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Thema des Monats

 
   

Das Ende der Spaßgesellschaft:

 
   

Kulturkämpfe in der Popmoderne

 
     
       
   

zitierte Literatur

 
     
       
   

Die Debatte um die Spassgesellschaft

 
   
  • MOHR, Reinhard (2000): Der totale Spaß.
    Ob "Big Brother" oder "Insel-Duell": Immer schriller gebärdet sich die neue deutsche Spaßkultur. Geht das Volk ohne Witz nun tabulos ins Lach-Millennium? Droht flächendeckender Schwachsinn, oder geht es um die Befreiung von alter Humorlosigkeit?
    in: Spiegel Nr.23 v. 05.06.
  • MAAK, Niklas (2000): Von Alfa bis Omega.
    Opfer der Spaßgesellschaft: Warum will keiner mehr Opel fahren?,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 28.06.
  • SEEßLEN, Georg (2000): Die neue Lust am Leiden.
    Wir haben uns fast zu Tode amüsiert, die Spaßgesellschaft läuft leer. Jetzt haben Filme wie "Dancer in the Dark" Konjunktur, die weh tun wollen. Und einen neuen religiösen Text für das Kino entwerfen,
    in: Tagesspiegel v. 21.10.
  • RUTSCHKY, Michael (2000): Die Rettung der Britney S.
    Was hat Rembrandt mit einer Popsängerin zu tun? Nicht die Wertschätzung der besseren Kreise. Sie verachten die Spaßgesellschaft, wie sie die einfachen Stände schätzen. Eine Kritik anlässlich der Silvesterparties,
    in: TAZ v. 30.12.
  • SCHULLER, Alexander (2001): Die Spaßgesellschaft braucht die kalte Dusche.
    Diktatur des Spielerischen: 1968 hat auch einen langfristigen Wertewandel zu Ungunsten der Wissenschaften eingeleitet,
    in: Welt v. 02.02.
  • GAULAND, Alexander (2001): Fellachen der Spaßgesellschaft.
    Ohne historische Erinnerung und kulturellen Halt hat keine Gesellschaft auf Dauer Bestand,
    in: Welt v. 27.03.
  • AHA (2001): Der gute Mensch am Ende der Spaßgesellschaft,
    in:
    TAZ Hamburg v. 11.04.
    • Inhalt:
      Eine Hymne auf den "Rebell" und "Outcast der Mediengesellschaft" Horst W. OPASCHOWSKI und sein "Schafft die Spaßgesellschaft ab!"
      • Kommentar:
        Das Problem von OPASCHOWSKI ist weniger seine Analyse der Erlebnisgesellschaft in Anlehnung an Gerhard SCHULZE, sondern sein kurzschlüssiger Freizeit- und Single-Begriff, der ihn zu einem Polarisierer in der Kontroverse "Familien" contra "Singles" werden lässt.
  • JOOP, Wolfgang (2001): Glamour war gestern.
    Seit dem Absturz der Börsenkurse ist es mit dem Konsumrausch vorbei. Nun zeichnet sich eine Suche nach dem Echten ab. Das Glück liegt in der Beschränkung.
    in: Spiegel Online v. 31.07.
  • POSENER, Alan (2001): Spaß muss sein.
    Gäb's eine Zensur, so wünschte man sich ein Verbot des Begriffs "Spaßgesellschaft" - mitsamt dem misslaunigen Lippenschürzen, das seine Aussprache begleitet - Kommentar
    in: Welt v. 07.09.
  • WELT AM SONNTAG (2001): Kein Herz für Familien.
    Passen Eltern und Kinder in unsere Spaßgesellschaft?,
    in: Welt am Sonntag v. 09.09.
  • GÄCHTER, Sven (2001): Ausweitung der Kampfzone.
    Jahrelang wusste niemand, wie man mit dem schlechten Gewissen umgehen sollte. Jetzt scheint man ein Gegenmittel gefunden zu haben: die Angst,
    in: Profil Nr.39 v. 24.09.
  • SEIFERT, Heribert (2001): Rein und richtig trauern.
    Der Spassgesellschaft ist nach den Terroranschlägen auf die USA das Lachen vergangen. Auftrieb erhalten die Förderer der «emotional correctness», welche zugelassene und abgelehnte, ja verpönte Gefühle säuberlich trennt. Die reine Trauer gilt dabei als vornehmste Reaktionsweise. Doch so unpolitisch ist diese nicht im Medienzeitalter.
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 05.10.
  • LEHNARTZ, Sascha (2001): Sie machen Witze!
    Die Spaßgesellschaft sei am Ende, behaupten ihre Verächter. Und liefern damit Stoff für neue Pointen,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 07.10.
  • POLLACK, Anita (2001): Das jähe Ende der Spaß-Literatur,
    in: Kurier v. 12.10.
    • Inhalt:
      "»Das Ende der Spaßgesellschaft.« Das Copyright für diesen Satz liegt seit 12. September bei Peter Scholl-Latour. Erklärt Klaus Eck, einer der Ober-Bosse der Verlagsgruppe Random-House", schreibt POLLACK und nimmt das zum Anlass über den Buchmarkt nach dem "Ende der Popliteratur" zu schreiben.
  • IDEL, Stefan (2001): "Den Unsinn längst satt".
    Opaschowski zur Spaßgesellschaft. Falls sich der Krieg gegen Terroristen jahrelang hinzieht, wird es in der westlichen Welt einen Wertewandel geben.
    in: Nordwest Zeitung v. 13.10.
    • Interviewauszug:
      "Frage: Markiert der 11. September das Ende der so genannten Spaßgesellschaft, wie viele Politiker behaupten?
      Opaschowski: Bereits fünf Monate vor den Terrorangriffen habe ich das Ende der Spaßgesellschaft prognostiziert. Zwar schwimmt die Generation der 14- bis 29-Jährigen noch auf dieser Welle, viele haben allerdings den Unsinn der Unterhaltungsbranche längst satt. Natürlich wird der 11. September das Umdenken beschleunigen.
      (...)
      Frage: Ist es nun ein Konflikt der Kulturen?
      Opaschowski: Wenn Sie auf das Buch von Samuel P. Huntington anspielen, gebe ich zu bedenken, dass viele Begriffe des US-Originals nur unzureichend übersetzt wurden. Der Terror ist eher ein Angriff auf den westlichen Lebensstil. Er wird von einigen als unmoralisch, von anderen dagegen als faszinierend empfunden. So wird der Musiksender MTV, der die Kultur von McDonald’s und Coca-Cola verbreitet, in 140 Ländern empfangen. Länder der Dritten Welt fürchten die Attraktivität des 'American Way of Life'."
  • HAGER, Angelika (2001): "Und dann wird Bushs Krieg auch noch heilig".
