantwortet werden kann. Wie weit läßt sich der Kapitalismus
transzendieren, ohne daß dies die Abschaffung seiner
ökonomischen Strukturen zur Voraussetzung haben muß? Kann
die Alternativbewegung wirklich einen neuartigen Ansatz zur
Revolutionierung der spätkapitalistischen Metropolen
begründen oder ist sie nur eine Zerfallserscheinung, eine
subkulturelle Fluchtbewegung, die in der Umstandslosigkeit
ihres Bedürfnisansatzes letztendlich zur politischen
Wirkungslosigkeit verkommen muß?
Neben
Diskussionsbeiträgen, die diese Fragen behandeln, enthält
der Band noch einen historischen Anhang und eine
ausführliche Biographie."
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Zitate:
Konfliktlinie der 68er-Bewegung
"Die
schier unvermittelbaren, ja sich geradezu ausschließenden
Positionen im exemplarischen Konflikt zwischen der Kommune I
und dem Berliner SDS, in dem Orgasmusschwierigkeiten gegen
den Vietnamkrieg und die Verbandspolitik einer
Studentenorganisation gegen die Revolutionierung der
Verkehrsformen vice versa ausgespielt wurden, drückt diese
Diskrepanz noch am gravierendsten aus, die dann im
organisatorischen Ausschlußverfahren nur zum Schein gelöst
wurde. Danach ist es in der Geschichte dieser im Laufe nur
eines Jahrzehnts so ungeheuer rapide gealterten Neuen Linken
kaum noch zu derartigen Brüchen gekommen, da die strikte
Auseinanderdividierung von subjektiven und objektiven
Momenten in der Motivation zum politischen Kampf eine
folgenreiche Desillusionierung der einstmals emphatischen
Ansprüche hinterließ."
(Wolfgang Kraushaar, 1978, S.20)
"Ich
möchte sie (...) die Dunkelroten nennen, im Gegensatz
zu dem bunten Haufen der Hellroten. Wie kam es zu
dieser Spaltung und was bedeutet sie?
(...).
Sexualverhalten (...). Für (...) diese Verhaltensweisen gibt
es in der Mythologie und auch in der Lehre der Roten keine
strikten Vorschriften; sie schienen also dem Belieben des
Einzelnen oder der Konvention der Gruppe anheimgestellt zu
sein. Daher unsere Vermutung, daß der Keim der Spaltung
gerade hier erwuchs und gedieh, also (...) auf der Ebene der
Gesten und nicht der Sätze - was ihre anschließende
Einbindung in Grund- und Vorsätze nicht etwa ausschloß,
sondern geradezu erforderte, um der Reinheit und
Verbindlichkeit der Lehre willen, die es nunmehr in zwei
Versionen gibt. So sammeln sich heute die von ihrer Prägung
her eher rigiden, asketischen, autoritären (oder kurz »analen«)
Elemente in den (übrigens zerstrittenen (Organisationen der
Dunkelroten (K-Gruppen, ML-Organisationen, Kaderparteien und
wie die Namen alle heißen), wo sie ihre kargen Bedürfnisse
auf die richtige Linie bringen können, während die anderen,
die mehr lasziv, libertär und chaotisch (kurz: »oral«)
veranlagt sind, die lockeren Haufen der Hellroten bilden und
sich gerne Spontis nennen. Dieser Ausdruck ist von
dunkler etymologischer Herkunft. Er läßt sich zurückführen
auf lat. sponte (aus eigenem Antrieb, auf eigene
Faust) oder auf germ. Sponde (vom lat. sponda: Bett,
Sofa) oder auf germ. Spund (Loch im Faß und Zapfen),
gebräuchlicher in der sexuell gefärbten Metapher junger
Spund (Halbstarker, zu klein fürs Loch), oder
schließlich auf germ. Spund/Spind (weicher Kern,
davon abgeleitet spintisieren = labern). Alle diese
Bedeutungen zusammengenommen beschreiben den Tatbestand
recht gut. So heißt denn auch eine ihrer Zauberformeln »Wir
wollen alles!«, während die anderen sich unter den harten
Spruch beugen: »Dem Volke dienen!«"
(Matthis Dienstag, 1978, S.154f.)
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