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Richard Florida: Der Aufstieg der kreativen Klasse

 
       
     
       
     
       
   

Richard Florida in seiner eigenen Schreibe

 
       
   

FLORIDA, Richard (2002): The Rise of the Creative Class.
Why cities without gays and rock bands are losing the economic development race,
in: Washington Montly, Mai

FLORIDA, Richard (2011): The inchoate rage beneath our global cities,
in: Financial Times v. 16.08.

 
       
   

Richard Florida im Gespräch

 
       
   

HOHENSEE, Matthias (2007): "Intolerante Orte sterben".
Wirtschaftswissenschaftler Richard Florida über die ökonomischen Vorteile einer offenen Gesellschaft,
in: Wirtschaftswoche, Nr.8 v. 20.02.

 
       
   

Richard Florida in der Debatte

 
       
   
GUMBRECHT, Hans Ulrich (2017): Suburbia!
Die Metropolen versprechen Freiheit - aber die Kreativzonen liegen heute am Stadtrand,
in: Neue Zürcher
Zeitung v. 07.07.

BRÉVILLE, Benoît (2017): Wo die Kreativen wohnen.
Seattle ist gegen Rassismus und für Fahrradwege, aber bezahlbare Wohnungen gibt es keine mehr,
in:
Le Monde diplomatique. Beilage der TAZ v. 10.11.

"Richard Florida (...) ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt und unter Kollegen sogar ziemlich umstritten, doch seit ungefähr 15 Jahren hat er großen Einfluss auf lokale Entscheidungsträger. Seine Theorie legte er erstmals 2002 in »The Rise of the Creative Class« dar. Das Buch wurde zum Bestseller. (...).
Laut Richard Florida, der mit Zahlen eher großzügig umgeht, repräsentieren die Kreativen zwar nur 30 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung in den USA, aber 70 Prozent der Kaufkraft. (...).
Nach Richard Florida führen die drei Ts - Toleranz, Talente und Technologie - zu wirtschaftlichem Erfolg. Aus verschiedenen Daten (...) errechnete er den »Gay«-, »Bohemian«- oder »Talent«-Index und stellte eine Rangliste auf, die er regelmäßig aktualisiert, damit die Städte selbst nachsehen können, ob sie alles richtig machen. Mittlerweile hat Florida sein Ranking auf Europa und Kanada ausgeweitet. (...)
Im internationalen Städtewettbewerb gelten seine Vorschläge inzwischen als »Best Practice«: Von Sydney bis Paris, von Montréal bis Berlin will jede Stadt dynamisch, innovativ, intelligent, kreativ, nachhaltig und digital vernetzt sein. Dutzende US-Städte (...) riefen Richard Florida und seine Beratungsgesellschaft Creative Class Group (...) zu Hilfe.
Andere Städte wie Seattle, die schon früh auf die Kreativwirtschaft gesetzt hatten, fühlten sich bestätigt und verdoppelten ihre Anstrengungen, hochqualifzierte Arbeitskräfte anzuwerben",

erzählt uns Benoît BRÉVILLE über den Aufstieg von Richard FLORIDA zum Stadtentwicklungsguru der Kosmopoliten. Dass FLORIDA in der Öffentlichkeit nicht bekannt sei, mag möglicherweise für Frankreich gelten, aber sicher nicht für Deutschland, wo Städte-Rankings seit den Nuller-Jahren inflationär die Mainstreampresse bevölkerten. selbst das nicht gerade hippe Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung wollte vom FLORIDA-Hype profitieren und veröffentlichte im September 2007 die Broschüre Talente, Technologie und Toleranz – wo Deutschland Zukunft hat. Dort hat man sich jedoch nicht darum geschert, dass diese Ideologie nur für die Stadtentwicklung gilt, sondern man ist hergegangen und hat den FLORIDA unsinnigerweise für ganze Bundesländer erstellt. Cloppenburg als Hipster-Stadt? Höchstens für AfD-Anhänger.