    Interview. Bei den Prêt-à-porter-Shows letzte Woche trug Paris sowohl Angst als auch Ignoranz. Der deutsche Designer Wolfgang Joop analysiert die Mode in Zeiten des Kriegs,
    in: Profil Nr.42 v. 14.10.
    • Inhalt:
      Wolfgang JOOP rechnet mit der popkulturellen Spaßgesellschaft ab, aber das hatte er bereits vor dem 11. September getan:
      "profil: Schon im Juni haben Sie in einem Essay im 'Spiegel' mit dem Titel '
      Glamour war gestern' eine Rückkehr zu einer Ästhetik der Beschränkung gefordert.
      Joop: Ich bekam damals wütende Reaktionen, denn keiner wollte sich damals durch solche Thesen irritieren lassen. Denn im Kopf und im Herzen steckt die Gesellschaft ja nach wie vor in den achtziger Jahren. Dass die Party vorbei ist, wollte niemand wahrhaben."
      • SPIEGELONLINE (2001): Wolfgang Joop.
        Kein Bedauern über Verlust des World Trade Center,
        in: SPIEGELONLINE v. 15.10.
        • Inhalt:
          SPIEGELONLINE verteidigt JOOPs Äußerungen im Interview mit HAGER ist jedoch erstaunt, dass JOOP die Gesetzmäßigkeiten eines Marktes kritisiert, die "auch das Jet-Set-Leben des Multi-Millionärs Joop ermöglichen."
  • SIEMONS, Mark (2001): Mitten im Kampf: Kann die Kultur noch überwirklich sein?
    In Kampfzeiten: Steht der Kultur eine neue Politisierung bevor?
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.10.
  • GAULAND, Alexander (2001): Mythendeuter gesucht.
    Der Kampf gegen den Terror bedarf auch des Rüstzeugs der abendländischen Kulturtradition,
    in: Welt v. 17.10.
    • Inhalt:
      GAULAND sieht sich als Vertreter des erlebnisgesellschaftlichen Niveaumilieu von den Ereignissen bestätigt: "Der 11. September hat über Nacht eine Lebenslüge der Spaßgesellschaft entlarvt: dass die sperrigen Güter der europäischen Bildungstradition nicht mehr gebraucht werden (...). Cohn-Bendit ist über Nacht interessanter geworden als Craig Venter und Oswald Spengler wichtiger als Hubert Markl. Die 'randständigen' Kritiker der Spaßgesellschaft haben ihre Deutungshoheit zurückgewonnen
      (...)
      Es ist schon richtig, wenn
      Alan Posener in der WELT schreibt, dass die Kritik an der Unkultur Amerikas Kulturkritik am eigenen Volk ist. Nur, der 11. September gibt jenen Kritikern Recht, die Marx und Heidegger zur Erklärung der Welt noch immer für wichtiger halten als Kracht und Stuckrad-Barre. Anything goes? Nicht mehr".
  • OBERT, Mark (2001): Lassen Sie uns über Spaß reden.
    Warum der Journalist Peter Scholl-Latour Kriegsgräuel mit Lachen verarbeitet und ihn obszöne Witze im Fernsehen empören,
    in: Frankfurter Rundschau v. 20.10.
    • Inhalt:
      Peter Scholl-Latour über schlechten und guten Spaß und die Lebenslügen der Spaßgeneration.
  • MARTENSTEIN, Harald (2001): Der Tag der Entscheidung.
    Manche sagen: Die Spaßgesellschaft ist jetzt zu Ende. Aber das geht gar nicht. Ohne Spaß bricht alles zusammen - die Wirtschaft, unser Selbstbild, unsere Kultur. Zu Ende ist etwas ganz anderes,
    in: Tagesspiegel v. 21.10.
    • Inhalt:
      Für MARTENSTEIN sind am 11. September nicht die "Apologeten der Spaßgesellschaft widerlegt worden, sondern die neoliberalen Propheten der Globalisierung". Deshalb ist eine Repolitisierung der Öffentlichkeit wahrscheinlicher als das Ende der Spaßgesellschaft.
  • GÜNTNER, Joachim (2001): Deutschland im Ernst.
    Geht die Spassgesellschaft, kommen bleierne Zeiten?,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 26.10.
    • Inhalt:
      GÜNTNERs Zeitdiagnostik beginnt damit, dass Sigrid LÖFFLER bereits 1996 - zu ihrem Einstand bei der Wochenzeitung ZEIT - der Spassgesellschaft das baldige Ende vorhergesagt hat. Sein Fazit zur Spaßgesellschaft der Gegenwart:
      "Die mag sich im Kultur- und Fernsehreservat, im Lifestyle- und Freizeitzirkus weiterhin drehen. In politicis aber gilt: Deutschland im Herbst ist Deutschland im Ernst."
  • POLITYCKI, Matthias (2001): Simplifizierer und Schubladianer.
    Es schlägt die Stunde des erhobenen Zeigefingers: Brauchen wir nach dem 11. September wirklich eine andere deutsche Literatur? Wer die Lufthoheit über den deutschen Ernst anstrebt, kann auch gleich den Freigeist zur bedrohten Art erklären
    in: TAZ v. 27.10.
    • Inhalt:
      Matthias POLITYCKI beschäftigt sich mit jenen, die das Ende der Spaßgesellschaft ausgerufen haben. Er versucht seine "Neue deutsche Lesbarkeit" gegen die "Spaßliteratur" der Popliteraten abzugrenzen, um einerseits das "Ende der Popliteratur" zu begrüssen, andererseits jedoch der Forderung "Irony is over" (Jarvis COCKER) eine Absage zu erteilen, denn: Ironie ist "vielleicht die sublimierteste Form des Leidens an der Welt (...), die luftigste, spielerisch leichteste Zustandsform der Schwermut!".
      Seine Prophezeiung: "die Zukunft des Romans, ums einmal nassforsch zu formulieren, wird humoristisch sein oder sie wird nicht sein."
  • MICHAELIS, Nils (2001): Steht jetzt das Ende der Spassgesellschaft bevor?
    Das deutsche Feuilleton diskutiert, ob sich die "Generation Golf" nach dem 11. September am Scheideweg befindet,
    in: Tages-Anzeiger v. 31.10.
    • Inhalt:
      MICHAELIS fasst den Stand der Debatte zur "Spassgesellschaft" zusammen. Er grenzt seine Position ab gegen Jost KAISER (SZ, 25.10.2001 "Immer im Werden und niemals im Sein"), Henning SUSSEBACH (ZEIT, 18.10.2001) und Matthias POLITYCKI (siehe TAZ, 17.10.2001) und folgt stattdessen der Argumentation von Sascha LEHNARTZ (siehe FAZ v. 07.10.2001) und Diedrich DIEDERICHSEN (TAZ, 06.10.2001), indem er dem "Baudrillardismus" der Postmoderne eine Absage erteilt. Seine Einschätzung der Lage des Ernstes:
            
