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Kritik mit weiterführenden Links

 
   

Susanne Mayer:
Strafsteuer für Kinderlose?
Angela Merkel hat Recht: Familien müssen entlastet werden,
in: Die ZEIT Nr.15 v. 03.04.2003

 
   

Frau Mayer hat unrecht!
Eine Kritik von Kai Schlesinger und ein Kommentar von Dagmar Brandt

 
       
     
       
   
 
 

Frau Mayer hat unrecht!

Seit Monaten streiten Wissenschaftler und Sozialexperten aller Parteien um die Neugestaltung des Rentensystems. Allen, auch der Bevölkerung, ist klar: Ein „Weiter so“ gibt es nicht. Tiefgreifende Reformen müssen her, um für weite Teile der Bundesbürger die Gefahr der Altersarmut abzuwenden.
      
  Seit Wochen haben wir uns an die Einzelmeinungen und Expertenstimmen aus der Rürup-Kommission gewöhnt, die genauso regelmäßig wie sie auftauchen, von Stimmen aus Politik, Medien oder Kollegenkreis begrüßt, kommentiert oder abgelehnt werden.
      
  Jetzt hat auch die Sozialexpertin der „Zeit“, Susanne Mayer, die Gelegenheit gefunden, sich in die Diskussion einzuschalten. Danke Frau Mayer!

Begeistert von dem geoffenbarten ökonomischen Tiefsinn erheben wir unser Haupt über die soziale Stammtischkante in Frau Mayers Kinderkrippenruheraum und denken nach:

„Kinderlose sollten höhere Beiträge zahlen - oder eine Halbierung ihrer Ansprüche hinnehmen.“ So steht es in besagtem Artikel.
      
  Hat Frau Merkel gesagt. Die Dame, von der man zuweilen nicht weiß, ob sie der CDU Konrad Adenauers und Ludwig Erhards vorsteht oder ein Revival der Ost-CDU betreibt. Was heißt höher? - und ist die Hälfte eines Anspruches, wie hoch der auch immer sein mag, nicht die Hälfte zuviel?
      
  Mensch, Ihr Kinderlosen, kommet und zahlet, gebet dem Staate was Steuerklasse I Euch noch lässt! Lohnsteuer, Kirchensteuer, Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, alles nur Geschwätz, Ausflüchte um sich vor der gesellschaftlichen Verantwortung zu drücken. Kinderlose brauchen weniger Wohnraum, kleinere Autos, weniger Arbeit.
      
  Das Gesetz des steigenden Fixkostenanteils bei kleinen Betriebsgrößen gilt für Kinderlose nicht. Aber in Fachbegriffe wollten wir uns ja nicht verlieren.

Unserer Gesellschaft fehlen Kinder und damit sich das ändert, sollten die Kinderlosen endlich etwas tun. Fangen wir am besten mit den Arbeitslosen an.
      
  Daran hätten die Herren Clement, Hartz und Gerster nun wirklich schon längst denken können. Eine Kinderprämie für Arbeitslose, warum nicht? Die Ämter sind entlastet und die Betreffenden haben gut zu tun.
      
  Nehmen wir zum Beispiel unseren Betrieb: Ein Metallbaubetrieb mit über 30 Mitarbeitern, im Oktober Insolvenz angemeldet, von den 14 im Insolvenzverfahren verbliebenen Mitarbeitern sind sieben kinderlos. Was machen sie? Sie führen den Betrieb nach Kräften weiter und suchen für den Fall der Fälle einen neuen Job.

Und schädigen so die nächste Generation. Wären sie nicht so selbstsüchtig, würden sie sich weniger mit Stellenanzeigen und mehr mit Fortpflanzungsbiologie befassen und ihrer gesellschaftlichen Pflicht genüge tun. Stellen finden sie sowieso keine. Die in Frage kommenden Unternehmen klagen lieber über schlechte Auftragslagen, Konkurrenz aus dem Ausland und zu hohe Lohnnebenkosten. Aber Fachbegriffe, wie gesagt, lassen wir hier weg.

Kinder sind unsere Zukunft und hätten wir nur genug Kinder, bräuchten wir keine Rentenversicherung. Sagt Frau Mayer.
      
  Funktioniert leider nicht, sagen die Chinesen. Auch die Inder und die Staaten Afrikas haben an dieser Stelle gewisse Zweifel. Souverän entgegnen wir, das sind andere Kulturen mit anderer Vergangenheit.
      
