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Richard Florida: Der Aufstieg der kreativen Klasse

 
       
     
       
     
       
   

Richard Florida in seiner eigenen Schreibe

 
   

FLORIDA, Richard (2002): The Rise of the Creative Class.
Why cities without gays and rock bands are losing the economic development race,
in: Washington Montly, Mai

Neu:
FLORIDA, Richard (2011): The inchoate rage beneath our global cities,
in: Financial Times v. 16.08.

 
       
   

Richard Florida im Gespräch

 
   

HOHENSEE, Matthias (2007): "Intolerante Orte sterben".
Wirtschaftswissenschaftler Richard Florida über die ökonomischen Vorteile einer offenen Gesellschaft,
in: Wirtschaftswoche, Nr.8 v. 20.02.

 
       
   

Reset (2010).
Wie wir anders leben, arbeiten und eine neue Ära des Wohlstands begründen werden

Frankfurt a/M: Campus Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Vom Autor des internationalen Bestsellers The Rise of the Creative Class Die Kreativen sind der Wirtschaftsmotor der Zukunft. Sie sind der Rohstoff, auf den die neue Wirtschaftsordnung nach der Krise setzen muss. Für allgemeinen, dauerhaften Wohlstand müssen wir jetzt handeln und das kreative Potenzial unserer Gesellschaft aktivieren."

 
     
 
       
   

Rezensionen

fehlen noch

 
       
   

The Rise of the creative Class (2002).
...and how it transforming work, leisure, community and everyday life

New York:
Basic Books

 
   
     
 

Klappentext

"The Rise of the Creative Class gives us a provocative new way to think about why we live as we do today — and where we might be headed. In a book that weaves a storytelling with a massive body of research, Richard Florida traces the fundamental theme that runs through a host of seemingly unrelated changes in American society: the growing role of creativity in our economy.

Just as William Whyte's 1956 classic The Organization Man showed how the organizational ethos of that age permeated every aspect of life, Florida describes a society in which the creative ethos is increasingly dominant. Millions of us are beginning to work and live much as creative types like artists and scientists always have - with the result that our values and tastes, our personal relationships, our choices of where to live, and even our sense and use of time are changing. Leading the shift are the nearly 38 million Americans in many diverse fields who create for a living — the Creative Class.

The Rise of the Creative Class chronicles the ongoing sea of change in people's choices and attitudes, and shows not only what's happening but also how it stems from a fundamental economic change. The Creative Class now comprises more than thirty percent of the entire workforce. The choices these people make already had a huge economic impact, and in the future they will determine how the workplace is organized, what companies will prosper or go bankrupt, and even which cities will thrive or wither."

 
     
 
       
   

Die kreative Klasse in der Debatte

HEUER, Steffan (2006): Die große Karawane.
Die kreative Klasse ist mobil. Aber wo zieht es die Wissensarbeiter hin? Der amerikanische Politologe Richard Florida hat ihre Fluchtwege vermessen,
in: brand eins, Nr.9, September

WAGNER, Thomas (2007): Kreativität als Herrschaftsideologie.
Neoliberale Klassentheorie (Teil 1): Richard Florida oder die Offensive der schöpferischen Erneuerer,
in: Junge Welt v. 05.05.

WAGNER, Thomas (2007): Avantgarde des Sozialraubs.
Neoliberale Klassentheorie (Teil 2): Wie mit der neuen Kreativideologie handfeste Politik gemacht wird,
in: Junge Welt v. 07.05.

HÖGE, Helmut (2007): Vom Glück, der Verberuflichung zu entgehen.
Die Vereinigung von Mensch und Maschine schreitet voran: Die digitale Boheme sieht sich an der Spitze einer Bewegung, die urbanen Penner versuchen sie aufzuhalten,
in: TAZ v. 01.06.

  • "Es war das Jahr 1996, als das manager-magazin vom neuen elektronischen Zeitalter - und namentlich von seinem Vorreiter Don Tapscott und seinem Bestseller »Die digitale Revolution« schwärmte. Die neuen Medien, prophezeit er, werden eine völlig neue Ökonomie hervorbringen(...).
                
    Als »Avantgarde des Sozialraubs« bezeichnete dagegen der Kultursoziologe Thomas Wagner in der Jungen Welt die »digitale Boheme«, wie die mit Handys und Coffee to go ausgerüsteten jungen kreativen »Laptopper« von den Berliner Autoren Holm Friebe und Sascha Lobo genannt werden. Wagner führt deren »Kreativideologie« bzw. »Neoliberale Klassentheorie« auf die Thesen des US-Ökonomen Richard Florida zurück, der in seinem Bestseller »Der Aufstieg der kreativen Klasse« allen Ernstes einen »Boheme- und Schwulenindex« zur Messung des neuen Kreativ-Potenzials von Großstädten erfand. Danach würde Berlin ganz gut dastehen!
                
