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Thema des Monats

 
   

Die Familie als letztes Bollwerk gegen den Kapitalismus?

 
   

Oder: Der Mythos vom Single als Pionier des flexiblen Kapitalismus
Ein Essay anlässlich des  Artikels "Das »Ende der Familie« - Szenarien zwischen Mythos und Wirklichkeit" von Thomas MEYER (2002)

 
     
       
   

zitierte Literatur

 
   
  • ALLMENDINGER, Jutta & Christine WIMBAUER (2003): Von der Magd zum Markt.
    Zwiespalt Beruf und Familie: Trotz unbestreitbarer Fortschritte bleibt Geschlechtergleichheit oft eine bloß diskursive Idee,
    in: Frankfurter Rundschau v. 25.02.
  • BECK-GERNSHEIM, Elisabeth (1980): Das halbierte Leben. Männerwelt Beruf, Frauenwelt Familie, Frankfurt a/M: Fischer
  • ETZIONI, Amitai (1993): The Spirit of Community
  • FUKUYAMA, Francis (1999): The Great Disruption. Human Nature and the Reconstitution of social Order
  • GASCHKE, Susanne - Die Erziehungskatastrophe
  • GLOTZ, Peter - Die beschleunigte Gesellschaft
  • GUILLEBAUD, Jean-Claude - Die Tyrannei der Lust
  • HESSE, Hermann - Demian
  • HOFFMANN-NOWOTNY, Hans-Joachim (1984): Auf dem Wege zu einer Gesellschaft von Einzelgängern?, in: Neue Zürcher Zeitung v. 07.07.
  • HRADIL, Stefan - Die "Single"-Gesellschaft
  • LASCH, Christopher (1979): The Culture of Narcissism
  • LIEBOLD, Renate (2001): "Meine Frau managt das ganze Leben zuhaus'"
  • MEYER, Thomas (2002): Das "Ende der Familie" - Szenarien zwischen Mythos und Wirklichkeit. In: Ute Volkmann & Uwe Schimank (Hg.) Soziologische Gegenwartsdiagnosen II. Vergleichende Sekundäranalysen, Opladen: Leske + Budrich, S.199-224
  • MÜHLFELD, Claus (1995): Krisenattribuierungen in der Familiensoziologie, in: Bögenhold (Hg.) Soziale Welt und soziologische Praxis. Soziologie als Beruf und Programm. Festschrift für Heinz Hartmann zum 65. Geburtstag, Göttingen: Schwartz, S.353-368
  • RIEHL, Wilhelm Heinrich (1856): Land und Leute. Die Naturgeschichte des Volkes als Grundlage einer deutschen Social-Politik, Erster Band, 3.Aufl., Stuttgart/Augsburg: Gotta'scher Verlag
  • RISCH, Susanne (1999): Der Anfang, der ein Ende ist.
    Manager-Ehen: Zuerst ist es Liebe, am Ende nicht selten Hass. Dazwischen liegen Jahre der Hoffnung, Einsamkeit und Entfremdung. Er hat sich in dieser Zeit an die Spitze gearbeitet; oben angekommen, verlässt der Topmanager seine langjährige Gefährtin und bindet sich neu. Sein persönlicher Bankrott - der Preis für die Karriere?,
    in: Manager Magazin, Nr.9
  • SCHNEIDER, Regine (2002): Ein Mann ist nicht genug, München: Schröder
    • u.a. Interview mit Hans W. JÜRGENS über den Männerüberschuss
  • SCHOLZ, Leander (2003): Schuld hat, wen es trifft.
    Innere Globalisierung. Ein paar Anmerkungen zum Verteilungskampf zwischen Jung und Alt,
    in: Freitag Nr.3 v. 10.01.
    • Kommentar:
      Leander SCHOLZ gehört zu den wenigen kritischen Stimmen im Land, die in das allgemeine Neue-Mitte-Geheul nicht einstimmen und stattdessen hinter dem Versuch die Singles zu Sündenböcken zu machen, die Probleme dieser Gesellschaft aufscheinen lässt:

            
      "Wer jugendlich ist, überschreitet permanent die Grenze zwischen Berufsleben und Privatleben und damit auch das Modell der Kleinfamilie als Ort der Regeneration. Diese Jugend ist daher dem Phänomen des Outburn ausgesetzt. Niemand hält einem mehr den Rücken frei. Im Gegenteil, die Patchwork-Familie verlangt mindestens genauso viel Management wie die eigene Karriere. Beziehungen, Ehen, Familien und Freundschaften gehören längst der gleichen Innovationslogik an und bilden keineswegs mehr den lebensweltlichen Gegenpol zur Teilnahme am Markt als Person."
            
