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Alvin Toffler: Der Zukunftsschock in der beschleunigten Gesellschaft

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1928 geboren
    • 1970 Buch "Future Shock"
      (deutsch: Der Zukunftsschock)
 
       
   

Alvin Toffler im Gespräch

 
   

GARDELS, Nathan (2006): "Europa bewegt sich sehr langsam".
US-Zukunftsforscher Alvin Toffler über Wissen als Schlüssel zum Reichtum, lose Arbeitsverhältnisse und eine neue globale Wohlstandsordnung,
in: Welt v. 22.05.

 
       
   

Der Zukunftsschock (1970)
München: Scherz

 
   
     
 

Zitate:

Der Zukunftsschock

"In einem 1965 in der amerikanischen Zeitschrift Horizon erschienen Aufsatz habe ich den Ausdruck »Zukunftsschock« geprägt. Darunter verstehe ich die erdrückende Belastung und vollkommene Desorientierung von Menschen, die in zu kurzer Zeit zu viele Veränderungen durchmachen müssen." (S.6)

"Stellen wir uns einmal vor, daß nicht nur ein Individuum, sondern eine ganze Gesellschaft, eine ganze Generation - mitsamt ihren schwächsten, am wenigsten intelligenten, unvernünftigsten Mitgliedern - plötzlich in eine neue Welt versetzt wird. In diesem Fall tritt eine Massendesorientierung ein, und der gesamte soziale Organismus wird vom Zukunftsschock bedroht." (S. 14)

Die künstliche Gebärmutter

"Man stelle sich z.B. die Folgen eines (...) Durchbruchs auf dem neuen Gebiet der »Geburtstechnologie« vor. Dr. E. S. E. Hafez, international anerkannter Biologe an der Washington State University, hat auf der Grundlage seiner aufsehenerregenden Arbeit über die Fortpflanzung vorausgesagt, daß innerhalb der nächsten zehn bis fünfzehn Jahre eine Frau in der Lage sein wird, einen winzigen tiefgefrorenen Embryo zu kaufen, ihn sich von ihrem Arzt in die Gebärmutter einpflanzen zu lassen, um ihn nach neun Monaten zur Welt zu bringen, als habe sie ihn selbst empfangen. Solch ein Embryo würde mit der Garantie verkauft, daß das spätere Baby frei von genetischen Mängeln ist. Beim Kauf erhielte der Käufer auch Angaben über Augen- und Haarfarbe, Geschlecht wahrscheinlich spätere Körpergröße und voraussichtlichen Intelligenzquotienten. Aber mehr noch: Eines Tages wird es möglich sein, die Gebärmutter ganz abzuschaffen. Kinder  werden außerhalb des Körpers empfangen, genährt und »geburtsreif« gemacht. Es ist fraglos nur eine Sache von Jahren, bis die von Dr. Daniele Petrucci in Bologna sowie von Wissenschaftlern in den Vereinigten Staaten und in der Sowjetunion begonnenen Arbeiten es den Frauen ermöglichen, Kinder zu bekommen, ohne die Strapazen der Schwangerschaft durchstehen zu müssen.
Die möglich Anwendung solcher Entdeckungen ruft Erinnerungen an Aldous Huxleys Schöne neue Welt (...) wach.
(...).
Die Auswirkungen der neuen Geburtstechnologie werden (...) unsere traditionellen Begriffe von Sexualität, Mutterschaft, Liebe, Kindererziehung und Bildung umstürzen." (S.159f.)

Die Erlebnisgesellschaft im Zeitalter des Zugangs

Die Erlebnisindustrie könnte einer der Grundpfeiler des Superindustrialismus werden, nämlich die Grundlage der Nach-Dienstleistungswirtschaft.
Steigender Wohlstand und größere Unbeständigkeit untergraben brutal den alten Drang nach Besitz. Konsumenten werden in der Zukunft genauso bewußt und leidenschaftlich Erlebnisse sammeln, wie sie einst Dinge gesammelt haben. (S.181)

Die Familie im Zeitalter der Unbeständigkeit

"Man hat die Familie als den »großen Stoßdämpfer« der Gesellschaft bezeichnet, als den Ort, wohin das strapazierte und geschundene Individuum nach der täglichen Auseinandersetzung mit der Welt zurückkehrt, als einzige gesicherte Zuflucht in einer Umgebung, die sich immer mehr und immer schneller verändert. Mit der unaufhaltsamen superindustriellen Revolution wird dieser Schockabsorbierer allerdings selbst einige harte Schocks überstehen müssen". (S.191)

