Die
generationsspezifischen Wertesysteme der Eliten
1) Babyboomer
oder 68er
"Diese Gruppe wird geprägt von den bis Anfang der
fünfziger Jahre Geborenen. Die Babyboomer hatten
zumindest in der Zeit von 1966 bis 1974 Visionen und
Ideale (...). Trotzdem musste diese Generation wie
keine andere mit erheblicher Widersprüchlichkeit
leben (...).
Die Generation der Babyboomer war zwar in vielerlei
Hinsicht idealistisch und wollte eine »bessere
Welt«, sie agierte aber trotzdem opportunistisch:
Gerade angesichts der Fülle von wirtschaftlichen
Chancen, die sich durch Wiederaufbau und beginnende
Globalisierung auftaten, war und ist dies auch nicht
überraschend (...).
Persönliche Vision + gesellschaftlicher Idealismus =
Babyboomer" (S.61f.)
2) Generation X
"Generation X, wird üblicherweise positioniert als
die bis 1978 Geborenen. Sie ist vollkommen anders:
ohne jegliche Illusion über die Gesellschaft, aber
auch ohne eine positive Vision der eigenen Zukunft.
Besonders markant hat Douglas Coupland diese
Generation beschrieben und ihr den Weg in die
mentale Wüste vorhergesagt. (...). Die private
Perspektivlosigkeit ging einher mit einer
vermeintlichen, teilweise aber auch sehr realen
beruflichen Chancenlosigkeit. Die Xer hatten nicht
mehr das Gefühl und nicht mehr die Erwartung des
Aufstieges oder des Aufschwungs. Für sie gab es im
Extremfall nur noch eher schlecht bezahlte Arbeit,
auch als »McJobs« bezeichnet.
Persönliche Perspektivlosigkeit + gesellschaftliche
Desillusion = Generation X" (S.62)
3) Die flexiblen
Menschen der Generation Y
"Und dann bildete sich Ende der neunziger Jahre
plötzlich die Generation Y heraus, überwiegend
bestehend aus Anfang der siebziger Jahre Geborenen,
was die Überlappung der Generationen zeigt. Die
Vertreter der Generation Y haben zwar ebenfalls
keinerlei Idealvorstellungen von Staat und
Gesellschaft, wohl aber markante Ideen zur eigenen,
ganz individuell-persönlichen Zukunft. Reichtum,
Selbstentfaltung und Eigenbestimmung rücken als
Werte in den Vordergrund.
(...).
Die Generation Y ist ähnlich wie die Generation X
konsumverwöhnt, allerdings in ihrem Konsumverhalten
wesentlich selektiver und eigeninitiativer. Ode um
es anders auszudrücken: Sie investiert bewusst
Arbeitszeit, um damit bewusst Konsumzeit zu
realisieren. Deshalb ist Geldverdienen keine
Schande, sondern abgesehen von der materiellen
Funktionalität eine deutliche Bestätigung für den
Erfolg des eigenen Handelns. Die Lebensästheten der
Generation Y sind damit extrem egoistisch,
engagieren sich aber für die Natur und weniger
privilegierte Bevölkerungsschichten. Sie sind jedoch
eindeutig politikverdrossen.
Persönliche Vision + gesellschaftliche Desillusion =
Generation Y" (S.63)
Generationsspezifische Reaktionen auf Entlassungen
"Peter (...) ist ein erfolgreicher IT-Manager. (...)
Sein Job ist weg!
(...).
Ist Peter als Peter I der idealtypische Babyboomer,
dann bricht für ihn die Welt zusammen, weil er sich
schließlich für das Unternehmen aufgeopfert hat. Ein
solcher Babyboomer ist zu einem gewissen Grad
idealistisch. Bei ihm steht das Unternehmen
tatsächlich im Mittelpunkt und er erwartet, dass
seine Loyalität belohnt wird. Vertritt dagegen Peter
II in idealtypischer Form die Generation X, dann
wird er zwar resignierend mit den Schultern zucken,
sich ansonsten in der Meinung bestärkt fühlen, dass
sich Leistung sowieso nicht auszahlt. Er wird sich
vor allem mit der Höhe seiner Abfindung beschäftigen
und gegebenenfalls das Unternehmen verklagen. Gehört
Peter III schließlich zur Generation Y, so hat er
eine hohe Leistungsorientierung, aber keine
ernsthafte Unternehmensbindung. Deshalb ist seine
Antwort klar: Er wird sich zwar auch ärgern - aber
nicht lange. Vielmehr lenkt er sehr schnell sein
Leistungsstreben auf ein anderes Unternehmen.
(S.140)
Die Reaktion
marktradikaler Unternehmen auf die
generationsspezifischen Wertesysteme
"(Es) wird nur eine dem Darwiportunismus gerecht.
Denn: Die Leitidee der Babyboomer scheidet aus, weil
sie Werte wie Fairness und Loyalität auch auf
Unternehmensseite unterstellt, eine nicht der
Realität entsprechende Annahme. Die Leitidee der
Generation X hat angesichts der Dominanz von
darwinistischen Grundtendenzen nur eine geringe
Überlebenswahrscheinlichkeit, da die
Marktradikalität sukzessive gerade mit der
Generation X wenig Geduld hat und sie ausselektieren
wird. Es bleibt die Generation Y: Sie entspricht in
wesentlichen Teilen dem Wertesystem, das auch dem
Darwiportunismus zugrundeliegt, und hat darauf
aufbauend einen klaren, individuellen Lebensentwurf.
(S.140f.)