BRÉVILLE beschreibt Seattle als Prototyp der innovativen Metropole, der Aufstieg zur City der Kreativen mit der Deindustrialisierung und dem Abstieg der schwarzen Mittelklasse begann:

"Früher arbeitete man in der »Emarald City« (Smaragdstadt) im Hafen und Schiffsbau, bei der Luftfahrt (Boing) oder (...) in der Forstwirtschaft. Aufgrund der guten Löhne konnte sich hier eine schwarze Mittelschicht etablieren. 1970 besaßen 49 Prozent der afroamerikanischen Haushalte von King County, dem Zentrum der Metropolregion Seattle, ein Eigenheim, während im nationalen Durchschnitt lediglich 42 Prozent der US-Amerikaner Hauseigentümer waren.
Heute besitzen nur noch 28 Prozent der Afroamerikaner ein Haus. (...).
Anfang der 200er Jahre, als Richard Floridas Bestseller erschien, stand Seattle in Floridas Kreativitäts-Index auf dem fünften Platz".

Nicht erwähnt wird: Auf Platz 1 stand San Francisco (Kalifornien), Platz 2: Austin (Texas), Platz 3 Boston (Massachusetts)  und San Diego (Kalifornien) belegte Platz 4. Mit Microsoft (1986), Starbucks (1987) und Amazon (1994) siedelten sich hippe Unternehmen an.

"2012 überholte Seattle im Kreativranking Texas' Hausptstadt Austin, rückte auf den vierten Platz vor und gewann auch noch vor den großen Westküstenfavoriten Portland und San Francisco den begehrten Titel »Beste Stadt für Hipster«, den das Reisemagazin Travel + Leisure vergibt. (...).
Die Stadt lockte Akademiker aus der ganzen Welt an und erlebte einen spektakulären demografischen Aufschwung, der sich in den letzten Jahren noch beschleunigt hat. Zwischen Juli 2015 und Juli 2016 wurden 21.000 neue Namen in das Melderegister eingetragen; heute zählt Seattle 700.000 Einwohner. (...). Nach der letzten Statistik kommen in Seattle auf 118 Männer zwischen 25 und 44 Jahren in derselben Altersstufe 100 Frauen. In manchen Vierteln wie dem Central District ist der Anteil der Afroamerikaner von 73 Prozent (1970) auf unter 20 Prozent gesunken.
Seattle galt von Anfang an als Gegenmodell zum kalifornischen Silicon Valley. (...). In Seattle sitzen die Unternehmen vor allem in der Innenstadt, in den alten Arbeiter- und Industrievierteln",

berichtet BRÉVILLE über die Homogenisierung und Gentrifizierung von Seattle. Der schöne Schein von Diversity geht zu Lasten der Armen, die aus der Stadt verbannt werden.

 
       
       
   

The New Urban Crises (2017).
How Our Cities Are Increasing Inequality, Deepening Segregation, and Failing the Middle Class and What We Can Do About It

New York:
Basic Books

 
   
     
 

Klappentext

"In recent years, the young, educated, and affluent have surged back into cities, reversing decades of suburban flight and urban decline. And yet all is not well, Richard Florida argues in The New Urban Crisis. Florida, one of the first scholars to anticipate this back-to-the-city movement in his groundbreaking The Rise of the Creative Class, demonstrates how the same forces that power the growth of the world's superstar cities also generate their vexing challenges: gentrification, unaffordability, segregation, and inequality. Meanwhile, many more cities still stagnate, and middle-class neighborhoods everywhere are disappearing. Our winner-take-all cities are just one manifestation of a profound crisis in today's urbanized knowledge economy."

 
     
 
       
   

Rezensionen

RICKENS, Christian (2017): Der Fluch der kreativen Klasse.
Städte sollten vor allem hochproduktive Bewohner anlocken, um erfolgreich zu sein: Mit dieser These schuf Richard Florida eine neue Blaupause für Wirtschaftsförderer in aller Welt. In seinem neuen Buch reflektiert er über die Schattenseiten dieser Politik,
in:
Handelsblatt v. 14.07.