  Die Chinesen freut das, denn sie hatten schon das Papiergeld erfunden, als die Germanen noch nach Worten suchten. Zum Glück fanden sie einige. Zum Beispiel entdeckte vor ungefähr 150 Jahren ein gewisser Karl Marx den Begriff „Das Kapital“. In einer dicken, meist unverständlich geschriebenen Schwarte schreibt er über den Drang von Kapitalisten zum Einsatz arbeitssparender Produktionsverfahren, heute technischer Fortschritt genannt.
      
  Derweil beschreibt sein Freund Friedrich Engels das Paradies der kinderreichen Arbeiterfamilien Englands, wo die Kinder zur Verzückung ihrer Eltern das tun was sie sollen: Sie arbeiten, um ihren Erzeugern wenigstens das Erreichen des Rentenalters zu ermöglichen. Einzige Spielverderber im englischen Arbeiterparadies sind die eingewanderten Iren, die mit ihrer Anzahl und Armut die Löhne so tief drücken, dass selbst die Kinderarbeit kaum zu auskömmlichen Einkommen verhilft.
      
  Marx macht das Verhältnis von Bevölkerungswachstum zu technischem Fortschritt für das Entstehen einer industriellen Reservearmee verantwortlich, die letztlich die dauernde Verelendung des Proletariats begründet.
      
  Ein Standpunkt, den man durchaus relativieren kann. Immerhin genießen die Kinder der Favellas in Rio de Janeiro und der Townships in Kapstadt das Aufenthaltsrecht in den schönsten Städten der Welt, während die Wohlstandsgesellschaft in Europa mit dem welterschütternden Thema der Kinderlosigkeit auseinandersetzen muss.

„Um 16 Millionen wird die Zahl der Erwerbsfähigen in den kommenden Jahren absinken.“ Um mit den Worten einer Molkereifachkraft - auch Milchmädchen genannt - zu sprechen, wird in 50 Jahren jeder Arbeitslose von heute dreimal so schnell arbeiten müssen, wie er es einmal täte, wenn er nur könnte. Wenn ihm nicht der technische Fortschritt in die Quere kommt. Aber den haben wir bis dahin sicher abgeschafft.
      
  Schon heute wandern die Firmen in Scharen ins Ausland ab, werden innovative Arbeitsplätze aus Kostengründen mit Hilfe vernetzter Datentechnik in so genannte Niedriglohnländer verlagert.
      
  Warum sollte auch nicht ein chinesischer Journalist, der sich in mehrjährigem Studium durch die deutsche Sprache gequält hat und aufgrund des Lohnniveaus in seinem Heimatland nur einen Bruchteil der in Deutschland üblichen Vergütung erhält in einer deutschen Zeitung über die Vorzüge des Kinderreichtums philosophieren können? Weil er in China wohnt und die Landesverhältnisse nicht kennt, Punkt. Vielleicht beurteilt er aber gerade deshalb die wirtschaftlichen Verhältnisse hierzulande realistischer als seine deutsche Kollegin. Vielleicht findet er eine andere Würdigung für fünfzig Jahre Aufbauarbeit eines in Trümmern liegenden Landes. Vielleicht hat er eine andere Definition für Kinderfeindlichkeit, Gruppenegoismus, soziale Verantwortung. Vielleicht haben chinesische Kinder noch ein anderes Bewusstsein, eine andere Wertschätzung für Markenkleidung, Lebensmittel, Schulbildung.

Jawohl, auch Schulbildung. Denn Schulbildung gibt es in Deutschland aller Verunglimpfungen und Notwendigkeiten zur Verbesserung zum Trotz, frei und kostenlos. Wie vieles andere in diesem Staat. Gewöhnlich werden solche Errungenschaften eines Landes Infrastruktur genannt.
      
  Fachworte wollten wir eigentlich nicht gebrauchen. Dennoch soll der in einem Artikel obligatorische Experte nicht unerwähnt bleiben. Seit Jahren wirbt der Rentenexperte Prof. Bernd Raffelhüschen für das Konzept der Generationenbilanz als Grundlage für ein neues Rentensystem. Dabei geht es um die Frage, „Wie viel zahlt jemand während seiner Lebenszeit an den Staat und wie viel bekommt er aus öffentlichen Kassen als Gegenleistung heraus?“
      
  Eine komplizierte Frage, schwierig zu berechnen, in jedem Fall unangenehm in der Beantwortung, weil sie manchen polemisch aufgeblähten, sozialstaatlichen Mythos unbarmherzig seiner gruppenegoistischen Verkleidung entblößt.

