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Die kreative Klasse in
der Debatte
HEUER, Steffan (2006): Die große Karawane.
Die kreative Klasse ist mobil. Aber wo zieht es die
Wissensarbeiter hin? Der amerikanische Politologe Richard
Florida hat ihre Fluchtwege vermessen,
in: brand eins, Nr.9, September
WAGNER, Thomas (2007): Kreativität als Herrschaftsideologie.
Neoliberale Klassentheorie (Teil 1): Richard Florida oder
die Offensive der schöpferischen Erneuerer,
in: Junge Welt v. 05.05.
WAGNER, Thomas (2007): Avantgarde des Sozialraubs.
Neoliberale Klassentheorie (Teil 2): Wie mit der neuen
Kreativideologie handfeste Politik gemacht wird,
in: Junge Welt v. 07.05.
HÖGE, Helmut (2007): Vom Glück, der Verberuflichung zu
entgehen.
Die Vereinigung von Mensch und Maschine schreitet voran:
Die digitale Boheme sieht sich an der Spitze einer Bewegung,
die urbanen Penner versuchen sie aufzuhalten,
in: TAZ v. 01.06.
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"Es war das Jahr 1996, als das
manager-magazin vom neuen elektronischen Zeitalter -
und namentlich von seinem Vorreiter Don Tapscott und
seinem Bestseller »Die digitale Revolution« schwärmte. Die
neuen Medien, prophezeit er, werden eine völlig neue
Ökonomie hervorbringen(...).
Als »Avantgarde des
Sozialraubs« bezeichnete dagegen der Kultursoziologe
Thomas Wagner in der Jungen Welt die
»digitale Boheme«, wie die mit Handys und Coffee to go
ausgerüsteten jungen kreativen »Laptopper« von den
Berliner
Autoren Holm Friebe und Sascha Lobo genannt werden.
Wagner führt deren »Kreativideologie« bzw. »Neoliberale
Klassentheorie« auf die Thesen des US-Ökonomen Richard
Florida zurück, der in seinem Bestseller »Der Aufstieg der
kreativen Klasse« allen Ernstes einen »Boheme- und
Schwulenindex« zur Messung des neuen Kreativ-Potenzials
von Großstädten erfand. Danach würde
Berlin ganz gut
dastehen!
Die Chefredakteurin von Tagesspiegel-Online
Mercedes Bunz
sprach in bezug auf diese Kreativszene jedoch eher
pessimistisch von »urbanen Pennern«. (...). Kürzlich gab
sie jedoch zu bedenken, dass die Problematik der »urbanen
Penner« nun vom Aufschwung überlagert werde. Der alte
Marxist André Gorz sieht in dieser Kreativszene, die feste
Arbeitsstellen ablehnt und beweglich bleiben will, sehr
viel optimistischer: Auch er geht von einem unaufhaltsamen
Verschwinden der Dauerarbeitsplätze aus. Was danach käme?
Die
Generation
X, wie bei Douglas Coupland, namenlose Helden des
Prekären und Pioniere der Wiederaneignung von Zeit.
(...)."
Helmut HÖGE fragt sich
kurz, wie soziologisch relevant diese
Eliten der beschleunigten
Gesellschaft sind, nur um anschließend eine
Utopie des Schriftstellers Kurt VONNEGUT zur neuen
Klassengesellschaft vorzustellen:
"Die Massen werden
scheinbeschäftigt und sozial mehr schlecht als recht
endversorgt, während eine kleine Elite mit hohem IQ, vor
allem »Ingenieure und Manager« (Problemlöser/Kreative),
die Gesellschaft bzw. das, was davon noch übrig geblieben
ist - »Das höllische System« (so der deutsch Titel des
Romans) -, weiter perfektioniert. Schon bald sind alle
Sicherheitseinrichtungen und -gesetze gegen Sabotage und
Terror gerichtet. Trotzdem organisieren sich die
unzufriedenen Deklassierten im Untergrund, sie werden von
immer mehr »Aussteigern« unterstützt - und irgendwann
schlagen sie los, d. h. sie sprengen alle möglichen
Regierungsgebäude und Fabriken in die Luft. Ihr Aufstand
scheitert jedoch. Nicht zuletzt deswegen, weil die Massen
nur daran interessiert sind, wieder an »ihren« geliebten
Maschinen zu arbeiten."
