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Kommentar
ALTMEYER
gibt einen Überblick über die Verwendungsweisen
des Narzissmusbegriffs seit den 70er
Jahren.
Während
Herbert MARCUSE im Narzissten eine positive
Gegenfigur zum triebunterdrückenden Prometheus
der Leistungsgesellschaft gesehen hat, wurde der
Narzissmus in den 80er Jahren schnell zur
Leitfigur der Kulturkritik. Die negativen
Sichtweisen vom "neuen
Sozialisationstyp" (Thomas ZIEHE), über das
"Zeitalter des Narzissmus" (Christopher
LASCH) und Richard SENNETTs "Terror der
Intimität" bis zu den narzistischen Yuppies
führen geradewegs zu den atomisierten
"Elementarteilchen" der
Gegenwartsgesellschaft.
ALTMEYER
möchte nun auch die neuesten Entwicklungen wie
"Big Brother" auf den Narzissmus
zurückführen. Aus dem selbstverliebten,
selbstsüchtigen Autisten wird der
anerkennungssüchtige Narzisst. Diese
Neuinterpretation entspricht einem Wandel im
Menschenbild. Der Säugling wird nicht mehr als
umweltabhängiges Triebwesen, sondern als
interaktionstisches Kompetenzwesen gesehen.
Die
Psychoanalyse vollzieht hier eine "interaktionistische
Wende", die für Sozialpsychologen
schon länger selbstverständlich ist. Die
Pathologie der Single-Gesellschaft kann damit
bruchlos weitergeschrieben werden.
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