Wollen wir den Sozialstaat erhalten, ist die Generationenbilanz als ehrliche Inventur der gegenwärtigen und Grundlage der künftigen Verteilungspolitik unabdingbar. Sie macht den Sozialstaat transparent und versachlicht ungeheuerliche Behauptungen der Machart: jeder Kinderlose mit sozialem und ehrenamtlichem Engagement sei ein Egoist, der weder Geld, noch Zeit, noch Kraft mit anderen teile.

Und sie erfüllt eine noch wichtigere Aufgabe: Sie beantwortet die Frage des kinderlosen Steuerzahlers der mittleren Generation mit unsicherer Rentenerwartung, steigenden Beitragsleistungen und nicht überschaubarer beruflicher Perspektive:

Habe ich noch eine Zukunft in diesem Land? Die Abstimmung über die Glaubwürdigkeit der Antwort findet mit Flugscheinen statt!

Ein Kommentar von Dagmar Brandt

für Kai Schlesingers engagierte Kritik zu „Strafsteuer für Kinderlose“ möchte ich die NACHDENKSEITEN  (http://www.nachdenkseiten.de/) empfehlen, die davon sprechen, „ein Gespenst geht um … das der Demographie“. Dort wird ebenfalls der Unsinn vom Kindermangel in einem von Arbeitslosigkeit gebeutelten Land beschrieben. Dort wird herausgearbeitet, dass die leeren Rententöpfe der Arbeitslosigkeit und der Plünderungspolitik der Kohl-Ära zu verdanken sind.

Also:

Könnte eine Verantwortungsethik nicht sogar zu dem Schluss kommen, dass angesichts des technologischen Fortschritts, wie bei Karl Marx beschrieben, es oberste Bürgerpflicht ist, KEINE KINDER in die Welt zu setzen. Nicht weil Kinder an sich arm machen (das glaubte in den 1840er Jahren Robert Malthus und schimpfte über die Armut der Hunger leidenden Iren), das tun sie bei arbeitslosen Familien auch, sondern weil diese Wirtschaft den Menschen nur als Konsumenten braucht, nicht aber als Produzenten. Der Sinn des Lebens besteht aber nicht im Konsumieren sondern in tätiger Teilhabe, also in Arbeit, die den Erwerbslosen als ihnen nicht zustehender Luxus vorenthalten wird. Im Übrigen, wie sollen denn Arbeitslose für die Rentenkassen Beiträge entrichten, sie tun es genauso wenig wie Maschinen.
      
 
Die Finanzkatastrophe für die heute 40- bis 50-Jährigen kommt in 20 Jahren, wenn die privaten Kapital bildenden Versicherungsverträge mit weit weniger Gewinn ausgezahlt werden als noch Anfang der 90er Jahre versprochen wurde, wenn die ererbten oder mühsam abbezahlten Häuser nur noch zu Schleuderpreisen veräußert werden können. Nicht etwa weil es zu wenig Kinder gibt, sondern zuwenig Nachfrager mit ausreichend Einkommen.
      
 
Gerade am Konsumgut Haus wird sich zeigen, dass diese in der Gesellschaft äußerst begehrte Ware keine Abnehmer mehr findet – die Vorboten des Preisverfalls sind bereits in meinem Wohnviertel da. Bis zu zwei Jahren dauert es nach Wegzug der Altbesitzer ins Altersheim oder nach ihrem Sterben, bis die Erben diese Immobilien mit Preisnachlass verkauft haben.

KEINE KINDER in die Welt zu setzen ist eine klitzekleine Form des Protestes gegen lebensfeindliche Verhältnisse. Ein Protest, der nicht auf Straßen und Plätzen stattfindet, sondern leise und privat. Aber selbst das können die mit Abgeordneten-Diäten gesättigten Demokraten nicht hinnehmen. Sie teilen gegen Kinderlose aus, aber leider nicht das, was Kinder zum Leben brauchen, sondern nichts als leere Worte.

KEINE KINDER, das muss das Motto einer Gesellschaft ohne Zukunft werden.      