Christian RICKENS stellt das Buch The New Urban Crises von Richard FLORIDA vor. Statt jedoch die Schattenseiten zu beleuchten, wird in zwei Dritteln der Rezension Selbstbeweihräucherung betrieben.

"Wenn man Floridas Thesen folgt, sollten sich städtische Wirtschaftsförderer nicht mehr primär darum bemühen, mit billigen Gewerbegrundstücken neue Industriebetriebe anzulocken. Sie sollten sich lieber um eine lebendig Kulturszene kümmern, um gut ausgebaute Radwege und U-Bahnnetze und lebenswerte Innenstädte",

fasst RICKENS das neoliberale Credo zusammen, dem vor allem in deutschen Metropolen wie z.B. Hamburg (Elbphilharmonie) mit zweifelhaftem Erfolg nachgeeifert wurde. Die so genannte kreative Klasse ist ein Synonym für das Akademikermilieu und deren Interessen als Vereinbarkeit von Beruf und Familie bezeichnet werden. Die Doppelkarriere-Familien sind dadurch als Family-Gentrifier zu den herausragenden Akteuren auf dem städtischen Immobilienmarkt geworden. Ihr Dienstleistungsproletariat dagegen gehört zu den Globalisierungsverlierern. Vereinbarkeit von Beruf und Familie können sie sich genauso wenig leisten wie kurze Wege zum Arbeitsplatz in den Townhouses der Großstädte.

RICKENS jedoch will keinerlei Zusammenhang mit der Gentrifizierung der Arbeiterviertel und dem Wegbrechen von "sozial intakten und zugleich bezahlbaren Viertel für Durchschnittsverdiener sehen. Wobei mit Durchschnittsverdiener eher die Masse der Niedriglöhner gemeint ist. Während in den USA diese Spaltung schon deutlich zu Tage tritt, wird sie hierzulande immer noch schöngefärbt.

Am Schluss darf ein Plädoyer für eine Bodenwertsteuer nicht fehlen, die so nicht genannt wird, sondern nur umschrieben. Die Bodenwertsteuer soll jene schröpfen, die sich nicht wehren können und dient dazu den Investoren höhere Renditen zu verschaffen. Die Lösung FLORIDAs ist also eine weitere Verschärfung der gesellschaftlichen Spaltung zu Gunsten des Finanzkapitalismus. Natürlich steht das nicht so geschrieben, sondern die Interessen der Reichen werden uns als Anreize verkauft:

"Zugleich schaffe die Steuer Anreize Grundstücke möglichst dicht zu bebauen und so Wohnraum zu schaffen."

 
       
   

Das Buch in der Debatte

Neu:
WAINWRIGHT, Oliver (2017): Alles in den Städten.
Urbanismus: 15 Jahre nach dem Bestseller "The Rise of the Creative Class" findet Richard Florida nicht, dass Gentrifizierung das Problem ist,
in:
Freitag Nr.47 v. 23.11.

Oliver WAINWRIGHT berichtet über das aktuelle Buch The New Urban Crisis des Gentrizierungs-Papstes Richard FLORIDA, der durch Unternehmensberatung reich wurde. Hätte es keinen politischen Backlash gegeben, dann wäre es FLORIDA egal, welche Folgen seine Politikberatung hätte. Aber so droht dem Stadterneuerungs-Propheten die kommunale Kundschaft in den Städten wegzubrechen. Das neue Buch reagiert auf diese Veränderung mit einem neuen Marketing in Sachen Gentrifizierung. Nicht Gentrifizierung, sondern die neue Dienstleistungsklasse und ihre Verelendung ist das Problem. Die neoliberalen Lobbyorganisationen von Bertelsmann-Stiftung bis WTO haben den Begriff "inklusives Wachstum" lanciert, FLORIDA wendet dieses begriffliche Placebo nun auf die kommunale Ebene an:

"Wir müssen neue Narrative entwickeln, die Inklusion als Teil von Wohlstand berücksichtigen",

wird FLORIDA nun zitiert. Man darf bezweifeln, dass rhetorische Wendungen à la FLORIDA die Probleme der Städte lösen werden. Vor allem weil FLORIDA nun zum Verfechter einer Bodenwertsteuer geworden ist, die Normalos zum Verkauf zwingt. Damit soll noch mehr Boden für Investoren kostengünstig bereit gestellt werden. Das Gegenteil wäre notwendig: Investoren sollten stärker besteuert werden, damit das Horten von Boden teuer kommt.