Die digitale Bohème und
die urbanen Penner (Beschleuniger
und Entschleuniger im Sinne von Peter GLOTZ)
sind für HÖGE zwei Eliten, die den Weg in diese schöne
neue Welt ebnen:
"Die »digitale Boheme« nun ist bemüht, sich an die Spitze
dieser Entwicklung zu setzen bzw. dort zu halten, während
die »urbanen Penner« wohl eher versucht sind, sich dem
Widerstand dagegen anzuschließen."
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SPIEGEL-Titelgeschichte:
Vergesst London und Paris!
Europas coole Städte sind Amsterdam, Barcelona, Dublin,
Kopenhagen, Tallinn, Hamburg ... |
FOLLATH, Erich/SPÖRL, Gerhard/TRAUFETTER, Gerald/HÜETLIN,
Thomas/ERTEL, Manfred/ZUBER, Helene (2007): Was Städte
sexy macht.
Woher kommt der nächste Bill Gates, und wohin geht er)
Brillante Köpfe können sich in der vernetzten Welt
aussuchen, wo sie ihre Zelte aufschlagen. Zwischen den
Metropolen ist ein heftiger Wettbewerb um die neue
kreative Klasse angebrochen, denn von ihr hängen
Fortschritt und Innovation ab,
in: Spiegel Nr.34 v. 20.08.
HANK, Rainer
(2008): München, Stuttgart, Hamburg sind die Sieger.
Zehn deutsche Städte im Test: Wohin zieht es die
Kreative Klasse? Wer hatte es gedacht: München ist
Deutschlands attraktivste Großstadt, Leipzig das
Schlusslicht und Stuttgart die große Überraschung. Die
F.A.S. präsentiert heute auch acht Seiten das große
Städteranking. Und im Internet geht die Debatte jetzt
erst los,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
09.03.
BLOCHING,
Björn (2008): Der große Unterschied zwischen
europäischen und amerikanischen Städten.
Richard Florida hat seine Creative-Class-Theorie für
Amerika entwickelt. In Europa müssen Technologie, Talent
und Toleranz anders gemessen werden,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
09.03.
SEIBT, Gustav (2009): Die Größe eines Millimeters.
Von der Politik als neue Klasse entdeckt: das "kreative Bürgertum",
in:
Süddeutsche Zeitung
v. 08.05.
"Früher ging man immer davon aus,
dass die Leute dahin gehen, wo die Jobs sind. Jetzt
scheint das Gegenteil zu gelten. Die Jobs gehen dahin,
wo die Leute sind. Kein Mensch weiß, ob das stimmt oder
nicht, aber es ist eine Erzählung, die allen Beteiligten
Vorteile verspricht",
erläutert Tobias RAPP
in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift
De:Bug. GIRGERT berichtet nun über eine
Wissenschaftlergruppe, die es genauer wissen wollte und
die Wohnortwahl der Kreativen untersucht hat.
An der großen Erzählung, die Richard FLORIDA populär
gemacht hat, scheint zumindest in Europa nicht viel dran
zu sein, wie GIRGERT ausführt:
"Europäische
Kultur- und Wissensarbeiter hält es in der Mehrzahl an
ihrem Geburts- oder Studienort. Bei einem Wechsel des
Wohnorts ist ihnen die Aussicht auf einen sicheren und
gut bezahlten Arbeitsplatz wichtiger als Toleranz und
kulturelle Vielfalt. Bei der Mobilität unterscheiden
sich die Kreativen in Europa kaum von anderen
Berufsgruppen."