    Die Chefredakteurin von Tagesspiegel-Online Mercedes Bunz sprach in bezug auf diese Kreativszene jedoch eher pessimistisch von »urbanen Pennern«. (...). Kürzlich gab sie jedoch zu bedenken, dass die Problematik der »urbanen Penner« nun vom Aufschwung überlagert werde. Der alte Marxist André Gorz sieht in dieser Kreativszene, die feste Arbeitsstellen ablehnt und beweglich bleiben will, sehr viel optimistischer: Auch er geht von einem unaufhaltsamen Verschwinden der Dauerarbeitsplätze aus. Was danach käme? Die Generation X, wie bei Douglas Coupland, namenlose Helden des Prekären und Pioniere der Wiederaneignung von Zeit. (...)."

    Helmut HÖGE fragt sich kurz, wie soziologisch relevant diese Eliten der beschleunigten Gesellschaft sind, nur um anschließend eine Utopie des Schriftstellers Kurt VONNEGUT zur neuen Klassengesellschaft vorzustellen:

    "Die Massen werden scheinbeschäftigt und sozial mehr schlecht als recht endversorgt, während eine kleine Elite mit hohem IQ, vor allem »Ingenieure und Manager« (Problemlöser/Kreative), die Gesellschaft bzw. das, was davon noch übrig geblieben ist - »Das höllische System« (so der deutsch Titel des Romans) -, weiter perfektioniert. Schon bald sind alle Sicherheitseinrichtungen und -gesetze gegen Sabotage und Terror gerichtet. Trotzdem organisieren sich die unzufriedenen Deklassierten im Untergrund, sie werden von immer mehr »Aussteigern« unterstützt - und irgendwann schlagen sie los, d. h. sie sprengen alle möglichen Regierungsgebäude und Fabriken in die Luft. Ihr Aufstand scheitert jedoch. Nicht zuletzt deswegen, weil die Massen nur daran interessiert sind, wieder an »ihren« geliebten Maschinen zu arbeiten."

    Die digitale Bohème und die urbanen Penner (Beschleuniger und Entschleuniger im Sinne von Peter GLOTZ) sind für HÖGE zwei Eliten, die den Weg in diese schöne neue Welt ebnen:

    "Die »digitale Boheme« nun ist bemüht, sich an die Spitze dieser Entwicklung zu setzen bzw. dort zu halten, während die »urbanen Penner« wohl eher versucht sind, sich dem Widerstand dagegen anzuschließen."

SPIEGEL-Titelgeschichte: Vergesst London und Paris!
Europas coole Städte sind Amsterdam, Barcelona, Dublin, Kopenhagen, Tallinn, Hamburg ...

FOLLATH, Erich/SPÖRL, Gerhard/TRAUFETTER, Gerald/HÜETLIN, Thomas/ERTEL, Manfred/ZUBER, Helene (2007): Was Städte sexy macht.
Woher kommt der nächste Bill Gates, und wohin geht er) Brillante Köpfe können sich in der vernetzten Welt aussuchen, wo sie ihre Zelte aufschlagen. Zwischen den Metropolen ist ein heftiger Wettbewerb um die neue kreative Klasse angebrochen, denn von ihr hängen Fortschritt und Innovation ab,
in: Spiegel Nr.34 v. 20.08.

HANK, Rainer (2008): München, Stuttgart, Hamburg sind die Sieger.
Zehn deutsche Städte im Test: Wohin zieht es die Kreative Klasse? Wer hatte es gedacht: München ist Deutschlands attraktivste Großstadt, Leipzig das Schlusslicht und Stuttgart die große Überraschung. Die F.A.S. präsentiert heute auch acht Seiten das große Städteranking. Und im Internet geht die Debatte jetzt erst los,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.03.

BLOCHING, Björn (2008): Der große Unterschied zwischen europäischen und amerikanischen Städten.
Richard Florida hat seine Creative-Class-Theorie für Amerika entwickelt. In Europa müssen Technologie, Talent und Toleranz anders gemessen werden,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.03.

SEIBT, Gustav (2009): Die Größe eines Millimeters.
Von der Politik als neue Klasse entdeckt: das "kreative Bürgertum",
in:
Süddeutsche Zeitung v. 08.05.

GIRGERT, Werner (2010): Die sesshafte Klasse,
in: Frankfurter Rundschau v. 02.01.