 
       
       
   

Reset (2010).
Wie wir anders leben, arbeiten und eine neue Ära des Wohlstands begründen werden

Frankfurt a/M: Campus Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Vom Autor des internationalen Bestsellers The Rise of the Creative Class Die Kreativen sind der Wirtschaftsmotor der Zukunft. Sie sind der Rohstoff, auf den die neue Wirtschaftsordnung nach der Krise setzen muss. Für allgemeinen, dauerhaften Wohlstand müssen wir jetzt handeln und das kreative Potenzial unserer Gesellschaft aktivieren."

 
     
 
       
   

Rezensionen

fehlen noch

 
       
       
   

The Rise of the creative Class (2002).
...and how it transforming work, leisure, community and everyday life

New York:
Basic Books

 
   
     
 

Klappentext

"The Rise of the Creative Class gives us a provocative new way to think about why we live as we do today — and where we might be headed. In a book that weaves a storytelling with a massive body of research, Richard Florida traces the fundamental theme that runs through a host of seemingly unrelated changes in American society: the growing role of creativity in our economy.

Just as William Whyte's 1956 classic The Organization Man showed how the organizational ethos of that age permeated every aspect of life, Florida describes a society in which the creative ethos is increasingly dominant. Millions of us are beginning to work and live much as creative types like artists and scientists always have - with the result that our values and tastes, our personal relationships, our choices of where to live, and even our sense and use of time are changing. Leading the shift are the nearly 38 million Americans in many diverse fields who create for a living — the Creative Class.

The Rise of the Creative Class chronicles the ongoing sea of change in people's choices and attitudes, and shows not only what's happening but also how it stems from a fundamental economic change. The Creative Class now comprises more than thirty percent of the entire workforce. The choices these people make already had a huge economic impact, and in the future they will determine how the workplace is organized, what companies will prosper or go bankrupt, and even which cities will thrive or wither."

 
     
 
       
   

Die kreative Klasse in der Debatte

HEUER, Steffan (2006): Die große Karawane.
Die kreative Klasse ist mobil. Aber wo zieht es die Wissensarbeiter hin? Der amerikanische Politologe Richard Florida hat ihre Fluchtwege vermessen,
in: brand eins, Nr.9, September

WAGNER, Thomas (2007): Kreativität als Herrschaftsideologie.
Neoliberale Klassentheorie (Teil 1): Richard Florida oder die Offensive der schöpferischen Erneuerer,
in: Junge Welt v. 05.05.

WAGNER, Thomas (2007): Avantgarde des Sozialraubs.
Neoliberale Klassentheorie (Teil 2): Wie mit der neuen Kreativideologie handfeste Politik gemacht wird,
in: Junge Welt v. 07.05.

HÖGE, Helmut (2007): Vom Glück, der Verberuflichung zu entgehen.
Die Vereinigung von Mensch und Maschine schreitet voran: Die digitale Boheme sieht sich an der Spitze einer Bewegung, die urbanen Penner versuchen sie aufzuhalten,
in: TAZ v. 01.06.

"Es war das Jahr 1996, als das manager-magazin vom neuen elektronischen Zeitalter - und namentlich von seinem Vorreiter Don Tapscott und seinem Bestseller »Die digitale Revolution« schwärmte. Die neuen Medien, prophezeit er, werden eine völlig neue Ökonomie hervorbringen(...).
            