"So ist es z.B. durchaus denkbar, daß die Familie weder verschwindet noch einem goldenen Zeitalter entgegengeht. Sei kann - und das ist die wahrscheinlichste Entwicklung - zunächst schwer angeschlagen werden, sich sogar auflösen, um dann auf seltsame und neuartige Weise zusammenzufinden." (S.192)

Die Familie der Zukunft

Die superindustrialisierte Gesellschaft, die nächste Stufe in der öko-technologischen Entwicklung, erfordert jedoch eine noch größere Mobilität der Menschen. Logischerweise werden viele Leute also in der Zukunft den Prozeß der Familienverkürzung fortsetzen, infolgedessen ganz kinderlos bleiben, und dadurch die Familie auf ihre elementaren Bestandteile - Mann und Frau - beschränken. Zwei Menschen, möglicherweise mit einander ergänzenden Karrieren, werden erfolgreicher durch Ausbildungs- und soziale Untiefen, durch Stellenwechsel und geographische Umsiedlungen steuern als die gewöhnliche, mit Kindern überladene Familie. Die Anthropologin Margaret Mead ist der Meinung, daß wir uns unter Umständen einer Gesellschaftsordnung nähern, in der wie sie es ausdrückt, »Elternschaft auf eine kleinere Zahl von Familien beschränkt ist, deren Hauptfunktion im Aufziehen von Kindern besteht«, während die übrigen Menschen »zum erstenmal in der Geschichte als freie Individuen funktionieren«.
Eine Alternative zur Kinderlosigkeit könnte in der aufgeschobenen Elternschaft liegen. Männer und Frauen von heute geraten oft in eine Konfliktsituation - sollen sie sich den Kindern widmen oder ihrer Karriere? Zukünftig wird man dieses Problem umgehen, indem man die gesamte Aufgabe des Kinderaufziehens in die Zeit nach der Pensionierung verlegt. Das mag heute noch reichlich seltsam klingen. Wenn die Frage der Geburt aber erst einmal von ihrer biologischen Basis gelöst ist, kann höchstens noch die Tradition vorschreiben, daß man möglichst frühzeitig Kinder bekommen soll. Warum also nicht warten und die Embryos erst dann kaufen, wenn die berufliche Laufbahn abgeschlossen ist? Demnach wird sich die Kinderlosigkeit unter jungen Ehepaaren und auch unter Ehepaaren in den besten Jahren immer mehr verbreiten, während Kinder immer häufiger von Sechzigjährigen aufgezogen werden. Die »Ruhestandsfamilie« kann durchaus zu einer allgemein akzeptierten sozialen Institution werden." (S.195)

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Erster Teil: Das Ende der Stetigkeit

1 Die achthundertste Lebensspanne

Reisen in andere Kulturen
Der Bruch mit der Vergangenheit

2 Der Beschleunigungsschub

Zeit und Wandel
Unterirdische Städte
Die Technologie als Motor
Wissen als Treibstoff
Der Situationsstrom

3 Das Tempo des Lebens

Menschen der Zukunft
Dauer-Erwartung
Der Begriff der Vergänglichkeit

Zweiter Teil: Vergänglichkeit

4 Dinge: Die Wegwerf-Gesellschaft

Das Hochzeitskleid aus Papier
Der verschwundene Supermarkt
Vergänglichkeit als Wirtschaftsprinzip
Der transportable Spielplatz
Der "Vergnügungspalast" aus Einzelteilen
Die Mietrevolution
Vorübergehende Bedürfnisse
Die Marottenmacher

5 Orte: Moderne Nomaden

Der Fünf-Millionen-Kilometer-Klub
Flamenco in Schweden
Wanderung in die Zukunft
Selbstmörder und Anhalter
Widerwillige Umzügler
Der Heimatsinn
Das Ende der Geographie

6 Leute: Der Mensch mit austauschbaren Teilen

Die Kosten des "Engagements"
Die Dauer zwischenmenschlicher Beziehungen
"Willkomm-Dienste" frei Haus
Freundschaften der Zukunft
Werktagsbeziehungen
Neuankömmlinge und Überläufer
Rent-a-Person
Wie man Freunde verliert
Wie man Freunde gewinnt
Kinder an Vergänglichkeit gewöhnen

7 Organisation: Die kommende Adhocratie

Katholiken, Cliquen, Kaffeepausen
Der organisatorische Umbruch
Die neuen Wegwerf-Teams
Der Zusammenbruch der Hierarchie
Jenseits der Bürokratie

8 Information: Vorstellungsbilder im Wandel

Twiggy und die K-Mesonen
Die Freudsche Welle
Eine Lawine von Bestsellern
Die gesteuerte Mitteilung
Mozart im Trab
Der halbgebildete Shakespeare
Kunst: Kubisten und Kinetiker
Die nervliche Investition

