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Christian Scholz: Darwiportunismus und das generationsspezifische Wertesystem der Eliten

 
       
     
       
     
       
   

Christian Scholz in seiner eigenen Schreibe

 
   
  • SCHOLZ, Christian (2003): Das Prinzip Don Alphonso,
    in: Manager-Magazin v. 20.08.
    • Kommentar:
      Christian SCHOLZ berichtet aus darwiportunistischer Perspektive über den Marketingerfolg von Don Alphonso:

                "Hut ab, hier ist ein absoluter Medienprofi am Werk. Er kreiert seinen Hype und liefert eine mustergültige Fallstudie für angewandtes Medienmanagement. Don Alphonso zeigt, dass es auch heute möglich ist, ohne die publizistische Potenz von Bertelsmann, Econ oder Campus und ohne die Print-Netzwerke mancher als Autoren auftretender Journalisten, ein Buch in die Bestsellerlisten zu bringen".
 
       
   

Christian Scholz im Gespräch

 
     
       
   

Spieler ohne Stammplatzgarantie (2003).
Darwiportunismus in der neuen Arbeitswelt
Weinheim: Wiley-Vch

 
   
 
 

Definition:

Darwiportunismus

"wechselseitige Beeinflussung zwischen der individuellen Suche nach Chancen (»Opportunismus«) und dem kollektiven Mechanismus des Aussortierens von dem, was nicht zur Wettbewerbsfähigkeit des Systems beiträgt (»Darwinismus«)"(S.81)

Zitate:

Die generationsspezifischen Wertesysteme der Eliten

1) Babyboomer oder 68er

"Diese Gruppe wird geprägt von den bis Anfang der fünfziger Jahre Geborenen. Die Babyboomer hatten zumindest in der Zeit von 1966 bis 1974 Visionen und Ideale (...). Trotzdem musste diese Generation wie keine andere mit erheblicher Widersprüchlichkeit leben (...).
Die Generation der Babyboomer war zwar in vielerlei Hinsicht idealistisch und wollte eine  »bessere Welt«, sie agierte aber trotzdem opportunistisch: Gerade angesichts der Fülle von wirtschaftlichen Chancen, die sich durch Wiederaufbau und beginnende Globalisierung auftaten, war und ist dies auch nicht überraschend (...).

Persönliche Vision + gesellschaftlicher Idealismus = Babyboomer"  (S.61f.)

2) Generation X

"Generation X, wird üblicherweise positioniert als die bis 1978 Geborenen. Sie ist vollkommen anders: ohne jegliche Illusion über die Gesellschaft, aber auch ohne eine positive Vision der eigenen Zukunft. Besonders markant hat Douglas Coupland diese Generation beschrieben und ihr den Weg in die mentale Wüste vorhergesagt. (...). Die private Perspektivlosigkeit ging einher mit einer vermeintlichen, teilweise aber auch sehr realen beruflichen Chancenlosigkeit. Die Xer hatten nicht mehr das Gefühl und nicht mehr die Erwartung des Aufstieges oder des Aufschwungs. Für sie gab es im Extremfall nur noch eher schlecht bezahlte Arbeit, auch als »McJobs« bezeichnet.

Persönliche Perspektivlosigkeit + gesellschaftliche Desillusion = Generation X" (S.62)

3) Die flexiblen Menschen der Generation Y

"Und dann bildete sich Ende der neunziger Jahre plötzlich die Generation Y heraus, überwiegend bestehend aus Anfang der siebziger Jahre Geborenen, was die Überlappung der Generationen zeigt. Die Vertreter der Generation Y haben zwar ebenfalls keinerlei Idealvorstellungen von Staat und Gesellschaft, wohl aber markante Ideen zur eigenen, ganz individuell-persönlichen Zukunft. Reichtum, Selbstentfaltung und Eigenbestimmung rücken als Werte in den Vordergrund.
(...).
Die Generation Y ist ähnlich wie die Generation X konsumverwöhnt, allerdings in ihrem Konsumverhalten wesentlich selektiver und eigeninitiativer. Ode um es anders auszudrücken: Sie investiert bewusst Arbeitszeit, um damit bewusst Konsumzeit zu realisieren. Deshalb ist Geldverdienen keine Schande, sondern abgesehen von der materiellen Funktionalität eine deutliche Bestätigung für den Erfolg des eigenen Handelns. Die Lebensästheten der Generation Y sind damit extrem egoistisch, engagieren sich aber für die Natur und weniger privilegierte Bevölkerungsschichten. Sie sind jedoch eindeutig politikverdrossen.

Persönliche Vision + gesellschaftliche Desillusion = Generation Y" (S.63)

Generationsspezifische Reaktionen auf Entlassungen

"Peter (...) ist ein erfolgreicher IT-Manager. (...) Sein Job ist weg!
(...).
Ist Peter als Peter I der idealtypische Babyboomer, dann bricht für ihn die Welt zusammen, weil er sich schließlich für das Unternehmen aufgeopfert hat. Ein solcher Babyboomer ist zu einem gewissen Grad idealistisch. Bei ihm steht das Unternehmen tatsächlich im Mittelpunkt und er erwartet, dass seine Loyalität belohnt wird. Vertritt dagegen Peter II in idealtypischer Form die Generation X, dann wird er zwar resignierend mit den Schultern zucken, sich ansonsten in der Meinung bestärkt fühlen, dass sich Leistung sowieso nicht auszahlt. Er wird sich vor allem mit der Höhe seiner Abfindung beschäftigen und gegebenenfalls das Unternehmen verklagen. Gehört Peter III schließlich zur Generation Y, so hat er eine hohe Leistungsorientierung, aber keine ernsthafte Unternehmensbindung. Deshalb ist seine Antwort klar: Er wird sich zwar auch ärgern - aber nicht lange. Vielmehr lenkt er sehr schnell sein Leistungsstreben auf ein anderes Unternehmen. (S.140) 

Die Reaktion marktradikaler Unternehmen auf die generationsspezifischen Wertesysteme

"(Es) wird nur eine dem Darwiportunismus gerecht. Denn: Die Leitidee der Babyboomer scheidet aus, weil sie Werte wie Fairness und Loyalität auch auf Unternehmensseite unterstellt, eine nicht der Realität entsprechende Annahme. Die Leitidee der Generation X hat angesichts der Dominanz von darwinistischen Grundtendenzen nur eine geringe Überlebenswahrscheinlichkeit, da die Marktradikalität sukzessive gerade mit der Generation X wenig Geduld hat und sie ausselektieren wird. Es bleibt die Generation Y: Sie entspricht in wesentlichen Teilen dem Wertesystem, das auch dem Darwiportunismus zugrundeliegt, und hat darauf aufbauend einen klaren, individuellen Lebensentwurf. (S.140f.)

 
 
 
       
     
     
     
   

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Stand: 03. September 2003
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