Als »Avantgarde des Sozialraubs« bezeichnete dagegen der Kultursoziologe Thomas Wagner in der Jungen Welt die »digitale Boheme«, wie die mit Handys und Coffee to go ausgerüsteten jungen kreativen »Laptopper« von den Berliner Autoren Holm Friebe und Sascha Lobo genannt werden. Wagner führt deren »Kreativideologie« bzw. »Neoliberale Klassentheorie« auf die Thesen des US-Ökonomen Richard Florida zurück, der in seinem Bestseller »Der Aufstieg der kreativen Klasse« allen Ernstes einen »Boheme- und Schwulenindex« zur Messung des neuen Kreativ-Potenzials von Großstädten erfand. Danach würde Berlin ganz gut dastehen!
            
Die Chefredakteurin von Tagesspiegel-Online Mercedes Bunz sprach in bezug auf diese Kreativszene jedoch eher pessimistisch von »urbanen Pennern«. (...). Kürzlich gab sie jedoch zu bedenken, dass die Problematik der »urbanen Penner« nun vom Aufschwung überlagert werde. Der alte Marxist André Gorz sieht in dieser Kreativszene, die feste Arbeitsstellen ablehnt und beweglich bleiben will, sehr viel optimistischer: Auch er geht von einem unaufhaltsamen Verschwinden der Dauerarbeitsplätze aus. Was danach käme? Die Generation X, wie bei Douglas Coupland, namenlose Helden des Prekären und Pioniere der Wiederaneignung von Zeit. (...)."

Helmut HÖGE fragt sich kurz, wie soziologisch relevant diese Eliten der beschleunigten Gesellschaft sind, nur um anschließend eine Utopie des Schriftstellers Kurt VONNEGUT zur neuen Klassengesellschaft vorzustellen:

"Die Massen werden scheinbeschäftigt und sozial mehr schlecht als recht endversorgt, während eine kleine Elite mit hohem IQ, vor allem »Ingenieure und Manager« (Problemlöser/Kreative), die Gesellschaft bzw. das, was davon noch übrig geblieben ist - »Das höllische System« (so der deutsch Titel des Romans) -, weiter perfektioniert. Schon bald sind alle Sicherheitseinrichtungen und -gesetze gegen Sabotage und Terror gerichtet. Trotzdem organisieren sich die unzufriedenen Deklassierten im Untergrund, sie werden von immer mehr »Aussteigern« unterstützt - und irgendwann schlagen sie los, d. h. sie sprengen alle möglichen Regierungsgebäude und Fabriken in die Luft. Ihr Aufstand scheitert jedoch. Nicht zuletzt deswegen, weil die Massen nur daran interessiert sind, wieder an »ihren« geliebten Maschinen zu arbeiten."

Die digitale Bohème und die urbanen Penner (Beschleuniger und Entschleuniger im Sinne von Peter GLOTZ) sind für HÖGE zwei Eliten, die den Weg in diese schöne neue Welt ebnen:

"Die »digitale Boheme« nun ist bemüht, sich an die Spitze dieser Entwicklung zu setzen bzw. dort zu halten, während die »urbanen Penner« wohl eher versucht sind, sich dem Widerstand dagegen anzuschließen."

SPIEGEL-Titelgeschichte: Vergesst London und Paris!
Europas coole Städte sind Amsterdam, Barcelona, Dublin, Kopenhagen, Tallinn, Hamburg ...

FOLLATH, Erich/SPÖRL, Gerhard/TRAUFETTER, Gerald/HÜETLIN, Thomas/ERTEL, Manfred/ZUBER, Helene (2007): Was Städte sexy macht.
Woher kommt der nächste Bill Gates, und wohin geht er) Brillante Köpfe können sich in der vernetzten Welt aussuchen, wo sie ihre Zelte aufschlagen. Zwischen den Metropolen ist ein heftiger Wettbewerb um die neue kreative Klasse angebrochen, denn von ihr hängen Fortschritt und Innovation ab,
in: Spiegel Nr.34 v. 20.08.