Dritter Teil: Neuartigkeit

9 Die wissenschaftliche Flugbahn

Ein neues Atlantis
Sonnenlicht und Persönlichkeit
Die Stimme des Delphins
Die biologische Fabrik
Der vorgeplante Körper
Das wandernde Organ
Die Kyborgs unter uns
Die Verleugnung des Wechsels

10 Die Erlebnismacher

Der psychologisierte Kuchenteig
Fliegende "Dienerinnen"
Erlebnisindustrien
Simulierte Umwelt
Lebende Environments
Die volkswirtschaftliche Bedeutung geistiger Gesundheit

11 Die Aufsplitterung der Familie

Das Mysterium der Mutterschaft
Die verkürzte Familie
Bio-Eltern und Profi-Eltern
Kommunen und homosexuelle Vatis
Die Bedrohung der Liebe
Ehen auf Zeit
Flugbahnen der Ehe
Die Forderungen der Freiheit

Vierter Teil: Vielfalt

12 Das Überangebot an Alternativen und seine Ursachen

Entwerfen Sie den eigenen Sportwagen!
Computer und Klassenzimmer
Transvestitenfilme

13 Ein Übermaß an Subkulturen

Wissenschaftler und Börsenmakler
Die Freizeitspezialisten
Das Jugendgetto
Ehesekten
Hippie GmbH
Umstrukturierung der Sekten
Der gemeine Wilde

14 Die Vielfalt der Lebensstile

Intellektuelle und Motorradfahrer
Leitbilder und Miniheroen
Fabriken für Lebensstil
Die Macht des Lebensstils
Zuviele Ichs
Die freie Gesellschaft

Fünfter Teil: Die Grenzen der Anpassungsfähigkeit

15 Der Zukunftsschock: Die physische Dimension

Änderungen der Lebensumstände und Krankheit
Die Reaktion auf Neues
Die Anpassungsreaktion

16 Der Zukunftsschock: Die psychologische Dimension

Das überstimulierte Individuum
Bombardierung der Sinne
Informationsüberfütterung
Entscheidungsstreß
Opfer des Zukunftsschocks
Die Gesellschaft, die am Zukunftsschock leidet

Sechster Teil: Überlebensstrategien

17 Die Bewältigung der Zukunft

Direkte Bewältigung
Persönliche Stabilitätszonen
Die Idee der "situativen Gruppierung"
Krisenberatung
Übergangswohnen
Enklaven der Vergangenheit
Enklaven der Zukunft
Globale Weltraum-Feste

18 Erziehung in der Zukunft

Die Schule der industriellen Ära
Die neue Bildungsrevolution
Die organisatorische Reform
Gestrige Lehrpläne heute
Vielfalt der Kenntnisse
Ein System von Fertigkeiten
Zukunftsunterricht und Zukunftsspiele

19 Die Bändigung der Technologie

Technologischer Gegenschlag
OLIVER macht's möglich
Transistoren und Sex
Ein Technologie-Ombudsman
Der Umweltfilter

20 Die Strategie sozialer Zukunftsorientierung

Der Tod der Technokratie
Humanisierte Planer
Zeithorizonte
Zukunfts-Demokratie

 
     
 
       
   

Ein Beitrag von single-generation.de zum Thema

Späte Mütter - Ein Bibliografie
 
   

Das Buch in der Debatte

AYCK, Thomas & Inge STOLTEN (1978): Kinderlos aus Verantwortung, Reinbek: Rowohlt

AYCK & STOLTEN lehnen die Vorstellungen von Alvin TOFFLER ab:

"Kinderlosigkeit ist (...) eine Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft. Ein allgemeines Wachstum, eine Zunahme der Bevölkerung kann nicht mehr unser Ziel sein.
Schon nehmen sich aber auch die Planer der industriellen Zukunft des Themas »Kinderlosigkeit« an.
Sind Kinderlose Paare nicht mobiler als Eltern?

            
(...).
Eine neue Situation ist denkbar.
Die kinderlosen Männer und Frauen werden als mobile Arbeitssklaven hin- und hergeschoben. Seßhaft bleiben nur Familien mit Kindern. Die Freiheit der Kinderlosen kann zur Vogelfreiheit werden. Solche Alpträume dürfen die nüchterne Erkenntnis nicht verdrängen, daß der Bevölkerungszuwachs zu einer Gefahr von globalem Ausmaß wird." (S.53f.)

 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 24. November 2003
Update: 13. April 2015