 
 
 
       
   

Die Mediendebatte

 
   
  • HIG (2003): Merkel will Kinderlose stärker belasten.
    CDU-Vorsitzende für gestaffelte Rentenbeiträge. Selbstbehalt für Patienten mindestens 300 Euro,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.03.
    • Kommentar:
      Die kinderlose Yuppiefrau Angela MERKEL meint machtpolitisch zu punkten, wenn sie sich - die eigene Lebensform verleugnend - die Vorschläge von Familienvater Hans-Werner SINN zu eigen macht, der seit längerem immer wieder einmal die Halbierung der Renten für Kinderlose ins Gespräch gebracht hat. MERKEL betont, dass es ihre persönliche Meinung sei und sie nicht die Parteiposition vertrete.
  • HOFFMANN, Andreas (2003): "Erziehung muss Einfluss auf Altersruhegeld haben".
    Sozialministerin Schmidt: Die Idee der CDU-Vorsitzenden verstößt gegen das Grundprinzip der Versicherung,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 29.03.
  • UWE (2003): Merkels Rentenvorschläge.
    Arbeit am unendlichen Plan
    in: Tagesspiegel v. 29.03.
    • Inhalt:
      UWE bedauert, dass sich MERKELs Vorschläge höchstens langfristig umsetzen lassen.
  • FEUERSTEIN, Rainer (2003): Zur Kasse,
    in: Stuttgarter Nachrichten v. 29.03.
    • Inhalt:
      FEUERSTEIN hat kein Herz für Angela MERKEL:

            
        "Heißt Generationenvertrag denn nicht in erster Linie, dass die Jungen für die Alten zahlen, was ja auch Kinderlose tun? Wer zahlt mehr Lohnsteuer: Ein Single oder die Familie mit Steuerklasse III und drei Kindern? Wer bekommt Mutterschutz, Erziehungsgeld, Eigenheimzulage, kostenlose Krankenversicherung? Finanzieren das alles die Kinder später nach? Und was ist mit dem Mädchen, das später als Erwachsene im EU-Ausland arbeitet, also keinen Beitrag zur deutschen Rentenfinanzierung leistet? Wird ihren Eltern dann konsequenterweise auch die Rente gekürzt?
      Ein blankes Aufrechnen von Renten mit der Anzahl zur Welt gebrachter Kinder ist ein ungeeignetes Mittel. Nicht der Single ist der Sündenbock für leere Rentenkassen, sondern die Politik. Dabei ginge es auch anders. Die Rahmenbedingungen für Eltern müssen so verbessert werden, dass es nicht mehr um eine Entscheidung für Kind oder Karriere geht. Für diese positive Perspektive zahlen dann alle - steuerfinanziert, damit alle sich daran beteiligen. Auch die kinderlose Abgeordnete Merkel".
  • THURNER-FROMM (2003): Politiker verspielen den Konsens,
    in: Stuttgarter Zeitung v. 29.03.
    • Kommentar:
      THURNER-FROMM stört nur, dass überhaupt über die Rentenreform diskutiert wird.
  • STREIM, Andreas (2003): Nur eine Rentenkürzung,
    in: Märkische Allgemeine v. 29.03.
    • Inhalt:
      "Im Gewand der populistischen Familienförderung kommt nur eine drastische Rentenkürzung daher. Und noch dazu eine ungerechte. Denn ein Drittel der heutigen Renten bezahlen nicht die Beitragszahler, sondern alle Steuerzahler, weil der Bund Milliarden in die Rentenkasse zuschießt. Daran sind wegen ihrer hohen Steuersätze Singles kräftig beteiligt - übrigens ebenso wie an der Finanzierung von Kindergeld, Lehrereinkommen oder dem Bau von Kitas", meint Andreas STREIM.
    • EICKMEIER, Dietrich (2003): Weniger Rente für Kinderlose? Blaue Wunder, blaue Augen,
      in: Weser Kurier v. 29.03.
      • Kommentar:
        EICKMEIER ist der irrigen Meinung, dass MERKEL nur die kinderlosen Ehepaare zur Rentenfinanzierung stärker heranziehen möchte.
  • DRIBBUSCH, Barbara (2003): Ein Schritt zu weit.
    Rentendebatte: Kinderlosigkeit darf nicht bestraft werden,
    in: TAZ v. 31.03.
    • Kommentar:
      DRIBBUSCH will eine Zäsur in der Rentendebatte erkannt haben:
            
        "Es kommt plötzlich ein Moment der Bestrafung auf in der Rentendiskussion. So, als sollten Kinderlose büßen dafür, dass sie keinen Nachwuchs in die Welt setzten. Eine klare Grenzüberschreitung, denn es ist natürlich ein Unterschied, ob man für eine stärkere Förderung von Eltern und Kindern votiert oder ob man sich für massive Kürzungen bei Kinderlosen ausspricht".
            