"Früher ging man immer davon aus, dass die Leute dahin gehen, wo die Jobs sind. Jetzt scheint das Gegenteil zu gelten. Die Jobs gehen dahin, wo die Leute sind. Kein Mensch weiß, ob das stimmt oder nicht, aber es ist eine Erzählung, die allen Beteiligten Vorteile verspricht",

erläutert Tobias RAPP in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift De:Bug. GIRGERT berichtet nun über eine Wissenschaftlergruppe, die es genauer wissen wollte und die Wohnortwahl der Kreativen untersucht hat. An der großen Erzählung, die Richard FLORIDA populär gemacht hat, scheint zumindest in Europa nicht viel dran zu sein, wie GIRGERT ausführt:

"Europäische Kultur- und Wissensarbeiter hält es in der Mehrzahl an ihrem Geburts- oder Studienort. Bei einem Wechsel des Wohnorts ist ihnen die Aussicht auf einen sicheren und gut bezahlten Arbeitsplatz wichtiger als Toleranz und kulturelle Vielfalt. Bei der Mobilität unterscheiden sich die Kreativen in Europa kaum von anderen Berufsgruppen."

ZEPTER, Nicole (2010): Lieben und leiden lassen.
Die "kreative Klasse" produziert den wichtigsten Rohstoff des 21. Jahrhunderts: Ideen. Seltsam nur, dass niemand dafür Geld ausgeben will,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.06.

KOPPETSCH, Cornelia (2011): Symbolanalytiker - ein neuer Expertenstatus?
Einige Thesen zum Wandel akademischer Berufsfelder,
in: Leviathan Heft 3, September

Cornelia KOPPETSCH zeichnet den Wandel akademischer Berufsfelder anhand der Sozialfiguren Kreative, Coaches und Marktstrategen nach. Dabei greift sie die Ansätze von Richard FLORIDA ("kreative Klasse"), Robert REICH ("Symbolanalytiker") und Manuel CASTELLS ("kosmopolitische Netzwerker") auf, um die Differenzen klassischer Experten zu den neuen symbolanalytischen Experten herauszuarbeiten.

Symbolanalytiker sind für KOPPETSCH Experten, "die auf Märkten kulturelle oder wissensbezogene Dienstleistungen durchzusetzen haben". Diese sind in  unterschiedlichen Bereichen wie Finanzdienstleistung, Gesundheit, Werbung, Design, Medien und Kulturproduktion tätig

Nimmt man die Kreativen als Kulturproduzenten und -vermittler, dann treten für KOPPETSCH neben die Agenten der Hochkultur die Produzenten und -vermittler der Pop- und Alltagskultur:

"Zu den »Kreativen« im engeren Sinne können Modedesigner und Produktdesigner, sowie Marktforscher und Kreative in Werbung und Marketing gerechnet werden (...). Im weiteren Sinne umfasst diese Gruppe auch Kreative (Artdirektoren, Kreativdirektoren) und Freiberufler in den Branchen Unterhaltungselektronik, Musik-, Film- und Videoproduktion. (...). Diesen Berufsgruppen ist gemeinsam, dass sie nicht in erster Linie kognitiv, sondern emotional überzeugen wollen. Ihr gesellschaftlicher Auftrag besteht in der Ausgestaltung der expressiven Unterhaltungskultur, genauer, in der ästhetischen Ausformulierung expressiver Individualität, die in immer mehr Bereichen des öffentlichen Lebens zum Leitbild wird und deren Imperative sie in der Sphäre der Freizeitgestaltung und der Massenmedien verankern. (...).
Innerhalb der Felder der Kulturproduktion befinden sich die jungen »Kreativen« daher in Opposition zu den etablierten klassisch-hochkulturellen Kulturproduzenten, d.h. den Künstlern, Literaturkritikern und Philologen im Kontext meist öffentlich geförderter und von den Kommunalparlamenten approbierter Theater, Opernhäuser, Orchester und Museen, deren Diskurs- und Deutungsmonopol sie mehr oder weniger erfolgreich angetastet haben. Während letztere ihre künstlerischen Ansprüche auf der Basis akademischer Bildung und staatlicher Förderung durchsetzen konnten, arbeiten die jungen »Kreativen«, die den Weg in die etablierte Kultur nicht geschafft haben, auf kommerzieller Basis und verstehen sich als Mittler zwischen einer pluralisierten und ausdifferenzierten Alltagskultur und der breiten Öffentlichkeit." (2011, S.418f.)

Mit dem Wandel der akademischen Berufsfelder ging gleichzeitig ein Wandel des Verhältnisses von Kultur und Ökonomie einher. Aus dem Gegensatz von Kultur und Ökonomie ist eine Ökonomisierung der Kultur ("kultureller Kapitalismus") geworden. Die nationale Politik der Deregulierung und der Umbau des Wohlfahrtsstaates gehen Hand in Hand mit der Transnationalisierung der Eliten.

 
   

Richard Florida im WWW

www.creativeclass.org
 
   

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© 2002-2012
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 01.Juni 2007
Stand: 17. Januar 2012