HANK, Rainer (2008): München, Stuttgart, Hamburg sind die Sieger.
Zehn deutsche Städte im Test: Wohin zieht es die Kreative Klasse? Wer hatte es gedacht: München ist Deutschlands attraktivste Großstadt, Leipzig das Schlusslicht und Stuttgart die große Überraschung. Die F.A.S. präsentiert heute auch acht Seiten das große Städteranking. Und im Internet geht die Debatte jetzt erst los,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.03.

BLOCHING, Björn (2008): Der große Unterschied zwischen europäischen und amerikanischen Städten.
Richard Florida hat seine Creative-Class-Theorie für Amerika entwickelt. In Europa müssen Technologie, Talent und Toleranz anders gemessen werden,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.03.

TEXTE ZUR KUNST-Thema: Design

BITTNER, Regina (2008): Design City - Stadt ohne Gebrauchsanweisung?
in:
Texte zur Kunst, Heft 72, Dezember

Regina BITTNER geht auf die Entwicklung der industriellen zur postindustriellen Stadt ein und die damit verbundene Zielgruppenverschiebung von den Angestellten zur kreativen Klasse (Richard FLORIDA):

"Lichtgestalt dieser dynamisch verfassten Stadt sind die Kreativen. Bastian Lange stellt in seiner Kritik an Richard Florida heraus, dass »die Ernennung der Kreativen zu zentralen städtischen Problembewältigern (...) der jüngste Versuch ist, Stadtentwicklung an neue unternehmerische Trägergruppen und deren Imagewirkung zu koppeln«. Dabei werden nicht nur die prekären Existenzbedingungen der Trägergruppen ignoriert, sondern Fragen integrierter Stadtentwicklung, gerechter Ressourcenverteilung und sozialer und ökonomischer Existenzsicherung rücken bei dieser zielgruppenorientierten Politik in weite Ferne."

SEIBT, Gustav (2009): Die Größe eines Millimeters.
Von der Politik als neue Klasse entdeckt: das "kreative Bürgertum",
in:
Süddeutsche Zeitung v. 08.05.

GIRGERT, Werner (2010): Die sesshafte Klasse,
in: Frankfurter Rundschau v. 02.01.

"Früher ging man immer davon aus, dass die Leute dahin gehen, wo die Jobs sind. Jetzt scheint das Gegenteil zu gelten. Die Jobs gehen dahin, wo die Leute sind. Kein Mensch weiß, ob das stimmt oder nicht, aber es ist eine Erzählung, die allen Beteiligten Vorteile verspricht",

erläutert Tobias RAPP in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift De:Bug. GIRGERT berichtet nun über eine Wissenschaftlergruppe, die es genauer wissen wollte und die Wohnortwahl der Kreativen untersucht hat. An der großen Erzählung, die Richard FLORIDA populär gemacht hat, scheint zumindest in Europa nicht viel dran zu sein, wie GIRGERT ausführt:

"Europäische Kultur- und Wissensarbeiter hält es in der Mehrzahl an ihrem Geburts- oder Studienort. Bei einem Wechsel des Wohnorts ist ihnen die Aussicht auf einen sicheren und gut bezahlten Arbeitsplatz wichtiger als Toleranz und kulturelle Vielfalt. Bei der Mobilität unterscheiden sich die Kreativen in Europa kaum von anderen Berufsgruppen."

ZEPTER, Nicole (2010): Lieben und leiden lassen.
Die "kreative Klasse" produziert den wichtigsten Rohstoff des 21. Jahrhunderts: Ideen. Seltsam nur, dass niemand dafür Geld ausgeben will,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.06.