        Die Zäsur in der Debatte ist nicht erst jetzt, sondern bereits im Zuge des BVG-Urteils zur Pflegeversicherung vor fast 2 Jahren angelegt worden.
            
        In Anlehnung an die HARTZ-Reform macht DRIBBUSCH - humoristisch gemeint - Vorschläge zur Rettung der Sozialsysteme:
            
        "Haben Singles ein Anrecht auf kostenlose staatliche Partnervermittlung, unter drei Vorschlägen muss dann aber einer genommen werden?"
            
        Zum Abschluss kommt DRIBBUSCH dann zum gleichen Ergebnis wie THURNER-FROMM:
            
         "Debatten wie die über den Merkel-Vorstoß befördern Ressentiments - zum Beispiel die zwischen Kinderlosen und Eltern. Mit Ressentiments aber lassen sich keine Sozialreformen machen".
  • ADAM, Konrad (2003): Ohne Kinder keine Rente,
    in: Welt v. 01.04.
    • Kommentar:
      Singlefeind Konrad ADAM verteidigt Angela MERKELs Vorstoß, indem er Christian WULFFs Kritik an MERKELs Position in der Rentenpolitik kritisiert.

            
        Für ADAM ist der Staat ein Nachtwächterstaat, der nichts als die Konstanz der DEUTSCHEN Bevölkerungszahl im Sinne hat (Das sagt er hier nicht explizit, aber gemeint ist es so, wenn man das hinzu nimmt, was ADAM bereits in anderen Zusammenhängen geschrieben hat).
            
        Soziale Gerechtigkeit hat den Staat deshalb nicht zu interessieren.
  • FUHRMANN, Wilfried (2003): Von Kindern, Kinderlosen und Renten.
    Der Zeitgeist ist kein guter Ratgeber,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.04.
    • Kommentar:
      FUHRMANN, der an der Potsdamer Universität Makroökonomische Theorie und Politik lehrt, ist ein
      falscher Freund der Singles.
            
        Er hält ein Plädoyer im Sinne der Interessen von Doppelkarriere-Paaren (benutzt jedoch den weiter gefassten Begriff der DINKs, der auch geringverdienende Doppelverdienerpaare beinhaltet) und Yuppies, d.h. gut verdienender Singles. Deshalb droht er:
            
        "Wer im Rentensystem keine Nettobelastung, sondern einen ausnutzbaren Vorteil bei Kinderlosigkeit sieht, sollte im Sinne der Glaubwürdigkeit die Zwangsmitgliedschaft für Kinderlose aufheben".
            
        Nichtsdestotrotz finden sich auch Argumente, die für Singles interessant sind, z.B.:
            
        "Solange wir Versicherungen mit Beiträgen auf Familienbasis und nicht nach Köpfen (...) haben, tragen Kinderlose auch diese Kosten zumindest, als ob sie Kinder hätten".
  • LÜDEKE, Reinar (2003): Rente nach Leistung.
    Die umlagefinanzierte Rentenversicherung lebt davon, dass in die künftige Generation investiert wird. Das sollte bei den Versorgungsansprüchen ganz systematisch berücksichtigt werden,
    in: Financial Times Deutschland v. 02.04.
    • Inhalt:
      Der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Passau und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Bundesfamilienministeriums verteidigt die kinderzahlbezogene Rente im Sinne von Hans-Werner SINN.
  • MAYER, Susanne (2003): Strafsteuer für Kinderlose?
    Angela Merkel hat Recht: Familien müssen entlastet werden,
    in: Die ZEIT Nr.15 v. 03.04.
  • BARBIER, Hans D. (2003): Tief im Abseits.
    Zur Ordnung,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.04.
    • Inhalt:
      BARBIER kritisiert die Position von Hans-Werner SINN und seiner Adeptin MERKEL aus wirtschaftsliberaler Sicht:

            
        "Wo liegt die Ratio der halben Rente für Kinderlose, wenn Nachkommen der Zeugenden in der Sozialhilfekarriere anstatt im Erwerbspotential landen oder wenn sie als Hochbegabte nach dem subventionierten Studium dem deutschen Sozialstaat den Rücken kehren, um ihren Lebensweg im Ausland zu suchen?"
  • STELZNER, Holger (2003): Kinder als Rentenfaktor,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.04.
    • Kommentar:
      STELZNER ist gegen eine "Ergänzung der Rentenformel um einen Strafabschlag für Kinderlose", denn:
      "Es gibt eine Vielzahl guter Gründe für einen finanziellen Ausgleich der privaten Kosten der Kindererziehung (...). Die Rentenversicherung ist jedoch der falsche Ort für den Lastenausgleich der Kindererziehung. gesellschafts- und ordnungspolitisch richtig kann dieser Ausgleich nur über Steuern erfolgen".