      "Kommt es nun also, oder kommt es nicht, das Ende der Spassgesellschaft und ihrer Ironie? Auch wenn Harald Schmidt und die Seinen längst wieder mit voller Kraft auf bewährtem Kurs moralfreie Zynismen drechseln, muss man einräumen, dass der Motor der Postmoderne stottert. Bleibt die Frage, ob er ersetzt oder nur repariert wird."
  • ROSS, Jan (2001): Arbeit am neuen Weltbild.
    Der 11. September und seine geistigen Folgen: Deutsche Intellektuelle räsonieren über Staat, Religion und das Undenkbare - um am Ende bei ihren Lieblingsideen zu landen. Zusammenfassung einer zuweilen ideologisch geführten Debatte,
    in: Die ZEIT Nr.45 v. 31.10.
    • Inhalt:
      Jan ROSS mustert u.a. die "Kurzformeln und Kernsätze (...), mit denen die Zäsur des 11. September beschrieben wurde. Von der »Renaissance des Staates« und ihren wahrscheinlich recht engen Grenzen war die Rede, und viel hat man vom »Ende der Spaßgesellschaft« gehört; ein Gedanke, der (...) jedoch zu jenen Themen gehört, die man tunlichst meiden sollte: In unfruchtbarem Ideologiegerede stehen sich übellaunige Zivilisationskritiker und ebenso humorlose Heiterkeitsverfechter gegenüber, die entweder in irgendwelchen Fernsehsendungen ein Dekadenzphänomen oder umgekehrt in der »neuen Ernsthaftigkeit» eine Art Inquisitionsherrschaft sehen."
  • SCHMIDT, Thomas E. (2001): Ist nun Schluss mit lustig?
    Es mehren sich die Stimmen, die ein Ende der heiteren Beliebigkeit fordern. Die Wertevielfalt wird zum Feind erklärt. Doch Pluralismus ist keine Schwäche, sondern Stärke
    in: Die ZEIT Nr.45 v. 31.10.
    • Inhalt:
      Thomas E. SCHMIDT verteidigt die "Spaßgesellschaft" ("Republik ohne Mitte" im Sinne von Richard HERZINGER) gegen die "Kulturexistenzialisten", d.h. den "Existenzialismus des einsam in der Globalisierung stehenden historischen Subjekts".
  • KLEINER, Marcus S. & Hermann STRASSER (2001): Postskriptum zur Spassgesellschaft.
    Worüber man lacht, wenn es nichts mehr zum Lachen gibt,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 03.11.
    • Kommentar:
      In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich? Die beiden Soziologen wähnen sich in der Spaßgesellschaft, was nichts anderes ist als eine Verengung des Konzepts "Erlebnisgesellschaft" (Gerhard Schulze) auf einen Aspekt:
            