      Im Gegensatz zum sozialpopulistischen Diktum, dass die Familie ein Bollwerk gegen den Kapitalismus sei, zeigt SCHOLZ auf, dass die individualisierte Familie längst das Ebenbild der modernen Ökonomie ist.
      Nostalgie ist jedoch fehl am Platz:

            
      "Es ist schon bemerkenswert, wie schnell sich die Sehnsucht nach dem alten autoritären Nationalstaat und dem alten neurotischen Familienmodell wieder beleben lässt, wenn sie erst einmal überholt sind".
            
      Es gibt kein Zurück zu den alten Zuständen und hinzu kommt:
            
      "Der Generationenvertrag kann nicht erneuert werden, nicht weil eine Partei nicht mehr will oder egoistisch ist, sondern weil sich die Bedingungen dafür grundlegend geändert haben".
            
      SCHOLZ erteilt jenen einen klare Absage, die die gegenwärtigen Probleme auf den demografischen Wandel reduzieren möchten:
            
      "Das Problem ist nicht, dass die Bevölkerung kleiner wird. Das Problem der letzten Jahrzehnte besteht darin, dass sich die produktiven Kräfte grundlegend verschoben haben und dass Arbeit für einen nicht unerheblichen Teil der Gesellschaft zu einer Einnahmequelle unter anderen geworden ist, während für andere ihre schnell verbrauchte Humanressource das einzige Kapital darstellt."
            
      Am Anfang steht die neoliberale Maxime "Gewinne privatisieren, Verluste vergemeinschaften". Sozialpopulisten wie Konrad ADAM, Paul KIRCHHOFF oder Jürgen BORCHERT gehören zu jenen, die diese neoliberale Maxime nicht nur auf die Ökonomie, sondern auch auf die Familie anwenden wollen. Abgewandelt kann man ihr Credo zusammenfassen:
      "Kinderglück privatisieren, Kinderkosten vergemeinschaften".
  • SENNETT, Richard - Der flexible Mensch
  • SPERBER, Katharina  & Pitt von BEBENBURG (2003): Auf der Suche nach einer Balance zwischen Familie und Beruf.
    Ministerin Renate Schmidt setzt in Zeiten knapper Kassen auf Zivildienstleistende. An der Betreuung Schwerstbehinderter soll nicht gespart werden,
    in: Frankfurter Rundschau v. 27.02.
    • Kommentar:
      Renate SCHMIDT ändert für die Rechtfertigung des Ehegattensplitting schon mal ihren üblichen Familienbegriff:
      "In der Vergangenheit haben Sie die Umwidmung des Ehegattensplittings gefordert, um zielgerichtet Familien und nicht nur Ehepaare fördern zu können. Jetzt sind Sie davon abgerückt. Warum?
      Zu Beginn der Legislaturperiode haben wir uns mit dem Finanzminister zusammengesetzt und gerechnet. Nach meiner Auffassung sollte man die Steuervergünstigungen jenen Ehepaaren lassen, die Kinder oder Pflegebedürftige versorgen. Außerdem jenen, deren Kinder schon groß sind, bei denen aber die Ehefrau und Mutter partout keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt hat. Wenn man das Splitting abschafft, aber diesen Gruppen den Steuervorteil lässt, dann zeigt sich: Man nimmt gerade mal 100 Millionen Euro mehr ein, bei einem Gesamtvolumen des Ehegattensplittings von rund 21 Milliarden Euro. Das lohnt die Aufregung nicht".

            
        Um die Managerehen à la Karin JÄCKEL ("Die Frau an seiner Seite) zu verteidigen, greift SCHMIDT auf das Konzept der multilokalen Mehrgenerationen-Familie zurück. Damit werden aus kinderlosen Ehen: jene, deren Kinder schon groß sind.
            
        Wenn es dann um das Thema Kinderlosigkeit geht, kehrt SCHMIDT schnell wieder zur Haushaltsfamilie zurück, denn dann muss - nicht entdramatisiert, sondern dramatisiert werden.
            
        Welches Drama hätten Sie denn gerne? Renate SCHMIDT wechselt elegant die Bühnen, wenn es den Interessen ihrer Klientel dient!
  • TÖLKE, Angelika (1996): Berufskarrieren von Frauen und Männern - Der Einfluß von Herkunft, Bildung und Lebensform, in: Zeitschrift für Frauenforschung, 1996, Jg. 14, Heft 4, S.161-177
  • TÖLKE, Angelika (2000): Private Lebenssituation und Karriereentwicklung in männlichen Biographien, in: Hans Bosse & Vera King (Hg.) Männlichkeitsentwürfe. Wandlungen und Widerstände im Geschlechterverhältnis, Frankfurt a/M: Campus, S.139-154
 
       
   

Die Krise der Familie

 
     
       
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 24. Februar 2002
Update: 19. Oktober 2006
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