FRIEBE, Holm (2010): Digitale Boheme revisited.
Holm Friebe, der zusammen mit Sascha Lobo der digitalen Boheme ihren Namen gab, hält es eigentlich wie die Queen: "Never explain, never complain". Hier stellt er nun doch einige der kursierenden Mißverständisse rund um den Begriff und das neue Arbeitsmodell klar,
in: Konkret Nr.10, Oktober

GROß, Thomas & Tobias TIMM (2010): Die neue K-Klasse.
Kreativhotels, Kreativkieze und Kreativbeauftragte: Berlin sieht sich als Labor einer zukünftigen, wissensbasierten Ökonomie. Aber was tun diese Kulturarbeiter eigentlich den ganzen Tag? Eine Recherche in der "Hauptstadt der Innovation",
in: Die ZEIT Nr.45 v. 04.11.

KOPPETSCH, Cornelia (2011): Symbolanalytiker - ein neuer Expertenstatus?
Einige Thesen zum Wandel akademischer Berufsfelder,
in: Leviathan Heft 3, September

Cornelia KOPPETSCH zeichnet den Wandel akademischer Berufsfelder anhand der Sozialfiguren Kreative, Coaches und Marktstrategen nach. Dabei greift sie die Ansätze von Richard FLORIDA ("kreative Klasse"), Robert REICH ("Symbolanalytiker") und Manuel CASTELLS ("kosmopolitische Netzwerker") auf, um die Differenzen klassischer Experten zu den neuen symbolanalytischen Experten herauszuarbeiten.

Symbolanalytiker sind für KOPPETSCH Experten, "die auf Märkten kulturelle oder wissensbezogene Dienstleistungen durchzusetzen haben". Diese sind in  unterschiedlichen Bereichen wie Finanzdienstleistung, Gesundheit, Werbung, Design, Medien und Kulturproduktion tätig

Nimmt man die Kreativen als Kulturproduzenten und -vermittler, dann treten für KOPPETSCH neben die Agenten der Hochkultur die Produzenten und -vermittler der Pop- und Alltagskultur:

"Zu den »Kreativen« im engeren Sinne können Modedesigner und Produktdesigner, sowie Marktforscher und Kreative in Werbung und Marketing gerechnet werden (...). Im weiteren Sinne umfasst diese Gruppe auch Kreative (Artdirektoren, Kreativdirektoren) und Freiberufler in den Branchen Unterhaltungselektronik, Musik-, Film- und Videoproduktion. (...). Diesen Berufsgruppen ist gemeinsam, dass sie nicht in erster Linie kognitiv, sondern emotional überzeugen wollen. Ihr gesellschaftlicher Auftrag besteht in der Ausgestaltung der expressiven Unterhaltungskultur, genauer, in der ästhetischen Ausformulierung expressiver Individualität, die in immer mehr Bereichen des öffentlichen Lebens zum Leitbild wird und deren Imperative sie in der Sphäre der Freizeitgestaltung und der Massenmedien verankern. (...).
Innerhalb der Felder der Kulturproduktion befinden sich die jungen »Kreativen« daher in Opposition zu den etablierten klassisch-hochkulturellen Kulturproduzenten, d.h. den Künstlern, Literaturkritikern und Philologen im Kontext meist öffentlich geförderter und von den Kommunalparlamenten approbierter Theater, Opernhäuser, Orchester und Museen, deren Diskurs- und Deutungsmonopol sie mehr oder weniger erfolgreich angetastet haben. Während letztere ihre künstlerischen Ansprüche auf der Basis akademischer Bildung und staatlicher Förderung durchsetzen konnten, arbeiten die jungen »Kreativen«, die den Weg in die etablierte Kultur nicht geschafft haben, auf kommerzieller Basis und verstehen sich als Mittler zwischen einer pluralisierten und ausdifferenzierten Alltagskultur und der breiten Öffentlichkeit." (2011, S.418f.)

Mit dem Wandel der akademischen Berufsfelder ging gleichzeitig ein Wandel des Verhältnisses von Kultur und Ökonomie einher. Aus dem Gegensatz von Kultur und Ökonomie ist eine Ökonomisierung der Kultur ("kultureller Kapitalismus") geworden.

 
       
   

Richard Florida im WWW

www.creativeclass.org
 
       
   

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© 2002-2017
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 01.Juni 2007
Stand: 03. Dezember 2017