      "Auf der (...) Oberfläche, operiert das mediale Design der Spassformate nach dem Prinzip «Erlebe dein Leben». Fun als erlebnisorientierte Selbstinszenierung, Spass- und Erlebnisgesellschaft in inniger Wahlverwandtschaft."
            
      In ihrem Essay zeichnen sie das Phänomen der Spassgesellschaft ab Mitte der 80er Jahre nach, um zu dem Schluss zu kommen, dass sich das Ende der Spassgesellschaft bereits vor dem 11. September abgezeichnet hat und demnächst passé ist. Sie gehören damit zur LÖFFLER-Fraktion der Verabschieder.
            
      Sie verabscheuen die Spassgesellschaft, denn sie ist in ihrer Tiefenstruktur affirmativ und totalitär.
            
      Was soll nach ihrer Meinung an deren Stelle treten? Nichts anderes als der alte Wertekannon von Familie und Kulturgütern. Dies ist natürlich genauso affirmativ und totalitär, aber das scheint diese Anhänger des Niveaumilieus - Adepten von ADORNO und HORKHEIMER - nicht zu stören.
            
      Die Lebenslüge der Spassgesellschaft sei es Inhalte durch Kommunikation zu ersetzen, schreiben die Autoren in Ablehnung der Postmoderne. Das Problem der Autoren ist es jedoch, dass sie zum einen die Existenz unterschiedlicher Erlebnismilieus leugnen und zum anderen die unstimmige Gleichung Spaßgesellschaft = Singlegesellschaft aufstellen.
            
      Ihre Analyse wird den Funktionsmechanismen der pluralistischen Gesellschaft deshalb nicht gerecht, sondern ist das Ergebnis eines niveaumilieu'schen Ressentiments das der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule immanent ist. Die Tatsache, dass Anhänger des Niveaumilieus die Feuilletons der großen Tageszeitungen dominieren, bleibt bei dieser Art von "Gesellschaftsanalyse" - ganz und gar unkritisch - außen vor.
            