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ZEPTER,
Nicole (2010): Lieben und leiden lassen.
Die "kreative Klasse" produziert den wichtigsten
Rohstoff des 21. Jahrhunderts: Ideen. Seltsam nur, dass
niemand dafür Geld ausgeben will,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.06.
KOPPETSCH, Cornelia (2011):
Symbolanalytiker - ein neuer Expertenstatus?
Einige Thesen zum Wandel akademischer Berufsfelder,
in: Leviathan Heft 3, September
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Cornelia KOPPETSCH zeichnet den
Wandel akademischer Berufsfelder anhand der
Sozialfiguren Kreative, Coaches und Marktstrategen nach.
Dabei greift sie die Ansätze von Richard FLORIDA
("kreative Klasse"), Robert REICH ("Symbolanalytiker")
und Manuel CASTELLS ("kosmopolitische Netzwerker") auf,
um die Differenzen klassischer Experten zu den neuen
symbolanalytischen Experten herauszuarbeiten.
Symbolanalytiker sind
für KOPPETSCH Experten, "die auf Märkten kulturelle oder
wissensbezogene Dienstleistungen durchzusetzen haben".
Diese sind in unterschiedlichen Bereichen wie
Finanzdienstleistung, Gesundheit, Werbung, Design,
Medien und Kulturproduktion tätig
Nimmt man die
Kreativen als Kulturproduzenten und -vermittler, dann
treten für KOPPETSCH neben die Agenten der Hochkultur
die Produzenten und -vermittler der Pop- und
Alltagskultur:
"Zu den »Kreativen«
im engeren Sinne können Modedesigner und
Produktdesigner, sowie Marktforscher und Kreative in
Werbung und Marketing gerechnet werden (...). Im
weiteren Sinne umfasst diese Gruppe auch Kreative
(Artdirektoren, Kreativdirektoren) und Freiberufler in
den Branchen Unterhaltungselektronik, Musik-, Film- und
Videoproduktion. (...). Diesen Berufsgruppen ist
gemeinsam, dass sie nicht in erster Linie kognitiv,
sondern emotional überzeugen wollen. Ihr
gesellschaftlicher Auftrag besteht in der Ausgestaltung
der expressiven Unterhaltungskultur, genauer, in der
ästhetischen Ausformulierung expressiver Individualität,
die in immer mehr Bereichen des öffentlichen Lebens zum
Leitbild wird und deren Imperative sie in der Sphäre der
Freizeitgestaltung und der Massenmedien verankern.
(...).
Innerhalb der Felder der Kulturproduktion befinden sich
die jungen »Kreativen« daher in Opposition zu den
etablierten klassisch-hochkulturellen Kulturproduzenten,
d.h. den Künstlern, Literaturkritikern und Philologen im
Kontext meist öffentlich geförderter und von den
Kommunalparlamenten approbierter Theater, Opernhäuser,
Orchester und Museen, deren Diskurs- und Deutungsmonopol
sie mehr oder weniger erfolgreich angetastet haben.
Während letztere ihre künstlerischen Ansprüche auf der
Basis akademischer Bildung und staatlicher Förderung
durchsetzen konnten, arbeiten die jungen »Kreativen«,
die den Weg in die etablierte Kultur nicht geschafft
haben, auf kommerzieller Basis und verstehen sich als
Mittler zwischen einer pluralisierten und
ausdifferenzierten Alltagskultur und der breiten
Öffentlichkeit." (2011, S.418f.)
Mit dem Wandel der
akademischen Berufsfelder ging gleichzeitig ein Wandel
des Verhältnisses von Kultur und Ökonomie einher. Aus
dem Gegensatz von Kultur und Ökonomie ist eine
Ökonomisierung der Kultur ("kultureller
Kapitalismus") geworden. Die nationale Politik der
Deregulierung und der Umbau des Wohlfahrtsstaates gehen
Hand in Hand mit der Transnationalisierung der Eliten.
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