            
        Das Ansinnen der Bevölkerungsökonomen, die gemäß ihrer Produktionsideologie kinderlose Rentner als ökonomische Schmarotzer betrachten, bezeichnet er als "moralisch gefähliche Saat".
            
        Die "Zeugungs- und Gebärpflicht für alle Deutschstämmige" - wie sie z.B. von Konrad ADAM impliziert wird - könne das Schrumpfen der Bevölkerung nicht verhindern.
            
        Zum Abschluss fordert STELZNER:
      "Anstatt das generative Verhalten der Menschen zu steuern, sollten wir unser Rentensystem um eine kapitalgedeckte Vorsorge ergänzen".

            
        Eine solche kapitalgedeckte Vorsorge benachteiligt jedoch arme Kinderlose, während sie Yuppies und Doppelkarriere-Paare - siehe FUHRMANN in der FAZ vom 01.04. - Vorteile verschafft.
  • ANK (2003): Was sind Kinder wert?
    Kinder sind nicht mit Geld zu verrechnen. Doch unsere Politiker tun es. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel will die Rente von Kinderlosen halbieren. Wer kein Humankapital zeugt, müsse eben Realkapital schaffen, will er im Alter die diesselben Leistungen. Denn Familien, so heißt es, sorgen doppelt vor: Sie finanzieren die heutigen Alten und stellen sicher, daß die Rentner von morgen nicht arm dastehen. Sind also Kinder die halbe Rente wert? Wer verrechnet, muß mit der Gegenrechnung rechnen. Wir liefern die Daten,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.04.
    • Kommentar:
      Wie sieht heutzutage der Qualitätsjournalismus aus? Der Artikel ist beispielhaft dafür.

            
        Erstens: große Überschrift. Zweitens: Lange Untertitel. Drittens: Bilder. Viertens: Grafiken. Fünftens: Kurzer Text, den auch noch Angehörige der Infoelite lesen. Sechstens: Mehr Ankündigen als dann tatsächlich geboten wird.
            
        Wer meint ANK würde die versprochene Gegenrechnung liefern, der wird enttäuscht.
            
        Zuerst wird langatmig die Rechnung der Singlefeinde präsentiert, die man sowieso überall nachlesen kann. Das nimmt 50 % des Textes ein. Dann kommt die Gegenrechnung der Singlefeinde. Auf beiden Seiten wird ausschließlich der Ökonom Hans-Werner SINN persönlich genannt. Und die Quellen der Grafiken weisen u.a. das IFO-Institut - also wieder nur SINN - aus.
            
        Im letzten Absatz kommen dann die nicht genannten Skeptiker zu Wort:
            
        "Doch den Skeptikern geht das nicht weit genug (...). Hätten sie recht, müßten die Renten der Kinderlosen eigentlich höher ausfallen".
            
        Auf diesen Qualitätsjournalismus können Singles gut verzichten!
  • RM: Pro und Contra:
    Sollen Kinderlose weniger Rente erhalten?
    Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel will Ehepaaren ohne Nachwuchs ihre Ansprüche im Alter halbieren. Dieser brisante Vorschlag findet nicht nur in der Union heftigen Widerspruch. Angesichts der Ebbe in der Rentenkasse erhält der Plan jedoch zusätzliche Virulenz,
    in: Rheinischer Merkur Nr.15 v. 10.04.
    • SINN, Hans-Werner (2003): PRO - Ja, sie sparen genug Geld, um zusätzlich vorzusorgen
      • Kommentar:
        MERKEL will nicht nur Ehepaaren ohne Kindern,  sondern - wie SINN - allen Kinderlosen die Rente kürzen. SINN spielt mit der falschen Gleichung Kinderlose = Besserverdienende. SINN leugnet, dass soziale Ungleichheit quer zur Frage des Kinderhabens liegt.
  • MEURER, Anne (2003): CONTRA - Nein, Familien werden bereits enorm begünstigt
    • Inhalt:
      MEURER weist darauf hin, "dass Familien bereits heute für eine geringere Beitragsbelastung relativ höhere Leistungen erhalten als Kinderlose". MEURER fordert, dass der Familienlastenausgleich von allen zu bezahlten ist, d.h. per Steuern finanziert werden muss.
 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 16. April 2003
Stand: 20. Juli 2005
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