      Lohnend wäre auch die Untersuchung der sinnstiftenden Wirkung des Begriffs "Spassgesellschaft" für das Selbstverständnis des Niveaumilieus. Michael RUTSCHKY hat das leider nur unzulänglich aufgegriffen.
            
      Erlebnismilieus sind in erster Linie Wertegemeinschaften, d.h. in der Erlebnisgesellschaft herrscht ein "Kampf der Kulturen" oder wenn es um einzelne Akteure im Medienbetrieb geht: ein "Verteilungskampf um Prominenz" (Bodo KIRCHHOFF in der FR vom 31.10.2001).
            
      Das Niveaumilieu stilisiert sich im Begriff der "Spaßgesellschaft" als Opfer der Mediengesellschaft. Es beansprucht nicht mehr und nicht weniger als die Definitionsmacht über das Kulturelle, aber diese wird von den Tätern verweigert! Die Täter sind einerseits diejenigen, die den Medienmarkt beherrschen und andererseits jene, die sich dem Fun hingeben, d.h. die Hedonisten. Die Verwalter der Hochkultur leiden unter einem Gefühl des Machtverlustes in der "Spassgesellschaft", das letztlich einer narzisstischen Kränkung gleichkommt. Ihnen ist deshalb jedes Ereignis recht, das ihre Stellung innerhalb des Machtgefüges der Berliner Republik stärkt.
            
      Eine Gesellschaftsanalyse, die solche Fragen der Identitätspolitik ausklammert, ist kaum geeignet unsere "Mediengesellschaft" adäquat zu beschreiben.
  • BOLZ, Norbert (2001): Schock des Weltterrors.
    Wider die Pathosformeln der Neuen Ernsthaftigkeit,
    in: Frankfurter Rundschau v. 06.11.
  • JUNGLE WORLD (2001): Kummer im Stuckrad-barrio,
    in:
    Jungle World Nr.46 v. 07.11.
    • Inhalt:
      Statements zur Spassgesellschaft von NAATZ, Heike BLÜMNER, Dietmar DATH und Harald PETERS.
  • BAUDRILLARD, Jean (2001): Der Geist des Terrorismus.
    Das Abendland, das die Stelle Gottes eingenommen hat, wird selbstmörderisch und erklärt sich selbst den Krieg,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 12.11.
    • Inhalt:
      BAUDRILLARD verteidigt seine Postmoderne.
  • SCHÜMER, Dirk (2001): Gekrönte Moderne.
    Vor allem die Monarchien erweisen sich in Europa dem Ernst der Lage gewachsen,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.11.
  • FUCHS, Oliver (2002): Du musst dein Leben ändern.
    Der Pop: Am "Ende der Spaßgesellschaft" stand ein Anfang,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 11.09.
  • MARTENSTEIN, Harald (2002): Ist Hallenski ein Menschenrecht?
    Nach dem 11. September, vor den Wahlen: Warum die Spaßgesellschaft bei manchen verhasst ist - und trotzdem triumphiert,
    in: Tagesspiegel v. 15.09.
    • Inhalt:
      MARTENSTEIN verteidigt die Spaßgesellschaft gegen ihre Verächter und erklärt das Proletariat zum kulturellen Sieger der Spaßgesellschaft. Die Rolle der Elite und ihr Verhältnis zu den Massen beschreibt er fol
      gendermaßen:

            
      "Wer zur Elite der einflussreichen Meinungsmacher gehören möchte, wer geistige Macht gewinnen will, der muss sich den Maßstäben, dem Geschmack und der Tonlage der Masse anpassen. Verliert die Gesellschaft dadurch ihre Innovationskraft, wird sie statisch? Erstaunlicherweise nicht. Denn der Massengeschmack ist wandelbar, er reagiert sensibel vor allem auf die Charakterrolle des „Rebellen“. Wo ein halbwegs glaubwürdiger „Rebell“ auftaucht, dort bewegt sich der Geschmack früher oder später hin, meistens jedenfalls. Die Spaßgesellschaft hat Verwendung für alles Mögliche, nur die Charakterrolle des Aristokraten ist ihr fremd, desjenigen, der den Betrieb aus der Distanz betrachtet, der nicht dazu gehören will und sich trotzdem als Elite empfindet. Die Angepassten und die Rebellen – so heißen die beiden Hauptrollen in der Spaßgesellschaft. Die einen biedern sich an, die anderen riskieren etwas."
  • Mehr zum Thema:
    Das Ende der Spaßgesellschaft - revisited
 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 14. Oktober 2001
Update: 09. Oktober 2006
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